Eins ...
Markus 10,21; Lukas 10,42; Philipper 3,13

Hamilton Smith

© CSV-Verlag, online seit: 30.06.2021, aktualisiert: 11.07.2021

Leitverse: Markus 10,21; Lukas 10,42; Philipper 3,13

Die Schriftstellen, in denen diese Aussagen vorkommen, zeigen uns sehr unterschiedliche Personen. In der ersten Stelle lernen wir, dass „eins“ in dem Leben des reichen Jünglings fehlte. In der zweiten Stelle lernen wir in der Begebenheit von Martha und Maria, dass das „eine“, was fehlt, genau das „eine“ ist, was nötig ist. In der dritten Stelle finden wir, dass das „eine“, was nötig ist, das „eine“ ist, was den Apostel Paulus kennzeichnete.

Wenn der Herr dieses „eine“ so sehr betont, dann sind wir aufgefordert, unsere Herzen im Licht dieser Stellen mit dem aufrichtigen Verlangen zu prüfen, von diesem „einen“ gekennzeichnet zu sein.

1. „Eins fehlt dir“ (Mk 10,17-22)

Mk 10,21: Eins fehlt dir …

In der Geschichte vom reichen Jüngling springen uns zwei Wahrheiten ins Auge:

  1. Als Erstes lernen wir: Unser Leben kann in vieler Hinsicht hervorragend sein und dennoch kann uns das „eine“ fehlen.
  2. Zweitens lernen wir: Dieses „eine“ ist die Hingabe an den Herrn mit ungeteiltem Herzen.

Von denen, die dem Herrn begegneten, als Er über diese Erde ging, zeigte niemand ein traurigeres Ende als dieser reiche Jüngling. Am Anfang seiner Geschichte finden wir vieles, was darauf hindeutet, dass vor ihm eine vielversprechende Zukunft als ein Jünger des Herrn lag. Doch am Ende müssen wir lesen: „Er aber wurde traurig über das Wort und ging betrübt weg.“ Wir lesen an keiner weiteren Stelle der Bibel, dass er in Gemeinschaft mit dem Herrn oder den Seinen gewesen wäre. Selbst wenn er in seinem Herzen ein Gläubiger gewesen sein sollte, fehlte ihm der Segen der Gemeinschaft mit dem Herrn und mit seinen Jüngern, und er versagte als Zeuge für den Herrn in der Welt.

Dieser junge Mann war durch viele gute natürliche Eigenschaften und große moralische Schönheit gekennzeichnet. Er war ein ernsthafter, aufrichtiger junger Mann, denn wir lesen, dass er zu dem Herrn „lief“. Er war ehrfürchtig, denn er kniete vor dem Herrn nieder. Er sehnte sich auch nach geistlichen Segnungen – z.B. nach dem ewigen Leben. Sein äußeres Leben war untadelig, denn er hatte das Gesetz von seiner Jugend an beachtet. Alle diese Eigenschaften sind an sich schön und anziehend, und der Herr wusste um diese guten natürlichen Eigenschaften, denn wir lesen: „Jesus aber blickte ihn an, liebte ihn.“ Doch trotz all dieser Vorzüge wendet der Herr ein, dass ihm „eins“ fehlt.

Natürliche Vorzüge nützen nichts, wenn das „eine“ fehlt.

Um ihm dieses „eine“, das ihm in seinem Leben fehlte, deutlich zu machen, wendet der Herr drei Prüfungen an. Genauso wie der reiche Jüngling können auch wir äußerlich ein anständiges und untadeliges Leben führen, und dennoch kann unser Zeugnis für den Herrn getrübt sein, wenn dieses „eine“ fehlt. Daher ist es gut, wenn wir uns anhand der drei Prüfungen, die der Herr dem reichen Jüngling vorlegte, selbst prüfen:

  1. Die erste Prüfung betrifft den irdischen Besitz.
  2. Die zweite Prüfung betrifft das Kreuz.
  3. Die dritte Prüfung betrifft eine Person: den verworfenen Christus.

Der reiche Jüngling sollte erstens etwas aufgeben, zweitens etwas auf sich nehmen und drittens jemand nachfolgen:

  1. In der ersten Prüfung geht es um irdische Güter.
    Wenn wir sie im weitesten Sinn des Wortes als Dinge betrachten, die Vorteile in unserem Leben in dieser Welt sind, dann könnten wir fragen: Haben wir alle diese Dinge im Licht Christi erwogen und um Christi willen für Verlust geachtet? Haben wir alle Vorteile zusammengerechnet, die uns durch unsere Geburt zugefallen sind; die Bequemlichkeit und die weltlichen Vergnügungen, die uns der Reichtum sicherstellt; die Stellung, die Ehre, die Würde, die wir durch Intellekt oder Begabung oder Leistungen erreichen können? Und haben wir dann, ohne diese Dinge geringzuschätzen, in das Angesicht des Herrn geschaut – des einen, an dem alles lieblich ist – und verstanden, dass Er unvergleichlich größer ist als alle diese Dinge? Und haben wir dann, aus einer tiefen Liebe zu Christus heraus, bewusst die Entscheidung getroffen, dass Christus unser größtes Teil sein soll und nicht diese Dinge?

