Christen lügen nicht – oder?
Sacharja 8,16

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© SoundWords, online seit: 10.09.2004, aktualisiert: 22.02.2018

Leitvers: Sacharja 8,16

Sach 8,16: Redet die Wahrheit einer mit dem anderen! Richtet der Wahrheit gemäß und fället einen Rechtsspruch des Friedens in euren Toren.

Als fromme Christen, die wir doch alle sein wollen, wissen wir, dass wir es mit der Wahrheit genau nehmen müssen. So schärfen wir schon unseren Kindern ein, dass auch Notlügen Lügen sind. Und wir passen genau auf, dass wir unserem Nachbarn auch die korrekte Angabe über den Hubraum unseres neuen Autos machen ;-). Aber wie sieht es mit der Wahrheit dann aus, wenn es darum geht, unser eigenes Recht oder die Richtigkeit der Gruppe, in der wir uns befinden, zu verteidigen? Ist uns die Wahrheit dann auch noch so wichtig oder geht es bei uns dann nach dem Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel?

Wie sieht es zum Beispiel damit aus, wenn wir eine andere Gruppe mit einem bestimmten Etikett belegen: „Das sind Exklusive“, „Die haben unabhängige Grundsätze“, „Die versammeln sich auf dem Grundsatz der Unabhängigkeit“, „Das sind Charismatiker“ usw.?

Zunächst stellt sich hier die Frage, ob wir überhaupt wissen, was wir damit gesagt haben. Unseren Kindern bringen wir zwar bei, dass sie nichts nachreden sollen, was sie nicht verstehen, aber selbst fallen wir doch oft zu leicht in diesen Fallstrick. Können wir wirklich solch einen Begriff genau definieren, und sind wir sicher, dass unsere Definition auch dem allgemeinen Verständnis dieses Begriffes entspricht? Können wir eine Reihe von Kriterien aufzählen, anhand derer solch ein Etikett wirklich verliehen werden kann? Und wenn ja, haben wir dann auch stichhaltige, nachprüfbare Beweise, dass es sich so verhält? Schon im Alten Testament heißt es: „So sollst du genau untersuchen und nachforschen und fragen; und siehe, ist es Wahrheit, steht die Sache fest, ist dieser Gräuel in deiner Mitte verübt worden“ (5Mo 13,14). Ganz besonders wenn es ein negatives Etikett ist, das wir vielleicht sogar einer ganzen Gruppe von Mitgeschwistern verleihen, dann sollten wir uns ins Gedächtnis rufen: Wenn wir schon von jedem unnützen Wort Rechenschaft ablegen müssen (Mt 12,36), werden wir von unserem Herrn erst recht gefragt werden, wie wir zu dieser „Etikettierung“ gekommen sind.

Wenn wir Mitgeschwister beurteilen, fragen wir uns dann, ob wir wirklich ihre Handlungen beurteilen oder ob wir Ihnen eine schlechte Gesinnung unterstellen? Der „Vorteil“, eine schlechte Gesinnung unterzustellen, ist der, dass dieser Behauptung zwar widersprochen, sie aber nie wirklich widerlegt werden kann, denn in das Herz schaut nur Gott. Doch sind wir uns bewusst, welche Verletzungen wir erzeugen können, wenn wir jemand, der es vielleicht gut gemeint hat, eine böse Gesinnung unterstellen? Wenn ich keine deutlichen Beweise habe – darf ich es mir dann anmaßen, so zu handeln, wie nur Gott es kann?

