„Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich?“
1. Korinther 4,7; Lukas 12,48

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 15.07.2023, aktualisiert: 05.12.2023

Leitverse: 1. Korinther 4,7; Lukas 12,48

1Kor 4,7: Was aber hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?

Lk 12,48: Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.

Haben oder Nichthaben

Das Ende des Schuljahres bzw. des Semesters bedeutet für viele Schüler und Studenten entweder „Freude über den Sieg“ oder „Qual der Niederlage“! Einige erhalten schulische bzw. akademische und sportliche Auszeichnungen, gute Jobangebote und Stipendien. Andere dagegen sind enttäuscht über ihre Noten, erhalten keine Auszeichnungen, haben schlechte Berufsaussichten und bekommen kein Stipendium. Vielleicht befindest du dich gerade in der einen oder anderen Kategorie.

Die oben zitierten Bibelstellen haben allen wachsenden Christen, die sich an einem der beiden Enden dieses Spektrums von „Haben“ und „Nichthaben“ befinden, etwas zu sagen. Einerseits sollten diese Bibelstellen diejenigen Christen demütig machen, die sich aufgrund ihrer Intelligenz und ihrer Leistungen für großartig halten. Andererseits können dieselben Bibelstellen jenen Schülern und Studenten Mut machen und Hoffnung geben, die denken, sie hätten den Kürzeren gezogen, als die Talente und Begabungen verteilt wurden.

In den folgenden Ausführungen gehe ich vor allem darauf ein, dass diese Bibelstellen eine Ermahnung sind für Christen, die zu sehr von sich selbst und ihren Leistungen überzeugt sind. Doch vorher wollen wir noch darüber nachdenken, wie diese Bibelstellen den namenlosen Christen, der nicht besonders talentiert oder begabt ist, ermutigen kann.

Wenn du zu schlecht von dir denkst

Im Licht der Wahrheit von 1. Korinther 4,7 und Lukas 12,48 sollte uns eins trösten und ermutigen: Gott verlangt nichts von uns, was Er uns nicht gegeben hat. Er ist nicht wie die unvernünftigen Eltern, die von ihren Kindern eine glatte Eins in der Schule erwarten, obwohl die Kinder nur durchschnittlich begabt sind. Nein, Gott ist schon eher wie die vernünftigen und verständnisvollen Eltern, die von ihren Kindern erwarten, dass sie ihr Bestes geben mit dem, was sie haben.

Gott hat uns so gemacht, wie wir sind, und hat uns nach seinem Ermessen bestimmte Fähigkeiten gegeben oder auch nicht gegeben. Er kennt uns durch und durch und macht uns nicht verantwortlich für Begabungen, die Er uns nicht gegeben hat: „Er kennt unser Gebilde, ist eingedenk, dass wir Staub sind“ (Ps 103,14). Gottes Grundlage, nach der Er die Kinder in seiner Familie beurteilt, richtet sich immer „nach dem, was jemand hat, und nicht nach dem, was jemand nicht hat“ (2Kor 8,12). Wir dürfen uns so annehmen, wie Gott uns geschaffen hat; wir dürfen unsere Grenzen kennen und wissen, dass unser himmlischer Vater uns nicht für das beurteilen wird, was wir nicht haben – dieser Gedanke sollte für uns wachsende Christen eine gewaltige Ermutigung sein.

Der Vers soll vor allem jenen Christen Hoffnung geben, die oft entmutigt sind, weil sie scheinbar nie ganz mithalten können: weder im Klassenzimmer noch auf dem Sportplatz oder noch nicht einmal in der christlichen Gemeinschaft auf dem Universitätscampus. Natürlich sollte niemand diese Ermutigung als Ausrede verstehen, um faul zu sein, aufzugeben oder sich vor der Verantwortung drücken. Gott erwartet von uns, dass wir das, was Er uns gegeben hat, weiterentwickeln und auch neue Aufgaben übernehmen, während wir unsere Fähigkeiten verbessern und ausbauen. (Siehe Lukas 8,16-18; 1. Timotheus 4,14.15 und 2. Timotheus 1,6.) Und denk daran: In Gottes Familie gibt es keine unwichtigen Leute. Jedes Glied am Leib Christi ist wichtig, damit der Leib reibungslos funktionieren kann. (Lies 1. Korinther 12,12-27.)

