Der Tisch des Herrn
1. Korinther 10,14-22

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 03.01.2018

Leitverse: 1. Korinther 10,14-22; 2. Mose 29,42-46

1Kor 10,14-22: Darum, meine Geliebten, fliehet den Götzendienst. Ich rede als zu Verständigen; beurteilet ihr, was ich sage. Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brote. Sehet auf Israel nach dem Fleische. Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar? Was sage ich nun? Dass das einem Götzen Geopferte etwas sei? Oder dass ein Götzenbild etwas sei? Sondern dass das, was die Nationen opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen. Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonen Tisches. Oder reizen wir den Herrn zur Eifersucht? Sind wir etwa stärker als er?

2Mo 29,42-46: … ein beständiges Brandopfer bei euren Geschlechtern an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft vor dem HERRN, wo ich mit euch zusammenkommen werde, um daselbst mit dir zu reden. Und ich werde daselbst mit den Kindern Israel zusammenkommen, und es wird geheiligt werden durch meine Herrlichkeit. Und ich werde das Zelt der Zusammenkunft und den Altar heiligen; und Aaron und seine Söhne werde ich heiligen, dass sie mir den Priesterdienst ausüben. Und ich werde in der Mitte der Kinder Israel wohnen und werde ihr Gott sein. Und sie werden wissen, dass ich der HERR bin, ihr Gott, der sie aus dem Lande Ägypten herausgeführt habe, um in ihrer Mitte zu wohnen; ich bin der HERR, ihr Gott.

Der Mittelpunkt des Zusammenkommens und die Autorität des Herrn

Ich möchte heute Abend ganz gerne die andere Reihenfolge nehmen, vielleicht, weil ich ein bisschen Angst habe, dass ich auch heute Abend wieder zu wenig Zeit haben werde für diese wichtigen Bilder aus dem Alten Testament, mit dem Risiko, dass ich zu wenig Zeit haben werde für 1. Korinther 10. Ich tröste mich aber damit, dass darüber eine Broschüre von mir auf dem Büchertisch ist für solche, die eingehender aus diesem Kapitel lernen möchten. Aber ich möchte ganz gerne diesmal mit den Bildern anfangen.

Wir haben gestern Abend gesehen, dass es nach den Gedanken Gottes ist, dass sein Volk zusammenkommt, ob das nun Israel ist im Alten Testament oder die Versammlung, die Gemeinde Gottes, im Neuen Testament. Dieses Zusammenkommen setzt einen Mittelpunkt voraus, es braucht einen Anziehungspunkt. Weil es das Volk Gottes ist, ist im Alten Testament Gott selbst dieser Mittelpunkt. Im Neuen Testament stellt der Herr Jesus sich als dieser Mittelpunkt dar. Er ist unser Anziehungspunkt. Wir versammeln uns in seinem Namen oder auch zu seinem Namen hin. Er ist das Ziel unseres Zusammenkommens.

Gestern Abend habe ich versucht, klarzumachen, dass in diesem Namen seine persönliche Herrlichkeit und Autorität begriffen ist. Es ist seine Person in ihrer Herrlichkeit, die uns anzieht. Wir kommen zusammen, um Ihn zu sehen, Ihn anzubeten, Ihm unsere Opfer darzubringen. In 5. Mose 12 haben wir gesehen, dass Gott auch im Alten Testament einen Ort bereiten wollte, wo Er seinen Namen wohnen lassen wollte. Die Herrlichkeit seines Namens sollte der Anziehungspunkt für sein Volk sein. Ich hätte mit Ihnen noch gern die acht Schriftstellen gelesen in 5. Mose 12 und den weiteren Kapiteln, wo wir lesen über diesen Ausdruck, dass Gott „seinen Namen wohnen lassen wollte an diesem Ort“. Wir hätten dann sehen können, dass an diesem Ort das Volk zusammenkommt, in 5. Mose 16 bei den drei Festen im Jahr, mit ihren Opfern, mit all ihrer Freude, um dort in der Gegenwart Gottes sich in Ihm zu freuen und ihre Freude durch Opfer zum Ausdruck zu bringen. Gott selbst, mit der Herrlichkeit seines Wesens, ist Anziehungspunkt für sein Volk, so wie heute der Herr Jesus in all seiner Herrlichkeit der Mittelpunkt des Zusammenkommens seines Volkes ist.

Heute Abend sehen wir eine andere Seite. Es ist nicht nur die Herrlichkeit seiner Person, sondern auch die Herrlichkeit seines Werkes. Sein Werk ist die Grundlage für die Entstehung der Versammlung Gottes.

Das tagtägliche Brandopfer

In 2. Mose 29 gibt Gott seinem Volk das tagtägliche Brandopfer. Jeden Morgen und jeden Abend musste ein Brandopfer dargebracht werden. Das war nicht nur für das Volk wichtig, sondern für Gott, denn bei den Brandopfern sehen wir, wie das Opfertier vollkommen Gott geopfert wird, nichts davon wird gegessen. Es geht in Rauch empor zu Gott. Brandopfer auf Hebräisch heißt: Das, was emporsteigt. Da das Opfer zweimal am Tag erneuert werden musste, stieg dieser Wohlgeruch ununterbrochen vom Altar empor. Als das vorherige Opfer noch brannte, da kam schon wieder ein neues Opfer hinzu am Ende des Tages.

Das Opfer ist ein Bild von dem Opfer des Herrn Jesus auf Golgatha. Er hat sich völlig Gott hingegeben. Er hat Gott verherrlicht am Kreuz. Alles, was Er war, war Er für Gott. Sein ganzes Leben, sein ganzes Sterben, seine Leiden und sein Werk, was Er vollbracht hat, es diente alles zur Verherrlichung Gottes. Von diesem Kreuz steigt ein duftender Wohlgeruch zu Gott empor. Im Alten Testament musste dieses Opfer immer wiederholt werden. Der Wohlgeruch des Werkes des Herrn Jesus am Kreuze steigt ununterbrochen, immerdar, zu Gott empor.

