Die Gabe des Geistes und die Gaben
Apostelgeschichte 2; 8; 10; 19

William Kelly

© EPV, online seit: 29.02.2004, aktualisiert: 03.01.2018

Leitverse: Apostelgeschichte 2; 8; 10; 19

Der Geist Gottes kam auf die Erde

Die Zeit war jetzt erfüllt. Gott hatte sich geoffenbart. Israel hätte jetzt bekennen sollen, dass Sein Messias auch der Immanuel ist, Gott mit uns, und der Glaube hätte in dem Tod und in der Auferstehung des Herrn erkennen sollen, wie Gott für uns ist. Gott Selbst aber stand nun im Begriff, sich in einem ganz neuen Charakter zu erkennen zu geben, nämlich als Gott in uns – ein gewaltiger Fortschritt. Das war jedoch nur möglich, wenn das kostbare Blut Christi floss. Nur dort, wohin dieses kostbare Blut gesprengt wurde, konnte der Heilige Geist wohnen. Deshalb versammelten sie sich nach dem Wort des Herrn und warteten darauf, wie Er ihnen gesagt hatte, nach nicht vielen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft zu werden.

Apg 2,1: Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Ort zusammen.

So leitet Gott dieses Neue mit der Ihm eigenen Weisheit ein. Plötzlich geschah ein Brausen von oben und der Heilige Geist kam aus dem Himmel hernieder. Es gefiel Gott, ein auffälliges Zeichen zu gewähren, das dieses nie da gewesene Geschehen begleitete – ein „Brausen aus dem Himmel wie von einem daherfahrenden gewaltigen Wind, und es erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf einen jeden Einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ [Apg 2,2-4]. Gewiss ist es wahr, dass der Heilige Geist schon vorher herniedergekommen war, aber nur, um in einem Menschen zu wohnen, dem Menschen Christus Jesus. Bei Ihm war keine Vorbereitung nötig. Die ganze Art und Weise, wie der Heilige Geist auf Ihn herniederkam, die äußere Erscheinung, die Er dabei wählte, bezeugten den großen Unterschied zwischen Ihm, in dem keine Sünde war, und uns, wie sehr wir auch gesegnet und befreit sind. Doch ist es Tatsache, dass wir durch das mächtige Werk Gottes in Gnade, dadurch dass Er, der keine Sünde kannte, das Gericht und den Tod erlitt und in Kraft auferstand, dass wir dadurch sowohl von unserer Sündenschuld als auch von der Macht der Sünde befreit sind.

Für den Herrn Jesus erschien der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, ein sehr schönes Sinnbild davon, wie der Heilige Geist sich jenem Menschen anpasste, auf den Er ohne Blut kommen und in dem Er bleiben konnte. Als Er auf Ihn, den Sohn des Menschen, herniederkam, konnte Er dieses wohlbekannte Sinnbild von Reinheit annehmen. Bei den Menschen aber, bei den Gläubigen, die in Jerusalem versammelt waren, um dort auf die Kraft aus der Höhe zu warten, die der Herr ihnen verheißen hatte, war es nicht die Gestalt einer Taube, sondern da waren Zungen, zerteilte Zungen, wie von Feuer, ein viel passenderes Bild. Diese Zungen waren zerteilt, weil Gott nun ein mächtiges und weitreichendes Zeugnis aussenden wollte. Wenn auch Israel eine besondere Verantwortung hatte, was auch diesem Land und diesem Volk an Zeugnissen zuteil werden sollte, so hatte Gott, der das Ende von Anfang an kennt, hier in dem Bild der zerteilten Zungen schon im Auge zu zeigen, dass die Frohe Botschaft sowohl den Nationen als auch den Juden gebracht werden würde. Diese Zungen waren einerseits „zerteilt“, andererseits waren sie „wie Feuer“. Am Kreuz war die Sünde schon gerichtet worden. Im Menschen war etwas, das gerichtet werden musste, und das war im Tod Christi, des Sündopfers, geschehen. Die feurigen Zungen waren deshalb ein Zeugnis dafür, dass alles aus Gnaden war (wie groß auch die Kraftentfaltung des Heiligen Geistes sein mochte). Wie immer, wenn es sich um Sünde handelt, herrscht die Gnade durch Gerechtigkeit durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Zerteilte Zungen wie von Feuer

Der Herr Jesus bringt also nun das zustande, worauf Er die Jünger vorbereitet hatte. In Seiner Barmherzigkeit redet Er jetzt zu den Menschen in den verschiedenen Mundarten, zu denen Er sie vorzeiten in Seinem Missfallen verurteilt hatte [1Mo 11,7]. Auf diese Weise sollten die wunderbaren Werke Gottes jeder Nation unter dem Himmel verkündigt werden. Überall erregte dieses Geschehen Aufmerksamkeit. Die Ohren und Gemüter waren voll von allerlei Mutmaßungen über diese außergewöhnliche, vorher nie da gewesene Erscheinung. Petrus aber erklärt, dass dies etwas ist, was aufgrund des zuverlässigen prophetischen Wortes erwartet werden sollte. Er sagt nicht, dass es die wörtliche Erfüllung der Voraussagung Joels in ihrem vollen Umfang ist, sondern „dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist“ [Apg 2,16]; es war also nicht irgendetwas anderes. Diese buchstäbliche Erfüllung wird an einem anderen Tag kommen. Doch geziemte es sich nicht, dass Leute geringschätzig von diesem Geschehen sprachen, vielmehr sollte man es als von Gott kommend annehmen und würdigen. Es heißt: „Dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: Und es wird geschehen, in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geiste ausgießen werde auf alles Fleisch“ [Apg 2,16.17]. Hier handelte es sich nur um den allgemeinen Grundsatz dieser Prophezeiung. Genau genommen waren doch alle Anwesenden Juden, wenn auch alle Nationen und Mundarten unter dem Himmel vertreten waren. Für ein offenes Auge lag darin die Andeutung dessen, was Gott zu gegebener Zeit ausführen wollte.

Auswirkungen des Heiligen Geistes

Es ist immer wichtig, dass wir das Wort Gottes sehr genau beachten. Bei der Entfaltung der Kraft des Heiligen Geistes an diesem Tag sehen wir nicht nur eine Sache, sondern eine Vielfalt von Wirkungen. Wir dürfen das Wirken des Heiligen Geistes hier nicht nur auf ein besonderes Gebiet beschränken. Als Erstes sehen wir die Erfüllung der Verheißung des Vaters, nämlich die unendlich große Tatsache, dass der Heilige Geist Selber als Person vom Himmel herabgesandt wurde. Als Nächstes sehen wir, wie die Zusicherung des Herrn Jesus, dass die Jünger bald mit Heiligem Geist getauft würden, eingelöst wurde; dadurch entstand der „eine Leib“. Gewiss wussten sie noch nicht, was dieser eine Leib bedeutete. Ich wage zu sagen, es gab keinen einzigen Gläubigen, der das an dem Tag wirklich verstand. Die Lehre von dem einen Leib war bis dahin noch nicht geoffenbart. Dazu war ein anderes Gefäß ausersehen, ein dazu geeigneter Diener Gottes, der von sich selbst als von „einer unzeitigen Geburt“ sprach. Man kann sogar sagen, dass diese Wahrheit nicht eher geoffenbart werden konnte, bis die Juden das Zeugnis Seiner Gnade verworfen hatten. Dann erst, als die Nationen tatsächlich berufen waren oder wenigstens im Begriff standen, berufen zu werden, konnte auch dieser eine Leib, bestehend aus Juden und Nationen, durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist geformt werden und im Einklang mit Gottes Gedanken in Erscheinung treten. Die diesen einen Leib bildende Kraft, die göttliche Person, die ihn allein formen konnte, der Heilige Geist, wurde hier gegeben: „Ihr werdet nach nicht vielen Tagen mit Heiligem Geiste getauft werden“ [Apg 1,5]. Dabei werden die Konsequenzen dieses Ergebnisses noch nicht näher erwähnt.

Austeilung der Gaben

Der Prophet hatte aber auch gesagt, dass Zeichen und Wunder geschehen würden, und so geschah es. Hinzu kam noch, dass der Herr verschiedene Gaben für Sein Werk hienieden austeilte. „Hinaufgestiegen in die Höhe, … hat er den Menschen Gaben gegeben“, „und er hat die einen gegeben als Apostel, und andere als Propheten, andere als Hirten, andere als Evangelisten und andere als Lehrer.“ Es ist klar, dass dies durch den Heiligen Geist geschah oder wie in 1. Korinther 12 gesagt wird: „Einem jeden aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben.“

Alle diese Dinge, die wir nicht miteinander verwechseln dürfen, wurden gleichzeitig an jenem Tage ausgeteilt. Eine weitere Folge dieser großen Wahrheit war die Tatsache, dass der Heilige Geist jetzt in jedem einzelnen Gläubigen persönlich Wohnung nahm. Wir sehen also, dass am Pfingsttage sowohl das, was den Einzelnen ganz persönlich betraf, als auch das, was alle gemeinsam anging, universale sowohl als auch spezielle Segnungen, alle voneinander verschieden, in Erfüllung gingen. Die Briefe behandeln die verschiedenen Aspekte dieses gewaltigen Themas. Heute Abend möchte ich auf die eine große Tatsache der Gabe des Heiligen Geistes im Unterschied zu Seiner Wirksamkeit in einzelnen Gliedern näher eingehen. Diese einzelnen Gaben sind verschieden voneinander, die Gabe selbst aber ist und bleibt der eine Heilige Geist. Hinsichtlich der Gaben gibt es viele große Unterschiede, hinsichtlich des einen Geistes gibt es sie nicht. Wenn die Wahrheit verstanden wird, dass der Heilige Geist eine Person der Gottheit ist, die vom Himmel herniederkam, um in jedem Christen und in der Versammlung zu wohnen, ist dies ganz klar. Es ist gegen die Wahrheit, von Unterschieden bei Ihm zu reden. Wohl mag Er Seine Kraft auf verschiedene Art und Weise entfalten; die Freude über Seine Gegenwart mag nicht immer von allen in dem gleichen Grade genossen werden; die Tatsache bleibt aber bestehen, (und gibt es etwas kostbareres als die Tatsache?), dass Er Selber, der Geist Gottes, in jedem Glaubenden in gleicher Weise wohnt, in jedem, der auf dem vollbrachten Erlösungswerk des Herrn Jesus ruht.

