Durch Philosophie „gekidnappt“?
Kolosser 2,8

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 26.01.2008, aktualisiert: 20.07.2016

Leitvers: Kolosser 2,8

Kol 2,8: Nehmt euch vor denen in Acht, die euch mit einer leeren, trügerischen Philosophie einfangen wollen, mit Anschauungen rein menschlichen Ursprungs, bei denen sich alles um die Prinzipien dreht, die in dieser Welt herrschen, und nicht um Christus. [Nach der NGÜ.]

Wer hat jemals davon gehört, durch Philosophie „gekidnappt“ zu werden? Wir haben davon gehört, dass Leute einer Gehirnwäsche unterzogen oder dazu programmiert werden, die Lehren revolutionärer Bewegungen zu schlucken, aber niemals durch das freie Studium der Philosophie! Warum auch, Philosophie ist die Liebe zur und das Streben nach Weisheit und Erkenntnis. Wie könnte das Streben nach Weisheit jemals zu einem „Kidnapping“ führen? Die Bibel jedoch sagt, dass es möglich ist, durch Philosophie „gekidnappt“ zu werden. Das Wort „einfangen“ [Anm. d. Red.: Die Elberfelder übersetzt: „wegführt“] in Kolosser 2,8 könnte mit „kidnappt“ übersetzt werden. Das Wort bedeutet, etwas wie eine Beute oder einen Gefangenen zu rauben und zu verschleppen – wie Kidnapping! Demnach zeigt die Bibel auf, dass es für jemanden möglich ist, durch Philosophie von der Wahrheit in die Sklaverei der Irrtümer davongetragen zu werden. Die Christen in Kolossä wurden dringend gewarnt, vor dieser Möglichkeit auf der Hut zu sein. Weil der Brief an die Kolosser das Wort Gottes ist, gilt diese Warnung für alle wachsenden Christen. Es wird uns nicht nur gesagt, vorsichtig zu sein, dass uns niemand mit überredenden Argumenten täuscht (Kol 2,4), sondern auch, dass uns niemand durch Philosophie tatsächlich kidnappt.

Jetzt geht es in der Bibel in diesem Abschnitt der Schrift nicht um Philosophie als solche. Es werden auch nicht alle philosophischen Studien verurteilt. Es wird nicht gesagt, dass zum Beispiel ein Christ, der studiert, sich nicht in eine Veranstaltung in Philosophie einschreiben sollte. Was die Bibel hier jedoch sagt, ist, dass jegliche Philosophie, die nicht christuszentriert ist, „leer“ und „trügerisch“ ist. Deshalb sollte ein gläubiger Student ständig auf der Hut sein, wenn er oder sie Philosophie studiert, weil die Philosophie normalerweise aus einer nicht christlichen Perspektive geschrieben oder gelehrt wird – und genau hier liegt die Gefahr. [Anmerkung der Redaktion: Wir wollen noch darauf hinweisen, dass wir hiermit keinesfalls ein Philosophiestudium für empfehlenswert halten. Im Gegenteil, wenn nicht jemand explizit einen Auftrag vom Herrn dafür hat, halten wir das für sehr gefährlich, und leider sind schon viele durch die Beschäftigung mit den vielen antichristlichen Philosophien verführt worden.]

Viele ahnungslose Studenten (und andere auch) wurden durch leere und trügerische Philosophien irregeführt und „gekidnappt“. Diese trügerischen Philosophien sind nicht nur die falschen Lehren der Mun-Sekte oder anderer Kulte und extremistischer Gruppen. Diese falschen Lehren sind oft leicht zu erkennen, sogar von dem durchschnittlichen Nichtchristen. Aber trügerische Philosophie kann gerade im Unterrichtsraum von angesehenen und gelehrten Männern und Frauen unterrichtet werden. Sie kann logisch und aufschlussreich klingen und auch intellektuell. Unter solchen Bedingungen (wie auch unter dem Druck Gleichaltriger) ist der christliche Student versucht zu zweifeln und sich anzupassen. Seine Gedanken könnten in etwa wie die folgenden aussehen: „Vielleicht haben meine christlichen Freunde letzten Endes Unrecht. Sie meinen es gut, aber sie sind naiv. Bestimmt kann mein großartiger Professor nicht ganz falsch liegen. Wie auch immer, seit wann haben die Christen die Wahrheit gepachtet?“ Klingelt es hier bei irgendjemandem von euch? Warte! Lass uns zurückgehen und dies noch einmal durchdenken, bevor wir Christen als unwissende Leute abstempeln, die intellektuellen Selbstmord begangen haben!

