Das Gesetz: Die Lebensregel des Christen?
Johannes 14,21; 1.Johannes 3,21-24; Römer 7–8

Charles Henry Mackintosh

© Heijkoop-Verlag, online seit: 28.10.2003, aktualisiert: 04.01.2018

Leitverse: Johannes 14,21; 1. Johannes 3,21-24; Römer 7–8

Joh 14,21: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt, und: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten.

1Joh 3,21-24: Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verurteilt, so haben wir Freimütigkeit zu Gott, und was irgend wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun. Und dies ist sein Gebot, dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, gleichwie er uns ein Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, bleibt in ihm, und er in ihm.

Könnte irgendetwas mehr Kraft geben als der Wunsch, dem Herzen unseres geliebten Herrn Freude zu bereiten? Welch einen Wert verleiht das jeder noch so kleinen Tat des Gehorsams! Wie weit ist das jedem gesetzlichen System überlegen! Der Gegensatz zwischen Gesetz und Christentum ist gleich dem Unterschied zwischen Tod und Leben, Gefangenschaft und Freiheit, Verdammnis und Gerechtigkeit, Zweifel und Gewissheit. Wie verkehrt ist daher jeder Versuch, diese beiden Dinge miteinander zu vermengen, sie zu einem System zu verschmelzen, als wären es nur zwei Äste aus demselben Stamm. Welch eine hoffnungslose Verwirrung würde das geben! Dieser Versuch steht in krassem Gegensatz zu der Lehre des ganzen Neuen Testaments.

„Ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade“, sagt der Apostel unmissverständlich (Röm 6,14). Der Heilige Geist erklärt hier mit Nachdruck, dass die Christen nicht unter Gesetz sind. Wenn wir unter Gesetz wären, so würde die Sünde über uns herrschen. Wir finden in der Schrift beständig, dass „Sünde“, „Gesetz“ und „Fleisch“ miteinander verbunden sind. Jemand, der unter Gesetz steht, kann niemals das Glück kennenlernen, aus der Herrschaft der Sünde befreit zu sein. Schon hieran können wir erkennen, wie verkehrt es ist, jemandem das Gesetz aufzuerlegen. Man würde denjenigen in eine Stellung drängen, in der die Sünde mit unumschränkter Macht über ihn herrscht. Es ist ganz und gar unmöglich, Heiligkeit durch das Gesetz hervorzubringen. Wenden wir uns noch einen Augenblick Römer 7 zu. Wir lesen in Vers 4 dieses Kapitels: „Also seid auch ihr, meine Brüder“, das heißt also alle wahren Gläubigen, das ganze Volk Gottes, „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten“ (Röm 7,4). Es braucht kaum gesagt zu werden, dass wir nicht „dem Gesetz getötet“ und zugleich „unter dem Gesetz“ sein können.

Beachten wir dabei, dass der Apostel nicht sagt, das Gesetz sei getötet. Wir sind durch den Tod Christi aus dem Bereich des Gesetzes herausgenommen worden. Christus nahm unseren Platz ein. Er wurde geboren unter Gesetz und auf dem Kreuz für uns zur Sünde gemacht. Aber Er starb und wir mit Ihm, und so hat Er uns dadurch aus der Stellung, in der wir unter der Herrschaft der Sünde und unter dem Gesetz standen, völlig herausgenommen und uns in eine ganz neue Stellung, in eine lebendige Gemeinschaft und Einheit mit Sich Selbst gebracht, so dass jetzt auch von uns gesagt werden kann: „… dass gleichwie er ist, auch wir sind in dieser Welt.“ Ist Er unter Gesetz? Nein. Dann sind auch wir nicht unter Gesetz. Hat die Sünde noch einen Anspruch an Christus? Nicht den geringsten. So hat sie auch keinen Anspruch mehr an uns. Was unsere Stellung betrifft, so sind wir, wie Er ist, in der Gegenwart Gottes. Würden wir uns daher wieder unter das Gesetz stellen, so wäre das eine vollständige Umkehrung unserer christlichen Stellung und ein Widerspruch gegen die Aussagen der Heiligen Schrift.

