Folgen der Vergebung
Lukas 5,18-35

Harold Primrose Barker

© SoundWords, online seit: 27.02.2003, aktualisiert: 17.12.2017

Leitverse: Lukas 5,18-35

Lk 5,18-35: Und siehe, Männer brachten auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war; und sie suchten ihn hineinzubringen und ihn vor ihn zu legen. Und da sie wegen der Volksmenge keinen Weg fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn mit dem Tragbett durch die Ziegel hinunter in die Mitte vor Jesus. Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist dieser, der Lästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben, außer Gott allein? Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete und sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf und nimm dein Tragbett auf und geh in dein Haus. Und sogleich stand er vor ihnen auf, nahm das Bett auf, worauf er gelegen hatte, und er ging in sein Haus und verherrlichte Gott. Und Staunen ergriff alle, und sie verherrlichten Gott und wurden mit Furcht erfüllt und sagten: Wir haben heute außerordentliche Dinge gesehen. Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner, mit Namen Levi, am Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und da war eine große Menge Zöllner und anderer, die mit ihnen zu Tisch lagen. Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten gegen seine Jünger und sprachen: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken; ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. Sie aber sprachen zu ihm: [Warum] fasten die Jünger des Johannes häufig und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die deinen aber essen und trinken? Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr könnt doch nicht die Gefährten des Bräutigams fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist! Es werden aber Tage kommen, und zwar, wenn der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.

Einleitung

Was meinst du, hat der Gelähmte in Lukas 5,18-35 empfangen, als der Herr zu ihm sprach: „Deine Sünden sind dir vergeben“? Wie würde deine Antwort lauten? Würdest du sagen: Ich danke Gott dafür, dass das Gleiche, was für den Gelähmten damals galt, nun auch mir gilt, denn auch mir gelten die Worte „Deine Sünden sind vergeben“? – Wenn du das sagen kannst, dann ist diese Botschaft für dich.

Nun, da wir zur Ehre Gottes hier (auf Erden) sein sollen, brauchen wir etwas mehr als die Vergebung der Sünden, etwas, was uns nicht nur aufrechthält und uns gegen die Angriffe des Feindes schützt. Was wir brauchen, ist eine Kraft außerhalb von uns, die uns bei Anfechtungen hilft, dem Feind Boden abzugewinnen und Fortschritte im Glaubensleben zu machen.

Alle deine Sünden sind vergeben

Du sagst: Ich habe etwas von meiner Unfähigkeit und Unzulänglichkeit hierbei erkannt. – Gott sei Dank, wenn du es hast. Aber ich möchte es durchaus nicht für selbstverständlich halten, dass jeder Leser die Gewissheit der Vergebung aller seiner Sünden hat. Deshalb möchte ich dich bitten, deinen Blick einmal auf die einfachen Worte des Herrn in Vers 20 zu richten: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Zusage der Vergebung durch unseren Herrn ist sehr persönlich. Es wird nicht nur jedem Menschen die Vergebung im Namen des Erretters gepredigt, sondern es gibt diese persönliche Zusicherung der Vergebung für jeden, der glaubt. Neben dem persönlichen Aspekt ist die Vergebung auch gegenwärtig und vollkommen, denn es heißt hier nicht: „deine Sünden bis zu diesem Moment“, noch: „deine Sünden, solange du deine Dankbarkeit im Wandel erkennen lässt“, sondern: „deine Sünden“, alle insgesamt. Das gerechte Gericht für Sünden wird dich nicht mehr treffen – alles ist vergeben!

Stellen wir uns vor, wir stehen am Ufer eines Flusses, vielleicht an einem kleinen Bach, und sehen das Wasser vorbeifließen. Wir sehen dann nur einen kleinen Teil des Flusses und nur das Wasser, auf das wir gerade schauen. Dieses wird ständig „ausgetauscht“, ist immer in Bewegung. Nehmen wir an, wir säßen in einem Flugzeug, das hoch genug fliegt, so dass wir den gesamten Flussverlauf deutlich sehen können. Wir sehen das kleine Rinnsal, wie es aus der Bergquelle entspringt, immer breiter wird, bis es schließlich in den großen Ozean mündet. Nun, so stehen wir auch in unserem Leben manchmal an diesem Fluss und blicken auf unsere Sünden, die wir Tag für Tag begehen, wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt unseres Lebens. Gott sieht jedoch aus einer ganz anderen Perspektive. Er sieht unsere Sünden von dem ersten Moment bis zum letzten Atemzug hier auf Erden als Ganzes und sagt zu uns: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Gott sei Dank, dass das Leben des Christen nicht die Sündenvergebung zum Ziel hat, sondern dass eben die Sündenvergebung vielmehr der Ausgangspunkt des christlichen Lebens ist. In welch einem Licht stehen nun die Worte „Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen“ (1Joh 2,12)?

