Was ist „Bezeichnung“?
2. Thessalonicher 3,6.14

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 11.01.2018

Leitverse: 2. Thessalonicher 3,6.14

2Thes 3,6.14: 6 Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückziehet von jedem Bruder, der unordentlich wandelt, und nicht nach der Überlieferung, die er von uns empfangen hat. … 14 Wenn aber jemand unserem Wort durch den Brief nicht gehorcht, den bezeichnet und habt keinen Umgang mit ihm, damit er beschämt werde.

Wenn der Fall eintritt, dass ein Mitgläubiger einen ungerichteten, unordentlichen Wandel führt, dann ist jeder einzelne Christ verantwortlich, 2. Thessalonicher 3,6.14 zu gehorchen und anzuwenden. Ich bin mir bewusst, dass gesagt wird, dass das die Handlung eines Einzelnen ist und dass jemand danach handeln kann, wenn andere es nicht tun. Sicherlich kann man dieser Unterweisung gehorsam sein, wenn andere ihr nicht gehorsam sind. Auf der anderen Seite müssen wir im Gedächtnis behalten, dass sich hier niemand entschuldigen kann, denn Vers 6 sagt, dass „ihr“ euch zurückziehet. „Ihr“ bedeutet die Gläubigen in der Versammlung, solche, die hier als „Brüder“ angeredet werden; das schließt natürlich die Schwestern ein. Das sind die, die in Vers 16 gemeint sind, mit „der Herr sei mit euch allen“.

Der ganze Abschnitt ist adressiert an sie alle, und alle sollten der apostolischen Anweisung gehorchen – wozu er ihnen in solch einem Fall ein Gebot gab (2Thes 3,6). Jeder Gläubige war verantwortlich, sein Missfallen auszudrücken. Wir müssen an die Ehre des Herrn denken, nicht an das, was uns gefällt, was uns angenehm ist und was unsere Ehre aufrechterhält oder wobei wir meinen, uns wohl zu fühlen. Mit Selbstgericht muss Festigkeit da sein, um die Ehre des Herrn und das Gute für den Unordentlichen aufrechtzuerhalten. Eine falsche Liberalität ist nur eine Nachsicht gegenüber dem Ich, das sich weigert, das Fleisch in andern zu richten, weil man nicht bereit ist, das Fleisch in sich selbst zu richten. Der Apostel war fähig, auf sich selbst hinzuweisen und auf solche, die mit ihm nach Thessalonich gekommen waren, als solche, die nicht etwas für sich selbst gesucht hatten, sondern das gesucht hatten, was zum Nutzen für andere war (2Thes 3,7-9).

Uns allen gilt: „Den bezeichnet und habt keinen Umgang mit ihm.“ Dabei spielt es keine Rolle, ob der Mitgläubige am Tisch des Herrn ist oder nicht. Das bedeutet, dass jeder von uns nicht mehr länger freien Umgang mit so einem hat. Mit solch einem wird es kein gegenseitiges Besuchen mehr geben. Er muss fühlen, dass er als jemand betrachtet wird, der den Herrn verunehrt. Sein Wandel ist „unordentlich“. Das ist ein militärischer Ausdruck, der „nicht in der Reihe bleiben“ bedeutet. Die Heiligen wandeln zusammen in der Heiligkeit dem Herrn gegenüber, und das wird unterbrochen durch jemand, der nach seinem eigenen Vergnügen wandelt. Seine Füße wandeln nicht auf dem Weg des Wohlgefallens Gottes. Er hat sogar Unordnung in die Versammlung gebracht, wo der Herr Jesus Christus in der Mitte ist.

Ein unordentlicher Wandel muss unterschieden werden von Sauerteig. Wenn es Sauerteig ist, dann findet 1. Korinther 5 seine Anwendung. Obwohl ein unordentlicher Wandel eine ernste Sache ist, ist er nicht Sauerteig. Er kann sich allerdings zu Sauerteig entwickeln. Ein Beispiel von unordentlichen Wandel wird in 2. Thessalonicher 3 gegeben. Der Christ, um den es hier ging, hatte keine Lust zum Arbeiten, und es scheint so, dass er von anderen erwartete, dass sie ihn versorgten. Es geht hier nicht um jemand, der nicht arbeiten kann oder der verhindert ist, auf die eine oder andere verständliche Weise, der behindert war oder keine Arbeit finden konnte; nein, er wollte nicht arbeiten. Hier haben wir Anweisungen bezüglich solcher, die in Not sind (Gal 6,6; Eph 4,28; 1Joh 3,17; 3Joh 8). Aber dieser Fall von Unordentlichkeit hat damit nichts zu tun.

