„Ein nützlicher Diener“
Aus dem Leben des Evangelisten Markus

Clifford Henry Brown

© SoundWords, online seit: 25.04.2014, aktualisiert: 06.11.2019

Ich möchte heute Nachmittag einiges über Johannes Markus sagen, und zwar anhand seines Lebensberichts in der Schrift. Das Wort Gottes lehrt durch Vorschriften, Sprichwörter, Geschichte und Vorbilder. So erklärt Gott auf verschiedene Art und Weise den Weg des Glaubens. Wir tun deshalb gut daran, jedes auch noch so kleine Element der Wahrheit zu beachten, denn die indirekten Hinweise sind uns ganz besonders nützlich.

Johannes Markus wird das erste Mal in Apostelgeschichte 12,11.12 erwähnt: 

Apg 12,11.12: Als Petrus zu sich selbst kam, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich gerettet hat aus der Hand des Herodes und aller Erwartung des Volkes der Juden. Und als er sich bedachte, kam er an das Haus der Maria, der Mutter des Johannes, der auch Markus genannt wird, wo viele versammelt waren und beteten.

Beachten wir hier sorgfältig die Umstände. Petrus war gefangen genommen worden. Der König Herodes wollte ihn umbringen so wie den Apostel Jakobus kurz vorher; doch er rechnete dabei nicht mit Gott. Obwohl Petrus später eine Märtyrerkrone erben sollte – jetzt war seine Zeit noch nicht gekommen. Noch nicht, denn Gott hielt es für angebracht, dass keine Waffe gegen ihn geschmiedet werden konnte, um sein Leben zu nehmen.

Nachdem Petrus durch des Engels Macht und Gegenwart befreit worden ist, steht er in der Stadt ganz allein auf der Straße. Es ist Nacht. Er hält ein, um nachzudenken. Ich kann mir ihn in Gedanken versunken vorstellen: „Was soll ich jetzt tun?“ Dann trifft er seine Entscheidung: „Ich werde zum Haus der Mutter von Johannes Markus gehen.“ Warum wählte er ausgerechnet dieses Haus? Weil er dessen Atmosphäre kannte. Er war dort kein Unbekannter. Er wusste sehr gut, dass man dort die Sache Jesu vertrat. Er war sich sicher, dass sie sich um ihn sorgten im Gefängnis. Ja, dorthin würde er gehen.

Sollen wir hier anhalten, um uns selbst eine Frage zu stellen? Wenn jemand in Schwierigkeiten steckt und sich fragt: „Wohin könnte ich wohl gehen, um geistlichen Beistand zu bekommen?“, würde er sich dann entscheiden, zu dir zu kommen? Ist das nicht eine eindringliche Frage an uns alle?

Lasst uns das Haus von Johannes Markus näher ansehen. Was tat man dort? Man betete. Neulich wurde ich durch einen Leitgedanken angesprochen, den ich irgendwo las: „Die Familie, die zusammen betet, bleibt vereint.“ Welch großes Vorrecht, in solch einem Heim aufzuwachsen! Johannes Markus hatte einen beneidenswerten Hintergrund: Er hatte eine betende Mutter. Hast du eine Mutter, die dich beten gelehrt hat? Ist dein Leben heute eine Antwort auf ihre Gebete? Markus’ Vater wird hier nicht erwähnt. Vielleicht war er gestorben. Wie dem auch sei, die Tatsache bleibt, dass hier besonders die Mutter erwähnt wird. Sie scheint verantwortlich für das Heim zu sein. Bist du eine Mutter, die alleine die Verantwortung trägt, ihre Kinder für den Herrn zu erziehen? Dann fasse Mut! Denk an Johannes Markus’ Mutter.

Einen anderen Hinweis auf diese Situation finden wir im ersten Petrusbrief, der lange nach eben dieser Nacht geschrieben wurde. Da schreibt Petrus im letzten Kapitel in Vers 13: 

1Pet 5,13: Es grüßt euch die Miterwählte in Babylon und Markus, mein Sohn.