Eine neue Kraft

Neben der Sündenvergebung machte der gelähmte Mann jedoch noch eine andere große Erfahrung. Als Lahmer befand er sich in einem Zustand äußerster Hilflosigkeit und musste von vier anderen zu Jesus getragen werden. Dieser gab ihm nicht nur die Zusicherung der Vergebung, sondern auch eine neue Kraft, so dass er nun das Bett, auf dem er gelegen hatte, aufnehmen und es auf seinen Schultern tragend davongehen konnte. Er hatte eine neue Kraft zum Handeln und Wandeln empfangen, wie er sie nie zuvor gehabt hatte. Dies hatte nicht nur zur Folge, dass er daraufhin Gott lobte und ehrte, sondern dass diejenigen, die zusahen und vielleicht ein klein wenig von dem Geschehen verstanden hatten, nun ebenso erstaunten und Gott lobten. Der Mann empfängt den Segen und Gott die Ehre.

Warum Gott dir die Sünden vergab

„Ich weiß wohl, dass ich den Heiligen Geist in mir wohnend habe und trotzdem fühle ich mich als elendes Geschöpf. Mein Morgen beginnt mit der Bitte, dass Gott mich vor Versuchungen bewahren möchte und mir helfen möge, Ihm den Tag hindurch treu zu sein und von Ihm in Wort oder Tat Zeugnis abzulegen. Am Abend muss ich dann wieder einmal bekennen, dass auch dieser Tag von meinem Versagen geprägt war.“ Ich erinnere mich noch gut an eine evangelistische Vortragsreihe, durch die viele Menschen zum lebendigen Glauben kamen. An einem dieser Tage waren die gerade zum Glauben Gekommenen – von denen die meisten noch sehr jung waren – bei Christen zum Tee eingeladen. Mein Gedanke war, den jungen Leuten nach dem Tee ein paar Fragen zu stellen, um sie eventuell ein wenig weiter in die Gedanken Gottes einzuführen. Als Erstes wandte ich mich an einen jungen Mann zu meiner Linken und fragte ihn: „Was denkst du, warum Gott dir deine Sünden vergeben hat?“ Dieser antwortete: „Ich denke, der Grund war, dass ich einmal in den Himmel komme und dort für immer glücklich sein darf.“ – „Nun“, entgegnete ich, „es ist richtig, dass das mit inbegriffen ist, aber meinst du nicht, dass es darüber hinaus noch etwas gibt?“ Auch der neben ihm Sitzende wusste keine Antwort darauf, und ich hatte fast alle in der Runde gefragt, bis mir schließlich eine junge Frau Folgendes antwortete: „Wir sollen nicht nur in den Himmel kommen und dort glücklich sein, sondern bereits hier auf der Erde in unserem tagtäglichen Leben glücklich sein.“ Das war ein entschiedener Fortschritt zur ersten Antwort, sie war jedoch einigermaßen überrascht, als ich immer noch nicht zufrieden war. Als Nächstes stellte ich die Frage einem 17-jährigen Burschen, der darauf erwiderte: „Ich glaube, dass Gott uns errettet hat, damit wir zu seiner Ehre leben.“

Eine gute Antwort! Gott hat uns errettet, damit Er durch uns geehrt und groß gemacht werde, und das nicht erst in der Ewigkeit, sondern jetzt und hier, in unserem Leben auf der Erde. Was den Gelähmten in Lukas 5 angeht, bin ich der Ansicht, dass Gott nicht in dem Ausmaß geehrt worden wäre, wenn er dem Lahmen nur Vergebung hätte zuteilwerden lassen, ihn mit dieser Zusicherung entlassen hätte und dieser von seinen vier Freunden wieder nach Hause getragen worden wäre. Dadurch aber, dass er sein Bett aufnahm und nach Hause ging, wurde Gott über die Maßen groß gemacht. Wenn Gott uns unsere Sünden vergibt, so tut Er nicht nur das, sondern gibt uns in der Person des Heiligen Geistes eine neue und wunderbare Kraft, eine Kraft für unser Tun und unseren Weg auf der Erde, zur Ehre Gottes. Es ist nun an uns, mit durch seine Gnade, diese uns zur Verfügung gestellte Kraft zu nutzen – eine Kraft, die ihren Ursprung in dem in uns wohnenden Heiligen Geist hat. Doch der Heilige Geist wohnt auch in einem solchen Menschen, genauso wie in dem fortgeschrittensten Gläubigen, der auf der Erde lebt.

