Internet – Fluch oder Segen? (2)
Internetpornographie

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© SoundWords, online seit: 16.06.2007, aktualisiert: 11.09.2018

Leitverse: Galater 5,1.16

Gal 5,1.16: Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten. … Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen.

Im ersten Teil „Marktplatz der Möglichkeiten“ haben wir über Fluch und Segen des Internets nachgedacht, und wir hoffen, dass wir deutlich gemacht haben, dass das Internet wirklich eine Bereicherung sein kann. In diesem Teil wollen wir uns allein mit der Kehrseite des Internets beschäftigen, und zwar mit einem speziellen, aber doch sehr verbreitetem Bereich: der Internetpornographie. Es gibt wohl kaum einen Mann, der diese Kehrseite nicht wenigstens schon ansatzweise kennengelernt hätte. Wir wollen uns diesem Thema jedoch auch in Bezug auf unsere Jugend nähern, weil es ganz besonders wichtig ist, schon in jungen Jahren zu lernen, mit diesem Medium vernünftig umzugehen. Die Hinweise, die wir geben werden, sind jedoch prinzipiell altersunabhängig.

Gefährlicher Trend unter Jugendlichen

Laut Information eines bekannten Fernsehsenders hat eine christliche Organisation beliebige Teenager auf der Straße gefragt, was sie denn auf ihren Handys haben und ob sie das einmal sehen könnten. Anonym haben diese Teenager, meist zwischen dreizehn und sechzehn Jahren, bereitwillig ihre Handys gezückt und „wie selbstverständlich“ die perversesten Pornofilme gezeigt und sich darüber lustig gemacht. Ein Mitarbeiter der Organisation ging in eine achte Klasse und ließ einen Pornofilm nur mit Ton ablaufen. Der Schulleiter wurde gefragt, ob er glaube, dass Pornographie auf Handys an seiner Schule ein Thema wäre. Er glaubte nicht, dass man an seiner Schule auf große Funde stoßen würde. Die Reaktion auf das Video – wie gesagt, die Schüler hörten lediglich den Ton – war, dass einige sofort anfingen zu lachen; offenbar kannte man diesen Film, in dem es um Sodomie ging. Auf die Frage, wer schon einmal solche und ähnliche Clips gesehen habe, meldeten sich fast alle Schüler der Klasse. Auf die Frage, woher sie diese Clips hätten, war die Antwort: „Aus dem Internet.“ Vielleicht ist das nicht repräsentativ, dennoch zeigt es einen ganz gefährlichen Trend an.

Viele Eltern können sich das nicht vorstellen, vor allem wenn sie an die eigene Jugendzeit zurückdenken, als es schon schwer war, ein Männermagazin oder gar ein Pornoheft zu bekommen. Wenn man dann vielleicht wirklich einmal eins in den Händen hatte, trieb es einem die Schamröte ins Gesicht und man hatte ein schlechtes Gewissen. Unsere Jugend wächst vielfach mit diesen Dingen auf, so wie die Älteren früher Sammelbilder von den Lieblingsfußballspielern untereinander getauscht haben. Das ist eine alarmierende Entwicklung, und selbst nichtchristliche Psychologen warnen vor diesen Dingen, da sie die Liebe zwischen zwei Menschen nicht fördern, sondern zerstörend wirken.

Gefahr auch für Erwachsene

Internetpornographie ist nicht nur für Kinder und Jugendliche eine Gefahr, auch Erwachsene können ihr erliegen. Im Internet gibt es keine Tabus; vieles ist sogar zum Nulltarif zu haben. Experten warnen: Schaut man sich diese Dinge zu oft an, hat man beim Sex mit der eigenen Frau nur noch die Frauen aus dem Internet vor Augen; man vergleicht am Ende den eigenen Sex mit dem, was man auf Bildern oder in Filmen gesehen hat, und ist vielleicht enttäuscht, weil der Sex mit dem eigenen Ehepartner dem nicht entspricht, nicht derart ekstatisch oder hemmungslos ist oder der Partner nicht die Figur des Filmstars hat. Am Ende führt dies in die Abhängigkeit von Internetpornographie: Man holt sich aus dem Internet, was man in der eigenen Sexualität mit dem Partner nicht bekommt.

