Ein Missionar zum Thema „Der Zehnte“
Hebräer 13,16; Maleachi 3,10; 2. Korinther 9,6-8

Cor Bruins

© EPV, online seit: 20.02.2005, aktualisiert: 03.08.2016

Leitverse: Hebräer 13,16; Maleachi 3,10; 2. Korinther 9,6-9

Heb 13,16: Des Wohltuns aber und Mitteilens vergesset nicht, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.

Mal 3,10: Bringet den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, auf dass Speise in meinem Hause sei; und prüfet mich doch dadurch, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels auftun und euch Segen ausgießen werde bis zum Übermaß.

2Kor 9,6-8: Wer sparsam sät [gibt], wird auch sparsam ernten. Ein jeder, wie er sich in seinem Herzen vorsetzt: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber ist mächtig, jede Gnade gegen euch überströmen zu lassen, auf dass ihr in allem, allezeit alle Genüge habend, überströmend seid zu jedem guten Werke.

„Dem Herrn geben“ ist ein Thema, das wir in Verbindung mit Selbstbeherrschung nicht übergehen sollten. „Des Wohltuns aber und Mitteilens vergesset nicht, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen“ (Heb 13,16). Die erste Frage ist nicht so sehr, wie viel wir geben, sondern wie viel wir für uns selbst zurückbehalten. Wie viel geben wir tatsächlich für das Werk des Herrn und für die Nöte und Bedürfnisse um uns her? Früher dachte ich, dass ich den „Zehnten“ geben müsste. In Maleachi 3,10 steht ja ausdrücklich: „Bringet den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, auf dass Speise in meinem Hause sei; und prüfet mich doch dadurch, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels auftun und euch Segen ausgießen werde bis zum Übermaß.“

Nun höre ich sofort jemand sagen: „Ja, aber wir sind doch nicht mehr unter Gesetz, der Zehnte gehörte zum Gesetz!“ Völlig richtig, und ich bin ganz einig damit, aber darf ich dir, bevor wir fortfahren, eine Frage stellen? Nun, da wir glücklicherweise nicht mehr durch das Gesetz daran gehindert werden, freimütig und freudig geben zu können, geben wir nun in Wirklichkeit mehr oder weniger als den Zehnten unseres Einkommens? Ist die Tatsache, dass wir nun nicht mehr unter Gesetz stehen, für uns eher eine Entschuldigung, weniger zu geben, als eine Gelegenheit, mehr zu geben? Es ist nicht mehr eine Frage des Müssens, sondern des Dürfens. Wir dürfen nun so viel geben, wie unser Herz uns eingibt, und denken dabei immer an das, was Paulus schreibt: „Wer sparsam sät [gibt], wird auch sparsam ernten. Ein jeder, wie er sich in seinem Herzen vorsetzt: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber ist mächtig, jede Gnade gegen euch überströmen zu lassen, auf dass ihr in allem, allezeit alle Genüge habend, überströmend seid zu jedem guten Werke“ (2Kor 9,6-8).

Angenommen, dass jemand von uns 2000 € monatlich netto verdient. Gehen davon von vornherein mindestens 200 € für den Herrn ab? Und wenn wir darauf nicht mit „ja“ antworten können, meinst du dann nicht, dass das anders werden muss? In gewisser Hinsicht wäre es gut, wenn wir für uns selbst die Gewohnheit hätten, fest damit zu beginnen, einen Zehnten unseres Einkommens „für den Herrn“ beiseitezulegen und dann im Weiteren unsere linke Hand nicht wissen zu lassen, was unsere rechte Hand außerdem noch an Wohltätigkeit tut! Das Werk Gottes würde dann nicht durch Geldmangel gehindert werden.

