Elberfelder lesen und nichts verstehen – NeÜ lesen und Bibel verstehen
Sind kommunikative Übersetzungen die idealen Übersetzungen?

Dirk Schürmann

© SoundWords, online seit: 05.03.2020, aktualisiert: 03.04.2020

Das Problem

„Elberfelder lesen und nichts verstehen – NeÜ lesen und Bibel verstehen“: So lautete eine WhatsApp-Nachricht, die ich vor einiger Zeit erhielt. Hintergrund dieser – etwas provokanten – Aussage ist die Tatsache, dass es zwei unterschiedliche Methoden der Bibelübersetzung gibt:

  • Bei der formorientierten Methode wird besonderer Wert auf möglichst große wörtliche Übereinstimmung mit dem Grundtext der Bibel gelegt, der in Griechisch, Hebräisch und Aramäisch geschrieben wurde. Zu den formorientierten Bibelübersetzungen gehören u.a. die verschiedenen Elberfelder Übersetzungen: die sog. alte Elberfelder, die nicht revidiert und nicht überarbeitet ist; die überarbeitete Elberfelder (Edition CSV Hückeswagen) sowie die revidierte Elberfelder (R.Brockhaus Verlag).

  • Die andere Methode ist die kommunikative Methode. Hier wird besonderer Wert auf die Verständlichkeit für den heutigen Leser gelegt. Zu den kommunikativen Bibelübersetzungen gehören u.a. neben der Neuen evangelistischen Übersetzung (NeÜ) auch die bekannten Übersetzungen die Gute Nachricht Bibel (GNB), die Hoffnung für alle (HfA), die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) sowie die Neues Leben Bibel (NLB).

Bei der Übersetzung der Bibel stoßen die Übersetzer auf manche Schwierigkeiten, die sie mit kommunikativen Prinzipien ausräumen wollen. So geben manche sprachspezifischen Redewendungen nicht mehr den ursprünglichen Gedanken wieder, wenn sie ganz wörtlich übersetzt werden. Ein Beispiel aus dem Englischen: Der Ausdruck to put it in a nutshell bedeutet auf Deutsch: „es auf den Punkt bringen“. Würde man hier wörtlich übersetzen: „es in eine Nussschale setzen“, ginge der Sinn verloren. Insofern sind auch Übersetzer formorientierter Bibelübersetzungen manchmal gezwungen, vom Prinzip der Wörtlichkeit abzuweichen, damit der Sinn nicht verfälscht wird.

Wer kommunikative Übersetzungen befürwortet, wird folgendermaßen argumentieren: Die Texte wurden vor zwei- bis dreitausend Jahren geschrieben. Da sie ganz anderen Lebensgewohnheiten entstammten und in einer ganz anderen Sprache geschrieben seien, müsse man den Text so übersetzen, wie er früher verstanden worden sei; dann werde er auch heute verstanden. Sprachformen, die in unserer Sprache nicht gebräuchlich sind, müsse man vermeiden. Weil im Deutschen Partizipien z.B. nur sehr selten benutzt werden, werden die im Griechischen häufigen Partizipien daher in manchen Bibelübersetzungen in Nebensätze verwandelt.

Doch was bedeutet das? Der Übersetzer muss auswählen, mit welcher Konjunktion er den Nebensatz einleitet: mit weil, nachdem, damit, indem etc. Wir merken: Je nachdem welche Konjunktion verwendet wird, kann das Partizip völlig verschiedene Bedeutungen annehmen. Der Übersetzer trifft also die Entscheidung, was Gott gemeint hat, und wählt dementsprechend die Konjunktion.

Auch sind im Deutschen lange Sätze unerwünscht; also werden die teilweise sehr langen Sätze in den Briefen (z.B. in Epheser 1 oder 1. Petrus 1) in kleinere Portionen aufgeteilt.

Dann bleiben noch schwierige Ausdrücke, wie zum Beispiel „Verwaltung der Fülle der Zeiten“ (Eph 1,10). Mit diesem Ausdruck kann spontan sicher keiner etwas anfangen; also müsse so ein Ausdruck umschrieben werden – so die Meinung mancher Übersetzer –, so dass jeder ihn verstehen könne. Möglicherweise gehen einige Christen auch davon aus, dass die griechischen Texte für die damaligen Leser, z.B. für die Briefempfänger, ganz leicht zu verstehen waren und dass eine wörtliche Übersetzung dazu führe, dass nur heutzutage die Texte schwierig zu verstehen seien. Das ist mit Sicherheit ein großer Irrtum. Auch damals war es bestimmt nicht leicht, einem Satz zu folgen, der sich, wie in Epheser 1, über elf Verse erstreckt. Auch damals musste man sich Gedanken machen, in welch einer Beziehung ein Partizip zu dem Satz, in dem es eingebettet war, verstanden werden musste. Und auch damals stellte sich für die Epheser die Frage, was Paulus z.B. mit der „Verwaltung der Fülle der Zeiten“ gemeint haben mochte.

Den Beweis dafür, dass auch damals die Schriften der neutestamentlichen Schreiber nicht immer leicht zu verstehen waren, gibt uns übrigens die Schrift selbst. Lesen wir einmal von Petrus, was er über die Briefe von Paulus schreibt:

  • 2Pet 3,15.16: … so wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet, von denen einige schwer zu verstehen sind.

Wir sind hoffentlich alle davon überzeugt sind, dass der Heilige Geist Paulus inspiriert hat, seine Briefe genau so zu schreiben. Wir werden auch bestimmt nicht denken, dass Gott, der Heilige Geist, nicht in der Lage gewesen wäre, auch „leicht“ verständlich zu schreiben. Damit bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung übrig: Gott wollte, dass es nicht so einfach zu verstehen ist.

Hintergrund für den Trend zu kommunikativen Übersetzungen ist aber gerade der Gedanke, dass es beim Lesen des Wortes Gottes in erster Linie darauf ankomme, dass das Wort verstanden werde. Die Übersetzer wollen es dem Leser so leicht wie möglich machen, damit möglichst viele das Wort verstehen, und das auch noch in so kurzer Zeit wie möglich. Dieses Bemühen scheint ein edles Ziel zu sein, das doch – so meint man – den Gedanken Gottes entsprechen müsse. Hat Gott denn nicht sein Wort gegeben, damit die Menschen verstehen, was Er ihnen sagen möchte? Und liegt Ihm denn nicht daran, dass wir es so schnell wie möglich kennenlernen? Für viele sind das sicher rein rhetorische Fragen.

Doch ist das wirklich so, dass Gott möchte, dass alle Menschen sein Wort sofort verstehen? Lesen wir z.B. einmal, was Jesaja dem Volk sagen musste:

  • Jes 6,9.10: Er [der Herr] sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hörend hört, und versteht nicht; und sehend seht, und erkennt nicht! Mache das Herz dieses Volkes fett, und mache seine Ohren schwer, und verklebe seine Augen: damit es mit seinen Augen nicht sieht und mit seinen Ohren nicht hört und sein Herz nicht versteht und es nicht umkehrt und geheilt wird.

Was auch immer hier für eine spezielle Situation im Volk Gottes vorgelegen haben mag, die dieses Eingreifen Gottes notwendig machte – eins wird ganz deutlich: Dass Gott uns sein Wort gegeben hat und dass wir es auch verstehen sollen, sind zwei verschiedene Dinge.

Welchen Menschen offenbart sich Gott? In Offenbarung 1 lesen wir:

  • Off 1,1: Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss.

Hier steht nicht: „um den Menschen zu zeigen“, nicht einmal: „um den Christen zu zeigen“. Es sind die Knechte oder Sklaven Jesu Christi, die sich Ihm ganz mit ihrem Leben für den Dienst zur Verfügung gestellt haben, denen Er zeigen möchte, was bald geschehen wird. Und selbst dann erwartet Gott noch, dass wir demütig im Gebet zu Ihm kommen und uns die Augen öffnen lassen:

  • Ps 119,18: Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz!

Und wenn wir etwas nicht verstehen, dann müssen wir wie Nikodemus bereit sein, den Herrn demütig zu fragen: „Wie kann das sein?“ (vgl. Joh 3,4). Unvermittelt hatte der Herr Jesus zu Nikodemus davon gesprochen, dass er „von neuem geboren“ werden müsse. Wir würden heute sagen: Das war aber eine kryptische Sprache. – So dachten auch die Jünger in Johannes 16,19:

  • Joh 16,16.17: Eine kleine Zeit, und ihr schaut mich nicht mehr, und wieder eine kleine Zeit, und ihr werdet mich sehen, ˹weil ich zum Vater hingehe˺. Einige von seinen Jüngern sprachen nun zueinander: Was ist dies, was er zu uns sagt: Eine kleine Zeit, und ihr schaut mich nicht, und wieder eine kleine Zeit, und ihr werdet mich sehen, und: Weil ich zum Vater hingehe?

Der Herr formulierte manches so, dass die Jünger es nur durch Nachfragen verstehen konnten. Er benutzte sogar Gleichnisse, damit nicht alle das Wort verstanden:

  • Mt 13,10-12: Die Jünger traten herzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu erkennen, ihnen aber ist es nicht gegeben; denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden. Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören noch verstehen.

Es ist deutlich: Der Herr Jesus hatte nicht unbedingt das Ziel, das die NeÜ hat:

Die Übersetzung versucht, Sinn und Struktur des Bibeltextes zu erfassen und diesen gerade auch für einen Leser aus nichtchristlichem Umfeld verständlich wiederzugeben.[1]

Vielmehr hat Gott in seinem Wort sicher bewusst an vielen Stellen so geschrieben, dass wir den Sinn des Wortes nicht unmittelbar an der Oberfläche finden. Ohne Demut, Gebet und Studium sollen wir ihn gar nicht finden. Doch wenn diese Haltung bei uns vorhanden ist, dann wird Gott uns durch seinen Geist seine Gedanken offenbaren:

  • Joh 16,12.13: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten.

Der Heilige Geist möchte dazu auch besonders die Gaben benutzen, die der Herr Jesus gegeben hat:

  • Eph 4,11-14: Er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes …; damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre.

Wir merken: Es ist gar nicht nach Gottes Gedanken, dass eine Übersetzung alles in einfache Sprache umsetzt, damit es sofort verstanden wird. Damit meine ich natürlich nicht, dass wir es unnötig schwermachen müssten.

Aber noch ein weitaus schwerwiegenderer Grund spricht gegen kommunikative Übersetzungen: Bei solchen Übersetzungen bringt der Übersetzer nämlich unterschwellig – vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt – Folgendes zum Ausdruck:

  • Gott hat sein Wort manchmal kompliziert geschrieben; das muss ich euch in einfache Sprache übersetzen.
  • Ich weiß, was Gott eigentlich sagen wollte, und das findet ihr in meiner Übersetzung.

Letztlich ist das ein anmaßendes Urteil über Gott, und zweitens stellt der Übersetzer seine Gedanken bezüglich dessen, was Gott gemeint hat, mit dem Wort Gottes selbst gleich. Damit verführt er den Leser dazu, anzunehmen, seine Übersetzung sei wirklich Gottes Wort. Das Problem ist nicht, dass der Übersetzer dem Leser den Bibeltext erklären bzw. zum Verständnis des Gelesenen helfen will – denn das tut ja der Autor einer Betrachtung ebenfalls –, sondern dass diese „Erklärung“ dann als Bibel / Gottes Wort verkauft wird.

Textbeispiele

Anhand der NeÜ (Textstand 19.10.19), einer Übersetzung von Karl-Heinz Vanheiden, die möglicherweise noch die beste kommunikative Übersetzung ist, wollen wir nun sehen, welche Auswirkungen solche Übersetzungen haben. Wir schauen uns dabei verschiedene Themenbereiche an, gehen aber so wenig wie möglich auf Verse ein, bei denen wir die Textgrundlage für nicht gerechtfertigt halten, da das wieder ein anderes Thema ist.[2] Wir beschränken uns dabei zunächst auf neun Themen. Interessierte Leser finden im Anhang noch etliche weitere Themenbereiche.

Wir lesen immer zuerst einen Vers aus der NeÜ und dann zum Vergleich die Übersetzung aus der überarbeiteten Elberfelder (Edition CSV; im Folgenden abgekürzten mit ELB).

Die Gottheit Christi

Sach 13,7: „Schwert, stürze dich auf meinen Hirten, auf den, der mir am nächsten steht!“, sagt Jahwe, der allmächtige Gott.
Sach 13,7: Schwert, erwache gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mein Genosse ist!, spricht der HERR der Heerscharen.

Ein „Genosse“ ist auf Augenhöhe, er ist gleichgeordnet. „Am nächsten“ kann weit entfernt sein, solange es solche gibt, die noch ein wenig weiter entfernt sind. Damit wird eine Stelle, die im Alten Testament die Gottheit Christi unterstreicht, entwertet. Des Weiteren: Den Ausdruck „HERR der Heerscharen“ zu übersetzen mit „Jahwe, der allmächtige Gott“, wie die NeÜ es tut, ist schon sehr weit vom Original entfernt.