Diese Entwicklung geht durch die ganze Gesellschaftsschicht; auch leitende Personen in der Gemeinde sind davon nicht ausgenommen. Howard Hendriks, der Autor von Bibellesen mit Gewinn, beobachtete über einen Zeitraum von zwei Jahren 2000 Leiter in den Vereinigten Staaten. Das Ergebnis war erschütternd: 246 von ihnen waren gefallen – allesamt auf dem Gebiet der Sexualität. Bei wie vielen wird wohl das Internet dazu „geholfen“ haben?

Es wird wohl nur wenige geben, die einen Zugang zum Internet haben und noch nicht mit diesen Dingen in Berührung gekommen sind. Besonders Männer sind auf diesem Gebiet sehr gefährdet. Jeder, der selbst einen Internetanschluss hat, wird früher oder später mit diesem Schmutz im Internet konfrontiert werden, manchmal sogar völlig überraschend. Leichtigkeit des Zugangs und Verborgenheit sind große Helfer. Es geht so schnell: Manchmal genügt ein falscher Klick und man surft auf Seiten, die man innerlich zutiefst verurteilt und ablehnt und die man im „nüchternen“ Zustand ganz klar als sündig klassifizieren würde. Viele ernsthafte Gläubige waren von sich selbst überrascht, als sie entdeckten, welch eine schmutzige Gesinnung immer noch auch im wiedergeborenen Menschen steckt. Wie viele mögen gerade bei diesem Thema schon ausgerufen haben: „Ich elender Mensch“, wie viele werden an die Worte des Paulus gedacht haben: „Denn nicht was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, übe ich aus.“

Freiheit ist möglich

Neben diesen schrecklichen schwarzen Schatten gibt es aber auch einen Lichtstrahl. Wenn wir zu der Erkenntnis gekommen sind, „dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“, und damit die völlige Verdorbenheit des Menschen erkannt haben, dann öffnet uns das die Tür zu einem besseren Verständnis des Evangeliums der Gnade Gottes. Natürlich will Gott nicht, dass wir in diesem Zustand bleiben und uns nichts anderes übrigbleibt, als mit gesenktem Haupt unseren Weg zu gehen und das zu tun, was wir eigentlich hassen. Gott möchte uns frei machen von der Sünde, und der Stellung nach hat Er das auch schon getan. Wir sind gewaschen, wir sind geheiligt, wir sind Geliebte – daran kann keine Sünde in unserem Leben mehr etwas ändern, wenn wir uns wahrhaft in Buße und Glauben zu Christus bekehrt haben.

Gott hat den Herrn Jesus Christus gesandt, damit Er die Sünde in unserem Fleisch verurteilte. Dafür wurde Jesus Christus am Kreuz von Golgatha zur Sünde gemacht, und Gott hat, „indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch“ verurteilt (Röm 8,3). Jeder, der an Jesus Christus glaubt und Ihn als Retter und Erlöser annimmt, darf wissen, dass Christus gerade für ihn dort am Kreuz hing. Der Apostel Paulus sagt selbst: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1). Gott sei Dank – Er hat einen Weg für uns, damit wir wegen der in uns wohnenden Sünde nicht verlorengehen müssen. Und Gott sei Dank, dass Er uns einen Weg zeigen möchte, wie wir uns der in uns wohnenden Sünde für tot halten können. Wir mögen in diesem Leben nicht sündlos werden, aber Gott hat uns eine Kraft gegeben, mit der es prinzipiell möglich ist, nicht immerfort sündigen zu müssen.

Beziehungen im Angriff des Widersachers

Die Internetpornographie stört nicht nur die Gemeinschaft und Beziehung zu dem Herrn Jesus und zu Gott dem Vater, sondern sie zerstört auch die Beziehung zum Ehepartner. Stabile Ehen und Familien sind die Stützen und die Keimzellen von Gemeinde und Staat. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Satan hier mit aller Macht sein Werk der Zerstörung versucht. Hier gilt es also, dem Teufel keine Munition zu liefern. Außerdem gerät die Sexualität in ein falsches Licht. Der Mensch ist ein sexuelles Wesen, und der Sexualtrieb gehört zum Menschen. Aber das Bedürfnis nach Sex ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dieses gesunde Bild der Sexualität wird jedoch durch übermäßige Pornographie völlig verzerrt. (Hinweis: Wir wollen damit nicht sagen, dass Pornographie, die nicht übermäßig ist, belanglos ist. Auch für die kleinste Sünde musste der Herr Jesus am Kreuz leiden.) Am Ende ist die Frau nur noch ein Lustobjekt. Es soll sogar Männer geben, die anfangen, die Frauen dafür zu hassen, weil sie selbst eigentlich etwas tun, was sie nicht wollen. Dafür geben sie dann den Frauen die Schuld.

