Neujahrsvorsätze
Nehemia 10; 13

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 05.03.2018

Leitvers: Nehemia 10,1

Neh 10,1: Und auf all dieses hin schließen und schreiben wir einen festen Bund. Und auf der untersiegelten Schrift stehen die Namen unserer Obersten, unserer Leviten und unserer Priester.

Lies Nehemia 10 und 13.

Einleitung

Der Januar ist der Monat, in dem wir die meisten unserer guten Vorsätze zum neuen Jahr brechen. Bevor der erste Monat des neuen Jahres vorüber ist, ist unser „Neuanfang“ bereits Geschichte. Unser Vorsatz, zehn Minuten pro Tag zu joggen, wird korrigiert zu „zehn Minuten pro Woche“. Unser Vorsatz, jede Woche ein Pfund abzunehmen, wird verändert zu „nicht zunehmen“. Unseren Vorsatz, eine Stunde früher aufzustehen, um mehr Zeit mit dem Herrn zu verbringen, haben wir dahingehend verändert, dass wir irgendwann im Verlauf des Tages eine „Fünf-Minuten-Andacht“ einlegen, und das auch nur, wenn nichts „Wichtigeres“ dazwischenkommt! Wir neigen als Menschen einfach dazu, mit allen guten Vorsätzen zu scheitern. Und als wachsende Christen sind wir auch nicht immun dagegen. Unsere gutgemeinten Pläne für mehr Disziplin und Effektivität in unserem Leben als Christ sind oft nicht mehr als „nur Pläne“! Wie entmutigend! Was ist die Antwort?

Was wir uns klarmachen sollten!

Die Antwort, die uns die Schrift gibt, kann man in folgenden Punkten zusammenfassen:

  1. Wir müssen nicht in irgendeinem Punkt scheitern.
  2. Aber es ist sehr leicht möglich, dass wir in einigen Punkten versagen.
  3. Deshalb sollten wir uns intensiv mit dem beschäftigen, was zu Zentralproblemen des Versagens in unserem Leben werden kann.

Zu Punkt 1:
Die Bibel lehrt: Wenn ein Mensch Christ wird, bekommt er ein ganz neues Leben in Christus (2Kor 5,17). Die Kraft des neuen Lebens ist der Heilige Geist, der in jedem Gläubigen wohnt (1Kor 6,19). Deswegen ist der Christ auch in der Lage, nicht zu sündigen (Röm 6,11–13; 8,9-12). Wir wissen aus der Schrift auch, dass Gott uns nicht über unser Vermögen prüft. 1. Korinther 10,13 versichert uns, dass es keine Situation geben kann, mit der wir nicht fertigwerden können. Es mag sehr schwierige Situationen geben, aber der Christ braucht in keiner Situation zu sündigen oder zu versagen.

Zu Punkt 2:
Der zweite Teil der Antwort ist ebenso wahr für jeden Christen. Wir sind nicht vollkommen – noch nicht! Viele von uns wollen das nicht wahrhaben! Wir müssen zwar nicht sündigen, aber es ist doch sehr leicht möglich. Jakobus sagt: „Wir alle straucheln oft.“ Obwohl wir in Christus neues Leben haben, ist die alte Natur noch in uns. Die Sünde ist immer noch in unseren sterblichen Körpern vorhanden, auch wenn sie seit Golgatha ein besiegter Feind ist. Wir sind erst dann vollkommen frei von Sünden, wenn wir beim Herrn sind. Erst dann werden wir vollkommen sein (1Joh 3,2; Röm 8,23). In der Zwischenzeit sollten wir jede Anstrengung unternehmen, um nicht zu sündigen (Heb 12,1; Röm 6,15-19) und um uns der Leitung des Heiligen Geistes zu unterwerfen (Gal 5,16-18; Röm 8,1-4). Und was ist mit den Sünden, die wir noch begehen werden? Wir bekennen sie dem Herrn. Bekenntnis bringt die verheißene Reinigung (1Joh 1,9; 2,1). [Dieser Absatz wurde von der SW-Redaktion leicht geändert.]

Zu Punkt 3:
Der Grund für den dritten Teil der Antwort ist ein sehr praktischer Grund. Sünden haben einen Schneeballeffekt! Wenn wir in einem Bereich versagen, dann dauert es nicht lange, bis wir auch in anderen Bereichen versagen. Deshalb müssen wir uns mit den Schlüsselbereichen beschäftigen – das sind Bereiche, die zu Brennpunkten des Versagens werden können. Wenn Sünden und Versagen in diesen Hauptbereichen Platz gewinnen, dann neigen sie dazu, dass sie immer größer werden. Die Folge ist manchmal ein Leben des Versagens.

Drei Bereiche in unserer Verantwortung

Es gibt drei grundlegende Bereiche, in denen ein wachsender Christ ganz vor seinem Herrn stehen sollte. Wir wollen diese Bereiche unsere Verbindungen, unsere Zeit und unseren Schatz nennen. Das klingt wie ein banales Thema einer Kurzpredigt, ist aber ganz und gar nicht banal.