Wie oben genannt, liegt die Gefahr, die mit dem Studieren von Philosophie verbunden ist, in der Perspektive und dem Standpunkt, von dem aus die Dinge betrachtet werden. Jeder Mensch hat bezüglich des Universums eine Reihe von Annahmen. Diese sind seine Weltanschauung und die Basis seiner Philosophie. Diese Annahmen erzeugen so etwas wie ein Raster in den Gedanken dieser Person, durch das alle beobachteten und erfahrenen Gegebenheiten empfangen und interpretiert werden! Daher ist die Philosophie eines Menschen (die Art und Weise, wie er dieses alles zusammensetzt) völlig von seinem Basissatz oder seinem „Raster“ der Annahmen abhängig. Nun ist die christliche Weltanschauung nur eine von vielen unterschiedlichen Basissätzen von Annahmen, die das Universum betreffen, in dem wir leben; aber die christliche Weltanschauung ist die einzige Weltanschauung, die in der Bibel gelehrt wird. Die christliche Weltanschauung ist die einzige Weltanschauung, die christuszentriert ist. Daher glaubt der wahre Christ, dass, auch wenn seine Weltanschauung die Weltanschauung der Minderheit ist (die Mehrheit der Menschen, sogar in „christlichen“ Ländern, akzeptieren die christliche Weltanschauung nicht), sie die einzig vollständig wahre Weltanschauung ist, weil sie Gottes Gedanken entspringt.

Vielleicht wäre an dieser Stelle eine Illustration hilfreich. Stelle dir ein großes Puzzle vor, in dem jedes Puzzleteil ein Stück Wahrheit darstellt. Wie ein ineinandergreifendes Puzzle greift die ganze Wahrheit ineinander. Es gibt kein „Stück Wahrheit“, das von dem ganzen Rest der Wahrheit unabhängig ist. Ob es eine Wahrheit in dem Bereich der Mathematik oder der Medizin oder der Moral oder in welchem Bereich auch immer ist, macht keinen Unterschied – alles muss zusammenhängen. Wenn wir ein Puzzle legen, dann stellen wir normalerweise zuerst den Rahmen fertig und dann bringen wir alle anderen Puzzleteile innerhalb dieses Rahmens richtig an. Das ist die Art und Weise, in der wir alle unsere eigenen Philosophien entwerfen. Der Rahmen ist unsere Weltanschauung oder unsere Reihe von Annahmen. Alle Stückchen und Teile der Wahrheit, die wir anhäufen, passen zu dieser Weltanschauung und sind in Bezug auf diesen Rahmen ausgerichtet. 

Wenn unser Rahmen verzerrt ist oder falsch zusammengesetzt wurde, dann werden die anderen Teile nicht passen, bis wir sie hineinzwängen. (Puzzler kennen es bestimmt, dass manchmal Teile mit Gewalt ins Puzzle „hineingequetscht“ werden.) Auf dem Gebiet der Philosophie wird viel mit Gewalt „hineingequetscht“. Zum Beispiel kann ein ausgezeichneter Mathematikprofessor, der kein Christ ist, in seinem Bereich des Puzzles alle Teile beieinanderhaben, alles wissen (tatsächlich viel mehr als der durchschnittliche Christ jemals hoffen könnte, auf diesem Gebiet alle Teile zusammenzubekommen!). Aber Dr. Mathematik „verkeilt“ nun sein Spezialgebiet mit seinen anderen beobachteten Sachverhalten und Erfahrungen in sein eigenes System der Annahmen. Die daraus entstandene Philosophie kann zusammenpassend erscheinen – besonders den Studenten, die wissen, dass der Professor in seinem Gebiet eine angesehene Persönlichkeit ist. Irgendwo entlang dieser Linie wird die Philosophie dieses nicht christlichen Professors jedoch einige „erzwungene Teile“ oder schwache Verbindungen oder Lücken (Löcher) oder lose Enden haben, so dass nicht wirklich alles zusammenhängt. Letztendlich aber hat sie keine feste Grundlage – sie ist leer! Aber sie sieht gut aus und hört sich gut an – sie ist trügerisch!

