Der vorbeugende Dienst Christi
Johannes 13

Walter Thomas Prideaux Wolston

© SoundWords, online seit: 10.02.2002, aktualisiert: 02.10.2016

Leitverse: Johannes 13

Es gibt zwei Punkte in diesem Kapitel, geliebte Freunde, über die ich an diesem Nachmittag in Verbindung mit anderen Schriftstellen sprechen möchte – zwei Punkte von tiefster Bedeutung, die wir unbedingt klar sehen müssen. Ich glaube, dass wir vielfach sehr wenig wissen gerade über die zwei Wahrheiten, über die jene (Jünger) dort, beim Waschbecken und an der Brust Jesu, belehrt wurden. Das Waschbecken steht hier für den Dienst, durch den das Herz mit dem Herrn Jesus zur Ruhe gebracht wird, und dann nimmt die Seele als Resultat dieses Dienstes ihren gottgewollten Platz ein, so wie es Johannes hier tut, der den Kopf an die Brust des Herrn legt.

Jetzt frage ich dich und auch mich: Wissen wir etwas in unserer Lebensgeschichte als Kinder Gottes, was damit übereinstimmt – eine Nähe zu Christus zu haben, die man so ausdrücken kann: „den Kopf an seiner Brust liegen haben“? Das wird niemals praktische Realität für uns werden, bevor wir nicht verstanden haben, was diesem vorausgeht: die Vollkommenheit der Liebe des Herrn für dich und dass alles andere aus dem Blickfeld verschwindet! Deine Liebe zu Ihm wird niemals dahin führen. Nur soweit wir lernen, was Er für uns ist, können wir das erreichen.

Oft hat der Dienst des Herrn wiederherstellenden Charakter. Was uns das 13. Kapitel im Johannesevangelium entfaltet, hat allerdings vorbeugenden Charakter. Wenn ich erfassen kann, wie nahe der Herr mir ist und mich liebt, um mich zu besitzen und zu bewahren, werde ich mich nicht weit von Ihm entfernen, und ein Abgleiten wird mir erspart bleiben.

Dieses Kapitel beginnt mit der Liebe Jesu: „Er hatte die Seinen geliebt.“ Diese zwei kleinen Wörter beinhalten einen großen Segen. Sie treten nicht oft auf, aber es gibt nichts von tieferer Lieblichkeit, als den Gedanken zu pflegen: Ich bin sein Eigen – Ich bin wertvoll für Ihn; Er besitzt etwas in einer Welt, in der Er keinen Platz hat, in der kein Raum für Ihn ist – hier ist etwas, was Er liebt.

Um diesen Dienst Christi besser zu verstehen, teilen wir ihn einmal in drei Teile: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Epheser 5,25-27 legt es sehr klar so dar: „… wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben [das ist Vergangenheit] hat, um sie zu heiligen, reinigend durch das Wasserbad im Wort [das ist sein gegenwärtiges Handeln], damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe [das ist Zukunft].“ […]

Denk über den Gedanken einmal nach, dass der Herr nicht nur in Ewigkeit nicht von dir getrennt sein will, sondern auch heute nicht! Schon heute will Er jedes Partikelchen Staub der Erde und jedes Körnchen moralischen Streusandes wegnehmen, das dich von Ihm trennen würde, und dich so nah zu Ihm bringen, dass du nicht glücklich darüber wärst, auch nur eine Haaresbreite von Ihm entfernt zu sein. Das ist Johannes 13. Eines Tages sagte jemand zu mir: „Doktor, was ist Ihre Lebenseinstellung?“ – „Christus“, antwortete ich. – „Mehr nicht?“ – „Nicht mehr und nicht weniger – damit beginne ich, damit mache ich weiter und damit werde ich nie fertig.“

Die Christenheit beginnt mit einem neuen Menschen an einem neuen Ort – in der Herrlichkeit –, nicht mit dem ersten Menschen, der ohne Schuld ist oder der schuldig ist oder ein Sünder ist oder im Tod ist oder sonst irgendetwas – diesen Menschen gibt es nicht mehr, denn jetzt bin ich „in Christus,“ in einer neuen Position, wie ich es vorher nie gekannt habe, und genau da fange ich an, aus allem herausgenommen, aus allem, was ich vorher war. Ist deine Seele wirklich frei? Die Leute sagen oft: Ich bin in großen Schwierigkeiten wegen mir selbst, ich bin von mir selbst so enttäuscht.

