Wage es, ein Daniel zu sein
Daniel 1,8

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 13.11.2007, aktualisiert: 15.10.2016

Leitvers: Daniel 1,8

Dan 1,8: Und Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen; und er erbat sich vom Obersten der Hofbeamten, dass er sich nicht verunreinigen müsse.

Lies das ganze erste Kapitel von Daniel.

Die Schlacht von Karkemisch im Jahre 605 v.Chr. ist Studenten der Alten Geschichte wohlbekannt. Nebukadnezar, der König von Babylon, besiegte den ägyptischen Pharaonen Necho und begann den Nahen Osten mehr und mehr zu kontrollieren. Es dauerte nicht lange, bis Nebukadnezar seinen ersten Angriff auf Jerusalem durchführte. Obwohl die Stadt Jerusalem erst ungefähr achtzehn Jahre später von Nebukadnezar zerstört wurde, war dies für das Königreich Juda der Anfang des Endes. Die Zeiten des Ruhmes unter David und Salomo waren längst vergangen. Viele der jüdischen Propheten hatten das Volk mit der Botschaft von Gott, dass diese traurigen Zeiten kommen würden, wenn sie nicht zur Anbetung des Herrn zurückkehren würden, gewarnt. Aber das Volk Gottes wollte nicht von seinem Götzendienst und seiner Unmoral umkehren; sie blieben auf ihren bösen Wegen. Und so schickte Gott sein Volk in die Gefangenschaft, damit sie den harten Weg lernen konnten. Obwohl Gott geduldig und liebend ist, muss Er seinem Wort gegenüber immer treu sein!

Gleich beim ersten Angriff erbeutete Nebukadnezar einen Teil der Tempelschätze und nahm einige ausgewählte männliche Gefangene mit sich nach Babylon. Indem er einige Adelsleute als Geiseln mitnahm, konnte Nebukadnezar den Rest der königlichen Familie, die als herrschende Marionetten in Jerusalem zurückblieben, kontrollieren. So kam das Königreich Juda, das den andauernden Segen Gottes hätte haben können, unter die Kontrolle des heidnischen Babylon (siehe Dan 1,1-3).

Die Geschichte Daniels findet innerhalb dieser dunklen Zeit der Gefangenschaft statt. Sie erscheint als ein willkommenes Licht in der Dunkelheit. Sie ist ein durchdringender Bericht darüber, wie einige treue Menschen inmitten einer Situation, die hoffnungslos erschien, von Gott gesegnet und geehrt wurden. Die Geschichte von Daniel beinhaltet einige gewaltige Lektionen für heutige Christen – besonders für den wachsenden Christen, der mit der Versuchung konfrontiert ist, sich bei seinem Glauben auf einen Kompromiss einzulassen.

Daniel war einer von vier Gefangenen etwa im Studentenalter, die sich entschieden, Gott in dieser fremden Situation treu zu bleiben, egal was es koste. Diese vier jungen Männer waren sicherlich eine Minderheit! Der Rest der Gefangenen konnte dem Druck offensichtlich nicht standhalten und fügte sich den Befehlen Nebukadnezars. Die Tatsache, dass die Mehrheit der Gefangenen in ihrem Glauben einen Kompromiss einging und sich dem babylonischen Weg anpasste, ist nicht sehr überraschend. Viele Christen machen es heute genauso, wenn sie sich in nicht christlichen Umgebungen befinden. Denken wir zum Beispiel an den christlichen Teenager, der sein Zuhause, in dem er in einem lieben Kreis von christlichen Freunden und Kameraden sicher und geborgen war, verlässt und in der „großen weiten Welt“ oder auf dem säkularen Campus landet. Dort wird dieser Christ dazu neigen, seinen Glauben zu verheimlichen. Die Versuchung, einen Kompromiss einzugehen und sich anzupassen, ist sehr groß. Beinahe unbewusst wird er beginnen, diesen Kompromiss zu rechtfertigen.

Die Mehrheit der Gefangenen überlegte sich wahrscheinlich, dass es dumm wäre, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, während sie so weit von der Heimat entfernt waren und solche überwältigenden Chancen hatten. Warum nicht ein wenig lügen und sich der babylonischen Lebensweise anpassen? Wenn du in Babylon bist, dann lebe wie ein Babylonier! Schließlich hatte Nebukadnezar ihr Leben gerettet und ermöglichte ihnen nun sogar, drei Jahre lang die Universität von Babylon zu besuchen (Dan 1,5). Er hatte sie sorgfältig ausgewählt und bereitete sie für zukünftige diplomatische Dienste vor. Nach ihrem Studium würden sie zweisprachig sein und sich in zwei Kulturen auskennen. Dann würden sie wahrscheinlich für den König auf Auslandseinsätze geschickt werden – vielleicht sogar zurück in die Heimat.

