Anbetung ist eine Lebensweise
Markus 14,3-9; Matthäus 26,6-13; Johannes 12,1-8

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 08.05.2008, aktualisiert: 15.12.2017

Leitverse: Markus 14,3-9

Mk 14,3-9: Und als er in Bethanien war, im Haus Simons, des Aussätzigen, kam, während er zu Tisch lag, eine Frau, die ein Alabasterfläschchen mit Salböl von echter, sehr kostbarer Narde hatte. Sie zerbrach das Alabasterfläschchen und goss es aus auf sein Haupt. Einige aber waren unwillig bei sich selbst [und sprachen]: Wozu ist diese Vergeudung des Salböls geschehen? Denn dieses Salböl hätte für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie; was macht ihr ihr Schwierigkeiten? Sie hat ein gutes Werk an mir getan; denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohl tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie vermochte; sie hat im Voraus meinen Leib zum Begräbnis gesalbt. Aber wahrlich, ich sage euch: Wo irgend das Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch davon geredet werden, was diese getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

(Lies auch Matthäus 26,6-13 und Johannes 12,1-8.)

Einige Christen sind der Meinung, dass Anbetung nur in einer Kirche möglich ist, dass sie nur aus blumigen Phrasen besteht, die so spontan aus dem Mund kommen, und dass sie nur stattfindet, wenn wunderschöne warme Gefühle die Seele durchfluten. Gut, vielleicht sind diese Ansichten der Anbetung nicht ganz falsch, aber es ist wahr, dass viele Christen solche verzerrten Ansichten darüber haben, was überhaupt Anbetung ist. Was ist nun eigentlich Anbetung?

Wenn wir alle Schriftstellen zum Thema Anbetung anschauen, können wir das ganz einfach wie folgt zusammenfassen: Anbetung bedeutet, dass ich Gott gegenüber anerkenne, wer Gott ist und was Gott tut. Diese Anerkennung muss von Herzen kommen – sie besteht nicht einfach in einigen äußerlichen mechanischen religiösen Handlungen. Anbetung Gottes ist ohne Liebe unvorstellbar. Die Anerkennung kann vom Mund, aber auch von Herzen kommen. Das heißt: Anbetung kann entweder aus Worten bestehen – Lob und Dank an Gott für das, was Er ist und was Er tut – oder sie kann ohne Worte aus Taten bestehen. Zum Beispiel betet ein christlicher Student, der sich trotz Verspottung und Bedrängnis weigert, seine moralischen Maßstäbe herunterzuschrauben, Gott an. Durch seine Lebensweise erkennt er Gott und seine Maßstäbe für Heiligkeit an. Auch ein Christ, der ohne Zorn oder Bitterkeit von Gott das annimmt, was andere eine Tragödie nennen, betet Gott an. Er erkennt vor Gott dessen Herrschaft und dessen Ansprüche an, die Er an sein Leben stellt. Anbetung ohne Worte ist aus Gottes Sicht viel eher annehmbar als Gebete und Lobpreis, die sonntagmorgens „in den Mund genommen werden“, wenn man ansonsten nur klagt und in seinem Leben Kompromisse eingeht (lies Jes 1,10-17). Das Beste wäre natürlich, wenn alle unsere Worte und Taten von Anbetung charakterisiert wären – im Schmelztiegel des Lebens, aber auch im Rahmen der Gemeinde. Anbetung ist nicht nur eine von vielen Kategorien im „christlichen Leben“. Anbetung ist die Gesamtsumme des Lebens als Christ.

Einige Aspekte der Anbetung werden uns in dem Bericht in Markus 14,3-9, wo der Herr Jesus von der Frau gesalbt wird, vorgestellt. Wegen des parallelen Berichts in Johannes 12,1-8 glauben wir, dass die Frau Maria von Bethanien war (Lk 10,39: „die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Worte zuhörte“). Wir können vieles über unsere eigene Anbetung lernen, wenn wir Marias Tat der Anbetung studieren.

Anbetung beinhaltet Opfer!

Dieser Aspekt der Anbetung wird betont durch das, was es Maria gekostet hat, den Herrn zu salben. Reine Narde war ein sehr teures Parfüm, welches über einen langen Weg aus Indien importiert wurde. Dreihundert Denare (Mk 14,5) waren zu dieser Zeit ungefähr ein Jahreslohn für einen Durchschnittsarbeiter. Wir sehen, dass eine Menge harter Arbeit und Opfer in Marias Anbetung flossen. Kostet mich die Anbetung Gottes etwas oder ist sie nur ein „billiges Parfüm“, das kein Opfer beinhaltet? Wird zum Beispiel meine Anbetung in diesem Sommer irgendwelche Opfer an Zeit für den Herrn beinhalten – oder will ich in diesem Sommer nur all den Spaß haben, den ich irgend kriegen kann?

