Gegenseitige Abhängigkeit in der Gemeinde
Achte darauf, in welche Richtung der Geist Gottes lenken will!

William Trotter

© SoundWords, online seit: 24.04.2004, aktualisiert: 17.12.2017

Anmerkung der Redaktion
Dies ist der letzte Brief einer Reihe von insgesamt fünf Briefen von W. Trotter, die man als die literarische Grundlage für den Ablauf der Brüderversammlungen im Allgemeinen betrachten kann. Wir als SoundWords-Redaktion halten sie nach wie vor für sehr wertvoll und beachtenswert, obwohl manche Aussagen Trotters eher auf geistlicher „Intuition“ – die immer ihren Wert hat – als auf klaren Anweisungen des Wortes Gottes beruht. Wir haben an einigen wenigen Stellen Kommentare eingeführt, nicht etwa deswegen, weil wir uns für geistlicher halten als der von uns sehr geschätzte Bruder des 19. Jahrhunderts. Es ging uns allein darum, auf bestimmte Missverständnisse und Probleme hinzuweisen, die sich im Laufe der Zeit aus manchen seiner Aussagen entwickelt haben.

Brief 5

… Es bleiben noch einige Punkte übrig, die in Verbindung mit den bisher behandelten Gegenständen nicht gut erörtert werden konnten.

Zunächst möchte ich daran erinnern, dass alles, was in einer Versammlung zur gegenseitigen Erbauung geschieht, die Frucht der Gemeinschaft mit Gott sein muss. Das heißt: Wenn ich ein Kapitel vorlesen will, so darf ich nicht irgendeines wählen, das mir beim Aufschlagen oder Durchblättern meiner Bibel gerade auffällt; ich muss mir vielmehr von dem Geist Gottes den betreffenden Abschnitt ins Herz geben lassen. Mit dem Vorschlagen eines Liedes ist es nicht anders. Ich kann mir kaum etwas denken, was störender auf die Verwirklichung der Leitung des Heiligen Geistes einwirkt, als wenn man mehrere Brüder zugleich Liederbuch und Bibel durchblättern sieht, um ein passendes Lied oder Kapitel zu finden. Ich mag vielleicht durch meine unvollkommene Kenntnis des Inhaltes gezwungen sein, das mir durch den Geist aufs Herz gelegte Lied oder Kapitel aufzusuchen, aber mehr als das sollte in einer Versammlung zur gegenseitigen Erbauung nicht gefunden werden. Wo bleibt sonst die Abhängigkeit von der Leitung des Geistes, von der wir reden?

Aus dem Gesagten folgt notwendig als Zweites, dass man weiß: Wenn ein Bruder seine Bibel oder sein Liederbuch öffnet, so tut er es in der Absicht, einen Abschnitt zu lesen oder ein Lied vorzuschlagen. Das aber wird jeden anderen Bruder hindern, in irgendeiner Weise tätig zu sein, bevor jener seine Absicht ausgeführt oder vielleicht wieder aufgegeben hat. Diese Erwägung erinnert uns an die gegenseitige Rücksichtnahme, zu welcher der Apostel Paulus in 1. Korinther 11,33 ermahnt mit den Worten: „Wartet aufeinander.“

  • Anmerkung der Redaktion:
    Hier ist auch eine Warnung vor einem zu starrem Formalismus angebracht. Warum sollte ich nicht ein Lied im Sinn haben und ein Bruder eine Bibelstelle, und beide überzeugen sich „gleichzeitig“, ob die Stelle/das Lied das ausdrückt, was sie auf dem Herzen haben. Sicherlich wird man nicht gleichzeitig singen und lesen können, und vielleicht verwirft der eine Bruder seinen Gedanken, nachdem der andere sich beteiligt hat. Und hier kommt natürlich auch das Warten aufeinander wieder ins Spiel.

