Was lese ich?
Was ich lese, zeigt, was ich bin

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, online seit: 07.04.2011, aktualisiert: 09.12.2017

Was lese ich?“ – „Was sollte ich eigentlich lesen?“ – Das sind wichtige Fragen für jeden Gläubigen. In diesen Fragen liegt mehr, als wir zugeben wollen. Jeder von uns muss sich diese Fragen selbst ehrlich beantworten. Ein bekanntes Sprichwort sagt: Zeige mir deine Freunde und ich sage dir, was du bist. Wir könnten ebenso gut auch sagen: Zeige mir dein Bücherregal und ich sage dir, wo du stehst. Oder anders ausgedrückt: Zeige mir, welche Bücher, Zeitungen und Zeitschriften du liest, und ich sage dir, wie es um dein geistliches Leben bestellt ist.

Ein alarmierendes Anzeichen

Besonders junge Christen verspüren oft einen inneren Widerwillen gegen gesunde christliche Lektüre (dies kommt übrigens auch bei älteren Christen vor!). Gute christliche Lektüre bleibt unbeachtet im Bücherregal stehen, während Zeitungen, Zeitschriften und Romane regelrecht verschlungen werden – ein Beweis, dass das geistliche Leben auf einem sehr niedrigen Niveau ist. Wie ist es um mein geistliches Leben bestellt, wenn ich kaum einen Augenblick Zeit finde, um die Bibel zu lesen, jedoch Stunden damit verbringe, andere Lektüre zu lesen? Wenn ich sage, dass ich den Herrn Jesus liebe, aber sein Wort nicht liebe, dann ist bei mir etwas faul.

Lesen ist Nahrung

Was ich lese, zeigt meinen moralischen, geistigen und geistlichen Zustand; andererseits gibt ein Buch, das ich lese, mir Nahrung. Durch das Lesen wird mein innerer Mensch genährt. Deshalb sind diese Fragen für jeden Christen so wichtig: Was lese ich? Womit wird mein innerer Mensch genährt? Gebe ich der alten Natur oder der neuen Natur Nahrung?

Bin ich geistlich gewachsen?

„Wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch diese wachst“ (1Pet 2,2). So wie es normal ist, dass ein Kind körperlich wächst, so ist es auch normal, dass ein Gläubiger geistlich wächst. Wenn ein Gläubiger geistlich nicht wächst, steht es schlecht um ihn. Natürlich gibt es dafür viele Ursachen. Aber eine Ursache ist zweifellos darin zu suchen, dass so jemand (als ein neugeborenes Kind) nicht nach der guten, unverfälschten Milch des Wortes Gottes verlangt. Die Folge: Er hat wenig Kenntnis über die Wahrheiten der Bibel. Fragen wir uns einmal ganz persönlich: Wie kann ich geistlich wachsen, wenn ich das Lesen in der Bibel vernachlässige, jedoch andere Bücher, Zeitschriften, Zeitungen regelrecht verschlinge?

Darf ich dann nichts anderes mehr lesen?

Wenn ich meiner neuen Natur Nahrung geben will, dann kann ich nicht Zeitschriften und oberflächliche Lektüre lesen. Natürlich kann es notwendig sein, dass ich für meine Ausbildung, für meinen Beruf oder im Zusammenhang mit offiziellen Verpflichtungen eine Zeitung, eine bestimmte Zeitschrift oder bestimmte Bücher lesen muss. Aber die Frage ist doch, ob ich wirklich Vergnügen, Gefallen, Freude und Entspannung in solcher Lektüre finde. Werde ich durch solche Lektüre geistlich gestärkt? „Das verborgene Man“ oder „das Korn des Landes Kanaan“ werde ich in solcher Lektüre nicht finden (Off 2,17; Jos 5,11).

Die Folge von falscher Nahrung

Warum befindet sich unser geistliches Leben oft auf einem solch niedrigem Niveau? Die Ursache kann darin liegen, dass wir uns falsche Nahrung zuführen. Wir lesen zu wenig in der Bibel und vertiefen uns zu viel in wertloser Lektüre! Wie kann es meiner Seele gut gehen (meinen Gefühlen, meinen Emotionen, meinem Verlangen, meinen Wünschen), wenn das göttliche Leben in mir nicht wächst, wenn ich die Bibel oder Bücher, die die Bibel auslegen, nicht liebe? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass ein Christ, der sich in einem guten geistlichen Zustand befindet, lieber oberflächliche Lektüre liest als zum Beispiel ein Buch, das sein geistliches Leben aufbauen kann.

Ein normaler geistlicher Zustand

Ich bin davon überzeugt, dass ein aufrechter Christ jemand ist, der Christus lieb hat; jemand, der in den göttlichen Dingen wachsen will; jemand, der nach dem Himmel und nach den himmlischen Dingen verlangt; jemand, der eifrig die Heilige Schrift studiert; jemand, der von guten Büchern dankbaren Gebrauch macht. Er möchte „weise [sein] zum Guten, aber einfältig zum Bösen“ (Röm 16,19b). Er weiß, dass er sich „von jeder Art des Bösen fernhalten“ muss (1Thes 5,22). Diese Dinge sind von größter Bedeutung für jeden Gläubigen. Ich empfinde, dass ich über dieses Thema schreiben muss, vor allem im Hinblick auf den Richterstuhl des Christus, vor den wir alle einmal gestellt werden. Lieber Leser, bitte meide leichtfertige, oberflächliche Lektüre, halte dich fern von solcher Lektüre!