Ich schließe daraus, dass Johannes Markus durch den persönlichen Dienst von Petrus zum Glauben gekommen war. Das führt uns zu einem anderen Gedanken: Wenn Gott dich gebrauchen sollte, um jemand zu Jesus zu führen, dann wird, solange ihr beide lebt, eine besondere Verbindung zwischen euch bestehen. Du wirst immer an seinem oder an ihrem persönlichen Wachstum im Glauben interessiert sein. Ohne Zweifel hatte die Mutter von Johannes Markus ihren Sohn in der Zucht und Ermahnung des Herrn erzogen und viel für ihn gebetet. Durch Petrus’ Dienst wurde er zu einer konkreten Entscheidung für Christus geführt. Deshalb darf keiner von uns denken, dass, wenn wir jemand zu Christus geführt haben, dessen Entscheidung allein uns zu verdanken wäre. Sehr wahrscheinlich haben andere vor uns gearbeitet und wir haben ihre Arbeit fortgeführt. Gott allein weiß es und Er wird den belohnen, dem Lohn gebührt.

Lesen wir jetzt im 11. Kapitel der Apostelgeschichte die Verse 29 und 30 und am Schluss des 12. Kapitels die Verse 24 und 25:

Apg 11,29.30: Sie beschlossen aber, dass jeder von den Jüngern, je nachdem einer von ihnen begütert war, etwas zur Hilfeleistung senden solle; was sie auch taten, indem sie es durch die Hand des Barnabas und Saulus an die Ältesten sandten.

Apg 12,24.25: Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich. Barnabas aber und Saulus kehrten, nachdem sie den Dienst erfüllt hatten, von Jerusalem zurück und nahmen Johannes mit, der auch Markus genannt wurde.

Hier treffen wir unseren jungen Mann, Markus, wieder. Aus einer anderen Bibelstelle erfahren wir, dass Barnabas der Onkel dieses Johannes Markus war (Kol 4,10). Nach dem zu urteilen, was wir in anderen Abschnitten in der Bibel finden, glaube ich, dass Markus von seinem Onkel Barnabas sehr geschätzt wurde. Das ist leicht verständlich, denn es bestanden zwischen ihnen nicht nur natürliche Bande, sondern auch geistliche.

Barnabas und Saulus waren nach Jerusalem gegangen, um die Kollekte für die Armen zu überbringen. Vor ihrer Rückkehr befanden sie es für gut, Barnabas’ Neffen mit nach Antiochien zu nehmen. Sehr wahrscheinlich gingen sie zu dem Haus seiner Mutter, in dem so ernstlich für Petrus gebetet worden war. Sicherlich war Johannes Markus’ Mutter dem Herrn dankbar, dass ihr Bruder und Saulus ihrem Sohn so viel zutrauten, um ihn als ihren Reisebegleiter zu erwählen.

Barnabas, der Onkel von Johannes Markus, war ein außergewöhnlicher Mann. Ich wüsste nicht, dass die Schrift von einem anderen sagt: „Er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes“ (Apg 11,24). Das kann nicht von jedem Gläubigen gesagt werden. Ein Gläubiger kann ein treuer Mensch sein und doch nicht „ein guter Mann“ genannt werden. In diesem Ausdruck liegt ein besonderer Sinn, an dem man Gefallen finden, den man jedoch nicht erklären kann. Wir kennen alle solche Menschen, denken gerne an sie und sprechen gerne von ihnen.

In Apostelgeschichte 13,1-4 finden wir diese drei Männer – Barnabas, Saulus und Markus – wieder, und zwar aktiv verbunden mit der Gemeinde in Antiochien;

Apg 13,2-4: Es waren aber in Antiochien, in der dortigen Versammlung, Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfürsten, großgezogen worden war, und Saulus. Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe. Da entließen sie sie, nachdem sie gefastet und gebetet und ihnen die Hände aufgelegt hatten. Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleuzia, und von dort segelten sie nach Zypern.