Micha 5,1: Aus dir soll der hervorgehen, / der mein Herrscher über Israel wird! / Sein Ursprung liegt in der Vorzeit, / sein Anfang in der Ewigkeit.
Micha 5,1: Aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.

Beim Lesen der NeÜ bekommt der Leser den falschen Eindruck, dass Christus nicht ewig war, sondern einen „Anfang“ gehabt hätte, einen Anfang „in der Ewigkeit“.

Die sündlose Menschheit Christi

Heb 4,15: Dieser Hohe Priester hat Mitgefühl mit unseren Schwächen, weil ihm die gleichen Versuchungen begegnet sind wie uns – aber er blieb ohne Sünde.
Heb 4,15: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.

Dieser Vers liest sich in der NeÜ, als ob der Herr Jesus tatsächlich hätte sündigen können; doch Er tat es nicht und ist daher ohne Sünde geblieben. Der Text in der NeÜ lässt aber die Möglichkeit offen, dass der Herr hätte sündigen können: Schon das Wörtchen „aber“ verführt hier zu dem bösen Gedanken, dass die Versuchungen in Ihm eine innewohnende Sünde hätten anstacheln können, so wie das bei uns häufig der Fall ist. Doch der Herr Jesus konnte nicht sündigen.

Joh 14,30: Viel werde ich nicht mehr mit euch reden können, denn der Herrscher dieser Welt ist schon gegen mich unterwegs. Er wird zwar nichts an mir finden …
Joh 14,30: Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir.

Auch in diesem Vers nimmt die NeÜ-Übersetzung, die sich natürlich sprachlich besser anhört als die ELB, von der Bedeutung dieser Stelle viel weg: „Etwas an jemand finden“ bedeutet, dass man in seinen Handlungen etwas Falsches findet. Im Grundtext steht an dieser Stelle jedoch „in“. Es ging darum, dass „in“ dem Herrn Jesus kein Anknüpfungspunkt für Satan war. Das ist anders als bei uns, die wir das böse Fleisch noch haben, woran Satan ständig anknüpfen kann.

Das Ausharren des Christus

2Thes 3,5: Der Herr richte eure Herzen auf die Liebe Gottes aus und auf die Geduld, die Christus mit euch hat.
2Thes 3,5: Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes und zu dem Ausharren des Christus!

Off 3,10: Weil du meine Aufforderung zur Standhaftigkeit beherzigt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Zeit der Versuchung, in der die ganze Menschheit den Mächten der Verführung ausgesetzt sein wird.
Off 3,10: Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.

In beiden Bibelversen geht es um das „Ausharren“ des Christus. Interessanterweise bezieht der Übersetzer der NeÜ dieses Ausharren im ersten Beispielvers tatsächlich auf Christus, im anderen Fall jedoch auf die Briefadressaten.

Im zweiten Thessalonicherbrief hatte Paulus gerade von den bösen und schlechten Menschen gesprochen und von der Bewahrung von dem Bösen, dem die Thessalonicher ausgesetzt waren. Jetzt ermuntert er sie mit dem Hinweis auf die Liebe Gottes zu ihnen, dass Christus noch wartet, „bis seine Feinde hingelegt sind zum Schemel seiner Füße“ (Heb 1,13). Sie würden also mit Christus Gemeinschaft haben, während sie in widrigen Umständen ausharrten, dass der Tag des Friedensreiches käme, wo die Umstände ganz anders sein würden. Von „mit euch“, wie es die NeÜ in 2. Thessalonicher 3 hat, steht im Grundtext gar nichts, und „Geduld“ passt in diesem Zusammenhang auch nicht.

In Offenbarung 3 geht es um einen ganz ähnlichen Gedanken: Auch hier geht es wieder um Christus und sein Warten auf das Reich. Wir warten wie Er und mit Ihm. Zur Unterstützung haben wir „das Wort seines Ausharrens“. Christus benutzt sein Wort, um uns seine Gesinnung mitzuteilen, wie Er jetzt – geduldig und getrennt von der Welt – auf den Tag seiner Verherrlichung auf der Erde wartet. Wenn wir dieses Wort bewahren, dann warten wir mit Ihm zusammen und mit derselben Sehnsucht und Freude auf diesen Augenblick, und wir wissen auch, dass wir dann mit Ihm in Herrlichkeit erscheinen werden. Von diesem wunderschönen Gedanken ist in der NeÜ nur noch eine „Aufforderung zur Standhaftigkeit“ übriggeblieben.

Die Rechtfertigung

Röm 5,18: So wie eine einzige Verfehlung allen Menschen die Verdammnis brachte, so bringt eine einzige Tat, die Gottes Rechtsforderung erfüllte, allen Menschen den Freispruch und das Leben.
Röm 5,18: Also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.

Diese Übersetzung der NeÜ ist sicher zur großen Freude der Allversöhner, die in dieser Stelle ohnehin eine Unterstützung ihrer Lehre zu finden meinen. Dieser Satz enthält im Grundtext kein Verb. Wir finden dort also weder „bringen“ wie in der NeÜ noch „gereichen“ wie in der ELB[3]. Um im Deutschen einen grammatisch vollständigen Satz mit Prädikat zu erzeugen, muss ein Verb gefunden werden, dass zu den Präpositionen vor „alle Menschen“, „Verdammnis“ und „Rechtfertigung“ passt.

Diese Präposition (griech. eis), die in der ELB mit „gegen“ übersetzt wird, bedeutet „in Richtung auf“. Man könnte den Sinn dieses Verses folgendermaßen umschreiben: Die eine Ungerechtigkeit Adams – als er das eine Gebot Gottes übertrat, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen – hatte Folgen „in Richtung auf“ alle Menschen „zur Verdammnis“ hin; die Folge von Adams Ungerechtigkeit ist also, dass alle Menschen das Urteil der Verdammnis erwarten konnten. Auf der anderen Seite hat eine gerechte Tat Christi Folgen „in Richtung auf“ alle Menschen „zur Rechtfertigung des Lebens“ hin. Die ELB lässt mit dem Wort „gegen“ zu, dass hier ein Potential für alle Menschen zur Verfügung steht, sagt aber nichts darüber aus, ob die Auswirkung auch bei den Empfängern ankommt. Die Formulierung der NeÜ – „bringt allen Menschen Freispruch“ – versteht der Leser hingegen so, als würden alle Menschen freigesprochen. Wenn eine Zeitungsmeldung verkündet: „Das Urteil bringt allen Angeklagten den Freispruch“, denkt der Leser nicht, dass einer der Angeklagten nicht freigesprochen wird.

Das griechische Wort dikaiosis, das in der ELB mit „Rechtfertigung“ übersetzt wird, übersetzt K.-H. Vanheiden mit „Freispruch“. Das trifft jedoch nicht den Gedanken Gottes. Rechtfertigung bedeutet, „jemand für gerecht zu erklären“, als ob er nie eine böse Tat begangen hätte. Freispruch dagegen bedeutet nicht zwingend, dass jemand nicht doch eine böse Tat begangen hat, denn mancher Freispruch kommt nur aus Mangel an Beweisen zustande oder aufgrund von Verjährung usw.

Weiter steht im Grundtext auch nicht „zur Rechtfertigung/Freispruch UND zum Leben“, wie die NeÜ den Leser glauben machen möchte, sondern „Rechtfertigung des Lebens“. Das bezieht sich auf das Ausmaß der Rechtfertigung: Die eine gerechte Tat kann nicht nur eine einzige böse Handlung rechtfertigen oder alle unsere bösen Taten, sondern sie kann sogar unser ganzes Leben rechtfertigen, so dass nicht ein einziger Makel zurückbleibt. Andere Bibelstellen zeigen uns, dass diese „Rechtfertigung des Lebens“ dadurch geschieht, dass uns neues Leben geschenkt wird. Nicht nur werden wir durch die Rechtfertigung von etwas frei, sondern unsere Rechtfertigung geht sogar so weit, dass wir eine ganz neue Stellung „in Christus“ bekommen (Gal 2,17) sowie ein Leben ohne Makel, das nicht sündigen kann. Es geht auch nicht darum, mit einer Tat die (ganze) Rechtsforderung Gottes zu erfüllen, sondern dass eine gerechte Tat – nämlich die Erfüllung des Gebotes, sein Leben zu lassen (Joh 10,18) – ausreicht, damit alle Menschen „zur Rechtfertigung des Lebens“ kommen können. Andere Ausleger wollen zwar das gesamte Verhalten Christi auf der Erde als eine gerechte Handlung zusammengefasst sehen, aber eins bleibt ganz klar: Es geht hier in erster Linie um das gerechte Verhalten Christi und nicht um die Rechtsforderung Gottes.

Röm 3,23: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes [KHV: damit ist wohl die ursprüngliche Herrlichkeit gemeint, die der Mensch als Ebenbild Gottes hatte] verloren.
Röm 3,23: Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.

Im Grundtext ist überhaupt keine Rede davon, dass etwas „verloren“ ist. Ebenso wenig geht es um irgendeine Herrlichkeit, die uns als Menschen kennzeichnet. Es geht vielmehr um den Maßstab, um die Messlatte Gottes zur Beurteilung unseres Verhaltens. Diese Messlatte ist die Herrlichkeit Gottes, und sie ist so hoch, dass jeder unfähig ist, sie zu erreichen. Also kommt es überhaupt nicht darauf an, wie viel jemand sich angestrengt hat, und auch nicht, wie schlimm er gesündigt hat. Wenn die Messlatte zum Hochsprung 100 Meter hoch wäre, wäre es völlig unerheblich, ob jemand 50 Zentimeter oder 2 Meter hoch springen könnte. Daher gilt das, was wir zu Beginn von Römer 2,22 lesen: „Es ist kein Unterschied.“

Das Reich Gottes

Lk 10,9: Heilt die Kranken, die da sind, und sagt den Leuten: ,Jetzt beginnt Gottes Herrschaft bei euch!‘
Lk 10,9: Heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.

Leider begann Gottes Herrschaft nicht, wie die NeÜ behauptet, denn das Volk lehnte den König des Reiches ab und die Macht Gottes in Gnade, die durch den Herrn und seine Jünger offenbart wurde, erreichte ihr Herz nicht. Gottes Macht und Gnade offenbarte zwar, dass das Reich Gottes ihnen nahe gekommen war, aber Gottes öffentliche Herrschaft begann leider nicht.

Gemeinschaft miteinander

1Joh 1,3: Und was wir selbst gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, denn wir möchten, dass ihr mit uns verbunden seid.
1Joh 1,3: Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt.

Vergleichen wir die Formulierungen „mit uns verbunden“ in der NeÜ und „mit uns Gemeinschaft“ in der ELB: „Verbunden“ sind wir, die Gläubigen, durch dasselbe Leben, das wir besitzen, und durch den Heiligen Geist, mit dem wir getränkt sind. Das ist unsere Stellung. Doch in diesem Vers geht es nicht um unsere Stellung, sondern um Gemeinschaft, indem wir dasselbe Teil der Freude und Beschäftigung besitzen. Das ist eine praktische Sache, die ausgelebt werden muss und durch die Verkündigung des ewigen Lebens überhaupt erst möglich wurde. Damit teilen wir mit den Aposteln dieselben Interessen, Gedanken und Empfindungen.

1Joh 1,7: Wenn wir aber im Licht leben, so wie Gott im Licht ist, sind wir miteinander verbunden, und das Blut seines Sohnes Jesus macht uns von jeder Sünde rein.
1Joh 1,7: Wenn wir aber in dem Licht wandeln, wie er in dem Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.

Auch hier geht es nicht darum, dass wir miteinander verbunden sind, sondern es geht darum, dass wir in dem Licht, in dem wir uns aufhalten, dasselbe sehen. Wir haben hier als Geschwister dieselben Freuden und Empfindungen, weil unsere Augen auf dasselbe gerichtet sind.

Die Eigenschaften eines Ältesten

1Tim 3,2: Doch ein Leiter muss ein Mann ohne Tadel sein, der seiner Frau treu ist.
1Tim 3,2: Der Aufseher nun muss untadelig sein, der Mann einer Frau.

Hier geht es nicht darum, dass ein Ältester „seiner Frau treu ist“ und keinen Ehebruch betreibt, wie die NeÜ meint, sondern dass er nicht, wie es im Judentum erlaubt war, mehrere Frauen hatte, sondern nur eine einzige Frau. Er sollte aber auch nicht unverheiratet sein.

1Tim 3,6: Er darf nicht erst vor kurzem zum Glauben gekommen sein, sonst könnte er sich schnell etwas einbilden und zu Recht vom Teufel angeklagt werden.
1Tim 3,6: … nicht ein Neuling, damit er nicht, aufgebläht, ins Gericht des Teufels falle.

Wieder haben wir es (im Griechischen) mit einer Genitivkonstruktion zu tun. Hier stellt sich die Frage stellt: Ist es der Teufel, der Gericht – oder Urteil – ausübt, oder wird es an ihm ausgeführt? Es wäre merkwürdig, wenn der Teufel den Neubekehrten nur oder speziell bei dieser Sünde anklagen sollte, denn das könnte er doch bei jeder anderen Sünde genauso tun. Daher ist vielmehr anzunehmen, dass es hier um das Urteil über den Teufel geht. Denn die Sünde des Teufels, mit der er sich gegen Gott erhoben hatte, war ja gerade seine Aufgeblasenheit; diese hatte ihn so weitgeführt, dass er Gott gleich sein wollte. Es wird in diesem Vers also ein Vergleich zwischen der Sünde des Neulings und der Sünde des Teufels gezogen. Das stellt seine Handlung gleich in einem ganz anderen Licht dar.