Pornographie ist eine abscheuliche Sache, und Christen müssen lernen, diese Dinge zu hassen. Allerdings müssen wir unterscheiden: Wir dürfen nicht dahin kommen, dass wir z.B. eine hübsche, nackte Frau als abscheulich empfinden – es ist abscheulich, dass Menschen sich für diese Art der Sexualität hergeben, das ist wahr. Das Abscheuliche an einer pornographischen Darstellung ist jedoch nicht die Stellung oder die nackte Frau oder der nackte Mann, sondern weil die Darstellung eine Lust fördert und zu befriedigen vorgibt, die eigentlich der Ehepartner befriedigen sollte.

Die Frage nach den Ursachen

Die Frage ist nun: Wie kann es in unserem Leben zu solchen Auswüchsen kommen? Ist immer eine kriselnde Ehe oder ein unbefriedigendes Sexleben in der Ehe schuld? Geht der eine nicht auf die Wünsche des anderen ein? Liegt es an mangelnder Kommunikation, dass der eine nicht um die Wünsche des anderen weiß? Wagt man nicht, offen mit dem Partner über seine Wünsche zu sprechen? Oder kennt man diese und geht nicht auf die Wünsche des anderen ein? Ist ein unbefriedigendes Sexleben „schuld“, muss sich hier etwas ändern, im offenen Gespräch miteinander, evtl. mit einem Seelsorger oder Ehetherapeuten. Wo in der Ehe aufrichtige Liebe, Offenheit, gegenseitiges Aufeinandereingehen, auch im sexuellen Bereich, und das gemeinsame Band zu Gott vorhanden sind, können wir uns nur schwer vorstellen, dass Männer und Frauen in dieser Weise fallen und dauerhaft Zuflucht nehmen zu dieser Scheinwelt. Hier müssen ganz besonders die Frauen lernen, dass Männer in der Regel ein ganz anderes und stärkeres Verlangen haben als sie selbst vielleicht, und Männer müssen lernen, dass sie das Aussehen ihrer Frau nicht mit dem der knackigen, makellosen, jugendlichen „Schönheit“ von Sexmodellen vergleichen dürfen – ein Vergleich, dem kaum eine Frau jemals standhalten kann.

Bei der Suche nach den Ursachen darf man jedoch nicht dahin kommen, dass man eine unglückliche Ehe, ein unbefriedigendes Sexleben oder das Single-Dasein sozusagen als „Entschuldigung“ angibt für die eigene Zuflucht zur Internetpornographie. Beide jedoch – ein Unverheirateter (und dies gilt natürlich auch in gleicher Weise für den jungen, noch nicht verheirateten Menschen) und jemand in einer unglücklichen Ehe – müssen lernen, im Leben mit unerfüllten Wünschen zu leben, falls auf diesen Gebieten keine Abhilfe geschaffen werden kann, und dennoch nicht zu sündigen.

Schuld und Vergebung

Es besteht ein Unterschied besteht zwischen „in der Sünde leben“ und „in die Sünde fallen“. Jemand, der in Sünde fällt, wird diese Schuld sofort einsehen und auch vor Gott bekennen. Denn Gott hat versprochen, jedem die Schuld zu vergeben, der mit einem Bekenntnis zu Ihm kommt (1Joh 1,9). Wenn jedoch jemand in der Sünde lebt, dann wird er nicht nur von der Sünde beherrscht, sondern er ist auch nicht bereit, von der Sünde zu lassen und seine Schuld einzusehen und sie zu bekennen. Oder es ist ein beständiges schnelles Bekennen und Wiedertun, Bekennen und Wiedertun, ohne dass irgendeine Kraft vorhanden ist, das Böse wirklich zu lassen. Vielleicht hat dieser Mensch es auch aufgegeben, die Schuld zu bekennen, weil er schon so oft in die gleiche Sünde gefallen ist. Wer von einer Sünde derart beherrscht wird, dass er nicht die Kraft hat, sie zu lassen, sollte sich einem Seelsorger anvertrauen (sofern vorhanden), der mit ihm beten und ihn auch in regelmäßigen Abständen auf die Probleme ansprechen kann.