Der Heilige Geist in und bei uns

Wir dürfen auch nicht übersehen, dass Er sowohl in uns als auch bei uns ist. So finden wir ja hier gleich zu Beginn, dass wohl die feurigen Zungen auf jedem Einzelnen ruhten, dass aber auch das ganze Haus von dem Brausen eines mächtigen Windes erfüllt wurde. Man kann also von einem doppelten Kennzeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes reden – das, was auf jeder Einzelperson blieb, und das, was allgemein, das ganze Haus, in dem sie saßen, erfüllte. Dasselbe können wir durch die ganze Apostelgeschichte hindurch sehen, nämlich dass der Heilige Geist da ist, dass Er aber auch in jedem von ihnen ist. Als z.B. das Haus, in dem sie waren, sich bewegte, was hatte das damit zu tun, dass der Geist Gottes in dieser oder jener Person wohnte? Der Heilige Geist war zugegen, und Seine Anwesenheit in ihrer Mitte war spürbar. Als Ananias und Sapphira logen, wie kann man da sagen, dass dies den einen Gläubigen mehr anging als den anderen? Es wird ausdrücklich gesagt, dass sie nicht Menschen, sondern Gott belogen hatten. Doch es war Gott, der in der Versammlung anwesend war. Es war Gott, der herniedergekommen war und der nun auf gerechtem Wege und doch gemäß Seiner vollen Gnade, ja gemäß dem denkbar gesegnetsten Ausdruck Seiner Gnade, in denen wohnen konnte, die nicht nur Sünder gewesen waren, sondern die auch gerade deshalb einen so tiefen Abscheu gegen das Böse empfanden, das sie von Adam geerbt hatten. Trotz alledem aber, trotz dessen, was sie gewesen waren, trotz dessen, was sie – wie sie wohl fühlten – getrennt von Christus noch waren, war doch die Gnade Gottes in der Gabe Seines Sohnes so kostbar, Seine Liebe zu ihnen, bewiesen im Tode und in der Auferstehung des Herrn, so überaus reich, dass der Heilige Geist in gerechter Weise und zur Verherrlichung des Vaters und des Sohnes herniederkommen und in ihnen wohnen konnte.

Aus diesem Grunde finden wir auch, dass überall von dem Geist Gottes in diesem Sinne gesprochen wird, nämlich nicht nur als in jedem einzelnen Gläubigen wohnend, nein, auch als bei ihnen gegenwärtig, wenn sie versammelt waren oder wenn sie für Ihn tätig waren. So lesen wir z.B. (Apg 8), dass der Heilige Geist dem Evangelisten Philippus sagt: „Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an.“ Vorher hatte ein Engel des Herrn ihm die Richtung angewiesen, die er einschlagen sollte. Sobald es sich aber darum handelte, einer Seele zu helfen, war es nicht ein Engel, sondern der Geist, der zu ihm sprach. Der Engel wurde nur dazu benutzt, ihm den in der Vorsehung Gottes für ihn bestimmten Weg zu zeigen, etwas, was auch heute noch so bleibt. Wenn wir auch die Engel nicht sehen und uns ihrer vielleicht nicht bewusst sind, so ist dies doch heute noch ebenso wahr wie damals. Geradeso ist es mit dem Heiligen Geist. Wir mögen Ihn nicht hören, wie Philippus Ihn damals hörte; die Tatsache selbst ist aber so gewiss wie an jenem Tage. Er, der Geist, ist nach dem Worte des Herrn wirksam. Natürlich wartet Er auf eine geeignete Gelegenheit, vielleicht einen Herzenszustand, den nur Er Selber herbeiführen kann, doch wirkt Er heute so gewiss wie damals. Ein wenig später, in Apostelgeschichte 13, hören wir z.B. den Geist sagen: „Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem ich sie berufen habe.“ Hier ist klar zu sehen, wie der Geist Gottes nicht nur in ihnen wirkt, denn wir hören hier nicht, dass Er in Saulus oder Barnabas wirkte. Man gewinnt beim Lesen dieser Stelle mehr den Eindruck, dass es von außen kam, das heißt, es war ein Wort über sie, nicht an sie, noch weniger ein Wirken in ihnen. Wie wir wohl wissen, sind alle diese drei Dinge an ihrem Platz wichtig. Der Heilige Geist war wirklich in ihnen und zwar schon vorher. Doch zeigt sich der Heilige Geist hier als eine Person der Gottheit, die herniedergekommen ist, um das Werk der Gnade zur Ehre des Herrn hinauszuführen. Das kann man durch das ganze Buch der Apostelgeschichte verfolgen. Bei einer anderen Gelegenheit (Apg 16) leitete der Geist Jesu den Apostel dorthin, wohin er gehen sollte. Es wird nicht nötig sein, noch weitere Beispiele anzuführen.

Wie wurde der Heilige Geist ausgeteilt?

Es gibt aber noch einen anderen sehr wichtigen Punkt, der manchen Seelen Schwierigkeiten bereitet, nämlich die unterschiedliche Art wie der Heilige Geist ausgeteilt wurde. Der Unglaube, besonders derjenige, der die Form annimmt, den Menschen abergläubig zu machen (was er immer tut, es sei denn, dass er noch tiefer sinkt, indem er alles Göttliche leugnet), greift diese Fragen gerne auf. Ob der Unglaube sich aber in Menschenverherrlichung kundtut oder in völliger Gleichgültigkeit Gott gegenüber und den Dingen, die die menschliche Seele angehen, – in beiden Fällen möchte er gerne die unterschiedlichen Formen der Mitteilung des Heiligen Geistes dazu benutzen, entweder zu leugnen, dass man heute ebenso wie damals den Heiligen Geist besitzen kann oder aber irgendeinen religiösen Schwindel anzupreisen, durch den allein man unfehlbar in den Besitz der Gabe des Heiligen Geistes kommen könne.

Aus diesem Grunde möchte ich nun die verschiedenen Gelegenheiten betrachten, bei denen uns die Austeilung des Heiligen Geistes mitgeteilt wird. Ich hoffe, dass dadurch jeder, der dem Wort Gottes unterwürfig ist, sieht, dass der Heilige Geist durchaus nicht in einer willkürlichen Art und Weise ausgeteilt wurde, dass dabei dem Menschen als solchem keinerlei Bedeutung zukam, dass in dieser Art und Weise nichts lag, wodurch das Vertrauen auch des schwächsten Kindes Gottes erschüttert werden könnte – im Gegenteil, dass unsere Seelen durch eine gute oder doch verhältnismäßig gute Kenntnis der uns geoffenbarten Absichten Gottes nur befestigt werden, indem unser Empfinden für Seine Gnade und Weisheit vertieft wird. Wir werden überreiche Beweise dafür sehen, wie Er auf alle möglichen bestehenden Umstände Rücksicht nimmt. Wie zeigt das doch, dass Einfalt in den Dingen Gottes der Schlüssel dafür ist, dass wir diese Dinge klarsehen! Wenn ich einfältig bin, dann bin ich nicht mit mir selbst und meinen eigenen Dingen beschäftigt, bin nicht mit den Gedanken anderer erfüllt, sondern ich vertraue Gott und weiß, das Er immer nur das eine Ziel vor Augen hat, den Herrn Jesus, der den Vater verherrlicht hat, zu ehren.

1. Austeilung des Geistes am Pfingsttag

Bei der ersten Gelegenheit, am Pfingsttag, haben wir bei Weitem die reichhaltigste Form der Gabe des Heiligen Geistes von oben. Wir tun deshalb gut, den inspirierten Bericht dieses Ereignisses besonders genau zu beachten. Petrus sagt in seiner Ansprache: „Nachdem er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dieses ausgegossen, was ihr sehet und höret.“ Das will sagen, dass sie greifbare Merkmale vor sich hatten, an denen sie klar die Erfüllung dieser Verheißung des Vaters erkennen konnten. Der verheißene Heilige Geist an sich war nicht für die Sinne wahrnehmbar, aber Er war begleitet von einer nach außen hin sichtbaren Kraft. Es ist wichtig, dies auseinanderzuhalten, weil man sonst Gefahr läuft, die unermessliche Gabe des Geistes selbst, die immer weit größer ist als alle ihre Auswirkungen, zu übersehen und zu leugnen, wenn äußere Zeichen fehlen. Diese Zeichen waren sicherlich an ihrem Platze wichtig, doch waren sie nicht mehr als nur ein Beweis für die Anwesenheit und Gabe des Heiligen Geistes als etwas ganz Neues auf der Erde.