Umgang mit solchen, die im Bösen leben

1Kor 5,11: Nein, ich meinte in dem Brief, dass ihr keinen Umgang mit jemand haben sollt, der sich zur Gemeinde zählt und trotzdem in sexueller Unmoral lebt.
1Kor 5,11: Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Hurer ist.

„Jemand, der Bruder genannt wird“, muss sich nicht unbedingt auch „zur Gemeinde zählen“. Nach der NeÜ hieße das: Wir dürften mit jemand, der unmoralisch lebt, Umgang haben, wenn er sich nicht zur Gemeinde zählt. Das ist jedoch nicht das, was die Schrift lehrt; danach dürfen wir keineswegs mit jemand, der unmoralisch lebt, Umgang haben, und zwar unabhängig von Gemeindefragen. Zunächst erweckt die Formulierung „sich zur Gemeinde zählen“ den Eindruck, es gehe nur um die Frage der Zugehörigkeit zu der Gruppe von Christen, mit denen man sich versammelt. Doch manche Christen zählen sich selbst zu gar keiner Gemeinde. Für unser Verhalten ihnen gegenüber sowie Christen gegenüber, die sich in irgendwelchen christlichen Kreisen befinden, gibt es jedoch keinen anderen Maßstab als den, den wir auch bei Gläubigen anwenden, die sich mit uns versammeln: Wenn sie in moralisch Bösem leben, ist keine Gemeinschaft möglich.

Bedeutungsvolle „Kleinigkeiten“

1Mo 45,3: „Ich bin Josef!“, sagte er zu seinen Brüdern. „Lebt mein Vater noch?“
1Mo 45,3: Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph. Lebt mein Vater noch?

Zwischen die beiden Aussagen Josephs schiebt die NeÜ ein: „sagte er zu seinen Brüdern“. Auf diese Weise geht ein schöner Gedanke verloren: Joseph will hier die Bestürzung, die seine Brüder bei seiner Antwort „Ich bin Joseph“ empfunden haben mussten, so weit wie möglich abmildern, indem er im selben Atemzug anfügt: „Lebt mein Vater noch?“ Damit richtet er die Gedanken der Brüder von sich weg auf den gemeinsamen Gegenstand der Liebe: auf ihren Vater.

Spr 30,4: Wer stieg je in den Himmel hinauf und kam wieder herab? / Wer hat den Wind in seine Fäuste gepackt? / Wer band das Wasser in ein Tuch? / Wer hat die Grenzen der Erde bestimmt? / Wie heißt dieser Mann und wer ist sein Sohn? / Sag es mir, wenn du es weißt!
Spr 30,4: Wer ist hinaufgestiegen zum Himmel und herabgekommen? Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt, wer die Wasser in ein Tuch gebunden? Wer hat alle Enden der Erde aufgerichtet? Was ist sein Name, und was der Name seines Sohnes, wenn du es weißt?

Indem die NeÜ das Wort „Mann“ einfügt, denkt der Leser unwillkürlich, dass Agur, der Psalmdichter, von einem natürlichen Menschen spricht. Auf diese Weise geht jedoch verloren, dass er hier prophetisch auf Gott hinweist, der in seiner Schöpfermacht alles in seiner Hand hält und einen Sohn hat. Hiermit kommt der Psalmdichter der neutestamentlichen Offenbarung Gottes, der einen Sohn hat, von allen Propheten des Alten Testamentes wohl am nächsten.

Schlussfolgerung

Es ist sicher klargeworden, dass derjenige, der die NeÜ zu „seiner Bibel“ erklärt, mit dem Glauben an Gott gleichzeitig auch den Glauben an den Autor der NeÜ verknüpft. Denn er muss diesem glauben, dass er die Botschaft Gottes immer richtig deutet.

Wenn die NeÜ „Karl-Heinz Vanheidens Bibelparaphrase“ hieße, gäbe es kein Problem. Indem sie sich aber als „Übersetzung“ bezeichnet, erhebt sie den Anspruch, Gottes Botschaft zu sein. Doch in vielen Fällen – und ganz besonderes bei wichtigen Teilen der Wahrheit – verändert, erweitert oder verkürzt sie diese Botschaft, ohne dass der Leser es bemerkt.

Wer nicht meinem Bibelverständnis folgt, sondern dem von Karl-Heinz Vanheiden, wird dennoch zugeben, dass der Grundtext ein anderes Textverständnis erlaubt und dass die Übersetzung von Vanheiden diese Möglichkeit nicht mehr aufzeigt.

Um nun zu der Überschrift unseres Artikels zurückzukehren („Elberfelder lesen und nichts verstehen – NeÜ lesen und Bibel verstehen“): Ja, es stimmt, die Elberfelder Übersetzung ist an vielen Stellen nicht leicht zu verstehen, aber das liegt – zumindest in den angeführten Beispielen – zu 99 Prozent daran, dass der entsprechende Text nicht so einfach ist. Auch für die Griechen zur Zeit des Neuen Testamentes war es sicher nicht leichter, die Botschaft zu verstehen. Und ja, es stimmt: Die NeÜ ist leicht zu verstehen. Aber zu behaupten, dass man damit die Bibel versteht, ist so nicht richtig. Das, was leicht zu verstehen ist, ist nur die Meinung von Karl-Heinz Vanheiden über den Bibeltext.

Es stimmt auch nicht, dass wir nichts verstehen, wenn wir die Elberfelder lesen; wir verstehen immer etwas. Und das, was wir nicht verstehen, zeigt uns, was wir im Wort Gottes noch zu lernen haben. Dazu benötigen wir Demut, Fleiß, Gebet und Gaben. Und mit allem, was wir neu lernen, wird uns das Wort Gottes von Tag zu Tag wertvoller.

Die Lösung kann nun nicht darin bestehen, die NeÜ an einigen Stellen zu verbessern, denn bereits der Ansatz, der Grundgedanke, der der NeÜ-Übersetzung zugrunde liegt, ist an sich verkehrt. Dazu schreibt Karl-Heinz Vanheiden: „Im Gegensatz zu einer wortgenauen Übersetzung könnte man die ,Neue Evangelistische Übersetzung‘ als sinngenau bezeichnen.“[4] Damit wird davon ausgegangen, dass der Übersetzer beurteilen kann, dass er alles verstanden hat, was Gott sagen wollte. Dem Grundsatz nach ist jede Übersetzung mit dem Anspruch, „sinngenau“ zu sein, nichts anderes als ein Versuch, das zu verbessern, was Gott anscheinend nicht gut genug gelungen ist: seine Gedanken verständlich mitzuteilen.

Anhang

Im Anhang werden jetzt noch weitere Themenbereiche untersucht, bei denen die NeÜ gerade mit ihrer Vereinfachung durch vermeintlich sinngenaue Wiedergabe den Sinn mehr verdunkelt als erhellt.

Die Offenbarung Gottes

1Joh 1,2: Ja, das Leben ist erschienen. Das können wir bezeugen. Wir haben es gesehen und verkündigen es euch: das ewige Leben, das beim Vater war und bei uns sichtbar geworden ist.
1Joh 1,2: Und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns offenbart worden ist.

Das Leben ist nicht nur „erschienen“ und nicht nur „sichtbar“ geworden; es ist „offenbart“ worden. Es setzt ein aktives Handeln Gottes voraus, uns dieses Leben kundzutun. Ein Bibellehrer hat geschrieben:

Unergründliche Gnade, wunderbares Geschehen: Das ewige Leben ist offenbart worden! […] Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Gott sich offenbart; denn es liegt an sich nicht im Wesen der Gottheit, sich zu erkennen zu geben. Eine ganze zurückliegende Ewigkeit hindurch hat sie es schließlich nicht getan. Wenn sie es aber dennoch tut, so ist es eben lauter Gnade. Wir vergessen das manchmal.[5]

Oder wir retuschieren den Gedanken, dass Gott sich aus Gnade offenbart hat, durch eine entsprechende Übersetzung weg!

Christus auf der Erde

Kol 2,9: Denn in Christus allein wohnt die ganze Fülle des Göttlichen leibhaftig.
Kol 2,9: Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.

Göttlichkeit (theistes) ist etwas anderes als Gottheit (theotes). Göttlichkeit hat z.B. mit der Schöpfermacht zu tun (s. Röm 1,20: „Seine Göttlichkeit wird von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen“), während die Gottheit sich auf die drei Personen bezieht, in denen Gott sich offenbart hat. Wir sehen das auch in der Parallelstelle in Kolosser 1,19: „Es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen.“ Schöpfermacht kann kein Wohlgefallen haben, göttliche Personen aber sehr wohl.

Kol 1,19: Denn mit ganzer Fülle wollte Gott in ihm wohnen.
Kol 1,19: Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen.

Auch hier geht durch die NeÜ-Übersetzung verloren, dass alle Personen der Gottheit beteiligt waren. Außerdem ist auch der wunderschöne Gedanke verlorengegangen, dass es das Wohlgefallen oder die besondere Freude göttlicher Personen war, in dem Menschen Jesus Christus zu wohnen. Von dem Heiligen Geist finden wir das in Johannes 1,32, von dem Vater in Johannes 14,10.

Der Gehorsam des Christus

2Kor 10,5: Mit ihnen zerstören wir Gedankengebäude und jedes Bollwerk, das sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, wir nehmen jeden solcher Gedanken gefangen und unterstellen sie Christus.
2Kor 10,5: [Wir zerstören …] jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam des Christus.

An dieser Stelle ist einmal wieder genau das gemeint, was im Grundtext steht und in der ELB zum Ausdruck kommt: Es geht nicht um Christus als Person, sondern um seinen Gehorsam. Wir sollen so gehorsam sein, wie Christus es war. Auch wenn uns bestimmte Dinge im geistlichen Leben nicht gefallen – so wie es für Christus unendlich schwer war, den Kelch aus der Hand des Vaters zu nehmen (siehe auch Heb 5,7.8) –, sollten wir doch, so wie Christus es uns gezeigt hat, bereit und willig sein, nicht unseren Gedanken zu folgen, sondern Gottes Gedanken.

1Pet 1,2: Gott, der Vater, hat euch aufgrund seiner Allwissenheit erwählt und durch das Wirken seines Geistes zu geheiligten Menschen gemacht, zu Menschen, die Jesus Christus gehorchen und durch sein Blut von aller Schuld gereinigt sind.
1Pet 1,2: [Den Fremdlingen] …, auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi.

Auch hier geht es um den Gehorsam, den Jesus Christus zeigte – um Gehorsam aus Liebe zum Vater. Das war ganz besonders für die Christen aus den Juden, an die Petrus schrieb, wichtig. Denn sie kannten natürlich Gehorsam, und zwar den Gehorsam nach dem Gesetz: Du sollst, du sollst, du sollst. Der Gehorsam, den Jesus Christus zeigte, lässt sich dagegen mit den Worten beschreiben: „Ich möchte gern.“ Der Heilige Geist hatte sie nicht wieder neu abgesondert oder geheiligt, damit sie – in derselben Weise wie vorher dem Gesetz – nun Christus gehorsam waren. Dann wäre Christus für sie nur ein noch viel strengeres „Gesetz“ gewesen; nein, Er hatte sie abgesondert, damit sie dem Vater so gehorsam waren wie Er selbst.

Die Sanftmut und Milde des Christus

2Kor 10,1: Ich, Paulus, der im persönlichen Umgang mit euch so demütig auftreten, aber aus der Ferne den starken Mann spielen soll, ich ermahne euch mit der Güte und Freundlichkeit von Christus.
2Kor 10,1: Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch durch die Sanftmut und Milde des Christus, der ich unter euch anwesend zwar demütig, abwesend aber kühn gegen euch bin.

Den Hintergrund zum Verständnis dieser Verse finden wir ein paar Verse weiter: „Die Briefe zwar, sagt man, sind gewichtig und kräftig, aber die Gegenwart des Leibes ist schwach und die Rede verächtlich. Ein solcher bedenke dies, dass, wie wir abwesend im Wort durch Briefe sind, wir solche auch anwesend in der Tat sein werden“ (2Kor 10,10.11). Wenn Paulus abwesend war, konnte es sich – wenn hier sein Verhalten den Korinthern gegenüber beurteilt wurde – nur um seine Briefe handeln. Diese Briefe erkannten die Korinther als gewichtige, ernste Botschaften an. Doch Paulus verspricht ihnen, dass er genauso ernst auch „anwesend in der Tat“ handeln würde, d.h., wenn er selbst in Korinth vor Ort sein würde. Er steht also dazu, dass seine Briefe „gewichtig und kräftig“ waren. Das hat damit, „einen starken Mann zu spielen“ – wie die NeÜ übersetzt –, nichts zu tun.

