Begnadigte sollten Gnade üben
Micha 7,18.19

David R. Reid

© SoundWords, online seit: 03.06.2004, aktualisiert: 03.01.2018

Leitverse: Micha 7,6-19

Mich 7,18.19: Wer ist ein Gott wie du, der Schuld vergibt und Vergehen verzeiht dem Überrest seines Erbteils! Nicht für immer behält er seinen Zorn, denn er hat Gefallen an Gnade. Er wird sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Schuld niedertreten. Und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

Einleitung

Ein Häftling, der begnadigt wird, wird vom Urteil, das ihm von der Gesellschaft verhängt wurde, befreit, ohne die rechtskräftige Strafe für sein begangenes Verbrechen zu bezahlen. Begnadigung wird einem Häftling aufgrund einer Vielzahl von Gründen bewilligt: gute Führung, dringende Bedürfnisse in der Familie oder auch politischer Druck. Aber in jedem Fall, wo eine rechtskräftige Begnadigung bewilligt wird, geschieht dies nicht, weil der Straftäter für unschuldig befunden wurde – sonst wäre es keine Begnadigung. Bei einer Begnadigung wird dem Schuldigen die Strafe erlassen, aber er wird nicht freigesprochen.

Mehr als Begnadigung

Wenn Gott uns vergibt, dann ist seine Vergebung mehr als eine Begnadigung. Uns wird nicht nur die Strafe erlassen, sondern wir werden auch freigesprochen. Wir sind gerechtfertigt, in Gottes Augen wurden wir rechtschaffen. 2. Korinther sagt, dass wir in Christus „Gottes Gerechtigkeit würden“. Zu erkennen, den Anforderungen an Gottes Gerechtigkeit zu entsprechen, ist sicher mehr als Begnadigung! Wie ist das möglich? Weil der makellose Sohn Gottes an unserer Stelle die Todesstrafe für unsere Sünden am Kreuz erlitt. Römer 3,25.26 erklärt, dass, weil Christus die Ansprüche Gottes an die Rechtfertigung unserer Sünden erfüllte, Gott „gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist“. Somit erlangen Christen viel mehr als die Begnadigung von den Konsequenzen ihrer Verstöße gegen einen heiligen Gott. Die Vergebung wäre allein schon phantastisch, aber in Christus sind unsere Vergehen vollkommen weggenommen, und wir werden als gerecht bezeichnet – so als hätten wir niemals gesündigt. Wie wunderbar! Wie groß ist unser Gott!

Der Prophet Micha schreibt über diese großartige Wahrheit im letzten Kapitel seiner Prophezeiung. In zwei Versen hebräischer Poesie erhebt Micha voll Freude unseren Gott, der uns mehr schenkt als Begnadigung. Im Zusammenhang sind diese Segenswünsche an das hebräische Volk gerichtet, aufgrund der Versprechen, die Gott ihnen unter Abraham gegeben hat. In Micha 7,20 lesen wir: „Du wirst an Jakob Treue erweisen, an Abraham Gnade, die du unsern Vätern geschworen hast von den Tagen der Vorzeit her.“ Dieses Versprechen an die Juden wird im vollendeten Werk des Messias, dem Herrn Jesus Christus, erfüllt. Aber diese großartigen Segnungen betreffen alle, die an den Herrn Jesus glauben. Als Christen besitzen wir bereits die unverdiente Stellung, mehr als Begnadigung von Gott selbst empfangen zu haben.

Geschichtlicher Hintergrund

Der Prophet Micha lebte zu einer Zeit, als die Mehrzahl der Menschen in den Königreichen Israel und Juda nicht dem Herrn folgten. In der Tat war es während Michas Wirkungszeit, dass Gott es erlaubte, dass das Nordreich in die Hände der Assyrer fiel. Das war ungefähr um 722 v.Chr. Die Erfüllung von Michas Prophezeiungen des Urteils über Samaria, der Hauptstadt des Nordreichs, kann auch heute noch betrachtet werden: „So werde ich Samaria zu einem Trümmerhaufen im Feld machen, zu Weinbergpflanzungen, und ich werde seine Steine ins Tal hinabstürzen und seine Grundfesten bloßlegen“ (Mich 1,6). Besucher des antiken Samaria sehen diese Prophezeiung vor ihren Augen erfüllt. Weinstöcke und Fruchtbäume wachsen inmitten der gefallenen Steine und den bloßgelegten Grundfesten der einst stolzen Stadt.

