Nicht angekündigte Tests
Richter 6–7

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 07.10.2004, aktualisiert: 03.10.2018

Leitvers: Richter 7,4

Ri 7,4: Dann sprach der Herr zu Gideon: „Es sind zu viele Leute, bringe sie hinunter ans Wasser, und ich will sie dort für dich testen.“
Lies Richter 6 und 7 ganz.

Prüfungen in der Schule

Es ist September und die Schule hat wieder angefangen. Man kann es kaum glauben, aber es wird nicht lange dauern, bis die Arbeiten für die Halbjahreszeugnisse wieder vor uns stehen! Das ist kein sehr angenehmer Gedanke, aber Prüfungen zu schreiben ist nun auch wieder nicht so schlimm. Sicher, da ist immer dieser Druck und die Befürchtungen, es nicht zu schaffen, aber schließlich kannst du dich doch gedanklich und gefühlsmäßig auf eine Prüfung vorbereiten. Was dich wirklich unangenehm erwischen kann, sind diese nicht angekündigten Tests, mit denen manche Lehrer dich plötzlich überraschen! Diese unerwarteten Lernkontrollen können verheerend sein. Aus der Sicht des Lehrers sind diese nicht angekündigten Tests allerdings sehr aufschlussreich. Sie lassen ihn ganz sicher die ständig mitarbeitenden Schüler von denen unterscheiden, die sich den Stoff erst in letzter Minute reinstopfen! Und sie zeigen ausnahmslos den Unterschied in der Einstellung, die die Schüler zu ihren Lehrern und auch zu ihrem Lernstoff haben. Ja, nicht angekündigte Tests sagen sehr viel darüber aus, wo ein Schüler „herkommt“ und „wie weit“ er jetzt gekommen ist. Nicht angekündigte Tests zwingen die Schüler dazu, die Maske herunterzulassen!

Prüfungen in der Schule Gottes

Gott veranstaltet auch nicht angekündigte Tests. Jeder wachsende Christ ist ein Schüler in der Schule Gottes, und der große Lehrer geht oft so vor, dass Er nicht angekündigte Tests durchführt, um unseren Glauben zu messen. Manchmal ist es nur ein kleines „Quiz“, und ein anderes mal ein „dicker Hammer“. Sie können überall und in jeder unserer alltäglichen Situationen kommen. Diese Tests sind so unangekündigt, dass wir vielfach nicht einmal wissen, dass wir getestet werden. Aber Gott weiß es, und Er beobachtet uns, um zu sehen, wie wir dann handeln. Er hat Interesse an unserem gesamten Umgang mit dem „Lernstoff“ in seiner Schule, ebenso wie an unserem Verhältnis zu Ihm.

Gott prüft den Glauben seines Volkes

In Richter 7 finden wir einen Bericht über einige nicht angekündigte Tests, durch die Gott einige von seinem Volk in den Tagen von Gideon gehen ließ. Die Richter regierten in Israel vor der Zeit der Könige, und Gideon war einer der Richter, der von Gott gebraucht wurde, um Israel von den Midianitern zu befreien. Die Midianiter waren eines der gegen Israel feindlich eingestellten Völker, sie lebten im Gebiet östlich des Jordan. Sie hatten eine einzigartige Taktik, um Israel in Unterdrückung zu halten. Jedes Jahr zur Erntezeit schwärmten die Horden der auf Kamelen reitenden Midianiter über den Jordan auf Israels Territorium aus. Sie raubten ihr Land aus, nahmen sich von den Früchten der Ernte, was sie wollten, und zerstörten den Rest. Sie nahmen auch jedes Schaf, jeden Ochsen, jeden Esel mit, der ihnen ins Auge fiel. Das war sieben harte Jahre lang so gegangen. Kein Wunder, dass sich viele Israeliten in Bergschluchten und Höhlen versteckten, wenn die Midianiter kamen, und kein Wunder, dass sie endlich zum Herrn schrien. (Siehe die Hintergrundgeschichte in Richter 6,1-6.) Man kann sehen, dass der Herr Israels Niederlage gegen die Midianiter wegen der Sünde Israels zugelassen hat. Schließlich, nach sieben Jahren erziehender Strafe, verstand Israel die Botschaft und wandte sich wieder zum Herrn. Gottes Erziehungsmaßnahmen [mit einem alten Begriff: „Züchtigung“] für sein Volk heute haben, wie in den Tagen Gideons, immer das Ziel, eigensinnige Herzen zu Ihm zurückzuwenden. (Siehe Hebräer 12,3-11.)