Es geht auch nicht um die „Güte von Christus“, wie die NeÜ schreibt. Güte bedeutet, Gutes zu tun, Gnade, Wohlwollen und Barmherzigkeit zu üben. Es geht jedoch um Sanftmut. Sanftmut hat mit unserer Reaktion auf Angriffe zu tun: Wir sind sanftmütig, wenn wir nicht aufbrausend reagieren und nicht wütend werden, sondern den Angriff geduldig ertragen. Die Korinther hatten Paulus’ Sanftmut in Korinth mit Schwäche verwechselt: „Die Gegenwart des Leibes ist schwach“, hatten sie gesagt. Aber es war dieselbe Sanftmut, die Christus ihm vorgelebt hatte. Als Christus in den Orten, wo Er seine meisten Wunderwerke getan hatte, abgelehnt worden war, nahm Er alles aus der Hand des Vaters und konnte schließlich sagen: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29).

Das Kreuz

Joh 3,14: Und wie Mose damals in der Wüste die Schlange für alle sichtbar aufgerichtet hat, so muss auch der Menschensohn sichtbar aufgerichtet [KHV: Oder: erhöht, erhaben gemacht. Hier bezieht es sich im Vergleich zu dem Geschehen in 4. Mose 21,4-9 zunächst auf das Aufrichten des Kreuzes mit dem daran angenagelten Jesus] werden.
Joh 3,14: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden.

Das rein technisch verstandene „sichtbar aufgerichtet“ aus der NeÜ nimmt einige Gedanken weg, die in „erhöht werden“ angedeutet werden. Dieser merkwürdige Ausdruck kommt im Johannesevangelium noch zweimal vor und wird auf den Tod des Herrn Jesus am Kreuz angewandt. Beim dritten Mal (Joh 12,32) wird noch hinzugefügt: „von der Erde“. In diesem merkwürdigen Ausdruck für den Kreuzestod schwingt mit, dass

  • der Mensch den Herrn Jesus auf der Erde nicht haben wollte,
  • Er außerhalb der Erde ein Anziehungspunkt für die Menschen wird, die auf der Erde sind,
  • Gott den Kreuzestod Jesu immer mit einer Erhöhung verbunden sieht, auch wenn es dann um die Erhöhung bis zu seiner Rechten geht.

Alle diese Aspekte verschwinden, wenn man wie die NeÜ übersetzt.

Das Verlassensein von Gott

Ps 22,4: O Heiliger du, / der in Israels Lobliedern wohnt!
Ps 22,4: Doch du bist heilig, der du wohnst bei den Lobgesängen Israels.

Die NeÜ macht aus dem hebräischen Adjektiv in diesem Vers ein Substantiv und übersetzt statt wörtlich „doch“ mit dem Ausruf: „O“. Durch die Übersetzung der NeÜ geht der Zusammenhang zu den Versen 2 und 3 verloren: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern von meiner Rettung, den Worten meines Gestöhns? Mein Gott! Ich rufe am Tag, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und mir wird keine Ruhe.“ In Vers 4 finden wir nämlich die Begründung, warum der Herr Jesus am Kreuz von Gott verlassen war: Gott kann aufgrund seiner Heiligkeit keine Gemeinschaft mit Sünde haben, und deshalb musste Er Christus verlassen, als Er – mit unseren Sünden beladen und für uns zur Sünde gemacht – im Gericht Gottes war.

Die Auferstehung Christi

Apg 2,26.27: Selbst im Grab wird mein Leib noch in Hoffnung ruhen, denn du lässt mich nicht im Tod zurück, überlässt deinen Frommen nicht der Verwesung.
Apg 2,26.27: Ja, auch mein Fleisch wird in Hoffnung ruhen; denn du wirst meine Seele nicht im Hades zurücklassen noch zugeben, dass dein Frommer Verwesung sehe.

In der NeÜ kommen die Wörter Seele und Hades nicht mehr vor; deshalb verschwindet hier völlig der tröstliche Gedanke, dass die Seele unseres Herrn im Aufenthaltsbereich der Toten war – da, wo sich auch die Seelen der in Christus Entschlafenen heute noch befinden. Dass man Hades nicht mit „Tod“ gleichsetzen kann, wird auch überdeutlich in Offenbarung 20,14: „Der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen.“

Apg 2,24: Und dann hat Gott ihn aus der Macht des Todes befreit und auferweckt. Wie hätte er auch vom Tod festgehalten werden können, denn …
Apg 2,24: Den hat Gott auferweckt, nachdem er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, wie es denn nicht möglich war, dass er von ihm festgehalten wurde.

Hier meint die NeÜ, Christus sei im Tod gefangen gehalten worden und habe aus diesem Gefängnis befreit werden müssen. Das geht aber über den Text hinaus. Gleichzeitig fehlt eine wichtige Botschaft für uns: In Verbindung mit seiner Auferweckung hat Christus den Sieg über den Tod bewirkt; „die Wehen des Todes“ wurden aufgelöst. Davon profitieren jetzt die Gläubigen, weil Christus „durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und alle die befreite, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren“ (Heb 2,14.15). Christus hat jetzt „die Schlüssel des Todes und des Hades“ (Off 1,18).

Die Auferstehung

Joh 5,28.29: Ihr müsst euch darüber nicht wundern, denn es wird die Stunde kommen, in der alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören und herauskommen werden. Diejenigen, die das Gute getan haben, werden zum ewigen Leben auferweckt werden, und diejenigen, die das Böse getan haben, zum Gericht.
Joh 5,28.29: Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Wer nur die NeÜ liest, wird aus diesem Vers schließen: Es gibt eine festgelegte Stunde einer Auferstehung, in der alle Toten gleichzeitig aus den Gräbern kommen: Die einen gehen in das Leben und die anderen in das Gericht. Anscheinend ist der Übersetzer der Meinung, die Wiederholung des Wortes Auferstehung sei überflüssig. Doch indem er die Wiederholung nicht beachtet, rückt er damit beide Handlungen – die Auferweckung zum ewigen Leben und die Auferweckung zum Gericht – zeitlich zusammen. Doch auch hier liegt er falsch. Es gibt völlig unterschiedliche Auferstehungen; doch das geht in der NeÜ verloren. Die beiden Auferstehungen, von denen in diesem Vers die Rede ist, liegen zeitlich mindestens 1000 Jahre auseinander.

Der Dienst mit dem Wort Gottes

2Tim 2,15: Setze alles daran, dich Gott als bewährter Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, der sich für sein Tun nicht schämen muss und das Wort der Wahrheit klar und unverkürzt vertritt.
2Tim 2,15: Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt.

Es reicht nicht aus, das Wort Gottes „klar und unverkürzt“ zu vertreten, wie die NeÜ meint. Dazu ist jeder Christ aufgefordert; es ist eine Selbstverständlichkeit. Das Wort Gottes zu verkürzen hat ernste Folgen: „Wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott sein Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens“ (Off 22,19). Doch im Dienst am Wort Gottes ist es wichtig, das Wort „recht zu teilen“ oder – wie man auch übersetzen könnte – „gerade zu schneiden“. Wir sollen erkennen und deutlich machen, wo es Unterschiede gibt, die beachtet werden müssen, und wo es Zusammenhänge gibt, die nicht auseinandergerissen werden dürfen. Hierzu gehört insbesondere die Unterscheidung zwischen himmlischer und irdischer Berufung, zwischen Gesetz und Gnade sowie zwischen Israel und der Gemeinde. Ohne eine solche Unterscheidung ist ein richtiges Verständnis des Wortes Gottes nahezu unmöglich.

Gemeinschaft mit dem Vater

1Joh 2,15: Hängt euer Herz nicht an die Welt und an nichts, was zu ihr gehört! Wenn jemand die Welt liebt, hat er keinen Platz für die Liebe zum Vater.
1Joh 2,15: Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.

Bei der wörtlichen Übersetzung sieht man, dass im Griechischen eine Genitiv-Konstruktion („die Liebe des Vaters“) steht. Grundsätzlich bleibt dabei zunächst einmal offen, ob nun der Vater liebt oder ob Er geliebt wird. Diese Auswahl trifft der Übersetzer nun für den Leser, indem er behauptet, es gehe darum, dass der Vater geliebt werde. Doch wenn man diesen Vers mit eindeutigen Parallelstellen vergleicht, die dieselbe Konstruktion aufweisen, wird deutlich: Dort geht die Liebe immer von der Person aus – die Liebe des Christus (Röm 8,35; 2Kor 5,14; Eph 3,19) geht von Christus aus, die Liebe des Geistes (Röm 15,30) vom Geist und die Liebe Gottes (2Kor 13,13; 2Thes 3,5) von Gott. Da wäre es schon sehr verwunderlich, wenn es hier anders wäre.

Aber auch der Zusammenhang mit den Folgeversen und mit dem, was hinsichtlich der Gemeinschaft mit dem Vater in Kapitel 1 gesagt wird[6], macht deutlich, dass die Folgen der Liebe zur Welt noch viel dramatischer sind, als sie in der NeÜ ausgedrückt werden: Der Genuss der Liebe des Vaters bleibt aus. Weil der Vater mit diesen Dingen nichts zu tun hat, kann es hier keine Gemeinschaft geben, denn Gemeinschaft ist nur möglich, wenn man gleiche Interessen, Themen, Aktivitäten usw. hat.

Der Zustand des geistlichen Todes

2Kor 5,14: Denn die Liebe des Christus umfängt uns, wenn wir erklären: Einer ist für alle gestorben, also sind sie alle gestorben.
2Kor 5,14: Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir so geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind.

Die Adverbien „also“ (in der NeÜ) und „somit“ (in der ELB) sind zwar sehr ähnlich; dennoch trägt „also“ viel mehr als „somit“ den Gedanken einer Folge in sich. Vermutlich ist das auch der Gedanke, den der Übersetzer hatte. Doch die Bedeutung des griechischen Wörtchens ara ist hier vielmehr dieselbe wie auch beim ersten Vorkommen dieses Wortes in Matthäus 12,28: „Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen.“ Dass „so … also“ das Reich Gottes zu ihnen gekommen war, wurde dadurch bewiesen, dass der Herr Jesus die Dämonen austrieb. Parallel könnte man zu obigem Vers sagen: Dass alle Menschen (geistlich) gestorben sind, wird dadurch bewiesen, dass Christus für alle gestorben ist. Wenn nur ein einziger Mensch (geistlich) nicht tot gewesen wäre, hätte Christus nicht „für alle“ zu sterben brauchen. Daher ist „somit“ eine Übersetzung, die hier nicht in die Irre führt, auch wenn sie sich vielleicht nicht so gefällig anhört wie „also“ in der NeÜ. So wie die NeÜ übersetzt, versteht der Leser es allerdings so, dass der Tod Christi zur Folge hatte, dass alle Menschen gestorben sind.

Der Glaube

Joh 6,29: Jesus antwortete ihnen: „Gott will von euch, dass ihr dem vertraut, den er gesandt hat.“
Joh 6,29: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Es ist ein großer Unterschied, ob Gott etwas will oder ob Er etwas wirkt. Vielleicht hält der Übersetzer der NeÜ den Glauben für das Werk des natürlichen Menschen und nicht für eine Gabe Gottes (Eph 2,8) und hat daher so übersetzt.

Die zwei Naturen des Menschen

Joh 3,6: Menschliches Leben wird von Menschen geboren, doch geistliches Leben von Gottes Geist.
Joh 3,6: Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.

Geht es in diesem Vers um „menschliches Leben“ an sich, wie die NeÜ meint? Nein, denn wenn Johannes das hätte sagen wollen, hätte er sicher einen anderen Begriff gewählt als das griechische Wort sarx, das „Fleisch“ bedeutet. In Johannes 6,63 („Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“) verwendet der Apostel dasselbe griechische Wort; es bildet den Gegensatz zu „Geist“. Verbinden wir diese beiden Johannesstellen miteinander, entdecken wir, dass in Johannes 3 nicht menschliches Leben gemeint ist. Es geht vielmehr um die zwei Naturen des Menschen: Die eine Natur haben wir von Adam geerbt, nämlich das durch die Sünde verdorbene Leben; die andere Natur haben wir durch den Geist Gottes erhalten: das Leben von Gott. „Menschliches Leben“, so wie die NeÜ übersetzt, kann mit dem Geist erfüllt werden; Menschen können den Geist Gottes bekommen. Aber zwischen dem „Fleisch“, wie die ELB übersetzt, und dem Geist gibt es keine Verbindung; sie sind einander völlig entgegengesetzt.[7]

Joh 6,63: Der Geist macht lebendig, menschliches Bemühen nützt nichts. Aber die Worte, die ich euch gesagt habe, sind von diesem Geist und von Leben erfüllt.
Joh 6,63: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.

Es ist erstaunlich, dass der Übersetzer dasselbe griechische Wort (sarx) nicht mit „menschliches Leben“ übersetzt wie in Johannes 3,6, sondern mit „menschliches Bemühen“. Man könnte bei dieser Übersetzung sogar noch an menschliche Werke denken. Doch auch in diesem Vers geht es um die durch die Sünde beeinflusste Natur, die wir von Adam geerbt haben.