Wir wollen jedem, der mit diesen Dingen zu tun hat, Mut machen, nicht aufzugeben oder einen gewissen, scheinbar nicht änderbaren Zustand hinzunehmen. Auch gibt es keine Schuld in diesem Bereich, die so groß wäre, als dass das Blut Christi dafür nicht ausreichen würde. Paulus bekannte sich als der erste und größte Sünder und erklärte freimütig, dass ihm Barmherzigkeit zuteilgeworden war – wenn Paulus der größte und erste aller Sünder war, dann fällt jedem anderen maximal der zweite Platz zu. Damit ist aber sichergestellt, dass jedem in gleicher Weise wie Paulus Barmherzigkeit zuteilwird, der sich im Bekenntnis seiner Schuld zu Gott wendet.

„Gegenmaßnahmen“ ergreifen

Welche Möglichkeiten gibt es denn, mit diesen Dingen richtig umgehen zu lernen? Nun, die Palette der Möglichkeiten und der Erfindungsreichtum hängen ganz von uns ab. Sicher ist das Gebet das erste „Mittel der Wahl“, wenn Probleme in diesem Bereich vorhanden sind. Ein Gespräch mit einem Freund oder Seelsorger wäre eine weitere gute Möglichkeit, mit den Problemen fertigzuwerden. Auch wenn nur Gott die Kraft geben muss und nur Gott von dieser Unreinheit und Sucht befreien kann, so ist es dennoch zwingend erforderlich, dass wir auch wollen und selbst bereit sind, alles dafür zu tun. Das kann mit ganz kleinen Schritten beginnen:

  1. Man könnte sich z.B. im Internetbrowser eine Favoritenliste der Seiten anlegen, die man hauptsächlich besucht. Das kann man sich wie eine virtuelle Stadt vorstellen. Wenn man in der Stadt einkaufen geht, steuert man zielsicher immer die gleichen Geschäfte an. So ist das auch im Internet. Wenn ich weiß, dass eine Seite potentielle Gefahren birgt, weil es dort ein „Girl des Tages“ oder erotische Verweise oder Rubriken gibt, dann meide ich grundsätzlich diese Seite und suche ich mir stattdessen im großen Angebot des Internets möglichst saubere Seiten für meine Favoritenliste aus. (Wenn man z.B. für die Tagesneuigkeiten oder allgemeine Informationsbeschaffung www.spiegel.de statt www.stern.de besucht – ohne hier eine inhaltliche Wertung vornehmen zu wollen –, verhindert man damit, durch die erotischen Bilder, die bei www.stern.de Standard sind, verführt zu werden, denn bei www.spiegel.de gibt es keine erotischen Bilder.)

  2. Man geht nur ins Internet, wenn man gezielt etwas sucht. Das bewahrt, nebenbei gesagt, auch vor der großen Gefahr der Zeitverschwendung.

  3. Man setzt sich nicht spät abends noch vor den PC und surft, während der Ehepartner bereits ins Bett gegangen ist.

  4. Der Rechner mit dem Internetanschluss steht in einem für jeden zugänglichen Raum, z.B. im Wohnzimmer.

  5. Man spricht mit dem Ehepartner über diese Versuchungen und vereinbart bewusst eine Kontrolle. Das setzt eine offene Kommunikation voraus, wobei ganz besonders wichtig ist, dass der Ehepartner nicht verurteilend reagiert, wenn der Partner in Sünde gefallen ist oder mit diesen Dingen Probleme hat. In Erfahrungsberichten kann man oft lesen, dass es für Frauen in der Regel schwer nachzuvollziehen ist, dass der eigene Ehemann mit diesen Problemen zu kämpfen hat, und sie empfinden das verständlicherweise als sehr abstoßend. Doch wenn dem Ehemann (meist sind es Männer, die mit Internetpornographie Probleme haben) geholfen werden soll, braucht es eine offene und vergebende Atmosphäre. Die Ehefrauen müssen sich vor Augen halten, dass die gleiche Neigung zur Sünde auch in ihnen wohnt und sie dem eigenen Ehepartner nicht helfen, wenn sie eine verurteilende Haltung einnehmen. Natürlich sollte die Sünde an sich von beiden verurteilt werden, aber nicht der Ehepartner selbst.