  2. In der zweiten Prüfung geht es um das Kreuz. Der Herr sagt dem jungen Mann gewissermaßen: „Nimm das Kreuz auf.“
    Sind wir bereit, den Platz in Verbindung mit der Welt zu akzeptieren, an den uns das Kreuz vor Gott gestellt hat? Der Apostel konnte sagen: „Von mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14). Das Kreuz steht zwischen uns und unseren Sünden, dem alten Menschen und dem Gericht. Aber haben wir auch gesehen, dass es zwischen uns und der Welt steht? Wenn wir „das Kreuz aufnehmen“, dann ist die Welt für uns nicht nur gekreuzigt, sondern wir werden von der Welt auch völlig abgelehnt werden.

  3. In der dritten Prüfung geht es um den verworfenen Christus, denn der Herr sagt dem jungen Mann: „Folge mir nach!“
    Sind wir bereit, uns mit dem zu identifizieren, der von der Welt gehasst und verworfen wird; der in einem Stall geboren wurde und in eine Krippe gelegt wurde; der keinen Platz hatte, wo Er sein Haupt hinlegen konnte; der einen schmachvollen Tod an dem Schandpfahl starb und in einer geliehenen Gruft beerdigt wurde; der nach seiner Auferstehung nur in Begleitung einiger armer Fischer war und der damals wie heute sehr verachtet ist? Sind wir bereit, zu Ihm hinauszugehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach zu tragen?

Die Prüfungen damals sind die gleichen wie auch heute: Können wir irdische Vorteile aufgeben, einen Platz außerhalb der Welt einnehmen und Christus folgen, dem Einen, der abgelehnt wird?

Sind wir bereit, irdische Vorteile aufzugeben, einen Platz außerhalb der Welt einzunehmen und Christus zu folgen?

Wir werden durch diese Prüfungen genauso geprüft wie dieser junge Mann. Welche Antwort werden wir geben? Wir können die Prüfungen auf zweierlei Weise beantworten:

  1. Erstens können wir handeln wie der reiche Jüngling: „Er aber wurde traurig über das Wort und ging betrübt weg.“ Wir können zu den irdischen Dingen zurückkehren. Der junge Mann ging nicht weg, weil er zornig auf Christus gewesen wäre oder Ihn gehasst hätte. Er fand keinen Fehler an Christus, aber die Welt war zu stark für ihn. Er liebte die Welt genauso, wie Demas später diese Welt liebte (2Tim 4,10).

  2. Zweitens können wir eine Antwort wie Petrus und die anderen Jünger geben, die alles verließen und Christus folgten (Mk 10,28).

Das „eine“, was dem jungen Mann fehlte, war Hingabe an den Herrn mit ungeteiltem Herzen. So ging er „weg“. Die Jünger, mit all ihrer Unwissenheit, ihrer Schwachheit und ihrem Versagen, wurden in tiefer Zuneigung zum Herrn hingezogen und verließen alles, um Ihm zu folgen.

Wie oft hat sich seit diesem Tag die Geschichte dieses jungen Mannes wiederholt! Gibt es etwas Traurigeres, als daran zu denken, wie viele junge Männer einen guten Start hatten und vielversprechend schienen? Aber wo sind sie heute? Trotz herausragender Eigenschaften wie Ernsthaftigkeit, Aufrichtigkeit und Eifer sind sie zurückgegangen – wenn nicht in die „unmoralische Welt“, so doch in die „verdorbene, religiöse Welt“. Der Grund dafür ist offensichtlich: Ihnen fehlte das „eine“ – die ungeteilte Hingabe an Christus, die Christus als den ersten und höchsten Gegenstand im Leben vor sich stellt.

Wir brauchen die ungeteilte Hingabe an Christus.