Die Antwort des Petrus in Jerusalem wirft viel Licht auf diese Wahrheit. Als die Juden hören, wie der Apostel sie so deutlich beschuldigt, ihren eigenen Messias verworfen und gekreuzigt zu haben und sie noch dazu sehen, dass Gott Ihn zu Seiner Rechten erhöht hat, geraten sie in große innere Not über ihren verlorenen Zustand. Der Apostel ruft ihnen nun zu: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ Erwägen wir diese Worte aufmerksam! Er fordert sie nicht auf, einfach zu glauben. In dieser Aufforderung zur Buße statt zum Glauben liegt tiefe göttliche Weisheit. In der Schrift ist nichts umsonst. Bei einer anderen Gelegenheit, in Philippi, war es gerade umgekehrt. Dort forderten Paulus und Silas den erschütterten Kerkermeister in erster Linie auf zu glauben, nicht so sehr, Buße zu tun.

Natürlich will ich niemanden irgendwie verwirren, im Gegenteil, ich möchte solchen, die diesen Unterschied sehen, aber nicht verstehen, gerne helfen. Nicht ein Mensch ist es, der die Worte so niedergeschrieben hat, sondern Gott, und Ihm sollten wir immer vertrauen. Niemals sollten wir im Wort Gottes etwas als gleichgültigen Zufall ansehen. Eines ist klar: Ohne Glauben gibt es keine wahre gottgemäße Buße. Es mag wohl unechten Glauben geben wie auch unechte Buße. Überall aber, wo das eine durch die Kraft Gottes bewirkt worden ist, findet man es bei dem anderen ebenso. Und doch wissen wir alle aus Erfahrung (und im Wort Gottes, dem Schlüssel für alle unsere Erkenntnis und unsere Erfahrung finden wir dies bestätigt), dass es in der Art und Weise, wie jemand innerlich fühlt und das vor Gott zum Ausdruck bringt, Unterschiede gibt. Bei dem einen überwiegt das tiefe moralische Wirken im Gewissen; bei einem anderen treten Friede und Freude im Glauben mehr in den Vordergrund. Es geschieht ohne Glauben kein wirklich geistlich wertvolles Werk im Gewissen; ebenso gibt es keinen echten gottgewirkten Glauben ohne ein echtes Werk des Geistes am Gewissen. Wie Petrus die Juden in Jerusalem zur Buße aufruft, so sagt Paulus den Athenern, das Gott allen Menschen überall gebietet, Buße zu tun. Bei anderen Gelegenheiten werden Juden sowohl wie Heiden eingeladen zu glauben. Tatsache ist, dass beide sowohl Buße taten wie auch glaubten. Doch wo das eine mehr als das andere hervorgehoben wird, hat das seine Bedeutung.

Was bei dieser Gelegenheit in Apostelgeschichte 2 ganz besonders notwendig war und worauf es nach Gottes Weisheit hier besonders ankam, das war die Demütigung dieser stolzen Juden. Deshalb wird Buße als das, was das Fleisch beiseitesetzt und den Menschen als unbrauchbar betrachtet, besonders hervorgehoben. „Tut Buße“, sagt der Apostel Petrus, „und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi“, auf den Namen gerade dieses Menschen, den sie gekreuzigt und verworfen hatten. Da lag die einzige Quelle des Segens für einen jeden von ihnen. Er war die einzige Hoffnung für ihre Seelen. So wurden sie gedemütigt und willig gemacht. Der Tag Seiner Gnade war gekommen, noch nicht der Tag Seiner Macht nach Psalm 110. Gnade hatte ihre Herzen berührt und Gnade hatte bewirkt, dass sie Gottes Urteil über sich annahmen und sich Ihm unterwarfen. Sie hatten nicht länger eine hohe Meinung von sich selbst: Sie glaubten, dass sie verloren waren – das Letzte, was ein Mensch willens ist zu glauben. Sie waren wirklich so weit gekommen, dass sie willig waren zu glauben, dass sie in den Augen Gottes von Grund auf böse waren. Deshalb legt er großen Nachdruck hierauf. Er hat kein Mitleid mit ihnen, weil ihnen dies durchs Herz drang: Er fordert vielmehr von ihnen sogar noch etwas, was sie gewissermaßen noch tiefer vor Gott demütigen musste. Petrus konnte umso leichter darauf dringen, weil er wusste, wie überfließend die Gnade des Herrn Jesus ist. Deshalb sagt er: „Jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi …“

Je mehr wir die Gnade verkündigen, umso mehr dürfen wir es wagen und umso eher können andere es ertragen, dass wir auf einer tief greifenden, durchdringenden Buße bestehen. Es ist tatsächlich nötig, die Buße zu betonen und nicht abzuschwächen und nur zu sagen: „Die Leute müssen eben Buße tun, wenn sie zum Glauben kommen wollen.“ Dabei lässt Gott es nicht bewenden. Er wirkt an ihnen, dass sie ihren wirklichen Zustand vor Ihm erkennen. Das ist immer und für jeden sehr heilsam. Nebenbei bemerkt – wenn dies der Seele nicht frühzeitig zum Bewusstsein gebracht wird, muss sie später sehr demütigende und schmerzliche Erfahrungen durchmachen. Statt gleich zu Anfang unseres Weges in Einfalt zu lernen, was wir sind, statt schon – soweit man es von einem Neubekehrten erwarten kann — ein tiefes Gefühl unserer Sündhaftigkeit zu haben, mag es nachher nötig sein, das durch einen tiefen Fall zu lernen, durch offene Sünde, durch eine offenkundige Abkehr von Gott, durch eine schmerzliche Rückkehr, nachdem wir uns gerade deshalb um so weiter von Ihm entfernt hatten, weil wir am Anfang unserer christlichen Laufbahn einen so mangelhaften Abscheu vor der Sünde hatten. Wie manche Seele hat dies durchmachen müssen! Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass diejenigen, mit denen wir am häufigsten zusammentreffen, in dieser Hinsicht am meisten gefährdet sind. Diese Gefahr ist besonders für Jugendliche um so größer, je mehr sie von der Gnade des Herrn verstehen, wenn damit nicht auch gleichzeitig ein zartes Gewissen vor Gott verbunden ist.

Wir wollen nun beachten, was auf die Aufforderung des Apostels, Buße zu tun und sich taufen zu lassen, folgt: „Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ Sicherlich kamen sie durch die Einwirkung des Heiligen Geistes dazu, Buße zu tun. Wenn sie den Namen des Herrn Jesus Christus annahmen, wenn sie in Ihm Vergebung fanden und auf diesen Namen getauft wurden – und eine solche Taufe wäre doch wertlos, wenn diese Seelen nicht auch wirklich an Seinen Namen geglaubt hätten –, dann kann nicht bezweifelt werden, dass es der Heilige Geist war, der sie zur Buße und zum Glauben an Seinen Namen geführt hatte. Daraus ist klar ersichtlich, dass das Empfangen des Heiligen Geistes, wovon hier die Rede ist, durchaus nicht dasselbe ist wie die Wirkung des Heiligen Geistes, die zu Buße und Glauben führt. Es ist vielmehr eine zusätzliche und darauf folgende Wirkung; es ist ein zusätzlicher Segen; es ist ein Vorrecht, das sich auf den Glauben gründet, der im Herzen schon besteht und tätig ist. Zu sagen, dass jemand die Gabe des Heiligen Geistes in demselben Augenblick empfängt, in dem er glaubt, entspricht sicher nicht der Wahrheit. Es ist sehr zu bezweifeln, ob dies überhaupt jemals stattgefunden hat. Damit will ich nicht sagen, dass die Gabe des Heiligen Geistes in der Praxis nicht bei der gleichen Gelegenheit geschenkt wird – niemals aber im gleichen Augenblick. Es sollte mich jedenfalls wundern, wenn mir jemand aus dem Wort Gottes oder aus der Praxis ein einziges Beispiel nennen könnte. Von einem solchen Fall habe ich nie etwas gehört oder gesehen, und – was mehr bedeutet – ich glaube, dass die Schrift diese Möglichkeit ausschließt.

Der Grund dafür ist ganz einfach. Die Gabe des Heiligen Geistes gründet sich auf die Tatsache, dass wir durch den Glauben an Christus Söhne sind; Glaubende, die in Seinem vollbrachten Erlösungswerk Ruhe gefunden haben. Das setzt also ganz klar voraus, dass wir durch den Geist Gottes wiedergeboren sind. Wie wichtig das ist, werden wir bei einer späteren Gelegenheit finden, wenn wir einige Stellen aus den Briefen betrachten. Ich wollte es hier nur andeuten, weil es in unserem Vers hier so klar zu sehen ist. Der Heilige Geist wird uns also nicht gegeben, um Buße bei uns zu bewirken, auch nicht, damit wir Christus im Glauben aufnehmen. In Wahrheit ist es so, dass Seelen, nachdem sie Buße getan haben, nachdem sie auf Seinen Namen und zur Vergebung ihrer Sünden getauft worden sind, die Gabe des Heiligen Geistes als ein zusätzliches Vorrecht empfingen.

Dann möchte ich noch auf etwas anderes hinweisen, was auch wichtig ist. Die „Gabe des Heiligen Geistes“ bedeutet niemals dasselbe wie die „Gaben“. Es gibt viele, die „Gabe“ und „Gaben“ miteinander verwechseln. Im Wort Gottes werden sie nie miteinander vermengt; sie bedeuten absolut nicht ein und dasselbe. Wenn auch nicht in unserer Sprache, so doch in der, die der Heilige Geist benutzt, werden sie sogar durch zwei verschiedene Wörter ausgedrückt. Ohne Ausnahme sind diese beiden Dinge voneinander verschieden. Natürlich mag es vorkommen, dass sie beide bei der gleichen Gelegenheit geschenkt werden. Jemand mag diese oder jene Gabe besitzen und auch die Gegenwart des Heiligen Geistes in seiner Seele genießen. Er mag auch durch die Kraft des Heiligen Geistes befähigt werden, das Evangelium in die Welt zu tragen oder in der Versammlung einen Dienst als Lehrer oder Hirte auszuüben. Und doch ist die Gabe des Heiligen Geistes ein davon durchaus verschiedenes Vorrecht. Diese Gabe besteht nicht darin, dass Er jemanden zu einem bestimmten Zweck mit Seiner Kraft ausrüstet, sondern dass Er Selber gegeben wird. Gewiss mag das Erstere auch gefunden werden; die Gabe des Heiligen Geistes aber war jener gemeinschaftliche Segen, der dort jeder Seele, die Buße getan hatte und getauft worden war, geschenkt wurde.