  6. Man benutzt ein Filterprogramm. Unmöglich können wir jetzt alle möglichen Softwareprogramme besprechen, die es auf dem Markt gibt. Es gibt hier viele Softwarefirmen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben (der Focus hat 2007 in Heft Nr. 18 die Software „www.netnanny.com“ empfohlen – diese haben wir jedoch selbst nicht getestet). Leider haben auch wir das Nonplusultra noch nicht gefunden. Manche Programme haben zwar einen sehr guten Filter, wenn man dann jedoch auf eine christliche Seite geht und einen Artikel über Homosexualität lesen will, dann wird dieser nicht angezeigt, weil das Wort „Sex“ darin vorkommt bzw. es wird jedenfalls dieses Wort ausgeblendet. Dieses sogenannte „Overblocking“ solcher Programme macht schon nach kurzer Zeit keine wirkliche Freude beim Surfen. Besser sind hier Programme, die jede Suchanfrage im Internet über einen Server mit einem entsprechenden Filter umleiten. Hier kann man z.B. die englischsprachige Seite www.surfonthesafeside.com nennen. Für 59 € im Jahr kann man den gesamten Internetverkehr durch einen Registry-Eintrag über einen anderen Server umleiten lassen. Diese Variante verlangsamt den Internetprozess nur marginal. Zu gewissen Stoßzeiten kommt es zuweilen vor, dass der Server überlastet ist und eine Suchanfrage etwas länger dauert (eher selten). Die Qualität des Filters ist jedoch durchaus ansprechend. Da nicht alle Länder verpflichtet sind, ihre Internetseiten zu kategorisieren, gibt es leider im Web auch keinen hundertprozentigen Schutz. Wenn jemand will, wird er immer irgendwo Nacktbilder auftreiben können.

  7. Man kann die „Angst, entdeckt zu werden“, als Hilfe einsetzen. Dann geht man nur ins Internet, wenn ein Familienangehöriger im Raum ist. Ist dies nicht möglich, weil der PC in einem anderen Raum steht, lässt man die Tür bewusst offen stehen. Des Weiteren kann auch eine Protokollierung sämtlicher Aktivitäten im Internet ein besserer Schutz sein als ein installierter Filter, der immer wieder löchrig ist. Eine Kombination von Filter und Protokollierung wäre vielleicht auch noch denkbar. Mit dem Programm „Kindersicherung“ von der Firma www.salfeld.de kann man z.B. den täglichen Internetverkehr protokollieren und auf gewisse Zeiten beschränken. Für Eltern besonders elegant ist die Funktion, dass man auch festlegen kann, wie lange die Kinder den Computer am Tag und in der Woche benutzen und wie lange sie im Internet sein dürfen. Man kann auch festlegen, dass ab einer bestimmten Uhrzeit der Computer oder zumindest das Internet abgeschaltet wird. Zusätzlich werden sämtliche Aktivitäten protokolliert, und man kann diese Dinge dann per Passwort aufrufen – der Benutzer des Rechners darf natürlich dieses Passwort nicht kennen. Über eine E-Mail-Funktion können die täglichen Aktivitäten per E-Mail zum Elterncomputer gesendet werden. Diese Protokollierung lässt sich nicht löschen wie z.B. der Internetverlauf im Internetbrowser. Fairerweise sollten wir mit unseren Kindern darüber reden, wenn wir solche Dinge installieren – wir werden aber erstaunt sein, dass unsere Kinder durchaus einsichtig sein werden, wenn wir ihnen die Hintergründe ausführlich erklären. Dieses Programm ließe sich für Erwachsene sicher auch in Zusammenarbeit mit dem Ehepartner oder einem Seelsorger einsetzen.

    Nebenbei sei noch bemerkt, dass der „Angstfaktor“ (nämlich die Angst, entdeckt zu werden) auch am Arbeitsplatz helfen kann. Jeder Arbeitnehmer sollte sich dessen bewusst sein, dass alle Aktivitäten in einem betrieblichen Netzwerk überwacht werden können, ohne dass er selbst das mitbekommt (da hilft es auch nicht, den Internetverlauf zu löschen – viele Aktivitäten tragen sich tief in die Windows-Registry ein!). Wenn man also am Arbeitsplatz in Versuchung kommt, sollte man sich dessen bewusst sein, dass der Chef gerade mitschauen kann und es geradeso wäre, als würde er hinter einem stehen. Es lohnt sich nicht, den Arbeitsplatz wegen bedenklichen Surfens zu verlieren. Generell sollten wir natürlich bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, dass auch unser himmlischer „Chef“ uns jede Sekunde über die Schulter schaut – wären wir uns dieser Tatsache doch immer so bewusst, auch in vielen anderen Fragen des Lebens.

