Wann werden wir von Gott verworfen?
Vorsicht! Selbsttäuschung möglich

Roy A. Huebner

© SoundWords / CSV / CLV, online seit: 22.08.2008, aktualisiert: 19.04.2019

Leitverse: 1. Korinther 9,24-27

1Kor 9,24-27: Wisst ihr nicht, dass die, die in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft nun so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, damit sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe daher so, nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der die Luft schlägt; sondern ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft, damit ich nicht etwa, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde.

Ein Arminianer – also jemand, der an den freien Willen des Menschen glaubt und dass ein Kind Gottes wieder verlorengehen kann – würde diesen Vers gebrauchen, um seine Lehre zu unterstützen. Jemand, der so wie C.I. Scofield an die ewige Sicherheit glaubt, mag sagen, dieser Text bedeute, dass der Dienst eines Gläubigen abgewiesen wird. Der Text lehrt weder das eine noch das andere.

Die Worte heißen: „damit ich nicht etwa … selbst verwerflich werde“. Der Text sagt nicht: „damit mein Dienst nicht etwa abgewiesen werde“. Was könnte deutlicher sein als „damit ich nicht … selbst verwerflich werde“? Wir haben hier „ich“ und „selbst“. Es ist nicht unsere Aufgabe, diese Worte in „Dienst“ zu verwandeln. Beachten wir auch, dass das Wort nicht sagt: „damit nicht etwa, nachdem ich errettet worden bin“.

Eine Falschmünze ist nie eine echte Münze gewesen, die dann zu einer Falschmünze geworden wäre. Sie war immer eine Falschmünze, von Anfang an. Judas zum Beispiel war ein Teufel (Joh 6,70), obwohl er zum Dienst auserwählt war und dazu, um bei unserem Herrn zu sein. Er war nicht für eine Weile ein Kind Gottes und wurde dann zum Ende hin eine Falschmünze. Er war ein Dieb (Joh 12,6), unrein (Joh 13,11.12), ein Ungläubiger (Joh 6,64) und der Sohn des Verderbens (Joh 17,12). (Trotz all dieser Schriftstellen gibt es solche, die darauf bestehen, dass Judas einmal ein Kind Gottes war, womit sie dann einen Fall hätten, dass ein Kind Gottes wieder verlorengehen könne. Aus Johannes 17,12 könnte man die Vermutung ziehen, dass der Vater Judas dem Herrn gegeben hätte. Aber das ist ein falsches Verständnis des Textes, zumal Johannes 18,9 eindeutig sagt, dass keiner von denen, die Ihm gegeben wurden, verloren ist.) Er predigte anderen (Mt 10,1-4) und wurde verworfen. Man kann bei einem falschen Bekenntnis so weit gehen, dass man anderen predigt und doch selbst verworfen wird.

„Verworfen“ ist jemand oder etwas, der oder das von Gott weggeworfen oder zurückgewiesen wird (siehe auch Röm 1,28; 2Kor 13,5-7; 2Tim 3,8; Tit 1,16; Heb 6,8; das Wort wird manchmal auch mit „unbewährt“ übersetzt). Ein Kind Gottes wird nicht verworfen werden. Dieser Text spricht von jemand wie Judas. Seine Person wurde abgewiesen. Er war ein Verworfener. Es ist eine ernste Warnung an diejenigen, die Glauben bekennen. Ist der Glaube echt? Oder ist er bloß ein Lippenbekenntnis? Das Ende eines Lebens der Selbstzufriedenheit steht die Verwerfung, auch wenn man zur selben Zeit ein christliches Bekenntnis führt.