Was ist die Bedeutung dieses tagtäglichen Brandopfers? Gott erzählt uns in diesem Abschnitt in 2. Mose 29, was Er aufgrund dieses Brandopfers für das Volk tun konnte. Auf der Grundlage des Werkes des Herrn Jesus kommt Er mit dem Volk zusammen. Vielleicht hätten wir etwas ganz anderes erwartet. Es geht hier nicht um die Erlösung. Das sind ganz andere Gedanken. Die Erlösung hat in Ägypten stattgefunden. Das ist alles schon vorausgesetzt. Wir haben es mit einem erlösten Volk zu tun. Sie waren erlöst aufgrund des Passahlammes. Aber hier haben wir einen ganz anderen Gedanken. Das Brandopfer wird tagtäglich gebracht. Der Herr Jesus hat Gott verherrlicht am Kreuz. Jeden Tag steigt der Wohlgeruch seines Werkes zu Gott empor. Zu welchem Zweck? Der Zweck ist, dass Gott sein Volk zu Ihm hin versammelt.

Das Zelt der Zusammenkunft

In 2. Mose 29,42 ist ein ständiges Brandopfer zu unterhalten an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. Das Zelt der Zusammenkunft ist die Stiftshütte. Stiftshütte heißt auf hebräisch „Wohnung“, was darauf hinweist, dass Gott inmitten seines Volkes wohnen wollte. Aber Gott kann bei sündigen Menschen nur wohnen auf der Grundlage des Werkes des Herrn Jesus.

Diese Wohnung wird auch „Zelt der Zusammenkunft“ genannt. Die Stiftshütte ist also nicht nur die Wohnung Gottes, sondern auch ein Ort, wo nach Gottes Gedanken das Volk zusammenkommt. Dieses Zusammenkommen spielt also eine große Rolle in der Schrift. Sobald Gott sein Volk erlöst hat aus Ägypten, spricht Er über das Zusammenkommen, in dieser Übersetzung, obwohl das nicht ganz sicher ist, steht in 2. Mose 15,2: „Er ist mir zur Rettung geworden, er ist mein Gott, und ich will ihn verherrlichen.“ In der Bemerkung steht: „Ich will ihm eine Wohnung machen.“ Sobald das Volk errettet ist, haben sie selbst durch die Kraft des Geistes verstanden, dass es jetzt darauf ankommt, Gott eine Wohnung zu machen, so dass Er in ihrer Mitte wohnen kann. Sie selbst versammeln sich zu dieser Wohnung hin. Aber aufgepasst! Es steht hier nicht, dass sie sich in diesem Zelt der Zusammenkunft versammeln, sondern an dem Eingang. Das Zelt spricht von dem himmlischen Heiligtum, und am Eingang des Zeltes waren sie noch immer in der Wüste, auf dieser Erde. Gott hat uns auf dieser Erde einen Platz des Zusammenkommens gegeben.

Der Eingang des Zeltes

Warum am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft? Was findet man dort? Am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft befindet sich der eherne Altar, der Brandopferaltar. Das ist offensichtlich der Punkt des Zusammenkommens. Das ist aus dem Zusammenhang ganz einfach zu verstehen. Zwischen dem Altar und dem Zelt der Zusammenkunft steht noch das Waschbecken, aber das wird hier übersehen. Der Altar selbst steht am Eingang des Zeltes. Dort, wo das Brandopfer tagtäglich für Gott geopfert wird, wo der Wohlgeruch zu Gott emporsteigt, dort versammelt Er auch sein Volk. Das Opfer ist der Mittelpunkt ihres Zusammenkommens. Nach den Gedanken Gottes versammelt Er sein Volk um den Herrn Jesus herum, damit sie sich mit seinem Opfer, seinem Werk, beschäftigen. Das ist etwas, was wir alle, wenn wir den Herrn Jesus kennen, praktisch verwirklichen dürfen.

Der neutestamentliche Priesterdienst

Ich möchte zeigen, dass wir es auch im Neuen Testament mit einem Altar zu tun haben. Hebräer 13 sagt uns, auch wir haben einen Altar, an dem wir Gott ein ständiges Lobopfer darbringen dürfen. Im Griechischen heißt es wörtlich: „ein Schlachtopfer des Lobes“. Das bezieht sich direkt auf die Bilder des Alten Testamentes. Auch wir haben einen geistlichen Altar, an dem wir Gott unsere Lob- und Dankopfer bringen. Wir sind ja Priester. Jeder Gläubige ist nach Gottes Gedanken ein Priester, er braucht dafür nicht eine bestimmte Weihe. 1. Petrus 2 erzählt uns, dass wir als Priester die Aufgabe haben, Opfer zu bringen. Das sind geistliche Opfer, Opfer des Lobes und des Dankes. „Wir sind ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesus Christus.“ So haben wir in Hebräer 13 Opfer des Lobes, die wir Gott darbringen. Das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Wir lernen mehr über diesen Altar in 1. Korinther 10. Wir haben einen Altar, an dem wir uns als Priester versammeln dürfen, an dem wir uns mit seinem Werk, seinen Leiden und seinem Tod beschäftigen dürfen. Wir haben einen Dienst an diesem Altar. Wir haben teil an dem Opfer. (Ich werde später erklären, was das genau heißt, denn das ist nicht das Brandopfer.) Als Priester haben wir auch noch das Vorrecht, vom Altar in das Heiligtum hineinzugehen. Dazu werden wir ermuntert in Hebräer 10,19. Wir dürfen Gott nahen durch den Vorhang ins Heiligtum. Das sind alles Bilder vom Herrn Jesus selbst und von der himmlischen Wohnung, in die wir geistlich, nicht mit unseren Körpern, hineintreten dürfen, wenn wir mit unseren Bitten und unserer Anbetung in die Gegenwart Gottes treten.