Darauf folgte sofort ein frohes Aufnehmen oder zumindest eine „Aufnahme“ des Wortes Gottes, denn das Wort „froh“ im Text ist fragwürdig. „Sie nahmen das Wort auf.“ Das ist jedenfalls sicher. Vielleicht geschah es mit Ernst sowohl als auch mit Freude, den Gefühlen, die dafür charakteristisch sind. Sie wurden auf den Namen ihres Messias, den sie vorher verachtet hatten, getauft. „Und es wurden an jenem Tage hinzugefügt bei dreitausend Seelen.“ Sie alle waren, wie es am Ende des Kapitels beschrieben wird, erfüllt von der Gnade und der Kraft Gottes.

Wenn wir uns nun zu der nächsten großen Krise wenden, so finden wir dort ganz andere Begleitumstände. Stephanus hatte sein Zeugnis abgelegt, und das Resultat war vollständige Ablehnung seitens der Juden – er voll Heiligen Geistes, sie aber im Widerspruch gegen Ihn. Wie ihre Väter getan hatten, so taten jetzt sie. Stephanus besiegelte sein Zeugnis mit seinem Blut, und die Verfolgung, deren erstes Opfer er wurde, zerstreute die ganze Versammlung, die in Jerusalem war, ausgenommen die Apostel. Gerade diejenigen, die der Herr Jesus berufen hatte, in die ganze Welt auszugehen, bildeten eine Ausnahme bei dieser Zerstreuung und zwar die einzige Ausnahme. Das zeigt, wie außerordentlich schwer es sogar für Menschen in ihrem besten Zustand ist, die Ratschlüsse der Gnade Gottes zu verstehen und auszuführen. Gott aber war entschlossen sie auszuführen, selbst wenn Er eine schmerzhafte Triebkraft dazu benutzen musste.

2. Die Austeilung des Geistes in Samaria

Wenn Liebe, die Kraft der Gnade, ein Gefühl für die Not der Seelen und die Ehre Christi nicht genügten, diejenigen, an die der Befehl ergangen war, aufzurütteln, dann sorgte Gott dafür, dass schwächere Werkzeuge, die aber doch von der mächtigen Botschaft Seiner Gnade erfüllt waren, diesen süßen Wohlgeruch überallhin verbreiteten. Sie „gingen umher und verkündigten das Wort“. Unter anderen war es Philippus, der von den Aposteln ernannt und vom Volke erwählt worden war, die tägliche Verteilung zu überwachen, der nun, nachdem dieser Dienst unmöglich geworden war, ein gutes Maß von Freimütigkeit gewinnt und ausgeht, um die frohe Botschaft zu verkündigen. Er besucht die Stadt Samaria, die alte Rivalin Jerusalems. Dort war es den Juden nicht gelungen, das Gesetz zur Geltung zu bringen, und so waren sie isoliert und hatten keinen Umgang mit den Samaritern. Sie hatten ihr Vertrauen nicht gewonnen, noch waren sie selber eine Empfehlung für jene Wahrheiten des Gesetzes, die ihnen anvertraut worden waren. Aber gerade dort, wo sich das Gesetz als fruchtleer erwiesen hatte, sollte jetzt das Evangelium seine Kraft zeigen. Philippus predigt den Herrn Jesus mit solcher Einfalt und Kraft, und Gott legt so deutlich Seinen Segen darauf, dass die ganze Stadt mit Freude erfüllt wurde. Sogar ein so gottloser Mann wie Simon der Zauberer, seit langem wohl vertraut mit Satans Wegen und Listen, wurde von diesem heiligen Einfluss beeindruckt, obwohl weder sein Gewissen noch sein Herz wirklich davon ergriffen war. Auf jeden Fall wurde der allgemeine Umschwung zu stark für ihn. Mit seinem Verstand wenigstens beugt sich Simon Magus unter das Evangelium und wird mit den Übrigen getauft. Beachten wir aber, dass bislang noch niemand dort die Gabe des Heiligen Geistes empfangen hatte.

Aus dieser Tatsache können wir klar den Unterschied zwischen der Gabe des Heiligen Geistes und Seiner Wirksamkeit, durch welche Seelen zur Buße und zum Glauben an das Evangelium geführt werden, erkennen. Es besteht keine Frage, dass die große Mehrzahl der bekehrten Samariter echte Gläubige waren, obwohl dies nicht von Simon gesagt werden kann. Und doch war der Heilige Geist „noch nicht auf einen von ihnen gefallen“. Das heißt nicht nur, dass sie noch nicht in Zungen geredet hatten oder dass außer durch den Evangelisten selber (Apg 8,6.7.13) unter ihnen noch keine Wunder geschehen waren. Die Herniederkunft des Heiligen Geistes ist etwas ganz anderes, obwohl sie von diesen äußeren Zeichen Seiner Kraft begleitet wurde. Niemals dürfen diese beiden Dinge miteinander vermengt werden als seien sie dasselbe. Durch eine derartige Verwirrung würde die fundamental wichtige Wahrheit von der Anwesenheit des Heiligen Geistes auf der Erde stark beeinträchtigt werden. Wenn das so wäre, dann wäre der Heilige Geist heute nicht mehr anwesend, weil solche Kraftentfaltungen heute nicht mehr gefunden werden. Daraus ist ersichtlich, welch ein Schritt zum Unglauben hin ist es, solche Zeichen und Merkmale des Heiligen Geistes mit dem Heiligen Geiste Selber zu verwechseln. Ich wiederhole also: Hier in Samaria fehlten nicht nur die Wunderkräfte, nein, der Heilige Geist Selbst war noch nicht auf sie gekommen. Die Schrift betont das, denn wir lesen: „Als aber die Apostel, welche in Jerusalem waren, hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen; welche, als sie hinabgekommen waren, für sie beteten, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten, denn er war noch nicht auf einen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus.“

Wir merken hier sofort einen deutlichen Unterschied, ja einen Gegensatz zu dem Geschehen am Pfingsttage in Jerusalem. Dort kam der Heilige Geist auf sie, nachdem sie Buße getan hatten und auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden waren. Hier in Samaria war Er noch nicht auf einen von ihnen gefallen, obwohl sie geglaubt hatten und getauft worden waren. Wie kommt das? Ich bin überzeugt aus einem triftigen und gottgemäßen Grunde. Es liegt in der Natur des Menschen begründet, dass, wenn der Heilige Geist sogleich bei der Predigt des Philippus auf die Samariter herabgekommen wäre, die alte Rivalität Samarias mit Jerusalem weiter existiert hätte. Samaria würde wieder sein Haupt erhoben haben, die Gnade des Evangeliums hätte sie sogar in ihren religiösen Ansprüchen noch bestärkt. Gewiss war es wahr, dass Jerusalem als erste in den Genuss dieses ganz neuen und einzigartigen Segens kam; aber bekam Samaria ihn nicht ebenso zu spüren? Die Wirkung hiervon wäre gewesen, dass Jerusalem und „jener Berg“ weiter gegeneinander in Opposition geblieben wären, und jene Wirkung, die Gott durch die Anwesenheit des Heiligen Geistes hervorrufen wollte, wäre vereitelt worden. Statt Einheit durch Liebe zu bewirken, statt ein einziges Haupt, eine einzige Kraft zu offenbaren – ein Haupt im Himmel, eine Kraft hienieden, die in dem einen Leibe zur Ehre Christi wirkt –, wäre außer der neuen christlichen Gemeinde in Jerusalem auch noch in Samaria eine neue Institution entstanden. Dies verhinderte Gott, wenigstens für jeden, der auf Seine Wege achtgab. Gott wollte nicht einmal den Anschein eines unabhängigen Handelns dulden. Nichts ist so schädlich für die Wahrheit der Kirche Christi auf Erden wie Unabhängigkeit.

Als die Versammlung in Jerusalem oder jedenfalls die Apostel davon hörten (denn die Versammlung war jetzt zerstreut), sandten sie zwei ihrer Führer, zwei, die „Säulen“ waren: Petrus und Johannes. Sie beteten; doch gibt Gott uns auch noch eine weitere Andeutung über Seine Absichten mit dem Aufschub der Gabe des Heiligen Geistes in Samaria - nämlich in der Handlung des Händeauflegens. Dieses Auflegen der Hände hatte eine doppelte Bedeutung: zunächst die des Austeilens des Segens durch die Apostel, zweitens die des Einsmachens mit der Wirksamkeit des Heiligen Geistes in Jerusalem. Es war ein Zeugnis vor der ganzen Welt, dass Gott in Seiner Kirche keine Rivalität dulden würde – dass diejenigen, die an einem Ort Führer und Häupter waren, an einem anderen Orte ebenso unentbehrlich waren. Wir erkennen gerade in dieser Tatsache Gottes Tun: Obgleich Er Seinen Segen auf verschiedene Art und Weise austeilt, ist dieser Unterschied doch nur ein Ausdruck Seiner Weisheit und Fürsorge, genau wie es der Segen selber ist. Selbstverständlich ist die Gabe des Heiligen Geistes der hervorragendste Teil dieses Segens; aber auch in den allerkleinsten Unterschieden, die Sein Wort enthält, können wir immer die wunderbare Güte und Weisheit Gottes erkennen. Wenn wir hier auch eine sehr deutliche Verschiedenheit mit dem Pfingsttag in Jerusalem bemerken, so beweist dies nur umso mehr, wie Gott uns liebt, wie der Herr für Seine Kirche besorgt ist. Selbst in der Art und Weise, wie Er die wunderbare Gabe des Heiligen Geistes schenkt, möchte Er den Seinen – wenn sie nur darauf achthaben und Seine Wege verstehen wollen – zeigen, wie Er uns in den Gefahren, die aus unserer eigenen Natur kommen, beistehen will.

