Kleine Christen
Tychikus, Epaphroditus, Epaphras

David R. Reid

© CSV, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 06.10.2017

Leitverse: Epheser 6,21.22; Philipper 2,25-30; Kolosser 4,12.13

Es gibt einen Song mit dem Titel „Kleine Leute“. Es ist eine ziemlich satirische Kritik an Leuten, die körperlich klein sind. Manche kleinen Leute lachen zusammen mit den übrigen Zuhörern und haben den Song sogar gern, aber es gibt auch solche, die durch den Song völlig außer Fassung geraten, weil sie sich dadurch degradiert und minderwertig fühlen.

Manche Christen haben einen „Kleine-Leute-Komplex“ – nicht wegen ihrer Körpergröße, sondern wegen ihrer geistigen Fähigkeiten. Diese Christen fühlen sich unterlegen und herabgesetzt, weil sie sich als unter dem Durchschnitt betrachten, was ihre natürliche Begabung oder ihre geistliche Gabe betrifft. Natürlich versichert uns die Bibel, dass es so etwas wie einen minderwertigen oder unbedeutenden Christen nicht gibt. Jeder Christ hat eine Verantwortung im Reich Gottes und eine Funktion am Leib Christi. Jedoch besteht für den wachsenden Christen, der nicht mit einem außergewöhnlichen natürlichen Talent oder mit einer herausragenden Persönlichkeit oder einer offensichtlichen geistlichen Gabe versehen ist, immer die Neigung, sich „klein“ zu fühlen. Fühlst du dich manchmal minderwertig und unbedeutend? Geht dir manchmal die Frage durch den Kopf: Wo war ich, als der Herr die Gaben und Talente verteilte? Nun, fasse Mut, die Bibel lässt erkennen, dass „kleine“ Christen sehr wichtig und sehr nötig für das richtige Funktionieren jedes christlichen Dienstes sind.

In den oben genannten Schriftstellen haben wir drei „kleine“ Christen, die mit dem Apostel Paulus verbunden waren: Tychikus, Epaphroditus und Epaphras. Paulus war ein dynamischer Führer und stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Er war ein großer Lehrer, Prediger und Missionar. Er war die herausragendste Gabe, die der auferstandene und aufgefahrene Christus Seiner Versammlung gab. Aber mit dem großen Apostel waren viele viele Diener des Herrn verbunden, die im Vergleich zu Paulus eher als „kleine Leute“ erschienen. Ihre Namen erscheinen sehr kurz auf den Seiten der Schrift, aber es wird genug über sie gesagt, um uns zu zeigen, dass sie ein sehr wichtiger und notwendiger Teil des Dienstes waren. Tychikus, Epaphroditus und Epaphras sind gerade drei dieser „kleinen“ Christen, die der Herr zu einem besonderen und bedeutungsvollen Dienst gebrauchte.

Tychikus

Eph 6,21.22: Auf dass aber auch ihr meine Umstände wisset, wie es mir geht, so wird Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, euch alles kundtun, den ich eben deshalb zu euch gesandt habe, auf dass ihr unsere Umstände wisset und er eure Herzen tröste.

Tychikus war ein „geliebter Bruder“ (Eph 6,21). Er war von der Art Christen, die man gern um sich hat: eine gute Haltung, hilfsbereit, leicht zu lieben. Nicht alle Christen verbreiten eine Atmosphäre der Liebe. Wir brauchen mehr geliebte Brüder und Schwestern wie Tychikus. Sie sind das äußerst wichtige und notwendige „Öl“ im Triebwerk des christlichen Dienstes. Bist du ein „geliebter Bruder“, oder sind andere Christen froh, wenn du wieder gehst?

Wir lesen auch, dass Tychikus ein „treuer Diener“ war. Er war zuverlässig und vertrauenswürdig. Man konnte sich darauf verlassen, dass er seine Sache erledigen würde. Kein Wunder, dass Paulus ihn wählte, um sowohl den Epheser- als auch den Kolosserbrief zu überbringen (Kol 4,7.8). Tychikus war sich wohl kaum darüber im Klaren, welch wichtige Rolle er im Plan Gottes spielte, die Schriften zu vollenden. Vielleicht sind die unbedeutenden Dinge, zu denen der Herr dich berufen hat, weitaus wichtiger, als du dir je vorgestellt hast. In 2. Timotheus 4,12 erfahren wir, dass Tychikus bis zum Ende treu war. Den 2. Timotheusbrief schrieb der Apostel Paulus aus dem Gefängnis in Rom, einige Monate bevor er den Märtyrertod starb. Zu dieser Zeit hatten viele Gläubige aus dem einen oder anderen Grund Paulus verlassen (s. 2Tim 1,15; 4,10), doch Tychikus blieb treu. Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit sind im christlichen Dienst heute nötiger denn je. Anderswo ist das „Gras immer grüner“ oder die Verkündigung anregender als in der kleinen Gemeinschaft in der Nähe oder dort, wo Gott dich durch Sein Wort hingestellt hat. Aber dies könnte genau der Dienst sein, wo der Herr von dir erwartet, dass du treu bist, Woche für Woche.