Offensichtlich haben sie sich selbst vor Christus gestellt oder die Not der Menschen oder das Wohl der Gläubigen oder den Dienst. Und das Ergebnis? Sie sind schließlich zu irdischen Dingen zurückgekehrt. In der Liebe zu verlorenen Menschen, in der Liebe zu Gläubigen oder in dem tiefen Wunsch, zu dienen, liegt nicht genügend Macht, dass sie unsere Füße auf dem schmalen Weg halten könnte. Nur Christus selbst kann uns außerhalb des Lagers, auf dem Platz der Schmach, halten, wenn wir Ihm entschieden folgen.

2. „Eins aber ist nötig“ (Lk 10,38-42)

Lk 10,42: Eins aber ist nötig …

Wenn wir uns die berührende Szene in Bethanien anschauen, dann sehen wir zwei hingebungsvolle Frauen. Der einen fehlte das „eine“, während die andere „das gute Teil“ erwählt hatte.

Martha hatte, wie der reiche Jüngling in Markus 10, viele herausragende Eigenschaften. Das Haus in Bethanien gehörte anscheinend ihr und bereitwillig öffnete sie dem Herrn der Herrlichkeit ihr Haus. Außerdem war sie nicht nur gastfreundlich, sondern auch eine fleißige Dienerin in dem Dienst für den Herrn. Es gibt „viele Dinge“ in dieser Welt, die für den Herrn getan werden können, und Martha war mit diesen „vielen Dingen“ beschäftigt. Doch trotz all ihrer hervorragenden Eigenschaften hatte sie „eins“ übersehen, und nun muss sie lernen, dass dieses „eine“, was sie übersehen hat, das „eine“ ist, was nötig ist. Sie war beschäftigt mit vielem Dienen; und weil sie sich über ihre Schwester ärgerte, beklagte sie sich bei dem Herrn. Wie sehr repräsentiert sie die große Gruppe der Christen, die unbewusst ihren Dienst zu ihrem Mittelpunkt machen statt den Herrn. Solche Christen würden gerne alle anderen in ihren speziellen Dienst einspannen und ärgern sich, wenn sie in ihrem Dienst „alleingelassen“ werden. Ihnen fehlt das „eine“ und so sind sie „besorgt und beunruhigt um viele Dinge“.

Wie richtig und schön ist es, wenn wir unsere Häuser und unsere Mittel dem Herrn zur Verfügung stellen und in seinem Dienst beschäftigt sind. Und dennoch warnt uns diese Geschichte: Es ist möglich, dass wir diesen Aktivitäten den ersten Platz in unseren Gedanken und in unseren Zuneigungen geben und nicht dem Herrn.

Wir sollten den Dienst für den Herrn nicht über den Herrn selbst stellen.

Wenn das so ist, dann fehlt uns das „eine“, was nötig ist: die Hingabe mit ungeteiltem Herzen, die Christus vor jeden Dienst stellt.

Maria hatte „das gute Teil“ erwählt und dieses „gute Teil“ war das Teil mit Christus. Für sie war Christus das höchste Teil, das sie vor alles andere stellte, sei es Besitz, Dienst oder ihre Schwester. Mit Christus als ihrem einzigen Teil entfloh sie der Rastlosigkeit, der Sorge und der Unruhe, die ihre eifrige Schwester kennzeichneten. Während Martha „mit vielem Dienen beschäftigt“ ist, sitzt Maria still zu den Füßen Jesu. Als Martha mit ihrer Beschwerde zum Herrn kommt, sitzt Maria „zu den Füßen Jesu“ und hört „seinem Wort“ zu.

Es steht uns nicht zu, unser eigenes geistliches Urteil über die Differenzen der beiden Schwestern zu fällen, denn uns wird klar gesagt, dass der Herr Martha tadelt, Maria aber lobt.

Indem Maria den Herrn zu ihrem Gegenstand macht, hat sie das „gute Teil“ erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird. Sehr bald werden wir allen irdischen Besitz verlassen und auch Dienst und Mühe werden Vergangenheit sein, aber für immer und ewig wird Christus Teil und Gegenstand unserer Seelen sein. Maria wählte dieses ewige Teil in der Zeit; sie machte Christus zu ihrem einen, großen Gegenstand und zog es allem anderen vor, in seiner Gegenwart zu seinen Füßen sitzen zu dürfen. Andere Dinge mögen weggenommen werden, aber dieses wird nicht weggenommen. Denn so wie sie sich entschloss, in der Zeit bei Christus zu sein, so wird sie auch in alle Ewigkeit bei Ihm sein.

Die Gemeinschaft mit Christus trägt den Charakter der Ewigkeit.