Ein gläubiger Student hat vielleicht nicht den IQ oder den Verstand des ungläubigen Professors. Im Sinne des Bildes: Der gläubige Student ist vielleicht überhaupt nicht sehr gut darin, philosophische „Puzzles“ zu legen, aber er hat den richtigen Rahmen! Die Reihe der Annahmen kommt bei dem Christen aus der Bibel und nicht aus seinen eigenen Ideen (die voreingenommen sein könnten). Indem er Teile der Wahrheit aufnimmt (von denen er einige vielleicht nicht genau versteht), kann er diese letztendlich in den richtigen Bereich des Puzzles einsetzen und sie in Bezug auf den Gesamtrahmen der christlichen Weltanschauung richtig einordnen. Er muss nicht auf die Teile „einhämmern“ oder sie verbiegen, er braucht nicht schummeln oder auf intellektuelle Weise unehrlich sein. Und die christliche Weltanschauung hängt wirklich zusammen! Sie lässt keine losen Enden herunterhängen oder umgeht schwierige Fragen wie das Böse, Grausamkeit und Leid. Überprüfe einige der anderen Weltanschauungen und sieh, wie diese Fragen dort in der Schwebe gelassen werden. Wie beantworten zum Beispiel die Weltanschauungen des Naturalismus oder des Existentialismus diese Fragen? Die christliche Weltanschauung gibt Antworten auf Themen wie Wunder, okkulte Phänomene, Schuld, Liebe, Schönheit und auf alles andere, was eine Weltanschauung erklären muss, wenn sie zusammenhängend ist. Geben andere Philosophien auf diesen Gebieten zufriedenstellende Antworten?

Kolosser 2,8 sagt uns, weshalb Philosophie, die nicht christuszentriert ist, leer und trügerisch ist. Bei ihr dreht „sich alles um, die Prinzipien […], die in dieser Welt herrschen, und nicht um Christus“. Philosophie, die auf menschlicher Tradition beruht, ist von Menschenhand geschaffene Philosophie. Und wer sagt, welcher Mensch recht hat? Die erste Grundannahme der christlichen Weltanschauung hingegen ist, dass ihre Philosophie aus Gottes Gedanken hervorkommt und dem Menschen durch den Mund Gottes mitgeteilt wurde. Wachsende Christen müssen besonders vorsichtig sein, dass sie nicht Ideen übernehmen, die in von Menschen gemachten Weltanschauungen entstanden sind, und diese in die christliche Weltanschauung hineinmischen. Denken wir zum Beispiel an die Evolutionstheorie. Diese Theorie kommt aus der Weltanschauung des Naturalismus, der behauptet, dass es nichts Übernatürliches gibt – eine Grundannahme dieser Weltanschauung. Sie sagt, dass wir Menschen nur komplexe Maschinen sind, die sich durch Zeit und Zufall aus reiner Materie entwickelt haben. Evolution geht aus der Weltanschauung des Naturalismus ganz natürlich hervor! Aber Evolution geht aus der christlichen Weltanschauung nicht ganz natürlich hervor. Sie muss durch das Konzept der theistischen Evolution hineingemischt werden. Ist theistische Evolution biblisch oder ist sie lediglich ein Eindringen einer fremden Idee in die christliche Weltanschauung? Schau dir die Aussage ganz genau an, bevor du riskierst, dich von einer Philosophie einnehmen zu lassen, die ihre Wurzeln in der Tat in der menschlichen Tradition anstatt in der Schrift hat.

Philosophie, die nicht christuszentriert ist, ist leer und trügerisch – nicht nur, weil sie von Menschen gemacht ist, sondern auch, weil sie sich auf „die Prinzipien, die in dieser Welt herrschen“ begründet. Was heißt das? Es gibt verschiedene mögliche Interpretationen für diesen Ausdruck, aber es scheint, dass die allgemeine Meinung ist, dass Weltanschauungen, die nicht christuszentriert sind, zu klein sind. Sie sind vielleicht in einigen Gebieten angemessen und wahr, aber sie sind nicht groß genug, um alle Einzelheiten des Universums zu berücksichtigen, und sie sind nicht groß genug, um zu erklären oder eine angemessene Basis dafür zu geben, was in ihnen enthalten ist. Die Weltanschauung des weltlichen Humanismus zum Beispiel ist nicht groß genug, um eine angemessene philosophische Basis für die Tatsache zu geben, dass der Mensch moralisch ist.

Wenn Jesus Christus Gott ist, wie es Kolosser 2,9 ausdrücklich sagt, dann ist Er das Zentrum und der Brennpunkt dieses Universums. „Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge“ (Röm 11,36). Jede Philosophie, die nicht christuszentriert ist, muss leer und trügerisch sein. In Christus sind „verborgen … alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ (Kol 2,3). Achte gut darauf, dass du nicht selbst zulässt, dass du durch leere und trügerische Philosophie gekidnappt wirst.


Originaltitel: „Kidnapped Through Philosophy“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Melanie Lenk

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