Der Auftrag Moses
2. Mose 3 und 4

Edward Dennett

© SoundWords, online seit: 30.08.2001, aktualisiert: 04.10.2018

Leitverse: 2. Mose 3; 4

Einleitung

Mose war nicht weniger als vierzig Jahre in der Wüste und lernte dort das, was er gebrauchte für sein zukünftiges Werk. Dort wurde dort zubereitet zu einem brauchbaren Werkzeug für Gott und als der Erretter für sein Volk. Was für ein Kontrast ist das zu seinem früheren Leben am Hofe Pharaos! Dort war er mit allem Luxus und allen Vorzügen jener Zeit umgeben, hier ist er ein einfacher Schafhirte, der die Herde seines Schwiegervaters Jethro hütet.

Vierzig ist die Zahl der Prüfungen. Das sehen wir z.B. bei den vierzig Jahren, die Israel in der Wüste zubrachte, und an den vierzig Tagen der Versuchung des Herrn zu Beginn seines Dienstes. Es war hier für Mose eine Probe, um zu prüfen, was Mose war, aber auch für ihn eine Zeit, in der er prüfen konnte, was Gott war. Und diese zwei Dinge müssen immer gelernt werden, bevor wir imstande sind, einen Dienst zu tun. Gott sendet immer seine Diener in die Wüste, bevor Er sie in seinen Dienst stellt. Nur dort können wir so völlig in die Gegenwart Gottes gebracht werden. Nur dort allein mit Ihm kennen wir die vollständige Nichtigkeit der menschlichen Hilfsquellen und gehen dann ein in die Abhängigkeit zu Gott. Und wie gesegnet ist es, abgeschnitten zu sein von den geschäftigen Aufenthaltsorten der Menschen und eingeschlossen zu sein, wie Mose es hier war, in die Gemeinschaft mit Gott, um in enger Gemeinschaft mit Ihm seine Gedanken mit uns kennenzulernen und seine Interessen und seinen Dienst zu erlernen. Wirklich, dies ist eine dauernde Notwendigkeit für jeden treuen Diener: viel allein zu sein mit Gott. Wo das vergessen wird, bringt Gott es oft in der Zartheit seines Herzens hervor durch das züchtigende Eingreifen seiner Hand. Und endlich kommt dann auch die Zelt, wann Gott eingreifen kann in die Geschehnisse seines Volkes.

Aber lasst uns die Zusammenhänge wiederholen. In dem ersten Kapitel wird das Volk in seiner Unterdrückung gesehen. Im zweiten Kapitel wird Mose geboren und auferzogen im Hause des Pharao. Dann nimmt er Kenntnis von dem Los seines Volkes, und mit warmer Anteilnahme versucht er, sie aus ihrem Übel zu befreien. Aber der Erfolg ist, dass er in die Wüste fliehen muss. Nach vierzig Jahren, nachdem er also achtzig Jahre alt geworden war, wird er wieder nach Ägypten gesandt. Das dritte und vierte Kapitel enthält den Auftrag, den er von Gott bekommt, und seine Unwilligkeit, diesen Auftrag auszuführen. Aber bevor es dahin kommt, finden wir am Ende des zweiten Kapitels eine kurze Einleitung, die eigentlich zum dritten Kapitel gehört und mit diesem in Verbindung steht, woraus hervorgeht, aus welches Grund jetzt Gott eingreifen will zur Erlösung seines Volkes.

Zuerst wird uns mitgeteilt, dass der König von Ägypten starb. Aber dieser Tod brachte keine Änderung in die Umstände der Kinder Israel. Andererseits: „Und es geschah während jener vielen Tage, da starb der König von Ägypten; und die Kinder Israel seufzten wegen des Dienstes und schrien; und ihr Geschrei wegen des Dienstes stieg hinauf zu Gott“ (2Mo 2,23). Das Volk Gottes war nun in die größte Not gekommen, aber Gott war nicht gleichgültig ihnen gegenüber: „Und Gott hörte ihr Wehklagen, und Gott gedachte seines Bundes mit Abraham, mit Isaak und mit Jakob; Und Gott sah die Kinder Israel, und Gott nahm Kenntnis von ihnen“ (2Mo 2,24.25). Ihre Umstände bewegten das Herz Gottes. Es drängte Ihn, seine Gnade anzuwenden. Aber der Grund, aus welchem Er handelte, war seine unumschränkte Gnade, die bereits Ausdruck fand in dem Bund, den Er mit Ihren Vätern gemacht hatte. 

Es war dieselbe Gnade und Treue zu seinem Wort, die Maria und Zacharias zum Ausdruck brachten in ihrem Loblied in Verbindung mit der Geburt des Heilandes und seines Vorläufers Johannes: „Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, damit er eingedenk sei der Barmherzigkeit (wie er zu unseren Vätern geredet hat) gegen Abraham und seinen Samen in Ewigkeit“ (Lk 1,54.55). Und wiederum: „Und uns ein Horn des Heils aufgerichtet hat in dem Hause Davids, seines Knechtes um Barmherzigkeit zu vollbringen an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, um uns zu geben, dass wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage“ (Lk 1,69.72-75). Es ist unmöglich, dass Gott sein Wort vergessen könnte. Und wenn Er sein Versprechen einlöst, so ist es auch ein weiterer Beweis seiner unumschränkten Gnade und Liebe.

Nachdem wir nun mit diesen wenigen Worten die Grundlage gelegt haben, wollen wir die nächste Szene betrachten, die uns zeigt, wie Gott mit Mose verkehrt.