Wie aufregend! Warum sollten sie solch eine Zukunft zerstören, indem sie über ihren Glauben sprachen? Warum ihr Leben riskieren, wenn ein kleiner Kompromiss so viele Probleme und solch einen großen emotionalen Stress beseitigen würde? Das Geringste, was sie tun könnten, wäre, sich den Befehlen des Königs anzupassen und seine ausgewählten Speisen und Getränke zu essen. Wenn sie jetzt still wären, könnten sie vielleicht später ein Wort über Gott anbringen – nachdem sie den Ruf erlangt hatten, dass sie gute Schüler und ehrbare Menschen waren, usw., usw.! Ein kleiner Kompromiss könnte nun sogar ein „raffinierter“ Weg sein, die Babylonier zu erreichen, wenn es an der Zeit war. Wozu Dinge erzwingen und so freimütig mit ihrem Glauben sein? Und dann mögen sie noch gedacht haben, dass Gott sich sowieso nicht um sie sorgt. Waren sie nicht hier unten in Babylon, weil Gott sie aufgegeben hatte? Wozu sollte man versuchen, es wiedergutzumachen, wenn man es einmal mit Gott „vergeigt“ hatte? Vielleicht wäre es jetzt das Beste, die Sache einfach ihren Lauf nehmen zu lassen. Vielleicht würden sich die Dinge nach dem Abschluss an der Universität ändern, und es würde leichter, sicherer und logischer sein, zu dem „Glauben der Väter“ zurückzukehren. Ja, die Mehrheit dachte in dieser Weise – so tut sie es für gewöhnlich! Mit „gesundem Menschenverstand“ entfernten sie sich selbst ganz vernünftig geradewegs von Gottes Willen (Dan 1,4-7).

„Und Daniel [beachte nun den Gegensatz] nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht … zu verunreinigen“ (Dan 1,8). Daniel wusste aus dem Wort Gottes, dass es falsch war, von dem für die Auszubildenden errichteten Tisch des Königs zu essen. Nicht nur, dass gewisse Speisen davon für die Juden in der Schrift ausdrücklich verboten waren, sondern das Essen des Königs wurde wahrscheinlich heidnischen Götzen geweiht. Das Essen und das Trinken der von dem König ausgewählten Speisen hätte Daniel in schändende heidnische religiöse Praktiken verwickelt. Daniel würde keinen Kompromiss eingehen und dem Wort Gottes gegenüber ungehorsam sein. Er wusste, dass Gott sein Wort nicht aufgrund unbequemer, harter oder unangenehmer Situationen „verwässert“. Gott freut sich, wenn wir es wagen, ein Daniel zu sein.

In den Daniel 1,9-16 sehen wir, wie Daniel verwegen seine Stellung bezieht. Er gab nicht auf, als es danach aussah, als hätte sein erster Ansatz fehlgeschlagen (Dan 1,10). Dies war kein „Zeichen des Himmels“, dass er nun fortfahren und Kompromisse eingehen und sich der Menge anschließen könnte. Allein die Tatsache, dass seine Anfrage zurückgestellt wurde – aber nicht abgewiesen –, ermutigte Daniel, eine andere und taktvollere Anfrage zu versuchen (Dan 1,11-14). Daniel beharrte in seinem Entschluss, einen Weg zu finden, dem Herrn in dieser scheinbar unmöglichen Situation zu gehorchen. Und dieser Weg wurde aufgetan (s. Lk 11,9.10). Wir sehen in diesen Versen auch, dass Gott für diese treuen Einzelpersonen hinter den Kulissen wirkte. „Und Gott gab Daniel Gnade“ (Dan 1,9). „Gott [gab ihnen] Kenntnis und Einsicht“ (Dan 1,17). Gott arbeitet immer hinter den Kulissen für diejenigen, die beschließen, Ihm treu zu sein – auch wenn Er nicht auf dem Podium erscheint.