Die Versöhnung

Kol 1,20: … und durch ihn alles für ihn zu versöhnen. / Durch sein am Kreuz vergossenes Blut machte er Frieden, / sei es für die auf der Erde oder im Himmel.
Kol 1,20: … und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen – indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes –, durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln.

Das doppelte „durch ihn“ im Grundtext versucht die NeÜ zu vermeiden. Doch damit wird jetzt auf der Erde und im Himmel nichts mehr „versöhnt“, sondern „Frieden gemacht“. Versöhnung hat zwar mit Frieden zu tun, ist jedoch nicht das Gleiche. Das zweite „durch ihn“ zeigt, dass das Thema „Frieden machen“ an dieser Stelle ein Einschub ist (in der ELB durch die Gedankenstriche kenntlich gemacht) und dass hier wieder auf den ersten Teil Rückgriff genommen wird. Im Griechischen wird „die Dinge“ (griech. ta) vor „Himmel“ wiederholt; auch diese Wiederholung hält der Übersetzer hier für überflüssig. Wenn die Schrift die Auswirkung des Werkes Christi auf Erde und Himmel beschreibt, heißt es erstaunlicherweise nie einfach nur „Erde und/oder Himmel“; nein, immer wird der Ausdruck wiederholt. Das macht deutlich, dass es dem Heiligen Geist darauf ankommt, diese beiden Bereiche deutlich zu unterscheiden. Christus wird einmal Haupt über die Erde sein, aber auch Haupt über die Himmel. Diese beiden Bereiche werden unterschieden, sowohl was die Familien angeht, die in diesen Bereichen leben, als auch was die Hierarchie in diesen Bereichen angeht. Auf der Erde wird der Segen über Israel verteilt, im Himmel über die Versammlung. Auch bei diesem Vers kann man in der Auslegung anderer Meinung sein, aber in der Form, wie die NeÜ übersetzt, kommt man gar nicht auf den Gedanken, dass die Stelle vielleicht auch etwas anderes bedeutet.

Die Befreiung

Röm 8,2: Denn das Gesetz des Geistes, das dich mit Jesus Christus zum Leben führt, hat dich von dem Gesetz befreit, das nur Sünde und Tod bringt. Das Gesetz des Mose war dazu nicht imstande.
Röm 8,2: Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Man erkennt, wie weit der Übersetzer der NeÜ sich hier vom Grundtext entfernt. Statt einer Übersetzung bringt er jetzt seine eigene Auslegung dieser Verse. So kommt der Leser überhaupt nicht auf den Gedanken, dass es hier eigentlich um ganz etwas anderes geht. So geht es hier überhaupt nicht um einen Ungläubigen, der erst noch Leben benötigt und dahin gebracht werden muss.

Es geht auch nicht um das Gesetz als solches, sondern um zwei Gesetzmäßigkeiten, die wie Naturgesetze wirken. Die eine Gesetzmäßigkeit kommt aus dem sündigen Fleisch und führt den Menschen zur Sünde, wie wir das auch zwei Verse vorher schon finden: „Nun diene ich selbst … mit dem Fleisch … dem Gesetz der Sünde“ (Röm 7,25). Die andere Gesetzmäßigkeit kommt aus dem Wirken des Geistes. Wenn Er das Leben des Gläubigen regiert – denn dieses Leben ist kein unabhängiges Leben, sondern ist in Jesus Christus und von dem Wirken des Geistes abhängig –, dann wird er nicht dem Gesetz des Fleisches verfallen sein. Das können wir mit einem Ballon vergleichen: Ist er mit Luft gefüllt, wirkt die Schwerkraft und zieht ihn nach unten; ist er aber mit Helium gefüllt, wird dieses Gesetz überwunden und der Ballon steigt nach oben.

Die christliche Stellung

Röm 8,5-9: Denn alle, die von ihrem Eigensinn bestimmt werden, sind auf das bedacht, was ihre eigene Natur will. Wer sich aber vom Geist Gottes bestimmen lässt, ist auf das ausgerichtet, was der Geist will. Was die menschliche Natur will, bringt den Tod, was aber der Geist will, bringt Leben und Frieden. Denn der menschliche Eigenwille steht dem Willen Gottes feindlich gegenüber, denn er unterstellt sich dem Gesetz Gottes nicht und kann das auch nicht. Wer also von seiner eigenen Natur bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr jedoch steht nicht mehr unter der Herrschaft eurer Natur, sondern unter dem Einfluss des Geistes, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Denn wenn jemand diesen Geist von Christus nicht hat, gehört er auch nicht zu ihm.
Röm 8,5-9: Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist. Denn die Gesinnung des Fleisches ist der Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden, weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen. Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn nämlich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

Nach der NeÜ handelt es sich in diesen Versen um unser praktisches Verhalten. Es komme darauf an, ob wir uns in unserem Leben vom Eigensinn oder vom Geist Gottes bestimmen lassen. So wichtig das auch ist, es ist an dieser Stelle aber überhaupt nicht gemeint. Es geht hier um unsere Stellung, die wir gewechselt haben, nachdem wir dem Evangelium geglaubt haben und mit dem Heiligen Geist versiegelt worden sind. Vorher waren wir „nach dem Fleisch“ oder „im Fleisch“, jetzt sind wir „nach dem Geist“ bzw. „im Geist“. Nachdem wir gläubig geworden sind, sind wir immer „im Geist“, ob wir uns geistlich oder – entgegen unserer Stellung – fleischlich leiten lassen. Der entscheidende Satz dafür ist: „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn nämlich Gottes Geist in euch wohnt.“

Wenn es weiter stimmte, dass alle, die nicht den Geist Gottes in sich wohnend haben, „nicht zu Christus gehören“ – so wie es die NeÜ liest –, dann würden alle alttestamentlichen Gläubigen nicht zu Christus gehören. Diese Ausdrucksweise ist also irreführend. Es geht vielmehr um solche, die „nicht sein“ sind bzw. nicht „von ihm“ sind, so wie die Münchener Übersetzung es ausdrückt. Das bedeutet: Sie sind nicht in der typischen vollen christlichen Stellung, sie sind nicht durch den innewohnenden Geist Christi mit Ihm verbunden. Wer den Geist nicht in sich wohnend hat, ist kein wahrer Christ.

Röm 7,5: Denn als wir allein unserer Natur folgten, war alles, was wir taten, von sündigen Leidenschaften bestimmt. Und das Gesetz entfachte sie noch. Was daraus entstand, führte nur zum Tod.
Röm 7,5: Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen.

Auch diese Stelle spricht nicht von unserem praktischen Verhalten, sondern von einer Stellung, in der wir uns befanden, bevor wir den Heiligen Geist bekamen. Früher waren wir „im Fleisch“, jetzt sind wir „eines anderen geworden“, wie wir einen Vers vorher in Römer 7,4 lesen. Wir sind damit des Christus, also „sein“ (Röm 8,9) bzw. von Ihm.

Kindschaft und Sohnschaft

Eph 1,4.5: Denn in Christus hat er uns schon vor Gründung der Welt erwählt, einmal heilig und tadellos vor ihm zu stehen. Und aus Liebe hat er uns schon damals dazu bestimmt, durch Jesus Christus seine Kinder zu werden. Das war sein eigener gnädiger Wille.
Eph 1,4.5: … wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe; und uns zuvor bestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens.

Es gibt hier mehrere Probleme mit der Übersetzung der NeÜ.

So ist der Übersetzer ungenau, was die Übersetzung des griechischen Wortes huiothesia („Sohnschaft“) betrifft. Dieses Wort korrekt zu übersetzen, ist besonders deshalb so wichtig, weil die Schrift Kindschaft und Sohnschaft deutlich unterscheidet. Dieser Unterschied wird hier aber durch eine falsche Übersetzung verwischt. Kindschaft finden wir nicht in Vers 5, sondern in Vers 4. Kindschaft bedeutet kurz gesagt, dass wir aus Gott geboren seine Natur empfangen haben, die durch Licht („heilig und untadelig“) und Liebe geprägt ist, und wenn wir uns dessen bewusst sind, dann wissen wir uns von unserem Vater geliebt und können seine Liebe erwidern. Sohnschaft hingegen ist eine Position, in die wir vor Gott gebracht sind als solche, die mit dem eingeborenen Sohn vor Ihm stehen und seine Gedanken verstehen und in sie eingehen können.

Dann fügt der Übersetzer der NeÜ das Wort „einmal“ in Vers 4 ein, wodurch das Ziel unserer Auserwählung von unserem heutigen Blickfeld aus gesehen noch zukünftig ist. Dabei übersieht er jedoch, dass wir schon jetzt die Natur Gottes bekommen haben und in Christus in die himmlischen Örter versetzt sind (Eph 2,6).

Er macht weiterhin aus dem Wort „seien“ in Vers 4 ein „stehen“ und macht damit aus unserer Natur eine Stellung. Wir stehen aber nicht nur in dieser Weise vor Gott, sondern sind von unserer neuen Natur her so. Das ist ein großer Unterschied.

„In Liebe“ mit Vers 5 zu verbinden statt – wie die meisten Bibelübersetzungen – mit Vers 4, ist grammatisch zwar möglich, aber inhaltlich aus zwei Gründen abzulehnen: Erstens ist Kindschaft ohne den Aspekt der Liebe unvollständig, und zweitens wird dieser Aspekt in Verbindung mit der Sohnschaft in Vers 5 schon ausreichend ausgedrückt durch „für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens“; er wäre hier also doppelt. „Für sich selbst“ durch „eigen“ zu übersetzen und auf „Willen“ zu beziehen, nimmt die ganze Kostbarkeit dieses Verses weg, in dem uns gezeigt wird, dass unsere Sohnschaft etwas ist, was Gott in erster Linie „für sich selbst“ bereitet hat.

Aus „Wohlgefallen“ „gnädig“ zu machen ist dann eine Konsequenz, die nicht mehr verwundert, wenn man nicht mehr im Blick hat, dass Gott eine besondere Freude hatte, uns „für sich selbst“ als Söhne bei sich zu haben.

Unser Zustand als Christen

1Joh 4,17: Auch darin ist die Liebe mit uns zum Ziel gekommen: Dem Tag des Gerichts können wir mit Zuversicht entgegensehen, denn so wie Jesus sind auch wir in dieser Welt. [KHV: Das heißt: So mit Gott verbunden und von seiner Liebe geprägt, wie Jesus uns das vorgelebt hat.]
1Joh 4,17: Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt.

Weil der Übersetzer der NeÜ überzeugt ist, dass dieser Vers das bedeutet, was er in seiner Fußnote schreibt, lässt er einfach das „ist“ weg und schreibt nicht: „So wie Jesus ist, sind auch wir.“ Doch gerade das ist das Besondere an dieser Stelle und gibt uns die große Freimütigkeit: Wir haben dasselbe Leben wie der Sohn Gottes im Himmel und wie der Richter, der das Gericht ausüben wird. Deswegen heißt es: „So wie er [jetzt] ist, sind auch wir in dieser Welt.“

1Joh 5,18: Wir wissen, dass jemand, der ein Kind Gottes geworden ist, nicht bedenkenlos weiter [KHV: bedenkenlos weiter. Der Zusatz ergibt sich aus der grammatischen Form des nachfolgenden Verbs] sündigt, denn wer von Gott gezeugt worden ist, hütet sich vor der Sünde, und der Böse tastet ihn nicht an.
1Joh 5,18: Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an.

Man merkt, dass der Übersetzer der NeÜ mit der absoluten Aussage dieses Verses ein Problem hat. Das ist auch leicht nachvollziehbar, schließlich taucht doch dann schnell die Frage auf: Wer ist dann eigentlich noch aus Gott geboren? – Doch die Ausdrucksweise von Johannes ist so absolut, unbedingt und uneingeschränkt. Daher wird hier der Gläubige als jemand gesehen, der völlig mit seiner neuen Natur identifiziert ist, und diese neue Natur ist aus Gott und kann nicht sündigen. Die griechische Zeitform des Verbs „sündigen“ drückt zwar auch eine gewisse Dauerhaftigkeit aus, die der Übersetzer mit „bedenkenlos weiter“ einfangen möchte, doch mit dieser Übersetzung geht der andere wichtige Aspekt der Grundsätzlichkeit, die mit der neuen Natur verbunden ist, verloren.

Kol 2,11: Und weil ihr ihm gehört, seid ihr auch beschnitten, aber nicht durch einen äußeren Eingriff. Eure Beschneidung kam durch Christus und besteht im Ablegen eurer alten Natur.
Kol 2,11: … in dem ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus.

Wieder stellt sich die Frage, wie der Genitiv „des Christus“ hier zu verstehen ist. Ist Christus beschnitten worden oder ist Er derjenige, der beschneidet? Der Übersetzer nimmt sich heraus, diese Entscheidung hier fällen zu können, und entscheidet sich für das Zweite. Der Leser kommt überhaupt nicht auf den Gedanken, dass hier auch etwas ganz anderes gemeint sein könnte.