Zweierlei Dienst

Ich wiederhole: Wir haben einen Dienst in der Wüste, d.h. auf dieser Erde, an dem Brandopferaltar, wo wir den Herrn Jesus sehen, wie Er sich Gott geopfert hat zu einem duftenden Wohlgeruch. Gott kommt selbst zu uns, wie wir es hier lesen: Ich werde dort zu ihnen kommen, um mit dir zu reden. Er heiligt den Ort, und Er heiligt sich eine priesterliche Familie. In 2. Mose 29,42 haben wir diese Gedanken („wo ich mit euch zusammenkommen werde daselbst, um mit dir zu reden“). Zweitens: „Ich heilige mir dort eine priesterliche Familie, die für mich den Priesterdienst ausübt, und ich werde in der Mitte der Kinder Israel wohnen.“ Also, ich rede zu euch, und ihr bringt mir eure Opfer. Unser Dienst ist zweierlei: In 4. Mose 18,7 lesen wir: „Du aber und deine Söhne mit dir (das sind Aaron und seine Söhne), ihr sollt eures Priestertums warten, in allem was den Altar (das ist das Erste) betrifft und (das Zweite) innerhalb des Vorhangs, und so den Dienst tun; als einen geschenkten Dienst gebe ich euch das Priestertum.“

Zweierlei Dienst: am Altar und innerhalb des Vorhangs. Ich finde das so schön, denn die Priester im Alten Testament durften das gar nicht. Sie hatten keinen Dienst innerhalb des Vorhangs. Dieser Ort war für sie verboten. Nur der Hohepriester durfte das einmal im Jahr und nicht seine Söhne. Hier greift der Heilige Geist über den alttestamentlichen Dienst hinaus und zeigt uns durch diese Worte, was unser Dienst ist. Wir haben einen Dienst am Altar, an dem wir Schlachtopfer des Lobes Gott darbringen, und wir haben einen Dienst innerhalb des Vorhangs, denn wir dürfen mit unserer Anbetung in das Heiligtum hineingehen, in die heilige Gegenwart Gottes, um dort seine himmlische Gemeinschaft zu kennen und zu genießen. Das ist unser Vorrecht.

Drei Typen von Opfern

Man könnte sich damit sehr ausführlich beschäftigen, denn wenn ich über das Brandopfer gesprochen habe, dann muss ich hinzufügen, dass es drei Haupttypen der Opfer gibt, die zusammen das vollständige Werk des Herrn Jesus darstellen. Das Brandopfer mit seinem duftenden Wohlgeruch ist die Grundlage für unser Zusammenkommen. Aber das Sündopfer hat auch seine Bedeutung. Es ist das Blut des Sündopfers, das in das Heiligtum gebracht wurde, auf den Versöhnungsdeckel und vor den Versöhnungsdeckel gesprengt wurde, damit ein Weg ins Heiligtum gereinigt würde. Aufgrund des Blutes des Sündopfers können wir von dem irdischen Altar in das himmlische Heiligtum hineingehen durch diesen neuen und gereinigten Weg, sagt Hebräer 10,19. Dieser Weg ist also gereinigt durch das Sündopfer. Das dritte Opfer ist das Friedensopfer. Über das Friedensopfer spricht Paulus in 1. Korinther 10. Das Friedensopfer stützt sich auf das Brandopfer und das Sündopfer wie, bildlich gesprochen, in einem Dreieck. Das Besondere des Friedensopfers ist, dass das ganze Volk davon essen durfte. Das ist ganz wichtig, um das Mahl des Herrn zu verstehen.

Das Friedensopfer unterschied sich vom Brandopfer (das war ganz für Gott, keiner durfte davon essen, auch die Priester nicht) und vom Sündopfer (das Fett wurde auf den Altar gebracht und das Opfer selbst außerhalb des Lagers verbrannt). Wir haben es hier mit einem Mahlopfer zu tun. Es ist ein Opfer, dessen Fett auf den Altar kommt. 3. Mose 3 nennt dieses Fett „die Speise des HERRN“. Das heißt, es handelt sich um eine Mahlzeit, von der auch Gott seinen Teil bekommt. Das Fett ist „das Brot des HERRN“. Der Priester bekommt seinen Teil. Das Fleisch und das Übrige des Tieres konnte vom Volk gegessen werden. Dies ist eines der schönsten Bilder im Alten Testament der Mahlzeit, die wir aus dem Neuen Testament kennen. In 1. Korinther 10 bezieht sich Paulus direkt darauf, wenn er über das „Teilhaben am Altar“ spricht, über das Essen vom Altar.

Diese drei Opfer geben uns drei Aspekte des Werkes des Herrn Jesus. Wir haben in der Mitte unseres Zusammenkommens Ihn mit seinem wunderbaren Werk. Wir sehen im Brandopfer, wie Er sich ganz Gott geopfert hat zu einem duftenden Wohlgeruch. Im Sündopfer sehen wir, wie Er die Sünde weggenommen und einen Weg ins Heiligtum gereinigt hat. Im Friedensopfer sehen wir, dass das Werk des Herrn Jesus die Grundlage für die Gemeinschaft des Volkes Gottes miteinander und mit Gott ist. Gott isst davon, und wir essen davon. Hier geht es also nicht um seinen Namen, um seine persönliche Herrlichkeit, sondern um sein Werk. Alle drei Opfer sind direkt verbunden mit unserem Zusammenkommen.