Der Heilige Geist will von dir Besitz ergreifen

Ja, sagt jemand, das weiß ich, aber mir scheint, dass ich mehr vom Heiligen Geist benötige. – Das Gegenteil ist der Fall. Es ist nicht so, dass du mehr von dem Heiligen Geist benötigst, sondern der Heilige Geist möchte mehr von dir Besitz nehmen! Angenommen, ich möchte ein paar Nächte im Haus eines Freundes übernachten. Er zeigt mir mein Schlafzimmer. Danach zeigt er mir das Esszimmer und das Wohnzimmer und sagt vielleicht: „Fühl dich wie zu Hause.“ Damit meint er, dass ich mich in dem Teil des Hauses heimisch fühlen soll, den er mir gezeigt hat. Das bedeutet nicht, dass ich Zutritt zu jedem Zimmer habe. Er zeigt mir einen bestimmten Teil des Hauses und erwartet von mir, dass ich mich mit diesen Räumen begnüge. Ich glaube, dass manche von uns den Heiligen Geist genauso behandeln wie einen Gast, der sich auf bestimmte Bereiche in unserem Leben beschränken muss, wie die Bereiche „Sonntag“ oder „Zusammenkünfte“ oder den Bereich „Unterhaltung mit anderen Christen“. Er will jedoch, dass wir Ihm – bildlich ausgedrückt – den Schlüsselbund geben und Er somit Zugang zu jedem Zimmer und Winkel unseres Lebens hat. Er möchte nicht nur in uns wohnen, sondern der Beweggrund unseres Denkens, Handelns und Redens sein. Zu wissen, dass wir durch Gottes Gnade den Heiligen Geist in uns wohnend haben, ist eine Sache – dass Er von uns Besitz ergriffen hat, eine andere.

Erfüllt mit dem Heiligen Geist

Es ist sehr richtig gesagt worden, dass es auf der Erde drei Arten von besessenen Menschen gibt:

  1. Es gibt die von Dämonen Besessenen, die es zur Zeit, als der Herr Jesus Christus hier auf der Erde war, gab und die es auch heute gibt. In heidnischen Ländern gibt es zahlreiche dämonisch Besessene. Diejenigen, die das bemerkenswerte Buch Pastor Hsi gelesen haben, werden sich daran erinnern, wie Menschen in China von Dämonen besessen sind. In so aufgeklärten Ländern findet man dämonische Besessenheit in Verbindung mit Spiritismus, das ist die wahre Erklärung der offenkundig mysteriösen Kontakte zu Toten. Dämonische Mächte sind eine sehr reale Angelegenheit.

  2. Dann gibt es die Gruppe der von sich selbst besessenen Menschen. Diese sind sehr korrekte, ruhige und gelassene Leute, bei denen man nie erleben wird, dass sie sich von Begeisterung anstecken und mitreißen lassen. Das eigene Ich ist ihr erster und letzter Gedanke, es geht nur um die eigenen Interessen, das eigene Ansehen, ihre Erfahrungen und Werke usw. An solchen Menschen hat Gott keinen Gefallen.

  3. Schließlich gibt es, Gott sei Dank, Menschen, Männer und Frauen, die von dem Heiligen Geist Gottes um Christi Willen ergriffen wurden, nicht um sich als großartige Heilige zu fühlen, nicht um sich in dem Gedanken zu bestätigen, sie machten eine besonders erhabene Erfahrung, sondern um den Blick ihrer Seele auf Christus zu richten und ihre Herzen mit seiner Liebe zu füllen.

Im Neuen Testament finden wir immer, dass, wenn Menschen von dem Heiligen Geist in Besitz genommen wurden, dieses dazu diente, ein Zeugnis für Christus und nicht von ihnen selbst zu sein. Wir lesen von Petrus in Apostelgeschichte 4: „erfüllt mit Heiligem Geist“. Er sprach von Christus, durch dessen großen Namen, der allein gegeben war unter dem Himmel, in dem wir errettet werden müssen. Wir finden Stephanus, der erfüllt mit Heiligem Geist in den Himmel blickte und Jesus sah. Wir finden Barnabas voll Heiligen Geistes, der die Jünger ermahnte, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren. Lasst uns daran denken, wenn wir das Verlangen haben, im geistlichen Leben voranzukommen, dass Gott aus genau diesem Grund den Heiligen Geist in uns wirksam werden lässt. In Römer 14,4 finden wir die ermutigenden Verse: „Der Herr vermag ihn aufrecht zu erhalten.“ Wir brauchen jedoch noch etwas mehr als Standvermögen. Wir benötigen weitergeführt und bewahrt zu werden.

