Auf der Straße des Versagens
1. Mose 13,12; 1. Mose 14,12; 19,1

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 16.07.2016

Leitverse: 1. Mose 13,12; 14,12; 19,1

1Mo 13,12: Abram wohnte im Lande Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Ebene und schlug Zelte auf bis nach Sodom.

1Mo 14,12: Und sie nahmen Lot, Abrams Bruders Sohn, und seine Habe und zogen davon; denn er wohnte in Sodom.

1Mo 19,1: Und die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom; und Lot saß im Tore Sodoms. Und als Lot sie sah, stand er auf, ihnen entgegen, und beugte sich nieder, mit dem Angesicht zur Erde.

Einleitung

Hochschulabsolventen und Studenten versagen aus einer Vielzahl von Gründen. Aber eins ist bei allen Fällen dasselbe: Das Versagen geschieht nicht spontan, es ist immer ein Prozess damit verbunden. Das gilt genauso für das Versagen im christlichen Leben. Wachsende Christen fallen nicht plötzlich zusammen, es gibt immer einen Schritt-für-Schritt-Trip auf der Straße zum Versagen.

Die Geschichte Lots in 1. Mose ist der traurige Fall eines Gläubigen, der versagt hat. Lot war ganz klar ein Gläubiger. In 2. Petrus 2,7.8 wird Lot dreimal als gerecht erwähnt. Aber der gerechte Lot versagte, sein Leben für Gott zu gebrauchen. Er reiste auf der Straße des Versagens. Es ist für jeden Christen möglich, heute genau dasselbe zu tun. Ein Christ mag entweder ein Leben bauen, dass für Gott zählt oder er leidet Schiffbruch für sein Leben in Bezug auf ewige Werte (s. 1Kor 3,11-15). Wie tragisch und beschämend wird es für einen Christen sein, vor dem Herrn zu stehen und Rechenschaft abzulegen für ein leeres und vergeudetes Leben (s. 2Kor 5,10). Obwohl diese Art des Versagens bei einem wahren Christen die Bestimmung für Himmel und Hölle nicht berührt, gibt es eine Anzahl von warnenden Abschnitten der Schrift, die den ungehorsamen Gläubigen sehr ernst dazu bringen sollten, seine Übergabe an Christus in Frage zu stellen und sich seiner Errettung sicher zu machen (s. Joh 15,4-6; Kol 1,23). Lasst uns als wachsende Christen Anstrengungen machen, die Straße zum Versagen zu vermeiden.

Die falsche Perspektive – Lot

Der erste Schritt in Richtung Versagen kam, als er die Dinge aus einer falschen Perspektive ansah. Er machte eine selbstsüchtige Wahl. Er wählte für sich selbst (1Mo 13,11). Seine Wahl basierte nur auf dem, was als das Beste aussah. Er sah die wohlbewässerte Ebene des Jordan (1Mo 13,10). Sein Blickpunkt berücksichtigte nicht die Tatsache, dass die bösen Städte des Tales programmiert waren für die Zerstörung. Es heißt in 1. Mose 13,10: „Das war, bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstörte.“ Lot hatte die falsche Perspektive, weil er nicht in Gemeinschaft mit Gott war. Der Blickpunkt eines Christen, der außerhalb der Gemeinschaft mit dem Herrn ist, ist derselbe: selbstsüchtig, weltlich und kurzsichtig.

Wie Lot beginnen viele Christen die Straße des Versagens, wenn sie ihre Augen aufheben und all die Möglichkeiten und Gelegenheiten sehen, die die Welt ihnen anbietet. Es ist nur ganz natürlich, wenn man das wählt, was mir das meiste Vergnügen und die meisten Besitztümer und die meiste Macht bietet. Aber das ist die falsche Perspektive. Gottes Wort sagt ganz klar, dass diese Welt und alles was sie anbietet, für das Verderben bestimmt ist (s. 1Kor 7,31; 1Joh 2,17). Wie Sodom und Gomorra ist diese Welt programmiert für das Gericht Gottes. Es ist nur eine Sache der Zeit, bevor die Erde selbst zerstört und ersetzt wird durch einen neuen Himmel und eine neue Erde, in welchem Gerechtigkeit wohnt (s. 2Pet 3,10-13). Kein Christ, der ein bisschen vernünftig ist, würde Aktien in diesem gegenwärtigen Weltsystem anlegen. Würdest du Geld auf eine Bank bringen, von der du ganz klar weißt, dass sie morgen zusammenbricht? Würdest du ein Haus kaufen auf einem Damm, von dem die Experten gesagt haben, dass er zusammenbricht? Natürlich nicht! Aber das illustriert wesensmäßig, was einige Christen tun mit ihrem Leben, aufgrund einer weltlichen und natürlichen Perspektive. Sie investieren ihre Zeit und Energien in etwas, das völlig ausgewischt werden wird und keinen ewigen Wert hat. Ein Christ mit einer falschen Perspektive hat begonnen, mit seinem Leben auf einem Weg des Versagens zu gehen.

