Älteste

Rainer Brockhaus

© R. Brockhaus, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 13.01.2018

Was sind Älteste? Zunächst denkt man ja wohl an das, was das Wort in seiner normalen Bedeutung sagt, nämlich: die, die vergleichsweise die ältesten Personen sind. Und das ist bestimmt grundsätzlich nicht falsch. Aber es geht sicherlich auch nicht „bloß“ um hohes Alter, sondern um damit verbundene Einsicht und Weisheit.

Im Alten Testament finden wir den Begriff schon in der Frühgeschichte des Volkes Israel (2Mo 3,16.18): Die ältesten Personen hatten ja normalerweise die größte Erfahrung, waren daher auch die weisesten Ratgeber. Solche wurden anerkannt. Man hörte auf sie. Sie werden dann die „Häupter der Stämme“, der Vaterhäuser, der Großfamilien der einzelnen Stämme. In 2. Mose 19,7 werden die Ältesten Israels durch Mose mit den Worten „die der HERR ihm geboten hatte“ bekannt gemacht. Sie werden vor dem ganzen Volk ausgezeichnet, zusammen mit dem Hohenpriester Aaron und seinen Söhnen, als siebzig von ihnen vor Gott auf den Berg Horeb steigen dürfen (2Mo 24). Die Ältesten sollen stellvertretend für das Volk die Hände auf den Kopf des Schuldopfers, eines Farren (d.h. eines jungen Stieres) legen, das gebracht werden musste, wenn das Volk eine Sünde (aus Versehen, also nicht mit Absicht) begangen hatte. Älteste übernehmen Verantwortung. Als schließlich Mose glaubt, wie er sagt, dass er die Last nicht mehr allein tragen kann, gibt Gott ihm siebzig Älteste zur Seite und gibt ihnen „von dem Geist, der auf Mose ist“, damit sie mit Mose die Last tragen, das Volk zu führen (4Mo 11,10-17). Den Ältesten wird das Gesetz gegeben (5Mo 31,9), die Ältesten sollen befragt werden über die Wege und Taten Gottes (5Mo 32,7), sie werden aufgefordert, „nach dem Buch des Gesetzes“ zu handeln, „dass ihr nicht davon abweicht zur Rechten noch zur Linken“ (Jos 23,6). In Ruth 4 sind die Ältesten Zeugen, weil sie zuverlässig sind.

Warum wir diese Beschreibungen aus dem Alten Testament nennen? Nun, weil sie uns wichtige praktische Hinweise geben auf die Aufgaben und Qualitäten eines Ältesten.

Aber kommen wir zu den Ältesten, wie sie uns im Neuen Testament vorgestellt werden. In den Evangelien treten die Ältesten der Juden auf und sind Sprecher und Meinungsbildner des gesamten Volkes, dies zusammen mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten. Und als solche verwerfen sie die Botschaft des Johannes des Täufers, verwerfen insbesondere die Worte des Herrn Jesus, des Messias des Volkes, des Sohnes Gottes, ja Ihn Selbst. Und im Hohen Rat, dem Synedrium, stimmen sie dafür, dass Er gekreuzigt wird. Etwas wird darin deutlich: Ein ungläubiges Volk hat ungläubige Älteste, aber auch: Der Unglaube der Ältesten hat Auswirkungen trauriger Art auf das Volk.

Aber auch in der „christlichen“ Gemeinde gibt es das Amt der Ältesten (griechisch: presbyteroi, s. Apg 11,30; 14,23; 15,2.29 und weitere Stellen). Da gibt es – wie ich meine – drei Fragen zu beantworten:

  1. Welche Aufgabe(n) haben Älteste?
  2. Welche Eigenschaften müssen sie (daher) haben?
  3. Wie wird jemand Ältester bzw. wie wird er für diese Aufgabe, dieses Amt bestimmt?

Die erste Frage beantwortet uns u.a. Apostelgeschichte 20,17.28. Der Apostel Paulus ruft die Ältesten der Versammlung von Ephesus zu sich und sagt ihnen dann, dass „der Heilige Geist [sie] als Aufseher [griechisch episkopoi] gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten“ (Apg 20,28). Die Ältesten führen Aufsicht über andere und achten darauf, dass diese die ihnen obliegenden Dinge richtig tun. Sie sollen „hüten“, d.h. also auf die anderen Geschwister, die „Herde Gottes“ (die nicht ihnen „gehört“!), achthaben, auf ihr Wohl bedacht sein (siehe dazu auch 1. Petrus 5,1-3). Dabei dürfen sie dies tun für „die Herde Gottes, die bei ihnen ist“: Sie haben ihre Aufgabe in ihrer örtlichen Versammlung (s.a. Apg 14,23).