Bedeutet diese bessere Wahl – dieses „eine“, was nötig ist –, dass Maria den Dienst für den Herrn vernachlässigte? Die Schrift verurteilt nicht nur einen solchen Gedanken, sondern sie zeigt auch ganz klar, dass Maria nicht nur dem Herrn diente, sondern dass ihr Dienst wie kein anderer Dienst vorher oder nachher die Anerkennung des Herrn fand. Hier sagt der Herr: „Maria hat das gute Teil erwählt.“ In der schönen Szene von Matthäus 26 sagt der Herr: „Sie hat ein gutes Werk an mir getan“ (Mt 26,10). Wer das „gute Teil“ wählt, tut zu gegebener Zeit auch „gute Werke“.

Die Anerkennung des Herrn ist so groß, dass Er sagt: „Wahrlich, ich sage euch: Wo irgend dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch davon geredet werden, was diese getan hat, zu ihrem Gedächtnis“ (Mt 26,10-13).

Lasst uns daran denken: Dem „guten Werk“ muss das „gute Teil“ vorausgehen. Nur wenn Christus unser einziger Gegenstand ist, werden der Dienst und alles andere an ihrem rechtmäßigen Platz sein.

3. „Eins aber tue ich“ (Phil 3,13.14)

Phil 3,13: Eins aber tue ich …

Im dritten Kapitel des Philipperbriefes sehen wir in dem Apostel einen, der die Prüfung, die der Herr dem reichen Jüngling gestellt hatte, besser bestand als alle anderen Menschen: Er gab alle seine irdischen Besitztümer auf, nahm das Kreuz auf sich und folgte Christus nach.

  1. Welche Besitztümer gab Paulus auf? Paulus war ebenso wie der reiche Jüngling durch herausragende Eigenschaften und weltliche Vorzüge gekennzeichnet: Er kam aus einer wohlhabenden Familie; er war ein freier Mann aus einer nicht unbedeutenden Stadt; er war hochgebildet; er war äußerst eifrig, was die Religion anging, und im Gesetz war er untadelig.

    Alle diese Verhältnisse und Eigenschaften konnten ihm eine hohe Stellung in dieser Welt sichern. Aber genau wie bei dem reichen Jüngling kam der Tag, als er mit Christus in Berührung kam. Und dann kam die Prüfung. Konnte Paulus alles aufgeben, was für ihn in dieser Welt von Vorteil war – alle Dinge, die ihn zu etwas gemacht hatten –, damit Christus ihm alles würde? Weder der reiche Jüngling noch der „Jüngling, genannt Saulus“ (Apg 7,58), waren aufgefordert worden, schändliche Dinge aufzugeben. Wir alle wissen, dass wir nicht Christus folgen und gleichzeitig mit „den geheimen Dingen der Scham“ (2Kor 4,2) weitermachen können. Solche Dinge dürfen wir glücklicherweise zurücklassen. Die Prüfung war und ist heute noch immer: Können wir weltliche Vorteile, menschlichen Eifer, einen tadellosen Charakter, Herkunft sowie religiöses Ansehen als Verlust zurücklassen, damit anstelle unseres Ichs Christus der eine Gegenstand in unserem Leben sein kann?

Phil 3,13.14: 13 Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eins aber tue ich: Vergessend, was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, 14 jage ich, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.

Anstatt sich, wie der reiche Jüngling, von Christus traurig abzuwenden und zu seinen Besitztümern zurückzugehen, vergaß Paulus, „was dahinten“ ist, und streckte sich nach Christus aus.

Der reiche Jüngling wandte sich von Christus weg, Paulus jagte ihm entgegen.

Er sah die Herrlichkeit Christi und er sah Christus in der Herrlichkeit. Der reiche Jüngling begegnete Christus, aber offenbar sah er in Christus trotz der vielen Wunder, die Er gewirkt hatte, nur einen guten Menschen; er sah nicht die Herrlichkeit Christi. Darin liegt der große Unterschied zwischen diesen beiden jungen Männern. Paulus sah die Herrlichkeit Christi und als Folge davon erachtete er die ganze Herrlichkeit dieser Welt – alle diese Dinge, die er als ein Mensch im Fleisch als Gewinn ansah – um Christi willen für Verlust. Er schätzte die natürlichen Vorteile nicht gering; im Gegenteil, er rechnete sie alle zusammen und sah sie alle als Verlust an, nachdem er sie mit der Herrlichkeit Christi verglichen hatte. Seine natürlichen Vortrefflichkeiten wurden von der „Vortrefflichkeit, der Erkenntnis Christi Jesu“, seines Herrn, in den Schatten gestellt.

  1. Paulus gab nicht nur etwas auf, sondern er nahm auch etwas auf: Er nahm das Kreuz auf. Sein einziger Wunsch war, „seinem Tod gleichgestaltet“ zu werden – dem Tod Christi. Wenn Christus der Welt gestorben war, dann war auch Paulus mit der Welt fertig. Für Paulus bedeutete das Kreuz nicht nur das Ende seines alten Menschen, sondern es verschloss auch für immer die gegenwärtige böse Welt vor ihm.