Wenn du zu hoch von dir denkst

An dem einen Ende des Spektrums steht also der Christ, der ein schlechtes Bild von sich selbst hat; an dem anderen Ende des Spektrums steht der Christ, der ein übersteigertes Bild von sich hat. Dieser Christ ist zwar sehr begabt und erfolgreich, und für ihn gehören Auszeichnungen und Ehrungen dazu und sind selbstverständlich. Aber so jemand denkt, er hätte seine Leistungen und Erfolge ausschließlich seinen eigenen Anstrengungen zu verdanken. Und das ist noch nicht alles: Solch ein Christ neigt dazu, auf andere herabzusehen und sie sogar zu verachten, wenn sie nicht so talentiert und begabt sind wie er selbst. Nun, dieselben Bibelstellen haben auch diesem hochmütigen Christen etwas zu sagen. Übrigens trifft das auf die meisten Gläubigen in dem einen oder anderen Maß zu! Hast du schon einmal über jemand gelacht, dem es schwerfällt, Worte zu finden oder der beim Sport unbeholfen aussieht?

Alles, was wir haben, haben wir von Gott empfangen

„Was hast du, das du nicht empfangen hast?“ – diese Aussage lässt sich auf vielerlei Weise anwenden, denn alles, was wir haben, haben wir empfangen. Hast du gutes Aussehen? Du hast es erhalten. Hast du sportliches Talent? Du hast es erhalten. Hast du wissenschaftliche Begabung? Du hast sie erhalten. Hast du Charisma? Du hast es erhalten. Hast du die Fähigkeit zu predigen? Du hast sie erhalten. Hast du die geistliche Gabe des Lehrens? Du hast sie erhalten. Wenn wir einmal darüber nachdenken, dann kommen wir zu dem Schluss: Es gibt absolut nichts, was wir haben, das wir nicht von Gott erhalten hätten. Sogar die guten Noten und die guten Jobangebote sowie die Auszeichnungen und Preise, die wir uns „verdienen“, verdanken wir nur den Talenten und Fähigkeiten, die Gott uns gegeben hat.

Der springende Punkt in dieser Bibelstelle ist: „Wenn du es empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ Wie absurd, wenn Schüler und Studenten mit ihren guten Noten angeben, wenn ihre Intelligenz ihnen doch von Gott gegeben worden ist. Gott hätte die Intelligenz genauso gut jemand anders geben können, denn Er ist derjenige, der „dich anders macht als die anderen“[1]

Wie unsinnig ist es doch, wenn Sportler ihre Leistungen und Siege sich selbst zuschreiben. Ihre Kraft, ihre Koordination, ihre Geschicklichkeit und sogar ihre Fähigkeit zu trainieren – das alles ist ihnen gegeben worden. Gott hätte sich auch dafür entscheiden können, ihre sportlichen Fähigkeiten anderen zu geben. Es ist unangebracht, wenn Christen, denen mehr gegeben ist, auf Christen herabsehen, denen weniger gegeben ist, egal, in welchem Lebensbereich. Der Herr hätte es sicherlich auch andersherum machen können!

Die Folgen des Hochmuts

Wenn Christen stolz werden und nicht erkennen, dass wir alles, was wir haben, empfangen haben, hat das auch Auswirkungen auf viele andere Menschen. Es kommt nicht nur zu kleinlichen Eifersüchteleien und Verstimmungen zwischen Einzelnen, sondern auch zu Spaltungen und Trennungen innerhalb christlicher Gruppen. Es bilden sich Grüppchen, wenn erfolgreiche, aber selbstsüchtige, hochmütige Christen beginnen, Anhänger zu gewinnen und zu beeinflussen. Viele Gemeinden erleben, wie das Werk des Herrn behindert und Segen zurückgehalten wird, weil solche Menschen mit ihrer forschen und unverblümten Art ein allzu häufiges Problem darstellen. Diese Christen mögen talentierte und begabte Leiter sein, aber sie sind gleichzeitig auch stolz und selbstsüchtig – allerdings sehen sie ihr Problem meist nicht. Irgendwie erkennen sie nicht, dass sie kein Recht dazu haben, sich etwas einzubilden und zu prahlen, denn all ihre herausragenden Fähigkeiten sind ihnen geschenkt worden.

