Anbetungsstunde eine Jubelfeier?
... oder ist das Brotbrechen eine Trauerstunde?

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© SoundWords, online seit: 06.03.2003, aktualisiert: 14.09.2018

Leitvers: Psalm 43,4

Ps 43,4: So werde ich kommen zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Jubelfreude ist, und ich werde dich preisen mit der Laute, Gott, mein Gott!

Einleitung

Bestandsaufnahme: Kennst du in deiner Gemeinde eine Stunde, in der man Gott lobt, Gott die Ehre gibt und einfach zum Ausdruck bringt, dass alles in Gott herrlich und großartig ist?

Kennst du etwas – persönlich und in der Gemeinde – davon, wovon die Psalmen nicht schweigen können? Es war für jeden Israeliten Pflicht, zum Haus Gottes zu kommen und seine Opfer Gott darzubringen. Aber wie kamen diese Menschen zum Haus Gottes, wie kamen sie zu dem Ort, wo das Opfer im Mittelpunkt stand, wo jahrhundertelang auf das eine Opfer – Jesus Christus – hingewiesen wurde? Nun, Psalm 42,4 sagt: „… wie ich einherzog in der Schar, mit ihnen wallte zum Hause Gottes, mit der Stimme des Jubels und des Lobes – eine feiernde Menge.“ In Psalm 43,4 heißt es: „So werde ich kommen zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Jubelfreude ist, und ich werde dich preisen mit der Laute, Gott, mein Gott!“ Darf ich fragen, ob wir uns wohl in diesen Versen wiederfinden? Kommen wir als feiernde Menge zusammen, um dem „Gott unserer Jubelfreude“ am „Altar Gottes“ unsere Opfer des Lobes und Dankes anzubieten (Heb 13)? Kennen wir wohl etwas von der Jubelfreude? Oder müssen wir uns hier wieder ganz neu besinnen, dass wir viel mehr Grund dazu haben, eine feiernde und jubelnde Gemeinde zu sein, wo wir doch die Wirklichkeit des Opfers – in Jesus Christus – vor uns haben?

Definition des Wortes Jubel

Unter Jubel können wir die tiefe Freude im Herzen über Gott und das, was Er getan hat, verstehen, was gleichzeitig auch nach außen hin sichtbar/hörbar wird z.B. in unseren Liedern, Gebeten und im Äußern von Gedanken über bestimmte Bibelstellen. Mit anderen Worten: Wenn unsere Freude echt ist, dann darf man das auch in unserem Verhalten sehen. Manche möchten den Jubel nur auf innere Gefühle beschränken und andere wieder übertreiben das, was nach außen sichtbar wird, so sehr, dass oft der Inhalt, das eigentliche Wesen, um das es geht, auf der Strecke bleibt. Der Herr Jesus „frohlockte im Geiste“ und daraufhin lobte Er den Vater: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels …“ (Lk 10,21). Apostelgeschichte 2,26 zitiert David: „Darum freute sich mein Herz, und meine Zunge frohlockte; ja, auch mein Fleisch wird in Hoffnung ruhen.“ Eine innerliche, tief empfundene Freude sucht sich den Weg nach außen, möchte sich mitteilen.

Jubel beim Brotbrechen?

Wenn wir gerade zum Brotbrechen, zur Verkündigung des Todes des Herrn zusammenkommen [alttestamentlich gesprochen: wenn wir zum „Altar Gottes“ kommen! (Ps 43,4)], ist das dann so, wie in Psalm 45,15, dass wir „unter Freude und Jubel“ geführt werden und „einziehen in den Palast des Königs“? Wir dürfen verwirklichen, was Psalm 95,1 sagt: „Kommet, lasset uns dem HERRN zujubeln, lasset uns zujauchzen dem Felsen unseres Heils!“ – Da ist Freude, Freude über das gewaltige Heil und über den noch größeren Heiland.

Der Gegenstand des Jubels für einen Israeliten war immer Gott; sie jubelten über das Heil und die vielfältigen Errettungen aus Bedrängnissen (Ps 95,1; 107,31); sie jubelten über die Werke Gottes auf Erden (Ps 92,4); sie beteten an über den Gedanken, dass sie sein Volk und die Herde seiner Hand waren (Ps 95,6.7); sie jubelten über die Gerechtigkeit Gottes und über seine große Güte (Ps 145,7). In der frühen Christenheit haben Psalmen eine nicht geringe Rolle gespielt, wie uns Epheser 5,19, Kolosser 3,16, Jakobus 5,13 und 1. Korinther 14,26 zeigen. (Nebenbei: Die meisten AT-Zitate im Neuen Testament sind aus dem Buch der Psalmen.)