In der angeführten Stelle handelt es sich allerdings nicht um den Dienst am Wort, sondern um ein gemeinsames Essen bzw. um die Feier des Abendmahls. Die Frage des Dienstes wird erst im 14. Kapitel erörtert. Aber in dem einen wie in dem anderen Fall war die Wurzel der Unordnung dieselbe. Die Korinther unterschieden nicht den Leib des Herrn, jeder war mit seiner eigenen Person beschäftigt. Ein jeder nahm beim Essen sein eigenes Abendmahl vorweg (1Kor 14,21). Das Ergebnis war: „Der eine ist hungrig, der andere ist trunken.“ Man erlaubte so dem armen Ich, Früchte hervorzubringen, die so handgreiflich böse waren, dass sie selbst das natürliche Gefühl verletzten. Aber wenn ich zur Versammlung gehe oder dort sitze, nur mit dem Gedanken beschäftigt, welches Kapitel ich lesen, welches Lied ich vorschlagen oder in welcher Weise ich mich betätigen soll, so ist in diesen geistlichen Dingen mein Ich genauso der Angelpunkt, um den sich alles dreht, wie in Korinth in natürlichen Dingen bei den Brüdern, die ihr reichliches Mahl herbeischafften und aßen, während ihr ärmerer Bruder, der dazu außerstande war, leer ausging.

Immer wieder vergessen wir es, dass wir als Glieder des einen Leibes Christi zusammenkommen, lebendig gemacht, belehrt und geleitet durch den einen Geist; und sicher sollten, wenn wir so versammelt sind, die Gedanken meines Herzens nicht auf das Mahl gerichtet sein soll, das ich genießen, oder auf die Tätigkeit, die ich ausüben möchte, sondern auf die bewunderungswürdige Güte und Gnade dessen, der uns der Leitung und Sorge des Heiligen Geistes anvertraut hat. Und dieser Geist wird, wenn wir demütig auf Ihn warten, einem jeden von uns Platz und Tätigkeit anweisen, ohne dass wir uns in Unruhe und Aufregung darum zu kümmern brauchen. In dem Leib Christi ist jeder nur ein Glied, und wenn die gläubigen Korinther das verstanden und verwirklicht hätten, so würde sicher der reiche Bruder auf den armen gewartet haben, um sein Mahl mit ihm zu teilen. Ebenso werde ich – wenn anders meine Seele die kostbare Einheit des Leibes verwirklicht und ich in Demut den Platz eines einzelnen Gliedes einnehme – mich in der Versammlung vor übereiltem Handeln hüten. Wenn ich auch das Gefühl habe, dass der Herr mir ein Wort gibt oder mich zu irgendeinem Dienst beruft, so werde ich mich doch immer daran erinnern, dass andere das gleiche Gefühl haben können, und werde ihnen Raum lassen. Vor allem aber werde ich niemals einem Bruder, der die Bibel oder das Liederbuch zur Hand nimmt, zuvorzukommen suchen, sondern auf ihn warten.

Selbst in jenen ersten Tagen der christlichen Kirche, als die Propheten noch infolge einer ihnen unmittelbar werdenden „Offenbarung“ redeten, musste nach 1. Korinther 14,30 der Erste „schweigen“, wenn einem anderen Dasitzenden eine Offenbarung gegeben wurde. Überhaupt wird die allgemeine Mahnung „Daher, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden“ (Jak 1,19) uns stets anleiten, auf andere die geziemende Rücksicht zu nehmen.

Zum Dritten dürfen wir nie vergessen, dass der Zweck unseres Zusammenkommens die Erbauung ist. Diese Tatsache wird in dem genannten Kapitel (1Kor 14) immer wieder betont. Im 12. Kapitel entwickelt der Apostel die Wahrheit von dem einen Leib Christi, der Ihm als Herrn unterworfen und Zeuge seiner Oberhoheit hienieden ist, kraft der Wirksamkeit des Heiligen Geistes, der „einem jeden insbesondere austeilt, wie er will“; und das Kapitel schließt mit der Aufzählung der verschiedenen Gaben, als Apostel, Propheten usw., welche Gott „an dem Leib gesetzt hat“ nach seinem Wohlgefallen, um an ihrem bezüglichen Platz zu dienen und tätig zu sein. „Um die größeren Gnadengaben zu eifern“, wird empfohlen, aber zugleich auch „ein noch vortrefflicherer Weg“ gezeigt, und dieser Weg ist die Liebe (1Kor 13), ohne welche die herrlichsten Gaben nichts sind. Denn wenn nicht die Liebe die Ausübung einer Gabe leitet, kann „Erbauung“ unmöglich daraus hervorgehen.