Johannes Markus hatte sicher viel gelernt durch die vielfältigen Dienste, die in dieser begnadeten Gemeinde zum Ausdruck kamen. Die Versammlung in Antiochien hatte wirklich eine Schlüsselposition unter den Gemeinden, die aus Heiden bestanden. Zu dieser Zeit wurde durch eine göttliche Offenbarung deutlich, dass es Gottes Wille war, dass sich Barnabas und Saulus zu einem besonderen missionarischen Dienst aufmachten. In den Versen 3 und 4 steht: „Da entließen sie sie, nachdem sie gefastet und gebetet und ihnen die Hände aufgelegt hatten. Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleuzia, und von dort segelten sie nach Zypern.“ Die Versammlungen der Gläubigen früherer Jahrhunderte sandten so die Brüder für einen speziellen Dienst für den Herrn aus und bewiesen damit ihre Verbundenheit. Es war keine offizielle Amtseinsetzung, sondern mehr ein Beweis der Identifikation mit dem Dienst der Missionare.

„Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist …“ Beachten wir, dass es der Heilige Geist war, der sie aussandte, nicht die Brüder. Ich erinnere mich an eine Schwester, die verschiedentlich fragte, warum die Brüder sie nicht aufs Missionsfeld nach Übersee senden wollten. Ich sagte ihr, dass sie bis an ihr Lebensende darauf warten könne, aber sie würde ihren Wunsch nicht erfüllt sehen. Wir senden keine Missionare aus. Welche Autorität haben wir aus dem Wort Gottes, um irgendjemand zu senden? Gott ist es, der durch den Heiligen Geist seine Arbeiter in die Ernte sendet. Wir können uns mit ihnen identifizieren, aber sie nicht senden.

Apostelgschichte 13,5 lautet so:

Apg 13,5: Als sie in Salamis waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch Johannes zum Diener.

Lasst uns das Wort „Diener“ nicht überbewerten. Das Wort, hier aus dem Griechischen übersetzt, bedeutete ursprünglich „Gehilfe eines Ruderers“. Von dieser wörtlichen Bedeutung entwickelte es sich dann langsam zum Gehilfen im Dienst irgendeines anderen (in Darbys Übersetzung attendant).

Johannes Markus begleitete daher Barnabas und Saulus als ihr Gehilfe. Ich glaube, dass die meisten derer, die in den vollzeitlichen Dienst eingetreten sind, ganz unten angefangen haben. Ihre ersten Versuche unternahmen sie gewöhnlich unter der Aufsicht und Beratung durch ältere Brüder. So machte auch hier Markus sozusagen ein Praktikum. Er war in wunderbarer Gesellschaft. Stellt euch das vor: die Gelegenheit, mit einem „guten Mann, der voll Heiligen Geistes“ war, und mit Paulus, dem großen Apostel der Nationen, herumzureisen! Daher nahm Johannes Markus eine beneidenswerte Stellung ein. Eins der traurigen Dinge in unserem Leben ist, dass wir oft unser großes Vorrecht nicht erkennen. Wir zählen nicht immer die Segnungen, die wir empfangen haben. Wir erkennen nicht immer den „Tag unserer Heimsuchung“. Vielleicht sehnen wir uns gerade jetzt nach den grünen Auen in der Ferne und merken nicht, dass wir von dem reichen Segen des Herrn umgeben sind.