Der Dornbusch

2Mo 3,1-4: 1 Und Mose weidete die Herde Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian. Und er trieb die Herde hinter die Wüste und kam an den Berg Gottes, an den Horeb. 2 Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus einem Dornbusche; und er sah: und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, und der Dornbusch wurde nicht verzehrt. 3 Und Mose sprach: Ich will doch hinzutreten und dieses große Gesicht sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt. 4 Und als der HERR sah, dass er herzutrat, um zu sehen, da rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Und er sprach: Hier bin ich. 

Es ist sehr interessant, zu verfolgen, wie Gott sich dem Volke nähert. Und wir sahen, wie jedes Mal die Art und Weise den geistlichen Umständen der Gegebenheit angepasst ist. Siehe 1. Mose 12; 18; 32 sowie Josua 5 und andere mehr. Hier ist die Annäherung in dem bestimmten Zusammenhang mit der Mission, zu der Mose gebraucht werden sollte. Da sind drei Teile bei der Erscheinung, die zu beachten sind: der Herr, die Feuerflamme und der Dornbusch. Bemerke, dass zuerst gesagt wird, dass der Engel Mose erschien (2Mo 3,2). Und dann: „Und als der HERR sah, dass er herzutrat, um zu sehen, da rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusche zu und sprach: Mose! Mose! Und er sprach: Hier bin ich“ (2Mo 3,4). 

In 1. Mose 22,16 lesen wir: „Und der Engel des HERRN rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der HERR {eig. ist der Spruch des HERRN}, dass, weil du dieses getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.“ Der Engel des HERRN ist also das Gleiche wie der HERR, ja wie Gott selbst. Und es besteht kein Zweifel, dass all die Erscheinungen des Engels des HERRN in den alttestamentlichen Schriften uns immer die Fleischwerdung des Sohnes Gottes versinnbildlichen wollen, und besonders in all diesen Fällen handelt es sich um die zweite Person der göttlichen Dreieinigkeit, Gott der Sohn.

Die Feuerflamme ist ein Symbol der Heiligkeit Gottes. Diese wird uns auf verschiedene Arten gezeigt, besonders in dem Feuer auf dem Altar, welches das Opfer verzehrt. Und in dem Brief an die Hebräer finden wir den wichtigen Ausdruck: „Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ Das alles spricht uns von seiner Heiligkeit. 

Der Dornbusch bildet ein Bild von Israel. Normalerweise wird durch ein Feuer nichts leichter verzehrt als ein Dornbusch. Und dieser Dornbusch wurde auserlesen, um das Sinnbild der Nation Israel zu sein. Das Feuer brannte unbarmherzig um den Dornbusch herum, aber war nicht imstande, ihn zu verzehren. Und so war es ein tröstlicher Beweis für das Herz Moses, denn er konnte es wohl verstehen, dass sein Volk bewahrt würde, wie stark das Feuer auch brennen möge. Mit anderen Worten also: Es war das, was dem Geist Moses gezeigt wurde, ein Dornbusch in der Wüste, brennend, aber ohne verzehrt zu werden. 

Es besteht kein Zweifel, dass Gott im Begriff stand, in der Mitte Israels zu wirken. Mose und sie mussten es wissen. Sie sollten auch in ihrer Schwachheit das auserwählte Gefäß seiner Macht werden, und das in seiner unendlichen Gnade. Ihr Gott und auch der unsrige würde sich erweisen als ein verzehrendes Feuer. Welch eine ernste, aber unendliche Gnadenbezeugung. So sehen wir auf der einen Seite Ihn als das verzehrende Feuer und auf der anderen Seite den Dornbusch in seiner ganzen Schwäche, im Begriff stehend, ausgelöscht zu werden, der aber nichtsdestoweniger bestehen bleibt, um zu beweisen, dass, wie immer auch die Prüfungen und das gerichtliche Eingreifen Gottes sein mag, was immer die Versuchungen und Schärfe von Menschen, was immer auch sein mag, Er sich offenbart in seiner Güte sowie in seiner Macht. 

Und so war es auch sicherlich hier. Er erhält den Gegenstand seiner Gnade und benutzt die Übungen und Prüfungen für nichts anderes als ohne Zweifel zu seiner eigenen Herrlichkeit, aber unzweifelhaft darüber hinaus auch zum besten derer, die sein sind.

Mose wurde sicherlich von diesem großen Gesicht angezogen, und darum trat er hinzu, um es zu sehen. Aber dann geschah es, dass Gott ihm aus dem Dornbusch zurief, und Er rief ihn mit Namen. Aber er musste erinnert werden an die Heiligkeit der göttlichen Gegenwart.

2Mo 3,4.5: 4 Gott rief ihm mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Und er sprach: Hier bin ich. 5 Und er sprach: Nahe nicht hierher! Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land. 6 Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. 

Vergleiche auch 4. Mose 5,1-3 und Josua 5,15. Dieses ist die erste Lektion, die alle lernen müssen, die sich Gott nahen wollen, nämlich das Anerkennen seiner Heiligkeit. Es ist wahr, Er ist ein Gott der Gnade und Güte, und es ist ebenso wahr, dass Er Liebe ist, aber alles das ist Er, weil Er ein heiliger Gott ist, und Er hätte sich niemals in diesem glückseligen Charakter offenbaren können, wenn sich nicht am Kreuze unseres Herrn Jesus Christus die Gnade und Wahrheit begegnet wären und sich Gerechtigkeit und Frieden geküsst hätten. Aber unsere Füße sollten unbeschuht sein. Wir sollten uns stets an die Heiligkeit dessen erinnern, mit dem wir es zu tun haben. Ohne das können wir niemals in der wunderbaren Gemeinschaft mit Ihm seine Gedanken und seinen Willen zur Kenntnis nehmen.

Der Gott der Väter

2Mo 3,6: Und er sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verbarg Mose sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.  