Von Erbauung handelt dann, wie bereits angedeutet, das ganze 14. Kapitel. Die Gabe, in Sprachen zu reden, erregte naturgemäß in den Augen der Menschen die meiste Bewunderung. Daher das Trachten der Korinther nach dieser Gabe. Sie waren wie Kinder, die nach allem Glänzenden greifen. Statt der Liebe, die die Erbauung aller sucht, leitete sie die Eitelkeit, die mit den Gaben prunkt. Das Zungenreden war tatsächlich eine Gabe, eine Gabe des Heiligen Geistes, so dass hier die ernste Erwägung sich für uns ergibt, dass Kraft des Geistes zum Dienst vorhanden sein kann ohne seine lebendige Leitung in der Ausübung desselben. Diese Leitung wird sich nur da finden, wo das Ich gerichtet ist und Christus die Seele ausfüllt. Der Zweck des Heiligen Geistes ist nicht, die Aufmerksamkeit auf das arme Gefäß zu lenken, das seine Gaben enthält, sondern durch die demütige, selbstverleugnende Ausübung dieser Gaben den zu verherrlichen, von welchem sie ausfließen.

Weiter muss jeder Diener, wenn er treu sein will, nach den Weisungen seines Herrn handeln. Ich darf in der Versammlung niemals auf einem niedrigeren Boden eine Tätigkeit ausüben als in der bestimmten Überzeugung, dass der Herr es so will. „Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, so wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat“ (Röm 12,3). Das Maß dessen, was ich tue, muss das Maß des Glaubens sein, das Gott mir gegeben hat; und Gott wird dafür Sorge tragen, dass seine Diener wissen, wie sie sich verhalten sollen. Darum noch einmal: Nur die klare Überzeugung, dass es so der Wille Gottes ist, kann einen seiner Diener ermächtigen, in der Versammlung, oder wo es sonst sei, tätig aufzutreten.

Da wir nun alle leicht irrende Menschen sind, hat Gott einem Missbrauch des eben genannten Grundsatzes in der Versammlung eine heilsame Schranke gezogen in den Worten: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst urteilen“ (1Kor 14,29). Zunächst ist es freilich an mir zu erkennen, ob ich dies oder das tun soll; aber wenn ich tätig gewesen bin, obliegt es meinen Brüdern, zu „urteilen“, und in den allermeisten Fällen wird es bei ihrem Urteil verbleiben müssen. Es wird überaus selten vorkommen, dass ich mich ihrem Urteil nicht unterwerfen darf. Wenn Gott mich wirklich beruft, in der Versammlung zu reden oder zu beten, wird Er auch dieselbe Überzeugung in den Herzen meiner Brüder wachrufen. Ist Er es, der mich leitet, so wird Er auch sie anleiten, meinen Dienst anzuerkennen; denn derselbe Geist, der mich treibt, wohnt und wirkt in meinen Brüdern. Wenn ich daher wahrnehme, dass mein Dienst, anstatt die Heiligen zu erbauen, nutzlos oder gar eine Last für sie ist, so darf ich unter hundert Fällen wohl neunundneunzigmal daraus schließen, dass ich mich über mich selbst getäuscht habe und besser hätte schweigen sollen.

Nehmen wir nun aber den seltenen Fall an, nicht der Zustand des einzelnen dienenden Bruders, sondern der der ganzen Versammlung sei die Ursache, weshalb sein Dienst nicht anerkannt wird. Nehmen wir an, der betreffende Bruder sei weit geistlicher als die Versammlung, so dass diese deshalb seinen Dienst nicht zu verstehen oder zu würdigen vermag. Würde aber selbst in einem solchen Falle ein Diener Christi sich nicht prüfen müssen, ob er nicht zu lernen hat, seinem Meister ähnlicher zu werden und, gleich Ihm, so zu lehren und „das Wort zu ihnen zu reden, wie sie es zu hören vermochten“ (Mk 4,33) oder ob er es nicht an der Gesinnung des Apostels hat fehlen lassen, der da sagen konnte: „Wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine nährende Frau ihre eigenen Kinder pflegt“, und an einer anderen Stelle: „Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht, aber ihr vermöget es auch jetzt noch nicht“ (1Thes 2,7; 1Kor 3,2)? Und wenn er nun, trotz vermehrter Sorge und einsichtsvolleren Dienstes, nicht die erwartete und notwendige Anerkennung finden würde, so möchte das wohl eine ernste Glaubensprüfung für ihn sein, aber in der Erkenntnis, dass Erbauung der Zweck jedes Dienstes ist und dass Gläubige durch einen Dienst, der sich ihren Gewissen nicht empfiehlt, unmöglich erbaut werden können, würde er nicht daran denken, ihnen seinen Dienst ferner aufzuzwingen. Ein entgegengesetztes Handeln würde dem ohnehin schon traurigen Zustand der Dinge nur noch Erregung oder gar Erbitterung hinzufügen. Ein demütiger Diener des Herrn wird bei solcher Sachlage erkennen, dass es weise für ihn ist zu schweigen oder – vorausgesetzt, dass sein Herr ihm einen deutlichen Wink in dieser Beziehung geben sollte – anderswo seinen Dienst auszuüben.