Die Dreiergruppe – bestehend aus Barnabas, Paulus und Markus – zieht weiter. Sie nehmen sich Zeit, um auf ihrem Weg das Evangelium zu verkünden. Vielleicht entdeckte Johannes Markus, dass zum Leben eines Missionars mehr gehörte, als er angenommen hatte. Augenscheinlich hatte er sich nicht zuvor hingesetzt und die Kosten überschlagen. Die Gedanken an zu Hause und an seine Lieben schienen zu stark für ihn zu werden, als dass er mit dem Werk hätte fortfahren können. In Perge in Pamphilien war er am Höhepunkt seiner Mutlosigkeit angelangt. Wir lesen: 

Apg 13,13: Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgefahren waren, kamen sie nach Perge in Pamphilien. Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.

Aber das ist nicht das Ende der Geschichte. Wenn Gott uns das Leben eines Heiligen schildert, dann verschweigt Er nichts; Er gibt uns ein vollständiges Bild – zu unserem Gewinn und zu unserer Unterweisung. Wenn ich meine Bibel lese, danke ich Gott, dass es Ihm gefallen hat, fehlerhafte Instrumente zu benutzen. Das ermuntert mich, auf dem Glaubensweg weiterzugehen. Geht es euch nicht auch so? Beim sorgfältigen Lesen der Lebensberichte der Diener Gottes in seinem Wort stellen wir fest, dass sie alle irgendwie mit Fehlern behaftet waren. Es gab nur einen vollkommenen Diener.

Nachdem Markus sich anschickte, nach Hause zurückzukehren, und Paulus und Barnabas alleine weiterzogen, trafen sie auf heftigen Gegenwind. Paulus wurde brutal gesteinigt und am Wegrand liegengelassen, weil man ihn tot glaubte. Zwar entkam Johannes Markus durch sein Weggehen vielen Schwierigkeiten, jedoch welcher Schandfleck lag auf ihm! Das war aber noch nicht alles; sein Verhalten sollte später noch zu traurigen Konsequenzen führen. Lesen wir jetzt Apostelgeschichte 15,35.36

Apg 15,35.36:  Paulus aber und Barnabas verweilten in Antiochien und lehrten und verkündigten mit noch vielen anderen das Wort des Herrn. Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns nun zurückkehren und in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben, die Brüder besuchen und sehen, wie es ihnen geht.

Das war eine kluge Entscheidung, nicht wahr? Wenn man Menschen zu Jesus geführt hat, dann ist unsere Verantwortung gegenüber ihnen nicht zu Ende. Das Wort Gottes bestätigt das. Paulus und Barnabas beschlossen, diese bekehrten Menschen zu besuchen, um zu sehen, wie es ihnen erging. Das Kennzeichen eines echten Hirten ist es, sich um das Wohlbefinden der Schafe zu kümmern.

Jetzt gelangen wir zu einem schmerzlichen Vorfall im Leben dieser geliebten Gottesmänner, Barnabas und Paulus. Im Dienst für den Herrn kommt es vor, dass wir in Situationen geraten, auf die wir gern verzichtet hätten. Wir sehnen uns nach jemand, der uns die Entscheidung abnimmt; dennoch merken wir, dass wir ihr nicht ausweichen können. In dem Fall sollten wir sie einfach mutig angehen. Hier stehen sich zwei Männer gegenüber: Barnabas, ein Mann Gottes, und Paulus, der ergebenste Diener, den Gott jemals hatte. Sie haben sich über die Zweckmäßigkeit, Johannes Markus auf ihrer Rundreise mitzunehmen, festgefahren. Lesen wir den Bericht in Apostelgeschichte 15 weiter: 

Apg 15,38-40: Paulus aber hielt es für recht, den nicht mitzunehmen, der sich in Pamphilien von ihnen getrennt hatte und nicht mit ihnen zu dem Werk gegangen war. Es entstand aber eine Erbitterung, so dass sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern absegelte. Paulus aber erwählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen.