Das nächste Bezeichnende, was wir hier finden, ist, dass Er sich Mose offenbart als der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Diese Offenbarung geschah, um in der Seele Moses zu wirken. Und die Wirkung blieb nicht aus, da er im gebeugten Herzen vor dem war, der zu ihm sprach: „Ich bin der Gott deiner Väter.“ (Siehe auch 1. Könige 19,13.) 

Gottes Vorsatz

2Mo 3,7-10: 7 Und der HERR sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes, das in Ägypten ist, und sein Schreien wegen seiner Treiber habe ich gehört; denn ich kenne seine Schmerzen. 8 Und ich bin herabgekommen, um es aus der Hand der Ägypter zu erretten und es aus diesem Land hinaufzuführen in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig fließt, an den Ort der Kanaaniter und der Hethiter und der Amoriter und der Perisiter und der Hewiter und der Jebusiter. 9 Und nun siehe, das Schreien der Kinder Israel ist vor mich gekommen; und ich habe auch den Druck gesehen, womit die Ägypter sie drücken. 10 Und nun geh hin, denn ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten herausführst.

Dann eröffnet ihm der HERR seinen Vorsatz, der Auserwählung Moses (2Mo 3,7-10). Der Inhalt dieser Mitteilung ist besonders bemerkenswert. Gott offenbart sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sein eigener Charakter ist die Grundlage all seines Handelns. Es ist außerordentlich stärkend für die Seele, diese Belehrung zu verstehen – Gott findet stets seine Beweggründe in sich selbst. Der Beweggrund ist immer in dem, was Er ist, und nicht in dem, was wir sind (vgl. auch Eph 1,3-6 und 2Tim 1,9.10).

Der Grund seines Handelns waren die Verhältnisse seines Volkes: „Gesehen habe ich das Elend meines Volkes, das in Ägypten ist, und sein Schreien wegen seiner Treiber habe ich gehört; denn ich kenne seine Schmerzen“ (2Mo 3,7). Welch große Zärtlichkeit! Da hören wir kein Wort, dass die Kinder Israel zu dem HERRN geschrien hatten. Sie haben geseufzt und geschrien wegen ihrer Knechtschaft, aber das sagt nicht, dass sie sich zum Herrn gewandt hätten. Aber ihr Unglück hatte sein Herz erreicht. Er kannte ihre Schmerzen und hatte sich herabgeneigt, sie zu erlösen. „So erweist Gott seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“ (Röm 5,8).

Es war sein Vorsatz, das Volk aus Ägypten zu erretten und in ein gutes und geräumiges Land zu führen, in ein Land, das von Milch und Honig fließt, an den Ort der Kanaaniter und Hethiter, der Amoriter und der Perisiter und der Hewiter und der Jebusiter (2Mo 3,8). Die Wüste wird nicht genannt. So lesen wir auch im Römerbrief: „Die er gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“ Wir sollen verstehen, was schon oft ausgeführt wurde: dass die Wüste kein Teil der Ratschlüsse Gottes ist. Sie gehört zu seinen Wegen, aber nicht zu seinen Ratschlüssen. Die Wüste ist da, um das Fleisch zu prüfen, dass wir erkennen, was wir sind, und auch, was Gott ist (s.a. 3Mo 8,2.3). Aber soweit es die Vorsätze Gottes betrifft, gibt es nichts zwischen Errettung und Verherrlichung. So war im vorliegenden Fall nur ein Weg von elf Tagen von Horeb bis nach Kades-Barnea. Aber die Kinder Israel haben für diese Strecke aufgrund ihres Unglaubens vierzig Jahre benötigt.

Mose ist auserwählt als ihr Erretter. Der Herr hatte das Schreien des Volkes gehört, obschon es sich nicht an Ihn wandte, und ihre Bedrückung gesehen. Darum will Er Mose zu dem Pharao senden, damit er sie aus Ägypten herausführe (s. 2Mo 3,9.10). Nun sehen wir die traurigste Zurschaustellung des Zukurzkommens von Seiten Moses. Als er in Ägypten war, lief er, bevor er ausgesandt war. Er dachte, dass er durch die Kraft seines eigenen Willens seine Brüder freimachen oder aber wenigstens ihre Leiden verringern könnte. Aber nun, nachdem er 40 Jahre in der „fleischtötenden Einsamkeit“ der Wüste zugebracht hatte, ist er nicht allein unwillig, den gesegneten Auftrag, den Gott ihm aufträgt, zu übernehmen, sondern er erhebt Einwendung auf Einwendung, bis er die endlose Geduld und Langmut Gottes ermüdet und sein Zorn gegen Moses entbrannte (s. 2Mo 4,14). Aber jedes neue Zukurzkommen Moses beweist die Gelegenheit, größere Gnade zu erweisen – denn Mose litt in diesem Fall daran, dass er es sein ganzes Leben hindurch versäumt hatte, der Stimme des HERRN zu gehorchen. Furchtbare Geschichte des Fleisches! So war es in der Vergangenheit, und so wird es auch in der Zukunft sein. 

Es gibt nur Einen, der stets bereit war, den Willen Gottes zu erfüllen, der immer das zu seiner Verherrlichung tat, und das war der vollkommene Diener, der Herr Jesus Christus. Lasst uns die Serie der Schwierigkeiten betrachten, die Moses vorbringt.

Mose widerspricht Gott

2Mo 3,11: Und Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu dem Pharao gehen und dass ich die Kinder Israel aus Ägypten herausführen sollte? 

Wer bin ich? Es ist richtig, dass wir stets unserer eigenen vollständigen Nichtigkeit gedenken sollen, denn wir selbst sind es wirklich nicht wert, etwas von uns zu halten. Aber es ist genauso richtig, dass wir viel von Gott halten sollen. Denn wenn Er uns senden will, ist es keine Frage, wer wir sind, sondern wer Er ist, und es ist nichts Kleines, mit seiner Gnade und Macht ausgerüstet zu sein. David hatte diese Lehre verstanden, als er gegen Goliath heraufzog. Er sprach zu ihm: „Ich komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast“ (1Sam 17,43).