Man wird seiner Seele Liebe zeigen, indem man dem Gebot von 2. Thessalonicher 3,6.14 gehorsam ist. „Zurückzieht“ in Vers 6 bedeutet: „zurückschrecken“, „meiden“. Was soll das bewirken? „Dass er beschämt wird“ (2Thes 3,14). Und während wir ihn meiden, keinen normalen sozialen Umgang mit ihm aufrechterhalten, kühl und reserviert ihm gegenüber sind, einen warmen Händedruck und einen Kuss verweigern, ist er natürlich nicht als Böser hinausgetan. Es ist nur ein persönliches Meiden. So lesen wir in diesem Fall: „Achtet ihn nicht als einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder“ (2Thes 3,15). Deswegen, obwohl wir keinen freien Umgang mit ihm haben, sollten wir ihn ermahnen. Dieses Verhalten ihm gegenüber durch alle Heiligen sollte ihn beschämt machen und ihn dazu bringen, Buße zu tun und sein Verhältnis zu dem Herrn zu ordnen.

Ein unordentlicher Wandel mag sich zeigen, wenn jemand Bestrebungen macht, einen Ungläubigen zu heiraten. Hirtendienst und Fußwaschung sind nötig. Wenn das versagt, sollte 2. Thessalonicher 3 angewandt werden. Danach mag es sein, das 1. Timotheus 5,20 angewandt werden sollte. Ein öffentlicher Tadel, unter welchen der Getadelte bleiben wird bis zu seiner Buße, mag nötig sein.

Es ist möglich, dass in einigen Fällen, wo 1. Timotheus 5,20 und/oder 2. Thessalonicher 3 angewandt werden, der Wille der unordentlichen Person sich so offenbart, dass die Versammlung das als wirkender Sauerteig beurteilen muss: z.B. Götzendienst, wozu 1. Korinther 5,11 mit 1. Samuel 15,23 zu vergleichen ist.

Wenn Fälle auftreten wie der, der in 2. Thessalonicher 3 erwähnt wird, ist es gut, wenn man wenigstens in der Lage ist, zu sagen: „Es ist nicht nach der Überlieferung, die er von uns empfangen hat“ (2Thes 3,6), d.h. von Paulus und seinen Mitarbeitern. Es ist gut für solche Versammlungen, wo die Wahrheit betreffend des Willens des Herrn in Bezug auf das Verhalten des Christen gelehrt wird. Es ist immer eine Schande, wenn solche Fälle entstehen, und sollte uns in den Staub beugen, aber wie viel größer ist die Schande, wenn wir versagt haben zu lehren, welches Verhalten dem Christus entsprechend ist! Wir haben die schamlosen Worte „Predigt Christus“ gehört, als wenn predigen, was Christus geziemt, in unserm Wandel nicht „Christus predigen“ wäre. Solche Christen mögen sich schamlos korrektivem Dienst widersetzen.

Es mag den Fall eines lahmen Priesters geben (3Mo 21,18). Das beinhaltet nicht notwendigerweise einen unordentlichen Wandel im Sinne von 2. Thessalonicher 3, es ist ein ungleichgewichtiger Wandel. Der Wandel ist solcherart, dass, obwohl er nicht hörbar an dem Dienst teilnimmt, das heißt, nicht die heiligen Dinge bedient, doch von den heiligen Dingen isst (vgl. 3Mo 21,21.22).

Der Herr gebe seinen Geliebten Entscheidungsfähigkeit in all diesen Dingen, aber auch geistliche Energie, für seine Herrlichkeit und zum Nutzen der Heiligen zu handeln! Wo hierin Dienst, gesunde Belehrung und Ermahnung über Christus wohlgefälliges Verhalten als auch Belehrung über die großen Lehren, Fußwaschung und die Anwendung von 2. Thessalonicher 3 und 1. Timotheus 5,20 da sind, werden einige Fälle nicht den Zustand des Sauerteigs erreichen und nicht erfordern, als „Böser“ (1Kor 5,13) hinausgetan zu werden.


Originaltitel: „2Thess. 3:6-16: Withdraw from the Disorderly“
aus New Testament Directions for Correction, Discipline and Fellowship, 2000, S. 9–11
Quelle:
www.presenttruthpublishers.com/pdf/New_Testament_Directions_for_Correction_Discipline_and_Fellowship.pdf

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