1. Wer wird reagieren?

Den ersten nicht angekündigten Test, durch den Gott sein Volk gehen ließ, könnte man den „Wer-wird-reagieren?“-Test nennen. Die Midianiter waren über den Jordan eingefallen für ein achtes hartes Jahr der Ernte-Plünderung (Ri 6,33). In der Kraft des Geistes des Herrn ließ Gideon einen Aufruf an das Volk ergehen, dass sie kommen und gegen den Feind kämpfen sollten. Diese Aufforderung war der Ruf Gottes. Der Appell erging zuerst an Gideons Familie, die Abieseriter, dann an seinen eigenen Stamm in Israel, Manasse; dann schließlich an die in der Nähe wohnenden Stämme Aser, Sebulon und Naphtali (6,34.35). Viele reagierten auf den Aufruf – aber nicht alle. Es gab sicher mehr Leute in den Stämmen Manasse, Aser, Sebulon und Naphtali zusammen, als die 33.000 (Ri 7,5), die auf Gottes Ruf reagierten. Oh ja, es gab wahrscheinlich viele „gute Gründe“ und auch klare Entschuldigungen, um den Ruf abzuweisen. „Ein hoffnungsloser Fall!“ – „Warum sollte ich mich Gideon unterstellen?“ – „Die anderen Stämme sollen auch ihren angemessenen Teil der Last übernehmen!“ – „Ich habe zu viel damit zu tun, meinen Unterschlupf in den Bergen zu befestigen!“

Der „Wer-wird-reagieren?“-Test wird Gottes Volk heute immer noch vorgelegt. Der Feind unserer Seelen „beraubt das Land“ um uns herum. Satan ist an der Arbeit, in deiner Schule und in deinem Job. Mit moralischen Maßstäben und der Wahrheit geht jeder um, wie es ihm passt. Gottes Ruf ergeht an jeden wachsenden Christen, mit in den Kampf zu ziehen. Der Ruf gilt nicht nur für Auslandsmissionare oder „Leute im vollzeitlichen Dienst“, sondern für uns alle. Was tun wir, um den Feind zu bekämpfen, genau dort wo wir sind? Helfen wir beim Vorstoß des christlichen Zeugnisses auf dem Universitätsgelände – oder rennen wir in die Verstecke des Verschiebens und der Unentschlossenheit? Haben wir uns der Bibelgruppe angeschlossen, die irgendein „Gideon“ anzufangen versucht, da wo wir arbeiten – oder beobachten wir seine Anstrengungen nur aus unserer sicheren Höhle der fehlenden Hingabe heraus? Wenn wir uns weigern, auf den Ruf zu reagieren, wird nicht nur der Feind sein Werk der Verwüstung fortsetzen, sondern wir selbst werden durch Gottes nicht angekündigtem Test fallen.

2. Wer fürchtet sich?

Einen zweiten, nicht angekündigten Test erlebten Gideon und seine Gefolgsleute in Richter 7,1-3. Wir wollen diesen Test den „Wer-fürchtet-sich?“-Test nennen. Dieser Test kam, als Gideon seine Rekruten in das Tal Jisreel brachte, wo die Heere des Feindes lagerten. Von den Hügeln aus, die den Südrand dieses weiten Tals bildeten, konnte das ausgebreitete Lager der Midianiter unter ihnen überschaut werden. Dort lagen so viele Truppen des Feindes, dass sie aussahen wie Heuschrecken, die das Land bedeckten – wie der Sand am Meeresufer (Ri 7,12)! Stell dir mal dich selbst vor, wenn du einer der neu aufgestellten Israeli-Soldaten wärest, und du würdest den ersten Blick auf den Feind tun. „Auf was habe ich mich selbst da eingelassen?“ – „Ich war mir gar nicht darüber im Klaren, zu was ich da aufgerufen wurde!“ – „Ich bin schon dafür, aus den Höhlen herauszukommen, aber nicht jetzt!“ – „Ich werde abhauen, sobald sich die erste Gelegenheit dazu bietet!“ Nun, Gideons Männer mussten nicht lange warten, bis sie die Chance bekamen, sich auszuklinken und nach Hause zu rennen. Der Herr sagte, dass jeder, der sich fürchtete, sofort frei wäre, und mehr als zwei Drittel von Gideons Heer „nahm den Herrn beim Wort“! Sie merkten es kaum, dass sie gerade bei einem nicht angekündigten Test durchgefallen waren.