3. Die Austeilung des Geistes bei den Nationen

Bei dem nächsten Fall, den wir betrachten wollen, in Apostelgeschichte 10, bemerken wir wieder etwas anderes. Der Apostel Petrus wird ausdrücklich von Gott aufgefordert und gesandt. Es gefiel Gott wohl, ein zwiefältiges Zeugnis Seiner Gnadenabsicht zu schenken. Kornelius, der heidnische Hauptmann in Cäsarea, erhielt, während er fastete und betete, den Besuch eines Engels, der ihn veranlasste, einen Boten zu Simon Petrus nach Joppe zu senden. Der Apostel selber geriet am nächsten Tag in Joppe in eine Verzückung. Er sah dreimal ein Gesicht betreffs dieser großen Sache, damit gleichsam jedes Wort durch drei deutliche Zeugen bestätigt wurde. Durch den Geist Gottes wird Petrus noch mehr zu diesem Schritt ermutigt (Apg 10,19-32). Er willigt ein in die Bitte der Boten von Kornelius und geht mit ihnen. Als er seinen Mund öffnet, muss er ihnen mitteilen, was ihm selbst so überwältigend groß geworden ist. Zunächst hatte er ja starke Vorbehalte, ja er hatte es sogar gleichsam gewagt, mit dem Herrn über das große Gesicht mit dem leinenen Tuch zu diskutieren. Als der Herr ihm befiehlt zu schlachten und zu essen, sagt er, er habe niemals etwas Gemeines oder Unreines gegessen. Wiederholt aber wird ihm die Zurechtweisung erteilt: „Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein!“ Endlich hatte er die Lektion verstanden. „In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ist ihm angenehm.“

Zunächst einmal ist es klar, dass dieser Ruf nicht an einen heidnischen Götzendiener erging. In diesem Falle spricht Petrus zu einem Mann, der Gott schon fürchtete und Gerechtigkeit übte. So war es bei Kornelius. Er war kein Unbekehrter, sondern einer, der Gott wirklich fürchtete. Er betete viel und gab reichlich Almosen. Sicher hätten selbstgerechte Gebete und Almosen ihn vor Gott nicht wohlannehmlich machen können. Wenn solche Dinge getan werden, um irgendwie eine Sühnung vor Gott für die Seele zu erreichen, dann gehören sie zu den unheiligen Hilfsmitteln des Unglaubens. Kornelius aber war ein gottesfürchtiger Mann – und das in Wirklichkeit, nicht nur seinem Bekenntnis nach. Er war wiedergeboren. Durch die Botschaft des Engels hatte Gott dies angedeutet und seine Gerechtigkeit anerkannt. Es ist unmöglich, dies nur so zu verstehen, als sei er nichts weiter als ein äußerer Bekenner des wahren Gottes – selbst in den Augen der Menschen der denkbar niedrigste Zustand und ein Gräuel in den Augen Gottes. Beim Lesen dieser Verse habe ich neu den Eindruck gewonnen, dass Kornelius in einem Zustand war, den der Herr Selber bei ihm gewirkt hatte und an dem Er bestimmt Wohlgefallen hatte. Es war sowohl weise als auch sehr gnädig seitens des Herrn, dass Er, als Er sich den Nationen zuwandte, dabei mit einem Menschen anfing, dessen Gottseligkeit sogar die Juden nicht abstreiten konnten. Zweifellos war es nichts als unumschränkte, unendliche Gnade, die dem offenbar verlorenen, ja dem Ersten der Sünder, entgegengebracht werden sollte. Hier bei Kornelius jedoch handelte es sich nicht darum, einen Sünder zum ersten Mal aus seinem Sündenschlaf zu wecken, vielmehr darum, jemanden, der schon erweckt war, auf die bewusste Grundlage eines vertrauten Verhältnisses zu Gott und in vollkommene Freiheit zu bringen, so dass niemand, der Gott und Sein Wort kannte und fürchtete, Seinem Anspruch hierauf widersprechen konnte. Es mag sein, dass diese beiden Dinge in den meisten Fällen zusammenlaufen. Bei Kornelius war dies jedenfalls nicht der Fall, aber zur rechten Zeit hörte er mit seinem Hause durch Petrus das Wort Gottes.

Es ist aber auch beachtenswert, dass es nicht das erste Mal ist, dass dieses Wort in Cäsarea gehört wurde. Petrus sagt: „Das Wort, welches er den Söhnen Israels gesandt hatte, … kennet ihr.“ Es ist also klar, dass dieser Hauptmann nicht nur Gott fürchtete und schon vorher oft zu Ihm gebetet hatte, sondern dass er sich auch dessen bewusst war, was in ganz Judäa gepredigt worden war. Wie kam es, dass er dies noch nicht in all seiner Fülle für sich persönlich erfasst hatte? Gerade deshalb, weil er einer war, der Gott fürchtete und vor Seinem Wort zitterte. Seine Haltung war zu seiner Zeit durchaus am Platz. Diese Ehrfurcht vor Gott war die Ursache dafür, dass er nicht wagte, den Gnadenwegen Gottes vorzugreifen. Er konnte sich sagen: „Wenn Gott Israel sein Wort gesandt hat, dann weiß ich wohl, dass es ihnen gilt und sicher ist. Gesegnet ist das Volk, das einen solchen Gott hat! Aber wer und was bin ich?“ Aus eben diesem Grund wartete er, bis ihm selber dieses Wort gesandt wurde. Gerade so ist es heute mit dem Evangelium. Es ist die Verkündigung der Gnade Gottes an jedes Geschöpf; damals aber war es etwas ganz Neues. Natürlich war Kornelius mit den alten Schriften vertraut und zweifelte nicht an den Verheißungen. Das waren für ihn keine abstrakten Wahrheiten; er zweifelte nicht daran, dass sie für Israel durch und in Christus in Erfüllung gingen.

Jetzt aber wird ihm, dem Heiden Kornelius, auf Befehl Gottes durch Petrus das Wort gebracht. Wir haben gelesen: „Während Petrus noch diese Worte redete“ (im Besonderen, wie ich annehme, die Worte: „… diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen …“), drang diese Wahrheit in seine Seele. Dieses direkte Zeugnis öffnet nach dem Wort aller Propheten für jedermann die Tür: „Jeder, der an ihn glaubt, empfängt Vergebung der Sünden durch seinen Namen. Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.“ Was? Ohne Taufe? Ohne Händeauflegung? Ohne dass für sie gebetet wurde? Jawohl, ohne irgendeines von diesen Dingen, ohne weitere Umstände. Während der Apostel noch diese Worte redete, wird ihnen allen der Heilige Geist gegeben.

Hier haben wir also eine neue Stufe, etwas, was sich nicht nur von dem, was in Samaria geschehen war, sondern auch von dem, was in Jerusalem am Pfingsttage gesehen wurde, unterscheidet. In Jerusalem mussten die Juden getauft werden und erst danach empfingen nur sie den Heiligen Geist. Es genügte nicht, dass sie nur dem Evangelium glaubten, sie mussten auch im Namen Jesu Christi getauft werden (natürlich mit Wasser) zur Vergebung ihrer Sünden, „und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“. Die Samariter waren nicht nur mit Wasser getauft worden, da musste auch gebetet werden und die Apostel mussten ihnen die Hände auflegen, sonst wäre der Heilige Geist auf keinen Einzigen von ihnen gekommen. Hier dagegen fällt der Heilige Geist vor der Taufe und ohne apostolische Händeauflegung auf sie alle. Wie ist das zu erklären? Nun, der allein weise und allein gütige Gott erbarmte sich dieser Heiden in tiefer Gnade. Der Augenblick für die völligere Ausführung Seiner Heilspläne war gekommen, und in diesem einzigartigen Vorgang im Hause des Kornelius sehen wir die erstmalige Entfaltung Seiner Gnade. Gewiss war es keine so öffentliche Angelegenheit wie dort in Jerusalem, als dreitausend Seelen hinzugefügt wurden. Dort wurde der Stolz und die Herzenshärtigkeit der Juden gegen Jesus von Nazareth gebrochen. Vor diesem Namen mussten sie sich beugen, ja, sie mussten sogar in diesem Namen getauft werden, sonst konnten sie den Heiligen Geist nicht empfangen. Bei den Samaritern war es anders. Auch ihnen wurde eine ganz besondere Lektion erteilt, durch die ihrer ausgeprägten Neigung zur Rivalität mit Jerusalem entgegengewirkt wurde und wodurch der große Grundsatz der Einheit der Versammlung (nicht nur der Versammlungen), die Gott auf der Erde bildete, gewahrt und befestigt wurde. Hier in Cäsarea bei Kornelius aber handelte es sich darum, die Nationen zu ermuntern und zu gewinnen, die Petrus selber einst verachtet hatte. Denn als der Herr ihm gesagt hatte zu gehen und unter allen Nationen Jünger zu machen, war er nicht gegangen. Selbst, als die Versammlung dazu getrieben wurde, das Evangelium zu predigen, blieb er zu Hause. Die Apostel waren langsam (wenn ich so sagen darf), sie blieben hinter dem Wirken des Herrn zurück. Sie hatten nur wenig Verständnis für Seine mächtige Gnade, die alle Gedanken Seiner Kinder so weit übertraf. Zaghaft genug wurde sie vonseiten der Menschen geoffenbart, obwohl Gott sie dabei gleichsam bei der Hand nahm (denn bevor Petrus endlich am rechten Platz war, war es nicht viel mehr als das). Als er dann aber in Cäsarea predigte, wie erteilt Gott da der Langsamkeit Seines Dieners einen Verweis – wenn auch mit unendlichem Erbarmen! Als die Worte über seine Lippen kamen, ereignete sich etwas, eine Gnadenerweisung wie sie selbst in Jerusalem nicht gesehen worden war. Auch in Samaria hatte man so etwas nicht erlebt; denn dort war nach der Weisheit Gottes eine Pause eingetreten; dort war apostolische Händeauflegung erforderlich, ehe die Segnung in ihrem vollen Umfang mitgeteilt werden konnte.

