Rissige Zisternen
Jeremia 2,13

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 13.09.2002, aktualisiert: 11.01.2018

Leitvers: Jeremia 2,13

Jer 2,13: Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten.

Einleitung

Eine Zisterne war in den Ländern der Bibel ein künstlicher Wasserspeicher, der in den Boden gegraben oder in den Felsen gehauen wurde, um darin Wasser zu sammeln und aufzubewahren. Zisternen waren in Israel wegen der sehr langen Trockenzeit und der relativ wenigen natürlichen Quellen sehr wichtig. Aber eine rissige Zisterne war praktisch wertlos. Rissiger Felsen oder bröckeliges Mauerwerk konnte, wenn überhaupt, nur wenig schmutziges Wassers halten. Wasser in einer rissigen Zisterne zu sammeln und aufzubewahren, war genauso klug, wie ein Sieb als Kochgeschirr zu benutzen!

Torheit im Volk Gottes

Jeremia benutzte das Bild einer rissigen Zisterne, um auf die grenzenlose Torheit Israels, des Volkes Gottes, hinzuweisen. Er dachte sich dieses Bild nicht als „Predigt-Füllsel“ aus. Gott selbst gebrauchte diese Illustration in der Botschaft, die Er seinem Volk durch seinen Propheten Jeremia übermittelte (Jer 2,1.2.4.5). Die Botschaft war ein Tadel für das Volk, das sich seinem Gott nicht mehr völlig hingab. Die Predigt über die rissige Zisterne können wir auch heute auf Gottes Volk anwenden.

Betrachten wir nun den geschichtlichen Zusammenhang von Jeremia 2,13 etwas näher, damit wir verstehen, was die Botschaft über die rissige Zisterne eigentlich bedeutet. Jeremia predigte und lebte zu einer Zeit, als das Volk Juda, also der südliche Teil der Nation Israel, sich vom lebendigen Gott abgewandt hatte, um zu tun, was es selbst wollte. Sie gaben sich nicht mehr Gott hin und verließen sich nicht mehr darauf, dass Er ihre geistlichen Bedürfnisse stillte. In Jeremia 2 lesen wir, wie sie sich von der Quelle des lebendigen Wassers abkehrten und überall nach irgendetwas suchten, was ihren geistlichen Durst löschen sollte. Sie hatten sich selbst Zisternen des Götzendienstes und der Unmoral gegraben, in der Hoffnung, dass die irdischen Freuden dieser Sünden ihre Bedürfnisse befriedigen würden.

Unsere rissigen Zisternen

Aber das Volk Juda erkannte, dass die selbstgemachten Zisternen rissige Zisternen waren, die kein erfrischendes Wasser halten konnten – nicht einmal die kleinste Menge Wasser! Die Zisternen wurden nicht rissig, nachdem sie eine Zeitlang Wasser gehalten hatten. Nein, sie waren von dem Tage an rissig, an dem sie erbaut worden waren. Sie hielten niemals Wasser. Dies trifft auf alle selbstgebauten Zisternen zu. Pläne und Bemühungen, die wir aus eigener Kraft „bauen“, um geistliche Erfüllung abseits vom Herrn zu finden, werden unausweichlich im Misserfolg enden – sie sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Nur Gott selbst kann unseren geistlichen Durst löschen (Jes 55,1.2; Joh 4,10-14; 7,37.38).

Wende dich nicht von der Quelle ab

Als das törichte Volk Juda sich von Gott abwandte, der so viel für das Volk getan hatte, hatte es sich zweifach Bösen schuldig gemacht: Der Versuch, einen künstlichen Behälter zu errichten, um geistliches Wasser zu sammeln, war schlimm genug, aber sich abzuwenden und das Wasser der lebenspendenden Quelle zu verweigern, war tragisch! Wie konnte jemand bei klarem Verstand so etwas tun? Stellen wir uns einmal vor, wir befinden uns in einem ausgedörrten Land und sind durstig und wir wenden uns von der sprudelnden Quelle frischen Wassers ab, um unter der sengenden Sonne eine Zisterne im Boden zu graben, in der Hoffnung, ein wenig Regenwasser zu sammeln! Wenn sich in der Nähe keine Quelle befindet, ist das Beste, was wir tun können, eine Zisterne zu graben. Wenn eine Quelle in der Nähe wäre und wir wüssten es nicht, befänden wir uns in einer bedauernswerten Lage, aber man könnte uns für unsere eifrigen Versuche, Wasser zu sammeln, wenigstens bemitleiden. Wenn wir allerdings wüssten, dass in der Nähe eine Quelle mit frischem, fließenden Wasser ist, und wir wenden uns von dieser lebenspendenden Quelle ab, um eine Zisterne zu bauen, wären wir unglaublich dumm. Niemand hätte Mitleid mit uns, wenn unsere Versuche, zu graben, in einer leeren, rissigen Zisterne endeten.

