Bist du ein Anhänger oder eine Lokomotive?
Was bin ich für meine Mitgeschwister?

Inglis Fleming

© SoundWords, online seit: 22.11.2003, aktualisiert: 19.10.2018

Leitvers: Lukas 22,32

Lk 22,32: Ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre; und du, bist du einst umgekehrt, so stärke deine Brüder.

„Stärke deine Brüder“: Dies war die Aufgabe des Petrus, nachdem er von der Verleugnung des Herrn zurechtgebracht war. Er musste selbst erst wiederhergestellt sein, bevor er anderen auf dem christlichen Weg helfen konnte. So geschah es, dass der Herr zu ihm sagte, als er zur Gemeinschaft und zum Dienst zurückgebracht worden war: „Weide meine Lämmer … Hüte meine Schafe … Weide meine Schafe.“ In Erfüllung des Gebotes unseres Herrn stärkte Petrus seine Brüder in Christus durch sein Leben und seine Briefe, durch seine Werke und seine Predigt.

Wenn es nun je einen Tag gegeben hat, an dem die Gläubigen der Stärkung bedurften, so ist es der heutige. Deshalb ergeht an uns alle das Wort: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke“ [Eph 6,10]. Bei Ihm ist keine Schwachheit. Er ist genug für den letzten Erschlafften in der Laufbahn, wie Er es für den Ersten war. Er genügt für die Seinen, bis die Reise vorüber und das Ziel erreicht ist.

Zu unserer Ermutigung ist es betont worden, dass die Macht – die außerordentliche Größe der Macht Gottes gegen uns, die wirksam war in der Auferweckung Christi aus den Toten und in der Lebendigmachung der Gläubigen – jetzt in uns wirksam ist und vermag, über alles hinaus zu tun, über die Maßen mehr, als was wir erbitten oder erdenken. Sie wirkt in uns, damit wir in die Gedanken und Vorsätze Gottes eintreten können, und durch uns zur Aufrechterhaltung der Interessen Christi hier auf Erden. In dieser Macht sollen wir stark sein. Es ist eine allmächtige Kraft.

Jede Frage hinsichtlich unserer Segnung ist geordnet worden. Unsere Sünden sind für immer hinweggetan. Alles, was wir nach dem Fleisch waren, ist gerichtet. Der Heilige Geist wohnt in uns und setzt uns in den Stand, das Fleisch und seine Lüste zu verwerfen. Ja, alles ist in Ordnung gebracht für unsere persönliche Segnung, und wir sind dazu erhoben, in seiner Macht ein Segen für andere zu sein, „unsere Brüder zu stärken“, sie für den Dienst des Herrn zu stärken, für die Ausbreitung des Evangeliums, für „das Werk des Dienstes“ [Eph 4,12] und für die Unterstützung der Heiligen, damit sie zu stehen vermögen, auch nachdem sie alles ausgerichtet haben, und nicht einen Zoll Boden oder ein Jota der Wahrheit dem Feind preisgeben.

„Tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an“ [1Thes 5,14], „macht gerade Bahn für eure Füße, damit nicht das Lahme vom Wege abkomme, sondern vielmehr geheilt werde“ [Heb 12,13].

  • Es gibt Kleinmütige – tröste sie.
  • Es gibt Schwache – unterstütze sie.
  • Es gibt Lahme – gehe du auf einem geraden Wege voran, sei ihnen ein gutes Vorbild, damit sie nicht straucheln.

Es hat jemand hinsichtlich einer großen Gemeinde gesagt, dass diese einer auf vier Pfosten ruhenden Bettstatt gleiche. Da waren vier Brüder, die alle Arbeit für die Gemeinde verrichteten, die übrigen waren eingeschlafen. Die vier suchten ihre Brüder zu stärken – die anderen bedurften der Stärkung. Was war wohl die ehrenhaftere Stellung?

Ein jeder von uns trägt zur Kraft oder zur Schwachheit der ganzen Gemeinde Gottes bei und zu jeder örtlichen Gemeinde von Kindern Gottes, zu der wir uns zugehörig fühlen mögen. Wenn wir im Geist wandeln und in diesem Zustand anderen begegnen, so tragen wir in einem gewissen Maß zu deren geistlichem Wohlbefinden und ihrer Stärkung bei, denn „wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit“. Andererseits: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ [1Ko 12,26]. Welch ein ernster Gedanke ist doch dies. Und wir können die Wahrheit nicht verändern – entweder tragen wir Kraft oder Schwachheit bei uns, wo immer wir uns auch befinden mögen. Ein jeder von uns ist eine Hilfe oder ein Hindernis für die, welche um ihn sind. Doch unser Vorrecht ist es, eine Hilfe zu sein – Kraft für die anderen, und wenn dies der Fall ist, dann „stärken wir unsere Brüder“.

„Es sind viele Reisende auf einem Schiff, aber nur wenige, die die Schiffsarbeit tun“, das war die Art, wie ein anderer alter Christ diese Sache bezeichnete. Das ist wahr hinsichtlich der Kirche im Großen, und es ist auch im weitesten Sinne wahr von jeder örtlichen Gemeinde von Christen. Wenige sind der Arbeiter, und die anderen werden durch deren Hilfe getragen. Und dies ist immer so in der Geschichte der Kirche auf Erden gewesen. Da hat es Starke und auch Schwache gegeben.

Sicherlich sollte der geehrtere Platz von uns begehrt werden. Wir sollten ernstlich danach verlangen, Kraft und nicht Schwachheit für unsere Mitchristen zu sein; und ein jeder von uns kann es in der Kraft seiner Stärke. Es ist wirklich ein Vorrecht für uns, zu seinem Wohlgefallen eine Hilfe für seine Geliebten zu sein. Und wenn wir nun um uns blicken und so viele von des Herrn Geliebte ohne Frieden und Gewissheit sehen und so viele ohne Nahrung und Pflege hinsichtlich des Wortes des Glaubens und der gesunden Lehre, so sollte uns dies aufrütteln, für deren Segnung tätig zu sein. Unser Herr steht vor der Tür und sein Lohn mit Ihm.

„Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werke des Herrn, da ihr wisset, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn“ (1Kor 15,58).


Originaltitel: „Stärke deine Brüder“
aus Der Dienst des Wortes, Jg. 8, 1930, S. 201–204
[leicht bearbeitet von der Redaktion]

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