Wolkenkontrolle
2. Mose 13,21; 4. Mose 9,15-23

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 26.11.2004, aktualisiert: 14.01.2018

Leitverse: 2. Mose 13,21; 4. Mose 9,15-23

2Mo 13,21: Der HERR aber zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um sie auf dem Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern könnten.

4Mo 9,15-23: Und an dem Tag, als die Wohnung aufgestellt wurde, bedeckte die Wolke die Wohnung des Zeltes des Zeugnisses; und am Abend war sie über der Wohnung wie das Aussehen eines Feuers bis zum Morgen. So war es ständig: Die Wolke bedeckte sie, und des Nachts [war es wie] das Aussehen eines Feuers. Und sooft die Wolke sich von dem Zelt erhob, brachen danach die Söhne Israel auf; und an dem Ort, wo die Wolke sich niederließ, dort lagerten die Söhne Israel. Nach dem Befehl des HERRN brachen die Söhne Israel auf, und nach dem Befehl des HERRN lagerten sie; alle Tage, während die Wolke auf der Wohnung ruhte, lagerten sie. Und wenn die Wolke viele Tage auf der Wohnung stehen blieb, verrichteten die Söhne Israel den Dienst des HERRN und brachen nicht auf. Und es kam vor, dass die Wolke [nur] wenige Tage auf der Wohnung war – nach dem Befehl des HERRN lagerten sie sich, und nach dem Befehl des HERRN brachen sie [auch] auf. Und es kam vor, dass die Wolke [nur] vom Abend bis zum [nächsten] Morgen da war und die Wolke sich am Morgen erhob, dann brachen sie auf. Oder einen Tag und eine Nacht – erhob sich die Wolke, so brachen sie auf. Oder [dauerte es] zwei Tage oder einen Monat oder eine längere Zeit – wenn die Wolke auf der Wohnung verweilte, indem sie darauf ruhte, dann lagerten die Söhne Israel und brachen nicht auf; und wenn sie sich [dann] erhob, brachen sie auf.

Einleitung

Wenn du die Stellen in 2. Mose 13 und 4. Mose 9 liest, weißt du, was mit dem Titel gemeint ist. Gott gebrauchte eine Wolke, um die Bewegungen seines Volkes in der Wüste zu überwachen. Man könnte sagen, dass es eine Kontrolle der Menge durch die Wolke war!

Führung und Schutz

Es war keine gewöhnliche Wolke. Diese Wolke war das Zeichen der Gegenwart Gottes unter seinem Volk (2Mo 33,9.10; Ps 99,7)! Zum ersten Mal lesen wir in 2. Mose 13 von der Wolke, als die Israeliten aus Ägypten flohen. Pharao änderte seine Meinung über den Auszug des Volkes und verfolgte sie bis ans Rote Meer. Menschlich gesehen schien es so, als ob die Rettung aus der Sklaverei nicht lange anhalten würde. Das Rote Meer war unüberwindbar vor ihnen, und Pharaos Heer war hinter ihnen (sie saßen sozusagen in der Klemme!). Aber es gab keinen Grund zur Beunruhigung! Wir lesen in 2. Mose 13,21, dass „der HERR aber vor ihnen herzog, bei Tag in einer Wolkensäule, um sie auf dem Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten“. Gott wollte nicht, dass sein Volk scheiterte oder von den Feinden (den Ägyptern) überrannt wurde. Er führte und beschützte Israel sowohl bei Tag als auch bei Nacht mit seiner sichtbaren Gegenwart. Wir lesen, dass Gott die Wolke benutzte, um sein Volk die ganze Nacht sicher und geborgen zu bewahren, bevor sie das Rote Meer durchquerten. „Und der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, brach auf und trat hinter sie; und die Wolkensäule brach auf von vorn und stellte sich hinter sie. Und sie kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels, und sie wurden dort Gewölk und Finsternis und erleuchtete hier die Nacht; und so näherte jenes sich diesem die ganze Nacht nicht“ (2Mo14,19.20). „Und es geschah in der Morgenwache, da schaute der HERR in der Feuer- und Wolkensäule auf das Heer der Ägypter und verwirrte das Heer der Ägypter“ (2Mo 14,24).

