Christus unser Ziel
Philipper 3

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 07.10.2003, aktualisiert: 13.09.2018

Leitverse: Philipper 3

Einführung

Im zweiten Kapitel des Philipperbriefes haben wir die Darstellung der demütigen Gesinnung, die in Christus auf seinem Pfad von der Herrlichkeit bis zum Kreuz ausgeprägt ist und die in dem Gläubigen die Gnade des christlichen Lebens hervorbringt.

Im dritten Kapitel wird uns Christus in Herrlichkeit als das zu erstrebende Ziel vorgestellt, um dem Gläubigen die Entschiedenheit des christlichen Lebens zu verleihen. In dieser Schriftstelle wird der Gläubige als solcher betrachtet, der die Welt, in der Christus abwesend ist, hinter sich lässt und nach jener besseren Welt zieht, wohin Christus gegangen ist. Er wird als einer gesehen, der diesen himmlischen Pfad mit einem Herzen wandert, das von Christus in Herrlichkeit so angezogen ist, dass er alles, worin das Fleisch sich rühmt, für Schaden und Dreck erachtet. Sein Sinn ist so auf die Dinge droben gerichtet, dass er das, was dahinten ist, vergisst.

So ist das schöne vor uns gebrachte Bild, das ein Beispiel in dem Leben des Apostels findet. Für den Gläubigen gilt es, nach diesem Vorbild zu wandeln (Phil 3,17). Wir vermögen ihm nur schwach zu entsprechen, aber schließlich werden wir doch sein Sehnen schätzen und seine Glückseligkeit kennenlernen.

Das Geheimnis des himmlischen Weges

Vers 1

Phil 3,1: Übrigens, meine Brüder, freuet euch in dem Herrn! Euch dasselbe zu schreiben, ist mir nicht verdrießlich, für euch aber ist es sicher.

„Freuet euch in dem Herrn“ ist die erste Ermahnung des Kapitels. Das enthüllt uns das Geheimnis des Weges, der vor uns gebracht wird. Es ist mehr als Freude an den Segnungen, die wir empfangen, es ist eine Ermahnung, sich in dem zu freuen, durch den sie zu uns kamen. Über die Gaben erreichen wir den Geber und finden, dass Er größer als diese ist. Wenn wir so viel Anziehendes an diesem Geber finden, bewegen sich unsere Füße von selbst auf den Weg, der zu dem Ort führt, wo Er ist. Der Eine, in dem wir uns freuen, ist der, nach dem wir uns ausstrecken.

Diese Ermahnung und die Erfahrung, zu der sie führt, ist schon früher sehr schön bei Petrus und den anderen Jüngern anlässlich des großen Fischzuges in Lukas 5 zu sehen. Dort wurden die Füße der Jünger auf einen Pfad des Aufgebens und der Nachfolge gebracht, denn am Ende lesen wir: „Sie verließen alles und folgten ihm nach.“ Dies wurde durch die Entdeckung bewirkt, dass Christus größer ist als jede Gabe, die Er darreicht. Der Herr hatte die Jünger eben den größten Fischfang tun lassen, den sie je gemacht hatten. Solch eine unerwartete Entfaltung wunderbarer Macht enthüllt Petrus die Herrlichkeit der Person Christi und lässt ihn in der Gegenwart Gottes seine große Sündhaftigkeit empfinden. Sie tut jedoch noch mehr, denn sie lässt Petrus die gesegnete Wahrheit verstehen, dass diese göttliche Kraft in Gnade für ihn da ist, obwohl er ein Mensch voller Sünde ist. Indem er seine Sündhaftigkeit empfindet, sagt er: „Gehe von mir hinaus“; als er aber die Gnade Christi erfasst, kommt er Ihm so nahe wie nur möglich. Das Ergebnis ist: Christus wird für Petrus größer als die Gabe, die Er darreichte, und deshalb verlässt er sie mit seinen Gefährten und folgt dem Geber: „Sie verließen alles und folgten ihm nach.“