Noch etwas erfahren wir aus Epheser 6,22 über Tychikus, nämlich dass er fähig war, Glaubensgeschwistern Trost und Ermunterung zu bringen. Er war nicht nur der Überbringer von Briefen und Informationen. Er war ein Tröster. Bruder Tychikus hatte genau die richtige Persönlichkeit und das richtige Benehmen und die passenden Worte, um andere Christen zu trösten. Vielleicht bist du wie Tychikus. Viele Christen, deren Gaben und Talente mehr öffentlich sichtbar sind, versagen, wenn es darum geht, andere Gläubige in Zeiten von Leid oder Stress zu trösten. Vielleicht hat der Herr dich mit der einmaligen Fähigkeit begabt, jenen gläubigen Freund zu trösten, dessen Vater gerade gestorben ist, oder jenen Gläubigen zu ermutigen, der im Glauben schwankend geworden ist!

Epaphroditus

Phil 2,25-30: Ich habe es aber für nötig erachtet, Epaphroditus, meinen Bruder und Mitarbeiter und Mitstreiter, aber euren Abgesandten und Diener meiner Notdurft, zu euch zu senden; da ihn ja sehnlich nach euch allen verlangte, und er sehr bekümmert war, weil ihr gehört hattet, dass er krank war. Denn er war auch krank, dem Tode nahe; aber Gott hat sich über ihn erbarmt, nicht aber über ihn allein, sondern auch über mich, auf dass ich nicht Traurigkeit auf Traurigkeit hätte. Ich habe ihn nun desto eilender gesandt, auf dass ihr, wenn ihr ihn seht, wieder froh werdet, und ich weniger betrübt sei. Nehmt ihn nun auf im Herrn mit aller Freude und haltet solche in Ehren; denn um des Werkes willen ist er dem Tode nahe gekommen, indem er sein Leben wagte, auf dass er den Mangel in eurem Dienste gegen mich ausfüllte.

In Philipper 2,25-30 lesen wir von einem weiteren „kleinen“ Christen, der mit dem Apostel Paulus verbunden war. Sein Name war Epaphroditus. Die Versammlung in Philippi hatte ihn gesandt, um Paulus eine Geldgabe für seinen Dienst zu überbringen. Kaum war Epaphroditus in Rom angekommen, als er sehr krank wurde und fast gestorben wäre (Phil 2,27). Epaphroditus war nun traurig, weil er dachte, dass seine Heimatversammlung sich seinetwegen Sogen machte. Sie hatten ihn mit einer einfachen Mission betraut, und er konnte nicht einmal lange genug gesund bleiben, um die Rückreise zu machen! Epaphroditus war in diesem Punkt ganz mutlos und verwirrt (Phil 2,26). Zu was war er eigentlich nütze, ganz zu schweigen vom christlichen Dienst? Hast du dich jemals wie Epaphroditus gefühlt? Jeder andere scheint in der Lage zu sein, für Christus eine normale Arbeit zu tun, aber du versagst immer in der einen oder anderen Weise – du wirst sogar zur verkehrten Zeit krank!

Aber Moment mal! Bevor du endgültig aufgibst, schau dir einmal den göttlichen Kommentar über Epaphroditus in Philipper 2,29.30 an. Dieser „kleine“ Christ sollte in Ehren gehalten werden. Er sollte, wenn er nach Hause kam, wie ein Held empfangen werden. Warum? Weil er sein Leben wagte für das Werk Christi. Epaphroditus wurde nicht an einer Straßenecke in Rom niedergestochen, weil er das Evangelium verkündigt hatte, und er wurde auch nicht um seines Glaubens willen in der Arena wilden Löwen vorgeworfen. Nein, er wurde einfach sehr krank in der Ausübung des christlichen Dienstes. Vielleicht bekam er die römische Grippe!