Ich stelle mir das ganz einfach vor. Das Volk Gottes kommt zusammen, zwar später auch im Tempel. Wir sehen, als das Brandopfer gebracht wurde in Apostelgeschichte 3, wie die Apostel zum Tempel gingen. Das war eine Zusammenkunft. Wir sehen, wie sich das Volk um den Altar versammelt. Die Priester bringen das Brandopfer. Das brauchen wir nicht zu tun. Wir haben den ständigen Wohlgeruch dieses Brandopfers vor uns. Wir haben nur die Erinnerung an das einmal vollbrachte Brandopfer. Dann gehen die Priester hinein ins Heiligtum. Der Weg ins Heiligtum ist gereinigt durch das Sündopfer, einmal im Jahr am großen Versöhnungstag gebracht. Sie gehen hinein in die Gegenwart Gottes, sie betrachten die Schönheit der Bundeslade, ein herrliches Bild des Herrn Jesus. Sie bringen das Räucherwerk, ein Bild seiner persönlichen Herrlichkeit. Dann kommen alle Israeliten mit ihren Opfern. Sie möchten alle das Friedensopfer bringen. Ich glaube, in der Wüste musste jede Fleischmahlzeit den Charakter eines Friedensopfers haben. Sie brachten ihre Tiere zu Gott, brachten das Fett auf den Altar, gaben bestimmte gute Teile den Priestern, das andere durften sie essen. Dies geschah alles in Verbindung mit dem ehernen Altar am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft.

Diese Bildersprache ist so unendlich reich und hilft uns, die Grundsätze des Neuen Testamentes in ihrem wahren Lichte zu sehen. Was wären wir ohne diese Bildersprache, die wir ja Kinder sind, die ihre Bilder, Illustrationen, brauchen, um die Wahrheiten besser zu verstehen?

Der Altar ist der Tisch des Herrn

Der Altar im Alten Testament hatte einen besonderen Namen. Ich möchte jetzt mit euch zu Hesekiel gehen, um zu sehen, wie dieser Altar im Alten Testament genannt wird. Im Buch Hesekiel, Kapitel 41, lesen wir von dem Altar: „Der Altar war von Holz, drei Ellen hoch, und seine Länge zwei Ellen; und er hatte seine Ecken; und sein Gestell und seine Wände waren von Holz. Und er sprach zu mir: Das ist der Tisch, der vor dem HERRN steht“ (Hes 41,22). Die zweite Stelle ist in Kapitel 44, wo Gott von den Priestern sagt: „Sie sollen in mein Heiligtum kommen, und sie sollen meinem Tische nahen, um mir zu dienen, und sollen meiner Hut warten“ (Hes 44,16). An der dritten Stelle in Maleachi 1,7 muss Gott dem Volk Vorwürfe machen betreffs ihres Altardienstes: „Ihr bringelt unreines Brot auf meinem Altar dar und sprecht doch: Womit haben wir dich verunreinigt? Damit dass ihr sagt: Der Tisch des HERRN ist verächtlich.“ Das heißt, da können wir ruhig schlechte Opfer bringen, was haben wir mit dem Tisch des HERRN zu tun? Die vierte Stelle ist im selben Kapitel: „Ihr aber entweiht ihn, indem ihr sprecht: Der Tisch des Herrn ist verunreinigt, und sein Einkommen, seine Speise ist verächtlich“ (Mal 1,12).

Der alttestamentliche Hintergrund von 1. Korinther 10

Diese vier Schriftstellen machen uns klar, dass der Altar im Alten Testament „Tisch des Herrn“ genannt wurde. Das muss man wissen, sonst versteht man 1. Korinther 10 nicht. Denn der Apostel bezieht sich in diesem Abschnitt auf zwei Themen des Alten Testaments. Erstens: Der Name des Altars, „Tisch des Herrn“, indem er auch unseren Altar „Tisch des Herrn“ nennt. Zweitens bezieht er sich auf die Gewohnheit in Israel, Friedensopfer zu bringen, diese Gemeinschaftsopfer. Das Volk hatte Gemeinschaft miteinander, mit Gott und mit dem Altar. Mit diesen beiden Dingen im Gedächtnis wollen wir uns diesem Abschnitt zuwenden.

Das Problem mit den Fleischmahlzeiten in Korinth

Jetzt muss ich etwas sagen, was die Sache ein wenig schwieriger macht. Besser gesagt, ich mache es nicht schwierig, es ist schwierig. Denn der Apostel schreibt ja kein Theologiebuch, er gibt uns keine systematische Abhandlung über die Grundsätze des Zusammenkommens. Es gibt keine Silbe Theologie in der Schrift.

Theologie ist es nur, wenn wir die Wahrheiten ordnen, auf richtige oder falsche Weise. So kann die Bibel über sehr wichtige Grundsätze sprechen, in Zusammenhängen, die ganz andere Themen behandeln. Der Anlass zu dieser Auseinandersetzung war, dass die Gläubigen in Korinth Schwierigkeiten „mit der Metzgerei“ hatten. Wenn wir heute Fleisch kaufen wollen, dann gehen wir in die Metzgerei und machen uns keine weiteren Gedanken darüber. Damals gab es solche Metzgereien nicht. Es gab nur Metzgereien, die mit dem Götzentempel verbunden waren. Eigentlich genau wie in Israel. In der Wüste durfte man nur das Fleisch essen, das zuerst Gott geweiht war, dessen Fett auf den Altar gebracht wurde. In den heidnischen Ländern wurden alle Tiere den Götzen geopfert, und das Fleisch dieser Tiere wurde dann in den „Fleischhallen“, wie es in 1. Korinther heißt, verkauft. Wir haben das in Vers 25: „Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne zu untersuchen, um des Gewissens willen“ (1Kor 10,25). Der Fleischmarkt ist nicht die Metzgerei, wie wir sie kennen. Das war das Fleisch, das den Götzen geopfert worden war. Der Apostel sagt auf der einen Seite: Da braucht ihr euch keine Sorgen machen, ob das nun dem einen oder anderen Götzen geopfert wurde, ihr kauft es als Fleisch und esst es als Fleisch. Problematisch wird es, wenn man bei jemandem zu Besuch ist, und der sagt: „Das ist diesem oder jenen Götzen geopfert.“ Das dürft ihr nicht essen, denn sonst entsteht der Eindruck, dass ihr Gemeinschaft mit den Götzen habt. Ihr müsst auch nicht zu den Götzentempeln hingehen. Das war damals so miteinander verwoben, dass man leicht denken könnte: „Wenn ich Fleisch auf dem Fleischmarkt kaufen kann, warum kann ich nicht zur Opfermahlzeit in den Tempel gehen? Einen Schritt weiter, hinter dem Fleischmarkt, ist der Tempel, und in dem Tempel gibt es feierlich den Götzen geweihte Fleischmahlzeiten.“