Beide Seiten schienen entschlossen, ihren Willen durchzusetzen. Wie traurig! Anhand der Berichterstattung können wir annehmen, dass die Auseinandersetzung etwa so verlief: Barnabas schlug vor: „Wir nehmen meinen Neffen mit uns.“ Paulus erwiderte: „Wir nehmen ihn nicht mit; ich kenne ihn. Er hat uns im Stich gelassen, als wir ihn am nötigsten brauchten. Nein, ich will nicht, dass er mitkommt.“ Aber Barnabas blieb unnachgiebig: „Er ist mein Neffe und er kommt mit.“ So eskalierte der Streit. Ich kann mir vorstellen, dass weder Barnabas noch Paulus immer sehr liebenswürdige Worte gebrauchten. Aber wie es auch sei: Dem Bericht nach zu urteilen, bleibt die traurige Tatsache bestehen, dass diese beiden gottergebenen Männer nie wieder zusammenarbeiteten. Ist das nicht tragisch? Und doch zeigt die Geschichte der Gemeinde Gottes viele derartige Beispiele.

Also segelte Barnabas mit seinem Neffen; jedoch wird nicht erwähnt, dass die Gebete der Heiligen sie ausgesandt hätten. Wenn wir so etwas lesen, wird unser Herz beschwert. Solch ein treuer Mann und solch ein grober Schnitzer! Ich möchte hier eine Bemerkung einflechten, die ich sehr angebracht und wichtig finde. Was war der Anlass für Barnabas’ Fehler? Es war Blutsverwandtschaft, die natürlichen Bande. Während der fünfzig Jahre meines Lebens in den Versammlungen der Heiligen habe ich viele Reibereien und Schwierigkeiten gesehen. Ein nicht unbedeutender Teil davon ging auf diese Sache zurück: Blutsbande. Die Unfähigkeit eines Heiligen, die Dinge sachlich zu beurteilen, wenn es sich um sein eigenes Fleisch und Blut handelt, ist herzzerreißend. Auch niemand von uns ist dagegen gefeit.

Lesen wir im Gegensatz dazu jetzt im Alten Testament ein positives Beispiel, und zwar aus 2. Mose 32–33. Mose war auf den Berg gestiegen, um das Gesetz aus dem Mund Gottes zu erhalten. Als er zum Lager zurückkehrte, sah er, dass sein Bruder Aaron das Volk zur Rebellion und zum Götzendienst verführt hatte. Unter der Leitung und der Mithilfe Aarons hatten sie ein goldenes Kalb hergestellt und es angebetet. Mose begann eine unparteiische Untersuchung und stellte so fest, dass sein eigener Bruder in das Vergehen verwickelt war. Aber das hinderte Mose nicht an einer mutigen und entschlossenen Tat. Er verkündete laut: „Her zu mir, wer für den HERRN ist!“ Der Stamm Levi versammelte sich zu ihm und er gab ihnen den Befehl: „Legt jeder sein Schwert an seine Hüfte … und erschlagt jeder seinen Bruder … Weiht euch heute dem HERRN; ja, jeder in seinem Sohn und in seinem Bruder“ (2Mo 32,26-29). Sie gehorchten. Blutsbande hielten sie nicht zurück.

Wenn wir 5. Mose 33,1 lesen, werden wir sehen, wie hoch Gott solch einen unverzüglichen Gehorsam bewertete: „Dies ist der Segen, womit Mose, der Mann Gottes, die Kinder Israel vor seinem Tod gesegnet hat.“ Jetzt den Vers 8: „Von Levi sprach er: Deine Tummim und deine Urim sind für deinen Frommen, den du versucht hast bei Massa, mit dem du hadertest beim Wasser von Meriba“ (5Mo 33,8). Das ist eine ganz besondere Aussage, die der Herr hier hat aufschreiben lassen in Bezug auf diesen uneigennützigen Gehorsam. In den Versen 9 bis 11 spricht Gott selbst noch unvermittelter über diesen Fall: „Der von seinem Vater und von seiner Mutter sprach: Ich sehe ihn nicht; und der seine Brüder nicht kannte und von seinen Söhnen nichts wusste. Denn sie haben dein Wort gehalten, und deinen Bund bewahrten sie. Sie werden Jakob deine Rechte lehren, und Israel dein Gesetz; sie werden Weihrauch legen vor deine Nase und Ganzopfer auf deinen Altar. Segne, HERR, sein Vermögen, und das Werk seiner Hände lass dir wohlgefallen“ (5Mo 33,9-11). Wird den Leviten hier nicht ein außergewöhnliches Denkmal der bedingungslosen Treue an die Sache Gottes errichtet? Als sie die Macht der natürlichen Bande beiseitesetzten, dachten sie nicht im Entferntesten daran, dass Gott ihnen dafür eine derartig hohe Vertrauensstellung und Verantwortung zuweisen würde.

