Türme bauen
1. Mose 11,1-8

David Roderick Reid

© SoundWords, online seit: 10.07.2024

Leitverse: 1. Mose 11,1-8

Hintergrundinformationen

Im Jahr 2011 wurde die Boeing 787 „Dreamliner“ als das fortschrittlichste Passagierflugzeug der Menschheit präsentiert – doch 2013 verhängte die FAA[1] ein komplettes Flugverbot für alle „Dreamliner“.

Vor gut hundert Jahren war die „unsinkbare“ Titanic die glorreichste Schöpfung des Menschen für den Seeverkehr – doch sie sank vier Tage nach ihrem Stapellauf.

Vor etwa viertausend Jahren versuchte der Mensch, mit dem Turm zu Babel das beeindruckendste Bauwerk aller Zeiten zu errichten – doch der Turm wurde nie vollendet. Die Bemühungen des Menschen, sich „einen Namen zu machen“ (1Mo 11,4), hatten offensichtlich ihre Grenzen.

Der Turm zu Babel war wahrscheinlich eine Zikkurat, ein weitflächiger Tempelturm der antiken Welt. Zikkurate sahen aus wie Stufenpyramiden und hatten eine Treppe oder Rampe, die von unten nach oben führte. Die Treppe diente dazu, dass die Menschen den Turm hinaufsteigen konnten, um ein Heiligtum an der Spitze zu erreichen, und dass die „Götter“ vom Himmel auf die Erde hinabsteigen konnten. Überreste vieler zikkuratähnlicher Bauten gibt es heute überall auf der Welt. Die Tempel der Mayas und der Azteken sind Beispiele dafür. Obwohl diese Bauwerke von Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen an weit voneinander entfernten Orten errichtet wurden, sind sie sich erstaunlich ähnlich. Das legt die Vermutung nahe, dass sie alle auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen, möglicherweise auf das Modell des Turms von Babel.

Nachdem der HERR die Menschen „über die ganze Erde zerstreut hatte“ (1Mo 11,9), bauten sie überall dort, wo sie sich niederließen, weiterhin zikkuratähnliche Bauwerke unterschiedlicher Größe. Astrologie, Sonnen- und Mondanbetung sowie die Verehrung des Tierkreises haben ihre Wurzeln in alten heidnischen Religionen, die mit Zikkuraten verbunden waren.

Lehrpunkte

1. In seinem Stolz versucht der Mensch, den Himmel durch eigene Anstrengungen zu erreichen

1Mo 11,4: Und sie sprachen: Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reicht, und machen wir uns einen Namen, dass wir nicht zerstreut werden über die ganze Erde!

Nach der Sintflut gebot Gott der Menschheit, „fruchtbar zu sein, sich zu mehren und die Erde zu füllen“ (1Mo 9,1). Doch das rebellische Volk in 1. Mose 11 tat alles, um sich Gott nicht zu unterwerfen! Einer der Gründe für den Bau einer Stadt und eines Turms war, dass sie – entgegen dem Gebot des HERRN, die Erde zu füllen – an einem Ort bleiben wollten. Außerdem wollten sie sich durch den Bau eines riesigen Turmes, der bis „an den Himmel reichen“ sollte, „einen Namen machen“. Sie wollten nicht Gott erreichen, sondern sich selbst erhöhen!

Die Wurzel ihrer Haltung war Stolz. Unsere gefallene menschliche Natur sehnt sich danach, anerkannt zu werden und groß und bedeutend zu sein. Die Menschen sind auf der Suche nach ihrem eigenen „15-Minuten-Ruhm“[2]. Wir sehen den Beweis dafür heute auf YouTube und Facebook! Die Menschen lieben es, „sich einen Namen zu machen“.

Unsere gefallene menschliche Natur will sich Gott nicht unterordnen, und daher versuchen Menschen, die ihr Vertrauen auf sich selbst setzen, den Himmel durch eigene Anstrengungen zu erreichen oder durch Religionen, die sie selbst ersonnen haben. Sie wollen den Himmel auf jede erdenkliche Weise erreichen, nur nicht auf Gottes Weise! Denken wir an die „Eine-Welt-Bewegung“. Das Ziel ist weltweite Einheit: eine Weltregierung und eine Weltreligion, die Gott nicht anerkennt. Das klingt sehr nach dem Turmbau zu Babel, nicht wahr? Das ist keine neue Idee; es ist ein alter satanischer Plan.

Die Bibel lehrt, dass der Mensch sich von seiner stolzen Selbstbezogenheit abwenden und Gott um Gnade bitten muss. Wenn er bußfertig zu Gott kommt, stellt er fest, dass Gott ihm bereits die Hand gereicht hat! Welch ein Gegensatz zur menschlichen Religion, die uns sagt, wir könnten den Himmel durch eigene Weisheit und eigene Anstrengungen erreichen.