Wenn wir uns auch so in dem Herrn freuen würden, dann wüssten auch wir ein wenig mehr von treuer Nachfolge. Ein unbefriedigtes Herz eilt rastlos hin und her, und ein Mensch ohne Freude ist teilnahmslos, doch der, den göttliche Entschiedenheit kennzeichnet, der freut sich in dem Herrn. Unsere Freude in dem Herrn wird oft dadurch gehindert, dass wir Freude in uns oder unseren Brüdern oder unseren Umständen suchen. Hätte Paulus das getan, so würde er wohl niedergeschlagen gewesen sein, denn was seine Umstände betraf, so war er im Gefängnis, was die Heiligen betraf, so suchten alle das Ihrige, und über einige, die den Namen Christi bekannten, muss er sogar weinen. Er freut sich in dem Herrn, von dem geschrieben steht: „Du bist derselbe“, und: „Du bleibst“, und der sich niemals verändert und uns nicht verlässt.

Diese gesegnete Person den Heiligen vorzustellen, war für den Apostel nichts Neues, er hatte es oft getan. Doch er sagt, dass dies sichere Tatsachen sind, die vorzustellen einem Diener Christi nicht verdrießlich sein kann. In einem anderen Brief warnt uns derselbe Apostel, solche zu werden, denen es „in den Ohren kitzelt“, die etwas Neues begehren und viele verführen, sich „von der Wahrheit zu den Fabeln“ zu wenden (2Tim 4,3.4).

Das Hindernis des himmlischen Weges

Vers 2

Phil 3,2: Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter, sehet auf die Zerschneidung.

Bevor der Apostel fortfährt, uns den himmlischen Pfad vorzustellen, hält er inne und gibt denen eine ernste Warnung, die versuchen, eine Religion nach dem Fleisch in den christlichen Kreis einzuführen. Er sagt: „Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter, sehet auf die Zerschneidung.“ Hier spielt er auf die judaisierenden Lehrer an, die die Versammlungen in Galatien und anderswo beunruhigten. Diese Gefahr entstand nicht aus der offenen Gegnerschaft des Judentums, sondern aus einer verderblichen Bewegung innerhalb des christlichen Kreises. Verderbnis von innen ist immer gefährlicher und schlimmer als Widerstand von außen. Deshalb bezeichnet der Apostel diese judaisierenden Lehrer als „Hunde“, weil sie in scham- und gewissenloser Weise handelten; sie waren „böse Arbeiter“. Bosheit trieb sie an. Sie wurden nicht als wahre Juden anerkannt, sondern es wird auf sie in verächtlicher Weise als die „Zerschneidung“ Bezug genommen. Der Apostel sieht, dass es die große Anstrengung des Feindes ist, die Christen von dem himmlischen Christus, der himmlischen Berufung und dem himmlischen Pfad abzuziehen und sie durch eine verderbte Bewegung innerhalb der christlichen Versammlungen in eine irdische Religion einzuhüllen.

Dies war nicht die Gegnerschaft von solchen Juden, die eine Rückkehr zum jüdischen System erstrebten, eine Gefahr, der die hebräischen Gläubigen ausgesetzt waren und weswegen der Brief an die Hebräer geschrieben wurde, sondern eine Anstrengung von solchen, die in dem christlichen Kreis Judentum und Christentum, Gesetz und Gnade und menschliche Verordnungen mit dem Werk Christi vermischen wollten. Der Erfolg einer solchen Bewegung würde der Aufgabe des himmlischen Charakters des Christentums gleichkommen. Das Listige der Schlinge liegt in der Tatsache, dass nicht angeregt wird, zum Judentum zurückzukehren oder das Christentum aufzugeben. Man suchte das Christentum dem natürlichen Menschen anziehender zu machen, indem man etwas vom Judentum hinzufügte. Wie gut weiß der Feind, dass dies zum Verlust jeder lebendigen Wahrheit im Christentum führt.