Die Grundlage Moses war nichts anderes als Misstrauen. Das wird deutlich ausgedrückt in der Antwort, die er erhält:

2Mo 3,12: Weil ich mit dir sein werde. Und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich gesandt habe: wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr auf diesem Berge Gott dienen. 

Die Gegenwart des HERRN war sowohl die Bürgschaft für seine Sendung als auch die Quelle seiner Kraft, wie auch der Herr in späteren Tagen zu Josua sagt: „Ich werde dich nicht versäumen noch dich verlassen. Sei stark und mutig“ (Jos 1,5.6)

Gott kommt der Schwachheit Moses entgegen

Der Herr kennt die Bedürfnisse seines Knechtes und kommt seiner Schwachheit entgegen, indem Er ihm ein Zeichen gibt, das ihn beruhigen sollte. Sollte ihn das Zagen seines Herzens in Zweifel bringen, so dass er sagen konnte: Nun habe ich einen Beweis meiner göttlichen Sendung. Das war sicher genug, sein Zögern und seine Furcht zu beseitigen. Aber hören wir seine Antwort!

2Mo 3,13: Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen spreche: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie zur mir sagen: Welches ist sein Name?, was soll ich zu ihnen sagen?

Gott hatte sich schon Mose geoffenbart als der Gott seiner Väter. Das sollte doch genügen. Aber nichts kann ja Zweifel und Furcht zufriedenstellen. Welch ein Zwischenbild wird dabei auf den Zustand Israels geworfen? Es scheint, als ob zu bezweifeln wäre, dass sie den Namen des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs kennen würden. Gott trägt in Gnade seinen schwachen und unschlüssigen Knecht und antwortet:

2Mo 3,14: Ich bin, der ich bin. Und Er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: „Ich bin“ hat mich zu euch gesandt.

Das ist die Bezeichnung des lebendigen Gottes, sein Name als der Unveränderliche und dadurch bestätigt als der Ewig-Seiende. Das war sein Name, den der Herr Jesus braucht, als Er zu den ungläubigen Juden sagte: „Ehe Abraham ward, bin ich“ (Joh 8,38). Aber das ist nicht alles. Nachdem Er sich ihm offenbart hatte als der Ewig-Seiende, fügt Er hinzu:

2Mo 3,15: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name in Ewigkeit, und das ist mein Gedächtnis von Geschlecht zu Geschlecht. 

Es ist freie Gnade von Seiten Gottes, des „Ich bin“ in seinem unveränderlichen Namen, aber im Hinblick auf sein Reich auf und seine Beziehung mit dieser Erde ist sein Name der, an den sich alle Geschlechter erinnern können, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Dieses gab Israel, dem Gott sich unter diesem Namen offenbart und deren Er sich annimmt, eine Vorzugsstellung. Es zeigt ihnen in der Tat die Auserwählung durch die unumschränkte Gnade Gottes, erinnert sie an die Verheißungen ihrer Väter, und gleichzeitig offenbart es, dass Israel für alle Zeiten der Mittelpunkt der Wege Gottes sein wird und der Schlüssel zu seinen Ratschlüssen mit der Erde. Solange jedoch Israel unter Gesetz ist, zerstreut über die ganze Erde, ist die Zeit der irdischen Segnungen aufgeschoben.

Es war in seinem Namen beschlossen, dass Gott sich herabneigen wollte, um sie zu befreien, denn sobald Er das beschloss, gestattete gnädiglich seinem Volk, das Er so in Verbindung mit sich gebracht hatte, einen Platz einzunehmen in seiner Barmherzigkeit und seiner Güte.

In den Versen 16 bis 22 sind die einzelnen Instruktionen wiedergegeben, die Moses nun empfängt, in denen die ganze Geschichte des Kampfes Gottes mit Pharao gezeigt wird, die endlich mündet in der Errettung seines Volkes:

Die Vorkenntnis Gottes

2Mo 3,16-22: 16 Geh hin und versammle die Ältesten Israels und sprich zu ihnen: Der HERR, der Gott eurer Väter, ist mir erschienen, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und hat gesagt: Angesehen habe ich euch und das, was in Ägypten geschehen ist, 17 und ich habe gesagt: Ich will euch aus dem Elend Ägyptens heraufführen in das Land der Kanaaniter und der Hethiter und der Amoriter und der Perisiter und der Hewiter und der Jebusiter, in ein Land, das von Milch und Honig fließt. 18 Und sie werden auf deine Stimme hören; und du sollst hineingehen, du und die Ältesten Israels, zum König von Ägypten, und ihr sollt zu ihm sagen: Der HERR, der Gott der Hebräer, ist uns begegnet; und nun lass uns doch drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen, damit wir dem HERRN, unserem Gott, opfern. 19 Aber ich weiß wohl, dass der König von Ägypten euch nicht ziehen lassen wird, auch nicht durch eine starke Hand. 20 Und ich werde meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit allen meinen Wundern, die ich in seiner Mitte tun werde; und danach wird er euch ziehen lassen. 21 Und ich werde diesem Volk Gnade geben in den Augen der Ägypter, und es wird geschehen, wenn ihr auszieht, sollt ihr nicht leer ausziehen: 22 Und jede Frau soll von ihrer Nachbarin und von ihrer Hausgenossin silberne Geräte und goldene Geräte und Kleider fordern; und ihr sollt sie auf eure Söhne und auf eure Töchter legen und die Ägypter berauben.

