Partnerwahl – was zählt?
Anfang vom Ende oder Tor zum Paradies?

Hans-Joachim Kuhley

© H.-J. Kuhley, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 09.02.2018

Leitverse: Markus 10,9-12; 2. Korinther 6,14

Einleitung

Wir freuen uns über viele junge Christen, die ihre Ehe gern nach biblischen Grundsätzen schließen und führen möchten. Unser Gebet ist, dass ihnen dies mit der Hilfe unseres Herrn gelingt. Eheglück stellt sich ja nicht automatisch ein, auch nicht, wenn zwei Christen heiraten. Gott hat es – wie jeden irdischen Segen – an seine Vorbedingungen geknüpft. Nur wenn man sie kennt und ernst nimmt, wird der Weg zu zweit auf die Dauer gelingen.

Auf den folgenden Seiten können nur einige Gesichtspunkte zu diesem wichtigen Thema vorgestellt werden. Es wäre schön, wenn sie zum betenden Nachdenken über weitere diesbezügliche Bibelstellen anregen könnten. Das sollte man über längere Zeit getan haben, bevor man den Herrn konkret um Weisung bittet, ob, wen und wann man heiraten soll.

Wir müssen uns ganz zu Anfang zwei wichtige Dinge bewusst machen. Zuerst: Gott betrachtet die Ehe als unauflöslich, als bindend für das ganze Leben. Das verleiht dem Thema Partnersuche für Christen einen Stellenwert, den es in unserer Gesellschaft längst nicht mehr hat.

Die Meinung unseres Herrn über Ehescheidung kennen wir gut:

Mk 10,9-12: Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Und in dem Haus befragten ihn die Jünger wiederum hierüber; und er spricht zu ihnen: Wer irgend seine Frau entlassen und eine andere heiraten wird, begeht Ehebruch gegen sie. Und wenn eine Frau ihren Mann entlassen und einen anderen heiraten wird, so begeht sie Ehebruch.

Diese Worte sind eindeutig; sie werden durch weitere Bibelstellen wie z.B. Römer 7,2.3 und 1. Korinther 7,10.11.39 noch unterstrichen. – Die Möglichkeit der Scheidung sollten junge Christen deshalb aus allen Überlegungen zur Ehe von vornherein ausschließen.

2Kor 6,14: Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen.

Zweitens möchte ich auch diesen Vers aus 2. Korinther 6,14 voranstellen. Er sollte jeden Gläubigen davon abhalten, die Eheschließung mit einem unbekehrten Partner in Betracht zu ziehen.

Gibt es denn unter den Nichtchristen nicht auch charakterlich wertvolle und liebenswerte Menschen? Selbstverständlich! Aber darum geht es hier gar nicht, sondern um die ernste Frage: Welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen (2Kor 6,15)? In einer gemischten Ehe gehören die Partner entgegengesetzten geistlichen Bereichen an, zwischen denen das Kreuz unseres Herrn steht, „durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt“ (Gal 6,14). Ein Christ weiß im Allgemeinen sehr wohl, dass er nicht zugleich dem Herrn und einem unbekehrten Ehepartner gefallen kann. Er sollte deshalb niemals annehmen, dass solch ein Doppelleben die Führung des Herrn für ihn sein könnte. Simson (Ri 14–16) und selbst ein Salomo (1Kön 11,4; Neh 13,26) sind auf diesem Weg gescheitert. Etwas völlig anderes ist es, wenn einer von zwei ungläubigen Partnern während der Ehe den Herrn annimmt; er darf sich auf kostbare Zusagen stützen.

Oft wird vorgebracht, dass sich doch in einigen Fällen der ungläubige Partner später bekehrt habe. Ja, das stimmt. Unser Herr sei dafür gepriesen! Aber wollen wir die unumschränkte Gnade des Herrn als Ermunterung betrachten, gegen seine klaren Anweisungen zu handeln? Wir alle kennen weitaus mehr Fälle, wo solch ein eigener Weg zu einer unerträglichen Belastung für beide Seiten wurde.

Das noch: Jemand aus der Welt, der einem Gläubigen ehrliche Absichten signalisiert, hat auf jeden Fall Anspruch auf eine möglichst frühzeitige, deutliche Erklärung über die Gründe, die einer Verbindung entgegenstehen. Bist du darauf vorbereitet, junger Bruder, junge Schwester? Der Herr wird ein offenes Bekenntnis nicht unbelohnt lassen.

Beten und zeigen lassen

Die Entscheidung für einen bestimmten Ehepartner ist von großer Tragweite für das weitere Leben, sie berührt unser innerstes Sein. Je tiefer wir das spüren, um so ernster werden wir beten.