Wenn es darum geht, andere Gruppen zu beurteilen, reicht es mir dann, was die Führer meiner eigenen Gruppe sagen? Sicherlich sollen wir unserer Führer gedenken (Heb 13,7) und ihnen sogar gehorchen (Heb 13,17). Aber in demselben Kapitel des Hebräerbriefes, in dem wir dazu aufgerufen werden, wird uns auch gesagt, dass diese Führer sich als solche kennzeichnen, die uns das Wort Gottes gebracht haben (Heb 13,7). Es stellt sich also hier die Frage: Sind die Leute, die wir als Führer anerkennen, solche, die uns das Wort Gottes gebracht haben, oder haben sie uns ihre eigene Lehrmeinung gebracht? Wir sollten dabei immer daran denken, dass auch die allerextremsten Sekten ihre Mitglieder hauptsächlich aus diesem Grund festhalten können, weil bei ihnen das Vertrauen in die Führerschaft gegenüber besonders stark entwickelt ist und gefördert wird. Von Kind auf werden Sätze wie „Du musst doch den Brüdern vertrauen“ in die Köpfe gebrannt, so dass man am Ende meint, das stünde genau so (bedingungslos) in der Bibel. Bevor man allein auf solch ein Zeugnis vertraut, sollte man sich fragen, ob man – wenn man in der anderen Gruppe groß geworden wäre, wo man anderen Führern mit einer anderen Lehrmeinung vertraut – diesen Führern nicht genauso gefolgt wäre. Dabei sollten wir uns doch bewusst sein, dass auch der weiseste Bruder der eigenen Gruppe in solch einer Sache gar nicht objektiv sein kann.

Aber seien wir doch mal ehrlich – es ist so schön, einfach zu sagen: Bruder X hat gesagt, oder: Bruder Y hat das genau untersucht und dem vertraue ich. Ganz demütig fügen wir dann noch hinzu: Ich bin selbst sowieso nicht so begabt, das alles zu beurteilen. Und diese Demut wirkt dann als schönste Beruhigungspille. Oder wir machen über Bruder Z die Aussage: Er verführt die Geschwister dazu und dazu. Wenn wir dann ganz ehrlich zu uns selbst sind – müssen wir dann nicht oft einsehen, dass es sich hierbei um unsern Eindruck gehandelt hat, dass wir aber, wenn es darauf ankäme, vielleicht gar keinen Zeugen dafür bringen könnten? Haben wir dann nicht vielleicht sogar schon eine Verleumdung geäußert?

Und wie scharf sind wir oft, Dinge bei anderen zu beurteilen! Schnell sehen wir dort etwas Böses. Bei uns selbst oder in unserer Gruppe finden wir auch manches, aber das entschuldigen wir damit, dass es nur „Schwachheiten“ seien!

Wenn es um unsere lehrmäßigen Ansichten geht und wir hinterfragt werden – haben wir dann eine Argumentation aus der Schrift oder ist unsere Stütze dann „Luther hat gesagt!“? Ob nun Luther oder Calvin, ob Augustinus oder Clemens, ob Darby oder Moody – sie mögen alle große Gottesmänner gewesen sein, aber darf das die eigentliche Stütze für unser Bild der gesunden Worte sein?

Bruder W.J. Hocking hat einmal gesagt:

Vergewissere dich, dass das, was du hast, von Gott ist. Lass es durch und durch in deiner eigenen Seele wie vor Gott verankert sein, dass das, was du glaubst und womit du verbunden bist, von Ihm ist. Nimm nicht von anderen Leuten geistliche Überzeugungen für dich an; habe nicht einmal die Überzeugungen deines Vaters und deiner Mutter; sondern habe sie von Gott her und habe Beweise von der Schrift her für sie, und dann kannst du dich zur Ruhe begeben mit einem guten Gewissen und friedevollen Geist. (Aus Christ and His Church: 7 – The Church in Decay and Disorder; The solid foundation, acht Vorträge in Wildfell Hall, Catford, London, 1929)

Das sind alles ernste Dinge und wie oft haben wir darin versagt. Was machen wir nun, wenn wir auf einen bestimmten Sachverhalt hingewiesen wurden beziehungsweise korrigiert wurden? Wie sieht es da mit dem Wort aus Sacharja aus: „Redet Wahrheit“? Als Reaktion stehen uns mehrere Möglichkeiten offen:

  1. Ich kann mich plötzlich gar nicht mehr daran erinnern, das gesagt zu haben. Solche plötzlichen „Alzheimerschübe“ ;-) sind vor allen Dingen dann „angebracht“, wenn die Aussage zeitlich etwas zurückliegt.
  2. Ich drehe so lange an den Begriffen herum, bis ich die Bedeutung der Begriffe so verändert habe, dass ich dann doch recht habe.
  3. Ich lehne den, der mich darauf aufmerksam macht, als Person ab, weil er eine „schlechte Gesinnung hat“. Damit brauche ich mich um den Hinweis auch nicht mehr zu kümmern. Das ist eine der beliebtesten Methoden heutzutage; eine Seite bringt Argumente über Argumente, und die andere Seite schweigt sie tot, indem sie schnell die Beweggründe des anderen beurteilt und feststellt: „Hat sowieso keinen Zweck, der andere hat eh eine schlechte Gesinnung.“
  4. Ich bekenne mein Versagen vor Gott und Menschen.

Nur die vierte Variante wird mir wahre Befreiung von meiner Schuld bringen.

Aus persönlicher Erfahrung wie auch aus der Erfahrung mit unserer Internetseite wissen wir, dass sich Christen unterschiedlicher christlicher Gruppen (die einen mehr und die anderen weniger) in diesen Dingen schuldig machen und dass wir selbst ständig in dieser Gefahr stehen und sicherlich auch manches Mal schon versagt haben. Deshalb müssen wir diese Worte wirklich alle ernsthaft überdenken. Christen oder überhaupt Menschen, die in Gruppen groß geworden sind, die in sich selbst ein sehr abgeschlossenes System bilden, betrifft dies in besonderem Maß. Man ist oft erschrocken, dass ein an sich aufrichtiger Christ sich zu Dingen und Äußerungen hinreißen lässt, die er unter normalen Umständen niemals geäußert hätte. Manchmal hat man den Eindruck, dass in solchen Kreisen eine Art „Gehirnwäsche“ (natürlich nicht bewusst!) vollzogen wird.

So möchten wir an dieser Stelle besonders auch solchen, die in einer bestimmten Gruppe eine Führungsposition einnehmen, ins Gewissen reden, die ihnen anvertrauten Menschen allein zum Wort Gottes zu ziehen und nicht hinter sich oder ihrer Lehrmeinung her. Es sind schlechte Führer, die ihre „Schafe“ hinter sich her führen. Die größte Aufgabe eines christlichen Arbeiters ist, den Gläubigen in eine immer größere Abhängigkeit von Gott zu bringen und ihm die Verantwortung ins Bewusstsein zu rufen, dass er am Tag des Herrn allein vor dem Herrn steht und nicht sagen kann: „Ja, aber in meiner Gruppe hat man das immer so gemacht“, „Aber mein Vater hat gesagt …“, oder: „Bruder XY hat das so und so gemacht.“ Mit diesen Aussagen kommen wir dann nicht mehr weiter. Deshalb wünschen wir jedem Leser, dass er empfindet, dass er allein dafür verantwortlich ist, was er glaubt. Wir müssen für alles, was wir glauben, Beweise aus der Schrift haben (zumindest dann, wenn Rechenschaft von uns gefordert wird). Das allein ist ein sicherer Felsen und ein fester Grund. Stellen wir uns auch darauf!?

Wir sind als Christen der Wahrheit verpflichtet, und wir sind auch dafür verantwortlich, was wir als die offenbarte Wahrheit glauben. Es ist unsere heiligste Pflicht, nach bestem Wissen und Gewissen dafür zu sorgen, dass das, was wir glauben, wirklich die offenbarte Wahrheit des Wortes Gottes ist, genauso wie wir dafür verantwortlich sind, dass das, was wir von- und übereinander sagen, der Wahrheit entspricht.

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