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Leitvers: Haggai 1,6
Hag 1,6: Der Lohnarbeiter erwirbt Lohn für einen
durchlöcherten Beutel.
Lies bitte den gesamten Propheten Haggai.
Inhalt
Einleitung Historischer Hintergrund Das Bauen wurde unterbrochen Falsche Prioritäten Die Lösung
Ein durchlöcherter Beutel ist nicht gerade
der beste Ort, um sauer verdientes Geld aufzubewahren. Das ist so, wie wenn man
Wasser in einem Sieb aufbewahren wollte — man wird nicht viel Erfolg damit
haben. Aber wer tut denn so etwas Törichtes und steckt Geld in einen
durchlöcherten Beutel? Du und ich tun das! Wenn unsere Prioritäten nicht den
Belehrungen des Buches Haggai entsprechen, dann stecken wir unser Geld in einen
durchlöcherten Beutel.
Damit wir die Belehrung dieses
alttestamentlichen prophetischen Buches besser verstehen, wollen wir uns
zunächst einmal mit dem historischen Hintergrund vertraut machen. Die Ereignisse
in diesem kleinen Buch Haggai fanden relativ spät in der alttestamentlichen
Geschichte statt: etwa fünfzehnhundert Jahre nach Abraham, etwa eintausend
Jahre nach Mose und etwa fünfhundert Jahre nach David. Haggai predigte und
prophezeite, nachdem das jüdische Volk aus seiner siebzigjährigen Gefangenschaft
in Babylon zurückgekehrt war. Diese Rückkehr in die Heimat wurde ermöglicht
durch den wohlwollenden Erlass des persischen Königs Kores (Kyros II.), der das
babylonische Reich im Jahre 539 v.Chr. eroberte. Nahezu fünfzigtausend Juden
kehrten zu jener Zeit unter der Führerschaft Serubbabels nach Jerusalem zurück
(Esra 1 und 2).
Mit Dank gegenüber dem HERRN, der sie
sicher in die Heimat zurückgebracht hatte, fingen diese eifrigen Juden an, ihren
Tempel wieder aufzubauen. Der Altar wurde neu errichtet, die Opfer und die Feste
wurden wieder eingeführt, und das Fundament für den neuen Tempel wurde gelegt.
In Esra 3 kannst du alles über diese freudevolle Zeit des Dankens und Preisens nachlesen. Unglücklicherweise jedoch war diese Atmosphäre der Erweckung nur von
kurzer Dauer. Feindliche Drohungen der benachbarten Völker wie auch Furcht und
Frustration unter den Juden selbst führten zu einer starken Entmutigung, und der
Bau des Hauses des HERRN kam vollständig zum Erliegen (siehe Esra 4). Fünfzehn
Jahre lang wurde nicht weitergebaut am Haus Gottes. Es wurde als ein offenes und
ungeschütztes Fundament im Boden liegen gelassen. Und bis der Prophet Haggai auf
der Bildfläche erschien, hatte das Volk Gottes eine Haltung völliger
Gleichgültigkeit gegenüber dem ganzen Misserfolg des Wiederaufbaus (Hag 1,2).
Tragisch, und doch auch uns heute noch
vertraut. Wie oft sehen wir, dass das Werk des Geistes Gottes nach einer
verheißungsvollen Grundlegung erstickt und unterdrückt wird. Viele Christen
haben eine gute feste Grundlage im Glauben, und doch wachsen sie nicht weiter.
Sie begannen mit viel Eifer, Begeisterung und Freude, aber nun bauen sie nicht
mehr. Ihr einst solides Fundament liegt jetzt da, den Witterungseinflüssen der
Werte und Haltungen des Weltsystems ausgesetzt. Ist es möglich, dass du deinen geistlichen
Bauplan aufgegeben und dein Fundament vergessen hast? Wie steht es mit deiner
täglichen Gebetszeit und deiner täglichen Zeit zum Lesen des Wortes Gottes?
Geschieht dort ein beständiges Bauen, oder findet dort ein Generalstreik statt?
