Was bedeutet Heiligkeit?
Heiligkeit bedeutet mehr als Absonderung vom Bösen

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© SoundWords, online seit: 08.07.2002, aktualisiert: 11.01.2018

Leitverse: Jesaja 6,3; 1. Thessalonicher 4,3

Jes 6,3: Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!

Einleitung

Was bedeutet eigentlich Heiligkeit? Stimmt es, dass die Heiligkeit Gottes der Liebe Gottes gegenübersteht? Wir wollen anhand des Wortes Gottes kurz untersuchen, ob wir nicht manchmal ein zu eingeschränktes Verständnis bezüglich Heiligkeit haben.

Wie bei vielen Untersuchungen ist es sinnvoll, sich zuerst die Frage zu stellen, wo das Wort „Heiligkeit“ oder „heilig“ zum ersten Mal vorkommt. Das hilft in der Regel, die Grundbedeutung besser zu erfassen.

Das erste Vorkommen des Wortes „heilig“

Das erste Vorkommen dieses Wortes finden wir in 1. Mose 2,3: „Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an demselben ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte.“

Gott heiligte den siebten Tag. Hier hat das Wort „heilig“ die Bedeutung „etwas für sich beiseitestellen“ oder „etwas unterscheiden von anderen Dingen“. So heißt es zum Beispiel auch in Hebräer 2,11: „Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem.“ Auch wir Christen sind solche, die durch Christus geheiligt wurden, die nun unterschieden sind von anderen Menschen. Nicht dass wir dadurch besser wären als andere Menschen, sondern wir unterscheiden uns nun durch die neue Natur von unseren Mitmenschen. Wir sind für Gott beiseitegestellt, oder wir sind, wie Galater 1 uns sagt, von Gott „herausgenommen aus dem jetzigen Zeitlauf“.

Gottes Wesen

Nun gehen wir einen Schritt weiter. Gottes Wesen ist Licht und Gottes Wesen ist Liebe; so lernen wir es aus dem ersten Johannesbrief. Und ich frage mich, ob man nicht diese beiden Aspekte von Gottes Wesen in dem einen Wort „Heiligkeit“ zusammenfassen kann. Oft kann man hören, dass das Wesen Gottes als „Licht“ mit dem Gedanken der Heiligkeit auf eine Stufe gestellt wird und so das Wesen Gottes als „Liebe“ davon unterschieden wird. Man hört dann schon mal sagen: Gott ist Licht, aber auch Liebe, so als ob diese beiden Wesenszüge gegeneinander streiten würden.

Nein, Gottes Wesen ist seine absolute Heiligkeit und diese umfasst die Liebe Gottes und auch Gottes Wesen als Licht. Sie bedeutet aber noch weit mehr als dies. Oft wird diese Heiligkeit auch mit der herrlichen Größe und Pracht Gottes verbunden (z.B. Ps 96,6.9), dann wieder mit Gottes Gerechtigkeit (z.B. Jes 5,6), Gottes Erlösung (z.B. Jes 41,14; 47,4; Ps 111,9) und auch Gottes Barmherzigkeit (Hes 39,25; Kol 3,12).

Das alles kann unter dem Oberbegriff „Heiligkeit“ zusammengefasst werden. Vielleicht kann man das sich wie folgt vorstellen:

In Worten ausgedrückt: Gottes Heiligkeit zeigt sich in den verschiedenen Wesensarten seines Charakters. Ein König z.B. hat eine bestimmte Pracht und auch eine bestimmte Herrlichkeit. Aber er ist nicht heilig – seine Pracht ist vom Grundsatz her nicht prächtiger als die Pracht eines anderen Königs. Gottes Pracht und Herrlichkeit aber ist eben etwas Besonderes, etwas, was völlig von der Pracht normaler Könige unterschieden ist. Und so ist es auch mit seiner Barmherzigkeit, Liebe, Gerechtigkeit usw.; diese Wesensarten sind immer etwas Besonderes – eben heilig. Oder es gab zu alttestamentlichen Zeiten viele Tempel, aber der Tempel Gottes war der heilige Tempel. Er war etwas Besonderes, ein Tempel, der sich deutlich von anderen unterschied. Das Gleiche könnte man vom siebten Tag sagen, den Gott ja auch heiligte. Es war ein Tag, aber es war doch ein besonderer Tag.

Heilig = abgesondert vom Bösen?