Hier in Cäsarea finden wir nichts dergleichen. Hier war alles reine Gnade. Selbstverständlich war in ihren Seelen ein Werk des Geistes vorausgegangen, nämlich Buße vor Gott und Glauben an den Herrn Jesus. Das ist immer notwendig. Eine sichtbare Handlung von anderen, der sie selber sich unterziehen mussten, gab es hier aber nicht. Die Taufe kam hinterher und hatte den Charakter eines Vorrechtes (was sie ja auch tatsächlich ist), das ihnen nicht verwehrt werden konnte. Sowohl für den Juden als auch für den Samariter war eine gewisse Demütigung notwendig. Für den Heiden dagegen war alles eine einzige Ermunterung. Gott wollte sie zu sich ziehen und allen Widerspruch zum Schweigen bringen. In der Art und Weise wie Er den Heiligen Geist schenkt, liefert Er den glänzendsten Beweis dafür, wie Er, wenn Er sich dem am weitesten Entfernten zuwendet, gerade deshalb um so mehr Gnade erweist. Keine Barmherzigkeit ist so reich wie die, welche die armen Heiden suchte und fand.

Das Beispiel der Nationen gilt uns

Wir wollen es wohl beachten, geliebte Geschwister – auf diese Weise haben wir den Heiligen Geist empfangen. Wir gehören zu den Heiden. Wir sind weder Juden noch Samariter. Wenn andere sich dessen rühmen wollen, dass der Heilige Geist vom Himmel auf sie herabgekommen ist, dann mögen sie das tun: Gebe Gott, dass sie sich auch dessen rühmen können, was am Pfingsttage in Jerusalem und nachher in Samaria stattfand. Kein Apostel wurde gerufen, um den Nationen die Hände aufzulegen. Und doch war Petrus, der doch hinter keinem anderen zurückstand und der doch in Samaria die Hände aufgelegt hatte, in Cäsarea anwesend: Dadurch wurde die Gnade Gottes den Nationen gegenüber nur um so augenfälliger. Er verkündete allen Anwesenden die erstaunliche Kunde; mehr als das brauchte und konnte er nicht tun. Gott Selbst unterbrach ihn. Eine Vorbereitung durch eine menschliche Handlung kam überhaupt nicht in Frage; kein Händeauflegen, nicht einmal die Taufe. Nichts dergleichen wurde getan, ehe der Geist geschenkt wurde, obwohl der Apostel Petrus da war, um sowohl zu taufen als auch die Hände aufzulegen, falls dies notwendig gewesen wäre. Man kann wohl sagen, dass der Mensch vor der überströmenden Gnade Gottes verschwindet. Und wie wunderbar ist es doch, dass gerade dies der Weg ist, wie wir unsere Segnungen und unseren Platz vor Gott erlangt haben! Gott hat uns in diesem Geschehen eine völlig genügende Antwort auf all die Anstrengungen derjenigen gegeben, die behaupten, wir müssten Apostel haben, wo doch keine vorhanden sind. Der Unglaube verachtete die Apostel, als sie da waren; der Unglaube behauptet, ihre Anwesenheit sei unentbehrlich, sie seien der einzige Kanal für die Übermittlung des Heiligen Geistes, obschon dieser Kanal nirgendwo gefunden werden kann. Wie gütig vom Herrn, dass Er uns hier in Seinem geschriebenen Wort den Beweis dafür gegeben hat, dass diese Leute nicht verstehen, was sie sagen und behaupten! Mögen andere, wenn ihnen dies gefällt, sich in die Stellung von Samaritern oder Juden zurückversetzen; das passt zu ihnen. Mögen sie sagen, sie seien Juden, wenn sie keine sind. Der Herr schenkt denen, die damit zufrieden sind, sich vor Ihm als arme Sünder aus den Nationen zu erkennen, Seinen allerreichsten Segen. Gebe Gott, dass alle die, die noch an religiösen Formen und Satzungen festhalten, an diesem oder jenem menschlichen Kanal des Segens, ihren wahren Platz vor Gott finden und sich vor Ihm beugen, dass sie willens sind zu sein, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich nichts, damit sie völlig gemäß dem Herzen Gottes gesegnet werden können! Auf diese Art segnete Gott damals, und so möchte Er gerne immer segnen. Uns geziemt es, Seine Gnade hoch zu schätzen. Der Apostel sagte, dass er seinen Dienst ehrte (Röm 11). So, glaube ich, sollten wir die Gnade Gottes ehren, die so göttlich groß mit solch Verworfenen aus den Nationen, wie wir es sind, handelt. Wir sollten viel und oft von dem sprechen, der solche armseligen Sünder wie wir so segnen kann. Wenn Er dies damals tun konnte, dann kann Er es auch heute noch; der Boden hat sich nicht verändert. Damit sage ich nicht, dass die Begleiterscheinungen dieselben sind. Wir können in diesem Bericht von der Gabe des Heiligen Geistes in Cäsarea deutlich den Grundsatz erkennen, nach dem Gott die Nationen segnet. Wenn du willig bist, das von Gott in die Welt ausgegangene Zeugnis anzunehmen – auf welche Art, so frage ich, haben nach der Schrift nicht Juden, sondern Nationen den Heiligen Geist empfangen? Durch das gepredigte Wort. Ist es nicht heute noch ebenso? Der Kanal ist das Wort Seiner Gnade!

Bekehrung und Empfang des Heiligen Geistes sind nicht identisch

Ohne Zweifel gibt es in manchen Fällen Verzögerungen. Man findet Seelen, die wirklich vom Geist Gottes berührt worden sind – ich meine nicht nur in ihren Gefühlen, nein, ich meine ein wirkliches Werk der Gnade Gottes in ihren Herzen und Gewissen –, und doch haben sie noch keinen Frieden, keine feste Ruhe und Freiheit im Heiland. Das ist durchaus nicht ungewöhnlich. Sollen wir deswegen abstreiten, dass Gott an ihnen wirkt? Sollen wir das, was Gott schon gewirkt hat, ignorieren, nur weil das noch nicht alles ist, was wir ihnen wünschen und wünschen müssen? Haben wir ein Recht zu sagen, es sei gar nichts geschehen, solange nicht eine vollständige Befreiung der Seele vor Gott zu sehen ist? Ich überlasse die Antwort anderen. Ich selbst wage nicht, das zu denken oder zu sagen. Und ich bitte alle meine Brüder, solch einem Unglauben keinen Raum zu geben. Ich hoffe, niemand hier hält es für nötig, die Echtheit eines göttlichen Wirkens in der Seele in Zweifel zu ziehen, weil sie noch nicht ganz versteht, was Christus für sie getan hat. Manchmal handeln wir unvorsichtig mit Seelen und schaden ihnen sehr, wenn wir das Wirken Gottes in ihnen nicht anerkennen.

Es besteht aber noch eine andere Gefahr. Lasst uns nicht damit zufrieden sein, wenn wir sehen, dass eine Seele Buße tut und sich zu Christus wendet. Lasst uns Sorge tragen, dass sie zur wahren Freiheit gelangt, sonst ist auch das Unglaube und zeigt einen Mangel an Vertraut-Sein mit dem Wort und der Gnade Gottes. Dadurch kommt die Seele nicht in den Genuss der vollen Anwesenheit und Wirksamkeit des Geistes Gottes. Wir müssen alles bei seinem richtigen Namen nennen. Jemand mag sich im Bewusstsein seiner Sünde und Unruhe, die in der Gnade Gottes und dem Erlösungswerk Christi noch keine Antwort gefunden haben, sehr elend fühlen. Wenn wir nun sehen, dass solch ein Herz sich nach dem Herrn Jesus sehnt, müssen wir dies Bekehrung nennen, und es als Gottes Gnadenwerk betrachten, auch wenn der Friede des Gewissens und noch mehr der des Herzens noch fehlt. Es aber bei diesem Zustand zu belassen, wäre verkehrt – zu denken, es sei genug, wenn eine Seele sich von ihrer Sünde zu Gott bekehrt, wenn sie sich selbst hasst und verurteilt und auf den Herrn Jesus schaut. Es ist in solchen Fällen mehr ein Verlangen nach Ihm als ein positiver Friede in Ihm. Die Seele ist noch längst nicht im vollen Besitz des ganzen Segens, den die Frohe Botschaft bringen will. Wir sollten Nachdruck darauf legen, dass im Herrn Jesus viel mehr zu finden ist als nur eine Erweckung des Herzens und Gewissens, so echt dieses Gefühl der Sünde und dieses Sehnen nach Gott auch sein mag. Ich glaube, wir alle machen uns eines Versäumnisses schuldig, wenn wir nicht darauf bestehen, dass solch eine Seele noch nicht das erreicht hat, was die Schrift uns als den wahren Stand eines Christen vor Gott zeigt. Wenn Sein Wort voraussetzt, dass alle Seine Kinder völligen Frieden genießen, sollten wir dann mit weniger zufrieden sein? Wir sollten niemals zugeben, dass ein neu erwecktes Herz, das aber noch unter dem Gesetz ist, das volle Ergebnis der Wahrheit, die in Jesus ist, darstellt, obwohl wir verpflichtet sind, diesen Zustand als echt anzuerkennen. Gott hat aber für die Seinen viel mehr im Sinn; nichts Geringeres als einen Platz des Segens, wo alle Zweifel, Ängste und Sorgen dahinschwinden im Bewusstsein der vollkommenen Gnade, die uns zu Ihm Selbst geführt, unsere Sünden gesühnt und alle Fragen gelöst hat.