Die zweite Frage können wir einerseits aus den oben genannten Eigenschaften der Ältesten des Volkes Israel ableiten: Sie waren erfahrene Männer, sie besaßen Weisheit, denn sie waren mit dem Gesetz Gottes vertraut, sie übernahmen Verantwortung, sie waren treue Zeugen und hatten das Vertrauen des Volkes.

Andererseits sagt Gott im Neuen Testament deutlich, wie ein Aufseher beschaffen sein muss: „Der Aufseher nun muss untadelig sein, einer Frau Mann, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig; nicht dem Wein ergeben, kein Schläger, sondern gelinde, nicht streitsüchtig, nicht Geld liebend, der dem eigenen Hause wohl vorsteht, der seine Kinder in Unterwürfigkeit hält mit allem würdigen Ernst, (wenn aber jemand dem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie wird er die Versammlung Gottes besorgen?) nicht ein Neuling … Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind“ (1Tim 3,2-7).

Es geht also um einen echt christlichen Lebenswandel, ein „Leben mit Gott“, nach den Unterweisungen der Heiligen Schrift und damit um ein gutes Zeugnis vor Gott und Menschen, und es geht um die Fähigkeit, andere (die eigenen Kinder und dann auch die Mitgläubigen) zu „leiten“, sie durch Vorbild und Belehrung („lehrfähig“) zu Gehorsam unter Gottes Wort und Willen „anzuleiten“.

Die dritte Frage lässt sich ebenfalls von Gottes Wort her beantworten. Die Ältesten werden von Aposteln oder deren Abgesandten gewählt oder angestellt (Apg 14,23; Tit 1,5). Aus der Stelle in Apostelgeschichte 20,28 sehen wir, dass es jedoch eigentlich der Heilige Geist war, der sie eingesetzt hatte. Durch die Anstellung bzw. Einstellung erhielten sie diese Aufgabe als Amt.

Man darf hier sicher die Frage stellen, ob heute eigentlich eine solche Anstellung oder sogar Ernennung zu einem Amt noch möglich ist; denn wer darf die dazu notwendige Autorität für sich beanspruchen? Geht es auf demokratischem Weg? Das wäre allerdings ein Prinzip bzw. Verfahren, das wir in der Bibel nirgends finden. In 1. Thessalonicher 5,12 wird einfach gesagt: „Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die erkennet, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen.“ So dürfen wir dankbar sein, dass diese schöne und segensreiche Tätigkeit auch heute noch ausgeübt wird und dass Gott Brüder mit solchen Eigenschaften und echter „Hirtengesinnung“, die den Herrn und die Seinen lieben, auch heute noch schenkt. Er kennt die Bedürfnisse der Gläubigen und wird nach Seiner Weisheit und in Seiner Gnade auch heute alles geben, was notwendig ist, auch die nötige „Aufsicht“ und das „Hüten“. Wir dürfen – und auch dazu leitet der Heilige Geist – die erkennen und anerkennen, die Gott in diese Aufgabe stellt.

Unsere Aufgabe als jüngere Christen ist es hier sicher, ihnen die Erfüllung ihrer Aufgabe nicht zu erschweren. Vielleicht mögen wir mit dem einen oder anderen Bruder unsere Schwierigkeiten haben, und vielleicht ist der eine oder andere auch weniger ein Ältester, als er selbst meint, aber das dürfen wir mit Vertrauen dem Herrn und der Wirkung Seines Geistes in den Herzen überlassen. Und da der Herr in den Gemeinden niemals nur einen einzigen Bruder gibt, der einen Ältestendienst tut, wird Er dafür sorgen, dass auch schwierige Fragen die richtige, d.h. der Heiligen Schrift entsprechende Behandlung erfahren.

Wir wollen uns lieber an das Wort halten, nämlich die, „die unter auch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen“, über die Maßen in Liebe zu achten (1Thes 5,12.13).

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Originaltitel: „Biblische Begriffe. Älteste“
aus Folge mir nach, 3/1993, S. 6–8

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