Sei guten Mutes!
… auch wenn schwere Zeiten sind

George Christopher Willis

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 15.01.2018

Leitverse: Matthäus 9,2.22; 14,27; Markus 6,50; 10,49; Lukas 8,4; Johannes 16,33; Apostelgeschichte 23,11

Der Geist Gottes teilt uns mit, „dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden“ (2Tim 3,1). Das griechische Wort chalpos, das hier mit „schwer“ wiedergegeben wird, bedeutet „hart; schwierig, damit umzugehen, schwer zu ertragen, schmerzlich, bitter und bedrückend, grausam, grimmig, ungezähmt“. Beschreiben diese Ausdrücke nicht exakt die Zeit, in der wir leben? Schauen wir uns um, dann könnten wir den Mut verlieren, aufgeben und mit Furcht und mit bösen Vorahnungen erfüllt sein.

Es ist nur ein kleines griechisches Wort, das unseren Zeitgeist so treffend beschreibt, aber es gibt ein weiteres kleines griechisches Wort, das unsere Wunden der Furcht und des Schmerzes heilen kann – das uns die Entmutigung einfach wegnehmen will. Es ist das kleine Wort tharseo oder, wie unser Herr es oft gebrauchte, tharsei[1]. Es scheint eines der Lieblingsworte unseres gesegneten Herrn gewesen zu sein. Mit nur einer Ausnahme verwendete ausschließlich Er selbst diesen Ausdruck. Er gebrauchte ihn während seines Weges über diese Erde, indem Er ihn sowohl Männern als Frauen zurief. Und Er gebrauchte ihn auch einmal, nachdem Er in die Herrlichkeit des Vaters zurückgekehrt war. Achtmal[2] finden wir ihn im griechischen Neuen Testament. Er steht in jedem Evangelium und in der Apostelgeschichte, und wenn ich nicht irre, so ruft unser Herr ihn heute auch dir zu. Ich bin sicher, wir werden diese Ermunterung für uns ganz persönlich annehmen.

Mein Vater benutzte in seiner Arbeit oft ein Siegel, und er liebte dieses Wort tharsei so sehr, dass er die griechischen Buchstaben in diesen Siegel eingravierte. Jedes Mal, wenn er ihn benutzte, erinnerte er sich an diese herrliche Botschaft. Als kleines Kind liebte ich es zuzusehen, wenn das heiße, rote Wachs eine wichtige Botschaft versiegelte – als ich ein wenig älter wurde, konnte ich dann die Buchstaben lesen und mein Vater erklärte sie mir: Das bedeutet: „Sei guten Mutes!“ So war dieses Wort meine Einführung in das griechische Neue Testament. Ist es verwunderlich, dass ich es bis heute liebe? Dieses Wort „Sei guten Mutes“ kann auch folgendermaßen übersetzt werden: „Sei ermutigt“, „Sei getrost“, „Sei vertrauensvoll“, „Geh voran – hab Mut“ oder (und diese Variante liebe ich besonders) „Werde froh!“.

Das erste Mal finden wir dieses Wort im Neuen Testament in Matthäus 9,2. Dort sagt der Herr zu dem Gelähmten:

Mt 9,2: Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden werden vergeben.

Das nächste Mal kommt das Wort im selben Kapitel in Vers 22 vor. Hier richtet sich der Herr an eine Frau – und das ist überhaupt nicht verwunderlich. Der Herr will, dass jeder von uns, sei er nun Mann oder Frau, Mädchen oder Junge, dieses Wort für sich persönlich annimmt. Hier sagt Er:

Mt 9,22: Sei guten Mutes, Tochter; dein Glaube hat dich geheilt.

Wir finden dieses Wort noch ein drittes Mal in diesem Evangelium (ich denke, Matthäus liebte dieses Wort). Es steht in Matthäus 14,27. Damals war es eine schwarze, stürmische Nacht, die Jünger befanden sich weit draußen auf dem See, der Wind kam ihnen entgegen und seit Stunden kämpften sie mit Wind und Wellen. In solchen Momenten bekommt dieses Wort einen besonderen Klang. Die Jünger waren in der größten Not. Sie waren allein, ihr Herr war nicht mit im Boot. Was sie aber nicht wussten – der Herr sah sie in ihrer Furcht und ihrer Not. Sie hatten davon keine Ahnung, dennoch fühlte der Herr mit ihnen. Dann sahen sie plötzlich eine eigenartige Gestalt, jemand lief auf dem Wasser und kam immer näher. Die Panik wurde immer größer und sie schrien sogar vor Angst. Wären wir mit im Boot gewesen, wir hätten am lautesten geschrien. Dann sprach auf einmal Jesus zu ihnen. Was hat Er gesagt? „Tharseite!“[3]

Mt 14,27: Seid guten Mutes, ich bin es; fürchtet euch nicht!