Solange noch innerer Kampf und Unruhe besteht, entspricht der Seelenzustand noch dem der Gläubigen des Alten Testamentes. Der einzige Unterschied ist der, dass es für sie unmöglich war weiterzukommen, denn die Zeit dafür war noch nicht da, weil der Befreier noch nicht da war. Die Befreiung war noch nicht vollbracht. Die gesegnete Grundlage, durch die es zu einer Sache des Glaubens gemacht worden ist, Frieden durch die Gnade Gottes zu erlangen, war noch nicht vorhanden, und die Wege Gottes können nicht vorweggenommen werden. Wir können Ihm nicht vorauslaufen. Wir dürfen Ihm folgen und sollten uns freuen, Seine Güte an uns vorüberziehen zu sehen; aber wir können nicht vor Gott herlaufen. Heute ist diese Erlösung da. Christus war hier, ist gestorben und auferstanden; selbst erweckte Seelen begreifen die gewaltigen Ergebnisse Seines Werkes nicht immer an einem Tage. Wohl ist dies möglich, und ich zweifle nicht, dass es auch heute noch solche Fälle gibt wie den Kerkermeister zu Philippi. In der gleichen Stunde, in der das Gewissen dieses Mannes erreicht wurde, fand ein weiteres Werk der Gnade Gottes bei ihm statt, durch das er und sein ganzes Haus mit Freude erfüllt wurde. So elend wie er vorher gewesen war, so vollkommen glücklich wurde er durch die Gnade Gottes in der gleichen Stunde. Auch heute noch kann das im Verlaufe einer Stunde vor sich gehen, aber ich glaube nicht, dass dies die Regel ist wie oft angenommen wird.

Nehmen wir z.B. den Apostel Paulus. Wenn jemals ein Mann gründlich bekehrt wurde, dann doch gewiss er auf dem Wege nach Damaskus und zwar durch eine ganz außergewöhnliche Krafterweisung. Und doch führt Gott ihn offensichtlich nicht sofort zur vollen Freiheit. Tage und Nächte lang war er so tief erschüttert, dass er weder aß noch trank, ja sogar blind war. All das kennzeichnete seinen geistlichen Zustand. Er hatte wirklich Christus in Seiner Herrlichkeit gesehen, er ganz persönlich. Aber war er damit schon in den friedevollen Genuss all dieser Herrlichkeit gelangt? Ich zweifle nicht, dass in ihm ein weiteres unmittelbares Werk vor sich ging, die Frucht der Wirkung der Wahrheit am inneren Menschen. Und doch, bis Ananias zu ihm kam und er getauft wurde, war er von völliger Ruhe und Freiheit weit entfernt. Dann erfüllt ihn, wie wir wissen, der Heilige Geist, und damit kommt er – und das ist immer so – bewusst in den Genuss des vollen Segens. Dies beeinträchtigt in keiner Weise weder die Fülle noch die Freiheit der Frohen Botschaft, im Gegenteil, es lässt Raum dafür, den Tatsachen, wie sie nun einmal vorhanden sind, gerecht zu werden. Man kann den Zustand vieler Seelen nicht in eine Theorie hineinzwängen. Wenn wir ernstlich um Seelen besorgt sind, können wir jeden Tag, ohne dass wir danach suchen, Tatbestände antreffen, die sich nicht einfach einer Theorie unterordnen. Beobachten wir sie, ganz gleich wo, und wir werden feststellen, dass da ein echtes Werk Gottes in der Seele vorgeht. Dieser Zustand kann Tage, Wochen, Monate, ja Jahre anhalten. Sehr oft wird eine Seele erst nach dieser längeren Zeit zur vollen Freiheit vor Gott gebracht. Aber, wenn und wo jemand zu dieser Freiheit gelangt, da ist dies nicht nur Leben, sondern meines Erachtens der Empfang des Heiligen Geistes.

Gott wird ein begonnenes Werk vollenden

Ehe wir dieses Thema verlassen, möchte ich aber noch auf etwas anderes hinweisen. Wenn Gott ein Werk beginnt, dann vollendet Er es auch, obwohl nicht immer sofort. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass niemand stirbt, ohne dass das Werk Gottes in seiner Seele vollendet worden ist. Das zeigt das Wort Gottes und meine Erfahrungen haben mir das bestätigt. Überall, wo Gott neues Leben schafft, da schenkt Er auch den Heiligen Geist. Ich glaube nicht, dass dies immer gleich im Anfang stattfindet, ja die Schrift beweist das Gegenteil. Und doch wird jeder, den Gott heute segnen will, ohne Zweifel früher oder später in den vollen Genuss des Friedens mit Ihm gelangen. Ich rede jetzt nicht von Erkenntnis. Wenn es darum ginge, so müsste man trauern, dass sie bei so wenigen gefunden wird. Wir alle wissen, wie elend wirklich fromme Seelen jahrelang sein können. Niemals habe ich aber einen einzigen dieser Fälle beobachtet, in welchem der Herr die Seele nicht völlig glücklich gemacht hat, ehe Er sie zu sich rief. Ich habe wunderbare Beispiele gesehen, wie alle Ungewissheiten und Fragen, die das ganze Leben einer Seele, in der wirklich göttliches Leben vorhanden war, umwölkt hatten, plötzlich verschwanden, und ich zweifle nicht, dass es noch viel mehr derartige Fälle gibt. Sie erlebten es, wie die Gnade Gottes schließlich alle Wolken von der Seele vertrieb. Die Frage bleibt natürlich offen, ob diese Seelen das klar auf die wirkliche Ursache zurückführen.

Nach meinen Erfahrungen komme ich zu dem Schluss, dass eine Seele, die durch den Geist Gottes lebendig gemacht oder bekehrt wird (im Wesentlichen dasselbe, nur von einem anderen Standpunkt aus betrachtet), schließlich auch die Gabe des Heiligen Geistes erlangten. Diese Menschen müssen unter Umständen längere Zeit warten, weil sie noch nicht bereit sind, sich der Gerechtigkeit Gottes zu unterwerfen.

Es ist beachtenswert, dass bei dem Besuch des Petrus in Cäsarea die Taufe auf die Gabe des Heiligen Geistes folgt. Der Apostel macht darauf aufmerksam, dass nicht nur der Heilige Geist genauso auf sie gefallen war wie auf die Juden am Pfingsttage, sondern dass sie auch in Zungen redeten; die gleichen unleugbaren Beweise jener großen Gabe waren also vorhanden. Dies war von großer Bedeutung, weil es die Einwendungen der Brüder aus der Beschneidung, die den Petrus begleiteten, zum Schweigen brachte. Als er hörte, wie sie Gott erhoben, da „antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden?“ Er wusste sehr wohl, wie die Vorurteile der jüdischen Brüder sich geltend machen würden. Es war ja auch etwas ganz Neues, dass Gläubige aus den Nationen mit Wasser getauft wurden. „Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir?“

Taufe geschieht nicht durch einen Amtsträger

Eine andere Tatsache ist noch bemerkenswert – und sie wird in der Schrift durch viele andere Stellen bestätigt –, nämlich dass die Taufe niemals das besondere Vorrecht eines offiziell dazu ernannten Mannes innerhalb der Versammlung ist. Petrus war anwesend. Wenn eine höhere Würde dazu nötig gewesen wäre, hätte Petrus zweifellos die Taufe vollziehen können. Man kann aber den Wortlaut des Berichtes ganz einfach nur so verstehen, dass er es nicht persönlich tat. Er sorgte dafür, dass sie getauft wurden; er „befahl, dass sie getauft wurden“. Nirgendwo wird gesagt, dass er selber sie taufte. In demselben Sinn spricht auch Paulus von seiner Tätigkeit in Korinth und dankt Gott, dass er dort niemanden getauft hatte außer einigen wenigen. Ganz sicher wurde auch Petrus hier von Gott geleitet, wenn auch aus einem anderen Grund, persönlich keine Taufe vorzunehmen. Wäre es anders gewesen, wie hätten viele Menschen diesen Fall interpretiert? Sie hätten versucht, aus einem Vorkommnis, in dem Gott zu Seiner eigenen Ehre handelt, Ruhm für sich selber zu ziehen. Das hat Gott verhindert. Sogar der große und reich gesegnete Apostel Paulus wurde von einem ganz einfachen Jünger getauft. Wäre beim Taufen irgendwie die Person des die Taufe Vollziehenden von Bedeutung, so hätte man erwarten können, das dies besonders berücksichtigt worden wäre, wenn ein Apostel getauft wurde. Ananias aber geht auf das Wort Gottes hin und sagt: „Bruder Saul!“, und tauft ihn unverzüglich. Da finden wir kein Warten auf eine offizielle Persönlichkeit.