Besonders sprechen uns da die Stellen aus dem Epheser- und Kolosserbrief an:

  • Eph 5,19: … redend zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, singend und spielend dem Herrn in eurem Herzen …

  • Kol 3,16: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehret und ermahnet mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.

Allerdings sind sich die Ausleger nicht ganz einig in der Frage, ob es sich in diesen Stellen um die alttestamentlichen Psalmen oder um neue christliche Psalmen handelte. Wie dem auch sei, die neuen christlichen Psalmen werden sicherlich nicht weniger Jubel ausgedrückt haben als die alttestamentlichen, weil wir hinter Golgatha stehen und den kennen, der sich dort freiwillig für uns geopfert hat. Zudem hat Gott uns noch weitaus mehr beschenkt, so dass es in Epheser 1,3 heißt: „Er hat gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt.“

Die Computerkonkordanz weist über vierzig Vorkommen des Wortes „Jubel“ in den Psalmen aus (das sind fast fünfzig Prozent gegenüber dem Vorkommen des Wortes „Jubel“ im ganzen AT). So haben auch Christen heute nicht weniger Grund, mit Jubel vor das Angesicht Gottes zu kommen, wie es in Psalm 68,3 heißt: „Aber freuen werden sich die Gerechten, sie werden frohlocken vor dem Angesicht Gottes und jubeln in Freude.“

Wir dürfen also jubeln über unsere Errettung, wir dürfen dafür danken, dass wir nun Gottes Kinder geworden sind, dass wir nicht nur die „Herde seiner Hand“ (Ps 95,6.7) sind, sondern auserwählt und passend gemacht für die Gegenwart des Vaters (Kol 1,12). Wir beten an über die Liebe, mit der wir geliebt werden, indem wir durch Christus der Gegenstand der Liebe des Vaters geworden sind. Gibt es etwas Großartigeres, worüber wir zur Anbetung kommen könnten? Der Herr Jesus sagt in Johannes 17,23: „Du hast sie geliebt, gleichwie du mich geliebt hast.“ Das ist gewaltig! Aber wenn wir wissen wollen, was noch größer ist als diese Liebe des Vaters zu seinen Kindern, dann müssen wir unsere Blicke von uns wegwenden und auf die Liebe des Vaters zu seinem Sohn sehen. Wir dürfen also für alles danken und jubeln, was Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat. Aber so wie das Jubeln der Israeliten auf dem Weg zum Haus Gottes, auf dem Weg zum „Altar Gottes“ nicht das eigentliche Ziel war, so sollte auch der Jubel in unseren Zusammenkünften zum Brotbrechen nicht das Ziel sein. Ziel und Mittelpunkt muss die Person und das Opfer Jesu Christi sein. In 1. Korinther 10 wird das Brotbrechen (dargestellt im Tisch des Herrn) mit dem Altar im Alten Testament in Verbindung gebracht. Auf dem Tisch stehen Brot und Wein, die uns daran erinnern, dass Christus gestorben ist – Blut getrennt vom Leib bedeutet nichts anderes als Tod. Und 1. Korinther 11,26 sagt uns, dass wir genau diesen Tod jedes Mal verkündigen, wenn wir Brot und Kelch unter uns teilen. Dazu kommen wir zu seinem Gedächtnis zusammen (1Kor 11,24.25). Wir denken also an seine Person.

Der Kelch des Lobpreises

Den Kelch, den wir unter uns teilen, wird übrigens in 1. Korinther 10,16 auch „der Kelch der Segnung, den wir segnen“ genannt. Der Kelch symbolisiert das vergossene Blut des Herrn und es wird auch das Blut des Neuen Bundes genannt (Mt 26,28). Aufgrund dieses Blutes sind wir in eine völlig neue Beziehung zu Gott eingetreten. Außerdem sind wir in Gemeinschaft gekommen mit all denen, die mit dem Mittler dieses Neuen Bundes, Christus, verbunden sind. Wenn wir von diesem Kelch trinken, drücken wir damit „die Gemeinschaft des Blutes des Christus“ aus (1Kor 10,16). Das heißt, wir erinnern uns mit Freuden an jede Segnung, die sein für uns vergossenes Blut gebracht hat. Gleichzeitig ist das Blut auch die Grundlage der Gemeinschaft der Kinder Gottes. Wir sind eine Gesellschaft von Anbetern geworden, die Gott loben für das Opfer seines Sohnes. Denn die Worte von Vers 16a könnten auch wie folgt wiedergegeben werden: „der Kelch des Lobpreisens, wofür wir loben“. Den Grund unseres Lobpreises finden wir in dem Tod Jesu Christi, wovon das vergossene Blut spricht und worauf der Kelch hindeutet. Der Wein – in der Schrift ein Bild der Freude –, den wir jetzt trinken dürfen, erinnert uns wieder neu an die einzigartige Grundlage für unseren Jubel aber auch an die Segnungen, über die wir jubeln. Hier schließt sich der Kreis. Wir kommen mit Jubel zum Altar, aber gehen auch mit Jubel wieder weg.