Das Südreich Juda überlebte etwa hundertfünfzig Jahre länger als das Nordreich Israel. Michas Dienst erstreckte sich über die Regierungszeit von drei Königen Judas (Mich 1,1). Obwohl Jotam und Hiskia gute Könige waren, gelang es ihnen nicht, das Volk zu Gott zu wenden. Auch wenn eine bedeutende Erweckung in Juda unter Hiskia durch den Dienst Michas stattfand (Jer 26,18.19), reichte dies nicht aus, dass das Volk zu Gott umkehrte. Die allgemeinen Auswirkungen der Erweckung waren nur von kurzer Dauer und das ganze Volk wandelte weiter auf den Pfaden der Unmoral und des Götzendienstes. Vor diesem Hintergrund predigte Micha weiter über das Gericht. Juda unterlag letztlich dem wachsendem babylonischen Reich im Jahr 586 v.Chr. – etwa hundert Jahre nach Michas Predigten.

Vergleich zu heute

Die Moral und die geistlichen Bedingungen sind heute auffallend ähnlich. Obwohl wir immer noch etliche Staatsoberhäupter haben, die an die Bibel glauben [gemeint sind die Präsidenten der USA; Anm. d. Red.], und obwohl wir immer noch viele gottesfürchtige Männer und Frauen im Land verstreut haben, entfernt sich unsere Nation als Ganzes immer weiter weg von Gott. Obwohl wir Treue zur „vereinten Nation unter Gott“ geloben und wir immer noch Währung mit dem Aufdruck „Wir vertrauen auf Gott“ verwenden und immer noch singen „Gott segne Amerika“, fährt unsere Nation allgemein fort, sich rasant von Gottes Moralmaßstäben zu entfernen. Das „Streben nach Glück“ wird als Möglichkeit oder Entschuldigung vorgebracht, „das zu tun, was in jemandes Augen richtig ist“. Als Ergebnis davon steigt die Zahl der Abtreibung weiter an. Die Homosexuellenbewegung erfährt immer mehr Akzeptanz in der Bevölkerung. Heidnische Praktiken nehmen zu. Gewalt und unerlaubter Sex überschwemmen unsere Medien. Wir benötigen eine große geistliche Wiedererweckung in Amerika – eine Erweckung, die an der Basis beginnt und sich durch das ganze Land zieht. Es könnte so kommen! Lasst uns beten für eine große Erweckung, um das Gericht Gottes über dieses Land zu verzögern und damit viele hoffnungslose Menschen erkennen, dass Gott immer noch gerne mehr schenkt als Begnadigung.

Micha war ein Zeitgenosse des allseits bekannten Propheten Jesaja. Während Jesaja in internationalen Angelegenheiten sehr kundig war und oft zu denen in hohen Ämtern sprach, war Micha eher ein Prediger und Prophet auf dem Land. Aber das tut den Prophezeiungen Michas keinen Abbruch! Als Wort Gottes hat es dieselbe Schlagkraft wie die Prophezeiungen Jesajas. Während sich ein Großteil des Buches Micha durch Anklage und Verdammnis auszeichnet, gibt es dort auch Abschnitte über Gnade und Herrlichkeit. Gott ist nicht nur ein Gott, der die Sünden seines Volkes bestrafen muss – Er ist auch ein Gott, der sein Volk gnädig erlösen und wiederherstellen kann. Die am meisten bekannte Prophezeiung Michas ist eine der Botschaften der künftigen Segnungen. In Micha 5 wird Bethlehem als Geburtsort des Messias vorhergesagt. Die Betonung dieser Prophezeiung liegt nicht darauf, wo der Messias geboren wird, sondern viel mehr darauf, was Er für sein Volk, Israel, tun wird. Er wird wiederauferstehen und sein Volk führen und sie von allen Feinden erlösen. Israels großartigste Tage kommen noch.