Die eigentliche Belehrung für uns liegt
jedoch nicht so sehr in der persönlichen Anwendung, sondern in der Frage:
Schreitet das Bauen aktiv fort, oder schauen wir auf verlassene Fundamente? Sind
wir besorgt um die fortgesetzte Notwendigkeit der Belehrung und Anbetung, der
Gemeinschaft und des Gebets? (Siehe Apostelgeschichte 2,42 in Bezug auf diese
notwendigen „Baumaterialien“.) Wir müssen uns alle fragen, ob wir aktiv
beteiligt sind am Bauen des Hauses, oder ob wir zufrieden sind, als Zuschauer
dazusitzen und auf ein preisgegebenes und zerbröckelndes Fundament zu schauen. Kann es sein, dass unsere Lage sogar noch schlimmer ist?
Hindern wir
möglicherweise das Bauen, das Gott durch unsere Mitgläubigen tut?
Warum hatte das Bauen des Tempels
aufgehört? Warum nahm das Volk solch eine gleichgültige Haltung dem Haus Gottes
gegenüber ein? Die Antwort finden wir in Haggais aufrüttelnder Rede, die in den
Versen 3-11 des ersten Kapitels wiedergegeben ist. Das Problem war, welche
Prioritäten sie setzten. Das Volk Gottes verwandte viel mehr Zeit, Mühe und Geld
auf für seine eigenen Häuser als für das Haus des HERRN (V. 4). Ein getäfeltes
Haus in den Tagen Haggais war ein Zeichen von Luxus, weil das teure Zedernholz
weither vom Gebirge Libanon (nördlich von Palästina) importiert werden musste.
Für Gott war dieses materialistische, luxuriöse Leben unvereinbar mit den
Qualitätsnormen seiner Bauvorschriften. Dem Volk wurde unmissverständlich
gesagt, dass sie ihre Prioritäten überprüfen und ihr Herz auf ihre Wege richten
sollten, nämlich darauf achten, wie es ihnen ergangen war (V. 5.7).
Zweifellos enthält diese Predigt aus alter
Zeit auch Belehrungen für den Christen des auslaufenden 20. Jahrhunderts. Das
lebendige Wort Gottes veraltet nie. Sind unsere Prioritäten „getäfelte Hauser“?
Räumen wir unseren Bauvorhaben den Vorrang ein vor Gottes Bauplänen? Unsere
Bauvorhaben können mehr sein als gerade Häuser im buchstäblichen Sinn. Wir
können die ganze Bauzeit und unsere Energie für unser Geschäft verwenden oder
für Bücher oder fürs Geld oder sogar für unseren Körper, während die Bauarbeit
für den HERRN vernachlässigt wird und unbeachtet bleibt.
Wohlgemerkt,
es war nicht verkehrt, dass die Leute zur Zeit Haggais Häuser hatten, und es war
an sich nichts Verkehrtes an der Zederntäfelung. Das Problem waren die
Prioritäten. Am Haus Gottes geschah absolut nichts. Das frei daliegende
Fundament des Tempels sprang dem Volk Gottes gleichsam in die Augen, doch sie
schämten sich deshalb nicht, sondern fuhren fort, ihre Zeit, Energie und ihr
Geld für ihre eigenen Häuser zu verwenden.
Für viele aus dem Volk Gottes ist auch
heute noch das Problem der falschen Prioritäten das Problem Nr. 1. Die meisten
Christen sind ja gar nicht verwickelt in schreiende Sünden wie Ehebruch oder
Fluchen. Und es ist auch an sich noch nichts Böses, Zeit für unser Geschäft, für
Bücher, Geld oder unseren Körper zu verwenden! Aber es ist Sünde, irgendetwas
höher auf die Prioritätenliste zu setzen als unsere Anbetung und unseren Dienst
für Gott. Tun wir das? Vielleicht denken wir, dass das in unserem Leben nicht
vorkommt. Eine kurze Untersuchung unserer Prioritätenliste im Blick auf unsere
Zeiteinteilung oder unseren Kraftaufwand könnte uns jedoch eine Überraschung
bescheren. Das Wort des HERRN ist: „Achtet wohl darauf, wie es euch bisher
ergangen ist“ (Menge-Übersetzung).