Das war übrigens genau das Problem, das in der Versammlung in Korinth auftrat und das die Vorgeschichte für unseren Bibelvers 1. Korinther 4,7 ist. (Lies 1. Korinther 1–3.). Bevor jemand zu dem Schluss kommt, dieser Abschnitt beziehe sich nicht auf ihn, sollte er ganz genau in den Spiegel schauen!

Verantwortlich für das, was wir haben

Lukas 12,48 ist die biblische Konsequenz von 1. Korinther 4,7. Wir sollen nicht stolz sein auf das, was wir erhalten haben, sondern verantwortlich für das, was wir erhalten haben. Und je mehr wir erhalten haben, desto mehr sollen wir zur Ehre Gottes einsetzen. Wir sind nicht verantwortlich, wenn wir das, was wir nicht haben, nicht nutzen, aber wir sind verantwortlich, wenn wir das, was wir haben, nicht nutzen. Christliche Schüler und Studenten, die mit Köpfchen gesegnet sind und nicht jeden Tag bis in die Nacht hinein lernen müssen, sind vor dem Herrn dafür verantwortlich, dass sie ihre Fähigkeiten weise einsetzen und nicht unnötig viel Zeit mit Computerspielen vergeuden! Möglicherweise hat Gott ihnen deshalb einen scharfen Verstand gegeben, damit sie ihre zusätzliche Zeit nutzen, um auf dem Campus eine christliche Gruppe zu leiten.

Es versteht sich von selbst, dass wir dafür verantwortlich sind, die geistlichen Gaben, die der Herr uns gegeben hat, zu entwickeln und einzusetzen. Es ist falsch, wenn wir den größten Teil unserer Zeit und Energie damit verbringen, mehr Geld zu verdienen und zu versuchen, das Maximum aus dem Leben herauszuholen, während wir unsere geistlichen Gaben so wenig einsetzen, dass dies zu einer weniger dringlichen Nebenbeschäftigung wird. Eines Tages werden wir dem Herrn persönlich Rechenschaft geben müssen, wie wir die geistlichen Gaben eingesetzt haben, die Er uns anvertraut hat. Auch Christen mit gutem Aussehen oder sportlichen Fähigkeiten sind dafür verantwortlich, diese Segnungen zur Ehre Gottes einzusetzen und nicht, um sich selbst zu gefallen und sich selbst zu verherrlichen. Ein Christ mit gutem Aussehen oder sportlichen Fähigkeiten hat hervorragende Möglichkeiten, Menschen für den Herrn zu gewinnen.

Aus Lukas 12,48 können wir schließen, dass wir es uns nicht aussuchen können, ob wir mit dem, was wir erhalten haben, verantwortungsvoll umgehen. Wir haben keine Wahl, es ist vielmehr unsere Verantwortung. Wir sollen das, was Gott uns gibt, nicht vergeuden oder missbrauchen, sondern zu seiner Ehre einsetzen. Wenn wir die Gaben und Fähigkeiten, die wir erhalten haben, treu einsetzen, wird unser Herr uns eines Tages dafür loben. (Lies 1. Korinther 4,5 und Matthäus 25,14-30.) Wir sollten uns nie auf der Grundlage dessen rühmen, was Gott uns gegeben hat, sondern vielmehr auf der Grundlage dessen, wie wir das, was wir erhalten haben, einsetzen.


Originaltitel: „No claim to fame“
Quelle: www.growingchristians.org 
Online nur noch im Webarchiv verfügbar.

Übersetzung: Gabriele Naujoks

Anmerkungen

[1] Anm. d. Üb.: Wortlaut der King-James-Übersetzung in 1. Korinther 4,7: Who makes you different from anyone else? Die CSV-Elberfelder übersetzt: „Denn wer unterscheidet dich?“ Andere übersetzen: „Wer räumt dir einen Vorrang ein?“

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