Vor ungefähr dreißig Jahren machte ich in einer sehr armen Gegend irgendwo in England Hausbesuche. Nachdem ich mit einer armen Frau über die Liebe des Heilandes gesprochen hatte, wollte ich das Haus wieder verlassen. Doch es war, als ob eine Stimme in mir sagte: „Gib ihr, was du in deinem Portemonnaie hast.“ Das war genau ein Gulden und 25 Cent, alles, was ich in dieser Welt besaß. Aber der Herr sagte, dass ich diesen ganzen Betrag geben sollte, und Er gab mir die Gnade zu gehorchen. Natürlich sorgte der Herr für meine Bedürfnisse, doch ich musste lernen, dass nicht nur die Zehnten Ihm gehören, sondern dass alles Sein ist.

Später, im Jahr 1952, wohnte ich in einer Pension in London. Das kostete mich pro Woche damals 22,50 Gulden. Einmal geschah es, dass ich das Geld nicht hatte, aber es war wohl genügend in meiner Dose, in der ich den „Zehnten für den Herrn“ aufbewahrte. Der Herr hat mir damals wieder zeigen müssen, dass alles Ihm gehörte: mein Mangel und mein „Genug“ in diesem Döschen. Nicht nur die Zehnten gehören Ihm, sondern alles, was ich bin und besitze. Er gab mir dieses eine Mal Frieden und Freimütigkeit, von Seinem Zehnten meine Miete zu bezahlen, und ich habe da die Lektion verstanden.

Es gab noch eine andere Lektion, die ich damals grundsätzlich habe lernen müssen. Es war eigentlich unverständlich für mich, dass ich meine Pension nicht bezahlen konnte und dass ich doch sicher wusste, dass mein Weg nach dem Willen des Herrn war. Wie war das möglich: nach dem Willen des Herrn wandeln und Mangel leiden? In der Bibel steht doch deutlich: „Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christo Jesu“ (Phil 4,19). Ich brachte daher auch diese Verheißung und noch andere, wie z.B. Matthäus 6,33, vor den Herrn. Dann las ich auch die Verse 11 und 12 in Philipper 4: „Denn ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen. Ich weiß sowohl erniedrigt zu sein, als ich weiß Überfluss zu haben; in jedem und in allem bin ich unterwiesen, sowohl satt zu sein als zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als Mangel zu leiden.“ Das hatte ich noch nie gesehen. Paulus, der große Diener Gottes, von dem Herrn in Seinen Dienst berufen, musste doch „Hunger leiden“ und „Mangel leiden“? Warum? Da sah ich es auch für mich, dass ich lernen musste, „worin ich bin, mich zu begnügen“. Es bedeutet also nicht, dass ich, weil ich genug habe und Überfluss habe, automatisch in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes sein muss. Aber auch umgekehrt: Wenn ich Mangel habe, bedeutet das nicht ohne Weiteres, dass ich nicht in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes bin. Das Wichtigste ist, dass ich weiß, dass Er in allen nur möglichen Umständen bei mir ist, und dann bin ich zufrieden und habe Ruhe.

Wieder später war ich auf einer Konferenz. Jemand hatte mir gerade hundert Gulden gegeben. Ich traf „zufällig“ einen Bruder, der für den Herrn arbeitete. Der Herr sagte zu mir: „Gib ihm die hundert Gulden; er hat sie nötig.“ So wechselten die hundert Gulden innerhalb einer halben Stunde zum zweiten Mal den Besitzer. Am folgenden Tag gab der Herr mir stattdessen mehr als zehnmal so viel.

Wir müssen jeden Tag wieder mit der Nase darauf gestoßen werden, dass wir nichts unser Eigentum nennen können, weder auf geistlichem noch auf materiellem Gebiet. Wir sind nur Verwalter, und wir sind lediglich berufen, das zu verwalten, was Er uns anvertraut hat. Der Herr bleibt auch niemals jemandem irgendetwas schuldig. Wir können nie mehr geben, als Er zurückgibt. Auf diese Weise lernen wir, von Geld und anderen Besitztümern frei zu werden. Dann fangen wir auch an, immer besser zu verstehen, was es bedeutet, hier auf der Erde nur Pilger zu sein.