So finden wir auch in Jesaja 6,3 Gottes heiliges Wesen: „Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!“

Oft hört man den Gedanken, Heiligkeit bedeute Absonderung vom Bösen. Und das ist sicherlich darin eingeschlossen. Aber es bedeutet eben mehr! Gerade Jesaja 6,3 zeigt uns, dass wir nicht wirklich weiterkommen, wenn wir eine derart eingeschränkte Sichtweise bezüglich des Wortes „heilig“ oder Heiligkeit haben. Wenn die Seraphim ausrufen „heilig, heilig, heilig“ dann deshalb, weil Gott in allen Eigenschaften seines Wesens „etwas Besonderes“ ist. Seine Gerechtigkeit ist etwas Besonderes, ebenso seine Reinheit sowie seine Majestät, seine Gnade ist etwas Außergewöhnliches, seine Liebe etwas Unergründliches. Das schließt natürlich auch den Gedanken ein, dass Gott abgesondert ist vom Bösen und Sünde nicht sehen kann. Aber es ist sicherlich viel zu wenig, hier zu sehen, dass die Seraphim rufen: „Abgesondert vom Bösen, abgesondert vom Bösen, abgesondert vom Bösen ist der Herr der Heerscharen.“

Es ist sicherlich eher die Herrlichkeit der Heiligkeit, die in 2 Mose 15 besungen wird gemeint: „Wer ist dir gleich unter den Göttern, Jahwe! Wer ist dir gleich, herrlich in Heiligkeit, furchtbar an Ruhm, Wunder tuend! Du strecktest deine Rechte aus – die Erde verschlang sie. Du hast durch deine Güte geleitet das Volk, das du erlöst, hast es durch deine Stärke geführt zu deiner heiligen Wohnung.“ Hier wird die Heiligkeit des Herrn besungen, und sie bewegt sich auf der Ebene des Ruhmes (besondere Würde) und des Wundertuns (besondere Fähigkeit) und zeigt sich in dem außergewöhnlichen Sieg (allein durch das Ausstrecken der Hände) über die Feinde, in der besonderen (weil mit nichts verdienten) Güte seinem Volk gegenüber, in der kostbaren (weil unendlich teuren) Erlösung durch das Blut eines Stellvertreters, mit der Er das Volk erlöst hat, mit der besonderen (weil jedes Hindernis überwindenden) Macht, mit der Er es zu sich selbst geführt hat. Als Gott in der Ewigkeit war und es noch nichts Böses gab, wovon Er sich hätte absondern können, da war Gottes Wesen bereits durch Heiligkeit gekennzeichnet.

Das Wort „heilig“ in Psalm 22

Nehmen wir noch ein anderes Beispiel. In Psalm 22,1 heißt es: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern von meiner Rettung, den Worten meines Gestöhns?“, und dann heißt es im übernächsten Vers: „Doch du bist heilig.“ Nun, es sind die Worte des Herrn, die Er am Kreuz in großen Leiden ausrief, und die Bedeutung scheint klar, wenn es heißt: „Doch du bist heilig.“ Gott konnte die Sünde, die auf seinem Sohn lag, nicht sehen, und deshalb musste Er sich von Ihm abwenden. Und das ist auch so, aber Gott sei Dank, Er ist heilig und diese Heiligkeit umfasst auch seine unumschränkte Liebe. Gott musste seinen Sohn am Kreuz verlassen, weil Er Sünde nicht sehen konnte – das ist Absonderung vom Bösen, aber zur gleichen Zeit wurde Gottes gewaltige Liebe, die gewaltsam ist, die hart ist, wie der Scheol ihr Eifer, darin offenbar, dass Er bereit war, seinen einzigen vielgeliebten Sohn als Opfer für Sünder, für Feinde zu geben. Sollte jemand noch an Gottes Liebe zweifeln? Der schaue bitte auf dieses Kreuz, wo Gottes Heiligkeit geoffenbart wurde – eben dass Gott Licht und (nicht „aber“!) Liebe ist.

Das Wort „heilig“ im Vaterunser

Als der Herr Jesus seine Jünger lehrte, wie sie beten sollten, da sagte Er zu ihnen: „Betet ihr nun also: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name.“ Das ist es, was unser Gebetsleben aufs Erste kennzeichnen sollte, dass wir uns mit Gottes Wesen – seinem Namen – beschäftigen und es anbeten. Das heißt nicht, dass wir uns jedes Mal beim Beten daran erinnern sollten, dass Gott abgesondert ist vom Bösen, sondern wir sollten uns mit Gottes Liebe, Gottes Gerechtigkeit, Gottes Majestät und Pracht, Gottes Barmherzigkeit und Gottes Gericht – ja mit allem wofür sein Name steht, und wie sich diese Eigenschaft besonders auszeichnen – beschäftigen. Wenn wir uns allein daran erinnern, dass Gott abgesondert ist vom Bösen, dann machen wir den gleichen Fehler wie die Pharisäer, die ja die Abgesonderten heißen, denn sie achteten penibel darauf, dass nicht eine Mücke in ihrem Weinbecher schwamm, aber wenn ein Kamel darin trieb, dann übersahen sie es, so dass der Herr sie tadeln musste: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Krauseminze und den Anis und den Kümmel, und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseitegelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben {o. die Treue}; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.“

So wollen wir uns neu klarwerden über die Heiligkeit Gottes, uns vom Bösen fernhalten und uns aber auch mit allen anderen Aspekten von Gottes Heiligkeit beschäftigen, wie z.B. der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und der Treue.

„Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligkeit“ (1Thes 4,3).

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