Meine Bekehrungsgeschichte
Erinnerungen von Alexander Marshall

Alexander Marshall

© SoundWords, online seit: 25.06.2024, aktualisiert: 25.06.2024

Meine Eltern waren Christen und ich hatte das große Glück, dass sie mich von klein auf in den Dingen Gottes unterwiesen. Ich wurde mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern in den Schlaf gewiegt und lernte viele Verse aus der Bibel auswendig. Morgens und abends hielten wir zu Hause eine Familienandacht, und meine Eltern beteten zu Gott, dass ich den Herrn Jesus schon früh annehmen möge.

Mit zunehmendem Alter wurde ich, was mein Seelenheil betrifft, sorglos und nachlässig. Immer wieder wurde ich ermahnt, wie wichtig es sei, Christ zu werden, und dass ich einen Erlöser brauchte, der mich von der Strafe für die Sünde und von der Macht der Sünde befreite. Dennoch schob ich meine Bekehrung aus, denn ich wollte die Freuden und Vergnügungen der Welt genießen.

Gott überließ mich nicht mir selbst. Er überführte mich von meiner Schuld und zeigte mir, dass ich mich in Gefahr befand. Immer wieder klopfte Er laut an meine Herzenstür. Eines Tages stürzte ich beim Schlittschuhlaufen aufs Eis und war stundenlang bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam, lag ich im Bett, umgeben von meinen Eltern und dem Arzt. Während ich darüber nachdachte, dass ich nur knapp dem Tod entronnen war, versprach ich Gott, Christ zu werden, wenn Er mich wieder gesund machte. Doch sobald ich wieder gesund war, brach ich mein Versprechen und kehrte ich zu meinen weltlichen Freunden zurück.

Aber mein Gewissen war sehr unruhig, denn ich kannte Gottes Wort: „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und dein Herz mache dich fröhlich in den Tagen deiner Jugendzeit, und wandle auf den Wegen deines Herzens und im Anschauen deiner Augen; doch wisse, dass für dies alles Gott dich ins Gericht bringen wird“ (Pred 11,9). Ich wusste, dass ich nicht darauf vorbereitet war, Gott zu begegnen. 

Mit aller Kraft versuchte ich, den Gedanken an Tod, Gericht und Ewigkeit zu verdrängen. Ich begann, Romane zu lesen, um die düsteren und ernsten Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben. Wenn ich abends zu Bett ging, hatte ich oft Angst vor dem Einschlafen, weil ich fürchtete, in der Hölle aufzuwachen. Aber falsche Vorstellungen über das Leben als Christ hielten mich davon ab, über die große Frage nachzudenken. Insgeheim war ich nämlich davon überzeugt, dass ich auf Freude und Glück verzichten müsste, wenn ich Christ würde. Wie töricht ich war! Ein Christ ist der Einzige, der es sich überhaupt leisten kann, glücklich zu sein. Die Gläubigen sind am glücklichsten, wenn sie sich an Tatsachen erinnern, während die Unerlösten nur glücklich sind, wenn sie sie vergessen.

In Glasgow fanden besondere Evangelisationsveranstaltungen statt, und nachdem ich einige davon besucht hatte, war ich ernsthaft um meine Seele besorgt, versuchte aber, das Empfinden zu ersticken, dass ich bereits von meiner Schuld überführt war. Ich sagte mir: „Irgendwann einmal will ich Christ werden. Ich bin jung und kräftig. Ich will noch etwas vom Leben haben, will noch ein wenig die Freuden der Welt genießen, und dann werde ich mich bekehren. Vielleicht werde ich sehr alt, und wenn es ans Sterben geht – womöglich nach langer Krankheit –, habe ich noch viel Zeit, mich darauf vorzubereiten, Gott zu begegnen.“

In meiner Verblendung und meiner Torheit sprach Gott zu mir durch einen Vers in seinem heiligen Wort, und zwar durch Sprüche 29,1: „Ein Mann, der, oft zurechtgewiesen, den Nacken verhärtet, wird plötzlich zerschmettert werden ohne Heilung.“ Ich zitterte von Kopf bis Fuß; das war ein Schlag gegen meine Vorstellung, dass ich noch auf dem Krankenbett Buße tun könnte. Plötzlich zerschmettert ohne Heilung“ – so klang es in meinen Ohren und störte meinen falschen Frieden. Ich sprach zu mir selbst: „Gott hat mich schon oft zurechtgewiesen; Er hat mich schon oft vor meiner Sünde und vor der Gefahr gewarnt. Wenn ich meine Bekehrung noch länger hinausschiebe, kann es sein, dass ich ohne Vorwarnung in meinen Sünden dahingerafft werde und als unerlöste, unheilige Seele ohne Sündenvergebung vor Ihm erscheinen muss.“