Berufen, dem Herrn zu folgen

Nun möchte ich noch auf etwas anderes in Lukas 5 hinweisen: Levis Berufung, dem Herrn nachzufolgen. Dieses Ereignis soll uns vielleicht zeigen, was wir mit der neuen Kraft tun sollen. Wir sollen sie dazu zu gebrauchen, dem Herrn Jesus nachzufolgen, nicht unserem Gewissen, sondern Ihm. Zugegeben, das mag uns vielleicht in Schwierigkeiten bringen. In einem anderen Abschnitt lesen wir, dass die Jünger einmal, als sie Ihm folgten, mitten in einen heftigen Sturm gerieten. Sicher, sie hatten inmitten des Sturmes Freude und Bewahrung in seiner Nähe. Und doch kamen sie gerade deswegen in den Sturm, weil sie seine Jünger waren. Wenn jemand ein Rezept für einen einfachen und problemlosen Weg ohne Erprobungen und Schwierigkeiten sucht, hier ist er: Folge dem Herrn Jesus Christus nicht zu dicht. Folge Ihm, wie Petrus es an einer Stelle tat: von ferne. Nähere dich Ihm nicht. Folge Ihm nicht, wenn sein Name von Verachtung und Ablehnung überschattet wird. Das wird für dich dann einfach genug sein – ich sage nicht „glücklich genug“. Der glücklichste Christ ist der, der dem Herrn Jesus trotz Erprobungen am dichtesten folgt. Es ist eigentlich ziemlich unnormal, wenn ein Christ keine Verfolgung erdulden muss. Das Christentum in diesem Land ist eine gemischte Angelegenheit; das Normale für einen Christen ist jedoch, dass er verfolgt und angefeindet wird. Und je mehr wir durch Gottes Gnade Jünger Christi sind, desto mehr wird der Teufel einen Sturm wider uns entfachen, um uns zu versuchen und zum Sinken zu bringen, wenn er kann. Inmitten all dessen wird jedoch der Herr bei uns sein und uns zur Hilfe kommen. Lasst uns dann nicht furchtsam sein in seiner Nachfolge.

Christsein ist Gemeinschaft mit einer Person

Dann gibt es in unserem Abschnitt noch eine Sache, worauf ich nun eingehen möchte. Zuerst finden wir die Vergebung und anschließend in Vers 29 das Festmahl. Levi machte ein großes Mahl, und ich hoffe, du hast bemerkt, dass das Christenleben keine traurige Angelegenheit ist, sondern ein beständiges Festmahl. Es ist eine Zeit des Segens und der Freude für dich gewesen.

Nun möchte ich dir noch eine Frage stellen: Was macht das Leben eines Christen zu einer Zeit des Festmahls und der Freude? Was wäre deine Antwort auf diese Frage gewesen? Ich will dir sagen, was ich meine. Angenommen, meine kleine Tochter wäre irgendwo zum Abendessen eingeladen. Als sie nach Hause kommt, frage ich sie: „Hattest du eine schöne Zeit?“ – „Oh ja“, sagt sie, „es gab Bonbons und Eis und leckere Kuchen mit etwas Süßem oben drauf“, und sie berichtet mir von all den Sachen, die auf dem Tisch waren. Frage ich einen etwas älteren Menschen: „Hattest du eine schöne Zeit?“, antwortet er: „Oh ja, Herr A. war da und Frau B.“ Bei einer älteren Person ist es die Gesellschaft am Tisch, die ihr eine schöne Zeit beschert. Für diejenigen, die noch nicht lange zur Familie Gottes gehören, ist das Mahl mit der Fülle an Delikatessen, Kostbarkeiten der Gnade, die Gott uns reichlich hat zukommen lassen, ein herrlicher Genuss. Wenn sie dann aber geistlich wachsen, wobei sie weiterhin all die guten Dinge, die Gott uns gegeben hat, genießen und wertschätzen, werden sie mehr und mehr empfinden, dass nicht so sehr die Gaben, sondern vielmehr die Gemeinschaft mit dem Geber dieses Mahls zu einem Fest machen.