Dass Maria das Parfüm über den Kopf des Herrn gegossen hat, sollte nicht als unpassend oder „weit hergeholt“ in Frage gestellt werden. Es war in diesem trockenen und heißen Klima der übliche Brauch, dass den Gästen ihre Füße gewaschen wurden und ihr Kopf mit Öl gesalbt wurde. Ungewöhnlich ist hier jedenfalls, dass Maria nicht das allgemein übliche Salböl benutzte, sondern sehr teures Parfüm. Marias Tat war ungewöhnlich. Überlege einmal, was sie mit den 300 Denaren hätte machen können; dennoch opfert sie in einer einzigen Tat alles aus Liebe zu ihrem Herrn. Denk einmal darüber nach, was wir alles mit einem Jahreslohn anfangen könnten! Sind wir bereit, dem Herrn so viel auf einmal zu opfern? Ob mit dem Mund oder mit dem Leben – Anbetung beinhaltet Opfer (lies Hebräer 13,15.16 und Römer 12,1). Wie viel kostet uns die Anbetung Gottes?

Anbetung hält nichts zurück; sie findet einen Weg nach außen

Das ist ein Schritt weiter als ein Opfer. Es ist möglich, etwas zu opfern, aber immer noch die Hälfte zurückzuhalten. Das ist nicht die Art des Anbetens. Schau dir wiederum Marias Handlung an. Der Herr war ein Gast im Haus von Simon dem Aussätzigen. (Vielleicht war er einer von denen, die der Herr geheilt hatte.) In dieser Kultur lagen die Leute auf kurzen Liegen ohne Rückenlehnen rund um den niedrigen Esstisch. Sie aßen mit einer Hand, wobei sie sich mit dem anderen Ellbogen abstützten. Das ist mit „am Tisch liegen“ in Vers 3 gemeint. Es scheint, als ob Maria, ihre Schwester Martha und ihr Bruder Lazarus auch Gäste dort waren. Im Laufe der Mahlzeit kam Maria zur Liege des Herrn, zerbrach die Alabasterflasche (ein weißer, durchsichtiger und fein gearbeiteter Stein) und goss den ganzen Inhalt des kostbaren Parfüms über den Herrn. Johannes 12,3 sagt uns, dass es ein ganzes Pfund war. Das ist eine Menge Parfüm! Übrigens ist Nardenöl keine ölige oder klebrige Substanz, die aufgewischt werden muss. Reine Narde war ein sehr leichtes, schnell verdunstendes flüssiges Parfüm, das schnell verdampfte und keine Flecken hinterließ. Keine Frage, „das Haus aber wurde von dem Geruch der Salbe erfüllt“ (Joh 12,3). Der Punkt ist allerdings, dass Maria in ihrer Anbetung nichts zurückhielt. Sie salbte den Herrn nicht nur mit ein paar Tropfen ihres kostbaren Besitzes. Sie benutzte nicht nur die Hälfte ihres Parfüms und behielt den Rest für sich. Sie gab das Ganze! Das ist die höchste Form der Anbetung.

In Markus 14,8 sagt der Herr: „Sie hat getan, was sie vermochte.“ Die volle Kraft dieser Aussage geht in unserer Übersetzung verloren. Es klingt, als würde Jesus sagen: Nun, Maria konnte nicht viel tun, aber sie hat das bisschen getan, was sie konnte. – Was der Herr wirklich sagt, ist, dass Maria alles tat, was sie konnte. Sie ging bis an die Grenze ihrer Fähigkeiten – sie gab alles! Wie sieht es bei uns aus? Muss der Herr in Bezug auf unsere Anbetung sagen, dass wir nur ein „paar Tropfen“ von dem, was wir hätten tun können, gaben oder dass wir nur die Hälfte von dem, was wir tun konnten, taten? Oder kann Er sagen, dass wir alles getan haben, was uns möglich war? Was ist mit meinen Plänen für meine Zukunft und meine Karriere? Halte ich irgendetwas vor Gott nur für mich zurück? Anbetung hält nichts zurück – sie gibt alles.