Andererseits möchte ich ernstlich vor einer Schlinge warnen, die Satan in solchen Fällen so gern zu legen sucht, nämlich vor dem Geist eines lieblosen Kritisierens über alles, was in den Zusammenkünften der Gläubigen vorgeht. Die Anstrengungen des Feindes gehen immer dahin, uns aus einem Extrem in das andere zu treiben: Zu einer Zeit fehlen wir durch Gleichgültigkeit, indem wir für die Vorgänge in unserer Mitte kaum ein Auge haben – wir sind zufrieden, wenn nur die Stunde ausgefüllt wurde; zu einer anderen steuern wir gerade der entgegengesetzten Klippe zu und beurteilen alles mit scharfem Blick und in liebloser Gesinnung. Der Herr wolle uns in Gnaden vor beiden bewahren! Nichts zeigt deutlicher den beklagenswerten Zustand des eigenen Herzens und ist hinderlicher für jeden Segen als ein tadelsüchtiger Geist. Sicher, wenn das Fleisch sich zeigt, so muss es gerichtet werden; aber es bleibt immer eine schmerzliche, demütigende Sache, wenn dergleichen nötig wird, statt dass wir uns unseres kostbaren Vorrechts erfreuen, gemeinsam die Fülle unseres hochgelobten Herrn und Hauptes zu genießen. Hüten wir uns denn vor jedem Geist der Tadelsucht und Krittelei!

Wir alle wissen, dass es geringere und hervorragendere Gaben gibt, und wir kennen den, der den Gliedern des Leibes, die uns die mangelhafteren zu sein scheinen, umso reichlichere Ehre verleiht (1Kor 12,24). Nicht alles, was ein Bruder in der Versammlung tut, ist deshalb schon fleischlich, weil er vielleicht in dem einen oder anderen Punkt dem Fleisch Raum gegeben hat. Wir würden gut tun, uns in dieser Beziehung oft an die Worte eines geachteten Dieners des Herrn zu erinnern, wenn er sagt: „Es ist vor allem nötig, auf zwei Dinge zu achten, zunächst auf die Natur unserer Gabe, und zweitens auf das Maß derselben. Ich glaube, dass manche Gabe mehr anerkannt werden würde, wenn der Bruder, der sie empfangen hat, nicht über das Maß derselben hinausginge. „Da wir verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: Es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maß des Glaubens“ (Röm 12,6). Alles, was darüber hinausgeht, ist Fleisch. Der Mensch stellt sich in den Vordergrund; das wird gefühlt, und die ganze Gabe wird verworfen, weil der Bruder es nicht verstanden hat, sich auf sie zu beschränken. Sein Fleisch wirkt, und so darf man sich nicht wundern, dass nun alles, was er sagt, dem Fleisch zugeschrieben wird. Dasselbe gilt von der Natur der Gabe. Wenn ein Bruder, der die Gabe der Ermahnung besitzt, zu lehren beginnt, so wird und kann das nicht zur Erbauung gereichen. Ich würde mich freuen, wenn jeder Bruder, der am Wort dient, der letzten Bemerkung seine ernste Beachtung schenken wollte, weil sie, aus Mangel an Treue bei seinen Zuhörern, auf einem anderen Weg sein Ohr vielleicht niemals erreichen würde.

Zum Schluss möchte ich noch in Liebe auf einige kleine Einzelheiten aufmerksam machen. Aus verschiedenen Gründen ist es wünschenswert, dass die Bedienung des Tisches des Herrn, besonders in größeren Versammlungen, nicht ausschließlich von einer und derselben Person (oder von zweien) besorgt wird. Wir müssen sorgfältig alles vermeiden, was den Eindruck eines geistlichen Unterschiedes oder Vorrangs unter den Gläubigen erwecken könnte. Dass, wenn möglich, ein älterer Bruder, jedenfalls aber einer, der das Vertrauen der Versammlung besitzt, den Dienst vollziehen sollte, ist schon wiederholt von anderer Seite bemerkt worden; aber wenn irgendwo, so ist es hier am Platz, uns vor allem gewohnheitsmäßigem Tun zu hüten, besonders, wenn der Gedanke dadurch entstehen könnte, als nähme der den Tisch bedienende Bruder einen höheren Platz ein als die übrigen.