Der geistliche Charakter des Christentum

Vers 3

Phil 3,3: Denn wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen;

Nachdem der Apostel die Verführer der Wahrheit bloßgestellt hat, gibt er in einem kurzen Vers einen Abriss des Christentums, der, wenn in Kraft erfasst, von diesem Verderben befreien wird. Er sagt: „Wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen.“

Die wahre Beschneidung kann nur in dem christlichen Kreis gefunden werden, denn Beschneidung ist nicht mehr länger „äußerlich im Fleisch“, sondern „die des Herzens, im Geiste, nicht im Buchstaben“ (Röm 2,28.29). Überdies ist christliche Anbetung im Geist, indem Christus alles ist und das Fleisch völlig zurückgewiesen wird.

Deshalb ist im Christentum alles lebendig. Es ist ein Werk Gottes in dem Herzen und Anbetung durch den Geist. Es hat einen lebendigen Christus als Gegenstand und weist das Fleisch gänzlich zurück. Jene verderbliche Bewegung innerhalb des christlichen Kreises würde alles Geistliche verdrängen und nur die Form des Christentums beibehalten. Sie würde anstelle der wahren Beschneidung des Herzens das Bekenntnis der Christenheit setzen: Glaubensbekenntnisse und menschliche Verordnungen – sie würde eine äußere Form der Anbetung in schönen Gebäuden durch Musik, Gewänder und Gebräuche anstelle der Anbetung durch den Geist Gottes einführen. Anstatt kein Vertrauen auf das Fleisch zu haben, würde sie alles Mögliche von diesem erwarten. Sie würde in der verderbten Christenheit unserer Tage enden, wo „sie eine Form der Gottseligkeit haben, ihre Kraft aber verleugnen“, wie der Apostel in einem anderen Brief vorhersagt. Die Philipper wurden ernstlich gewarnt, sich vor diesem Verfall in seinem Anfang zu bewahren, und nachdem sich das Verderben entwickelt hat, wird uns ans Herz gelegt: „Von diesen wende dich weg“ (2Tim 3,5).

Dinge, die beim Aufnehmen des himmlischen Pfades zurückgelassen werden

Verse 4-8

Phil 3,4-8: … wiewohl ich auch auf Fleisch Vertrauen habe. Wenn irgendein anderer sich dünkt, auf Fleisch zu vertrauen, ich noch mehr: Beschnitten am achten Tage, vom Geschlecht Israel, vom Stamme Benjamin, Hebräer von Hebräern; was das Gesetz betrifft, ein Pharisäer; was den Eifer betrifft, ein Verfolger der Versammlung; was die Gerechtigkeit betrifft, die im Gesetz ist, tadellos erfunden. Aber was irgend mir Gewinn war, habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja, wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte …

Der Apostel wendet sich jetzt seiner eigenen Geschichte zu als Beweis der völligen Nutzlosigkeit des Fleisches in göttlichen Dingen. Verleiht die natürliche Geburt irgendeine Stellung vor Gott? Dann besaß Paulus diese Eigenschaft im höchsten Maß, denn war er nicht vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern? Nützen etwa vorgeschriebene Bräuche? Wenn ja, von Paulus waren sie treu beobachtet worden. „Am achtem Tage beschnitten“ und was die Forderungen des Gesetzes betrifft, so hatte er sie mit der Gewissenhaftigkeit der Pharisäer erfüllt. Liegt irgendein Gewinn im Aufrechterhalten von Überlieferungen? Wenn ja, Paulus trat mit äußerstem Eifer dem Eintritt des neuen Lichtes entgegen, indem er die Kirche verfolgte. Nützt die Gerechtigkeit des Menschen etwas vor Gott? Wenn ja, Paulus konnte über andere hinaus Anspruch auf Gerechtigkeit erheben, denn was die Gerechtigkeit betrifft, die im Gesetz ist, so wurde er tadellos befunden.