Gemeinschaft mit Götzen

Aber da ist ein gewaltiger Unterschied. In den Tempel zu gehen, um an diesen Mahlzeiten teilzunehmen, bedeutete: direkte Gemeinschaft mit dem Altar, direkte Gemeinschaft mit den Götzen. Nun kann man sagen: „Was sind Götzen? Das sind Bilder aus Holz, Gold und Stein.“ Da sagt der Apostel: „Auf der einen Seite habt ihr Recht.“ 1. Korinther 10,19: „Was sage ich nun; dass das einem Götzen Geopferte etwas sei, oder dass ein Götzenbild etwas sei?“ Nein, an sich ist das nichts. So könnte ein Christ sagen: „Was macht mir das aus, die Götzen? Das sind nur Götzenbilder. Das bedeutet nichts, ich kann ruhig hineingehen.“ Nein, das geht nicht. Denn dass diese Götzenbilder nichts sind, ist nur die Hälfte der Wahrheit. Hinter diesen Götzenbildern stehen dämonische Mächte. Der „Erfolg“, wenn ich es so sagen darf, des Götzendienstes ist, dass dämonische Mächte darin eine große Rolle spielen. Diese Mächte haben die Menschen in der Hand. Wenn man mit diesem Götzenaltar Gemeinschaft hat, und das hat man, wenn man an diesen Opfermahlzeiten teilnimmt, dann hat man Gemeinschaft mit den Dämonen. Lesen wir Vers 21: „Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch“ – denn der Kelch solch einer Opfermahlzeit war der Kelch der Dämonen – „ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein“ – das ist der geistliche Altar bei den Zusammenkünften der Gläubigen und zu gleicher Zeit des Tisches der Dämonen, indem ihr an den Mahlzeiten der Götzen teilnehmt. Hier muss man entschieden für den Herrn sein.

Essen bedeutet Gemeinschaft

Um das klarzumachen, zeigt er, was Essen bedeutet. Essen bedeutet: Gemeinschaft mit den Teilnehmenden und Gemeinschaft mit dem Altar, dem Mittelpunkt dieser Mahlzeit. Das ist ein wichtiger Punkt. Heutzutage gibt es viele freie Kreise, die meinen, dass Gläubige, die am Brotbrechen teilnehmen, dieses nur auf eigene Verantwortung tun. Sie kennen nur die Wahrheiten von 1. Korinther 11. Hier lesen wir tatsächlich, dass ein jeder sich persönlich untersuchen muss und mit freiem Gewissen essen und trinken soll. Das ist die persönliche Verantwortung. Aber sie vergessen 1. Korinther 10. Hier haben wir die gemeinsame Verantwortung. Ich bin nicht allein. Ich hin mitverantwortlich für solche, mit denen ich Gemeinschaft habe. Ich muss wissen, mit wem ich Gemeinschaft habe. Denn es gibt eine Gemeinschaft aufgrund des Blutes des Herrn Jesus, die Gemeinschaft des Leibes Christi.

Heute haben wir ganz andere Probleme, aber das ändert nichts an den Grundsätzen Gottes. Der Anlass zu dieser Auseinandersetzung ist, wie gesagt, in 1. Korinther 10,14: „Flieht den Götzendienst. Ich rede als zu Verständigen; beurteilt ihr, was ich sage.“ Der Apostel sagt damit: Ihr seid doch keine Kinder, ihr könnt doch verstehen, dass, wenn man etwas tut, man mit den dahinterstehenden Dingen in Verbindung kommt.

Der Kelch und das Brot

Dann sagt er in Vers 16: „Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus?“ (1Kor 10,16). Wir haben im Mahl des Herrn den Kelch und das Brot. Erstaunlich ist, dass wir hier die umgekehrte Reihenfolge haben. Aber wir müssen bedenken, dass wir hier nicht den eigentlichen Ablauf dieser Mahlzeit haben, sondern die Grundsätze. Der Kelch spricht vom Blut des Herrn Jesus. Sein Blut, sein Werk, sein Opfer ist die Grundlage für alles. Dann kommt erst das Brot, die Gemeinschaft des Leibes des Christus.

Der Leib des Christus

In Kapitel 11 bedeutet „der Leib des Christus“ sein Körper: „Dies ist mein Leib; nehmt und esst; tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1Kor 11,24). Wir essen von dem Brot und denken dabei an seinen Leib, in welchem Er gelebt hat und gestorben ist, in welchem Er gelitten hat, in welchem Er unsere Sünden getragen hat.