Fürsorge und Treue

Gottes „Wolkenkontrolle“ war nach der Durchquerung des Roten Meeres nicht zu Ende. Die Wolke leitete und beschützte das Volk Israel während der ganzen Zeit der Wüstenwanderung. Benötigte Israel Schutz vor der heißen Wüstensonne, war die Wolkensäule zur Stelle. Brauchten die Menschen Licht und Wärme in den kühlen Wüstennächten, war die Feuersäule bei ihnen (s. Neh 9,12; Ps 78,14; 105,39). Der Herr sorgte auf wunderbare Weise für sein Volk. Es hätte eine Zeit sein müssen, in der sie keinen Zweifel an der Gegenwart Gottes mehr hatten!

An diesem Punkt denken vielleicht manche von uns, dass Israel es besser hatte als wir heute. Schließlich konnten sie Gott als Wolke und Feuer „sehen und spüren“. Aber wenn wir darüber nachdenken, dann sind wir sicherlich nicht benachteiligt! Als Gläubige heute wohnt ins uns der Heilige Geist, der uns lenkt und leitet. Und um wie viel mehr Schutz dürfen wir bitten, weil der Herr Jesus allezeit mit uns ist? Gott hat uns in Hebräer 13,5 verheißen: „Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen“, und im nächsten Vers schreibt der inspirierte Schreiber des Hebräerbriefes folgende Verheißung: „Der Herr ist mein Helfer und ich will mich nicht fürchten.“

Einer der erstaunlichsten Aspekte der „Wolkenkontrolle“ ist die Gnade Gottes, die nicht aufhört, auch wenn wir versagen und wenn wir uns von Ihm abwenden. In 2. Mose 13,22 lesen wir, dass weder die Wolkensäule am Tag noch die Feuersäule bei Nacht wich. Erkennst du die bedeutende Aussage in dieser Feststellung? Gott nahm die Wolke nicht weg, als das Volk murrte, sich beklagte und nicht gehorchte. Selbst an dem Tag, als sie sich vor dem goldenen Kalb niederwarfen und es anbeteten, ließ Gott ihnen das sichtbare Zeichen seiner Gegenwart (s. 5Mo 1,30-33; 1Kor 10,1-10). Was für ein unglaublich mitfühlender und gnädiger Gott! Gott ist auch heute noch derselbe: „Denn ich, der HERR, ich verändere mich nicht“ (Mal 3,6). Wie wunderbar! Der Herr hat uns seine ständige Gegenwart und seinen Schutz zugesagt, auch wenn unsere Haltung egoistisch und undankbar ist oder wenn wir abgelenkt sind und uns zur Anbetung von irdischen „Götzen“ verführen lassen oder wenn wir so leben, wie es Ihm missfällt. Obwohl Er uns niemals verlassen würde, so betrüben unsere sündigen Haltungen und Taten Gottes Herz. Wie viel besser könnte unser Leben sein, wenn wir dem Herrn nachfolgen würden, mit dem Wissen um seine Gegenwart und seinen Schutz.

Züchtigung und Korrektur

Es lohnt sich, über die „Wolkenkontrolle“ in 4. Mose 9 nachzudenken. Wir nennen die vierzig Jahre zwischen Ägypten und Kanaan meistens „Wüstenwanderung“, und das ist auch richtig. Gott hatte verkündet, dass die Menschen aufgrund ihres Unglaubens nicht in das Gelobte Land einziehen konnten und dass die gesamte Generation in der Wüste umherwandern würde. „Und der Zorn des HERRN entbrannte gegen Israel, und er ließ sie vierzig Jahre in der Wüste umherirren …“ (4Mo 32,13). Aber vierzig Jahre später war Israel schließlich bereit, das Land zu betreten, und Mose erinnerte sie daran, dass Gott sie die ganze Zeit geleitet hatte: „Und du sollst dich an den ganzen Weg erinnern, den der HERR, dein Gott, dich hat wandern lassen diese vierzig Jahre in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen … (5Mo 8,2). Ist das nicht ein Gegensatz? Irrte Israel umher oder führte Gott? Die Antwort lautet: beides! Auch wenn Israel umherirrte und nicht vorwärts in das Gelobte Land kam, war der Weg aus Gottes Sicht nicht ziellos oder zufällig. Gott züchtigte sein Volk und lehrte sie wertvolle Lektionen auf dem langen Weg. Gott wusste genau, welcher Ort und welche Zeitspanne dafür am besten war. Er führte sie dementsprechend. Was für eine wunderbare Wolkenkontrolle!

