Gottes Lamm
2. Mose 12,5; Jesaja 53,7; Johannes 1,29; 1. Petrus 1,18.19; Offenbarung 5,6

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 15.10.2005, aktualisiert: 30.12.2017

Leitverse: 2. Mose 12,5; Jesaja 53,7; Johannes 1,29; 1. Petrus 1,18.19; Offenbarung 5,6

1Mo 22,8: Und Abraham sprach: Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer.

2Mo 12,5: Ein Lamm ohne Fehl sollt ihr haben.

Jes 53,7:
Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamm, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf.

Joh 1,29: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt.

1Pet 1,18.19: … ihr erlöst worden seid mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken.

Off 5,6: Und ich sah inmitten des Thrones ein Lamm stehen wie geschlachtet.

Die Gegend um Bethlehem war optimal für die Schafzucht. Es gab nicht nur gutes Weideland, sondern die Hänge boten unzählige Höhlen als Unterschlupf für den Schäfer. Des Weiteren bestand im nahe gelegenen Jerusalem erhöhter Bedarf an Schafen. Viele der Schafe in Bethlehem wurden gezüchtet, um als Opfertiere im Tempel zu dienen. Zu den festgesetzten Festtage des jüdischen Kalenders, würden Tausende Juden aus dem gesamten römischen Reich in ihre heilige Stadt kommen, um zu opfern. Die Tiere dafür würden sie lieber in Jerusalem kaufen, als sie von weit her zu transportieren. Laut Gesetz mussten die ausersehenen Opfertiere ohne Makel sein (vgl. 2Mo 12,5; 3Mo 22.23). Diese Hirten in der Gegend von Bethlehem hielten sich nahe bei ihren besondern Schafen auf, um sie zu bewachen.

Vor ungefähr zweitausend Jahren wurde in Bethlehem ein besonderes Lamm geboren. Er wurde geboren, um in Jerusalem als Opferlamm zu sterben. Ohne Makel wurde Er geboren und genau beobachtet, um sicherzustellen, dass Er das perfekte Opferlamm war. Zu gegebener Zeit wurde dieses Lamm von Gott selbst zum Opferplatz: ein Opfer für die Sünden der Menschen, die Er liebte. So kündigte Johannes der Täufer an, dass Jesus das Lamm Gottes war, „das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Joh 1,29.36).

Gottes Lamm war makellos

An dem vollkommenem Lamm, das Gott zum Opfer vorgesehen hatte, war keine Sünde. Die Bibel stellt klipp und klar fest, dass der Herr Jesus Christus sündlos war: „welcher keine Sünde tat“ (1Pet 2,22); „der Sünde nicht kannte“ (2Kor 5,21); „Sünde ist nicht in ihm“ (1Joh 3,5). Zweimal wurde die Stimme des Vaters während des Erdenlebens unsers Herrn Jesus gehört, als Er über sein makelloses Lamm äußerte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17; 17,5). Beachte, dass diese Feststellung nicht nur im letzten Jahr des Dienstes unseres Herrn getroffen wurde (Mt 17,5), sondern bei seiner Taufe vor seinem öffentlichen Wirken. Vor irgendwelchen Wundern oder Reden hatte Gott erklärt, dass sein Lamm makellos war. Denke an den Herrn Jesus, wie Er als Knabe aufgewachsen ist. Er mogelte nicht bei Spielen oder beim Lernen. Er war nie selbstsüchtig mit seinen Spielsachen oder persönlichen Besitztümern. Er sagte seinen Eltern und Lehrern immer die Wahrheit. Denke an den Herrn Jesus als jungen Mann. Nie verlor Er seine Beherrschung aufgrund von „verlorenen“ Werkzeugen oder „schlechtem“ Holz. Er riss nicht seine Arme hoch vor Empörung oder erhob frustriert seine Stimme. Als Er erwachsen wurde, waren seine Gedanken über das andere Geschlecht immer rein. Er akzeptierte seine Leute. Wie überführt sind wir doch unserer Sünden und unserer sündigen Natur, wenn wir an das makellose Lamm Gottes denken.

Etwa 33 Jahre wurde Gottes Lamm Tag und Nacht in allen Bereichen des menschlichen Lebens mit all seinen Bedrängnissen und Reizen geprüft, „ausgenommen die Sünde“ (Heb 4,15). Und dann kam dieser denkwürdige Tag in der Geschichte, als das Lamm Gottes „sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat“ (Heb 9,14), um uns von der Sünde zu reinigen. Wie das Israel des Alten Testaments durch das vergossene Blut des Passahlammes von der Sklaverei in Ägypten freigekauft wurde (2Mo 12), so wurden wir erlöst „mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“ (1Pet 1,19).

Gottes Lamm war stumm

Als der Herr Jesus misshandelt wurde, wurde in seinem Mund kein Trug gefunden, Er schmähte und drohte nicht (1Pet 2,22.23). Weder widersprach Er noch forderte Er Gehör, als Er zu Unrecht angeklagt wurde (vgl. Mt 26,62.63; 27,12-14). Als Er gepeinigt und angegriffen wurde, beschwerte Er sich nicht, brachte nicht seinen Unmut zum Ausdruck oder forderte Vergeltung – obwohl Er zu jeder Zeit die Macht dazu gehabt hätte (vgl. Mt 26,53). Wie sehr unterschied sich unser Herr in seinem Schweigen von uns. Zu oft schwelgen wir im Selbstmitleid und sind darauf erpicht, uns selbst zu rechtfertigen, dass es für uns unmöglich ist, den Mund zu halten. Gemäß 1. Petrus 2,19-23 sollten wir weniger reden, auch wenn wir ungerecht behandelt werden, denn wir sind berufen, dem Beispiel unseres Herrn zu folgen.