Für den Ausdruck „Leib Christi“ gibt es im Neuen Testament noch eine ganz andere Bedeutung. Er ist die Bezeichnung für die Versammlung des lebendigen Gottes. In Vers 16 kann es durchaus beides bedeuten, aber im folgenden Vers handelt es sich um den „Leib Christi“ in der zweiten Bedeutung, die Versammlung Gottes, denn der Apostel gibt die Begründung an: „Denn ein Leib, ein Brot, sind wir.“ Hier spricht er nicht über den Körper des Herrn Jesus, er spricht über den geistlichen Leib des Herrn Jesus. Das ist die Versammlung. In 1. Korinther 12 geht er darauf noch ausführlicher ein.

Die Bedeutung von Brot und Kelch für den Ausdruck der Gemeinschaft

Zusammenfassend kann man sagen: Erstens, aufgrund des Blutes, seines vollbrachten Werkes, gibt es eine Gemeinschaft von Menschen, die erlöst sind durch dieses Blut, die die Vergebung der Sünden haben aufgrund dieses Blutes. Zweitens, diese Menschen bilden zusammen einen Leib, den Leib des Christus. In dem Brot sehen wir also zweierlei Leib. Wir sehen darin den Körper des Herrn Jesus, den Er am Kreuz geopfert hat, und auch den geistlichen Leib Christi. So wie dort ein Brot auf dem Tisch liegt, so bilden wir einen Leib. In dem einen Brot sehen wir unsere Einheit. Das Mahl des Herrn bedeutet nicht allein, dass ich mich mit seinem Werk, seinem Leiden, beschäftige. Es ist nicht eine persönliche Sache zwischen mir und meinem Herrn. Es ist auch eine Sache zwischen mir und meinen Mitgeschwistern. Wir sind zusammen eine Einheit, eine Gemeinschaft.

Die Gemeinschaft beim Friedensopfer

Der Apostel sagt uns: Wenn wir teilnehmen an dieser Mahlzeit am Tisch des Herrn, dann geht es um das Zusammenkommen des Volkes Gottes. Dann kommt dieser Vergleich mit Israel, über den ich schon gesprochen habe: „Sehet auf Israel nach dem Fleische. Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar?“ Dieses „Schlachtopfer essen“ kann sich nur auf das Friedensopfer beziehen, denn nur davon durfte das ganze Volk essen. Das Friedensopfer brachte sie in Verbindung mit dem Altar. Essen vom Friedensopfer bedeutete Gemeinschaft haben mit dem Altar. Darum lesen wir auch in 3. Mose 7, wo wir das Gesetz des Friedensopfers haben, dass man bestimmten Kriterien genügen musste. Da gab es gewisse Maßstäbe. Nicht jeder durfte davon essen. Um daran teilnehmen zu können, musste man zum Volk Gottes gehören und durfte nicht verunreinigt sein. (In 3. Mose 3 haben wir ein ganzes Kapitel über das Friedensopfer, aber da handelt es sich um das eigentliche Opfer, um die Speise des HERRN.) In 3. Mose 7,11-21 haben wir das Gesetz des Friedensopfers. Da geht es vielmehr um das Volk, das das Opfer brachte. Das ist genau, was wir in Hebräer 13 gefunden haben. Wenn wir zusammen sind am Tisch des Herrn, sind wir dort als Priester, um Schlachtopfer des Lobes darzubringen. Die wichtigste Bedingung haben wir in 3. Mose 7,21: „Und wenn eine Seele irgendetwas Unreines anrührt, die Unreinigkeit eines Menschen oder ein unreines Vieh oder irgendein unreines Scheusal, und sie isst von dem Fleische des Friedensopfers, das dem HERRN gehört; selbige Seele soll ausgerottet werden aus ihren Völkern.“ Hier muss das Volk entscheiden oder die Führer des Volkes, ob da solche waren, die unrein waren. Sie mussten ausgerottet werden, wenn sie am Friedensopfer teilnahmen. In der geistlichen Sprache des Neuen Testamentes bedeutet das, dass sie aus der Gemeinschaft des Volkes Gottes ausgeschlossen werden müssen.

Absonderung vom Bösen in drei Richtungen

Das Neue Testament sagt uns auch, wie wir uns verunreinigen können:

  • 1. Korinther 5: „Moralische Bosheit im persönlichen Leben“,
  • Galater 5: „Grundsätzliche Irrlehre“.

Diese durften nicht teilnehmen, sie mussten ausgeschlossen werden. Darum kann eine Versammlung nicht ohne Zucht auskommen. 1. Korinther 10 in Verbindung mit dem Gesetz des Friedensopfers in 3. Mose zeigt uns, dass man nicht zu gleicher Zeit Gemeinschaft mit Gläubigen und mit dem Bösen haben kann. 1. Korinther 10 ist ein ganz gezieltes Beispiel: Gemeinschaft haben mit Götzenmahlzeiten. Mit solchen Mahlzeiten haben wir nichts zu tun, aber wir können auf viele andere Arten verunreinigt werden.

Wir können sogar indirekt verunreinigt werden, indem wir vielleicht nicht persönlich in solche Bosheit gefallen sind, aber doch Gemeinschaft haben mit solchen, die in dieser Bosheit leben. Der 2. Johannesbrief zeigt uns, dass, wenn wir Gemeinschaft haben mit einem Bösen, das heißt mit einem, der sich als Christ benimmt, aber die Lehre des Christus nicht bringt, dann haben wir auch Gemeinschaft mit seinen Werken, mit seiner bösen Lehre in diesem Fall.

Auch als Gläubige können wir also durch diese drei Dinge eine Verhinderung sein, Gemeinschaft zu haben am Tisch des Herrn.