Da hast du es: „selbst“, es ist immer wieder das Selbst. Warum ist der Mensch in Römer 7 so unglücklich? Weil er vierzigmal über sich redet und nicht ein einziges Mal über Christus. Hatte er sein Elend denn nicht wirklich verdient? Ich denke schon. Schau auf Christus; sieh dir an, was Er für Gott ist. Wo befindet sich der Christ? Dort in Christus vor Gott, jedes Fitzelchen und jede Spur dieses alten Selbst ist weggenommen. Wenn du das hast, gib das jetzt nicht auf! Und wenn du es nicht hast, sei nicht eher zufrieden, bis du es hast! Wenn das nicht in deiner Seele durch den Heiligen Geist wirksam ist, hast du noch nicht angefangen, ein Christ zu sein.

Der Mensch hat jetzt eine wunderbare Position des Wohlgefallens vor Gott in Christus, in Ihm, der unser Leben ist, unsere Weisheit, unsere Rechtschaffenheit, unser alles. Es gab keine wirkliche Verbindung mit dem Herrn, bis Er gestorben und auferstanden war; nicht bevor Er auferstand, konnte von unserer Position in Ihm gesprochen werden. Studiere einmal das Johannesevangelium mit diesem Gedanken und du wirst das in Johannes 1–12 sehen; Er sagt „mein Vater,“ in Johannes 13–19der Vater“ und in Johannes 20euer Vater“. Es ist das Evangelium des Vaters von Anfang bis Ende. In Kapitel 13 bricht Er sozusagen das Eis und führt sie in einem Übergangszustand weiter. In Kapitel 20 bricht die ganze Wahrheit durch, als Er sagt: „… zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.“ Er verbindet uns mit sich selbst unlösbar in der Position, die Er selbst eingenommen hat.

So wie in 1. Mose 2,7 Gott in die Nase des Menschen den Odem des Lebens hauchte und der Mensch eine lebendige Seele wurde, so hauchte der Herr seinen Jüngern in Johannes 20,22 sein eigenes Leben und seine Wesensart ein als einer, der lebendig aus dem Tod hervorgegangen ist. „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben“ (Joh 14,19). Wie kommt eine Seele nun dazu, in Christus zu sein? Eindeutig durch den Heiligen Geist. Das neue Leben ist die Grundlage. Er ist dort durch den Heiligen Geist, aber er ist in Christus sowohl durch das neue Leben als auch durch den Heiligen Geist. Ich stehe vor Gott „in Christus“, der mein Leben ist, und der Heilige Geist kommt und wohnt in mir, um in meiner Seele alles wohl und richtig zu machen, weil der „Geist die Wahrheit ist“ (1Joh 5,6), genauso wie auch erwähnt wird, dass „der Geist das Leben ist“ (Röm 8,10).

Das Erste, was der Dienst Christi für mich bewirkt, ist nicht nur, alles, was ich vorher war, mit Stumpf und Stiel auszurotten, sondern mich dahin zu bringen, wo Er ist. Er versetzt mich zuerst an den Ort, wo Er selbst ist (der Ort, den Christus einnimmt vor Gott, ist auch unser Platz), und arbeitet dann daran, dass wir diesen Platz auch verstehen und genießen. Johannes 13 entfaltet, welchen Anteil die Liebe daran hat.