4. Mose 33 ist eines dieser Kapitel, das wir in unserer Stillen Zeit leicht überblättern, weil die Namen von schwer auszusprechenden Orten aufgezählt werden. Aber wir sollten nicht so schnell über das „Logbuch“ der Wüstenwanderung springen. Jeder einzelne Ort war von Gott ausgewählt. Seine Wolke führte sie zu jedem einzelnen Ort und zu seiner Zeit auch wieder weiter. Die jeweilige Zeit, die Israel an den einzelnen Punkten verbrachte, wurde von Gott bestimmt – bis hin zu den einzelnen Tagen und Stunden: „Und es geschah, dass die Wolke da war vom Abend bis zum Morgen, und die Wolke erhob sich am Morgen, so brachen sie auf; oder einen Tag und eine Nacht, und die Wolke erhob sich, so brachen sie auf; oder zweit Tage oder einen Monat oder eine geraume Zeit – wenn die Wolke auf der Wohnung verweilte, indem sie darauf ruhte, so lagerten die Kinder Israel und brachen nicht auf; und wenn sie sich erhob, so brachen sie auf. Nach dem Befehl des HERRN lagerten sie, und nach dem Befehl des HERRN brachen sie auf; sie versahen den Dienst des HERRN nach dem Befehl des HERRN durch Mose“ (4Mo 9,21-23). Von unserem Blickwinkel aus irrte das Volk umher. Doch von Gottes Blickwinkel war es auf dem ganzen Weg „Wolkenkontrolle“!

Heiligung und Ermutigung

Die Bedeutung von 4. Mose 9 und 33 für die Gläubigen heute ist sowohl verblüffend wie auch ermutigend! Führt der souveräne Gott auch heute noch sein Volk? Ja! Schließt die Wolkenkontrolle jeden Bereich unseres Lebens mit ein? Ja! Wie der Herr sein Volk Schritt für Schritt in der Wüste Sinais führte, so führt Er uns Schritt für Schritt in der Wüste des Lebens. Er stellt uns immer an den richtigen Ort zur richtigen Zeit, um seine Absichten mit uns zu erreichen. Für uns mag unser Leben zufällig oder sogar ziellos scheinen, aber Gott hat alles festgelegt! Aus unserer Sicht mag unser Leben mittelmäßig oder sogar unbedeutend erscheinen, aber Gott wirkt in allen Situationen und Umständen, um uns Christus ähnlicher zu machen. Ihm ist mehr an uns gelegen und daran, wie wir werden, als an den irdischen Leistungen, die wir als so wichtig erachten.

Betrachten wir eine weitere Lektion. Hat es eine Bedeutung für uns, dass Gottes beständige Wolke Israel erlaubte, am Tag oder in der Nacht zu ziehen (2Mo 13,21)? 1. Korinther 10,6.11 sagt uns alle diese Dinge (die Wolke eingeschlossen, 1Kor 10,1.2), die den Kindern Israels als Vorbild (oder geistliche Illustration) widerfuhren, damit wir die Wahrheit von Gott in der Geschichte des Alten Testaments erkennen können. Aus der Tatsache, dass Israel bei Tag oder Nacht ziehen konnte, eine Lehre zu ziehen, bewegt sich also im Rahmen guter biblischer Auslegung. 