Das Schweigen des Lammes Gottes war siebenhundert Jahre vor seinem Kommen durch den Propheten Jesaja vorhergesagt worden. Im großartigen 53. Kapitel finden wir das Kommen des Messias verglichen mit einem stummen Lamm (Jes 53,7). Schafen, die vor ihrem Scherer oder auf dem Weg zum Schlachten stumm waren, war nicht bewusst, was geschehen würde. Aber nicht so das Lamm Gottes. Er war sich vollkommen bewusst, dass Er in den besten Jahren seines Lebens abgeschnitten wurde aus dem Lande der Lebendigen (vgl. Jes 53,8). Und nun war Er wie ein Lamm, dass zur Schlachtung geführt wurde und wie ein Schaf vor seinen Scherern: stumm!

Obwohl das Schweigen der Hauptgedanke ist beim Vergleich des Herrn Jesus mit einem Schaf, das geschert werden soll, gibt es noch ergänzende Gedanken für die Betrachtung des Scherens. Unser Herr wurde sicherlich um unsertwillen auf dem Weg zum Kreuz geschoren. Er streifte freiwillig seine himmlischen „Roben“ der Herrlichkeit und Majestät ab, als Er auf die Erde kam und Menschengestalt annahm. Der Ihm rechtmäßig zustehenden Ehre wurde Er während seines irdischen Dienstes beraubt. Das Volk Israel entehrte Ihn fortwährend, indem es Ihn nicht als ihren Messias annahm, obwohl Er alle für den Messias vorhergesagten Erkennungszeichen erfüllte. Ihre Schmähung gipfelte in der Anklage, Christus stünde mit dem Teufel im Bunde!

Unser Herr ertrug das Scheren der persönlichen Würde, besonders während seiner Verhandlung und Kreuzigung. Er wurde verspottet und angespien, verachtet und als Wurm behandelt und nicht als Mensch (Ps 22,7). Er wurde buchstäblich seiner Kleider entledigt, eine Schande und Schmach besonderer Demütigung in der damaligen Kultur.

Schlussendlich schloss der Scherprozess seine eigene Gerechtigkeit ein, als Christus der Träger unserer Sünden wurde. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Herr Jesus in seinem persönlichen Wesen nicht mehr absolut rechtschaffen war. Als unser Stellvertreter am Kreuz nahm Er selbst unsere Sünde auf sich. Der ganze Zorn Gottes aufgrund unserer Sünde fiel auf Christus, so als ob wir, die Ungerechten, am Kreuz gehangen wären. Aufgrund des „Scherens“ von Christus wurden wir mit Gerechtigkeit „bekleidet“ (vgl. 2Kor 5,21). Schließlich schloss dieses Scheren auch das natürliche Leben unseres Herrn Jesus ein. Er gab für uns freiwillig sein Leben in den Tod am Kreuz (lies Phil 2,5-8)! Das uneigennützige Schweigen des Lammes Gottes für die Dauer des Scherens fällt auf als deutlicher Gegensatz zu unserem ständigen Geblöke.

Gottes Lamm wurde geopfert

Der Tod Christi war kein Unfall in der Geschichte. Wenn man die Dinge natürlich betrachtet, scheint es, dass Jesus von Nazareth nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Wenn Er nur in Galiläa geblieben wäre! Hätte Er sich doch nur selbst verteidigt! Wäre Er doch nur geflohen, als sich die Möglichkeit ergab. Aber aus der göttlichen Perspektive war alles wie vorgesehen und zur rechten Zeit (vgl. Apg 2,23).

Jesus Christus war Gottes Lamm, das zum Opferplatz geführt wurde. Viele Jahre vorher, zur Zeit Abrahams, hatte Gott ein bestimmtes Lamm für das Brandopfer ausersehen gerade zur rechten Zeit (lies 1Mo 22). Jetzt hatte Gott sein außerordentlichstes Lamm für das Ein-für-alle-Mal-Opfer der Sünde. Sicherlich war Christus die endgültige Erfüllung der Verheißung: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer“ (1Mo 22,8).

Gottes Lamm steht nun

Obwohl Hebräer 1,3; 10,12 uns mitteilt, dass sich der Herr Jesus zur Rechten Gottes gesetzt hat, sah der Apostel Johannes in seiner Vision zukünftiger Dinge, ein stehendes Lamm (Off 5,6). Das ist kein Gegensatz in der Bibel, sondern eher die bildliche Sprache, die denselben Gedanken vermitteln möchte. (Vergiss nicht, dass der Herr Jesus nicht buchstäblich ein Lamm ist.) Wenn Hebräer sagt, dass Christus sitzt, dann verstehen wir es so, dass das Opfer Christi für unsere Sünden ausreichend war. Sein Opferwerk als unser Stellvertreter ist beendet! Die Frage bezüglich unserer Sünden ist entschieden, und es besteht nicht die Notwendigkeit eines weiteren Blutopfers. Preis den Herrn! Das Gesicht des stehenden Lammes vermittelt dieselbe Wahrheit. Das Lamm Gottes liegt nicht länger tot auf dem Altar. Ein für alle Mal getötet steht Er nun im Auferstehungstriumph.

Wenn wir das fünfte Kapitel der Offenbarung lesen, erhalten wir einen kleinen Blick auf das Lamm Gottes, wie es von allen Lob und Ehre erhält. Das Lamm wurde in dem kleinen Ort Bethlehem geboren und im Zentrum ewiger Beachtung und Anbetung stehen. Ist Gottes Lamm der jetzige Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit und Anbetung?


Originaltitel: „God′s Lamb“
Quelle: www.growingchristians.org

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