Es ist im Zusammenhang mit dem Abendmahl des Herrn (Mt 26,17) außerordentlich interessant, zu sehen, dass die Jünger zum Herrn kamen, um zu erfahren, wo sie das Passahmahl vorbereiten sollten, aber uns wird hier nicht erzählt, wer es vorbereitete. Markus (Mk 14,13) sagt uns dann, dass es zwei Jünger waren. Lukas (Lk 22,8) teilt uns mit, dass Petrus und Johannes diese zwei Jünger waren. Johannes verliert mit seiner gewohnten Zurückhaltung kein Wort darüber, von wem es vorbereitet wurde, aber als schon alles bereit war, dass sie zum Abendmahl Platz nehmen konnten, sagt er: „Er wusch unsere Füße und befähigte uns, es zu genießen“, und ermutigt durch die Erkenntnis einer solchen Liebe, legt er seinen Kopf an die Brust des Herrn.

Johannes 13 illustriert den Unterschied zwischen dem Priesterdienst und der Fürsprache Christi. Der Priesterdienst vertritt uns vor Gott als dem Herrn. Fürsprache hat es mit dem Vater und den Kindern zu tun. Der Priesterdienst hat es mit Gott zu tun und vertritt mich vor Gott mit dem ganzen Wert und der Wirkungskraft des Opfers, dessen Kraft mich zu Gott bringt. Wenn der Priesterdienst versagt, kommt die Fürsprache zum Tragen. Der Priesterdienst wirkt vorbeugend – Fürsprache wirkt wiederherstellend, darin liegt der Unterschied. Aber alles geschieht aufgrund vollkommener Liebe.

Hier in Johannes 13 neigt sich Christus in seiner Gnade tief herab, Er erniedrigt sich selbst und beabsichtigt, die Füße derjenigen zu waschen, die Er liebt. Petrus konnte sich nicht vorstellen, dass sein Meister sich so weit herablassen würde, und sagt deshalb: „Du sollst nie und nimmer meine Füße waschen!“ (Joh 13,8). Der Herr sagt quasi: Du wirst kein Verständnis und keinen Genuss haben, wenn du das nicht an dir geschehen lässt, was ich tun möchte, und mich meinen Herzenswunsch nicht durchführen lässt. – „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir.“ Darauf sagt Petrus: „Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“ Nein, das ist nicht erforderlich. „Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein“, antwortet die Liebe. Er würde nicht auch nur ein Fleckchen an denen lassen, die Er liebt. Hast du schon mal das alte Sprichwort gehört: „Liebe sieht niemals den geringsten Makel an der Person, der sie gilt“? Das bedeutet nicht, dass Liebe blind ist. Nein, Liebe ist nicht blind, sie sieht sehr scharf wie sonst nichts. Sie erkennt den Makel und arbeitet daran, ihn zu beseitigen. Es gehört zu den allerschönsten Dingen, darüber nachzudenken, wie Er in seiner Liebe unsere Füße wäscht.

Vielleicht haben Sie einmal jemanden sagen hören: „Ich habe von dem und dem so viele liebe Worte und so viel Hilfe erfahren.“ Woher kam das? Es kam direkt vom Herrn in seiner Herrlichkeit, der, anders ausgedrückt, das Becken und das Wasser anwendet. Der Kanal, durch den diese Dinge bewirkt wurden, ist unwesentlich. Es ist völlig egal, durch was für ein Rohr das Wasser fließt, solange es dich als reinigende und erfrischende Kraft erreicht, sei das Rohr nun aus Blei oder Lehm oder Ton. Woher kommt es denn, wenn du heute ein bisschen aufgerichtet wirst? Direkt aus seinem Herzen aus der Herrlichkeit.