Wie Gott Epaphroditus sieht, das sollte eine wirkliche Ermunterung für uns sein. Epaphroditus war traurig, dass er andere beunruhigt hatte, aber Gottes Wort ehrt ihn als jemand, der um Christi willen den Weg eines Märtyrers gegangen ist. Welch ein Segen, wenn wachsende Christen das erkennen! Natürlich sollten wir in vernünftiger Weise für unseren Leib sorgen, den der Herr uns gegeben hat, aber wenn wir uns beim Dienst für den Herrn Gefahr oder Krankheit gegenübersehen, können wir sicher sein, dass Gott es als Leiden für Ihn ansieht. Die Erfahrung, sich für Christus zu verausgaben, ist empfehlenswert!

Epaphras

Kol 4,12.13: Es grüßt euch Epaphras, der von euch ist, ein Knecht Christi Jesu, der allezeit für euch ringt in den Gebeten, auf dass ihr steht vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes. Denn ich gebe ihm Zeugnis, dass er viel Mühe hat um euch und die in Laodizea und die in Hierapolis.

Ein weiterer „kleiner“ Christ, der mit dem großen Apostel Paulus zusammenarbeitete, war Epaphras. Obwohl die Kolosser die „Gnade Gottes in Wahrheit“ von Epaphras gelernt hatten (Kol 1,6.7), stellt Paulus in Kolosser 4 nicht dessen Verkündigungsdienst in den Vordergrund, sondern seinen Gebete. Epaphras war ein großer Beter. Kolosser 4,12.13 berichtet uns, dass er im Gebet für seine Glaubensgeschwister rang. Wie oft ringen wir im Gebet für Glaubensgeschwister? Wir müssen bekennen, dass allzu oft unsere Gebete egozentrisch sind – unsere Probleme, unsere Nöte, unsere Wünsche. Wann haben sich das letzte Mal unsere persönlichen Gebete so weit erstreckt, dass wir für das geistliche Wachstum von Brüdern und Schwestern gebetet haben, die wir kennen? Haben wir jemals in Gebeten für andere Gläubige „gerungen“ – vielleicht sogar unter Tränen? Im Gebet für andere zu ringen, ist ein sehr wichtiger Teil des christlichen Dienstes, und es ist etwas, was wir alle tun können, unabhängig von unseren natürlichen Talenten oder geistlichen Gaben.

Epaphras wird auch in Philemon Vers 23 erwähnt. Hier nennt Paulus ihn „meinen Mitgefangenen“. Das ist sehr interessant. Als Paulus seinen Brief an Philemon schrieb (wie auch seine Briefe an die Epheser, Philipper und Kolosser, die als die vier Gefängnisbriefe bekannt sind), war er in Rom unter Hausarrest. Das bedeutete, dass er frei war, in seinem eigenen gemieteten Haus zu wohnen, aber er war immer an einen römischen Soldaten gekettet. Unter diesen schwierigen Umständen schrieb Paulus Briefe und verbreitete das Evangelium, während er auf seine Gerichtsverhandlung vor dem Kaiser wartete (Apg 28,30.31). Die Tatsache, dass Paulus Epaphras seinen „Mitgefangenen“ nennt, zeigt, dass Epaphras sich wahrscheinlich freiwillig der Gefangenschaft unterzog, um den Apostel in dieser Situation zu unterstützen. Vielleicht taten er und Aristarchus (ein weiterer „kleiner“ Christ, der in Kolosser 4,10 „mein Mitgefangener“ genannt wird) das schichtweise und schrieben, neben anderen Dingen, für Paulus als seine Sekretäre. Jedenfalls scheint es so zu sein, dass Epaphras freiwillig seine Freiheit aufgab, um Paulus zu unterstützen. Würdest du das tun: deine Freiheit aufgeben, um einem anderen Christen in seinem Dienst zu helfen? Oder findest du, dass du eher egoistisch bist und dir selbst in christlichen Kreisen einen Namen machen möchtest? Vielleicht hat Gott dich dazu berufen, eine unterstützende Rolle in irgendeinem christlichen Dienst zu spielen – hinter den Kulissen, aber sehr wichtig.

Gottes Wort zeigt uns, dass „kleine“ Christen nicht minderwertig oder unbedeutend sind. Alle Christen sind potentielle „Riesen“ im christlichen Glauben und Dienst, soweit es Gott betrifft!


Originaltitel: „Kleine Christen“
aus Folge mir nach, 2/1994, S. 20–23
Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen
engl. Originaltitel: „Short Christians“
Quelle: www.growingchristians.org

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