Zunächst wird Mose aufgetragen, die Ältesten Israels zu versammeln und ihnen mitzuteilen, dass der HERR, der Gott ihrer Väter, ihm erschienen sei und ihm seine Ratschlüsse der Gnade mit ihnen gezeigt habe, indem Er sie aus dem Elend Ägyptens herausführen wolle in ein Land, das von Milch und Honig fließt (2Mo 3,16.17). Es war ihm mitgeteilt worden, dass sie auf seine Stimme hören würden und dass er mit ihnen zu dem Pharao gehen solle und dass sie von diesem die Erlaubnis erbitten sollten, drei Tagereisen weit in die Wüste zu ziehen, um dem HERRN, ihrem Gott, zu opfern (2Mo 3,18). Mose wurde da schon darauf hingewiesen, dass der Pharao seine Zustimmung verweigern würde, aber gleichzeitig wird ihm mitgeteilt, dass Gott sich selbst an dem König von Ägypten bezeugen und ihn dazu bringen würde, sie ziehen zu lassen; noch mehr: dass, wenn sie auszogen, sie nicht leer ausziehen sollten, sondern dass ein jeder von den Ägyptern fordern solle (2Mo 3,19-22). 

Diese Belehrungen sind wichtig für alle Zeiten, denn sie zeigen selbst dem Zweifel die genaue Vorkenntnis Gottes. Er wusste, mit wem Er es zu tun hatte. Er kannte den Widerstand, dem Er begegnen würde, und wusste, wie er zu besiegen war. Er sah alles von Anfang bis Ende. Wie beruhigend für unsere zagenden Herzen! Keine Schwierigkeit oder Prüfung kann uns begegnen, die uns nicht von Seiten Gottes zuvorbestimmt wäre und für die Er in seiner Gnade keinen Ausweg sähe. Alles ist zuvorbestimmt und zuvorbereitet im Blick auf unseren Endsieg und auf unser siegreiches Verlassen der Szene durch die Führung seiner errettenden Macht, um ewig bei dem Herrn zu sein.

Ein weiterer Einwand Moses

Sicherlich würde jetzt Mose zufriedengestellt sein. Aber hören wir, was Mose sagt:

2Mo 4,1: Mose antwortete und sprach: Aber siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören; denn sie werden sagen: der HERR ist dir nicht erschienen.

Kann Unglaube noch vermessener sein, denn der Herr hatte gesagt: Sie werden auf deine Stimme hören? Mose antwortet: Sie werden nicht auf mich hören. Würde es ein Wunder gewesen sein, wenn der HERR seinen so schwachen Knecht verworfen hätte, der es wagte, Ihm ins Angesicht zu widerstehen? Aber Er ist langsam zum Zorn und groß an Güte. Und wahrhaft, diese Szene ist voll von Herrlichkeit, indem sie uns die Tiefen seiner Gefühle und die Langmut seines göttlichen Herzens offenbart. Er trägt deshalb seinen Knecht in Geduld, neigt sich noch weiter zu ihm herab und gibt ihm noch weitere Zeichen, um seine Schwachheit zu stärken und seinen Unglauben zu besiegen.

Der Stab und der Aussatz

2Mo 4,2-9: 2 Da sprach der HERR zu ihm: Was ist das in deiner Hand? Und er sprach: Ein Stab. 3 Und er sprach: Wirf ihn auf die Erde. Da warf er ihn auf die Erde, und er wurde zur Schlange; und Mose floh vor ihr. 4 Und der HERR sprach zu Mose: Strecke deine Hand aus und fasse sie beim Schwanz. Und er streckte seine Hand aus und ergriff sie, und sie wurde zum Stab in seiner Hand ? 5 damit sie glauben, dass der HERR dir erschienen ist, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. 6 Und der HERR sprach weiter zu ihm: Stecke doch deine Hand in deinen Gewandbausch. Und er steckte seine Hand in seinen Gewandbausch; und er zog sie heraus, und siehe, seine Hand war aussätzig wie Schnee. 7 Und er sprach: Tu deine Hand wieder in deinen Gewandbausch. Und er tat seine Hand wieder in seinen Gewandbausch; und er zog sie aus seinem Gewandbausch heraus, und siehe, sie war wieder wie sein Fleisch. 8 Und es wird geschehen, wenn sie dir nicht glauben und nicht auf die Stimme des ersten Zeichens hören, so werden sie der Stimme des anderen Zeichens glauben. 9 Und es wird geschehen, wenn sie selbst diesen zwei Zeichen nicht glauben und nicht auf deine Stimme hören, so sollst du vom Wasser des Stromes nehmen und es auf das Trockene gießen; und das Wasser, das du aus dem Strom nehmen wirst, wird zu Blut werden auf dem Trockenen.

Wir sehen also zwei weitere Zeichen, den ersten hinzugefügt. Dann, wenn sie weder auf das erste noch auf das zweite Zeichen hören würden, wird noch ein drittes hinzugefügt. Es wird ihm befohlen, Wasser des Stromes zu nehmen und es auf das Trockene zu gießen, und es wird zu Blut werden auf dem Trockenen 

Diese Zeichen, die Mose gegeben werden, sind prophetisch und im Besonderen, das sollte beachtet werden, im Zusammenhang mit dem vorher besprochenen Inhalt.

Ein Stab ist in der Schrift immer das Symbol von Autorität und Macht. Niedergeworfen wird er zur Schlange. Eine Schlange ist das wohlbekannte Bild von Satan. Der niedergeworfene Stab bedeutet also satanische Macht, und das war genau das, was in Ägypten in Bezug auf die Kinder Israel in Erscheinung trat. Doch Mose streckt seine Hand aus nach dem Worte des HERRN und nimmt die Schlange beim Schwanz, und sie wird wieder zum Stab. Die Macht, die vorher satanisch gewesen war, erfasst von Gott, wird zum Stab der Züchtigung oder des Gerichtes. So wird dieser Stab in der Hand Moses zum Stab der göttlichen Autorität und der gerichtlichen Macht.