Die Opfer im AT

Wenn das Opfer und die Person Jesu Christi der Mittelpunkt und das Ziel ist, wenn wir zusammenkommen, um als „heilige Priester“ unsere „geistlichen Schlachtopfer“ (1Pet 3), unsere „Opfer des Lobes“ (Heb 13) darzubringen, dann werden unsere Blicke nicht an den Opfern im Alten Bund vorbeigehen und an der Tatsache, welche Opfer Gott ein – darf ich mal das altmodische Wort gebrauchen? – lieblicher Wohlgeruch (3Mo 1,9) waren. Jedes Opfer stellt eine besondere Seite des Herrn Jesus dar, und wir tun gut daran, uns intensiv damit zu beschäftigen, damit wir erkennen, dass wir Gott unseren Vater im höchsten Maße eine Freude bereiten, wenn wir Ihm die Herrlichkeiten und Vollkommenheiten seines eigenen Sohnes bringen.

Das Passah der Freude

Hier erinnern wir uns auch daran, dass der Herr Jesus, als Er mit seinen Jünger das letzte Passah feierte, den Gedanken des Kelches einführt, der darauf hinweist, dass mit dem Passah nach Gottes Gedanken auch die Freude, wovon der Wein spricht, verbunden sein soll. Für die Juden ist das der Genuss der Segnungen im tausendjährigen Friedensreich. Damit steht auch der Jubel in Verbindung, den wir in den Psalmen gefunden haben. Der Hauptgedanke ist hier, dass Gott einen Plan hatte, um ein Volk aus allen anderen Völkern herauszunehmen, für sich selbst, einerseits, damit Er es ganz zu seiner Freude haben könnte, und andererseits, damit Er dieses Volk zur vollen Freude, zum Glück und zum Jubel führen könnte.

Was lernen wir daraus?

Vielleicht müssen wir wieder neu lernen zu jubeln, uns zu freuen – eine feiernde Menge zu sein, wie Psalm 42 es ausdrückte –, vielleicht kommt dies in vielen Gemeinden zu kurz, vielleicht hat man diese Freude und diesen Jubel auch unterdrückt mit dem Argument: Das ist nicht die höchste Form der Anbetung. Das mag zwar stimmen, aber es ist eine ausgezeichnete Vorbereitung, um dann die Blicke allein auf das Opfer des Herrn Jesus zu richten. Denke immer daran: Jubel ist auf dem Weg, um ein Ziel zu erreichen, der Jubel selbst ist nie das Ziel oder der Mittelpunkt! Wenn wir z.B. in der Woche überwiegend mit irdischen Dingen, die an sich nicht verkehrt sein mögen, zugebracht haben oder vielleicht am Sonntagmorgen auf dem Weg zur Zusammenkunft zum Brotbrechen noch mit den Kindern oder dem Ehepartner Streit hatten, dann kommen wir jedenfalls nicht als feiernde und jubelnde Christen am Tisch (Altar) des Herrn an.

Vielleicht gehörst du aber auch zu einer Gemeinde, wo man laut jubelt und überschwänglich feiert; dann bedenke, dass Jubel allein noch kein Zeichen von geistlicher Kraft ist (siehe 1Sam 4,5-11). Wenn man nur noch jubelt und am Ende nur noch sich selbst feiert, dann lass dich ermahnen, lenke deine Blicke von dir weg auf das Opfer und die Person Jesu Christi und stelle sein Opfer, seine Herrlichkeiten, seine Vollkommenheiten, seine Leiden, seinen Tod (den du beim Brotbrechen verkündigst) wieder in das Zentrum deines Gottesdienstes, denn das allein wird dem Vater eine große Freude bereiten. Denke immer daran: Gott ist nicht von dir begeistert, sondern von seinem Sohn! Letztendlich geht es nur um Christus, was Johannes mit den Worten ausdrückte: „Er muss wachsen, ich aber abnehmen.“ Auch dir gilt, wie oben gesagt: Denke immer daran: Jubel ist auf dem Weg, um ein Ziel zu erreichen, der Jubel ist nie das Ziel oder Mittelpunkt!

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