Oder, wie eine alte Wycliff-Übersetzung so schön wiedergibt: „I am, nyl ye dread.“

Wir finden dieses Wort ein viertes Mal im Markusevangelium bei derselben Geschichte (Mk 6,50).

Das fünfte Mal steht es in Markus 10,49. Als der blinde Bartimäus zu dem Herrn um Gnade schrie, stand Jesus still und ließ ihn rufen. Die ihn zu Jesus brachten, sagten:

Mt 10,49: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich!“

Das ist das einzige Mal im Neuen Testament, dass der Herr nicht selbst dieses Wort gebraucht. Aber es wird gebraucht, um eine Seele in ihrer Not zu Ihm zu führen.

In Lukas 8,48 kommt das Wort ein weiteres Mal vor – obgleich die Verwendung dieses Wortes in dieser Stelle als unsicher erscheint. Es ist dieselbe Begebenheit wie in Matthäus 9,22.

In Johannes 16,33 finden wir die letzte Begebenheit, in der der Herr Jesus dieses Wort während seines Erdenlebens benutzt. Der Zusammenhang, in dem die Botschaft dieses Kapitels steht, richtet sich auch besonders an uns heute. Der Herr stand im Begriff, die Welt zu verlassen und zu seinem Vater zurückzukehren. Da sagte Er:

Joh 16,33: In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.

Welch ein Wort für uns heute! „Sei getrost! Schau nach oben und werde froh!“ Der Herr sagt es! „Ich habe die Welt überwunden!“ Das ist heute seine Botschaft für dich, für mich.

Das letzte Mal finden wir dieses Wort in Apostelgeschichte 23,11. Paulus hatte gerade in eigener Kraft einen „cleveren“ Schachzug unternommen, um den jüdischen Rat zu spalten und die Pharisäer und Sadduzäer gegeneinander aufzubringen. In Apostelgeschichte 24,21 scheint er zu bekennen, dass er mit diesem Vorgehen falsch gehandelt hat. Wir können uns gut vorstellen, dass Paulus in der darauffolgende Nacht – er lag in einem römischen Gefängnis und war viel zu traurig und entmutigt, um schlafen zu können – langsam klarwurde, wie sehr er den Namen dessen verunehrt hatte, der ihn in seinen Dienst berufen hatte. Aber da kam der Herr selbst und stand neben ihm. Er rief ihm nicht etwas aus dem Himmel zu. Er benutzte keine Vision, Er beauftragte keinen Engel mit dieser Botschaft. Nein! Er selbst kam herab in dieses Gefängnis und stand neben seinem niedergeschlagenen Diener. Nicht, um ihn zur Rede zu stellen – nein! Er kam, um ein weiteres Mal dieses herrliche Wort auszusprechen: „Tharsei!“ – „Steh auf, Paulus; sei guten Mutes!“ Ich kann mir vorstellen, dass dieses Wort diesen öden Ort in einen wahren Himmel verwandelte.

Vielleicht erlebst du gerade Zeiten, in denen du traurig bist, völlig entmutigt, niedergeschlagen, du bist voller Furcht und böser Vorahnung; vielleicht hast du gefehlt und den verunehrt, den du von Herzen liebst. Dann kann es sein, dass du plötzlich seine Stimme hörst, diese Stimme, die seine Schafe so gut kennen – und sie wird voll innerer Anteilnahme und Mitgefühl deinen Namen rufen:

………… (hier bitte eigenen Namen einsetzen!), steh auf; sei guten Mutes!

G.C. Willis

 

Anmerkungen

[1] Zweite Person, Singular, Imperativ.

[2] „Achtmal“ beinhaltet auch die Stelle in Lukas 8,48 – hier ist die Verwendung des Wortes nicht sicher.

[3] Zweite Person Plural, Imperativ.

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