Aussatz ist ein Bild der Sünde und der Befleckung durch sie, ein Bild der Sünde, die im Fleisch ausgebrochen ist, und es befleckt, indem sie den ganzen Menschen bedeckt. Das zweite Zeichen zeigt uns also mit Sünden bedeckt, und, wie wir wissen, war die einzige Möglichkeit der Heilung im Tode Christi. „Das Blut des Jesu Christi des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde.“ Wasser zeigt uns etwas Reinigendes. Die Quelle alles Lebens und des Reinigenden, was von Gott kommt. Aber sehen wir es aus der Erde kommend, bedeutet es Gericht und Tod.

Die Kraft muss von Gott kommen

Mit solchen Zeichen ausgerüstet, konnte Mose sicher hingehen und selbst den stärksten Zweifler überzeugen. Nun, aber er ist selbst noch nicht zufrieden, wenn er jetzt antwortet:

2Mo 4,10: Ach, Herr! Ich bin kein Mann der Rede, weder seit gestern noch seit vorgestern, noch seitdem du zu deinem Knechte redest; denn ich bin schwer von Mund und schwer von Zunge.

Diese Ausführungen zeigen uns ganz deutlich, dass sein Ich der Balken in seinem Auge war, der den Blick des Glaubens behinderte. Denn war es seine Beredsamkeit oder die Macht Gottes, die die Errettung Israels bewirken sollte? Er spricht hier, als ob alles abhängen würde von den sorgfältig gewählten Worten menschlicher Weisheit und als ob seine Sendung auf menschliche Art von einem natürlichen Menschen ausgegangen sei. 

Wie ähnlich ist doch dieser Fehler sogar in der Kirche Gottes! Diese Beredsamkeit ist es auch oft, was Christen wünschen. Aber lasst uns alles unter die Macht Gottes stellen. Die Kanzeln sind im Christentum oft mit Männern gefüllt, die nicht eine schwere Zunge haben, und sogar die Heiligen, die in der Theorie die Wahrheit kennen, werden getäuscht und gefesselt von glänzenden Gaben und finden Vergnügen in ihrer Kunst, ohne in Verbindung zu stehen mit der Wahrheit. Wie unterschied sich davon der Gedanke, den Paulus den Korinthern sagte: „Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht nach Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit, euch das Zeugnis Gottes verkündigend. und meine Rede und meine Predigt war nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft“ (1Kor 2,1.4). Es ist häufig so, dass Gott den benutzt, der schwer von Zunge ist, weit mehr als solche, die beredt sind, denn in solchem Falle ist nicht die Versuchung da, auf menschliche Weisheit zu bauen, sondern alles wird von der Kraft Gottes erwartet. Das soll uns diese Lektion lehren, eine Lektion, die gleichzeitig einen vernichtenden Tadel enthält, womit der HERR nun Moses unterweist, indes Er sagt:

2Mo 4,11.12: 11 Da sprach der HERR zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund gemacht? Oder wer macht stumm oder taub oder sehend oder blind? Nicht ich, der HERR? 12 Und nun gehe hin, und ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du reden sollst.

Sein Diener konnte Ihm nichts mehr erwidern, aber die Gefahr liegt nahe, dass wir vergessen, dass die Kraft, in der der Herr uns sendet, uns selbst keine Ehre bringen kann. Auf der Gegenseite können wir es betrachten, wie es der Apostel tat, indem er sagte: „Die Gegenwart des Leibes ist schwach und die Rede verächtlich“ (2Kor 10,10). Aber was tut das alles, wenn wir zu Trägern der göttlichen Kraft geworden sind? Der Diener muss lernen, dass er nichts ist, auf dass der Herr allein erhoben werde. Aber Mose wünschte augenscheinlich, selbst etwas zu sein, und überwältigt von der Aussicht und vielleicht auch niedergebeugt durch den Gedanken an seine Unfähigkeit und ungeachtet der Gnade und Herablassung des Herrn wünschte er, von solch einer schwierigen Sendung verschont zu bleiben. Daher sagte er:

2Mo 4,13: Und er sprach: Ach, Herr! Sende doch, durch wen du senden willst!

Das heißt: Sende, wen du willst, aber nicht mich!

Aaron soll der Mund Moses sein

Fünfmal hatte er nun Einwendungen gegen die Anordnungen des Herrn erhoben, gestützt auf seine Güte und Langmut. 

2Mo 4,14-16: 14 Da entbrannte der Zorn des HERRN gegen Mose, und er sprach: Ist nicht Aaron, der Levit, dein Bruder? Ich weiß, dass er reden kann; und siehe, er geht auch aus, dir entgegen; und sieht er dich, so wird er sich freuen in seinem Herzen. 15 Und du sollst zu ihm reden und die Worte in seinen Mund legen, und ich will mit deinem Mund und mit seinem Mund sein und will euch lehren, was ihr tun sollt. 16 Und er soll für dich zum Volk reden; und es wird geschehen, er wird dir zum Mund sein, und du wirst ihm zum Gott sein.

So war das Zögern Moses überwältigt, aber nicht eher, als bis der Zorn Gottes gegen ihn entbrannte wagen der Unwilligkeit, seinem Wort zu gehorchen. Aber er verlor viel. Aaron wurde Ihm hinfort zugesellt, und in der Tat er sollte gegenüber den Menschen die gehobenere Stellung einnehmen, denn er war der Sprecher seines Bruders. Aber in seiner grenzenlosen Gnade räumt der Herr seinem Diener Mose den Hauptplatz vor sich ein, denn Er gibt ihm die Ehre und das Privileg, das Bindeglied zwischen sich selbst und Aaron zu sein. Aaron sollte der Mund Moses sein. Mose sollte Aaron Gott sein, d.h., er musste Aaron die Botschaften, die ihm gegeben worden waren, übertragen.

