Grundsätzliches zum Verhalten bei falschen Lehrern
Wie Irrlehre bagatellisiert wird

Hugh Henry Snell

© SoundWords, online seit: 16.12.2006, aktualisiert: 11.09.2018

Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem größeren, nicht veröffentlichten Artikel „A Few Observations on Mr. Oliphant’s ‘Remarks’ On a Letter To Him by H.H. Snell“. Hierbei ging es um die Reaktionen auf böse Lehren von F.E. Raven. Wenn wir hier diesen Auszug wiedergeben, dann geht es uns nicht um diese Lehren oder die Reaktionen darauf, sondern um einige allgemeine Grundsätze, die ihre Anwendung auf jeden falschen Lehrer finden. Auch wenn es sich in dem Fall, der dem Artikel zugrunde liegt, um böse Lehre bezüglich der Person Christi handelt, gelten die Grundsätze doch sehr allgemein.
Die Überschriften sind von der Redaktion. Abkürzungen: O. = Oliphant, R. = Raven

Mit den Details des Artikels von Herrn O. möchte ich mich jetzt nicht beschäftigen, dafür aber kurz die Aufmerksamkeit des Lesers auf einige Grundsätze richten, die hierin sichtbar werden und die, wie es mir scheint, ungesund und zum Schaden der Seelen sind.

1. „Das hat er nicht gemeint!“

Auf einer Seite erzählt uns Herr O. wiederholt, was Herr R. meint. Niemand von uns sollte spitzfindig sein oder versuchen, einen anderen wegen eines Wortes schuldig zu erklären. Stattdessen sollten wir bereit sein, das erste Zeichen von Selbstgericht bei jemand, der unter der belastenden Behauptung steht, Irrtum zu lehren, zu fördern und zu ermuntern. Dennoch ist es so: Wenn jemand falsche Aussagen betreffend unseres Herrn verbreitet und er dann dafür zur Rechenschaft gezogen wird und wenn dann sein Hauptrechtsanwalt sagt: „Ich bin mir sicher, dass du nicht das sagen willst, was diese Aussage impliziert“ – dann ist das ein zerstörerisches und zersetzendes Prinzip und kann auch nicht einen einzigen Augenblick lang als dem Maßstab der Heiligkeit und Wahrheit entsprechend akzeptiert werden. Die Schrift hat das für uns völlig klargemacht. Sie hält uns verantwortlich für das, was wir sagen. Wir finden dort zwei Personen, die sehr ernst damit belastet werden, dass sie „sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei“, und die Auswirkung davon war, dass „der Glaube etlicher zerstörten wurde“ (2Tim 2,18). Es ist nicht schwierig, zu sehen, dass nichts wirksamer das Werk Satans im Durcheinanderbringen der Seele fördert, als solchen, die darüber beunruhigt sind, zu versichern, dass der Schreiber nicht das meint, was seine Worte beinhalten. Die Schrift sagt weiter: „Durch deine Worte wirst du gerechtfertigt werden, und durch deine Worte wirst du verdammt werden“ (Mt 12,37).

2. „Schau mal, was er hier schreibt!“

Etwas Ähnliches ist ein anderer Versuch von Herrn O., Herrn R. zu rechtfertigen, indem er einen seiner guten Sätze hervorbringt, um damit einen schlechten Satz auszugleichen. Der Irrtum hierin wurde durch Herrn Charles Stanley zu Beginn dieser schmerzlichen und demütigenden Diskussion herausgestellt. Es ist eine alte List Satans, die fast immer in Verbindung mit falscher Lehre gefunden wird und die bis weit zum Garten Eden zurückgeht. Es ist ein Argument, das man ständig hört. Wenn eine Aussage vor die Unterstützer von Herrn R. gebracht wird, die sie nicht verteidigen können, dann bringen sie einen seiner wahren Sätze, um dies auszugleichen. Aber das ist ein verderblicher Grundsatz; und es ist klar, dass kein noch so hoher Anteil an Wahrheit hinzufügt werden kann, um einen unschriftgemäßen Satz bezüglich unseres anbetungswürdigen Herrn zu neutralisieren oder zu rechtfertigen. Nach demselben verderblichen Grundsatz spricht Herr O. davon, dass einige einen Satz aus den Briefen von Herrn R. herausnehmen und ihn als böse Lehre bezeichnen; als wenn Tausende Hinzufügungen von Wahrheit eine falsche Aussage korrigieren könnten. Wenn diese Vorgehensweise zugelassen wird, dann wird es kein Ende der Verkündigung falscher Lehre mehr geben. Und der inspirierte Apostel sagt: „Denn wir verfälschen nicht, wie die Vielen, das Wort Gottes, sondern als aus Lauterkeit, sondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christus.“ Und ein anderer Apostel erklärt klar, dass „keine Lüge aus der Wahrheit ist“ (2Kor 2,17; 1Joh 2,21).

3. Wo ist der schriftgemäße Beweis?

Die völlige Abwesenheit eines schriftgemäßen Beweises für die Verteidigung der Lehren von Herrn R. durch Herrn O. muss jedem auffallen, der gewohnt ist, das „Es steht geschrieben“ als einzige Autorität und als einzige Regel für das Gewissen zu betrachten. Es mag leicht sein, eine besondere Verteidigungsstrategie zu benutzen und Sätze in einer klugen Art und Weise zusammenzubauen, um einen Gegner zu schlagen, aber Schlauheit ist nicht die Gnade und Wahrheit, die durch Jesus Christus gekommen ist. Wenn „der überaus bedeutsame Gegenstand der Person Christi“ betroffen ist, dann müssen wir die Schrift haben; denn nichts als die Schrift kann eine aufrichtige Seele zufriedenstellen.

4. Sind wir einfältig gegenüber dem Bösen?

Wir werden ermahnt, „einfältig gegenüber dem Bösen“ zu sein. Das heißt, wenn wir finden, dass es nicht der Schrift entspricht, dann sollten wir es zurückweisen. Viele haben seither verschiedene Aussagen von Herrn R. zurückgewiesen, weil sie glauben, dass sie unschriftgemäß und verunehrend für unsern gepriesenen Herrn sind.

[Anmerkung der Redaktion: Wir möchten diesen Artikel abschließen mit den Schlusssätzen aus dem Brief von H.H. Snell an Herrn O., der diesem Artikel vorausging, weil er die Gesinnung des Schreibers deutlich macht.]

Ich schließe, indem ich die Worte eines anderen [Anm. der Red.: G.V. Wigram] zitiere: „Wenn der Name des Herrn durch jemand als Deckel für Finsternis und Böses gebraucht wird und wenn der Name der Kirche gebraucht wird als Name eines Ortes, wo auf der Erde solche, die gleichgültig gegenüber der Ehre Christi und gegenüber der Heiligkeit in Glauben, Lehre und Wandel sind, sich zusammenfinden können, dann wird sein Name in den Schmutz gezogen und der Heilige Geist verunehrt.“

Dass unser gnädiger Gott Herrn R. und seinen Unterstützern schnell göttliche Trauer, die Buße bewirkt, schenken möchte, ist das ernste Gebet von

deinem Bruder in Christus Jesus unseren Herrn,
H.H. Snell


Auszug aus „A Few Observations on Mr. Oliphant’s ‘Remarks’ On a Letter To Him by H.H. Snell“,
nicht veröffentlichter Artikel aus dem Jahr 1892,
inThe Collected Writings of H.H. Snell, S. 313–314

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Hinweis der Redaktion:

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