  2. Nachdem Paulus alle seine natürlichen Vorteile aufgegeben, so dass sie nicht länger der Sinn und das Ziel seines Lebens waren, und das Kreuz auf sich genommen hatte, mit dem die Welt für ihn gestorben war, folgte er dem einen Gegenstand in seinem Leben nach: Christus. Er wandte sich von der irdischen Religion ab und ging außerhalb des Lagers zu Christus, seine Schmach tragend. Von nun an war Christus sein einziger Gegenstand, denn er kann sagen:

    • „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21).
    • „… damit ich Christus gewinne“ (Phil 3,8).
    • „… damit ich in ihm gefunden werde“ (Phil 3,9).
    • „… um ihn zu erkennen“ (Phil 3,10).
  • Phil 3,7-11: Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist – die Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben; um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde, ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten.

Hier sehen wir also einen Mann, der wirklich sagen konnte, dass das „eine“, was dem reichen Jüngling in Markus 10,21 fehlte, das „eine“, was nötig ist, wie Martha lernen musste, das „eine“ ist, was er tut. Von diesem Zeitpunkt an war sein Leben ein Leben ungeteilter Hingabe für den Herrn. Für ihn war Christus der eine übergeordnete Gegenstand in seinem Leben – nicht Sünder, nicht die Gläubigen und nicht der Dienst, nur Christus. Niemand predigte das Evangelium der Gnade Gottes den Sündern jemals eifriger als Paulus; niemand sorgte sich so um die Versammlungen wie der Apostel; niemand war so unermüdlich in seinem Dienst für Christus; aber über allem und vor allem war Christus sein einziger Gegenstand. Ihm fehlte nicht das „eine“ wie dem Jüngling; er war nicht durch „viele Dinge“ abgelenkt wie Martha. Er hatte nur „eins“ vor sich – Christus zu folgen. Und so vergaß er, was dahinten lag, und streckte sich aus nach dem, was vorne ist (Phil 3,13).

Paulus fehlte nicht das „eine“ wie dem Jüngling, er wurde nicht durch „viele Dinge“ abgelenkt wie Martha, sondern er tat das „eine“.

Darüber hinaus lässt Paulus uns wissen, wonach er sich ausstreckte. Er zeigt uns in aller Klarheit, dass alles seinen Mittelpunkt in Christus hat:

  1. Christus und die Herrlichkeit (Phil 2,9.10)
  2. Die Berufung Gottes nach oben durch Jesus Christus (Phil 3,14)
  3. Das Kommen des Heilands, des Herrn Jesus Christus (Phil 3,20)
  4. Die Umgestaltung unseres Leibes „zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit“ (Phil 3,21)

Wie gut ist es, wenn wir Christus zu unserem einzigen Gegenstand machen. Wenn wir den Dienst zum einzigen Gegenstand in unserem Leben machen, dann wird es schließlich darauf hinauslaufen, dass wir danach trachten, uns selbst zu erhöhen. Wenn es die Sünder sind, dann werden wir sehr wahrscheinlich wieder in die Welt zurückgezogen werden. Und wenn wir die Gläubigen zu unserem Gegenstand machen, dann werden sie uns das Herz brechen. Aber wenn Christus unser einziger und überragender Gegenstand ist, unser Ziel im Leben, dann werden wir, wie der Apostel, den guten Kampf kämpfen, den Lauf vollenden und den Glauben bewahren. Denn nur Christus allein kann unsere Füße auf dem schmalen Pfad halten; nur Er kann uns durch jede Schwierigkeit hindurchführen und uns angesichts jeglichen Widerstands bewahren. Möge es so sein, dass wir wie der Apostel sagen können: „Eins aber tue ich: … Ich jage, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3,13.14).

Zusammenfassung

Zu dem reichen Jüngling sagte der Herr: „Eins fehlt dir.“ Dem jungen Mann fehlte die Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn und Hingabe an ihn. Martha bekam zu hören: „Eins ist nötig.“ Denn sie stellte den vorübergehenden, mühevollen Dienst für den Herrn über die Gemeinschaft mit dem Herrn. Paulus aber konnte sagen: „Eins aber tue ich.“ Denn er sah die Herrlichkeit Christi und Christus in der Herrlichkeit.


Originaltitel: „Eins …“ 
aus Im Glauben leben, Jg. 1, 2016, Heft 4, S. 20ff.
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Hinweis der Redaktion:

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