Heilungsdienste durch Älteste?!
Jakobus 5,14-16

Albert von der Kammer

© A. v.d. Kammer, online seit: 24.06.2004, aktualisiert: 31.01.2018

Leitverse: Jakobus 5,14-16

Jak 5,14-16: Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennet denn einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel.

Der lebendige, der wirkende Glaube ist der Grundton des Jakobus Briefes. Auch in dieser Stelle liegt der Nachdruck auf dem Glauben: „Das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen.“

Es dürfte schwer sein, heute „die Ältesten der Gemeinde“ zusammenzurufen. Welche von den uns umgebenden Gemeinden (die leider oft in Neid und Streit zueinander stehen), kann beanspruchen, die Gemeinde Gottes zu sein? Und wer und wo sind „die Ältesten der Gemeinde“, die nach der in der Schrift gefunden Weise als solche bestimmt wurden? (Wir haben weder Anweisung noch Beispiel in der Schrift, dass Gemeinden sich Älteste selbst wählten.) Wohl aber finden wir heute Brüder, denen Gott die Sorge für sein Haus ins Herz gelegt hat und die den Ältestendienst ausüben.

Ob wir in dem Zusammenruf der Ältesten der Gemeinde diesen Akt gleichsam als mit der ganzen Gemeinde verbunden erblicken können und ob wir in dem Salben mit Öl durch „die Ältesten der Gemeinde“ „im Namen des Herrn“ die Ausführung eines göttlich gewiesenen Auftrages in berufener Autorität (wie im Alten Testament) sehen können, mag dahingestellt sein. Deutlich aber sagt die Schrift, dass weder die Ältesten noch das Öl, sondern „das Gebet des Glaubens“ den Kranken heilen wird. Wenn wir auch Schwierigkeiten finden, heute an dem Tage der Zerrissenheit des Volkes Gottes die Gemeinde und die Ältesten der Gemeinde zu haben, so haben wir doch das „Gebet des Glaubens“ und die Macht Gottes zu helfen, und ebenso haben wir die „zwei und drei“, die in einer Sache vereint im Gebet vor den Herrn kommen können. „Das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel.“

Viel Missbrauch ist mit dieser Stelle getrieben. Gebetsheilstätten, Bekenntnisabnahmen, Ölsalbungen usw. haben aufgrund dieser Stelle ihre Verfechter gefunden. Den Gebrauch von Mitteln hat man verboten, und Gebet, Öl, Bekenntnis und den Glauben hat man zu einem Mittel gegen Krankheit herabgewürdigt. Wenn Gott Heilkräfte in die geschaffene Kreatur gelegt hat, so sind sie für uns gegeben. Es ist keine Frage, Gott kann uns ohne den Gebrauch von Mitteln heilen, wie es keine Frage ist, das Gott uns ohne tägliche Speise erhalten kann. Die Schrift zeigt uns beides. Aber es ist die Frage, ob dies seiner Bestimmung entspricht. Im Allgemeinen, glaube ich, finden wir in der Schrift, dass Gottes Walten sich in den von ihnen gegebenen Mitteln offenbart. Er konnte Elias vierzig Tage ohne Speise erhalten – aber zu einer anderen Zeit mussten ihm Raben solche bringen. Der Herr hätte die Fünftausend ohne die Handvoll Brot speisen können, aber Er gebraucht das Vorhandene. Er hätte Hiskia ohne die Feige heilen können, aber er gebraucht die darin gegebene Heilkraft. Gott kann die Nationen an einem zukünftigen Tag heilen ohne Blätter der Heilung, aber Er gibt „Blätter der Heilung“ für sie (Off 22,2). Paulus hätte Timotheus in Ephesus schreiben können, die Ältesten, die in Ephesus waren, zu rufen, aber er sagt: „Gebrauche ein wenig Wein, um deines Magens und deines häufigen Unwohlseins willen“ (1Tim 5,23).

Der Glaube vertraut nicht den Mitteln, sondern dem Herrn. Elia vertraute für die Erhaltung seines Lebens am Bach Krith nicht auf die Raben, sondern auf Gott. Hier liegt der Unterschied zwischen dem Glauben und dem Unglauben. Der Unglaube handelt wie Asa (2Chr 16,12ff), der in seiner Krankheit nicht den Herrn, sondern die Ärzte „suchte“. Er hatte den einstigen Glaubenspfad verlassen. Er stützte sich auf den „König“ von Syrien und nicht mehr auf den Herrn. Und als Gott seine Hand in Krankheit auf ihn legte, da suchte er zwei Jahre nach Ärzten für seine Krankheit, aber nicht den Herrn. Und so starb er. Welchen Wert hatte es, dass er sich seine Begräbnisstelle bereitet hatte und man seinen Leib auf kunstvoll bereitete Gewürz- und Spezereienmischung bettete und man ihn bei seinem Begräbnis beweihräucherte mit „einem sehr großen Brand“? Er starb auf der Suche nach den Ärzten, aber an dem Herrn ging er vorbei. Ein armer Lebensabschluss! 