Ist das nicht ein überzeugender Beweis für den menschlichen Unglauben, dass eine so offensichtliche und überwältigende Tatsache einfach übersehen und falsch ausgelegt wird? Bilden sich die Männer der alten oder der neuen Zeit ein, sie wüssten es besser als die Schrift? Verstehen sie und können sie den Willen des Herrn für Seine Diener und Seine Kirche besser übermitteln als die inspirierten Schreiber? Gott hat niemals eine Vollmacht erteilt, nach welcher z.B. nur Diener des Evangeliums die Taufe vollziehen dürfen. Nein, es ist die größte Sorgfalt angewandt, gerade das Gegenteil zu beweisen, und dies, als noch keine besondere Notwendigkeit dazu vorlag. Bei Kornelius, einem hochgestellten Mann, wäre es nicht nötig gewesen, nach einem Mann zu suchen, der in der Versammlung eine besondere Stellung einnahm, denn Petrus war zugegen. Wenn die gottgewollte Ordnung derartige Formen, wie sie seitdem von Menschen verlangt werden, vorgesehen hätte, warum wurden diese Formen dann bei einer so wichtigen Angelegenheit, wie die Taufe des Kornelius es war, nicht beachtet, die doch allen, die sich an dem Vorbild der Apostel orientieren wollen, für immer als Richtschnur dienen würde? Ebenso wie Paulus wurde auch der heidnische Hauptmann und seine Familie von solchen getauft, die man heutzutage Laien nennen würde. Manchmal kam es vor, dass Apostel oder Evangelisten eine Taufe vollzogen, aber in keiner Weise wurde die Taufe als offizieller Ritus betrachtet: Andere Brüder durften taufen und taten es, sogar wenn ein Apostel zugegen war. Dies sei jedoch nur nebenbei bemerkt.

Die Gabe des Geistes in Apostelgeschichte 19,1-6

In der Apostelgeschichte ist nun noch ein Fall, den ich in Verbindung mit unserem Thema erwähnen muss.

Apg 19,1-6: Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus, nachdem er die oberen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und er fand etliche Jünger und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist (da) ist. Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe Johannes’. Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm käme, das ist an Jesus. Als sie es aber gehört hatten, wurden sie auf den Namen des Herrn Jesus getauft; und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Sprachen und weissagten.

Dieses Beispiel ist ebenso bemerkenswert wie die, die wir bereits untersucht haben und ebenso klar in seiner Bedeutung. Ohne Zweifel erkannte der Apostel in der geistlichen Verfassung dieser „Jünger“ einen gewissen Mangel, wodurch er sich veranlasst fühlte, sie zu fragen, ob sie, seit sie geglaubt hatten, den Heiligen Geist empfangen hatten. Das ist also – ganz gewiss wenigstens im Geiste des Apostels – so etwas wie das Empfangen des Heiligen Geistes nach dem Glauben. Er stellt die Echtheit ihres Glaubens nicht in Frage, aber er hatte einen Grund zu fragen, ob sie den Heiligen Geist empfangen hatten und ihre Antwort ist ebenso einfach: „Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist da ist.“ Sie zeigen nicht, wie manchmal unwissend gesagt wird, Unwissenheit über die Existenz des Heiligen Geistes. Es handelte sich um die Frage, wie und wann Gläubige den Heiligen Geist empfangen. Die Verheißung des Heiligen Geistes an sich war seit langem bekannt. Johannes der Täufer, mit dem sie mehr oder minder in Verbindung gestanden hatten, zeugte nicht nur davon, dass das Kommen des Messias in Israel nahe bevorstand, sondern auch davon, dass dieser Messias nicht, wie er selber, nur mit Wasser, sondern mit Heiligem Geiste taufen würde. Ja, jeder Leser des Alten Testamentes wusste nicht nur um das Dasein des Heiligen Geistes, er kannte auch Gottes gnädige Verheißung, dass Er in den letzten Tagen ausgegossen werde. Unter allen Lehrern war es Johannes der Täufer, der den stärksten Nachdruck darauf gelegt hatte, dass der Messias das Werkzeug für diese wunderbare Bezeugung der Gunst Gottes den Menschen gegenüber sein würde. Diese Jünger in Ephesus waren jedoch irgendwie unwissend darüber, das diese Verheißung nun im Begriff stand, in Erfüllung zu gehen, dass Gläubige aus den Juden, den Samaritern und den Nationen bereits den Heiligen Geist durch Glaubensgehorsam und nicht durch Gesetzeswerke empfangen hatten.

Der Apostel fragt sie weiter, worauf sie getauft worden waren. Sie kannten nur die Taufe des Johannes. Das veranlasste den Apostel zu einer bedeutsamen Erklärung: Johannes hatte von nichts weiter als der Taufe zur Buße geredet. Er hatte jenes Selbstgericht gefordert, das nur der Geist in Seelen bewirken kann, die sich vor dem Wort Gottes beugen. Dieses Wort deckt ihren sittlichen Ruin vor Gott auf. Jene Kraft, die auf dem vollbrachten Erlösungswerk beruht, die aber niemals in einem Menschen wohnen kann, der noch ein Sünder ist, bis das Blut vergossen und gesprengt ist, gewissermaßen als Grundlage dafür, dass Er mit Seiner Kraft in diesem Menschen wohnen kann (wodurch die erlöste und befreite Seele mit Ihm, dem Sieger, verbunden wird) – jene Kraft war noch nicht ausgeteilt. Johannes konnte dem Volke nur zurufen, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen würde – nämlich an Christus. Paulus hingegen predigte einen Heiland, der bereits gekommen war und der das Erlösungswerk vollbracht hatte. „Als sie es aber gehört hatten, wurden sie auf den Namen des Herrn Jesus getauft, und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Sprachen und weissagten.“

Ist Handauflegung notwendig?

Hier ist ein anderer Fall, bei dem äußere Zeichen nicht fehlten. Diese Zeichen werden jedoch weder hier noch in anderen Fällen mit der Gabe des Heiligen Geistes an sich verwechselt. Die Jünger wurden mit der christlichen Taufe getauft. Die Taufe der Buße genügte nicht für sie. Sie wurden auf den Namen dessen getauft, der gestorben und auferstanden war. Daraufhin empfingen sie den Heiligen Geist, aber nicht ohne dass Paulus ihnen die Hände auflegte. Daraus sieht man, wie Gott das Apostelamt eines Paulus von Tarsus ebenso ehrt und anerkennt wie Er es mit Petrus und Johannes in Samaria getan hatte. Ebenso wie die beiden apostolischen Gesandten nicht nur in Jerusalem, sondern auch in Samaria, Jerusalems religiöser Nebenbuhlerin, anerkannt worden waren, so legte Paulus seine Hände nicht auf solche, die durch seine Predigt aus den Heiden bekehrt worden waren, sondern auf Jünger, die schon mit der Taufe des Johannes getauft waren. Wir finden also nichts, was Schwierigkeiten bereiten könnte oder wodurch der Sinn dessen, was ich in aller Einfachheit aus dem Wort Gottes erklärt habe, abgeschwächt werden könnte. Die beiden Gelegenheiten, in welchen ein oder mehrere Apostel Gläubigen die Hände auflegten, damit sie den Geist empfingen, waren Ausnahmen. Sie bleiben dem Hauptereignis, bei dem wir von keinem derartigen Akt der Apostel hören, untergeordnet. In einem dieser Fälle, nämlich dem bedeutungsvollsten (dem Handeln Gottes mit den Juden am Pfingsttag), schweigt jedenfalls die Schrift vollständig über irgendeine Handauflegung. Wir können gewiss sein, dass auch niemand da war, der all denen, die den Heiligen Geist an jenem Tage zuallererst empfingen, die Hände auflegte, weder die Apostel, noch die anderen hundertzwanzig. Gott behielt es sich vor, dass diese große Gabe direkt von Ihm und aus Seiner Hand kommen sollte. In dem anderen Fall wissen wir bestimmt, dass den Gläubigen nicht die Hände aufgelegt wurden, ehe sie den Heiligen Geist empfangen hatten. Und dieser letztere Fall ist für uns um so wichtiger, weil es der von Kornelius und seinem Haushalt ist, also solchen aus den Nationen, worunter auch wir fallen. Deshalb sind diese Schlüsse nicht zu widerlegen. Selbst wenn es noch Apostel gäbe, dann wären sie doch nicht notwendig, um uns und anderen aus den Nationen die Hände aufzulegen, damit wir den Heiligen Geist empfangen. Seinem Wort gemäß war es nicht die Art und Weise, wie Gott damals Seinen Geist an die aus den Nationen austeilte. Gerade wie unser Vorbild in Cäsarea haben wir Anteil an diesem unendlichen Segen, nachdem und weil wir durch ihr, der Apostel, Wort an Christus geglaubt haben.

Der Herr sei gepriesen, nicht nur für die Gabe des Heiligen Geistes, nein, auch für Sein geschriebenes Wort, durch das die Torheit der Ansprüche von Männern bloßgelegt wird, die hinsichtlich des Glaubens unbewährt sind und die die Zaghaften erschüttern und die Abergläubigen ermutigen. Gebe Gott, dass wir festhalten, „nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und nach der Erkenntnis der Wahrheit, die nach der Gottseligkeit ist, in der Hoffnung des ewigen Lebens, welches Gott, der nicht lügen kann, verheißen hat vor ewigen Zeiten“ (Tit 1).


Aus Die Lehre des Neuen Testamentes über den Heiligen Geist,
Ernst-Paulus-Verlag, 1975, S. 154-186

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