Auserwählung und der Ratschluss Gottes
Können in Wirklichkeit nicht alle Menschen glauben?

Charles Henry Mackintosh

© Heijkoop-Verlag, online seit: 15.07.2002, aktualisiert: 31.01.2018

Leitverse: Markus 16,16; Johannes 3,16; 1. Timotheus 2,1-6; Titus 2,11; Hebräer 2,9; 2. Petrus 3,9

Mk 16,16: Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Joh 3,16: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe.

1Tim 2,4-6: Unser [Heiland-Gott] will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle.

Tit 2,11:
Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen.

Heb 2,9: Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt – so dass er durch Gottes Gnade für alles den Tod schmeckte.

2Pet 3,9: [Gott] … ist langmütig gegen euch, da er nicht will, dass irgendwelche verlorengehen, sondern dass alle zur Buße kommen.

Die Tragweite des Erlösungswerkes

Diese Stellen (siehe oben) geben ein klares und unzweideutiges Zeugnis von der göttlichen Gnade gegen alle, ohne irgendwelche Rücksicht auf die Verantwortlichkeit des Menschen oder die ewigen Ratschlüsse Gottes. Das Wort Gottes zeigt klar, dass der Mensch verantwortlich ist und Gott unumschränkt handeln kann.

Aber es ist auch wichtig, dass wir sehen, wie weit die Gnade Gottes und das Kreuz Christi reicht. Gott ist darin verherrlicht und dem Menschen jede Entschuldigung genommen worden. Menschen streiten wohl über die Ratschlüsse Gottes sowie über die Unfähigkeit des Menschen, ohne göttlichen Einfluss glauben zu können. Aber ihre Gründe beweisen, dass sie Gott nicht nötig haben; wenn sie erkennen würden, wie sehr sie Ihn nötig haben, Er würde sich gerne von ihnen finden lassen. Die Gnade Gottes und das Versöhnungswerk Christi sind so umfassend, wie wir es nur wünschen können. „Ein jeder“, „alle“, „wer da will“, das sind Gottes eigene Worte, und ich möchte gern wissen, wer da ausgeschlossen ist. Wenn Gott dem Menschen eine Heilsbotschaft sendet, so hat Er sie auch für ihn bestimmt, und wie böse ist es, die Gnade Gottes zu verwerfen, Ihn „zum Lügner zu machen“ (1Joh 5,10) und hinterher seine geheimen Ratschlüsse als Entschuldigung für solches Tun vorzuschützen. Es wäre ehrlicher, zu sagen: „Ich glaube dem Wort Gottes nicht, und ich brauche seine Gnade und sein Heil nicht.“ Wenn aber Menschen ihren Hass gegen Gott und seine Wahrheit mit dem Schleier einer falschen, völlig einseitigen Theologie zudecken, so ist das böse. Es lässt uns in Wahrheit fühlen, dass der Teufel nie teuflischer ist, als wenn er mit der Bibel in der Hand zu uns kommt.

Wenn es wahr wäre, dass ein Mensch durch Gottes geheime Ratschlüsse daran gehindert würde, das Evangelium anzunehmen, das Gott ihm verkündigen lässt, wie könnte Gott dann gerecht sein und einen solchen Menschen mit „ewigem Verderben“ bestrafen, weil er diesem Evangelium nicht gehorcht hat (2Thes 1,6-10)? Wird es in dem finsteren Bereich der Verlorenen eine einzige Seele geben, die Gott dafür verantwortlich machen wird, dass sie sich dort befindet? Gewiss nicht. Gott hat in dem Versöhnungswerk Christi eine so reiche Vorsorge getroffen, sowohl zur Errettung derer, die glauben, als auch zur Erweisung seiner Gnade denen gegenüber, die das Evangelium verwerfen, dass es für niemand eine Entschuldigung gibt. Nicht weil der Mensch nicht glauben kann, sondern weil er nicht glauben will, wird er mit „ewigem Verderben“ bestraft werden. Die Gnade Gottes ist für alle da, und wenn wir fragen: Wie ist das möglich?, so lautet die Antwort: „Das Los für den HERRN“ fiel auf das wahre Opfer, damit Gott in weitestem Maß betreffs der Sünde verherrlicht wurde und nun volle Freiheit hat, gegen alle in Gnaden zu handeln und das Evangelium der ganzen Schöpfung predigen zu lassen. Diese Gnade und diese Predigt müssen eine unantastbare Grundlage haben, und diese Grundlage findet sich in dem Versöhnungswerk. Und obschon der Mensch sie verwirft, wird doch Gott in der Ausübung der Gnade wie in dem Anbieten des Heils, kraft der Grundlage, auf der beide ruhen, vollkommen verherrlicht. Er ist verherrlicht worden und wird die endlosen Zeitalter der Ewigkeit hindurch verherrlicht werden (vgl. Joh 12,27-32).


Aus Gedanken zum 3. Buch Mose, Heijkoop-Verlag, Winschoten, 1975

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