Lieber Leser, schiebe deine Bekehrung nicht länger auf, wenn du noch nicht errettet bist! Vielleicht widerstehst du dem Heiligen Geist und erstickst das Empfinden, dass du von deiner Sünde überführt bist. Dann solltest du darüber nachdenken, was für ein schreckliches Risiko du eingehst. Gott hat dich schon oft zurechtgewiesen und trotzdem „verhärtest du den Nacken“. Denke über diese sehr ernsten Worte nach, die über diejenigen ausgesprochen sind, die sich dieser schrecklichen Sünde schuldig gemacht haben: „Sie werden plötzlich zerschmettert werden ohne Heilung.“ Wenn du plötzlich wie ein Baum gefällt wirst, wirst du dir das niemals verzeihen können. Zögere nicht länger! Fliehe zu Christus, zu der Zuflucht des Sünders!

Innerlich unruhig und unbefriedigt im Herzen, aber nicht sonderlich besorgt um meine Seele, besuchte ich aus Neugier an einem Sonntagabend in Glasgow eine Evangeliumsverkündigung, wo ein gläubiger Rechtsanwalt das Evangelium predigte. Gordon Forlong (1819–1908) – so hieß er – war ein Deist gewesen, jemand, der glaubt, dass Gott die Welt erschaffen, aber keinen Einfluss mehr auf sie habe. Doch als er die Bibel las mit dem Ziel, sie zu widerlegen, erkannte er sich als verlorenen Sünder. Durch die Lektüre des Buches Philosphie des Erlösungsplanes[1] gelangte er zur Erkenntnis des Heilands. Nach seiner Bekehrung widmete er seine Zeit und seine Gaben der Evangeliumsverkündigung. Ich erinnere mich nicht mehr an den Bibeltext, den er für seine Predigt verwendete – falls er überhaupt einen hatte –, oder an das, was er sagte, aber ich hielt ihn für einen ganz außergewöhnlichen Prediger. Ich erinnere mich daran, dass er immer wieder sagte: „Nur das Blut rettet! Nur das Blut rettet!“

Mr. Forlong wies anhand der Schrift nach, dass wir die Erlösung nicht aufgrund dessen erlangen, was wir für Christus tun, sondern aufgrund dessen, was Christus für uns getan hat. Nachdem er aufgezeigt hatte, dass Christus am Kreuz alles vollendet hat, was für die Errettung des Sünder notwendig ist, sagte er: „Es ist vollbracht! Es ist vollbracht! Es ist vollbracht!“ Als ich über die Errettung nachdachte, war mein Verstand mit „glauben“ beschäftigt anstatt mit dem Gegenstand des Glaubens, nämlich mit Christus und seinem „vollbrachten“ Werk.

Ich bildete mir ein, zu glauben, doch ich glaubte nicht auf die richtige Weise. Der Heilige Geist legte mir die Worte „Es ist vollbracht!“ auf Herz und Gewissen. Ich fragte mich: „Was ist vollbracht?“ Ich erinnerte mich daran, dass der Erlöser diese Worte ausrief, als Er starb (Joh 19,30). Mr. Forlong erklärte, was diese wunderbaren Worte bedeuten: Alles, was notwendig ist, damit Gott uns annehmen kann, hat Christus vollbracht durch die „Abschaffung der Sünde durch sein Opfer“ (Heb 9,26; Joh 1,29; 1Pet 2,24).

Vor allem aber betonte er, dass jeder errettet ist, der an den glaubt, der alles getan und alles bezahlt hat. Ich hatte immer angenommen, dass ich irgendeine große Veränderung spüren müsste, bevor ich sicher sein könnte, dass ich errettet bin, und suchte immer nach Frieden in meinem Herzen! Der Prediger schien meine Schwierigkeiten zu verstehen und erklärte, man müsse zuerst an Jesus glauben, dann würden die Gefühle folgen. Mehrmals wiederholte er die Worte: „Der Glaube ist die Wurzel, das Gefühl ist die Frucht.“

Das Licht der herrlichen und frohen Botschaft leuchtete in meine verfinsterte Seele hinein. Ich verstand nun, dass der Herr Jesus an meiner Stelle gestorben war und die Strafe für die Sünde auf sich genommen hatte. Und wenn ich an die „frohe Botschaft“ glaubte, die mir im Wort Gottes verkündet wird, war ich errettet und hatte ewiges Leben! Nach der Predigt blieb ich noch zu einem Gespräch zurück, und ein Mitarbeiter wies mich auf mehrere Bibelstellen hin, unter anderem auf Johannes 3,16 und Johannes 5,24. Nun verstand ich die Wahrheit immer klarer. Ich erkannte, was für einen schrecklichen Fehler ich gemacht hatte: Ich hatte erwartet, dass ich mich glücklich fühlte, bevor ich errettet war.