Möchten wir doch alle eine wichtige Lektion von diesem Ereignis lernen! Wie viel Not ist in den Versammlungen der Heiligen entstanden, weil sie es unterlassen hatten, die Blutsbande beiseitezusetzen, wenn es um schwerwiegende Entscheidungen in der Gemeinde ging! Diese unsere Schwachstelle hindert uns oft daran, benötigte Gemeindezucht auszuüben. Lasst uns alles so zusammenfassen: Es gibt verhältnismäßig wenige echte Leviten unter uns.

Die Errettung erhalten wir umsonst, aber wir müssen einen Preis bezahlen, um Jünger zu werden. Lesen wir Lukas 14,26.27: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.“ Möchten wir doch alle von dem bedauerlichen Fehlverhalten eines Barnabas lernen: dass uns auf unserem Glaubensweg Blutsbande niemals wichtiger seien als der Wille Gottes!

Ist es nicht bedeutsam, dass der Geist den Einsatz des Barnabas und seines Neffen vollkommen verschleiert hat? Apostelgeschichte 15,39 berichtet, dass Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern absegelte. Das war derselbe Weg, den Markus nahm, als er mutlos wurde und zurückkehrte. Im Gegensatz zu dem Schweigen über ihre Reise lesen wir einen sehr ausführlichen Bericht über die gelungene Reise des Paulus und seines neuen Begleiters Silas. Erst viele Jahre später hören wir wieder etwas von Johannes Markus.

Wir wollen uns jetzt der helleren Seite der Geschichte zuwenden und lesen Kolosser 4,10

Kol 4,10: Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Neffe des Barnabas, dessentwegen ihr Befehle erhalten habt (wenn er zu euch kommt, so nehmt ihn auf).

Nach all den Jahren, die vorübergegangen sind, seitdem Johannes Markus zum letzten Mal erwähnt wird, können wir sicher annehmen, dass er in seinem Dienst inzwischen viel reifer und weiser geworden ist. Auch Paulus ist jetzt alt; er nähert sich dem Ende seines Zeugendienstes für Christus. Wie gnädig ist doch der Geist Gottes, dass Er uns wissen lässt, dass derjenige, der Paulus den Rücken gekehrt und dadurch sein Vertrauen verloren hatte, nach langer Zeit wieder sein Ansehen genießt. Paulus bittet die Heiligen in Kolossä besonders, Markus aufzunehmen, falls er zu ihnen käme. Beachten wir auch, wie der Heilige Geist darauf bedacht ist, diesen „Markus“ zu identifizieren, damit wir nicht voreilig schließen, dass ein anderer mit dem gleichen Namen gemeint sei. Nein, es ist derselbe, der Neffe Barnabas’, der sein Ansehen bei Paulus jetzt wiedererlangt hat. Paulus war jemand, der Gottes Schule durchlaufen hatte. Sobald er entdeckte, dass ein Diener des Herrn, der versagt hatte, seinen Fehler eingesehen hatte, war er der Erste, ihm zu vergeben. Kolosser 4,10 kommt mit der eigenhändigen Unterschrift des Apostel Paulus sogar einem Empfehlungsschreiben für Markus gleich. Es gibt aber noch einen späteren Brief. Schlagen wir 2. Timotheus 4,6 auf: „Ich werde schon als Trankopfer gesprengt, und die Zeit meines Abscheidens ist gekommen.“ Das schreibt er in seiner zweiten Haft, kurz vor seinem Tod. Dadurch ist dieser Brief besonders bewegend. Wir lesen dier folgenden Verse in 2. Timotheus 4,7-11