Anbetung ist keine Verschwendung von Zeit und Mühe

Wir lesen, dass einige der Gäste (Judas, ebenso wie die anderen Jünger; lies Johannes 12,4 und Matthäus 26,8) nicht mit Marias Art der Anbetung einverstanden waren. Sie nannten sie verschwenderisch und sagten, dass das Geld besser als Wohltat für Arme hätte gespendet werden sollen (Mk 14,4.5). Nun, solche Bemerkungen scheinen vernünftig genug, oder? Schließlich kann ein Jahreslohn viele Bedürfnisse der Armen befriedigen. Warum das Geld für eine Flasche teuren Parfüms verschwenden, wenn es auch gewöhnliches Salböl getan hätte? Vielleicht war Maria in den Emotionen des Moments gefangen und hätte zurückgehalten werden sollen! Aber solch ein Denken wird vom Herrn abgelehnt. Er verteidigt Marias Tat nicht nur, Er lobt sie sogar (Mk 14,6). Es war keine Verschwendung, sondern eine „gute Tat“.

Viele Leute heutzutage haben etwas auszusetzen an Christen, die ihre Zeit mit Gebeten und Lobpreis „verschwenden“, während die schreiende Not der Welt uns umgibt. Wie können wir es rechtfertigen, „Zeit zu verschwenden“, zum Beispiel wenn wir das Mahl des Herrn feiern, während Kinder in der Stadt Hunger leiden? Wie beantwortet die Schrift diese Frage? Beachte, dass Jesus ihnen nicht sagte, dass sie die Armen vergessen sollten, um Ihn anzubeten. Stattdessen ermutigt Er sie, sich immer darum zu bemühen, diesen ständigen Nöten zu begegnen (Mk 14,7). Tatsache ist, dass es Anbetung ist, im Namen Jesus den Nöten der Armen entgegenzukommen. Damit erkennen wir Gottes Sorge und Fürsorge für seine Schöpfung an. Wie sieht es mit unserer Anbetung in diesem Bereich aus? Aber – für die Armen zu sorgen ohne Liebe zu Christus, ist keine Anbetung und für einen Christen nicht richtig. Einige wachsende Christen neigen dazu, in diesem Punkt unausgewogen zu werden – in beide Richtungen. Wir können beides am besten zusammenbringen, wenn wir dem Herrn ständig für alles danken und diesen Lobpreis immer in unsere Taten zum Besten für andere fließen lassen.

Die Tiefe von Marias Anbetung wird darüber hinaus in Markus 14,8 gezeigt. Was meint der Herr, wenn Er sagt: „Sie hat zum Voraus meinen Leib zum Begräbnis gesalbt“? Maria wusste, dass der Herr im Begriff war, sein Leben zu geben. Es scheint, sie hätte die Lehre des Herrn über seinen Tod und seine Auferstehung weit besser verstanden als die anderen Gläubigen – sogar besser als die Jünger (lies Markus 8,31-33 und 9,31.32). Die normale Prozedur war, den Körper nach dem Tod (Joh 19,40) mit Gewürzen zu salben. Maria hatte verstanden, dass der Herr bald von ihnen genommen würde, also salbte sie seinen Körper für seine Beerdigung, solange sie noch die Gelegenheit hatte. (Beachte, dass Johannes 12,3 deutlich macht, dass die Salbung des Körpers sich nicht auf den Kopf beschränkte.) Also war Marias Tat mehr als nur der übliche Brauch, den Kopf eines Gastes zu salben. Da war eine Tiefe von Anbetung, die weit tiefer geht, als es oberflächlich betrachtet aussieht. Die anderen Gäste sahen nur eine offensichtliche Verschwendung von teurem Parfüm. Sie sahen Marias Handlung als eine spontane Tat an, ohne jede Überlegung, die aus einer gefühlsmäßigen Überspanntheit der Eingebung des Augenblicks heraus folgte. Der Herr Jesus wusste, dass es ein gut überlegter und vernünftiger Akt der Anbetung war.

Es ist diese Tiefe der Anbetung, die unser Herr lobt und von der in Markus 14,9 gesagt wird, dass sie nicht vergessen werden wird. Marias Tat war keine Verschwendung an Zeit oder Aufwand; sie hatte Ewigkeitswert. An die Salbung Jesu durch Maria von Bethanien wird man sich erinnern, wo immer das Evangelium auf der ganzen Welt verbreitet wird – es wird immer in Erinnerung bleiben! Dasselbe gilt für deine Anbetung Gottes. Die Anbetung, die du in diesem Sommer Gott bringst, egal in welchem Dienst oder in welcher Arbeit, die Gott dir auch gibt, wird niemals vergessen werden.

Lasst uns Gott mit unseren Lippen und mit unserem Leben in allem anerkennen: in der Schule und im Studium, im sozialen Leben und in der Arbeit dieses Sommers. Lass Anbetung deine Lebensweise sein.


Originaltitel: „Worship is a way of life“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Ruben Isenberg

Weitere Artikel des Autors David R. Reid (92)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...