Brief über Zulassung und Dienstverantwortung

William Kelly

© EPV, online seit: 14.01.2005, aktualisiert: 12.01.2018

Lieber Bruder, …

Es mag sein, dass einzelne Brüder ihre persönlichen Ansichten einem Evangelisten oder anderem Diener aufdrängen. Eine solche Engstirnigkeit wird von allen verständigen Männern in unserer Mitte abgelehnt. Wichtiger ist jedoch, dass sie bei jemand, der wirklich umgekehrt ist, um das Wort Christi zu bewahren und Seinen Namen nicht zu verleugnen, wirkungslos ist. Die Frage ist sowohl im Blick auf die Gemeinschaft als auch auf den Dienst mehrfach gestellt worden; aber ebenso oft ist aus berufenem Munde vor solchen Einschränkungen gewarnt worden. Wenn manchmal von denen, die zugelassen werden, Erkenntnis erwartet wird, dann ist meine Antwort hierauf, dass dies überheblich und unschriftgemäß ist. Diese Brüder waren ja bei ihrer eigenen Zulassung auch alles andere als reich an Erkenntnis, und wenn irgendwo Erkenntnis vorhanden sein sollte, dann bei denen, die zulassen. Wer Erkenntnis bei einem, der zugelassen werden soll, verlangt, beweist dadurch, dass ihm selbst fehlt, was er bei anderen fordert; sonst würde er nicht etwas erwarten, was noch nicht vorhanden sein kann. Wie kann wohl jemand, der aus einer Sekte kommt, die Versammlung Gottes verstehen? Er wird vielleicht gerade genug erkennen, um das Falsche abzulehnen und vom Richtigen angezogen zu werden. Alle wahre Erkenntnis wird durch Gehorsam erworben. Wie viel ist das, was wir im Ungehorsam lernen, wert? Was ist das für ein Grundsatz, der jemand im Ungehorsam festhält, um Erkenntnis zu sammeln, wenn diese Erkenntnis nur durch Gehorsam erlangt werden kann?

Es ist daher unschriftgemäß, ein in Gottesfurcht wandelndes Glied des Leibes Christi zurückzuweisen. – Ebenso wenig lässt es sich jedoch mit Gottes Wort stützen, wenn die Versammlung sich in das Werk des Herrn, besonders das Evangelium, einmischt. Es ist ein heiliger Grundsatz aller Brüder, dass der Diener einfach vom Herrn abhängig ist, dass er unmittelbar dem Herrn verantwortlich ist und dass die Versammlung sich hier nicht einmischt. Natürlich darf sich niemand auf seine Freiheit berufen, um eigenwillig und zügellos zu leben. Wir dürfen keinen Freibrief ausstellen, andererseits aber wagen wir auch keine Forderungen zu stellen. Wir vertrauen auf den Herrn und Seine Gnade, und wir warnen vor jeder Leichtfertigkeit, die zum Anstoß für die Heiligen und zur Schlinge Satans werden kann, durch die die Gnade verlästert wird. Wenn offene Sünden in Wort oder Tat ans Licht kommen, muss die Versammlung urteilen. Wer eine Gefahr zu sehen glaubt, mag in Liebe und heiliger Sorge eine Warnung aussprechen. Alles was weitergeht, lehne ich ab. Nur so bleibt die Freiheit und die Verantwortung des Evangelisten gegenüber seinem Herrn erhalten.

Ihr
W. K.


Originaltitel: „Auszug aus einem Brief von W. Kelly“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1975, S. 400–402

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