Die „Verbindungen“ haben zu tun mit unserem Freundeskreis bzw. unserer Verwandtschaft; die „Zeit“ hat zu tun mit unseren Prioritäten; und der „Schatz“ hat zu tun mit unserem Besitz. Wenn diese grundlegenden Bereiche nicht wirklich Hauptpunkte unserer Hingabe bleiben, dann können sie die Hauptpunkte des Versagens werden.

Die Schriftstellen, die wir aus dem Buch Nehemia ausgewählt haben, betonen, wie wichtig es ist, in diesen drei Bereichen hingegeben zu sein. Nehemia zeichnete für uns die Ereignisse in der Geschichte Israels am Ende des Alten Testaments auf. Er motivierte das jüdische Volk, das aus der Gefangenschaft in Babylon in sein Heimatland zurückgekehrt war, die Mauer von Jerusalem wiederaufzubauen (Neh 1–6). Nach Beendigung des Mauerbaus war eine Zeit großer Freude und Erweckung unter dem Volk Gottes (Neh 7–9). Die Erweckung geschah nicht allein deshalb, weil das Volk in sein Land zurückgekehrt war, sondern weil mit dieser Rückkehr auch eine geistliche Rückkehr zu dem Gott der Väter verbunden war. In Nehemia 9,38 sehen wir, dass die Führer des Volkes Gottes einen „Vorsatz zum neuen Jahr“ machten: Sie wollten von nun an dem Herrn treu folgen. In Kapitel 10 lesen wir, dass nicht nur die Führer sich daran beteiligten, sondern dass das ganze Volk diesen Vorsatz beherzigen wollte – auch die Jugendlichen (Neh 10,28.29)! Wenn wir die letzte Hälfte des 10. Kapitels untersuchen, dann werden wir entdecken, dass die drei Bereiche, in denen sie Hingabe versprachen, ihre „Verbindungen“ (Neh 10,30), ihre „Zeit“ (Neh 10,31) und ihren „Schatz“ (Neh 10,32-39) betrafen. 

In Nehemia 13 waren mindestens zwölf Jahre seit der Zeit dieser Weihe vergangenen. Während der zweiten Hälfte dieser Zeit war Nehemia außerhalb von Jerusalem, um geschäftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Als er zurückkehrte, hatte sich die Situation drastisch verschlechtert. Die drei Zentralpunkte der Weihe waren zu Zentralpunkten des Versagens geworden.

Erster Zentralpunkt: „Verbindungen“

In Nehemia 10,30 versprach Israel, keine Ehen mit den benachbarten Heiden einzugehen. Sie wollten rein bleiben in ihren Beziehungen. In Nehemia 13,23-28 lesen wir, dass das Volk sein Versprechen gebrochen hatte. Das Resultat: Die Kinder dieser gemischten Ehen wurden von der sie umgebenden Kultur angesteckt (Neh 13,24). Selbst die hohepriesterliche Familie war nicht länger frei davon (Neh 13,28).

Die Anwendung dieser Dinge auf einen wachsenden Christen ist ziemlich klar. 2. Korinther 6,14 sagt uns, dass wir „nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen“ sein sollen. Aus einer Eheschließung mit einem Ungläubigen resultieren jahrelange Probleme. Das Haus ist dann nicht christusorientiert und die Kinder werden von der sie umgebenden Welt angesteckt. Ein „ungleiches Joch“ wird ein Hauptpunkt des Versagens. Gott kann in seiner wunderbaren Güte in diese Situation eintreten und die Stücke zusammenflicken, aber eine Narbe wird bleiben.

Gottes Wort in Bezug auf die Ehe ist ganz klar und wir müssen diesem Wort gehorchen. Sicherlich kann die Hingabe auf dem Gebiet der Beziehungen auch auf andere Gebiete außer der Ehe angewandt werden, aber da die Ehe ein entscheidender Teil unseres Lebens ist, wollen wir sicher sein, dass wir in diesem Punkt ganz hingegeben leben. Wenn wir hier versagen, kann unser ganzes Leben davon betroffen werden. Die drastischen Maßnahmen von Nehemia in Vers 25 zeigt uns den ganzen Ernst dieses Versagens. Die Erwähnung König Salomos und seines Platzes vor Gott in Vers 26 zeigt uns, dass auch der erwachsene Christ verwundbar ist. Sind deine eigenen Beziehungen hier und jetzt ein Zentralpunkt deiner Hingabe?