Die Punkte a), b) und e) halten wir übrigens eigentlich für Christen nicht für optional, sondern für eine Pflicht.

Wir wollen besonders Eltern Mut machen, mit den Kindern über diese Problembereiche beim Surfen im Internet zu sprechen und auch bestimmte Kontrollmechanismen zu installieren. Kürzlich hörten wir noch, dass es eine Reihe von Internetseiten gibt, die auf den ersten Blick wie ganz normale Seiten zur Hausaufgabenhilfe aussehen und hinter denen sich kriminelle Leute verbergen, die die Kinder dazu auffordern, sich anzumelden. Irgendwann wundern sich dann die Eltern, welche Rechnungen da ins Haus flattern. Eine repräsentative Umfrage des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest ergab, dass 37 Prozent aller Eltern mit Kindern zwischen sechs und dreizehn Jahren Schutzprogramme einsetzen. Das ist eine erfreulich hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass es hier nicht um christliche Eltern, sondern um einen allgemeinen Bundesdurchschnitt geht.

Was tun bei Versagen?

Was kann ich tun, wenn ich der Sucht der Internetpornographie nicht Herr werde? Wenn die o.a. Punkte nicht helfen, muss man ganz auf das Internet verzichten, weil es zur geistlichen Lähmung und letztlich auch zum geistlichen Untergang führen wird. Der Herr Jesus sagt in Matthäus 5, dass man sich lieber das rechte Auge oder die rechte Hand ausreißen bzw. abhauen soll, als dass der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Das spricht eine deutliche und auch radikale Sprache und kann auch bedeuten: Schaffe deinen Internetzugang ab.

Zuerst bedeutet diese Stelle natürlich, dass ich lerne, Selbstgericht zu üben; d.h., wenn ich böse Gedanken in mir aufsteigen merke, muss ich lernen, diese Dinge gottgemäß und drastisch zu richten. Dieses bedeutet das Wort „so reiß es aus“ (hier ist keine Selbstverstümmelung gemeint!). Das Auge ist die Lampe des Leibes und weist uns darauf hin, dass das Problem nicht zuerst außerhalb meiner selbst (also hier im Internet) liegt, sondern in meinem Innern verwurzelt ist (also in meinem Herzen; siehe auch Markus 7,20-23). Wir dürfen es uns nicht zu leicht machen und zu schnell denken, dass das Internet das eigentlich Böse wäre, sondern wir müssen lernen, dass das Böse in unseren eigenen Herzen wohnt. Das böse Auge zeigt uns dann auch die Seite der Gesinnung und die Hand die Seite unseres Handelns. Der Apostel Paulus drückt dies in seinem Brief an die Römer wie folgt aus: „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,2). Durch die Erneuerung unseres Sinnes und der Abkehr von weltlichen Dingen können wir den vollkommenen Willen Gottes erkennen und tun.

Die Möglichkeit, den Internetzugang abzuschaffen, ist jedoch für viele heute nicht mehr so leicht zu verwirklichen, da z.B. schon allein aus beruflicher Sicht eine gewisse Abhängigkeit von diesen Dingen vorhanden sein kann. Es wird kaum noch eine Firma geben, die nicht über E-Mail oder dergleichen kommuniziert und damit grundsätzlich einen Internetzugang bereitstellt. Dennoch bleibt in der Regel wenigstens für zu Hause die Möglichkeit, darauf zu verzichten, um die Gelegenheiten, wo die böse Lust geweckt wird, so gering wie möglich zu halten. Schon mancher meint, er könnte durch die Abschaffung des Internets seine Sucht loswerden. Dazu muss man fairerweise sagen, dass eine solch radikale Vorgehensweise zwar auf den ersten Blick sehr gut und vielversprechend aussieht und auch der Schriftstelle „nicht Vorsorge für das Fleisch zu treffen“ entspricht. Sie läuft aber immer dann völlig ins Leere, wenn es nicht das Internet an sich ist, sondern das Internet nur eine von vielen Möglichkeiten der Beschaffung dieses pornographischen Materials darstellt, um sich anhand von Bildern oder Filmen zu befriedigen. Wenn man nämlich dann radikal den Internetzugang abgeschafft hat und eventuell dazu noch das Fernsehgerät, besteht weiterhin die Möglichkeit, in die Videothek zu gehen (denn Filme kann man ja auch per DVD auf dem Computer anschauen!) oder sich am Kiosk eine Illustrierte zu besorgen. Denn der Suchtabhängige ist sehr erfinderisch darin, immer neue Wege zu entdecken, um seiner Sucht nachzugehen.