Die göttlichen Vorsätze können nicht vereitelt werden, aber wir können leiden durch unsere Halsstarrigkeit und unseren Ungehorsam. So war es auch mit Mose. Wie oft geschah es später während der 40-jährigen Wüstenwanderung, dass er den Unglauben beklagen musste, was ihn dahin brachte, die Belohnung Gottes abzulehnen, der es wünschte, sich seiner allein zu erbarmen. Endlich wird Mose der Stab der Autorität gegeben, der Stab, mit dem er die Macht Gottes beweisen sollte in Zeichen und Wundern als ein Beweis seiner Sendung. Sein Stab spielt eine sehr wichtige Rolle in der ganzen weiteren Laufbahn Moses, und es ist sehr beachtenswert, wenn wir die Gelegenheiten betrachten, bei denen er den Stab benutzt. Hier wurde der Stab das Siegel seiner Sendung sowohl als auch der Beweis seiner Berufung, denn er war wirklich mit der Autorität ausgestattet von Gott, sein Volk aus dem Land Ägypten auszuführen.

Mose ist nun bereit zu gehen

Mose kehrt nun zurück, um sich die Erlaubnis Jethros zu erbitten, nach Ägypten zu gehen. Gott hatte auch diesen Weg bereitet und beeinflusst, so dass dieser zu Mose sagte: „Ziehe hin in Frieden.“ Der Herr wacht über seinem Diener und nimmt die Gefühle seines Herzens zur Kenntnis und zerstört noch dadurch seine Furcht, indem Er sagt: 

2Mo 4,19.20: 19 Und der HERR sprach zu Mose in Midian: Geh hin, kehre nach Ägypten zurück; denn alle Männer sind gestorben, die nach deinem Leben trachteten. 20 Und Mose nahm seine Frau und seine Söhne und ließ sie auf dem Esel reiten und kehrte in das Land Ägypten zurück; und Mose nahm den Stab Gottes in seine Hand.

In Bezug auf Vers 19 lohnt es sich, Matthäus 2,20 hinzuzuziehen, wo wir finden: „Stehe auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel, denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach seinem Leben trachteten.“

Daraufhin gibt der Herr Mose weitere Instruktionen und offenbart ihm die Art der zukünftigen Gerichte, mit denen Er Pharao schlagen wird, um sein Volk ziehen zu lassen, ja noch mehr, Er zeigt ihm noch mehr: Er zeigt ihm das wahre Verhältnis, in das Er Israel durch seine Gnade gebracht hatte. Denn zum ersten Mal wird diese Offenbarung kund: „Mein Sohn, mein Erstgeborener ist Israel“, und in Beachtung dieser Tatsache müssen wir den Charakter der Schläge verstehen, die nun auf Ägypten fallen sollten.

2Mo 4,22.23: 22 Und du sollst zum Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein Sohn, mein erstgeborener, ist Israel; 23 und ich sage zu dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient! Und weigerst du dich, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen Sohn, deinen erstgeborenen, töten.

Eines fehlte Mose noch

In diesem Zusammenhang sollen wir auch an 4. Mose 8,14-18 denken, wo wir lesen: „Und du sollst die Leviten aus der Mitte der Kinder Israel aussondern, dass die Leviten mir gehören. Und danach sollen die Leviten kommen, um das Zelt der Zusammenkunft zu bedienen. So sollst du sie reinigen und sie als Webopfer weben. Denn sie sind mir ganz zu eigen gegeben aus der Mitte der Kinder Israel; anstatt alles dessen, was die Mutter bricht, anstatt jedes Erstgeborenen aus den Kindern Israel habe ich sie mir genommen. Denn mein ist alles Erstgeborene unter den Kindern Israel an Menschen und an Vieh. An dem Tage, da ich alle Erstgeburt im Lande Ägypten schlug, habe ich sie mir geheiligt.“ Eines fehlt nun Moses besonders noch für seine Aufgabe: Der Glaube muss herrschen im Kreise seiner eigenen Verantwortlichkeit, bevor er zum Kanal der göttlichen Macht gemacht werden kann. Gehorsam im eigenen Hause muss dem Zurschaustellen der göttlichen Macht vorausgehen. Das erklärt den Inhalt der folgenden Verse:

2Mo 4,24-26: 24 Und es geschah unterwegs, in der Herberge, da fiel der HERR ihn an und suchte ihn zu töten. 25 Da nahm Zippora einen scharfen Stein und schnitt die Vorhaut ihres Sohnes ab und warf sie an seine Füße und sprach: Ein Blutbräutigam bist du mir! 26 Da ließ er von ihm ab. Damals sagte sie ?Blutbräutigam? der Beschneidung wegen.

Moses hatte – warum, wissen wir nicht – vielleicht durch den Einfluss seiner Frau, die Beschneidung seines Kindes vernachlässigt. Und da zwischen dem Herrn und ein persönlicher Konflikt bestand, musste dieser beseitigt werden, bevor er, ausgerüstet mit göttlicher Autorität, vor dem Pharao erschien. Der Herr warf ihn nieder, befasste sich mit ihm und brachte ihm diesen Fehler in Erinnerung, damit er ihn richte und auf den Pfad des Gehorsams zurückkehre. Mit anderen Worten gesagt: Gott beabsichtigte, Mose groß zu machen, aber da fand sich noch etwas im Hause vor, das Ihn (Gott) verunehrte.

