Beabsichtigte Probleme
Jakobus 1,2-8

David R. Reid

© CSV, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 23.09.2017

Leitverse: Jakobus 1,2-8

Jak 1,2-8: Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt, da ihr wisset, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, auf dass ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt. Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde ist gleich einer Meereswoge, die vom Winde bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde; er ist ein wankelmütiger Mann, unstet in allen seinen Wegen.

Probleme und Enttäuschungen gibt es in vielen Formen. Es gibt große Probleme wie den schmerzlichen Tod eines Freundes oder den unglücklichen Zerbruch einer Beziehung der Liebe. Es gibt mittlere Probleme wie die Streichung einer Urlaubsreise im Frühjahr. Und es gibt kleine wie das Anstellen in einer längeren Reihe oder das Verlieren des Schlüsselbundes oder den „Moralischen“ an einem Regentag.

Hat die Bibel zu solchen Prüfungen oder Widerwärtigkeiten etwas zu sagen? Oh ja! Eine der Stellen dazu ist das 1. Kapitel im Jakobusbrief. Wir wollen sehen, was uns dieser Abschnitt über Probleme zu sagen hat.

Das Erste, was wir aus diesem Abschnitt lernen, ist dies: Ein Christ sollte durchaus mit solchen Problemen rechnen. In Vers 2 heißt es: „… wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt.“ Ein Christ wird mit den Enttäuschungen des Lebens konfrontiert genau wie jeder andere.

Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen den Problemen und Enttäuschungen eines Gläubigen und den Frustrationen und Ängsten eines Ungläubigen. Ein Christ kann den Versuchungen des Lebens mit Freude begegnen – ausgerechnet das! Uns wird in Vers 2 gesagt, dass wir es „für lauter Freude erachten“ können, wenn die Welt um uns herum einzustürzen droht. Gott erwartet nicht von uns, dass wir voller Freude ausrufen „Preist den Herrn“, wenn wir wegen eines Autounfalls in ein Krankenhaus eingeliefert werden oder auf eine Stellenbewerbung ein negativer Bescheid kommt. Nein, wir können es „für lauter Freude erachten“, weil wir wissen (Jak 1,3), dass Gott mit jedem Problem, das Er uns begegnen lässt, einen bestimmten Zweck hat. Nichts geschieht durch Zufall oder überrascht Gott. Er ist immer Herr unserer Lage. Durch das Ineinanderspielen vieler unterschiedlicher Faktoren erlaubt Er jedoch gewissen Problemen, in unser Leben einzugreifen – beabsichtigte Probleme!

Eine ganze Reihe von Gottes Absichten in Verbindung mit den Versuchungen und Bedrängnissen des Lebens werden in der Bibel genannt. Die Verse 3 und 4 unseres Schriftabschnitts enthalten zwei dieser Absichten. 

Zuerst einmal ist es seine Absicht, unseren Glauben auf die Probe zu stellen. Gott prüft unseren Glauben! Wie rein und echt ist mein Glaube? Verschwindet er unter dem Druck der Ereignisse? Bleibe ich ruhig bei der plötzlichen und schockierenden Nachricht, dass ich Krebs im Endstadium habe, und beuge ich mich unter die souveräne Hand Gottes, oder balle ich die Faust in bitterer Rebellion gegen meinen Schöpfer? Aus 1. Petrus 1,7 wissen wir, dass die Erprobung unseres Glaubens köstlicher ist als die des Goldes, das durch Feuer erprobt wird. Gott benutzt die „Hitze“, um unseren Glauben zu läutern so wie ein wertvolles Material, das in einem Schmelztiegel geläutert wird. Wenn Hitze einwirkt, verbrennen die Unreinheiten, und das reine Metall bleibt übrig. Erst dann kann sich das Antlitz des Schmelzers auf der Oberfläche des Metalls widerspiegeln. Kann das Bild des Schmelzers in deinem Leben gesehen werden (siehe auch Psalm 66,10 und 2. Korinther 4,11)?

Eine weitere Absicht im Blick auf Probleme und Enttäuschungen des Lebens wird in Jakobus 1,3.4 genannt. Unser Glaube wird nicht nur erprobt und geläutert – er wird auch gestärkt. Das ist die Bedeutung der Ausdrücke „bewirkt Ausharren“ und „damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt“. Gott möchte keine „knetgummiartigen“ Kinder in seiner Familie haben. Er möchte, dass wir starke und reife, belastbare und ausgeglichene und abgeschliffene Söhne und Töchter sind. Ohne die Probleme des Lebens würde bei uns kein Ausharren entstehen. Krankheit, Leiden und Nöte können unsere Vertrauen auf den Herrn stärken. Die dunklen Wolken führen den Regen herbei, der nötig ist, um stärker zu werden. Der Aprilregen bringt die Maiblumen zum Erblühen. Diesen Grundsatz benutzt Gott sowohl in dem geistlichen Leben Seiner Kinder als auch im physikalischen Leben Seiner Schöpfung.

Der Ausdruck „das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk“ besagt, dass wir nicht gegen Gottes Absichten im Blick auf unser Leben rebellieren sollen. Wie gesagt, kann eine schwere Erfahrung bei Dir ärgerliche und bittere Kritik an Gott hervorrufen. Sie kann aber auch einen stärkeren und gereifteren Gläubigen, der auf Gott vertraut, aus Dir machen. All das hängt davon ab, ob Du nachgibst und Dich unterwirfst und Seine Absicht ein „vollkommenes Werk“ tun lässt oder nicht.

Vers 5 enthält sowohl eine Verheißung als auch eine Ermunterung. Im Zusammenhang dieser Schriftstelle bedeutet das hier, dass Du, wenn Du Weisheit brauchst in Bezug auf die Frage, warum Gott bestimmte Probleme in Deinem Leben zugelassen hat, Ihn bitten darfst und Er Dir antworten wird. Möchtest Du eine besondere Tragik oder Enttäuschung in Deinem Leben verstehen? Mach Dir keine Sorgen darum. Wenn Du im Glauben bittest (Jak 1,6), wird Gott Dir die verborgene Seite der Sache zeigen. Möglicherweise gibt Er uns keine ausdrücklichen Gründe für das Geschehen (meistens sind sie zu schwierig, als dass wir sie verstehen könnten – siehe Jesaja 55,9), doch Er will uns geistliche Einsicht und Weisheit schenken in Bezug auf das, was geschieht. Und unser himmlischer Vater wird uns niemals einen Verweis erteilen, wenn wir Ihn um diese Weisheit bitten. Er gibt willig und wirft nichts vor. Welch eine ermutigende Verheißung!

Leider gleichen wir zu oft dem Menschen, der in den Versen 6-8 beschrieben wird. Wir sind nicht bereit, geduldig und voller Glaubensvertrauen auf die Antwort des Herrn zu warten. Wir schwanken und winden uns und klagen und weinen und fordern wie unartige Kinder und nicht wie heranreifende Söhne und Töchter. Dann ist es nicht verwunderlich, dass wir nicht damit zu rechnen brauchen, die Weisheit des Herrn zu empfangen.

Probleme und Enttäuschungen im Leben eines Christen treten nicht zufällig auf. Obwohl der Spruch „Unsere Verlegenheiten sind Gottes Gelegenheiten“ abgenutzt erscheinen mag, so trifft er doch den Kern der Sache. Es ist ein anderer Ausdruck für unseren Titel: Beabsichtigte Probleme.


Originaltitel: „Beabsichtigte Probleme“
aus Folge mir nach, 3/1994, S. 20–21;
engl. Originaltitel: „Problems on Purpose“

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