John Gilmour, ein Diener Christi, der vielleicht wie kein anderer Mann in Nordengland dazu gebraucht wurde, Nichtchristen zu begegnen, hatte gewöhnlich die Taschen voll evangelistischer Bücher, mit denen er auf die Straße ging. Eines Tages ging er mit seinen Büchern durch ein kleines Dorf, als er einen typischen alten Iren sah, der Blechwaren, also Deckel, Töpfe, Pfannen und so weiter, verkaufte. Als Gilmour ihn sah, sagte er sich: Ihn anzusprechen wäre nicht gut, er ist Ire und somit wahrscheinlich römisch-katholisch. – Und doch, dachte er, will ich nicht an ihm vorbeigehen. So sprach er ihn an und sagte: „Guten Morgen, wie läuft das Geschäft heute?“ – „Oh“, entgegnete der Alte, „ich kann nicht klagen, Sir.“ – „Nun gut“, sagte Gilmour, „was für eine großartige Sache, errettet zu sein!“ Der alte Ire erwiderte: „Ich weiß etwas Besseres als das.“ –„Oh“, sagte der Evangelist, „etwas Besseres, als errettet zu sein? Da möchte ich doch wissen, was das ist.“ Der Alte schob seinen Hut zurück und sagte: „Die Gemeinschaft mit dem Mann, der mich gerettet hat, Sir.“ Eine wunderbare Antwort. Er hatte das Geheimnis des Festmahls erkannt, die Gemeinschaft mit dem Einen, der ihn gerettet hatte. Das war es, was sein Leben mit Freude füllte.

Christsein ist auch Enthaltsamkeit

Abschließend finden wir noch eine weitere Sache am Ende des Kapitels. In Vers 35 spricht der Herr von der Zeit, da der Bräutigam von den Jüngern hinweggenommen wird und dass sie in jenen Tagen fasten werden. Das Fasten geht einher mit dem Festmahl. Und was bedeutet fasten? Nun, fasten meint nicht nur die Enthaltung von Nahrung. Fasten ist die Enthaltsamkeit von Dingen, die in sich selbst gewiss richtig und korrekt sein mögen, um mit unserem ganzen Herzen für Christus zu sein. Es ist ungefähr so. Ich höre junge Christen sagen: In diesem oder jenem ist doch nichts Böses, es ist nichts dabei, dahin oder dorthin zu gehen oder dieses Buch zu lesen, nichts Schlimmes bei dieser Freundschaft. Was beinhaltet jedoch solches Reden?

Angenommen, ich wäre bei einem Freund zum Abendessen gewesen. Auf dem Nachhauseweg gehe ich bei einem anderen Freund vorbei. Während meines Besuchs bringt mir die Frau des Hauses einen Teller mit harten Brotkrusten und sagt zu mir: „Darf ich Ihnen ein paar Brotkrusten anbieten?“ – „Nein, danke“, lehne ich ab. – „Oh“, sagt sie, „es ist nichts Schlechtes darin; sie werden Ihnen keinen Schaden zufügen.“ – Ich erwidere daraufhin: „Ich lehne sie nicht aus diesem Grund ab. Ich glaube nicht, dass sie mir schaden würden, und nehme nicht an, dass Sie sie vergiftet haben. Tatsache ist, dass ich gerade eben ein vorzügliches Essen zu mir genommen habe und so satt bin, dass ich die Krusten wirklich nicht möchte.“

Wenn wir nun wirklich satt sind von dem guten Essen, dem Festmahl mit dem Herrn Jesus Christus (und Gemeinschaft mit Ihm zu haben, ist eine sehr reale und praktische Sache), und die Welt kommt zu uns mit ihrem Teller voll alter Krusten und sagt: Bei diesem oder jenem ist doch nichts Schlimmes dabei, dann wirst du sagen: Ich behaupte nicht, dass diese Dinge schlecht sind. Sie mögen in sich vollkommen legitim und richtig sein, Tatsache ist jedoch, dass ich in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus gegessen habe und Er mir etwas Besseres und Geschmackvolleres gegeben hat als irgendetwas, was die Welt mir geben kann. – Dann wirst du ganz leicht sagen können: Nein, danke. Das Fasten betrifft also die Dinge dieser Welt und geht Hand in Hand mit dem Festmahl mit dem Herrn Jesus Christus.


Originaltitel: „What follows Forgiveness?“
aus Scripture Truth, Jg. 9, 1917, S. 105–108

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