Die drei Richtungen im Alten Testament

In 4. Mose 5,1-3 lesen wir von diesen drei Gruppen, die nicht inmitten des Volkes bleiben durften: „Der HERR redete zu Mose und sprach: Gebiete den Kindern Israel, dass sie alle Aussätzigen, alle Flüssigen und alle wegen einer Leiche Verunreinigten aus dem Lager hinaustun; sowohl Mann als Frau sollt ihr hinaustun, vor das Lager sollt ihr sie hinaustun, damit sie nicht ihre Lager verunreinigen, in deren Mitte ich wohne.“ 

  • Aussätzige sind gekennzeichnet durch den persönlichen Ausbruch der Sünde, die in uns ist.
  • Flüssige sind solche, die durch das, was aus ihnen hervorgeht, andere verunreinigen (z.B. falsche Lehre).
  • Mit einer Leiche Verunreinigte sind durch die Verbindung mit dem Tod verunreinigt.

Das sind genau diese drei Gruppen im Neuen Testament, die ich zuvor erwähnt habe. Wenn Gläubige an solchen Götzenmahlzeiten teilnahmen, obwohl der Apostel das hier nicht sagt, denn hier ist es nur eine Warnung, bedeutete das eine böse Verbindung. Wenn sie das nicht verurteilen wollten, dann mussten sie aus der Mitte des Lagers (der Versammlung) hinweggetan werden. Sie konnten nicht mehr an dem „Tisch des Herrn“ teilnehmen. Damit, liebe Geschwister, wird ganz deutlich, und es ist ganz einfach, woran wir den „Tisch des Herrn“ erkennen können.

Es gibt Bedingungen, um den „Tisch des Herrn“ zu haben

Ich habe gestern gesagt, man kann wohl behaupten, im Namen des Herrn Jesus zusammenzukommen, aber es gibt Kriterien in der Schrift, nach denen man das beurteilen kann. Wenn wir diesen nicht genügen, dann stimmt etwas nicht. Das Bekenntnis an sich sagt nichts, und das gilt für uns alle, ohne Ausnahme. Wenn wir etwas behaupten, dann müssen wir in der Schrift nachweisen können, dass wir tatsächlich im Namen des Herrn Jesus zusammenkommen, dann dürfen wir auch nichts tun, was mit dieser Grundlage in Widerspruch steht.

Wo finden wir Gläubige, die sich am „Tisch des Herrn“ versammeln? Es gibt solche, die das ganz gerne in den Mund nehmen, ich gehöre selbst auch dazu. Ich glaube, dass ich durch die Gnade Gottes sagen kann, dass ich mit Kindern Gottes zusammenkomme an dem „Tisch des Herrn“. Wenn ich das nicht glauben würde, dann sollte ich da weggehen, um andere zu finden, die es tun. Wenn ich so etwas behaupte, ist meine Behauptung nicht ausreichend. Ich muss in der Schrift nachweisen können, warum ich das meine und dass so viele andere Christen, zum Teil ganz liebe Kinder Gottes, nach meiner festen Überzeugung nicht an dem „Tisch des Herrn“ zusammenkommen.

1. Bedingung: Zucht

Im Gesetz des Friedensopfers haben wir die erste Bedingung gefunden: Es muss Zucht vorhanden sein, wodurch alle, die nach der Schrift an diesen Mahlzeiten nicht teilnehmen dürfen, abgelehnt werden. Das betrifft natürlich Ungläubige. Aber es betrifft auch solche, die bekennen, Christen zu sein, die aber in moralischer Bosheit, böser Irrlehre oder bewusster gleichgültiger Verbindung mit dieser Bosheit leben. Das Erste ist also die Absonderung vom Bösen, praktische Zucht, wodurch wir dieses Böse fernhalten.

2. Bedingung: Keine Sekte

Die zweite Bedingung ist, dass wir nicht zu weit in die andere Richtung gehen. Wir müssen solche ablehnen, die in der Bosheit leben. Aber wir dürfen nicht solche ablehnen, die nicht in der Bosheit leben, wenn sie auch nicht in allen Dingen so denken wie wir. Wenn wir uns danach sehnen, mit einer Gruppe von Christen zusammenzukommen, die genau so denken wie wir, dann haben wir eine schöne Sekte gebaut. Eine Sekte ist in der Schrift eine Partei mit eigenen Lehrsätzen und Lehrern. Die Anhänger folgen gewissen Personen nach, dessen Wort alle Autorität hat. Damit gehen wir zu weit. Man soll sich absondern vom Bösen, aber wir dürfen uns nicht absondern vom Guten. Es geht um Irrlehre, die die Grundlage des Christentums angreift. Aber wir dürfen keine Sekte werden, denn am „Tisch des Herrn“ geht es um die Gemeinschaft des Leibes des Christus. 

Liebe Freunde, alles, was geringer ist als der Leib Christi, ist eine Sekte! Was über den Leib Christi hinausgeht, da wird Bosheit zugelassen. Wir wollen nicht zu weit gehen, wir wollen aber auch nicht zu eng sein. Eine Sekte ist, eine Gruppe bilden zu wollen mit Kriterien, die strenger sind als der Leib Christi. Da möchte ich nicht sein. Der „Tisch des Herrn“ ist nämlich der Ausdruck der Einheit des ganzen Leibes. Ich möchte nur dort sein, wo Gläubige sich versammeln auf einer Grundlage, wo alle wahren Kinder Gottes willkommen sind, was sie auch über sekundäre Punkte der Schrift denken mögen. Es wäre natürlich schöner, wenn sie alle so denken würden wie ich. Aber ich bin kein Maßstab. Wir können uns selbst nicht als Maßstab machen für andere. Wenn es wahre Kinder Gottes sind, dann müssen sie willkommen sein, sonst sind wir eine Sekte.