„Leib des Fleisches“ ist ein schwieriger Begriff. Nach K.-H. Vanheidens Überzeugung ist damit hier unsere alte Natur gemeint. Und er ist sich dessen so sicher, dass er den Ausdruck auch so übersetzt. Nun bestätigen aber nicht nur unsere persönliche Erfahrung, sondern auch insbesondere der Römer- und der Galaterbrief, dass unsere alte Natur keineswegs abgelegt ist, sondern sich immer noch bei uns befindet. Wir werden sie erst los, wenn wir die Erde verlassen. Lassen wir den Ausdruck doch so, wie er ist. Dann wird hier das Fleisch personifiziert und von dem Körper dieser „Person“ gesprochen, also von dem, durch den alle Aktivitäten stattfinden und durch den die Person gesehen und erkannt wird. Wenn wir weiterhin diese Textstelle im Zusammenhang mit Römer 6 betrachten, wo noch ein ähnlicher Ausdruck („Leib der Sünde“) vorkommt, dann erkennen wir: Es geht um die Gesamtheit aller Glieder des Fleisches, also um alle Möglichkeiten, die ihm zum Sündigen zur Verfügung standen. Dieses ganze System, wie und in wem auch immer es gewirkt hat, ist vor Gott in Christus richterlich beseitigt im Tod Christi; davon ist die Beschneidung ein Bild. Es geht hier also nicht um Christus, der beschneidet, sondern der in seinem Tod die „Beschneidung“ erfahren hat. Als Christus zur Sünde gemacht wurde, hat Gott an Ihm mit diesem ganzen bösen System abgerechnet. Auch wenn man persönlich hinsichtlich der Auslegung dieses Ausdrucks anderer Meinung ist, so sollte man wenigstens dem Bibelleser die Möglichkeit lassen, hier zu einer anderen Ansicht zu kommen.

Röm 6,6: Wir sollen also begreifen, dass unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt worden ist, damit unser sündiges Wesen unwirksam gemacht wird und wir der Sünde nicht mehr wie Sklaven dienen.
Röm 6,6: … da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.

Der eben schon angesprochene Ausdruck „Leib der Sünde“ bedeutet genauso wie „Leib des Fleisches“ ganz abstrakt, dass die Sünde in ihrer Totalität unwirksam gemacht ist. Im Griechischen finden wir kein „unser“; dementsprechend übersetzt die ELB auch nur „Leib der Sünde“ und nicht „unser Leib der Sünde“. Unsere persönliche sündige Natur ist keineswegs unwirksam gemacht. Es ist vielmehr unser Fleisch, das immer noch wirkt, wenn wir nicht im Geist leben.

Der Geist der Weisheit

Eph 1,17: Und ich bete, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch durch seinen Geist Weisheit gibt und euch zeigt, wie er selbst ist, dass ihr ihn erkennen könnt.
Eph 1,17: … damit der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst.

Die NeÜ geht zunächst davon aus, dass hier unbedingt von dem Geist Gottes die Rede ist. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, aber keineswegs zwingend. Es kann sich auch wie in 2. Timotheus 1,7 um eine geistliche Haltung handeln. Auf jeden Fall ist es ein großer Unterschied, durch den Geist Weisheit zu haben oder den Geist der Weisheit selbst zu besitzen, so wie es ein großer Unterschied ist, ob jemand Wasser aus einem Brunnen hat oder ob er den Brunnen selbst besitzt.

Die Taufe

Gal 3,27: Denn ihr alle, soweit ihr in Christus ,hineingetaucht‘ worden seid, seid ja mit Christus bekleidet.
Gal 3,27: Denn so viele ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.

Was soll das bedeuten: „in Christus ,hineingetaucht‘? Es geht hier jedenfalls nicht darum, dass wir nun in irgendeiner Weise in Christus hineingekommen wären. Wir sind zwar tatsächlich – so wie die NeÜ schreibt – „in Christus“, und zwar indem wir in eine solche Stellung vor Gott gekommen sind, dass Er uns ganz in Verbindung mit Christus sieht an demselben Ort, wo Er jetzt als der Verherrlichte vor Gott ist. Aber in diesem Vers geht es darum nicht. Es geht vielmehr um die Wassertaufe, die wir erfahren haben. Sie verbindet uns mit Christus in seinem Tod. Wir haben uns auf Christus taufen lassen und uns damit von dem alten Leben getrennt. Stattdessen haben wir jetzt „Christus angezogen“ und uns damit verpflichtet, das Leben Christi zu leben. Wir leben jetzt so, dass Christus hier auf der Erde an uns gesehen wird.

Das Geheimnis des Christus

Eph 3,4-8: Wenn ihr meinen Brief lest, werdet ihr merken, welche Einsicht Gott mir in das Messiasgeheimnis geschenkt hat. Früheren Generationen war das nicht bekannt, er hat es aber jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist enthüllt: Die nichtjüdischen Völker sollen mit am Erbe teilhaben und mit zu dem einen Leib gehören. Und die Zusagen Gottes, die in Christus Wirklichkeit wurden, sollen durch das Evangelium auch ihnen gelten. … Mir, dem Geringsten von allen, die Gott geheiligt hat, wurde die Gnade geschenkt, den nichtjüdischen Völkern verkündigen zu dürfen, dass der unfassbare Reichtum des Messias auch für sie da ist.
Eph 3,4-8: … woran ihr beim Lesen mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus wahrnehmen könnt –, das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist: dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium … Mir, dem allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unergründlichen Reichtum des Christus zu verkündigen

Zunächst einmal geht es hier nicht darum, dass die nichtjüdischen Völker „mit am Erbe teilhaben“, wie es in der NeÜ heißt. Vielmehr haben einzelne Menschen aus diesen Völkern teil am Erbe.

Außerdem erweckt die NeÜ den Eindruck, dass es hier um das Erbe der Juden und die Zusagen Gottes an sie gehe, an denen jetzt auch Nichtjuden teilhaben dürften. Mit dem Wort „Messiasgeheimnis“ ist der Gedanke verbunden, dass das Geheimnis mit der jüdischen Christuserwartung zu tun habe. „Mit am Erbe“ klingt so, als ob die Juden ein Erbe hätten und die Nichtjuden jetzt auch eine Recht daran bekämen.

„Die Zusagen Gottes, die in Christus Wirklichkeit wurden“ – das lässt an die vielen Verheißungen im Alten Testament denken.

„Den nichtjüdischen Völkern verkündigen …, dass der … Reichtum des Messias auch für sie da ist“ – diese Formulierung lässt gar keinen anderen Schluss mehr zu, als dass jüdische Hoffnungen jetzt auch von den Nationen geteilt werden würden. Das ist aber ein völlig falsches Verständnis vom Geheimnis des Christus. Allein die Übersetzung „Messias“ ist hier schon irreführend. Messias war der Herr Jesus schon, als Er hier auf der Erde lebte und starb (siehe Dan 9,25.26; Joh 1,41; 4,25). Doch zum „Christus“ in dem Sinn, wie Paulus in diesen Versen von Ihm schreibt, wurde Er erst nach seiner Auferstehung gemacht: „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“ (Apg 2,36).

Das „Erbe“ in unseren Versen ist nicht das Erbe Israels, sondern das Erbe, von dem wir in Epheser 1 lesen. Mit der „Verheißung in Christus“ (Einzahl!) sind nicht die Verheißungen Gottes (Mehrzahl!)im Alten Testament gemeint, sondern das ewige Leben (2Tim 1,1; Tit 1,2).

Bei dem „Reichtum des Christus“ geht es nicht um den Messias für Israel, sondern um das, was Gott vorgesehen hatte – dass nicht nur ein Haupt über alle Dinge herrschen würde, sondern ein Haupt verbunden mit einem Leib: Wenn alle Zeitperioden zu ihrer Erfüllung gebracht werden, wird die Herrschaft nicht nur durch ein Haupt ausgeübt, sondern durch ein Haupt verbunden mit einem Leib aus Gliedern, zu denen auch solche aus den Nationen gehören.[8]

Kol 2,2.3: Denn sie sollen ermutigt werden, in Liebe zusammenstehen und die tiefe und reiche Gewissheit erhalten, die mit ihrer Einsicht in das Geheimnis Gottes zusammenhängt, also mit Christus. Denn in ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.
Kol 2,2.3: … damit ihre Herzen getröstet werden, vereinigt in Liebe und zu allem Reichtum der vollen Gewissheit des Verständnisses, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, in dem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

Wenn man hier mit dem Nestle-Aland-Text „Christus“ ergänzen möchte, wie die NeÜ es macht, muss man berücksichtigen, dass das Wort „Christus“ ohne Begleitwort unmittelbar hinter „Gottes“ steht und genau wie „Gottes“ im Genitiv und nicht im Nominativ steht. Man müsste also ähnlich der Münchener Übersetzung lesen: zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes beziehungsweise des Christus. Es geht also hier um das Geheimnis, d.h. um die besondere Verbindung von Jesus Christus mit seiner Versammlung. Im Gegensatz dazu gewinnt der Leser der NeÜ den Eindruck, es gehe um die Person Christi, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.

Eph 1,10: Er wollte dann, wenn die richtige Zeit dafür gekommen sein würde, seinen Plan ausführen und alles unter das Haupt von Christus bringen, alles, was im Himmel und auf der Erde existiert.
Eph 1,10: … für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm.

Die zweimalige Wiederholung von „das, was“ (so in der ELB) scheint unnötig zu sein und sprachlich hinderlich. Das hat wohl auch den NeÜ-Übersetzer dazu geführt, diese Wörter beim zweiten Mal wegzulassen und dafür Himmel und Erde zusammenzufassen. Doch in der Schrift sind auch die scheinbar unnötigen und lästigen Wiederholungen von Bedeutung. Und hier ist die Bedeutung sehr tief: Christus regiert nämlich nicht einfach über Himmel und Erde, sondern Er entfaltet seine Herrlichkeit in zwei deutlich unterschiedenen Sphären. Die irdische Sphäre („auf der Erde“) steht mit der Offenbarung der Herrlichkeit Gottes auf der Erde in Verbindung und hat als Zentrum Israel. Durch dieses Volk strömt der Segen zu allen Nationen auf der Erde. Dieser Segen besteht zu einem großen Teil aus irdischen Segnungen, für die „Weinstock und Feigenbaum“ ein Bild sind (Mich 4,4). In der himmlischen Sphäre („in den Himmeln“) ist die Versammlung das Zentrum; von ihr geht der Segen zu allen anderen Familien im Himmel wie auch nach Israel auf der Erde aus. Die Segnungen dieser Sphäre sind geistlicher Art.[9]

Weitaus bedeutsamer ist die Veränderung des Ausdrucks „für die Verwaltung der Fülle der Zeiten“. Ich hatte schon in der Einleitung darauf hingewiesen, dass dieser Ausdruck mit seinen zwei Genitiven[10] schwierig zu verstehen ist. Wenn man dann in der Übersetzung von dem Wortlaut und der Konstruktion im Original so weit abweicht, wie die NeÜ es tut, dann muss man sich schon sehr sicher fühlen. Umgekehrt denkt ein Leser, der den Vers schon einmal in Elberfelder gelesen hatte[11] unwillkürlich: Ach so, wenn Gott das so gemeint hat, wie es hier in der NeÜ steht,warum hat Er das dann so verkompliziert?

  • Aus einer ganz besonderen „Verwaltung“, nämlich der Verwaltung der „Fülle der Zeiten“ wird in der NeÜ „Plan ausführen“.
  • Aus „Fülle“ wird in der NeÜ „richtig“.
  • Aus dem Plural „Zeiten“ wird in der NeÜ Singular: „Zeit“.

Das griechische Wort für „Verwaltung“ kommt die ersten drei Male in Lukas 16,2-4 vor. Hier sehen wir, worum es bei diesem Wort geht: Jemand bekommt eine Verwaltung über Haus und Habe anvertraut und muss sie zum Wohle dessen verwalten, der es ihm anvertraut hat.

Daraus können wir zunächst einmal schließen: Wenn Christus Haupt geworden ist über alles, was im Himmel und auf der Erde ist, wird Er etwas von Gott bekommen, das Er verwalten soll. Das wird hier „die Fülle der Zeiten“ genannt.

Das griechische Wort für „Fülle“ taucht zum ersten Mal in Matthäus 9,16 auf: „Keiner aber setzt einen Flicken ungewalkten Stoffes auf ein altes Gewand; denn (es) reißt sein Füllstück vom Gewand, und schlimmer wird (der) Riss“ (nach der Übersetzung Münchener Neues Testament). Das hier erwähnte Kleidungsstück ist nicht komplett; es fehlt ein Stück oder es hat ein Loch und wird jetzt zur „Fülle“ gebracht mit einem Flicken Stoff.

Die Verwaltung betrifft also „Zeiten“, in denen etwas fehlt und Christus sind diese „Zeiten“ nun gegeben worden um sie voll zu machen, sodass ihnen nichts mehr fehlt und diese Fülle dann zu verwalten.