Die richtige Perspektive – Abraham

Welch ein Kontrast sehen wir zwischen Lot und Abraham? Abraham war ein treuer Gläubiger, der eine richtige Perspektive hatte. Abraham war in Gemeinschaft mit Gott. Obwohl Abraham und Lot dasselbe biologische Erbe hatten, denselben sozialen Hintergrund, dieselbe kulturelle Umgebung (s. 1Mo 11–12), hatte Abraham einen ganz anderen Ausblick auf die Dinge, weil er mit dem Herrn wandelte. Siehe 1. Mose 13,4.5, wo Abram (Gott änderte später seinen Namen zu Abraham), den Herrn anbetete, als sie zu dem Altar nach Bethel kamen. Lot war auch ein Gläubiger, aber wir lesen nicht, dass Lot den Herrn anbetete oder anrief. Wir lesen nur, dass Lot auch Herden hatte und Zelte.

Wie ist es mit uns? Begegnen wir dem Leben mit der Perspektive eines Abrahams oder mit der Perspektive eines Lot? In Hebräer 11,10 wird uns gesagt, dass Abraham die Stadt suchte, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Gründer Gott ist. Abraham hatte die richtige Perspektive, er ruhte durch Glauben auf den Verheißungen des Wortes Gottes an ihn (1Mo 12,1-3). Abraham war nicht interessiert an den irdischen Städten, wie Sodom und Gomorra, er war interessiert an solideren Grundlagen, den ewigen Werten Gottes. Nach was für einer Stadt schaust du aus?

Lot flirtete mit der Welt

Lots zweiten Schritt auf der Straße des Versagens finden wir in 1. Mose 13,12. Lot lagerte seine Zelte bis hin nach Sodom. Er ging nicht nach Sodom – pass auf! –, er flirtete nur mit der Welt.

Das ist gewöhnlich der nächste Schritt bei dem Versagen eines Christen. An diesem Punkt ist überhaupt nicht die Rede davon, in offener Sünde zu leben. Es ist nur eine Bewegung in die falsche Richtung. Man nimmt einen gut bezahlten Job an, der zwar einige unethische Praktiken involviert, man wird involviert in einige aufregende besondere Aktivitäten, die unsere Zeit und unser Talent von den offensichtlichen Nöten und Notwendigkeiten auf christlichem Boden wegnehmen, man verliebt sich in einen „unwiderstehlichen“ Ungläubigen – all das können „unschuldige“ Bewegungen in die falsche Richtung sein. Wie in dem Fall von Lot ist es nur eine Sache der Zeit, bevor der versagende Christ sich nach Sodom hineinbewegt. In 1. Mose 14,12 lebt Lot in Sodom.

… und Abraham?

Was einen Kontrast sehen wir bei Abraham; in Vers 18 sehen wir auch bei ihm, dass er sein Zelt bewegt, aber nicht in die Richtung Sodoms. Er bewegte es nach Hebron in das Bergland und baute dort dem Herrn einen Altar. Es gab keinen Altar nahe bei Sodom und wir lesen auch, dass der Herr dem Abraham das ganze Land verhieß (1Mo 13,14-18).

Was für eine Lektion! Gottes Wort sagt ganz klar, dass der Herr Jesus eines Tages wiederkehrt und sein Reich auf dieser Erde aufrichtet (2Tim 4,1). Treue und ausharrende Christen in diesem Leben wird eine großartige Teilnahme in diesem Reich verheißen (Jak 2,5; 2Pet 1,11; 2Tim 2,12) Lasst uns nicht unsere Belohnung verlieren!

Die Verstrickungen in Sodom

In 1. Mose 14 sehen wir, dass bei Lots Verbindung mit Sodom die Probleme dieser bösen Stadt auch die Probleme Lots wurden. Abraham auf der anderen Seite war frei von all der Unruhe und dem Streit und den Problemen von Sodom. Nicht frei natürlich, um unbetroffen zu sein. Abraham war sehr stark betroffen von den Dingen des Volkes von Sodom und ganz besonders über den Zustand seines Mitgläubigen und engen Verwandten Lots. Und er tat etwas für sie.