2Tim 4,7-11: Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag, nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieben. Befleißige dich, bald zu mir zu kommen; denn Demas hat mich verlassen, da er den jetzigen Zeitlauf lieb gewonnen hat und ist nach Thessalonich gegangen, Kreszens nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Lukas ist allein bei mir. Nimm Markus und bring ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst.

Ich habe es gewagt, den letzten Satz hervorzuheben. Wie wunderbar sind doch Gottes Wege! Er hat treu darüber gewacht, dass diese uneingeschränkte Befürwortung von Johannes Markus als ein nützlicher Gehilfe sich in der Schrift befindet. Ist das nicht großartig? „Er ist mir nützlich.“ Dieser Ausdruck fügt Gewicht zu dieser lobenden Äußerung, weil es fast die letzte Zeile aller inspirierten Texte ist, die [uns] durch den Apostel Paulus jemals übermittelt wurden.

Lieber Christ, lieber Diener des Herrn, du und ich, wir haben Fehler begangen, vielleicht schmerzliche Fehler. Lasst uns nicht entmutigt sein; lasst uns nicht aufgeben; lasst uns nicht denken, dass Gott uns nicht mehr gebrauchen will! Wie kann man wiederhergestellt werden? Beugen und demütigen wir uns vor Ihm und bekennen wir Ihm unser Versagen und unsere Sünde. Rechtfertigen wir uns nicht und ziehen wir uns nicht leichtfertig aus der Eigenverantwortung. Gestehen wir ganz einfach: „Ich habe falsch gehandelt!“ Gib alles zu und du wirst erstaunt sein, wie gnädig und nachsichtig deine Geschwister sind. Ich erinnere mich an einen alten Bruder, der zu Beginn einer Gebetsstunde aufstand und unumwunden seine ungute Haltung in einer bestimmten Sache bekannte, die seine Geschwister betrübt hatte. Er sagte: „Ich hatte Unrecht, meine Brüder hatten Recht.“ Als danach die Heiligen zum Gebet niederknieten, gab es nicht ein einziges Gebet, das nicht eine tiefgehende Reaktion verriet auf das demütige Bekenntnis unseres Bruders, dass er einen Fehler begangen hatte. An diese Begebenheit haben wir noch lange gedacht.

Jetzt kommt der schönste Teil unserer Betrachtung des Lebens von Johannes Markus: 

Mt 23,12: Wer aber sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden. 

Der Erste (zeitlich gesehen), dem Gott den inspirierten Bericht über das Leben Jesus anvertraute, war kein anderer als derselbe Johannes Markus. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sein Evangelium dasjenige ist, das unseren Herrn als den vollkommenen Diener vorstellt. Ebenso beschreibt Markus den Herrn als das Sündopfer. Ohne Opfer für die Sünde hätte Gott niemand als seinen Diener angenommen (außer Christus). Wenn Christus sich nicht als Priester für uns verwenden würde, hätte Gott uns alle schon längst aufgegeben. Wie ermutigend ist doch das Wissen: „Er erquickt meine Seele, er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen“ (Ps 23,3). 

Wir schließen unsere Betrachtung mit den beiden letzten Versen des Markusevangeliums: „Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber gingen aus und predigten überall, wobei der Herr mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen.“ Amen.


Aus einer Predigt gehalten am 2. Januar 1956 in Los Angeles
Quelle: http://bibletruthpublishers.com/a-profitable-servant-john-mark/clifford-henry-brown/christian-truth-volume-11/la52277

Übersetzung: Christel Schmidt


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...