Was leitete denn Paulus dazu, die Vorteile der natürlichen Geburt, die Religion der Satzungen und die menschliche Gerechtigkeit für Verlust zu achten? Es gab eine Antwort: Er hatte Christus in der Herrlichkeit gesehen. Von diesem Augenblick an konnte er sagen: „Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet.“ Auf dem Weg nach Damaskus hatte er Christus, einen lebenden Menschen in der Herrlichkeit, gesehen und eine mit diesem vereinte Schar von Menschen, die ihren Weg hienieden wanderten, um an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. Überdies entdeckte er, dass er mit all seinen natürlichen Vorzügen, seinen religiösen Beobachtungen, seinem religiösen Eifer und tadellosen Leben keine Verbindung mit Christus in der Herrlichkeit und kein Teil an der himmlischen Gemeinschaft auf der Erde hatte. Ferner trennte ihn die Religion nicht nur von Christus, sondern sie konnte ihm auch niemals irgendeinen Anteil an Christus sichern, und was das Schlimmste von allem war, er entdeckte, dass sie ihn zu dem größten Todfeind Christi und seines Volkes machte, den die Welt je gesehen hat.

Die Religion des Fleisches gab ihm einen großen Platz vor Menschen. Aber er sah, dass es unendlich gesegneter sein würde, mit Christus in Herrlichkeit vereinigt zu sein. Er sah, dass es viel besser ist, ein Teilhaber jener Schar auf Erden zu sein, die dem großen Tag entgegenging, an dem sie wie Christus und mit Christus in der ewigen Heimat des Lebens sein würden, als einen Platz in des Menschen kleiner Welt – wie groß der Platz auch immer sein mag – an des Menschen kurzem Tag zu haben. So geschah es, dass seine Wahl von dem Augenblick an, wo das Licht vom Himmel in seine dunkle Seele schien, getroffen war, und dass er alles, was ihm in seinem natürlichen Zustand vor Menschen Gewinn war, um Christus in der Herrlichkeit willen für Verlust achtete.

Von einer Welt verderbten Christentums umgeben, sehen wir in unseren Tagen ein großes, nach der Religion des Fleisches aufgebautes Bekenntnis, das alles vernichtet, was im Christentum lebendig ist. Wir sehen, dass diejenigen, die für ihre fleischliche Religion am eifrigsten sind, sich einen großen Platz vor Menschen sichern und in dieser Welt hoch angesehen werden. Es ist eine Religion, die ihren Gewinn hienieden hat. Diejenigen jedoch, die den himmlischen Ruf vernommen haben, sind damit zufrieden, jede Form des religiösen Fleisches samt den weltlichen Vorteilen, die damit verbunden sind, für Verlust zu achten, denn sie haben einen neuen Menschen in einer neuen Welt: Christus in Herrlichkeit.

Das war die Erfahrung des Apostels Paulus. Von Anbeginn seiner christlichen Laufbahn an verblasste die Herrlichkeit dieser Welt durch das den Glanz der Sonne übertreffende Licht, das ihm Christus in Herrlichkeit enthüllte. Überdies achtete er nicht nur zu Anfang alles für Verlust, sondern als Jahre verflossen waren, stand er noch in derselben Gnade. Es mag in der Frische der ersten Liebe verhältnismäßig leicht sein, alles für Verlust zu achten, aber angesichts natürlicher Ansprüche, der Verlockungen der Welt und der immer vorhandenen Schlingen einer irdischen Religion, die dem Fleisch einen leichteren Pfad anbietet, ist es nicht immer leicht, dabei zu bleiben. Paulus tat dies und noch mehr: Er büßte alles ein. Er hatte nicht nur die rechten Gedanken über die Dinge, sondern er erlitt ihren wirklichen Verlust. Endlich sagt er in Bezug auf das, was er eingebüßt hatte, er achte es für Dreck. Wir können sicher sein, dass er keine bedauernden Blicke auf das warf, was er hinter sich zurückgelassen hatte. Unsere Schwierigkeit ist, ein wahres Urteil über die Religion nach dem Fleisch zu erreichen und zu sehen, dass menschliche Gerechtigkeiten in dem Licht Gottes „unflätige Kleider“ sind.

Die Beweggründe, die Paulus auf dem himmlischen Weg erhalten

Verse 8-12

Phil 3,8-12: … auf dass ich Christus gewinne und in ihm erfunden werde, indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben; um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde, ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten. Nicht dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin.

Sehr glücklich geht der Apostel von dem, was er dahintengelassen hat, zu den Beweggründen über, die ihn anspornten, den himmlischen Pfad fortzusetzen.