Oft hatte ich mir gewünscht, dass ich mich errettet fühlte. Jetzt wusste ich, dass ich errettet war, nicht, weil ich es fühlte, sondern weil Gott es in seinem Wort sagt: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben“ (Joh 3,36). Ich glaubte an Jesus; ich glaubte daran, dass Er meine Sünden auf sich genommen hatte und für mich gestorben war; und ich verstand, dass ich mich nicht davor zu fürchten brauchte, Gott zu begegnen. Damals spürte ich keine große Veränderung; ich fühlte nicht, so wie viele andere, dass Liebe mein Herz erfüllte oder dass eine schwere Last von mir fiel; ich nahm Gott einfach beim Wort und dankte Ihm, dass Er mich errettet hatte. Nachdem ich die Zusammenkunft verlassen hatte, musste ich fast noch zwei Kilometer nach Hause laufen, und ich erinnere mich, dass ich etwa so zu Gott sprach: „Herr, ich fühle nicht, dass ich errettet bin; ich weiß es, weil Du es gesagt hast; ich fühle keine Veränderung, aber ich werde daran festhalten, dass ich errettet bin, weil Du es in Deinem Wort gesagt hast.“

Obwohl ich in dieser Nacht keine besondere Veränderung spürte, erfüllten einige Tage später Frieden und Freude meine Seele. Ich hatte mich zu sehr mit dem „Glauben“ beschäftigt und zu wenig mit der wunderbaren Tatsache, dass der Herr Jesus alle meine Sünden hinweggetragen hatte. Wenn ich an seine erstaunliche Liebe zu mir dachte, fühlte ich mich glücklich; aber wenn ich an meinen Glauben dachte, wurde ich unglücklich. Seitdem sind etliche Jahre vergangen und ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt; aber nie habe ich vergessen, dass Gott gesagt hat, dass ich errettet bin.[2]

Wenn du an den Sohn Gottes glaubst, „der dich geliebt und sich selbst für dich hingegeben hat“ (Gal 2,20), erhältst du das ewige Leben als freies Geschenk und als gegenwärtigen Besitz! Glaube an den Herrn Jesus und du wirst aus Gottes Wort wissen, dass du errettet bist. […]

„So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,16); doch „ein Mann, der, oft zurechtgewiesen, den Nacken verhärtet, wird plötzlich zerschmettert werden ohne Heilung“ (Spr 29,1). Ruhe nicht eher, bis du aus dem Wort Gottes die absolute Gewissheit hast, dass du für die Ewigkeit errettet bist.


Originaltitel: „The Story of my Conversion“ in The Springing Well, London (Alfred Holness) 1915, S. 4–6.
Mit Ergänzungen aus „Conversion of a Famous Tract Writer“ in The Herald of Salvation, Jg. 50, London (Pickering & Inglis) 1928

Übersetzung: Gabriele Naujoks

Anmerkungen

[1] Philosophie des Erlösungsplanes, Frankfurt/Main (H.L. Brönner) 1848. Original von James Barr Walker, The Philosophy of the Plan of Salvation. A Book for the Times, Boston (John P. Jewett) 1841.

[2] Anm. d. Übers.: Alexander Marshall wurde 1846 in Stranraer an der Südwestküste Schottlands geboren. Sein Vater, ein Tuchmacher, war als „Heiliger Marshall“ bekannt. Mit achtzehn Jahren verließ er sein Elternhaus und trat eine Stelle in einem Lagerhaus in Glasgow an. In der Großstadt wollte er, wie er selbst sagte, „die Freuden und Vergnügungen der Welt genießen“. Doch er fand keine Befriedigung in der Welt. Im Alter von etwa zwanzig Jahren besuchte er in Glasgow eine Evangelisation mit Gordon Forlong und bekehrte sich. Alexander Marshall war als bekannter Evangelist weltweit unterwegs, unter anderem in Kanada, USA, Barbados, Mexiko, Guyana, Ägypten, Palästina, Neuseeland, Island, Norwegen, Frankreich, der Schweiz, Holland, Estland und Russland. Er starb 1928 in Schottland. H.A. Ironside schreibt über Alexander Marshalls Bekehrung:

Alexander Marshall (1846–1928), der schottische Evangelist, ging als junger Mann in einen Zirkus, wo ein Evangelist predigte. Als er auf der Tribüne saß, verspürte er das Bedürfnis, gerettet zu werden, dachte aber bei sich: „Wenn ich doch nur das glückliche Gefühl bekommen könnte, das einige dieser Leute haben, dann wüsste ich, ob es echt ist.“ Oft gibt der Geist Gottes einem Prediger genau die richtige Botschaft für jemand im Publikum, und dieser Prediger beugte sich über die Kanzel, zeigte auf die Stelle, wo Alex saß, und sagte: „Junger Mann, der Glaube ist die Wurzel, das Gefühl ist die Frucht.“ In diesem Moment verstand Alexander Marshall, glaubte und „ging aus dem Tod in das Leben über“ (Joh 5,24).

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