Weiter lesen wir in Matthäus 26,26.27: „Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete (oder danksagte), brach und gab es den Jüngern … Und Er nahm den Kelch und dankte und gab ihnen denselben“ (vgl. Mk 14,22.23). In Lukas 22,19 heißt es: „Und Er nahm Brot, dankte und gab es ihnen“ (vgl. 1Kor 11,24). Alle diese Stellen sagen übereinstimmend, dass der Herr danksagte, als Er das Brot brach und den Kelch nahm, und in 1. Korinther 10 wird der Kelch als der Kelch der Segnung und der Danksagung bezeichnet: „Der Kelch der Segnung, den wir segnen … das Brot, das wir brechen“ (1Kor 10,16). Daraus geht also einerseits unzweifelhaft hervor, dass der Bruder, der das Brot bricht oder den Kelch nimmt, es niemals ohne Danksagung tun sollte, und andererseits, dass nicht der einzelne Bruder, der die Handlung wirklich vollzieht, als der allein Handelnde (wie es bei dem Herrn der Fall war) betrachtet wird, sondern dass die ganze Versammlung handelt. Der den Tisch bedienende Bruder bricht das Brot und danksagt für den Kelch, aber er tut es nur im Namen und als Mund der Versammlung. Es ist eine gemeinsame Handlung. Darum heißt es: „das Brot, das wir brechen“, und: „der Kelch der Segnung, den wir segnen“. Wir verstehen aber, dass es gerade aus diesem Grund nicht bedeutungslos ist, wer die Handlung vollzieht.

Wenn es sich ferner um eine Leitung oder Beaufsichtigung innerhalb der Versammlung oder um die Ausübung irgendeines wichtigen Dienstes unter den Gläubigen handelt, so ist es gut für uns alle, die Kapitel 1. Timotheus 3 und Titus 1 unter Gebet zu erforschen. Im erstgenannten Kapitel ist besonders ein Wort beachtenswert; es lautet: „Nicht ein Neuling, auf dass er nicht, aufgebläht, ins Gericht des Teufels verfalle“ (1Tim 3,6). Es ist möglich, dass Gott auch einen jungen Mann beruft, wie wir dies bei Timotheus und im Alten Testament bei Jeremia sehen, und die an Ersteren gerichteten Worte „Niemand verachte deine Jugend“ würden in einem solchen Fall gewiss auch heute anwendbar sein. Aber vergessen wir nicht, dass die Weisung „nicht ein Neuling“ gerade an Timotheus ergangen ist. Die verhältnismäßige Jugend des Timotheus sollte deshalb keineswegs eine Ermunterung für solche sein, die weder die Gabe noch die Gnade hatten, die ihm zuteilgeworden waren. Schon das natürliche Schicklichkeitsgefühl wird einen jungen Mann dahin leiten, lieber den Platz der Unterwürfigkeit als den des Leitens und Regierens einzunehmen. In dieser Beziehung enthält der erste Brief Petri eine vortreffliche Ermahnung, die leider nicht immer genügend beherzigt wird: „Gleicherweise ihr Jüngeren, seid den Ältesten unterwürfig. Alle aber seid gegeneinander mit Demut fest umhüllt, denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“ (1Pet 5,5).

  • Anmerkung der Redaktion:
    Diese Ermahnungen haben sicher ihren Wert, doch hat die Erfahrung gezeigt, dass auch hier eine Warnung vor Ungleichgewicht notwendig ist. In manchen Gemeinden hat sich erst die jüngere Generation richtig mit dem Wort Gottes auseinandergesetzt und deswegen sind manche Jüngere vielleicht geistlich „älter“ als manche Siebzigjährige. Andererseits kommt es leider auch vor, dass Ältere Jüngere bewusst „drücken“, da sie eine gewisse Angst haben, ihren Status in der Versammlung zu verlieren oder sich mit ihnen unbekannten Ausdrucksformen und Gedanken in den Zusammenkünften auseinandersetzen zu müssen.

Ich schließe mit dem aufrichtigen Wunsch, dass der Herr uns allen diese Gnade schenken möge, in Demut vor Ihm und miteinander zu wandeln, damit den Wirkungen des Heiligen Geistes unsererseits keinerlei Störung bereitet und kein Hindernis in den Weg gelegt werde.

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Aus Five Letters on Worship and Ministry in the Spirit, 1857

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