Vielleicht ist heute jemand hier, der rückfällig geworden ist; es wäre ja durchaus möglich. Wie geht Er nun mit Rückfälligen um? Lies nur Jeremia 2–4, bevor du heute Abend zu Bett gehst, und du wirst sehen, was Er tut. Israel hatte Ihn vergessen, aber Er hat Israel niemals vergessen. Du denkst vielleicht: Na ja, es sind etliche Monate her, seitdem ich etwas mehr an Ihn gedacht habe, und viele schlimme Sachen sind seitdem passiert. – Stimmt, aber Er weiß alles darüber. Wenn du zu der Stelle in Jeremia 4 kommst, wirst du sehen, dass das Herz durch vollkommene Gnade wiederhergestellt wird. Bist du ein Rückfälliger? Du warst unehrlich, eigensinnig, dumm und stur, aber wie auch immer du sein magst, Er liebt dich. Und nun, kannst du Ihm jetzt ins Gesicht sehen und sagen: Ich werde meinen eigenen Weg gehen? – Nein, ich bin sicher, dass du das nicht kannst. Du wirst sagen: Wenn Er mich nach all dem immer noch liebt, werde ich an Ihm festhalten und danach streben, das für Ihn zu sein, was ich nach seinem Willen für Ihn sein soll. – Das ist richtig. Der Herr helfe dir.

Es gibt einen weiteren Punkt in Johannes 13, der von größter Wichtigkeit ist. Der Weg, klug zu sein und die Gedanken des Herrn zu kennen, ist der, Ihm nah zu sein. Johannes sagt sozusagen durch sein Handeln: Ich werde dir den Weg zeigen. – Keiner außer Judas wusste, wer den Herrn verraten würde, auch als Er sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. Die Jünger blickten einander an, in Verlegenheit darüber, von wem er rede“ (Joh 13,21b.22). So wie wir selbst das auch tun, wenn alles so traurig, mutlos und wissentlich verkehrt in einer Versammlung läuft. Wie sehen wir dann einer auf den anderen. Ist alles sehr kalt, träge und mutlos in deiner Umgebung und schaut ihr einer auf den anderen? Tu das nicht. Es gibt nichts, was so wie der Tisch des Herrn ans Licht bringt, wo jemand steht. Möchtest du zum Tisch des Herrn kommen? Ergreife diesen ernsten Schritt nicht, wenn du nicht wirklich mit dem Herrn gehen willst. Dort wird alles an den Tag gebracht. Du wirst alles aufdecken müssen. Manche Leute sagen sehr schnell: Was ist das für eine gesegnete Angelegenheit, zum Tisch des Herrn zu kommen. – Es ist eine schreckliche Sache, wenn du nicht für den Herrn da sein willst. Es kommt alles ans Licht, weil Er dort ist.

Nachdem die Jünger einer auf den anderen geschaut hatten, regte sich ihr Gewissen und sie sahen auf sich selbst, und dann fragten sie alle: „Herr, bin ich es?“ (Mt 26,22; Mk 14,19). Aber das führte zu keiner Antwort. Obwohl Petrus ein Draufgänger war, handelte er nicht klug. Er wollte unbedingt wissen, wer der Verräter sei, aber er konnte nicht die passende Antwort auf die Frage finden. Warum fragte er nicht den Herrn selbst, wer Ihn verraten würde? Weil er in der Gegenwart des Herrn fühlte und wusste, was wir oft auch gefühlt haben, dass ein anderer Ihm näher war als er selbst. Petrus hatte nicht die Ungezwungenheit und Freiheit. Deshalb winkte er einem anderen zu, um ihn zu fragen. Wer war der andere? „Einer von seinen Jüngern, den Jesus liebte, lag zu Tisch an der Brust Jesu. Diesem nun winkt Simon Petrus zu erfragen, wer es wohl sei, von dem er rede. Jener lehnt sich an die Brust Jesu und spricht zu ihm: Herr, wer ist es?“ (Joh 13,23-25). Ein vertrauter Umgang ist die Auswirkung von Zuneigung und die Quelle wahrer Klugheit.