Zweiter Zentralpunkt: Zeit

In Nehemia 10,32 verspricht das Volk, dass es Gott an die erste Stelle in Bezug auf ihre Zeit stellen will. Jeder siebente Tag und jeder Festtag sollte reserviert werden für die Anbetung und den Dienst für den Herrn. Diese Zeit sollte nicht zum Kaufen oder Verkaufen oder für irgendwelche eigenen Dinge gebraucht werden. Der Herr sollte absolute Priorität haben. In Nehemia 13,15-22 sehen wir, dass Israel in diesem Punkt versagte. Der Sabbattag war wie jeder andere Tag geworden. Anstatt die Zeit zum Gottesdienst zu verwenden, gebrauchte das Volk diese Zeit für sich: zum Arbeiten und Kaufen und Verkaufen. Das war eine Umkehrung ihrer Prioritäten!

Aber was ist mit unseren Prioritäten? Ist Gott die erste Priorität im Bereich unserer Zeitplanung? Wir wollen ehrlich sein. Wenn wir dem Herrn nicht die oberste Priorität bezüglich unserer Zeit einräumen, dann werden wir Ihm nicht viel Zeit schenken. Ebenso wie es in Nehemias Tagen war, so wird es auch heute viele Aktivitäten geben, mit denen wir die Zeit, die dem Herrn gehört, verschwenden. Nach und nach wird Er aus unserem vollen Terminkalender verschwinden. Falsche Prioritäten werden zu Brennpunkten unseres Versagens. Unser Herr Jesus hat versprochen, für uns zu sorgen und uns alles zu geben, was wir unbedingt benötigen (Mt 6,25-34; speziell V. 33) – wenn wir Gott die oberste Priorität geben. Unser Problem ist: Wir sind nicht zufrieden mit dem, was der Herr uns gibt. Viel zu viel Zeit wird verplempert mit „Kaufen und Verkaufen“ von Dingen, die wir nicht wirklich brauchen. Wir müssen unsere Prioritäten in Ordnung bringen. Unsere Zeit muss ein wichtiger Bestandteil unserer Hingabe sein, weil sonst einfach nichts für den Herrn übrigbleibt.

Dritter Zentralpunkt: Besitztümer

In Nehemia 10,32-39 erklärt das Volk Israel, dass es stets etwas von seinen Besitztümern für das Werk des Herrn geben wolle. Sie versprachen, treu den Zehnten von allem zurückzugeben, was der Herr ihnen gab. Diese Gabe sollte immer den ersten Teil des Einkommens beinhalten – nicht nur mal gerade das, was vom Taschengeld noch übrigblieb. In Nehemia 13,10-14 lesen wir, dass das Volk Gottes gerade auch in diesem Bereich versagte. Der Zehnte und die Opfer wurden weder zum Tempel gebracht noch den Priestern und den anderen Dienern des Herrn gegeben. Die Leviten, die für die meiste Arbeit im Tempel zuständig waren, wurden gezwungen, in eine weltliche Erwerbstätigkeit zu wechseln (Neh 13,10). Nachlässigkeit in diesem Bereich ihres „Schatzes“ hatte bewirkt, dass das Volk in diesem Bereich versagte.

Und das kann auch uns heute ebenso passieren. Der richtige Gebrauch unseres „Schatzes“ für den Herrn muss ein Hauptpunkt unserer Hingabe sein. Wir sollten uns darin disziplinieren, für das „Werk des Herrn“ zu geben. Wir sollten dem Beispiel aus 1. Korinther 16,2 folgen. Die Korinther legten jede Woche einen Teil ihres Geldes für den Herrn beiseite. Das ist diszipliniertes und angemessenes Geben und das sollte einen wachsenden Christen in Bezug auf seinen gesamten Besitz kennzeichnen. Es ist eine faule Ausrede, wenn ein Christ sagt: Ich gebe dem Herrn keinen Anteil, weil dem Herrn alles gehört, was ich besitze! Wenn wir nicht mit Bleistift und Papier zu rechnen anfangen, wird aus unserem christlichen Geben letztendlich gar nichts. Dann dauert es nicht lange und das Werk Gottes wird an irgendeiner Stelle in Mitleidenschaft gezogen. Möge Gott uns helfen, damit unser Besitz nicht zu einem Brennpunkt des Versagens wird!

In Kapitel 13 ergreift Nehemia drastische Maßnahmen, um diese Bereiche des Versagens zu korrigieren. Dies fügt noch ein weiteres Teil zu der schönen Charakterbeschreibung hinzu, die wir von Nehemia haben. Und wir lernen daraus, dass wir drastische Maßnahmen ergreifen müssen, um diese drei grundlegenden Bereichen der Hingabe zu „entwickeln“.

Bevor der erste Monat des neuen Jahres vorbei ist, werden wir wahrscheinlich in einigen „kleinen“ Vorsätzen versagen, die wir uns zum neuen Jahr vorgenommen haben. Wir wollen aufpassen, dass die drei „großen“ Bereiche nicht zu Zentralpunkten unseres Versagens werden.


Originaltitel: „Focal Points of Failure“
Quelle: www.growingchristians.org

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