Einige sind der Ansicht, dass Paulus in Bezug auf sich selbst nicht sicher war. Doch sagt er gerade im vorhergehenden Vers: „Ich laufe daher so, nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der die Luft schlägt.“ Paulus war nicht unsicher. Er glaubte, und deswegen übte er Selbstdisziplin für den christlichen Wettlauf. „Ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft.“

Es gibt unter den bekennenden Christen einen großen Mangel an Selbstdisziplin, so wie Gott sie haben möchte. Wir essen, worauf wir „Lust haben“; wir gehen dahin, wohin wir „Lust haben“; wir kleiden uns in einer Weise, wie wir „Lust haben“; wir denken in einer Weise, wie wir „Lust haben“ – essen, trinken und fröhlich sein. Dieses Genießen kannte der Apostel, der sich selbst in Zucht hielt, überhaupt nicht. Selbstbeherrschung ist ein Element der Frucht des Geistes (Gal 5,22). Christus stand vor seiner Seele. Für ihn war es eine praktische Realität, nicht mehr sich selbst zu leben (2Kor 5,15). Sein Leib war der Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19), und er handelte dementsprechend.

„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,1.2).

„Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib“ (1Kor 6,20).


 

Zu demselben Thema heißt es in dem CSV-Kalender Der Herr ist nahe (9. August 2008):

Wenn Christen ihrem Herrn wirklich dienen wollen, kann ihre Lebensführung nicht mit einem gemächlichen Spaziergang verglichen werden. Paulus benutzt das Bild eines anstrengenden Wettlaufs. Bei Sportwettkämpfen erhalten nur die Ersten einen Preis. Die Sportler müssen sich anstrengen und auch Verzicht leisten; sie dürfen sich durch nichts aufhalten lassen. In der Rennbahn de Glaubens nun kann zwar jeder Christ „den Preis“ erlangen, und doch muss er auch wirklich unbeirrt und ungehemmt laufen. Was den Christen in seinem Glaubenslauf aufhalten könnte, das sind (im Zusammenhang dieser Stelle) nicht etwa Krankheiten und andere Nöte, auch nicht Widerstand durch die Welt. Es gibt nämlich auch Hindernisse im Glaubenslauf, die von unserem Hang zur Bequemlichkeit herrühren. Und diese Gefahr ist hier gemeint.

Paulus lief ganz bewusst „in der Rennbahn“. Er hatte das Ziel fest vor Augen. Und wenn er einen Schlag austeilte (das Bild des Boxers kommt in 1. Korinther 9,26 hinzu), dann „schlug er nicht in die Luft“. Er nahm vielmehr Unbequemlichkeiten in seinem Dienst für Gott gern auf sich. Niemals gestattete er seinem Körper, Forderungen an ihn zu stellen, die ihn in der Ausführung seiner Aufgaben hindern konnten. Dann musste sein Körper (der hier als Inbegriff der rein natürlichen Genüsse des Lebens gesehen wird) eben „in Knechtschaft“.

Uns winkt eine unvergängliche Siegeskrone, die Anerkennung unseres Herrn: Wohl du guter und treuer Knecht! Gott spornt uns an: „Lauft nun so, dass ihr den Preis erlangt.“ Sind wir bereit, unnütze Lasten abzulegen, z.B. unnötige irdische „Verpflichtungen“ oder zeitraubende Annehmlichkeiten? Fähig werden wir dazu, wenn wir das Ziel und den Preis fest ins Auge fassen.

Und Arno C. Gaebelein schreibt zu 1. Korinther 9,24-27 u.a.:

Auch haben kaum Christen mehr das Wachen und Beten mehr nötig als gerade jene, die häufig das Wort verkündigen oder andere auf den Wegen des Herrn leiten. Wie leicht vergessen sie, dass das Tun der Wahrheit die allgemeine Verpflichtung aller ist und dass noch so ernst zu anderen darüber zu reden aus der Sicht Gottes kein Ersatz für den eigenen Gehorsam gegenüber der Wahrheit sein kann. Das ist eine Warnung vor einem leeren christlichen Bekenntnis ohne die Offenbarung der Kraft. Wo wirkliches Heil, wo ewiges Leben ist, da erweist es sich durch einen gottseligen Wandel (aus: Kommentar zum Neuen Testament, CLV, S. 300).


Originaltitel: „Missunderstood/missused Texts. 1 Cor 9:27“,
aus Thy Precepts, Jg. 4, 1989, S. 1–2


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