So wichtig es auf der einen Seite also ist, sich bei jeder Versuchung das „Auge auszureißen oder die Hand abzuhauen“ und auch radikale Wege zu gehen, so wichtig sind auf der anderen Seite auch die begleitenden Maßnahmen, z.B. das Gespräch mit einem Seelsorger, das Gebet und vor allen Dingen, sich persönlich mit dem Herrn Jesus selbst zu beschäftigen, ebenso wie alle anderen Maßnahmen, die wir oben genannt haben. Alle noch so gutgemeinten Tipps, die verhindern sollen, dass jemand in Sünde fällt, reichen nicht aus und werden wirkungslos verpuffen, wenn man nicht anfängt, sich durch den Heiligen Geist leiten zu lassen. Das Hinwegtun böser Dinge allein ist nicht das Ziel (so wichtig es auch an sich sein mag), sondern dem Heiligen Geist die Möglichkeit zu geben, in meinem Leben seine Absichten zu verwirklichen – das muss immer das Hauptziel sein. Dabei besteht die Hauptabsicht des Heiligen Geistes darin, mich mit Christus in der Herrlichkeit zu beschäftigen.

Einige der angeführten Punkte, wie man Internetpornographie überwinden kann, greifen nur bei Verheirateten, nicht bei Singles. Gerade Unverheiratete müssen sich um befriedigende soziale Kontakte und Freundschaften bemühen. Diese können zwar kein harmonisches Eheleben ersetzen, können jedoch sicher davor bewahren, aus Gefühlen der Einsamkeit heraus in eine virtuelle Welt zu flüchten. Je weniger ein Mensch aber Hilfe von menschlicher Seite aus erfahren kann, desto mehr muss solch ein Betroffener Zuflucht bei Gott suchen.

Manch ein Verheirateter, der der Internetpornographie verfallen ist, würde nicht im Traum daran denken, seine Ehefrau mit einer anderen Frau zu betrügen. Doch nicht nur bei realem Ehebruch betrüge ich meinen Ehepartner, sondern bei jeder Beschäftigung mit Internetpornographie werde ich meinem Partner gegenüber untreu, denn ich gehe mit meiner Erregung und Lust nicht zu ihm, sondern wende mich „Models“ zu und bleibe mit mir selbst allein. Der Konsum von Internetpornographie geschieht ja heimlich, im Verborgenen. Hier meint man, weniger der Gefahr des „Entdecktwerdens“ zu unterliegen. Das mag auch in gewissem Sinne zutreffen, wenigstens für Ungläubige.

Wir als Christen aber sollten wissen: Alles, was heimlich und im Verborgenen geschieht, ist nicht weniger sündig, als wenn es öffentlich geschähe. Wir müssen uns wieder neu bewusst machen, dass wir vor den Augen eines heiligen Gottes sündigen und dass wir uns vor Ihm nicht verstecken können, sondern dass alle unsere Taten und Gedanken vor Ihm aufgedeckt und bloß sind. Daher ist auch die Angst vor dem „Erwischtwerden“ auf die Dauer ein schlechter Ratgeber, um danach zu handeln, obwohl die aufgeführten Maßnahmen durchaus eine große Hilfe sein können. Letztendlich aber müssen wir dahin kommen, dass nicht die Angst vor Entdeckung unser Beweggrund ist, etwas zu unterlassen bzw. zu tun, sondern die Liebe – die Liebe zu unserem Ehepartner und vor allem zum Herrn Jesus Christus, der für unsere Schuld den Tod am Kreuz auf sich genommen hat und uns von der Macht der Sünde befreit hat. Dies vor Augen zu haben, hilft uns dabei, dass wir die Sünde richten und verurteilen und lassen. Das wäre ein geistliches und reifes Motiv.