Hier haben wir wieder eine Lektion in Bezug auf die richtige Verbindung des Christen zu dieser Welt. Ein gottesfürchtiger Wandel wird uns befreien von viel Unruhe und Chaos dieses Weltsystems. Gepriesen sei der Herr dafür! Aber wir haben eine Verantwortung, den Menschen zu helfen, die in ihren Fängen gefangen sind, und wir sollten alles das tun, was in unserer Kraft steht (seine Kraft!), um unsere versagenden Brüdern und Schwestern in Christus zu „retten“. Wie Abraham sollten wir nicht Teil des Sodom-Systems werden, um dem Volk dort zu helfen. Wir sind frei, um genau darum zu helfen, weil wir nicht Teil dieses Systems sind. Unser Herr Jesus sagte, dass wir wohl in Kontakt mit der Welt, aber nicht Teil dieses bösen Weltsystem sein würden (Joh 17,9-23). Bemerke auch, dass Abraham sich durch den König von Sodom und die Siegesbeute nicht einwickeln ließ (1Mo 14,21-24). Es war nicht Zufall, dass der gottesfürchtige Melchisedek daherkam, um Abraham zu segnen und zu ermuntern. Gott hat immer seine Wege, um in Zeiten der Entscheidungen zu stärken.

Endstation: Welt (in den Toren Sodoms)

In 1. Mose 19 sehen wir, dass Lot vollkommen in die Geschäfte Sodoms verwickelt ist. Dies ist nur ein weiterer logischer Schritt auf der Straße des Versagens. Wir würden denken, dass Lot aus der knappen Flucht in Kapitel 14 seine Lektion gelernt hat oder wenigstens aus der Liebe, die Abraham ihm gegenüber gezeigt hatte. Aber versagende Gläubige werden oft hart der Liebe und dem allgemeinen Menschenverstand gegenüber. Stell dir Abrahams Enttäuschung vor.

Viele können sich darin mit Abraham identifizieren. Manchmal bedeutet es fast ein erdbewegendes und traumatisches Erlebnis, um einen Gläubigen aus Sodom herauszubekommen. Der Besuch eines Engels und Feuer vom Himmel zwangen Lot endlich aus Sodom heraus. Aber selbst dann ging es nicht ohne großen Kampf, Verzögerung und Verlust (1Mo 19,15-29). Dass Lot so langsam war, Sodom zu verlassen, ist nicht das einzige Anzeichen, dass er in Sodom verwickelt war. Schauen wir die Kapitel näher an, können wir daraus schließen, dass Lot wahrscheinlich mit einer Frau aus Sodom verheiratet war. Er verließ sein Zelt und kaufte sich ein dauerhaftes Haus in Sodom. Er zog seine Familie in Sodom auf und Familienwurzeln sind schwer zu trennen. Darüber hinaus scheint es, dass Lot in das politische Verderben von Sodom verwickelt war. Der Ausdruck „sitzen im Tore Sodoms“ (1Mo 19,1) kann bedeuten, dass er in die Geschäfte von Sodom involviert war. Nun kann es sein, dass Lot versucht hatte, eine Stadtreform herbeizuführen, aber es ist sehr interessant, dass Abraham von außerhalb der Stadt ein größeres Zeugnis für den König von Sodom an einem einzigen Tag war als Lot während seiner ganzen Lebenszeit in der Stadt.

Wie Lot sind viele Christen nicht gerade verwickelt in die groben Sünden dieser Welt, wie Homosexualität und Gewalttat (1Mo 19,2-9), aber ihr Denken wird verbogen und verdreht (s. 1Mo 19,8), weil es außerhalb der Gemeinschaft mit Gott ist. Wenn man dann ein wenig versucht, Zeuge zu sein, dann wird das ignoriert und verspottet (1Mo 19,14). Ein versagender Christ ist in diesem Stadium ein wirklich trauriger Anblick.

Die Schlussszene, die wir von Lot haben, ist eine tragische Szene. Durch die Barmherzigkeit Gottes wurde sein Leben bewahrt, aber er verlor alles: Job, Haus, Besitztümer, Frau. Es ist wahr, dass Lot seine zwei Töchter aus der Stadt mit herausnehmen konnte, aber er war nicht fähig, Sodom aus seinen Töchtern herauszubekommen (1Mo 19,30-38). Aus dieser Inzestverbindung kamen Moab und Amon hervor – Nationen, die in den kommenden Jahren eine Plage für das Volk Gottes sein würde.

Lots Versagen, welches mit einer Wahl begann, hatte schlimme Folgen für sich selbst, seine Familie und schließlich für ganz Israel. Die Geschichte Lots ist eine klare und ernste Warnung für jeden wachsenden Christen. Reise nicht auf der Straße des Versagens!


Originaltitel: „The Road to Failure“
Quelle: www.growingchristians.org

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