  1. Erstens sagt er: „… auf dass ich Christus gewinne.“ Er blickte aufwärts und sah Christus in der Herrlichkeit, und er blickte auf das Ende des Weges, wo er mit Christus und wie Christus in dem Heim der Herrlichkeit sein würde. Er sagt gewissermaßen: Mein einziger Wunsch auf dem Pfad, den ich zurücklege, ist, das Ziel zu erreichen, Christus zu gewinnen.

  2. Zweitens wünscht der Apostel, dass er „in ihm erfunden werde“. Paulus schließt darin nicht ein, dass er nicht bereits „in ihm“ vor Gott ist, sondern dass er als Mensch noch in einem Leib der Niedrigkeit als Ergebnis seiner Verbindung mit dem gefallenen Menschen ist. Wenn er zuletzt Christus gewinnt und einen Leib der Herrlichkeit hat, dann wird es offenbar werden, dass er mit Christus verbunden und mit einer Gerechtigkeit bekleidet ist, die „von Gott“ und „durch“ Christus gesichert und durch „Glauben“ empfangen wird.

  3. Drittens sagt der Apostel: „um ihn zu erkennen“. Seit dreißig Jahren kannte der Apostel den Herrn: Aber noch immer sagt er: „um ihn zu erkennen“. Er blickt auf die Zeit, wo er „von Angesicht zu Angesicht“ sehen wird. „Jetzt“, sagt er, „erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.“ Dann wird auch er die Kraft seiner Auferstehung empfinden. Kraft, die sich offenbarte, indem sie Christus aus den Toten hervorbrachte und Ihn in die himmlischen Örter zur Rechten Gottes versetzte, ist auch in ihrer überschwänglichen Größe wirksam, um den Gläubigen mit Christus in Herrlichkeit zu vereinen. Um dies zu erreichen, musste Paulus, der im Gefängnis war, durch Leiden und Tod gehen. Doch diese Dinge wurden für ihn durch die Erkenntnis erleichtert, dass er dadurch Teilhaber mit Christus in seinen Leiden und seinem Tod gleichgestaltet sein würde. Nach der Schätzung des Apostels waren Leiden und ein schmachvoller Tod wohl des Duldens wert, wenn er nur auf irgendeine Weise zur Auferstehung aus den Toten gelangen könnte.

  4. Viertens sagt der Apostel: „ob ich es auch ergreifen möge, indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin“. Paulus hatte die vollständige Gleichgestaltung mit Christus in Herrlichkeit vor sich. Diese große Segnung besaß er noch nicht, aber er sehnte sich, sie zu ergreifen. Diese Vollendung stand ihm vor Augen, und so hält er sich nicht dafür, „schon vollendet“ zu sein, sondern er setzt seinen Pfad im Blick auf den Kampfpreis fort.

Das sind also die Beweggründe, die Paulus auf dem himmlischen Pfad erhalten: „damit ich Christus gewinne, … und in ihm erfunden werde, … um zu erkennen“, und: „… ob ich es ergreifen möge [den Preis], indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin.“

Die christliche Erfahrung auf dem Weg

Verse 13.14

Phil 3,13.14: Brüder, ich halte mich selbst nicht dafür, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Vergessend was dahinten und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.

Zu unserer Ermutigung bringt der Apostel die praktische Erfahrung vor uns, die er in seiner eigenen Seele machte, als er den Pfad, der zu Christus im Himmel führt, aufgenommen hatte.

  1. Erstens wird er ein Mensch des Entschlusses mit einem Gegenstand vor seiner Seele. Er sagt: „Eines tue ich.“ Oft wird die Kraft des christlichen Lebens für viele Dinge missbraucht. Wie ehedem der Martha muss der Herr auch uns nahelegen: „Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge.“ Dagegen sagte der Psalmist: „Eines habe ich von dem HERRN erbeten, nach diesem will ich trachten: zu wohnen im Hause des HERRN alle Tage meines Lebens“ (Ps 27,4). Dieselbe Sprache konnte Paulus mit starker Betonung führen, und so sagte er: „Eines tue ich.“