Nun sollte betont werden, dass Daniels Ablehnung, einen Kompromiss einzugehen oder sich dem „Weg Babylons“ anzupassen, nicht bedeutete, dass er sich selbst völlig von der neuen Kultur, in die Gott ihn gebracht hatte, distanzierte. Er akzeptierte den neuen babylonischen Namen, der ihm gegeben wurde (Dan 1,7). Er änderte seine Sprache und seinen Lebensstil ein wenig. (Er schrieb sogar einen Teil des Buches Daniel in Aramäisch, was die babylonische Sprache war.) Er brach das Studium an der Universität von Babylon nicht ab, sondern studierte fleißig und schloss mit der Hilfe des Herrn mit summa cum laude ab (Dan 1,17-20). Aber in Sachen des Glaubens ging Daniel keine Kompromisse ein. Obwohl er sich selbst an diese neue Umgebung anpasste, ging er mit Babylon nicht konform. Die Ziele Babylons wurden nicht Daniels Ziele. Der Ruhm Babylons wurde nicht Daniels Ruhm. Die Götzen Babylons wurden nicht Daniels Götzen. Daniel war Gottes Wort gegenüber nicht ungehorsam. Er ging in seinem Glauben keinen Kompromiss ein. Er passte sich nicht dieser Welt an. Daniel wagte es, treu zu bleiben.

Daniels Stand war zweifellos kostspielig. Stell dir die Kommentare der anderen Gefangenen vor – sogar die von alten Kameraden aus der Heimat. „Was versucht Daniel zu beweisen?“ – „Er ist dabei, uns alle umzubringen!“ – „Hier kommt der Diakon Daniel!“ – „Hör auf, Gott zu spielen, Daniel!“ Und stell dir vor, drei Jahre lang Gemüse essen und Wasser trinken zu müssen (Dan 1,15.16) – nicht sehr aufregend! Nein, es war nicht leicht, aber Daniel beschloss, dass er Gott treu sein würde. Er gab das Beispiel und drei andere folgten – nur drei! Eine erbärmliche Minderheit, aber Gott segnete und ehrte diese wenigen Gläubigen. Wir lesen nichts mehr über die Gefangenen, die einen Kompromiss eingingen, aber wir lesen mehr über die wenigen Gläubigen. Lies in dem Buch Daniel weiter und sieh, wie Gott diese Männer voranbrachte und zu seiner Ehre gebrauchte. Wir lernen aus Daniel 1,21, dass Daniel das Babylonische Reich selbst überlebte. (Kores war ein König des persischen Reiches.) Beachte, wie die Schrift zu betonen scheint, dass Daniel weitermachte – er fuhr fort, dem Herrn treu zu bleiben.

Im Augenblick stehen viele von euch einer ähnlichen Situation wie der Daniels gegenüber. Du hast gerade an der Universität angefangen, bist in eine neue Stadt gezogen oder hast eine neue Arbeit angefangen. Du bist in einer fremden Umgebung – vielleicht sogar in einer fremden Kultur. Alles hat sich verändert. Niemand scheint über den Herrn zu reden. Christen sind eindeutig in der Minderheit. Das Zuhause ist so weit weg. Der Druck, sich der neuen Gruppe anzupassen, ist so groß. Es ist so einfach, „nur einen kleinen“ Kompromiss im Glauben einzugehen. Was sollst du tun? Sei mutig, ein Daniel zu sein! Ja, es wird hart sein und kostspielig und manchmal sehr einsam. Du wirst von manchen ausgelacht werden, von anderen verspottet werden und von vielen ignoriert werden. Die Versuchung, aufzugeben oder ein wenig zu lügen oder dich in deiner Haut zu verkriechen wird sehr stark sein. Gib nicht auf! Ringe darum, treu zu sein!

Natürlich wird es Veränderungen geben. Jede neue Situation bringt Umstellungen. Einige von euch kommen aus „behüteten“ Umgebungen. Euer Horizont wird erweitert werden. Daniels Horizont wurde sicherlich erweitert. Euer Lebensstil wird sich etwas ändern. Gott erwartet von dir, dass du zu der Kultur, in die er dich stellt, eine Beziehung findest. Aber Gott erwartet von dir, dass du Ihm treu bleibst – in deinem Sozialleben, in deinem Sexualleben, in dem, was du redest. Sei Gottes Wort gegenüber nicht ungehorsam. Passe dich nicht den Zielen, dem Ruhm und den Götzen dieser Welt an! Sei treu und Gott wird dich segnen, ehren und zu seiner Ehre gebrauchen. Wage es, ein Daniel zu sein!


Originaltitel: „Dare to Be a Daniel“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Melanie Lenk

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