Wir sind bereits unter die Begnadigung gekommen

Unser Text in Micha 7 ist ebenfalls der Prophezeiung einer Segnung entnommen. Es wurde bereits erwähnt, dass die Segnungen, die hier zugesagt werden, ihre endgültige Erfüllung in der Zukunft finden werden. Ein Teil von Israel, hier der „Überrest seines Erbes“ genannt, wird erkennen, dass der Gott, den sie in Christus abgelehnt haben, ein gnädiger und mitfühlender Gott ist, der mehr schenkt als Begnadigung. Und wir, die wir bereits Christus als wahren Messias erkannt haben, nehmen selbst jetzt diese „Mehr-als-Begnadigung“-Segnungen wahr. Wir lernen in Micha 7, dass unsere Sünden überwunden sind. In früheren Zeiten wurde der Feind als „am Boden“ bezeichnet, wenn er überwältigt war, und so sind auch unsere Sünden von unserem siegreichen Meister zertrampelt worden. Der Herr ist nicht nur über unsere Sünden hinweggegangen, Er hat unsere Sünden als seinen eigenen Feind angesehen und ihn besiegt. Und diesem besiegten Feind ist es nicht erlaubt, an den Pforten des Himmels herumzulungern und uns mit schlechten Erinnerungen zu plagen. Alle unsere Sünden sind „in die Tiefen des Meeres geworfen“. Sie sind vollkommen beseitigt und werden niemals zurückgebracht werden und dazu verwendet werden, um uns Schuld vorzutäuschen. Und das ist Wahrheit für den Gläubigen jetzt und für den Gläubigen nach uns! Wir müssen nicht bis zum Himmel warten, dass der Herr unsere Sünden vergisst. „So fern der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Vergehen“ (Ps 103,12). Unserer Sünden wird im Gerichtshof Gottes bereits nicht mehr gedacht. Der gerechte Richter selbst liebt uns und wird seine Ansicht über unsere Sünden nicht ändern. Sie sind für immer beseitigt, und „er erfreut sich in seiner unwandelbaren Liebe“. Für immer werden wir Gott loben, der uns mehr geschenkt hat als Begnadigung.

Auch wir müssen vergeben, wie der Herr vergeben hat

Während die Botschaft von Micha einerseits unermesslichen Dank und Anbetung Gottes hervorruft, müssen wir uns auch überlegen, wie sich diese Botschaft auf unsere Beziehungen zu anderen Menschen auswirken sollte. In Kolosser 3,12-14 wird uns gesagt: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“ Wir müssen vergeben, wie der Herr uns vergeben hat! Ein scheinbar unmöglicher Befehl! Aber genau das ist es, was Gott von uns verlangt.

Die Größe und Liebe der Vergebung Gottes im Blick, müssen wir unsere Beziehungen sorgfältig überdenken. Gibt es jemanden, gegen den ich eine Klage habe? Gibt es jemanden, dem ich – vielleicht über lange Zeit – etwas nachtrage? Gibt es irgendeine Situation in meinem Leben, wo ich mich unfähig fühle zu vergeben und mich zu versöhnen? Gottes Wort sagt uns, dass wir vergeben müssen – so wie Gott uns vergeben hat! Du magst jetzt vielleicht sagen: „Aber ich bin verletzt worden! Ich wurde unrecht behandelt!“ Das mag zutreffen, aber wie oft wurde Gott betrübt und unrecht behandelt durch unsere Sünden und durch unser Versagen? Und seine Liebe zu uns ist noch immer unveränderlich, und seine Vergebung unserer Vergehen geht weit über eine einfache Begnadigung hinaus!

Wir alle haben die Neigung, den „anderen Beteiligten“ die Verantwortung zuzuschieben, sie müssten eine Handlung in die Richtung tun, die uns zu einem entschuldigenden und versöhnlichen Geist verhilft. Aber wir müssen daran denken, dass Gott uns gegenüber die alleinige Initiative ergriffen hat. Und dann die Schwierigkeit als Christen, dass wir nicht nur Herzen und Lippen haben, die Gott Dank und Anbetung bringen für das, was Er für uns getan hat. Auch unser Leben muss Ihn loben, indem es jedem (einschließlich denen, mit denen wir Schwierigkeiten haben) seine unveränderliche „Mehr-als-Begnadigung“-Liebe widerspiegelt.


Originaltitel: „More than a Pardon“
Quelle: www.growingchristians.org

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