  2. Zweitens kann der Apostel hinzufügen: „Vergessend, was dahinten.“ Wenn er so spricht, meint er nicht die Welt als solche oder ihre Sünden oder Dinge des alten Menschen, die böse und für den Glauben am Kreuz gerichtet sind. Er bezieht sich vielmehr auf das, was zu seiner Zeit und an seinem Platz wertvoll war und ihm als natürlichen Menschen Gewinn hätte bringen können: das ganze jüdische System mit seinen weltlichen Vorteilen und seiner Religion nach dem Fleisch; Dinge, deren Herrlichkeit „nicht verherrlicht“ worden ist wegen der überschwänglichen Herrlichkeit (2Kor 3,9-11).

  3. Drittens vergisst der Apostel nicht nur das, was dahinten, sondern er „streckt sich aus nach dem, was vorne ist“. Dies zeigt die Sehnsucht seines Herzens, das von einem Gegenstand angezogen wird, nach dem er sich ausstreckt, ihn zu besitzen.

  4. Viertens sagt er: „Ich jage, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3,14). Seine Füße entsprechen der Sehnsucht seines Herzens. So bleibt er auf dem Weg durch all die wechselnden Umstände der Zeit, angesichts all des Widerstandes des Feindes und trotz des Versagens des Volkes Gottes. Er schaut aus, das Ziel zu erreichen und den Kampfpreis zu erlangen.

Das war die gesegnete Erfahrung des Apostels. Seine Gedanken waren auf die Dinge droben gerichtet, die Neigungen seines Herzens streckten sich nach vorne aus, und seine Füße eilten den Pfad entlang, der zu dem himmlischen Ziel führte. Er schaute über dem Versagen der Heiligen und dem Verfall der Kirche „die Berufung nach oben“ an. Von dem Augenblick seiner Bekehrung an verwirklichte er, dass er „aus der Welt auserwählt“, „aus dem Volk und den Nationen“ herausgenommen und nach oben berufen war (Joh 15,19; Apg 26,17). Diese „Berufung nach oben“ ist „in Christus Jesus“. Es ist nichts Geringeres als die völlige Gleichgestaltung mit Christus, da, wo Christus ist. Es ist nicht nur einfach eine „hohe Berufung“, wie es in einer anderen Übersetzung heißt, sondern die „Berufung nach oben“. Es gibt auf Erden viele „hohe Berufungen“; so war es eine, ein Apostel zu sein. Doch wie gar kurz ist jede Berufung auf der Erde, wie hoch sie auch immer sein mag, verglichen mit dem Berufensein nach oben, für den Himmel, um bei Christus und wie Christus zu sein.

Die Ermahnung an andere, den Weg aufzunehmen

Verse 15-17

Phil 3,15-17: So viele nun vollkommen sind, lasst uns also gesinnt sein; und wenn ihr etwas anders gesinnt seid, so wird euch Gott auch dies offenbaren. Doch wozu wir gelangt sind, lasst uns in denselben Fußstapfen wandeln. Seid zusammen meine Nachahmer, Brüder, und sehet hin auf die, welche also wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.

Der Apostel hat seine eigene Erfahrung vorgebracht, die wirklich christliche Erfahrung, die von der Aufnahme des Pfades, welcher der Berufung nach oben entspricht, herrührt. Nun ermahnt er andere, denselben Pfad zu gehen. Indem er sich mit auf ihre Seite stellt, sagt er: „So viele nun vollkommen sind, lasst uns also gesinnt sein.“