Einige Fragen

Wenn ich ein Buch, eine Zeitung oder eine Zeitschrift zur Hand nehmen will, dann sollte ich mich zuerst selbst fragen:

  • Möchte ich, dass der Herr dies in meinen Händen findet, wenn Er wiederkommt?
  • Kann ich diese Lektüre in die Gegenwart Gottes bringen?
  • Kann ich Ihm dafür danken?
  • Kann ich Ihn um seinen Segen bitten, wenn ich dieses Buch lese? Kann ich diese Lektüre zur Verherrlichung des Namens des Herrn Jesus lesen?

Wenn ich diese Fragen nicht mit Ja beantworten kann, dann sollte ich diese Lektüre besser weglegen und mich mit dem Wort Gottes oder mit einem guten geistlichen Buch beschäftigen. Dann wird meine Seele Nahrung empfangen, dann werde ich in der Gnade wachsen, und meine Erkenntnis, meine Liebe zu meinem Herrn und Heiland Jesus Christus wird zunehmen und die Früchte der Gerechtigkeit in meinem Leben werden wachsen – zur Verherrlichung Gottes.

Sollen wir nur noch die Bibel lesen?

Nun gibt es auch Gläubige, die nur die Bibel lesen wollen und jede andere Lektüre ablehnen. Sie sind der Meinung, dass sie alles, was sie benötigen, in dem einzigartigen Buch Gottes finden können, dass der Heilige Geist sie in die ganze Wahrheit führen wolle und dass menschliche Schriften eher ein Hindernis als eine Hilfe seien. Das muss jeder für sich selbst beurteilen. Ich persönlich bin nicht dieser Meinung. Jemand, der so unabhängig sein möchte, begeht einen großen Irrtum. Ich danke dem Herrn jeden Tag für die Hilfsmittel, die Er uns durch Schriften seiner Diener gegeben hat. Wenn jemand sich weigert, die Schriften von Mitgläubigen zu lesen, dann müsste er es eigentlich auch ablehnen, diesen Mitgläubigen zuzuhören, wenn sie am Wort dienen!

Wir dürfen natürlich auch nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen und den Fehler begehen, zu meinen, dass wir die Bibel gar nicht mehr zu lesen brauchen, wenn wir nur treu zu den Zusammenkünften gehen, wenn wir Vorträge besuchen und geistliche Bücher studieren. Das ist natürlich ebenso verkehrt. Die Bibel selbst muss immer Nummer eins bleiben. Wir müssen die Bibel als Richtschnur in unserem Leben und als Waffe gegen die Angriffe des Feindes kennen. Wir sollen wie die Gläubigen in Beröa sein und täglich die Schriften untersuchen, ob diese Dinge sich so verhalten (Apg 17,11).

Wir brauchen einander

Wir haben einander nötig, wir müssen einander helfen. Wir sind ja „durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles“, miteinander verbunden (Eph 4,16). Gott hat der Versammlung Hirten und Lehrer gegeben. Sie weisen uns auf die Übereinstimmung der einzelnen biblischen Bücher hin, sie erklären uns schwierige Texte, sie hüten und weiden uns durch die Heilige Schrift. Auf diese Weise können Gläubige noch zu uns sprechen, auch wenn sie schon gestorben sind. Viele Gläubige werden Gott in der Ewigkeit loben und für den Segen danken, den sie durch Bücher und Traktate empfangen haben. Einige haben noch nie andere geistliche Dienste empfangen als das, was durch Bücher und Schriften zu ihnen kam.

Ist die Bibel denn nicht genug?

Doch, natürlich reicht die Bibel allein aus. Aber nicht jeder ist so gelehrt und gebildet, um die Tiefen der Bibel zu erforschen oder die moralischen Herrlichkeiten zu verstehen. Der Geist Gottes wird uns auf die grünen Weiden der Heiligen Schrift führen, wenn wir keine Predigten hören und keine geistlichen Schriften lesen können. Aber niemand wird bestreiten, dass der Heilige Geist die Schriften der Diener Gottes gebraucht, um die Kinder Gottes in ihrem Glauben aufzuerbauen. Der Heilige Geist gebraucht den mündlichen und schriftlichen Dienst seiner Diener, um die Menschen zu segnen und die Wahrheit zu verbreiten. Ich bin der Meinung, dass jemand einen schwerwiegenden Irrtum begeht, wenn er den schriftlichen Dienst verachtet. Mir ist oft aufgefallen, dass jemand engstirnig, beschränkt, im Glauben unreif und sehr einseitig wird, wenn er die Hilfe abweist, die er von menschlichen Schriften empfangen könnte. Darüber brauchen wir uns nicht zu wundern, denn so jemand beachtet nicht, dass der schriftliche Dienst eine Methode Gottes ist, mit der Er seine Kinder unterweisen möchte. Wir wollen einander auch in dieser Hinsicht helfen und unterstützen.


Übersetzt aus „What should I read?“

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