Die Mauern Jerichos
Josua 6: Geistliche Prinzipien für den geistlichen Kampf

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 10.02.2001, aktualisiert: 18.08.2016

Leitverse: Josua 6

Einleitung

Fast jeder hat schon mal gehört von Josua und den Mauern von Jericho. Wahrscheinlich schon einfach deswegen, weil jeder das Lied kennt „Joshua fit the battle of Jericho, and walls came a-tumblin’ down“. Egal, jedenfalls ist diese Geschichte keine Legende oder ein Mythos. Ungefähr vierzig Jahre nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, kämpften sie eine entscheidende Schlacht in ihrer neuen Heimat. Jericho war umgeben von Mauern und ein großes Hindernis für die Israeliten, weil es genau mitten auf dem Weg ins verheißene Land lag. Jericho musste eingenommen werden! Da die Israeliten im Glauben und Vertrauen zum Herrn schauten, nahm Gott Jericho auf wunderbare Weise aus dem Weg, damit sie ihre Eroberung des Heiligen Landes fortsetzen könnten.

Das 6. Kapitel des Buches Josua gibt uns den dramatischen Bericht von dieser einzigartigen Schlacht in der Geschichte. Lies Josua 1–6, um die interessanten Schritte bis zu dem Höhepunkt zu sehen, als die Mauern von Jericho fielen. Alles dieses ist bedeutende Geschichte, da es durch den Geist Gottes aufgezeichnet wurde, wie Israel das von Gott verheißene Land empfangen hatte (1Mo 15,18). Denn durch diese Nation und in diesem Land sollte einmal der Retter der Menschheit geboren werden.

Neben der bemerkenswerten Geschichte, die im Buch Josua festgehalten wurde, sind hier noch einige wertvolle geistliche Lektionen zu lernen. Es gibt eine praktische und geistliche Seite bei Josua, genauso wie die geschichtliche. Die erwähnte Schlacht, die Israel bestritt, enthält geistliche Prinzipien für den Kampf eines jeden Christen. Wir wissen aus der Schrift, dass wir einen geistlichen Kampf zu kämpfen haben „gegen den Feind unserer Seelen“ (Eph 6,11-17). Satan möchte wachsende Christen daran hindern, die geistlichen Segnungen, die wir in Christus haben, zu genießen. Man kann wirkliche Liebe, Freude, Frieden, Ruhe, Hoffnung, Sicherheit und vertraute Gemeinschaft (und was immer du willst) erfahren in dem „verheißenen Land“ des Lebens eines Christen. Aber Satan stellt uns seine Jerichos in den Weg, um uns nicht in dieses „verheißene Land“ zu lassen. Die Mauern von Zweifel, Entmutigung und Verzweiflung werden zu großen Bollwerken des Widerstands im Leben eines Christen. Eine spezielle Sünde oder Hindernis kann im Leben eines wachsenden Christen zu einem Jericho werden. Die Barrieren scheinen unüberwindlich, und Satan lacht, wenn wir in Angst und Furcht zurückschrecken oder zufrieden sind, „in der Wüste zu leben“ und dort unsere Erfahrungen zu machen. Sind da irgendwelche Jerichos in deinem Leben? Die Mauern müssen fallen!

Israel war Gottes irdisches Volk. Er gab ihnen ein irdisches Erbteil und verhieß ihnen irdische Segnungen (Jos 1,3). Alles, was sie tun mussten, war, das Land in Besitz zu nehmen (Jos 1,11). Gott wollte nicht, dass sein Volk weiter in der Wüste lebte. Sie waren dort die letzten vierzig Jahre wegen ihres Murrens, ihrer Beschwerden, ihres Ungehorsams und Unglaubens gewesen (siehe 4Mo 32,13; 1Kor 10,5-11; Heb 3,15-19). Jetzt sollten sie sich neu Gott hingeben und das Land, das „von Milch und Honig fließt“, einnehmen (2Mo 3,8). Der Herr versprach ihnen den Sieg über Jericho und über alle Feinde, die sie daran hindern sollten, dass Land einzunehmen. Er versprach ihnen seine ständige Gegenwart (Jos 1,5; 6,5). Es gab keinen Grund, erschrocken oder furchtsam zu sein (Jos 1,9).