Heute gibt der Herr dir oder mir beispielsweise ein Auto, und einen Monat später oder ein Jahr später kann Er sehr wohl sagen, dass wir dieses einem anderen Bruder oder einer anderen Schwester geben sollen. So lernen wir auch wieder, uns für die Bedürfnisse anderer zu interessieren! Dann öffnet sich für uns ein herrlicher Dienst, von dem der Herr Selbst gesagt hat: „Geben ist seliger als nehmen“ (Apg 20,35). Vielleicht kannst du nicht in ferne Länder gehen, um das Evangelium zu predigen, oder Bibeln in kommunistische oder arabische Länder mitnehmen, oder vielleicht kannst du nicht einmal selbst aktiv für den Herrn arbeiten, aber vielleicht kannst du doch, wenn auch auf Entfernung, Sein Werk durch deine Fürbitte und deine Gaben fördern und unterstützen.

Es ist vor allem auf dem Missionsfeld nicht immer leicht, sich klarzuwerden, wie viel man für ein Haus und die Möblierung ausgeben soll und wie weit man mit seinem Lebensstandard gehen darf. Vor allem, wenn wir unter Menschen arbeiten, die in großer Armut wohnen. Es ist für jeden Diener des Herrn notwendig, sich so viel wie möglich in die Bevölkerung, unter der er arbeitet, zu integrieren. Wie weit dieses Integrieren gehen muss, kann nicht mit einem allgemeinen Maßstab festgelegt werden. Das ist eine sehr persönliche Sache und eine Frage der persönlichen Überzeugung vor dem Herrn und für jeden wieder anders. Wir können auch niemals jeden zufriedenstellen, und wenn wir unserer Ansicht nach das Beste getan haben, wird es immer noch solche geben, die uns kritisieren.

Ich habe Situationen auf dem Missionsfeld kennengelernt, wo in einem bestimmten Haus zwar Elektrizität vorhanden war, die Missionare jedoch keinen Gebrauch davon machten. Jeden Abend wurden die Petroleumlampen angezündet. Wollte man auf diese Weise in Briefen an die Geschwister zu Hause den Eindruck erwecken, dass man doch primitiv lebte? Es gibt auch eine gewisse „Romantik“! Lasst uns jedoch keine Kritik üben. Solche, die im Heimatland wohnen, sollten auch nicht denen, die weit weg arbeiten, ihre Lebensweise vorschreiben wollen. „Ein jeder aber sei in seinem eigenen Sinne völlig überzeugt“ (Röm 14,5). Für uns alle besteht die Gefahr, dass wir den Eindruck erwecken wollen, sehr „geistlich“ zu sein durch die vielen Opfer, die wir zu bringen bereit sind, um dem Herrn zu dienen! Lasst uns das, was wir für den Herrn tun, ob es nun ein Mitteilen auf materiellem oder geistlichem Gebiet ist, so zu tun versuchen, dass es nicht auffällt.

Beim Geben ist viel Takt, Weisheit und Feingefühl nötig. Wie geben wir? Sowohl derjenige, der gibt, als auch der, der empfängt, hat Gnade nötig. Wer gibt, muss das so tun, dass er die Gefühle dessen, dem er gibt, nicht verletzt. Paulus wusste auch davon. In Mazedonien und Achaja hatten die Gläubigen eine Sammlung für die Dürftigen unter den Heiligen in Jerusalem durchgeführt. Nun bat Paulus um Fürbitte, damit dieser Dienst des Mitteilens für die Gläubigen in Jerusalem „angenehm“ sei (Röm 15,31). Daraus können wir wieder eine wichtige Belehrung entnehmen. Es kann viel Schaden durch eine Wohltätigkeit angerichtet werden, die ohne Weisheit geschieht: Wenn beispielsweise für einen Bruder oder für ein Projekt, für das nicht so viel nötig ist, zu viel gegeben wird.

Oft kommt es auch zu den sogenannten „Butterbrot-Christen“. Das sind Menschen, die „gläubig“ werden, weil sie dann von dem Arbeiter des Herrn unterstützt werden.


Aus dem Buch „… so sende Ich auch euch!“, Ernst-Paulus-Verlag (Neustadt/Weinstraße) 1978


Hinweis der Redaktion:

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