Wie kam es, dass die Söhne Moses nicht beschnitten waren? Wie kam es, dass bei denen, die Mose am nächsten standen, das fehlte, was das Gestorbensein des Fleisches bedeutet? Wie kam es, dass die Verherrlichung Gottes in einem Punkt vergessen wurde, der dem Herzen des Vaters vorrangig sein sollte? Es ist möglich, dass die Frau etwas damit zu tun hatte. Sie war zuletzt verpflichtet, das zu tun, was sie am meisten hasste, wie sie es selbst sagt, bezüglich ihrer Söhne. Aber mehr als das, es gefährdete Mose, denn Gott hatte eine Streitfrage mit ihm, nicht mit seiner Frau. Mose war die verantwortliche Person, und Gott hielt auf seine Gebote. 

Die Worte, die wir hier betrachten, zeigen einen außer ordentlich wichtigen Grundsatz und erklären vollständig die Handlungsweise Gottes gegenüber Mose. Aber ihm war Gnade gegeben werden, sich unter seine züchtigende Hand zu beugen. Und es ist äußerst segensreich für uns, wenn wir imstande sind, mit Paulus zu sagen: „Wir selbst aber hatten das Urteil des Todes in uns selbst, auf dass unser Vertrauen nicht auf uns selbst wäre, sondern auf Gott“ (2Kor 1,9). Göttliche Autorität und persönliche Befähigung waren bei Mose die Zweigstöcke der göttlichen Gabe, und diese Zweigstöcke sollten nie voneinander getrennt sein. Für alle, die im Namen des Herrn sprechen oder von Ihm zu irgendeinem Dienst beauftragt sind, ist es ganz besonders wichtig, sich hieran zu erinnern. Nichts kann einen Mangel im Zustand der Seele ersetzen. Darin liegt nämlich der Grund, dass unser Dienst oft so schwach ist. Wenn auf unseren Wegen oder, im Falle Moses, in unserem Hause ungerichtete Dinge sind, wird der Geist Gottes gedämpft, und wir können nicht als Segenskanäle gebraucht werden. Es ist dabei nicht genug, wenn wir das Wort Gottes im Mund führen; die Kraft des Wortes muss in unserer eigenen Seele wirken, wenn wir unter der Leitung des Geistes und in seiner Kraft reden sollen.

Der Berg Gottes

Alles das ist nun ins Reine gebracht, und so finden wir nachfolgend eine wunderbare Szene am Ende des Kapitels – eine Szene, die das Herz Moses aufs Höchste erfreut haben muss und ihn durch die Segnungen Gottes gestärkt hat für den schwierigen Weg, den er nun einzuschlagen hatte. Zuerst jedoch sendet der HERR Aaron in die Wüste, um Mose zu treffen.

2Mo 4,27.28: 27 Und der HERR sprach zu Aaron: Geh hin, Mose entgegen in die Wüste! Und er ging hin und traf ihn am Berg Gottes und küsste ihn. 28 Und Mose berichtete Aaron alle Worte des HERRN, der ihn gesandt hatte, und alle Zeichen, die er ihm geboten hatte.

Der Ort ihres Treffens ist besonders bezeichnend. Es war der Berg Gottes (vgl. 2Mo 3,1), der Horeb, wo Gott dem Mose erschienen war. Hier nun trifft Mose Aaron, und dies war auch die Stelle, an der Mose später die zwei steinernen Tafeln empfängt mit den Zehn Geboten, geschrieben mit dem göttlichen Finger. Wir wollen jetzt nicht weiter darauf eingehen, aber wir wollen es beachten, denn es enthält eine praktische Belehrung für uns, denn es ist stets von größtem Segen, wenn sich Verwandte am Berg Gottes treffen. Dann wird, wie bei Mose und Aaron, sich die Unterhaltung um das Wort des Herrn bewegen, und das Treffen wird uns einen Segen bescheren. Wenn wir uns aber, wie es oft der Fall ist, mit einem niedrigen Gegenstand beschäftigen und die Unterredung sich nur um uns selbst bewegt und um unsere eigenen Belange, so wird das weder zur Verherrlichung Gottes noch zu unserem eigenen Nutzen sein.

Bemerken wir außerdem, dass der Berg Gottes der Ausgangspunkt für ihren Auftrag ist. Gesegnet sind solche Diener, die direkt von der Gegenwart Gottes an ihr Werk gehen. Als sie in Ägypten ankommen, versammeln sie zuerst die Ältesten Israels:

2Mo 4,29-31: 29 Und Mose und Aaron gingen hin, und sie versammelten alle Ältesten der Kinder Israel. 30 Und Aaron redete alle Worte, die der HERR zu Mose geredet hatte, und er tat die Zeichen vor den Augen des Volkes. 31 Und das Volk glaubte; und als sie hörten, dass der HERR sich den Kindern Israel zugewandt, und dass er ihr Elend gesehen habe, da neigten sie sich und beteten an.

Das Wort des Herrn war nun in Erfüllung gegangen. Mose hatte gesagt: Sie werden mir nicht glauben und meiner Stimme nicht gehorchen. Aber das Volk glaubte dem Wort des HERRN. Es ist wahr, dass sie später, als die Schwierigkeiten begannen, in ihrem Unglauben murrten, aber das kann die Herrlichkeit des Bildes, das wir hier vor uns haben, nicht verwischen. Wir sehen hier das Wort Gottes, wie es in seiner Frische und Kraft die Herzen der Ältesten erfasst und wie sie sich niederbeugen zur Anbetung seiner Gegenwart.


Originaltitel: „The Commission of Moses. Exodus 3, 4“, Kapitel 3
aus Exodus, being a simple exposition, 1889
Quelle: www.stempublishing.com

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