Nun fragst du: Ist beten denn alles, was ich im Blick auf dieses Herzensanliegen tun muss, bin ich im Übrigen zu untätigem Warten verurteilt? – Die Antwort liegt vielleicht in den folgenden zwei Bibelversen: „Haus und Gut sind ein Erbteil der Väter, aber eine einsichtsvolle Frau kommt von dem HERRN“ (Spr 19,14), und: „Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden und hat Wohlgefallen erlangt von dem HERRN“ (Spr 18,22). Der erste Vers sieht die Frau als ein Geschenk des HERRN an; man erhält sie als Gebetserhörung. In dem anderen Vers wird die Frau „gefunden“; man ist zu der festen Überzeugung gekommen, dass dies die erbetene Frau ist. Das setzt natürlich klare Vorstellungen und Suchkriterien voraus.

Letztendlich wird uns aber nur der Herr klarmachen können, was für einen Partner wir brauchen. Und damit wären wir wieder beim Gebet. Beten und Suchen dürfen sich also bei der Partnersuche in einer schönen Weise ergänzen. Ich wüsste kein besseres Beispiel dafür als das Vorgehen des Knechtes Abrahams in 1. Mose 24. Es lohnt sich für junge Christen, dieses Kapitel von Zeit zu Zeit aufmerksam zu lesen.

Wobei eine Hilfe?

1Mo 2,18: Und Gott, der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, seinesgleichen [eig. ihm entsprechend].

Aufgrund dieses Verses solltest du dich, junger Bruder, immer wieder fragen: Wobei eine Hilfe? Was will ich eigentlich aus meinem Leben machen, welche Ziele verfolge ich? Decken sie sich mit dem Willen des Herrn?

Darüber musst Du Dir als Erstes völlig klarwerden. Das gläubige Mädchen, das sich dir einst anvertrauen soll, erwartet eine klare Antwort, wo du deine Schwerpunkte gesetzt hast.

Und du, junge Schwester, frage dich zuweilen, wem du wohl eine gute Hilfe sein könntest, mit welchem Lebensziel du dich gern identifizieren würdest. Zu welchem Eindruck müsste ein junger Mann aus deinem Verhalten, deinen Schwerpunktinteressen und deinem Äußeren gelangen? Nimm nötigenfalls Korrekturen vor. Überlege auch, ob du mit Kindern zurechtkämst. Stelle ruhig einmal einen ehrlichen Vergleich zwischen dir und der tüchtigen Frau in Sprüche 31,10-31 an. Bedenke schließlich, dass Rebekka, Rahel, Zippora und Ruth bei ihrer normalen Pflichterfüllung „entdeckt“ wurden.

Ich will nicht frei ausgehen! – Wirklich?

2Mo 21,5: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht frei ausgehen.

Nach 2. Mose 21,5 konnte ein hebräischer Knecht seinen zeitlich begrenzten Dienst mit den Worten „Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht frei ausgehen“ in ein Dauerverhältnis umwandeln. – Sara gehorchte Abraham und nannte ihn Herr (1Pet 3,6). – Zweimal Verzicht auf Freiheit aus echter Liebe!

Nicht weniger verlangt die Ehe von Euch, ihr jungen Geschwister. Seid Ihr bereit dazu? Ihr seid es nicht, solange ihr z.B. überlegt: Was bringt mir die Ehe? Oder: Welche Gewohnheiten, Hobbys und Ziele dürfte sie keinesfalls berühren? Seid ihr imstande, bei Unstimmigkeiten auch einmal nachzugeben?

Es geht hier nicht darum, ob euch das später immer gelingen wird, sondern um euer Wollen, um eure Bereitschaft. „Ich will nicht“, sagt der Knecht. „Ich will gehen“, sagt Rebekka (1Mo 24,58).

Ohne diese grundsätzliche Bereitschaft, dem Partner aus Liebe immer wieder Opfer zu bringen, wird eure Ehe ihrer höchsten Bestimmung nicht gerecht, das Verhältnis zwischen Christus und seiner Versammlung (Gemeinde) widerzuspiegeln (Eph 5,22-33).

Verlassen und Anhangen – Kannst du das?

1Mo 2,24: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen.

Ps 45,10: Höre, Tochter, und sieh, und neige dein Ohr; und vergiss deines Volkes und deines Vaters Hauses.