2. In seiner Weisheit durchkreuzt Gott die stolzen Bemühungen des Menschen

1Mo 11,5: Der HERR fuhr herab, um die Stadt und den Turm zu sehen, die die Menschenkinder bauten.

Bemerkst du die Ironie? Gott hat Sinn für Humor! Die Menschen dachten, sie würden den Himmel erreichen, aber der HERR kam herab, um zu sehen, was sie taten.

1Mo 11,6: Und der HERR sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache, und dies haben sie angefangen zu tun; und nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen.

Vers 6 zeigt, dass die Menschheit mit vereinten Kräften recht erfolgreich gegen Gott sein kann. Deshalb vereitelte Gott die Bemühungen des Volkes. Hierin zeigt sich die Weisheit Gottes. Ihre Sprache zu verwirren und das Volk zu zerstreuen war weitaus besser, als zuzulassen, dass die Menschen sich vereinten und weiterhin gegen Gott rebellierten und abfielen. Es hatte auch den Nebeneffekt, dass Gottes Ziel, dass die Menschen die Erde füllen sollten, erreicht wurde – genau das, was Er den Menschen bereits aufgetragen hatte (1Mo 1,28; 9,1)!

In seiner Weisheit hat Gott die Menschen in Nationen aufgeteilt. Auch wenn die Nationen heute Krieg gegeneinander führen, ist die Aufteilung der Welt in Nationen weitaus besser als eine Weltregierung, die sich gegen Gott vereint.

So wie Gott die Bemühungen der Menschen beim Turmbau zu Babel zunichtegemacht hat, so wird Er sich auch heute – und auch in der Zukunft! – den stolzen Bemühungen der Menschheit widersetzen und sie vereiteln. Jesaja sagt:

  • Jes 2,12.17: Der HERR der Heerscharen hat einen Tag über alles Stolze und Hohe und über alles Erhabene, und es wird erniedrigt werden. … Der Hochmut des Menschen wird gebeugt und die Überheblichkeit der Männer erniedrigt werden; und der HERR wird hoch erhaben sein, er allein, an jenem Tag.

In dem Gleichnis über den Pharisäer und den Zöllner sagt Jesus: „Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden“ (Lk 18,14). In seiner Weisheit wird Gott die stolzen Bemühungen der Menschheit durchkreuzen. Er wird die Ereignisse umlenken, um seine Pläne und sein Ziel zu erreichen.

Praktische Anwendung

Welche Art von „Türmen“ bauen wir?

Die Menschen, die den Turm zu Babel bauten, waren nicht daran interessiert, Gott zu gefallen. Sie waren nur daran interessiert, sich selbst einen Namen zu machen, indem sie einen beeindruckenden Turm bauten. Als Gläubige müssen wir uns fragen: Bauen wir Denkmäler für uns selbst? Oder streben wir danach, Gott in unserem Leben zu verherrlichen? Ist mein Hauptziel, mir selbst einen Namen zu machen – oder den Herrn zu verherrlichen?

Denken wir einmal darüber nach. Möchte ich meinen Namen aufgrund meiner Erfolge und Errungenschaften in den Medien sehen? Strebe ich danach, dass mein Name wegen meiner herausragenden Leistungen bekannt gemacht wird? Versuche ich, mir einen „Turm“ zu bauen – in der Gemeinde oder in einem Dienst?

Diese Lektion kann man auf Christen als Einzelne anwenden, ebenso auf Gemeinden und organisierte Dienste, die versuchen, sich einen Namen zu machen, indem sie nach Erfolg und Ruhm streben. Auch auf Christen in der Arbeitswelt kann man diese Lektion anwenden.

In Philipper 1,20 sagt der Apostel Paulus: „… nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass …, wie allezeit, so auch jetzt Christus erhoben werden wird an meinem Leib, sei es durch Leben oder durch Tod.“ Ob durch sein Leben oder durch seinen Tod – Paulus wollte, dass Jesus Christus verherrlicht wird!

Der Herr hat uns große schöpferische Freiheit und großen Einfallsreichtum gegeben, doch lasst uns unsere Gaben und all unser Streben dafür einsetzen, Gott zu verherrlichen! Denke darüber nach: Welche Art von „Türmen“ baust du gerade in deinem Leben?


Originaltitel: „Building Towers“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Gabriele Naujoks

Anmerkungen

[1] Anm. d. Übers.: Die Federal Aviation Administration (Bundesluftfahrtverwaltung) ist die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten. Sie erlässt hauptsächlich Sicherheitsempfehlungen und -anweisungen für den gesamten US-Flugverkehr.

[2] Anm. d. Übers.: Der Ausdruck 15 minutes of fame („15-Minuten-Ruhm“) wurde von Andy Warhol geprägt: Ruhm und  mediale Aufmerksamkeit sei flüchtig und richte sich schnell auf  ein anderes Objekt, sobald die Aufmerksamkeitsspanne des Betrachters erschöpft sei. Siehe: https://de.wikipedia.org.

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