Der Herr wendet immer noch diesen „Wer-fürchtet- sich?“-Test als ein Maß für unseren Glauben an. Er zwingt uns nie zu kämpfen, wenn wir den Wunsch haben, in den Schutz unserer Verstecke in den Bergen zurückzurennen. Aber Er testet uns. Wollen wir für den Herrn aufstehen, wenn wir mit dem Feind konfrontiert werden? Stehen wir auf (vielleicht alleine) für die Wahrheit der Bibel in unserem Englisch- oder Biologieunterricht – selbst wenn das zu einer schlechteren Note führt? Stehen wir auf für die absoluten moralischen Werte der Schrift in unserem Wohnheim oder unserem Job – auch wenn jeder sich nicht darum kümmert? Das erfordert nicht nur Mut, sondern auch einen erprobten Glauben hinter diesem Mut.

3. Wer ist wachsam?

In den Versen Richter 7,4-7 sehen wir einen dritten nicht angekündigten Test, den Gott bei Gideons Gefolge durchführte. Der „Wer-ist-wachsam?“-Test wurde an den 10.000 braven Soldaten durchgeführt, die nach den ersten beiden Prüfungen immer noch dort „herumlungerten“. Dieser dritte Test erfolgte an der Wasserquelle, bei der sie lagerten. Gideons Männer hätten sich nie träumen lassen, dass sie getestet würden in Bezug auf die Weise, wie sie sich einen Trunk Wasser besorgten. Aber die Art, wie sie ihren Durst löschten, war sehr bedeutsam. Sie zeigte, ob sie gegenüber dem Feind wachsam waren. Wenn sie sich sorglos auf alle viere stellten, um ihren Kopf und ihren Mund in das kühlende Wasser zu stecken, war es ziemlich deutlich, dass sie mehr daran interessiert waren, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, als mit der Schlacht zu beginnen. Wenn sie, auf der anderen Seite, das Wasser in ihrer hohlen Hand schöpften und es so schlürften, dass sie immer noch ihre Augen auf den Feind richten konnten, dann bewies das, dass sie wachsam und bereit waren, in die Schlacht zu ziehen. Nur dreihundert Männer bestanden diesen Test – nur drei Prozent!

Nur ein geringer Prozentsatz von Christen besteht heute den „Wer-ist-wachsam?“-Test. Während wir dem Feind gegenüberstehen, sind wir mehr um uns selbst und unsere Bedürfnisse besorgt als darum, die Schlachten des Herrn zu kämpfen. Epheser 6,10-18 warnt uns, dass wir in einem geistlichen Kampf stehen, und nicht wagen dürfen, in unserer Wachsamkeit nachzulassen. Wir sind nicht wachsam, wenn wir uns mehr um unser körperliches Wohlergehen als um unseren geistlichen Zustand kümmern. Wir sind nicht wachsam, wenn wir mehr um unser Vorwärtskommen in dieser Welt als über das Eindringen des Feindes in unsere Familie und Gemeinschaft besorgt sind. Gute Absichten allein haben noch nie eine Schlacht gewonnen – oder einen nicht angekündigten Test bestanden! Wie in den Tagen Gideons ist die Art, wie wir mit unseren Grundbedürfnissen umgehen, ein guter Maßstab dafür, wo wir geistlich „im Moment gerade stehen“ und ob wir den „Wer-ist-wachsam?“-Test bestehen.

Unser Glaube zeigt sich in nicht angekündigten Tests

Gideons Männer, die alle drei Tests bestanden haben, waren ein erbärmlich kleines Heer – viel weniger als ein Prozent der 135.000 Männer des Feindes (Ri 8,10). Wir können uns Gideons Schock (und Glauben) vorstellen, als Gott sein Heer auf fast eine Handvoll zusammengestutzt hat. Gideon hat wahrscheinlich einen Seufzer der Erleichterung von sich gegeben, als Gott endlich aufhörte zu sagen: „Du hast zu viele Leute!“ Aber wie konnte ein Haufen von 300 Männern mit Trompeten und Fackeln 135.000 gut ausgerüstete Männer besiegen? Kein Problem! Einer plus Gott ist immer in der Mehrzahl! Lies den Rest von Richter 7 und sieh dir an, wie der Herr den Sieg zustande brachte mit den 300 Männern, deren Glaube getestet war. Dies ist immer die Weise Gottes. Seine ausgewählten Soldaten sind die Schüler, deren Glaube sich in nicht angekündigten Tests gezeigt hat!


Originaltitel: „Unannounced Tests“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Frank Schönbach

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