Dies ist genau das Bild, das Gott in Worte malte, um seinem Volk zu zeigen, wie äußerst töricht und schuldig es war, als es sich von Ihm abkehrte. Die heidnischen Völker ringsum konnten wenigstens noch bedauert werden, wenn sie unwissend leblosen Göttern folgten, die ihren geistlichen Durst nicht stillen konnten. Außerdem waren diese Heidenvölker, anders als Juda, ihren Göttern treu ergeben (Jer 2,10.11)! Das Volk Juda aber verließ absichtlich seine Quelle des lebendigen Wassers, um aus seinen selbstgemachten, rissigen Zisternen zu trinken. Kein Wunder, dass die Himmel aufgefordert werden, entsetzt zu sein und zu schaudern angesichts solcher Torheit, Dummheit und solches Bösen (Jer 2,12)!

Kann es sein, dass heute einige von Gottes Leuten desselben zweifach Bösen schuldig sind wie das Volk Juda in den Tagen Jeremias? Kann es sein, dass wir uns so an das lebendige Wasser gewöhnt haben, dass wir von der Quelle abirren, um zu sehen, ob irgendwo anders noch Wasser vorhanden ist? Sind wir törichterweise damit beschäftigt, unsere eigenen Zisternen zu bauen? Was ist mit unserer Jagd nach einer erfolgreichen Karriere? Natürlich müssen wir einen Beruf haben, aber wenn Christen nach völliger Erfüllung im Beruf streben (und nur „Sonntagmorgen-Christen“ sind), könnte dies eine Art des Zisternenbauens sein. Was lesen wir gerne? Manche Christen verbringen viel Zeit damit, Magazine, Zeitungen und andere weltliche Literatur zu lesen, aber sie verbringen wenig Zeit damit (wenn überhaupt), die Bibel zu lesen. Warum? Vielleicht ist dies eine Art des Zisternenbauens. Auch wenn es an sich nicht falsch ist, Zeitungen und Magazine zu lesen – aber ist diese Literatur interessanter und anregender geworden als das Wort Gottes?

Wenn wir uns vom lebendigen Wort abwenden und übermäßig viel Zeit damit verbringen, unseren Durst auf andere Weise zu löschen zu versuchen, könnten wir derselben Sünden schuldig sein wie das Volk Juda. Das Gleiche gilt für Entspannung und Unterhaltung. Arbeit, lesen, Erholung – all diese Dinge sind an sich nicht falsch, sondern gut und hilfreich, wenn sie im richtigen Gleichgewicht gehalten werden. Aber wenn wir feststellen, dass wir uns mit diesen Dingen befassen, um im Leben Befriedigung und Erfüllung finden, bauen wir wahrscheinlich gerade auf eine raffinierte Weise eine Zisterne. Wir müssen zur Quelle des lebendigen Wassers zurückkehren, bevor wir zu spät bemerken, dass unsere selbstgebauten Behältnisse rissige Zisternen sind. […]

Abseits von der Quelle lebendigen Wassers können wir niemals volle Erfüllung und Befriedigung finden. Das abgestandene, schmutzige Wasser dieser Zisternen aufzulecken, kann den geistlichen Durst nicht stillen, sondern führt letztendlich zum Gift der Entmenschlichung. Verglichen mit der biblische Lehre vom erhabenen Ursprung des Menschen, der zum Bild Gottes erschaffen ist, sind die von Menschen gebauten Zisternen der Evolution trübe Wasser! Denken wir auch an das Herzeleid in zerrütteten Ehen und Familien; die Enttäuschung und die Leiden kommen daher, dass man aus den humanistischen Zisternen sexueller Freiheit trinkt.

Rückkehr ist immer möglich

Gott gab dem Volk Juda immer wieder Gelegenheit, zu Ihm zurückzukehren, aber das Volk entfernte sich immer weiter von Ihm. Um im Bild mit der Zisterne zu bleiben: Jeremia 2,18 zeigt, dass sie sich den Wassern des Nils und des Euphrats zuwandten, anstatt sich von den rissigen Zisternen zur Quelle des lebendigen Wassers zu wenden. Mit anderen Worten: Lieber erwarteten sie Schutz und Versorgung von den Göttern und der Herrschaft Ägyptens und Assyriens, als sich dem treuen Gott Israels zuzuwenden. In der Folge verkündete Gott, dass sein Volk ernten würde, was es gesät hatte (Jer 2,19). Und so wurde Juda erobert und nach Babylon in die Sklaverei verschleppt (am Fluss Euphrat), wo es das bittere Wasser trank, das es gewählt hatte. In Jeremia 42–44 erfahren wir, dass die Überlebenden im Land Israel gegen den ausdrücklichen Rat Jeremias nach Ägypten davonliefen und dort am Wasser des Nils starben.

Wie töricht ist es, mit dem Bösen des Zisternenbauens beschäftigt zu sein! Die Folgen solcher Rebellion sind heute genauso ernst und sicher wie vor zweitausendfünfhundert Jahren für das Volk Juda. Ob eine Nation sich von Gott abwendet, um aus den leeren Zisternen des säkularen Humanismus zu trinken, oder ob ein Christ abseits vom Herrn nach Befriedigung und Erfüllung sucht – die Bibel bezeugt, dass wir ernten, was wir säen (Gal 6,7). Darum wollen wir aller Mühe und allem Durst entfliehen und für immer aus der Quelle des lebendigen Wassers trinken!


Originaltitel: „Broken Cisterns“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Gabriele Naujoks

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