Die Bibel ist voll von Stellen wie „freuet euch am HERRN allezeit“, „die Freude am HERRN ist unsere Stärke“, „sie blickten auf IHN und wurden erheitert“ usw. Wir sind also verpflichtet, das Böse aus unserem Leben wegzuschaffen, aber wir werden nur Kraft empfangen, je mehr wir bereit sind, auf den Herrn Jesus zu schauen und uns mit Ihm zu beschäftigen. Deshalb sagt Paulus auch: „Werdet erfüllt mit dem Heiligen Geist“, weil der Heilige Geist immer den Herrn Jesus groß machen wird. Der Herr sagte selbst: „Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen“ (Joh 16,14), und: „Wenn aber der Sachwalter gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird er von mir zeugen“ (Joh 15,26). Nur die Kraft des Heiligen Geistes kann uns zu einem siegreichen Christenleben führen. Nur in der Kraft des Heiligen Geistes ist es auch allein möglich, die Handlungen des Fleisches zu töten. Und wenn es in Kolosser 3 heißt: „Tötet die Glieder, die auf der Erde sind“, dann müssen wir auch genauso Christus anziehen, und das geht in dem Maße, wie wir bereit sind, das Wort des Christus reichlich in uns wohnen zu lassen (siehe den Zusammenhang in Kolosser 3). Zu all dem möchte der Heilige Geist führen – diese Kraft steckt nicht in uns selbst, sondern sie wird uns durch den Heiligen Geist dargereicht.

Was ist mit den Kindern?

Kinder müssen den Umgang mit dem Medium Internet lernen. Dazu brauchen sie unsere Hilfe ebenso wie bei allen anderen Dingen, die sie lernen müssen. Sie müssen auch kontrolliert werden, und vielleicht müssen sogar Einschränkungen gemacht werden. Besonders wichtig ist es, sie früh genug vor den Gefahren zu warnen und ihnen zu helfen, richtig mit diesem Medium umzugehen. Wir selbst haben in der Familie die Erfahrung gemacht, dass ein offenes Gespräch mit den eigenen Kindern hier sehr hilfreich sein kann. Es sollte dem Kind klargemacht werden, dass es nicht um Misstrauen geht, sondern um Schutz. Ist es dann doch einmal passiert, dass das Kind auf Seiten gesurft hat, wo es nichts zu suchen hatte, kann man in einer liebenden und vergebenden Atmosphäre darüber reden. Aber auch Gefahren wie Spiele, Chat und übermäßiges Surfen müssen mit den Kindern besprochen werden. Für Mädchen scheint Chat eine größere Gefahr zu sein als für Jungen, die mit der Pornographie wiederum größere Probleme haben.

Doch auch hier ist das Hauptziel dasselbe wie bei Erwachsenen: Unsere Kinder müssen lernen, dass das Internet mit seinen Möglichkeiten kein Ziel an sich ist, sondern ein Mittel, für das gilt: „Dies aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist gedrängt. Im Übrigen, dass auch die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine, und die Weinenden als nicht Weinende und die sich Freuenden als sich nicht Freuende und die Kaufenden als nicht Besitzende und die die Welt Gebrauchenden als sie nicht als Eigentum Gebrauchende; denn die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1Kor 7,29-31).

Schlusswort

Grundsätzlich gilt: Je größer die sogenannte „Freiheit“ des Menschen, d.h. die Möglichkeiten in seinem persönlichen Leben und die „Angebote“ der modernen Gesellschaft, desto vielfältiger die Verführung zur Sünde und auch die Gefahr, zu sündigen. (Einem Eremiten ohne Kontakt zur Außenwelt z.B. fehlt aufgrund seiner Lebensweise schlicht die Gelegenheit, um in bestimmten Bereichen zu sündigen.) Umso wichtiger ist es für uns, mit dieser „Freiheit“ verantwortungsvoll umzugehen. Das Herz des Menschen ist schon immer böse gewesen und fähig, jede Sünde zu tun, heute genauso wie früher. Aber es gibt Vergebung und Hoffnung auf einen Neuanfang – wenn wir wirklich wollen.

„Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten. … Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen“ (Gal 5,1.16).

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Hinweis der Redaktion:

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