Vergebliche Arbeit
Jesaja 49,4

Sydney Long Jacob

© SoundWords, online seit: 17.10.2018, aktualisiert: 17.10.2018

Leitvers: Jesaja 49,4

Wie wunderbar, dass der Heilige Geist in prophetischer Hinsicht dem Herrn die folgenden Worte in den Mund gelegt hat:

Jes 49,4: Ich aber sprach: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verzehrt; doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

Hat der Herr sich so weit herabgebeugt, dass sein Werk vergebens erschien? Welch wunderbare Gnade, dass Er sich so weit herabgebeugt hat!

Wir wissen natürlich, dass die Arbeit nicht vergeblich war, und alle Ewigkeiten werden nötig sein, um die Bedeutung und den Segen jenes wunderbaren Werkes zu offenbaren; doch für den gegenwärtigen Augenblick schien dieses Werk vergebens. Möge das Empfinden für diese Gnade tief in unsere Herzen dringen.

Wie viel können wir aus diesen Worten lernen, aber ich möchte nur auf einiges wenige hinweisen:

  • Wir sehen zunächst, wie falsch der äußere Schein und wie irrig menschliche Urteile sind; wie irreführend es ist, das Werk anderer zu beurteilen, ja selbst unser eigenes. Wir sind völlig unzulänglich, das zu tun, denn wir kennen nur sehr wenig die Absicht Gottes und seine Wege, sie auszuführen, denn das geht über unser Verstehen. Wir kennen auch so wenig von den verborgenen Beweggründen des menschlichen Herzens, die sehr in die Waagschale fallen, wenn der Wert der Handlungen bestimmt wird. Wie außerordentlich wichtig ist daher der Hinweis, „nicht irgendetwas vor der Zeit zu urteilen, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Überlegungen der Herzen offenbaren wird; und dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott“ (1Kor 4,5). Wir können sicher sein, dass ungezählte Male das augenscheinlich Wertlose gerade das Wertvollste und das offenbar Hervorragende ohne Wert ist.

  • Wir lernen ferner, nicht entmutigt zu werden. Alles, was wir fragen sollten, ist: „Sind wir da, wo der Herr uns gern haben möchte? Tun wir das, was der Herr will?“ Wenn das der Fall ist, lieber entmutigter Mitarbeiter, so sei getrost, selbst wenn dein Werk als ein vollständiger Fehlschlag erscheinen sollte.

Jeder Diener des Herrn, der seinen Dienst ernst nimmt, kennt nur zu gut, wie niederschmetternd es ist, wenn etwas, was er tut, offenbar zugrunde zu gehen scheint. Der Demütige und Einfältige ist dieser Entmutigung besonders ausgesetzt, während der Stolze und Selbstzufriedene sie nicht kennt. Doch Gott will nicht, dass wir mutlos werden, selbst wenn alles vergebens zu sein scheint. Er weiß, dass wir armselig sind, und doch hat Er uns berufen, unsere Hand nach dem Pflug auszustrecken, auch wenn Er weiß, dass wir oft krumme Furchen ziehen, die den Boden nur unvollkommen lockern. Doch trotzdem wählte Er uns, Er gab die Arbeit in unsere Hand, und auch wenn unsere Arbeit ein Fehlschlag zu sein scheint, so ist sie doch nicht vergeblich im Herrn. Es ist an uns, sein Gebot zu erfüllen, an Ihm dagegen, Erfolg oder Misserfolg zu geben; aber selbst der Misserfolg ist keiner, sondern ein Teil seiner Wege, damit Er seinen Plan ausführt. Darin liegt eine Ermutigung für alle Schwierigkeiten – für Fehlschläge, bittere Prüfungen, Tränen. Darum mögen alle ermüdeten, mutlosen und bedrückten Arbeiter aufschauen und Mut fassen und auf den Herrn blicken, und dann wird alles gut werden. Aber der, der mit sich selbst und seinem Werk zufrieden ist und das der anderen beurteilt, möge zittern, denn Erste werden Letzte sein. Gott stößt Mächtige von den Thronen und erhöht Niedrige [Lk 1,52].

Darum fahrt unentwegt fort, fürchtet euch nicht, drängt nach vorn; das Ergebnis wird gesegnet sein, der Geist des Herrn ist mit euch. Er wirkt in euch und durch euch etwas von dem großen Plan Gottes für die Verherrlichung seines Sohnes. Der weinende, sich abmühende Sämann und der frohe Erntende werden eins sein, und mancher, der scheinbar keinen Erfolg hatte, hat viel Frucht, während der, der glaubt, viel getan zu haben, findet, wie wenig es ist. Die Unfruchtbare hat viele geboren, und die Kinderreiche ist einsam geworden (Jes 54,1).

Möchten wir auf diese Weise die Übungen lernen, die der Herr uns mit so viel Geduld lehrt; möchten wir von Ihm, der sanftmütig und von Herzen demütig ist, lernen, und möchten wir dann, wenn all unser Werk zu zerfallen droht, fähig sein, in Demut, Bekenntnis der Sünde, Selbstgericht, aber mit tiefer Dankbarkeit zu sagen: „Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor Dir.“


Originaltitel: „Vergebliche Arbeit“
aus Der Dienst des Wortes, Jg. 4, 1926, S. 181–183,
von Soundwords sprachlich leicht bearbeitet.
Engl. Original: „To Labour in Vain“ aus „Part 3: Collected Writings“ in Faithful Sayings
http://stempublishing.com/authors/Jacob/Jacob_Labour_in_Vain.html

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