Mit dem Tag der Eheschließung verlassen beide jungen Leute ihre bisherigen Familien und bilden eine neue, selbständige Gemeinschaft, die vor Gott in jeder Hinsicht eigene Verantwortung trägt. Seid ihr jungen Leute, sind eure Eltern auf diesen einschneidenden Wechsel genügend vorbereitet? Natürlich werden kindliche oder geschwisterliche Liebe, Achtung und Fürsorge nicht davon berührt. Aber eine innere Bindung an einen Elternteil oder an beide, die stärker ist als die an den Ehepartner, trägt einen Krankheitskeim in die junge Ehe.

Ebenso wirkt jede noch so gut gemeinte Einmischung durch Eltern oder Angehörige. Das junge Paar wird noch oft und gern den Rat der Eltern einholen (Spr 23,22). Aber für den Bestand einer geplanten Ehe ist es eine lebenswichtige Voraussetzung, dass beide Partner hinreichend gelernt haben, aufkommende Probleme mit der Hilfe des Herrn und nach biblischen Maßstäben zu meistern.

Frage dich ehrlich, ob du bereit wärst zu „verlassen“ und „anzuhangen“, auch, ob du schon gelernt hast, deine Probleme selbständig und biblisch zu lösen.

Spr 24,27: Besorge draußen deine Arbeit und bestelle sie dir auf dem Felde; hernach magst du dann dein Haus bauen.

Jede Ehe braucht neben der geistlichen Grundlage natürlich auch eine rein wirtschaftliche. Die materiellen Voraussetzungen für eine eigene Haushaltsführung sollten gegeben sein, auch dann noch, wenn der Herr vielleicht Kinder schenkt.

Keine unrealen Erwartungen!

In einer Phase, in der man noch zum Schwärmen und Träumen neigt, nehmen auch die ersten Vorstellungen über einen evtl. Ehepartner Gestalt an. Bereits dann sollte man vor allem dem Herrn seine Wünsche vorlegen. Es besteht sonst die Gefahr, dass man sich zu stark und einseitig gedanklich festlegt, sich auf einen vermeintlichen Idealtyp versteift. Je festgelegter wir da sind, desto größer werden die Probleme bei der Partnersuche und die Enttäuschungen im realen Eheleben ausfallen. Jeder Mensch hat gute und weniger gute Seiten. Als Bibelleser sollten wir das wissen und einkalkulieren. Das „Zueinander-Passen“ ist mehr als man denkt eine Frage der Einstellung und des guten Willens, wie uns das christliche Gemeindeleben lehrt.

Und was ist mit der Liebe?

1Mo 24,67: Und Isaak führte sie in das Zelt seiner Mutter Sara, und er nahm Rebekka, und sie wurde seine Frau, und er hatte sie lieb.

In Romanen steht die große Liebe meistens ganz am Anfang, hier beschließt sie dieses wundervolle Kapitel. Wie ist das eigentlich mit der Liebe, hätten wir nicht darüber zuallererst sprechen müssen? – Sicher sollte man nur heiraten, wenn man sich gegenseitig von ganzem Herzen liebt und achtet. Doch so etwas erfordert Zeit zum Wachsen; es wird nicht den Anfang, sondern erst das Ergebnis eines längeren Weges bilden, der betend mit dem Herrn zurückgelegt wurde. Aber selbst eine so herangereifte Liebe ist kein Perpetuum mobile, das – einmal in Gang gebracht – automatisch immer weiterläuft. O nein, sie ist zerbrechlich; die Geschichte Isaaks und Rebekkas lehrt uns das. Man muss sie ständig schützen, immer wieder um ihr Überleben kämpfen, sie oft ganz neu erwecken – und das ist vor allem eine Sache des Willens, auf bloße Gefühle ist kein Verlass. Gezielte Anstrengungen sind nötig. Die dazu erforderliche Kraft kann nur aus der Überzeugung kommen, dass mein Partner eine Gebetserhörung, ein Geschenk des Herrn ist, dass Er uns zusammengeführt hat und mit und geht.

Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum der Herr in seiner Weisheit unseren ungeduldigen Herzen solch einen langen Prozess des Betens und Suchens zumutet. Nur so können zerreißfeste Ehen entstehen.

Wir konnten heute nur einige Seiten der Partnerwahl kurz berühren. Andere sind nicht weniger wichtig. Vielleicht erlaubt der Herr, sie später einmal vorzustellen. Es wäre natürlich besonders schön, wenn wir dabei – ähnlich wie beim Thema „Berufswahl“ – Beiträge von euch einarbeiten könnten.


Originaltitel: „Verlobung. Anfang vom Ende – oder Tor zum Paradies“
aus Folge mir nach, 1/1994, S. 4–7

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