Eine Warnung für uns! Wie manche Kinder Gottes müssen an ihrem Leib die Erfahrungen der Frau in Markus 5 machen, die sich immer schwereres Leid, immer Schlimmeres für ihr Geld erkaufte. Erst als das ihr anvertraute Gut so traurig verwandt war, da kam sie zu Jesu und erfasste den Saum seines Kleides. In solchen Unglaubenswegen bedarf es oft des Eingreifens Gottes, dass er alles zu Ende kommen lässt und dann dem Glauben seine Macht ohne Mittel offenbart. Da bedürfen wir oft wirklich der Erlösung mit dem kostbaren Blut Christi von den Ärzten und Arzneien, wie andere der Erlösung von dem überlieferten Wandel nach väterlicher Weise bedürfen, an dem man so oft Gläubige mit ganzer Seele hangen sieht (1Pet 1,18).

Krankheit ist nicht immer Gericht und Züchtigung, sondern auch Gottes Gnade in Erziehung und Bewahrung. Wir mögen nicht wissen, warum Leiden und Krankheit uns begleiten. Der lebendige Glaube aber sieht Gott in allen Dingen. Da ist kein Klagen, Murren und Auflehnen gegen Gott. Das Herz wendet sich an Ihn. Es kennt seine Liebe, dass Er uns nur das Beste geben kann. Es vertraut seiner Weisheit, dass Er den Weg besser zu wählen weiß als wir selbst. Der lebendige Glaube bekennt Gott die Lage und unterwirft sich seiner Hand, ob, wann und wie Er seine Hilfe und Macht offenbaren will. Da ist keine Hast. Der Glaube ruht in Gott, er nimmt nicht die Sache in seine eigene Hand, sondern legt sie in die Hand eines anderen – in Gottes Hand: Er betet!

Wenn der Kranke so geleitet wird, mag er Brüder zu sich rufen und mit ihnen über seine Lage reden und sie „mögen“ über ihn beten. Da ist ein Sich-gewiss-Werden. Da ist keine Form. Mit dem Rufen und dem Äußeren ist nichts getan. Für solches Gebet muss in jedem einzelnen Fall Glaubensabhängigkeit und Glaubensgewissheit vorhanden sein; ein Glaube, der für diesen Fall und diesen Akt von oben gewirkt ist. „Das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen“, dies ist eine Wahrheit, die heute noch gilt. Gott antwortet solchem Gebet, ob durch oder ohne Mittel.

Wir bedürfen aber der Wachsamkeit, das Gebet nicht zum Heilmittel gegen die Krankheit zu machen, das nun auf jeden Fall helfen muss. Gott wird den Glauben nicht ohne Antwort lassen. Wir werden glücklich sein auf diesen Weg, auch wenn die Antwort wie auf das dreimalige Gebet Pauli lautet: „Meine Gnade genügt dir“ (2Kor 12,9).

Jakobus beleuchtet dann den Krankheitsfall von einer anderen Seite. Die Krankheit kann die Folge von Sünde sein. In diesem Fall muss Vergebung erlangt werden, und diese macht das Bekenntnis nötig. Da sind Sünden, da sind Verfehlungen, da sind Härten im Leben. Diese treten vor das Auge des Gläubigen. Der Geist Gottes bringt es ihm zum Bewusstsein, dass diese Dinge geordnet sein müssen, die als Hindernisse der helfenden und heilenden Hand Gottes im Wege stehen.

Das Böse soll nicht verborgen, sondern aufgedeckt und gerichtet werden. Die Wahrheit fängt an, in der Seele zu wirken, und der falsche Schein der Schuldlosigkeit wird zerrissen. Demut, brüderliche Liebe und Vertrauen fangen an, in der Seele zu wachsen, und – Bekenntnis und Vergebung folgen. Die Sünde wird „gelöst“ und das Hindernis und die Zucht beseitigt.

Aber auch hier ist die Gefahr, das Bekenntnis zum Mittel gegen die Krankheit zu machen. Wie traurig, wenn man heute von Stätten reden hört, wo Brüder oder Schwestern Sündenbekenntnisse abnehmen! Solche Dinge kennt die Schrift nicht. Nicht der Wunsch zum Gesundwerden soll das Bekenntnis hervorbringen, sondern der Heilige Geist, der das Licht auf unser Verhalten fallen lässt. Solche Bekenntnisse sollen nicht vor „den Ältesten“ oder „Brüdern“ geschehen, sondern es heißt: „bekennet einander“, d.h. einer dem anderen, worin er gegen ihn gefehlt hatte!

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Aus Handreichungen, Jahrgang 1915

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