Das himmlische Erbteil

Was für ein Bild für das Leben eines Christen! Wir sind Gottes Volk, und Er hat uns ein himmlisches Erbteil gegeben und uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung. Wir sehen durch dieses Bild, dass es zwei Dinge gibt, die uns darin hindern wollen, die geistlichen Segnungen, die „Milch“ und den „Honig“, zu genießen. Murren, ein Sich-Beschweren und Unglaube haben zur Folge, dass man ein Leben in der Wüste führen muss. Das Versagen bei der Besitzergreifung des verheißenen Landes führt zu demselben – nämlich zum Wüstenleben!

Wir brauchen nicht erst auf den Himmel zu warten, um unser geistliches und himmlisches Erbteil zu genießen. Gott möchte, dass wir den Jordan „jetzt“ überqueren und die himmlischen Dinge in Besitz nehmen – gerade jetzt! Das ist es, was wir in Epheser 1,3 lesen, wenn gesagt wird: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus.“ (Lies auch Epheser 1,4-14, um einige geistliche Segnungen zu finden. Genießt du diese Dinge?)

Sicher, uns gehören all die guten Dinge dieses Landes, aber wir müssen sie auch praktisch in Besitz nehmen, bevor wir sie unser Eigen nennen können (Jos 1,3). Ein Christ, der mit Sorgen an den Tod denkt, hat noch nicht wirklich die Sicherheit in Christus gefunden (siehe Heb 13,5). Ein Christ, der ständig besorgt ist, was die Zukunft wohl bringen wird, hat noch nicht die Ruhe gefunden, die in Christus vorhanden ist (siehe Mt 11,29). Ein Christ, der sich ständig beschwert und mürrisch ist, hat noch nicht wirklich die Freude und den Frieden erfahren, den das Reich Gottes bietet (s. Röm 14,17). Ein Christ, der nicht mit seinen Mitbrüdern auskommen kann, hat noch nicht viel von der überwältigenden Liebe gesehen, die für jeden Christen verfügbar ist. (Lies Johnnes 15,9 und sieh, welch eine Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn besteht – diese Liebe ist uns gegeben worden!)

Moderne Jerichos

Aber was ist mit diesen Jerichos? Sie sind da, weil Satan weiß, dass ein frustrierter Christ ein uneffektiver Christ ist. Er weiß genau, dass ein Christ, der die geistlichen Segnungen genießt, ein Christ ist, der das Reich Gottes ausbreitet. Deshalb wird Satan alles daransetzen, uns ängstlich zu machen, damit wir „das Handtuch werfen“. Aber Gott hat uns den Sieg versprochen (Röm 8,37), so wie Er Josua den Sieg über Jericho versprochen hat. Er hat uns versprochen, allezeit bei uns zu sein (Heb 13,5), so wie Er es auch Josua versprochen hat. Da ist kein Grund zur Furcht (2Tim 1,7). Es gibt keine Mauern, die zu hoch oder gewaltig wären für unseren Gott. Was sind deine Jerichos, die dich hindern am vollen Eingang in das verheißene Land, das Gott vor dich gelegt hat? Die Mauern von Furcht und Zweifel oder Mauern der Verführung oder eine geheime Sünde oder eine gleichgültige Sprache wie „Es ist mir eh alles egal“. Gibt es da etwas bei uns?

Gottes Wort hören und befolgen

Der Sieg über Jericho war garantiert, aber er kam nicht durch einen Autopilot zustande. Israel hatte genau befolgt, was Gott ihnen gesagt hatte, um Jericho zu besiegen. Auch wir müssen den Anweisungen Gottes folgen, wenn wir die Mauern fallen sehen wollen. In den einzelnen Schritten bis zum Fall der Mauer sehen wir einige wichtige geistliche Belehrungen, die uns den Sieg geben werden, wenn wir sie befolgen.