Petrus stand nicht in diesem vertrauten Umgang göttlicher Zuneigung wie derjenige, der an der Brust Jesu lag. Es kann kaum einen Zweifel darüber geben, dass es Johannes war, weil er regelmäßig sich selbst „den Jünger, den Jesus liebt“, nennt (Joh 19,26; 20,2; 21,7.20.24). Kannst du mir heute Abend in diesem Raum den Jünger zeigen, den Jesus liebt? Oh, sagte mir jemand, als ich diese Frage einmal stellte, willst du das so im Einzelnen angeben? Möglicherweise glaubst du gar, dass du selbst es bist? – Ja! Gott sei Dank! So ist es, und ich möchte es für nichts in der Welt verlieren. Ich kenne diesen Jünger in Edinburgh, den Jesus liebt, wenn ich dort bin. Aber ich will dir diesen Vorzug nicht wegnehmen. Jeder darf „den Jünger, den Jesus liebt“, kennen. Manchmal sagen die Leute: War das mit Johannes nicht etwas Besonderes? – Ja, er war ein sehr einfacher Mann, glaubte an die Liebe des Herrn zu ihm, genoss es, hatte große Freude daran und hielt sich immer nahe an der Quelle dieser Freude auf. Ich kann ihn sagen hören: Ich weiß, Er liebt mich, und ich weiß, dass Er gerne seine Liebe gewürdigt wissen will, und nichts erfreut Ihn mehr, als dass ich mich so nah, wie ich nur kann, zu Ihm halte. Er möchte gerne, dass ich meinen Kopf an seine Brust lege, und das habe ich getan. –

Weißt du, wie ich meine Freunde einschätze? Meine Freunde mögen meine Gesellschaft. Johannes handelte nach diesem Prinzip, indem er auf den Herrn achtete; und, meine geliebten Freunde, ich möchte das sagen – besonders den jungen Leuten, die heute Abend hier sind –: Entwickelt die Nähe zu Christus weiter. Entwickelt in euren Seelen ein Gespür dafür, bei der geringsten Abweichung von seiner Seite zu wissen, dass Er uns vermisst und uns wieder gerne zurückhaben möchte.

Aber der Liebesdienst des Herrn hört nicht mit dem auf, was in Johannes 13 dargestellt wird. Sie wird ewig andauern bis zum Ende. Wende dich jetzt Lukas 12 zu. In diesem schönen Kapitel, das zunächst von Ängsten und Sorgen durchdrungen ist (es gibt keine größeren Unruhestifter in der Gemeinde Gottes und in deinem Herzen als diese beiden), wird uns die dritte Seite des Dienstes Christi gezeigt. Wie treibt Er die Furcht eines Menschen aus? Mit einer noch größeren Furcht, der Gottesfurcht, und Er treibt Sorgen mit dem Besorgtsein um Gott aus, und dann sagt Er: Jetzt bist du frei, um an mich zu denken. – Alles hier um uns herum hat keinen Bestand (Lk 12,33). Die Motte, der Rost und Diebe zerstören das alles. Wenn du den Wirkungsbereich der Frau eines Hauses siehst, ist die Motte ihre Plage; im Wirkungsbereich des Mannes ist es der Rost, der ihn plagt. Wenn jemand sagt: Mein Besitz wird weder von Motten noch von Rost zerstört – das ist weltlich gedacht –, der Dieb wird kommen und es dir wegnehmen oder dich von deinem Besitz trennen.

Hast du einen Schatz in den Himmeln? Vielleicht sagst du: Ich habe versucht, Christus zu meinem Schatz zu machen. – Hast du jemals entdeckt, dass Christus einen unbezahlbaren Schatz hier auf der Erde hatte? Falls du zu Johannes gegangen wärst und ihn gefragt hättest: Wer ist der Schatz Christi?, dann hätte er gesagt: Ich kenne ihn, ich will dir den Namen nicht sagen, aber ich weiß, wer es ist. Es ist der Jünger, den Er liebt. – In dem Moment, in dem du herausfindest, dass er einen Schatz auf der Erde hat und dass du selbst dieser Schatz bist, wirst du wahrhaftig sagen können: Er ist mein Schatz im Himmel. – Das ist die Wechselwirkung der Liebe. Du kannst gar nicht anders.