Das Wort, das hier im Griechischen für „Zeiten“ verwendet wird, ist das Wort kairos. Hier wird nicht wie z.B. in Galater 4,4 („Fülle der Zeit“) das Wort chronos benutzt, das Zeit beschreibt, die man mit dem Kalender oder der Uhr messen kann. Wie man in Matthäus 11,25[12] oder 2. Korinther 6,2[13] sehen kann, hat kairos mit einem speziellen Charakter einer Zeit zu tun; so sprechen wir z.B. von einer schönen Zeit, einer Berufszeit oder einer Sommerzeit. Im Tausendjährigen Reich wird der Herr Jesus alle Zeiten, in denen Menschen darin versagt haben, die Absichten Gottes für diese Zeit nach seinem Willen auszuführen, zur Fülle, zur Vollkommenheit bringen, d.h., Er wird sie so gestalten, wie Gott es sich gedacht hatte.

Auf diesen Gedanken möchte ich im Folgenden ein wenig detaillierter eingehen, damit wir verstehen, wie wichtig dieser Ausdruck ist und wie viele der Herrlichkeiten des Herrn Jesus er beinhaltet.

  • Die erste Zeit(epoche) in der Menschheitsgeschichte fängt an mit der Zeit Adams. Gott hatte ihn mit Eva zusammen als Haupt über die ganze Erde gestellt. Durch den Sündenfall hat der Mensch dieses Vorrecht verloren und nun ist Satan der Fürst dieser Welt (Lk 4,6; Joh 14,30). Erst im Tausendjährigen Reich wird der Plan Gottes, dass der Mensch Haupt über alles ist, durch den zweiten Menschen, Christus, im vollen Umfang verwirklicht werden.
  • Dann denken wir an das Seufzen der Schöpfung (Röm 8,22), die durch den Sündenfall ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es wird aufhören. Seit dem Sündenfall, seitdem der Fluch über die Erde gekommen ist, seufzt die Schöpfung. Das wird im Tausendjährigen Reich seinen Abschluss finden.
  • Das Blut Abels schreit noch immer zum Himmel und auch unschuldiges Blut vieler anderer, z.B. von Märtyrern, ist geflossen. Es scheint, als ob das Böse über das Gute triumphiert. Das wird im Tausendjährigen Reich vorbei sein.
  • Denken wir an die Regierung Noahs (1Mo 9,6). Noah hatte die Schlüssel der Regierung in die Hand bekommen, doch es zeigte sich, dass er nicht einmal sich selbst regieren konnte (1Mo 9,21). Wenn Christus dagegen die Schlüssel der Regierung selbst in die Hand nimmt, wird Seine Regierung ohne Schwächen und Makel sein: eine Regierung in absoluter Gerechtigkeit.
  • Gott hatte mit Abraham einen Bund geschlossen mit bedingungslosen Verheißungen. Mit dem Gesetz vom Sinai wurde der Abrahams-Bund vorerst außer Kraft gesetzt; doch er bleibt bestehen, auch wenn er vorübergehend unterbrochen ist. Im Tausendjährigen Reich werden alle Verheißungen Gottes an Abraham Wirklichkeit werden: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1Mo 12,3). Auch diese Verheißung wird Christus aufnehmen und zu einem herrlichen Ende führen.
  • Die Israeliten konnten das Gesetz nicht halten. Niemand konnte es. Im Tausendjährigen Reich dagegen werden Gläubige dieses Gesetz halten können. Auch diese Zeit des Gesetzes wird der Herr zu einem wunderbaren Abschluss bringen: Er wird das Gesetz in ihre Herzen geben (Heb 10,16).
  • Unter der Zeit der Richter wurde es immer schlimmer mit dem Volk Israel, bis zum Schluss bei Simson, dem letzten Richter. Er war ein Mensch, der sich selbst nicht richten konnte, sich selbst nicht in der Gewalt hatte. Diese Zeit der Richter wird der Herr wiederaufnehmen, wenn Er sein Volk in Gerechtigkeit richten und in der ganzen Welt Recht und Ordnung aufrichten wird.
  • Wie endete die Zeit, als Priester maßgebende Autoritäten des Volkes waren? Eli und seine Söhne verdarben das Priestertum in furchtbarem Maß. Doch es wird einer kommen, der der Priesterkönig sein wird, der Melchisedek, nach einer anderen Priesterart, und Er wird das Priestertum, diese Mittlerschaft zwischen Gott und Menschen, in vollkommenem Maß ausüben.
  • Auch die Zeit der Könige endete auf so furchtbare Weise, dass Gott das Königtum in Israel vorerst beseitigt hat. Aber das Ende steht noch aus; das Ende wird in Christus sein. Auch diese Zeit wird Er zu einem wunderbaren Abschluss bringen, wenn Er als König in seinem Reich herrschen wird.
  • Propheten werden nicht mehr nötig sein. Die Weissagungen werden versiegelt, wie wir in Daniel 9,24 lesen. Mit dem Tausendjährigen Reich werden sowohl die Gerichts- wie die Segensprophezeiungen alle erfüllt sein und es wird keine neuen mehr geben müssen.
  • Die „Zeiten der Nationen“ (Lk 21,24) dauern jetzt noch an, aber sie werden zu Beginn des Tausendjährigen Reiches aufhören, wenn der Stein, von dem Daniel spricht, diese Reiche alle zermalmen wird (Dan 2,34.35).
  • Die Zeit der Zerstreuung Israels wird im Tausendjährigen Reich zum Abschluss kommen. Christus wird alle Stämme sammeln, selbst die, die jetzt noch verloren sind. Er wird alle Juden und alle Israeliten, die jetzt noch zerstreut oder unerkannt auf der Erde leben, zurückbringen und die Zerstreuung wird für immer zu Ende sein (Hes 39,27).
  • Das erste Kommen des Herrn auf die Erde war scheinbar ein Versagen. Hatte Er nicht den Tod am Kreuz erdulden müssen und „nichts gehabt“ (Dan 9,26)? Aber auch die Zeit des Sohnes des Menschen auf der Erde ist noch nicht zur Fülle gekommen. Wenn Er zum zweiten Mal auf die Erde kommt, wird alles anders sein. Im Moment ist der König im Reich der Himmel abwesend. Es geschehen furchtbare Dinge in diesem Reich: Sauerteig ist hineingekommen, die Vögel des Himmels nisten (Mt 13,32), denn falsche Lehren und moralisch Unreines ist hineingekommen. Wenn der König wiederkommt, wird das alles verschwinden, und überall wird die Herrschaft Christi anerkannt werden.
  • Denken wir an die Gerichte; auch diese werden abgeschlossen werden. Vor dem Tausendjährigen Reich werden alle Feinde, die dann auf der Erde leben, gerichtet werden. Wer während des tausendjährigen Friedensreiches rebelliert, wird sofort gestraft werden (siehe z.B. Ps 101,8). Das letzte Gericht wird das Gericht am großen weißen Thron sein (Off 20,11.12).
  • Auch die Gemeinde auf der Erde wird ihren herrlichen Abschluss finden, wenn durch sie der Segen Gottes auf die Erde kommen wird, wie uns Offenbarung 21,9 bis 22,5 zeigt.

Können wir uns vorstellen, was das für Gott bedeutet, einen Menschen zu haben, der all das wiederaufnimmt, was Gott angefangen hat und was Menschen zerstört haben, und es zu einem herrlichen Ende bringt? Was muss das für Gott sein, einen solchen Menschen hier auf der Erde zu haben! Doch all das wird weggenommen, wenn man der Übersetzung der NeÜ folgt.

Der Dienst des Paulus

Kol 1,24.25: Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Ich setze also meinen Körper für das ein, was von den Leiden des Messias für seinen Körper, nämlich die Gemeinde, noch aussteht. Gott hat mich beauftragt, ihr zu dienen und so auch bei euch sein Wort voll und ganz zu verkündigen.
Kol 1,24.25: Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch das, was noch fehlt an den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung, deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden.

Durch die Übersetzung der NeÜ wird der klerikale Gedanken unterstützt, dass die Gaben, die der Herr gegeben hat, der Gemeinde als Diener unterstellt seien. Doch Gott hatte Paulus keineswegs beauftragt, der Gemeinde „zu dienen“, wie die NeÜ schreibt. Und auch sonst wird niemand, der vom Herrn zum Lehrerdienst, Hirtendienst oder Dienst am Evangelium berufen wird, Diener der Gemeinde, wie man in vielen christlichen Kreisen meint.

Der Gedanke in diesen Versen ist vielmehr, dass es eine Verwaltung des Ratschlusses Gottes in Bezug auf Christus und die Versammlung gibt. Paulus hatte hier eine ganz besondere Aufgabe, die ihn dazu führte, Dienste für die Versammlung zu tun. Hier werden zwei Aspekte dieses Dienstes genannt:

  1. Der erste Aspekt ist „Leiden“ für die Offenbarung dieser Gedanken. Auch Apostelgeschichte 22,21-23; Epheser 3,13 sowie Kolosser 2,1 und 4,3 sprechen von diesen Drangsalen. Die Wut der Juden entzündete sich, wie wir in der genannten Stelle in der Apostelgeschichte lesen, gerade daran, dass die Nationen jetzt auch eine Rolle im Ratschluss Gottes spielen sollten, insofern dass die Versammlung aus Juden und Nationen genommen ist.
  2. Der zweite Aspekt betrifft die Vollendung des Wortes Gottes. Es geht hier überhaupt nicht darum, dass Paulus, wie die NeÜ schreibt, den Auftrag hatte, das Wort Gottes „voll und ganz zu verkündigen“. Vielmehr war ein Teil des Ratschlusses Gottes bisher noch nicht verkündigt worden. Und das sollte Paulus jetzt übernehmen. Mit dieser Verkündigung ist das Wort Gottes abgeschlossen, auch wenn manche Schreiber ihre Briefe, zeitlich gesehen, erst nach Paulus geschrieben haben. Sie haben aber dem Bereich der offenbarten Wahrheit keinen weiteren Aspekt mehr hinzugefügt, denn „alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ liegen in dem „Geheimnis“ verborgen (Kol 2,3); somit gibt es, nachdem Paulus dieses Geheimnis verkündet hatte, nichts Weiteres mehr. Der Herr Jesus hatte zwar Gott völlig offenbart, nicht jedoch den ganzen Ratschluss Gottes. Das hatte Er Paulus überlassen. Und darum geht es an dieser Stelle. Das wird durch die Übersetzung der NeÜ leider völlig verdunkelt.

Das Zusammenkommen zum Namen des Herrn

Mt 18,20: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich in ihrer Mitte.
Mt 18,20: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.

1Kor 5,4: Wenn ihr im Namen unseres Herrn Jesus Christus zusammenkommt und ich im Geist bei euch bin und der Herr Jesus mit seiner Kraft gegenwärtig ist …
1Kor 5,4: … im Namen unseres Herrn Jesus Christus (wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid) …

Nach der NeÜ handle es sich in diesen Stellen um ein Zusammenkommen, bei dem die Gläubigen selbst sich aktiv an einen Ort begeben. Zwar kennt die Schrift auch diesen Aspekt der Zusammenkommens als Versammlung, doch wenn der Geist Gottes ein Zusammenkommen der Gläubigen als Versammlung meint, benutzt Er (im Griechischen) ein anderes Wort als das, was hier verwendet wird (synago im Passiv). Diese aktive Form des Zusammenkommens oder des Sichversammelns finden wir mehrfach in 1. Korinther 11 und 14 (synerchomai). Doch in den o.g. Versen wird im Griechischen das Passiv benutzt; es deutet an, dass es einen Akteur gibt, der im Hintergrund bleibt. Die Gläubigen sind sozusagen „versammelt worden“. Das lässt daran denken, dass wir hier mit einer Kraft zu tun haben, die die Gläubigen zusammenführt. Wir wissen, dass das mit dem Wirken göttlicher Personen zu tun hat, z.B. mit der Bitte des Herrn Jesus „Dies tut zu meinem Gedächtnis“ (1Kor 11,25) und mit dem Wirken des Heiligen Geistes, der den Herrn verherrlicht (Joh 16,14).

Lukas 22,8-20 illustriert diesen Gedanken durch den Mann mit dem Wasserkrug. Darin können wir ein Bild von dem Heiligen Geist sehen, der das Wort Gottes benutzt, um uns dahin zu führen, wo der Herr Jesus mit den Seinen zusammenkommen möchte. Bei „zusammenkommen“ liegt die Ursache nicht mehr im Heiligen Geist, sondern in den Gläubigen, die sich aus eigenem Antrieb dorthin begeben und entscheiden, mit wem sie zusammenkommen. Wenn der Geist dagegen die treibende Kraft ist, dann geht es um seine Einheit (Eph 4,4), die Er gebildet hat, und dann möchte Er alle Glieder des Leibes zusammenbringen. Das ist eine ganz andere Ausgangsbasis.

Unser Zustand als Versammlung

1Kor 5,7: Reinigt euch also vom alten Sauerteig, fegt jeden Krümel davon aus, damit ihr wieder ein frischer, ungesäuerter Teig seid.
1Kor 5,7: Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid.