Das allererste geistliche Prinzip, das wir hier finden, ist, dass wir das Wort Gottes kennen, ausführen und auf unser Leben anwenden (Jos 1,7.8). Das „Gesetz“ bedeutet hier die ersten fünf Bücher Mose, die Schriften, über die das Volk bis dahin verfügte. Es reicht einfach nicht aus, jede Woche ein paar Verse aus der Bibel zu hören oder zu lesen. Wir müssen das Wort Gottes studieren, und zwar so lange, bis es ein Teil von uns ausmacht und unser Charakter dadurch geformt wird (Jos 1,8). Wir müssen ihm gehorchen ohne Kompromisse (Jos 1,7). Wir müssen allem gehorchen, was geschrieben ist (Jos 1,8). Dann, und nur dann, werden wir den Sieg haben (Jos 1,7.8). Das ist sicherlich der Schlüssel zum Erfolg für jeden Christen. Wehre dich nicht gegen diese Worte – probiere sie aus!

Der Bundeslade folgen

Ein anderes geistliches Prinzip, das wir hier lernen können, ist, dass wir „der Bundeslade folgen“. Dieses Prinzip werden wir erst verstehen und verwirklichen, wenn wir das Bild, das Gott uns hier gibt, deuten lernen. Die Bundeslade, die in Josua 3 und 4 erwähnt wird, war eine heilige Truhe aus Holz, die von den Leviten getragen wurde, während die Israeliten von Ägypten zu dem verheißenen Land wanderten. Diese Bundeslade stand an dem heiligsten Platz im Anbetungszelt Israels. (Sie hatten keinen Tempel wie später unter König Salomo.) Die Bundeslade repräsentierte den Treffpunkt zwischen Gott und Menschen. Einmal im Jahr musste das Blut der alttestamentlichen Opfer auf der Lade vor den Herrn gebracht werden. Es war gerade diese Bundeslade, die den Weg durch den Jordan in das verheißene Land möglich machte (Jos 3,13-17). Es war diese Bundeslade, die in der Mitte der Israeliten getragen wurde, als sie um Jericho zogen (Jos 6,8.9).

Nun, in dem Bild, das Gott uns in der Bundeslade gezeigt hat, wollte Er sagen, das dies ein Bild auf den Herrn Jesus war. Er ist der Mittler zwischen Gott und Menschen (siehe Joh 14,6 und 1Tim 2,5). Er ist der Eine, dessen Blut einmal für alle vergossen wurde, um das Problem der Sünde zu lösen (siehe Heb 9,11-15). Er ist derjenige, der uns den Weg ins „verheißene Land“ geöffnet hat, um die geistlichen Segnungen in Besitz zu nehmen. Er muss der einzige Mittelpunkt in unserem Glaubenskampf sein, damit wir unsere Jerichos besiegen können. Unser Weg des Glaubens muss Christus zum Dreh- und Angelpunkt haben, wenn die Mauern fallen sollen!

Schluss

Es gibt noch viele andere geistliche Prinzipien für den Sieg, die wir im Buch Josua lernen können. Aber diese beiden sind die ersten und größten Lektionen und genug, um das Land in Besitz zu nehmen und die geistlichen Segnungen zu genießen. Wenn wir Christus den Ihm zustehenden Platz in unserem Leben geben und sein Wort „reichlich in uns wohnen lassen“, dann wird es keinen Raum für diese Jericho-Bollwerke in unserem Leben geben. Diese Hindernisse werden bald verschwinden. Sicher, die Jerichos in unserem Leben brauchen eine Zeit, bis sie fallen, denn wir sehen, dass auch die Mauern erst fielen, nachdem das Volk sieben Tage die Stadt umkreist hatte. Aber wenn wir die Prinzipien dieser Lektion anwenden – und keine Abkürzung nehmen –, dann können die Mauern nicht stehen bleiben. Die Mauern müssen fallen!


Originaltitel: „The Walls of Jericho“
Quelle: www.growingchristians.org

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