Wie gesagt, auf einer solchen Grundlage finde ich vielleicht nur „zwei oder drei“. Dort habe ich hinzugehen. Den Leib kann ich auch dort nicht sehen, wenn Gläubige wissen, dass in einer Stadt schon solche auf dieser Grundlage zusammenkommen, und die auch anerkannt haben, dass das schriftgemäß ist. Wenn sie trotzdem in Unabhängigkeit ihren eigenen Weg gehen, aus welchen Gründen auch immer, ist das nicht „die Einheit des Leibes“. Denn wenn ich mich so abgesondert habe, dann habe ich die Pflicht, mich mit denen zu vereinigen, die auf der Grundlage des einen Leibes stehen. Heute sehen wir, dass viele aus den Kirchen austreten, wo öffentlich Bosheit zugelassen wird. Sie haben das unterschieden, darüber freuen wir uns, und dann wollen sie sich unabhängig von anderen, die auf derselben Grundlage stehen, versammeln. Sie suchen aber nicht die „Einheit des Leibes“, sie bilden einfach eine neue Sekte. Hier geht es ganz klar um die Ablehnung des Bösen auf der einen Seite. Andererseits haben wir es mit der Gemeinschaft des ganzen Leibes Christi zu tun. Alles, was weniger ist als das, ist eine Sekte. Eine Sekte bedeutet nicht, dass dort Irrlehren vorherrschen müssen. Die Pharisäer betrachteten sich selbst als sehr orthodox, und trotzdem waren sie eine Sekte. Die Schrift sagt das in der Apostelgeschichte an verschiedenen Stellen. Eine Sekte ist eine Partei innerhalb einer größeren Religionsgemeinschaft, eine Partei, die sich auch ganz deutlich als Partei behaupten möchte, indem sie sich durch bestimmte Kriterien von anderen absetzt. Nur solche, die mit diesen Ansichten einverstanden sind, können zugelassen werden. Das wollen wir nicht. Wir wollen uns mit allen wahren Kindern Gottes versammeln, die sich von der Bosheit getrennt haben und nur in aller Einfalt dem Herrn dienen möchten.

3. Bedingung: Die Autorität des Herrn

Vielleicht kann ich noch ein drittes Merkmal nennen. Es ist der „Tisch des Herrn“. Jetzt kann man sagen: „Das ist der Ausdruck aus dem Allen Testament. Da hieß es ja der Tisch des Herrn.“ Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Wenn es um den Herrn geht im Neuen Testament, dann haben wir es mit dem Herrn Jesus zu tun, gesehen in seiner Autorität. Es ist nicht nur der Tisch des Christus, Er wird nicht in dieser Qualität gesehen. Er wird hier als der „Herr“ gesehen. Als „Herr“ haben wir es mit seiner Autorität zu tun. Sein Name beinhaltet nicht nur seine Herrlichkeit, sondern seine Autorität. Der Tisch des Herrn kann nur dort gefunden werden, wo der Herr auch tatsächlich alle Autorität hat. Dort finde ich den Tisch des Herrn, wo ich Gläubige finde, die nicht nur den ersten beiden Bedingungen genügen, sondern die auch nach der Autorität des Herrn fragen, sich der Autorität seines Wortes ganz unterwerfen und Ihm auch ganz praktisch die Leitung ihrer Zusammenkünfte geben. Ich denke da an die Anbetungsstunde. Wie wichtig es ist, dass Er durch seinen Geist in unseren Herzen wirken kann, was Er will. Wir haben das in Hebräer 13, wo wir ermuntert werden, Gott unsere „Schlachtopfer des Lobes“ darzubringen, aber da heißt es: „durch ihn“. Ich habe gelesen aus 1. Petrus 2, dass wir unsere geistlichen Opfer Gott darbringen, die Gott wohlannehmlich sind durch Jesus Christus. Er ist dort, Er hat die Führung, Er singt, Er stimmt den Lohgesang an in Hebräer 2. Er ist in Hebräer 8 der Diener des Heiligtums und der wahren Hütte. Er führt den Dienst aus, Er ist nicht nur der Mittelpunkt unserer Zusammenkunft. Wir tun den Dienst nur in Ihm. Was nicht unter seiner Führung geschieht, kann Gott nicht wohlgefällig sein, denn für Gott gibt es nur einen Menschen, das ist Christus. Was wir sind, sind wir nur in Christus. Nur das, was von uns in Christus ist, und was durch Christus geschieht, hat für Gott Wert.

Zusammenfassung: Wo ist der Tisch des Herrn?

Wo finden wir also den „Tisch des Herrn“? Dort, wo auf der einen Seite alle abgelehnt werden, die nicht zum „Leib“ gehören oder sich durch ihre Sünden praktisch selbst ausschließen, und wo zweitens auf der anderen Seite alle wahren Kinder Gottes willkommen sind; wo drittens die Autorität des Herrn anerkannt wird und wo man sich von Ihm leiten lässt, wenn auch in Schwachheit. Wir können alle auch in dieser Hinsicht versagen oder in Sünde fallen, aber wir sollen es bekennen, wir sollen diese Dinge wegtun, wir sollen immer wieder neu in seiner Kraft vorangehen. Das ist der„Tisch des Herrn“. Diesen Platz hat Gott uns auch heutzutage gelassen, wo wir des Herrn Tisches teilhaftig sein dürfen, wo wir Gemeinschaft haben mit diesem geistlichen Altar (der Tisch ist natürlich nicht der hölzerne Tisch, der zwischen den Gläubigen steht, es ist ein geistlicher Ort, so wie alles im Christentum, was wirklich Bedeutung hat, geistlicher Natur ist). Da möchte ich sein, und ich hoffe, dass es hier viele gibt, die diesen Wunsch haben oder die das schon längst tun dürfen. Sie haben vielleicht wieder neu gesehen, was das für ein Platz ist, welche Vorrechte damit verbunden sind, aber auch welche hohe Verantwortung das bedeutet. Möge der Herr uns Gnade schenken, dass wir uns alle nach dieser Verantwortung verhalten mögen.


Dieser Artikel ist ein Vortrag aus dem Jahr 1985.

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