Die ganze Tragödie der Lage in den Tagen
Haggais war nicht nur, dass man das Haus Gottes vergaß, sondern dass das Volk
Gottes sich auf ein Verlustgeschäft eingelassen hatte. Weil sie die Prioritäten
auf den Kopf gestellt hatten, hatte der HERR seinen Segen von ihrem Land
zurückgehalten. Ihre Herden waren unfruchtbar, und ihre Ernten waren armselig.
Die Leute investierten viel Zeit und Mühe, um vorwärtszukommen, aber es gab
keinen Fortschritt. Im Wesentlichen warfen sie ihr Geld in einen durchlöcherten
Beutel. Umgekehrte Prioritäten haben immer einen durchlöcherten Beutel zur
Folge! Wenn wir die Interessen Gottes durch unsere eigenen Interessen ersetzen,
werden wir immer Enttäuschungen erleben und Verluste zu beklagen haben. Obwohl
unsere Freude oder Popularität oder unser Wohlstand kurzzeitig zunehmen können,
gipfeln falsche Prioritäten doch darin, dass überhaupt kein Gewinn da ist. Wie
viele Deiner zukünftigen Investitionen enden in einem durchlöcherten Beutel?
Das Wort Gottes reißt nie ein Problem an,
ohne auch eine Lösung zu nennen. Die Lösung des Problems falscher Prioritäten
ist einfach: Drehe sie um. Gottes einfache, direkte Lösung für die Tage
Haggais wurde dem Volk der Reihe nach vorgestellt: „Steigt auf das Gebirge
und bringt Holz herbei und baut das Haus“ (Hag 1,8). Die Antwort ist so
einleuchtend, dass wir uns fragen, warum Gott das sagen musste. Gott sagte das,
weil sein Volk damals so war wie sein Volk heute ist: träge zu lernen! Manchmal
sind wir so dickköpfig, dass Gott uns das ABC des christlichen Lebens immer
wieder beibringen muss, bevor wir unsere Prioritäten in Ordnung bringen. Wann
lernen wir, dass wir nicht damit rechnen können, die ganze Zeit im christlichen
Leben ruhig segeln zu können? Das Neue Testament hat viele Verse, die uns
lehren, dass unser Glaube zu unserem eigenen Guten durch Bedrängnisse und
Verfolgungen erprobt wird: Siehe dazu Johannes 15,20; 16,33; Apostelgeschichte
14,22; 1.
Thessalonicher 3,3; 2. Timotheus 3,12; Jakobus 1,2; 1.
Petrus 1,6.7; 2,21 und 1. Johannes 3,13.
Die wunderschöne Antwort des Volkes auf den
Dienst Haggais finden wir im Rest dieses kleinen Bibelbuches. Die Reaktion auf
eine Predigt ist nicht immer so positiv, aber dieser Fall hier darf eine
Ermunterung für Diener des Herrn heutzutage sein, die entmutigt sind und
vielleicht daran zweifeln, dass es möglich ist, dass Gott durch das Predigen
wirkt. Das Ergebnis der Predigt Haggais bei dem Volk war Ehrfurcht vor dem
HERRN, ihr Geist wurde erweckt, und sie kamen und arbeiteten am Haus des HERRN
(Hag 1,12-15). Welch ein bemerkenswerter Wandel in ihrer Haltung: von
ehrfurchtsloser Gleichgültigkeit zu ehrfürchtigem Handeln. Das ist auch
heutzutage nicht unmöglich.
In Kapitel 2 lesen wir von dem weiteren
Dienst Haggais, während der Tempel fertiggestellt wurde. Das Volk wurde
ermutigt durch Verheißungen über die Zukunft und aufgefordert, weiter ein
heiliges Leben zu führen. Aus Esra 6,15 erfahren wir, dass der Tempel nicht über
Nacht fertig gestellt wurde, sondern dass das ungefähr vier Jahre dauerte. Diese
vier Jahre waren Jahre des Segens für Land und Volk (Hag 2,19), weil sie Jahre
der richtigen Prioritäten waren. Die Investitionen des Volkes Gottes gingen
nicht länger in einen durchlöcherten Beutel. Möge auch das Volk Gottes
heutzutage die Worte des Propheten Haggai ernst nehmen. Dann werden auch wir aus
dem Mund des HERRN die Worte hören: „Von diesem Tage an will ich segnen.“
aus der Monatszeitschrift Folge
mir nach, 1994/1, S. 18-21
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