Es ist sicher etwas schwierig, zu verstehen, dass die Korinther einerseits ungesäuert waren, andererseits aber den alten Sauerteig ausfegen sollten, um ein neuer Teig zu sein. Das scheint sich zu widersprechen. Doch es ist besser, diesen scheinbaren Widerspruch so stehenzulassen, als diese Schwierigkeit einfach glattzubügeln, indem man, wie die NeÜ es tut, „ungesäuert“ zu „frisch“ hinzufügt.

Außerdem löst sich der scheinbare Widerspruch auf, wenn wir beachten, dass Paulus in diesem Vers zwei völlig verschiedene Dinge anspricht: Im ersten Teil spricht er vom Zustand der Korinther („alter Sauerteig“) und im letzten Teil von ihrer Stellung („ungesäuert“). Solch eine Unterscheidung finden wir auch an anderen Stellen der Schrift, z.B. in 1. Petrus 1,2.15. Dort lesen wir in Vers 2, dass wir durch den Geist geheiligt sind (unsere Stellung), und dennoch werden wir in Vers 15 aufgerufen, heilig zu sein (unser Zustand). Wir sollen darauf achten, dass unser Zustand unserer Stellung entspricht.

Verhalten gegenüber Ungerechtigkeit und bösen Lehrern

2Tim 2,19: Es trägt den Abdruck seines Siegels mit folgender Inschrift: „Der Herr kennt die, die zu ihm gehören“, und: „Wer den Namen des Herrn nennt, meide das Unrecht.“
2Tim 2,19: Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit!

Wenn wir in der NeÜ lesen, dass wir „das Unrecht meiden“ sollen, dann verstehen wir darunter, dass wir in unserem Verhalten nichts Unrechtes dulden sollen. Die Formulierung der ELB („stehe ab von der Ungerechtigkeit“) dagegen beinhaltet jedoch Trennung von allem, wo Ungerechtigkeit geduldet wird. Das schließt mit ein, dass man sich auch persönlich z.B. von Gemeinden trennt, die das Schweigegebot für Frauen in der Versammlung nicht akzeptieren wollen.

2Tim 2,20.21: In einem großen Haushalt gibt es nicht nur Gefäße aus Gold und Silber, sondern auch aus Holz und Ton. Die einen sind für besondere Anlässe bestimmt, die anderen dienen als Behälter für den Abfall. Wer sich nun von Menschen fernhält, die Abfallbehältern gleichen, wird ein Gefäß sein, das ehrenvollen Zwecken dient, das heilig ist, dem Hausherrn nützt und zu jedem guten Werk bereitsteht.
2Tim 2,20.21: In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet.

Hier wird in der NeÜ zunächst das kleine Wörtchen „und“ weggelassen. Damit werden die goldenen und silbernen Gefäße mit den Gefäßen zur Ehre gleichgesetzt und die hölzernen und irdenen mit den Gefäßen zur Unehre oder, wie die NeÜ übersetzt, mit „Abfallbehältern“.

Die goldenen und silbernen Gefäßen stehen jedoch für die Beschaffenheit, für die Natur der Gefäße; gemeint sind also Menschen, die göttliches Leben haben: die mit göttlicher Gerechtigkeit versehen sind (Gold) und die Erlösung empfangen haben (Silber). Hölzerne und irdene Gefäße dagegen können verbrennt oder zerbrochen werden (s. 1Kor 3,12.13). So hat auch das Leben von christlichen Bekennern keinen Bestand und wird eines Tages im Feuersee seine Endbestimmung finden. In der NeÜ-Übersetzung geht jedoch die wichtigen Gedanken verloren, die leider auch von vielen Christen nicht akzeptiert werden: Auch wahre Gläubige können Gefäße zur Unehre sein (ohne dass sie damit jedoch hölzerne oder irdene Gefäße wären), und in solch einem Fall muss man sich von ihnen absondern, selbst wenn man kaum daran zweifelt, dass die betreffende Person tatsächlich neues Leben hat. Des Weiteren geht bei „Abfallbehälter“ der Gedanke verloren, dass es sich um Verunehrung Gottes handelt.

Böse Geister

1Joh 4,1: Ihr Lieben, glaubt nicht jedem, der behauptet, er sei mit Gottes Geist erfüllt, sondern prüft, ob er wirklich von Gott kommt.
1Joh 4,1: Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.

Durch die NeÜ-Übersetzung verschwindet der Gedanke völlig, dass wir es nicht in erster Linie mit Personen zu tun haben, sondern mit satanischen Geistern. Wenn ein wahrer Christ nicht mit dem Geist Gottes erfüllt ist, heißt das noch lange nicht, dass er stattdessen von einem bösen Geist angetrieben wird. Wir sehen in der Geschichte der Propheten Ahabs in 1. Könige 22,22.23, wie so etwas vor sich gehen kann.

Schiffbruch hinsichtlich des Glaubens

1Tim 1,19: Bleib in deinem Glauben fest und bewahre dir ein reines Gewissen. Einige haben das leider von sich gestoßen und dadurch im Glauben Schiffbruch erlitten.
1Tim 1,19: … indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und so, was den Glauben betrifft, Schiffbruch erlitten haben.

Hier kommt man beim Lesen der NeÜ möglicherweise auf den Gedanken, dass Heilige vom Glauben abfallen könnten. Doch „im Glauben Schiffbruch zu erleiden“ bedeutet nicht, vom (persönlichen) Glauben an Gott abzufallen, sondern hinsichtlich des Glaubensgutes Schiffbruch zu erleiden.[14] „Schiffbruch erleiden“ heißt also nicht, vom Glauben abzufallen, sondern hinsichtlich des christlichen Glaubensgutes „Schiffbruch zu erleiden“, also von der in der Bibel offenbarten Wahrheit in drastischer Weise abzuirren.

Das Gesetz

Gal 3,24: So führte das Gesetz uns wie ein streng ermahnender Erzieher zu Christus, damit wir durch den Glauben von Gott als gerecht anerkannt würden.
Gal 3,24: Also ist das Gesetz unser Erzieher gewesen auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.

Das Gesetz führte und führt niemals zu Christus, wie die NeÜ meint. Gott hatte es nicht zu diesem Zweck gegeben. Es war jedoch der Erzieher der Israeliten[15] und hielt sie in Absonderung von den Nationen, solange Christus noch nicht gekommen war.

Röm 10,4: Denn mit Christus hat der Weg des Gesetzes sein Ziel erreicht. Jetzt wird jeder, der an ihn glaubt, für gerecht erklärt.
Röm 10,4: Denn Christus ist das Ende des Gesetzes, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.

Das Ziel, das Ende des Gesetzes ist keinesfalls erreicht. So lesen wir in 1. Timotheus 1,9: „Für einen Gerechten ist das Gesetz nicht bestimmt, sondern für Gesetzlose und Zügellose.“ Das Ende des Gesetzes findet sich nur für jeden Glaubenden durch Christus. Natürlich ist die NeÜ hier viel einfacher zu lesen und zu verstehen, aber sie ist falsch: Das Gesetz ist nicht generell zu Ende; nur für den Gläubigen ist es durch Christus zu seinem Ende gekommen ist, nicht aber für den Ungläubigen. Gläubige sind mit Christus gestorben (Röm 7,4) und auf Gestorbene hat das Gesetz keine Anwendung mehr (Röm 7,4). Für Ungläubige dagegen gilt nach wie vor: „Durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20).

Stolz

Gal 6,4: Jeder prüfe vielmehr sein eigenes Tun, dann mag er stolz auf sich sein, ohne sich über jemand anders zu erheben.
Gal 6,4: Jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er an sich selbst allein und nicht an dem anderen Ruhm haben.

Im Buch der Sprüche finden wir immer wieder die Warnung vor Stolz – und diese Warnungen gelten für Gläubige aller Zeiten, auch für Christen: „Stolz geht dem Sturz und Hochmut dem Fall voraus“ (Spr 16,18). „Stolz der Augen und Überheblichkeit des Herzens, die Leuchte der Gottlosen, sind Sünde“ (Spr 21,4). „Des Menschen Stolz wird ihn erniedrigen; wer aber demütig ist, wird Ehre erlangen“ (Spr 29,23). Dieser letzte Vers zeigt uns, wie Galater 6,4 mit dem vorhergehenden Vers 3 („Wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst“) zusammenhängt. Wie kann jemand stolz auf sich selbst sein, „da er doch nichts ist“?! Wenn er aber demütig seinen eigenen Dienst betrachtet und auf seine Verantwortung achtet, wird er am Tag Jesu Christi „Ruhm haben“, wie die ELB übersetzt, weil sein Tun dann zur Verherrlichung Christi war. Die Schrift gestattet uns nicht, in irgendeiner Weise stolz auf uns selbst zu sein.

Die Tiere des Feldes

1Mo 1,25: Gott machte alle Arten von wilden Tieren, von Herdenvieh und von allem, was sich auf der Erde regt. Gott sah es an: Es war gut.
1Mo 1,25: Und Gott machte die Tiere der Erde nach ihrer Art, und das Vieh nach seiner Art, und alles, was sich auf dem Erdboden regt, nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.

Bei den „wilden“ Tieren in der NeÜ denkt man unwillkürlich an Raubtiere: an reißende Löwen, an eine hetzende Wolfsmeute usw. Doch so hat Gott die Tiere nicht geschaffen. Diese Eigenschaften sind vielmehr eine Folge der Sünde. Daher ist es falsch, hier „der Erde“ durch „wild“ zu ersetzen. In 5. Mose 32,24, wo wir im Hebräischen dieselbe Formulierung wie im obigen Vers finden, ist es etwas anderes: Dort sendet Gott „wilde Tiere“ gegen sein Volk; „wild“ sind die Tiere seit dem Sündenfall nämlich tatsächlich.

Ps 8,7.8: Du lässt ihn herrschen über alles, / was durch deine Hände entstand: über Schafe und Rinder / und auch die wilden Tiere im Feld.
Ps 8,7.8: Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt: Schafe und Rinder allesamt und auch die Tiere des Feldes.

Hier gilt dasselbe wie oben bei 1. Mose 1,25. „Wild“ steht im hebräischen Text nicht und ist auch falsch, da der Löwe in der Zeit, von der der Psalm spricht (dem Tausendjährigen Reich), mit dem Mastvieh zusammen sein wird und Kuh und Bärin zusammen lagern werden (s. Jes 11).

 

Anmerkungen

[2] Bibelübersetzungen beruhen auf einer bestimmten Textgrundlage der Bibelhandschriften: auf dem Textus Receptus, dem Mehrheitstext, dem Nestle-Aland oder auf einer eigenen Auswahl aus den vorhandenen Handschriften. Die NeÜ scheint völlig dem Nestle-Aland-Text als Textgrundlage zu folgen.

[3] Die CSV-Elberfelder macht durch Kleindruck deutlich, dass dieses Wort nicht im Griechischen steht.

[4] Karl-Heinz Vanheiden: „Einführung in die Bibelübersetzung. Neue Evangelistische Übersetzung (NEÜ)“, https://www.bibleserver.com/bible/NeÜ (Zugriff: 4.3.2020).

[5] C. Briem, Dies ist das ewige Leben, Hückeswagen (CSV) 2012, S. 40.

[6] 1Joh 1,3: „Und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“

[7] Siehe Galater 5,17: „Das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt.“

[8] Ausführlich begründet und erklärt findet man diesen Punkt in dem Buch Der vergessene Reichtum von D. Schürmann / S. Isenberg, Lychen (Daniel-Verlag) 32017.

[9] Auch hier sei für Begründungen und Entfaltung dieses Gedankens wieder auf das Buch Der vergessene Reichtum verwiesen.

[10] „Der Fülle“ und „der Zeiten“.

[11] Oder auch in der Schlachter 2000: „zur Ausführung in der Fülle der Zeiten“, oder bei Menge: „Sobald die Zeiten zum Vollmaß der von ihm geordneten Entwicklung gelangt waren“.

[12] „Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast“ (Mt 11,25).

[13] „Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört … Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit“ (2Kor 6,2).

[14] In 1. Timotheus 1,19 steht im Griechischen beim zweiten Vorkommen des Wortes „Glauben“ in diesem Vers ein Artikel. Wenn das im ersten Timotheusbrief der Fall ist, ist nicht persönlicher Glaube gemeint, sondern der Glaube, sozusagen das Glaubensgut, die den Christen offenbarte Wahrheit. Das Geheimnis dieses Glaubens kann man bewahren (1Tim 3,9), von diesem Glauben kann man abfallen (1Tim 4,1), man kann ihn mit Worten definieren (1Tim 4,6), ihn verleugnen (1Tim 5,8), und man kann von diesem Glauben abirren (1Tim 6,10.21) und soll für ihn kämpfen (1Tim 6,12). Wenn dagegen der persönliche Glaube gemeint ist, das Vertrauen auf Gott, wird hier im Griechischen der Artikel weggelassen (z.B. 1Tim 1,5.14). Die ELB macht dies durch Kleindruck des Artikels deutlich, z.B. auch in im ersten Teil von 1. Timotheus 1,19.

[15] Paulus spricht hier „von uns, den Juden“ (vgl. Gal 2,15), im Gegensatz zu den Galatern, die aus den Heiden waren und auf die das nicht zutraf.

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