In dem Moment, in dem die Bedeutung seiner Liebe und das, was Er für dich gelitten hat, vor dir in Erscheinung tritt, wird dein Herz vollständig eingenommen sein. Dennoch wird dein Herz niemals vollständig eingenommen sein, bis du herausgefunden hast, dass du sein Schatz bist, und dann wirst du Ihn zu deinem machen. Es bedarf keiner Anstrengung. Und wenn Er dein Schatz ist, würdest du Ihn dann nicht gerne sehen? Sicher, antwortest du. Aber wann wünschst du dir, dass der Herr kommen sollte? Heute Abend. Würdest du Ihn wirklich jetzt gerne sehen? Bist du bereit, um Ihn zu erwarten? Bereit, „ihm sofort zu öffnen“?

Ich gehe manchmal zu einem Haus, schelle an und muss dann noch eine ganze Zeit warten, um hineinzukommen. Meine Patienten kennen mein Klopfen und meine Art zu klingeln, denn ich habe sie im Allgemeinen sehr deutlich wissen lassen, dass ich keine Zeit zu verschwenden habe und unverzüglich eingelassen werden will. Doch ich muss warten. Warum? Ist das Klingeln nicht gehört worden? Aber ein volkstümlicher, schottischer Ausdruck erklärt, was sie gerade tun, während man mich warten lässt. Sie sind gerade dabei, drinnen „etwas aufzuräumen“, alles in Form und in Ordnung zu bringen, eben das Patientenzimmer ein bisschen zu ordnen. Hast du etwas „aufzuräumen“, bevor Er kommt, oder bist du für Ihn bereit, so dass Er gerade jetzt kommen kann? Kannst du Ihm sofort öffnen?

Angstfrei und sorglos, das Herz obenauf, sind wir hier, um für Ihn Lichter in der Dunkelheit dieser Welt zu sein. Vor ein paar Tagen ging ich einmal einen Weg in Somerset entlang, und als ich die Glühwürmchen in der Dunkelheit der Nacht leuchten sah, sagte ich: So sollten wir sein, Glühwürmchen in der Nacht, die für Ihn leuchten. – Bist du ein Glühwürmchen in deinem Geschäft, in deinem Haus, in deiner Nachbarschaft – bist du ein himmlisches Glühwürmchen auf dieser dunklen, sündenbehafteten Erde, das auf den Herrn wartet? Hältst du heute Abend nach Ihm Ausschau, wartest auf Ihn, heißt Ihn wieder sehnsüchtig willkommen? Oh ja, sagst du, ich halte das Kommen des Herrn fest. – Ich will dir eine kleine Frage stellen: Wirst du auch durch das Kommen des Herrn festgehalten? – Wenn ja, wirst du nicht nur warten, sondern wachsam sein.

Achte auf den 37. Vers: „Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen“ (Lk 12,37). Was bedeuten jene Worte: „Er wird hinzutreten und sie bedienen“? Wenn Er uns in die Herrlichkeit gebracht hat, wird Er niemals aufhören, derjenige zu sein, der uns dient. Er wird uns für immer bedienen. Welch eine Liebe! Er hat das Menschsein angenommen, damit Er uns dienen kann, und Er wird niemals aufhören, Mensch zu sein. So werden wir Ihn in der Herrlichkeit kennen. Welch ein Erlöser!

„Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast“, ist Teil seines Gebetes (Joh 17,24). Es gibt etwas Tiefergehendes als die Herrlichkeit: die Liebe, die uns dahin bringt! Wir sind noch nicht in der Herrlichkeit, aber wir sind von der Liebe umgeben, die uns dahin bringen wird. „Erhaltet euch in der Liebe Gottes“, lautet die Ermahnung des Geistes dazu (Jud 21), „dass ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus“ (Eph 3,17-19) – das war das innige Gebet des Apostels für die Heiligen. Der Herr schenke es uns, zu wissen, was es bedeutet, im bleibenden Besitz dieser Liebe zu sein – um seines Namens willen. Amen.


Originaltitel: „Preventative Ministry“
aus Backsliding and Restoration, Vorträge, 1899
Quelle: www.stempublishing.com

Übersetzung: Ralf Türkis

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