Wenn sich die Vollkommenheit auf die Gleichgestaltung mit Christus in Herrlichkeit bezieht (wie auch in Vers Phil 3,12), dann gibt der Apostel zu, dass er während der Reise niemals diese Vollkommenheit erreichen wird. Wenn es sich jedoch um die Frage handelt, einen vollkommenen Gegenstand vor der Seele zu haben, kann er von sich und anderen als von Vollkommenen oder geistig Erwachsenen sprechen. Lasst alle, die die wahre Stellung des Christen, als aus der Welt und irdischen Religion auserwählt im Hinblick auf die Berufung, nach oben eingenommen haben, in derselben Weise mit dem Apostel gesinnt sein. Das ist die Gesinnung, die vergisst, was dahinten, und sich ausstreckt nach dem, was vorne ist. Wenn es in Einzelheiten des Weges Meinungsverschiedenheiten geben mag, wird Gott alles klarmachen. Nichtsdestoweniger lasst uns darauf sehen, dieselbe Straße zu ziehen, „lasst uns in denselben Fußtapfen wandeln“. Unser Blick auf das Ende des Weges mag je nach dem Punkt, den wir auf dem Weg erreicht haben, verschieden sein. Einige mögen mit klarerem Blick ein deutlicheres Anschauen des Endes erlangt haben. Aber lasst uns darauf achten, dass wir nach demselben Zielpunkt und auf derselben Straße entlangziehen.

Es ist ein Pfad, den wir in Gemeinschaft mit anderen aufnehmen können, denn der Apostel sagt: „Seid zusammen meine Nachahmer und sehet hin auf die, welche also wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ Jeder von uns wird ermahnt, diesen himmlischen Pfad zu wandeln und Kenntnis von solchen zu nehmen, die es gleicherweise tun. Wir sollen mit solchen vorangehen, die den Apostel zum Vorbild haben.

Warnung vor solchen, die den Weg abweisen

Verse 18.19

Phil 3,18.19: Denn viele wandeln, von denen ich euch oft gesagt habe, nun aber auch mit Weinen sage, dass sie die Feinde des Kreuzes Christi sind: deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch, und deren Ehre in ihrer Schande ist, die auf das Irdische sinnen.

Schon in den Tagen des Apostels Paulus hatte die Versammlung ihre erste Liebe verlassen. Daher warnt er die Heiligen vor denen, deren Wandel eine vollständige Verleugnung der himmlischen Berufung war. Ach, schon in jenen Tagen muss er sagen: „Viele wandeln, von denen ich euch oft gesagt habe, nun aber auch mit Weinen sage, dass sie die Feinde des Kreuzes Christi sind.“ Sie bekannten sich zum Christentum, denn sonst würde nicht von ihnen als von „wandeln“ gesprochen werden. Einst hatten sie zu besseren Dingen Hoffnung gegeben, anders würde der Apostel kaum über sie geweint haben; aber ihr Wandel war derart, dass sie die Feinde des Kreuzes Christi bildeten. Sie erlaubten das, was das Kreuz verurteilte. Sie stellten sich nicht als Feinde Christi dar, aber ihr Wandel verleugnete das Kreuz Christi. Sie begingen nicht Sünden, die Zucht erforderten, sondern ihre ganze Gesinnung war auf das Irdische gerichtet. Ihr Ende war Verderben.

Das Ende des christlichen Weges

Verse 20.21

Phil 3,20.21: Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen.

Im Gegensatz zu denen, vor welchen wir gewarnt werden, zeigt uns der Apostel die Gesinnung des Christen und das Ende seiner Pilgerreise. Anstatt auf das Irdische zu sinnen, wissen wir unser „Bürgertum“ in den Himmeln. Die Reichtümer, an denen wir gemeinsam teilhaben, sind droben. Unsere Interessen, unsere Segnungen, unser Gewinn sind dort. Von da erwarten wir den Herrn Jesus Christus als Heiland, um uns dort einzuführen. Als Heiland wird Er uns von diesem „Leib der Niedrigkeit“ befreien und uns einen Leib geben, der umgestaltet sein wird „zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit“. Dieses herrliche Ergebnis wird durch die Kraft, mit der Er vermag, alle Dinge sich zu unterwerfen, eingeführt.

Das ist die himmlische Straße und so das herrliche Ziel, zu dem sie führt. Möchten wir die Zuneigung zu Christus haben, ihn aufzunehmen, und die Gnade, ihn zu wandeln, während wir den Herrn Jesus zur Umgestaltung in seine Gleichförmigkeit erwarten.

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Originaltitel: „The Epistle to the Philipians“
aus Scripture Truth, Jg. 22, 1930, S. 131–132, 153–156, 180–181


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