In der Heiligen Schrift bedeutet „Nacht“ oft die Abwesenheit geistlichen Lichts oder die Wahrnehmung einer Entfernung von Gott. Hast du das schon erlebt, dass es „Nacht“ war und der Herr weit entfernt und Gemeinschaft nicht sehr eng schien – und du wusstest nicht, warum? Gingst du „durch dunkle Täler“ von Kummer, Angst und Einsamkeit durch den Verlust eines lieben Menschen oder eine Krankheit oder die Ablehnung von Eltern, Kind oder Ehepartner? Verzweifle nicht! Die Wolken- und Feuersäule ist auch heute noch da. Gerade durch diese „Nachtwanderungen“ lernen wir wertvolle Lektionen über Gottes Fürsorge sowohl in dunklen als auch in hellen Tagen. 

Erinnerst du dich daran, wie der Herr Jesus in der stürmischen Nacht über den See Genezareth zu den Jüngern ging? Sie dachten, Er sei ein Geist, und schrien in Panik (Mt 14,25-33). Die Jünger sahen in dieser Situation den Sturm, die Angst und die drohende Katastrophe – aber das war alles Teil der Wolkenkontrolle des Herrn. Denk an die Lektionen, die die Jünger in dieser Nacht lernten – vor allem Petrus, der erkannte, was es heißt, auf dem Wasser zu gehen! Einiges, was uns der Herr Jesus über Wolkenkontrolle lehren möchte, ist nur auf solchen „Nachtwanderungen“ möglich.

Dabei ist klar, dass uns der Herr nicht in Sünde führt, ebenso wenig wie damals das Volk Israel. Aber wenn wir sündigen, führt uns Gottes Wolkenkontrolle in Situationen und Umstände, in denen wir die Sünde erkennen und wertvolle Lektionen lernen. Und durch seine perfekte Wolkenkontrolle ist es Gott möglich, seine Jünger in die gerade richtige Situation zu führen. In seiner Weisheit weiß Er ganz genau, welche Züchtigung in unserem Leben gerade notwendig ist, um uns zur Umkehr zu bewegen, zurück in seine Gemeinschaft zu ziehen und uns wieder zu fruchtbringenden Jüngern zu machen. Jesaja beschrieb diese Wahrheit durch das Beispiel aus der Landwirtschaft von der genau richtigen Methode des Anbaus verschiedener Pflanzen, um den größtmöglichen Ertrag zu erreichen: „Denn Dill wird nicht mit dem Dreschschlitten ausgedroschen und das Wagenrad nicht über den Kümmel gerollt, sondern Dill wird mit dem Stab ausgeschlagen und Kümmel mit dem Stock. Wird Brotkorn zermalmt? Nein, nicht immerfort drischt er es; und wenn er das Rad seines Wagens und seine Pferde darüber hintreibt, so zermalmt er es nicht. Auch dies geht aus von dem HERRN der Heerscharen; er ist wunderbar in seinem Rat, groß an Verstand“ (Jes 28,27-29).

Wir haben nicht wie das Volk Israel damals eine sichtbare Wolkensäule am Tag und eine Feuersäule bei Nacht, die uns auf dem rechten Weg leitet, aber Gott hat alles unter Kontrolle. Epheser 1,11 sagt, dass Gott „alles wirkt nach dem Rat seines Willens“. Diese erstaunliche Feststellung ist exakt Gottes Wolkenkontrolle im Leben eines Gläubigen. Gott wirkt durch Menschen, Orte, Umstände und „in allen Dingen“, um uns zu lehren, zu züchtigen, uns Schritt für Schritt in das Bild seines Sohnes zu verwandeln (Röm 8,28-30). In Sprüche 3,5.6 haben wir Gottes wunderbare Verheißung, dass Er unsere Pfade gerade machen wird, wenn wir mit unserem ganzen Herzen auf den HERRN vertrauen und Ihn auf allen Wegen erkennen. Wir können sicher sein, dass Gott uns in unserem Leben durch seine verheißene Wolkenkontrolle beständig führen und beschützen wird.


Originaltitel: „Cloud Control“
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: SM

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