Wie könnte ein Leben in Heiligkeit gefördert werden, wenn die eigentlichen Grundlagen des Christentums beseitigt werden? Wie könnte die in uns wohnende Sünde niedergehalten werden, wenn man uns gerade unter das System zurückbringt, das der Sünde die Macht über uns gibt? Ein göttliches Ziel kann nur auf einem göttlichen Weg erreicht werden. Gottes Weise aber, wie Er uns aus der Herrschaft der Sünde befreit, besteht darin, dass Er uns aus dem Herrschaftsbereich des Gesetzes herausnimmt. Wir sind nicht mehr unter Gesetz, sondern unter Gnade. Wer daher einen Christen wieder unter das Gesetz stellen will, handelt im Widerspruch zu Gott. Doch hören wir, was der Apostel in Römer 7 weiter sagt:

„Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tode Frucht zu bringen. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in welchem wir festgehalten wurden, so dass wir dienen in dem Neuen des Geistes und nicht in dem Alten des Buchstabens“ (Röm 7,5.6).

Auch diese Worte sind klar. Wenn der Apostel sagt: „… als wir im Fleisch waren“, so weist er damit doch auf die Vergangenheit hin, auf eine Stellung, in der wir uns nicht mehr befinden. Aber sind denn die Gläubigen nicht mehr im Fleisch? Nein, die Schrift erklärt das ausdrücklich. Will das sagen, dass sie nicht mehr im Leibe sind? Keineswegs.

Sie sind noch in diesem Leib der Schwachheit, aber wenn es sich um ihre Stellung vor Gott handelt nicht mehr im Fleisch. Am klarsten wird das in Römer 8: „Die aber, welche im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen. Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn anders Gottes Geist in euch wohnt.“ Diese Worte stellen uns eine ernste Tatsache, zugleich aber auch ein herrliches Vorrecht vor Augen. „Die aber, welche im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen.“ Sie mögen ehrbar, liebenswürdig und religiös sein, aber sie können Gott nicht gefallen. Ihre Stellung ist falsch. Die Quelle, aus der all ihr Tun entspringt, ist verderbt. Die Wurzel und der Stamm, von dem alle Zweige ausgehen, sind faul und hoffnungslos schlecht. Sie können nicht eine Frucht hervorbringen, die wirklich gut und Gott angenehm ist. „Sie vermögen Gott nicht zu gefallen.“ Sie müssen in eine ganz neue Stellung gebracht werden und müssen ein neues Leben empfangen.

Doch lasst uns auch das herrliche Vorrecht aller wahren Gläubigen nicht aus dem Auge verlieren: „Ihr aber seid nicht im Fleisch.“ Die Gläubigen sind nicht mehr in einer Stellung, in der sie Gott nicht gefallen können. Sie haben eine neue Natur, ein neues Leben empfangen. Der Heilige Geist ist die Kraft dieses Lebens, Christus der Ursprung, die Herrlichkeit das Ziel und der Himmel die Heimat. Es ist wohl wahr, dass der Gläubige irren kann, dass er geneigt ist, seinem eigenen Willen zu folgen und imstande ist zu sündigen. In ihm, das ist in seinem Fleisch, wohnt nichts Gutes. Aber seine Stellung ist auf das Fundament der Gnade gegründet, und für den Zustand des Gläubigen hat Gott in Seiner Gnade vorgesorgt durch das vollgültige Opfer und die allmächtige Fürsprache unseres Herrn Jesus Christus. Er hat den Gläubigen für immer von dem schrecklichen System befreit, dessen hervorstechende Züge „Fleisch“, „Gesetz“, „Sünde“ und „Tod“ sind, und Er hat ihn auf den herrlichen Platz versetzt, der durch „Leben“, „Freiheit“, „Gnade“, „Friede“, „Gerechtigkeit“, „Heiligkeit“, „Herrlichkeit“, ja durch „Christus“ Selbst charakterisiert wird (vgl. Heb 12,18-24).

Das gesetzliche System des Menschen steht der Lehre des ganzen Neuen Testaments schnurstracks entgegen. Gegen dieses System und seine Verteidiger musste Paulus, der treue Knecht des Herrn, während seines ganzen Lebens kämpfen. Beständig warnte er davor. Denn die Gesetzeslehrer wollten überall seine gesegnete Arbeit untergraben, verderben und die Christen im Glauben irreführen.


Aus Gedanken zum 5. Buch Mose
Heijkoop-Verlag, Winschoten, 1975

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