Weide meine Schafe
Johannes 21,15-23

Philip Nunn

© SoundWords, online seit: 28.04.2012, aktualisiert: 01.02.2018

Leitverse: Johannes 21,15-23

Joh 21,15-23: Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Weide meine Lämmer! 16 Wieder spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn Jonas, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe! 17 Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn Jonas, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und spricht zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe! 18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. 19 Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! 20 Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überliefert? 21 Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? 22 Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! 23 Es ging nun dieses Wort unter die Brüder aus: Jener Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach nicht zu ihm, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?

Das letzte Gespräch des Herrn Jesus mit Petrus

Wie wir sehr gut wissen, verleugnete Petrus seinen Herrn in jener einen traurigen Nacht dreimal. Vorher hatte er seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, sein Leben für den Herrn Jesus einzusetzen, aber dann hatte er versagt. Von da an wurde er immer, wenn ein Hahn krähte, an diese kalte Nacht erinnert, an seine Angst, seinen Verrat, sein Versagen. Würde der Herr ihn noch gebrauchen können? Dann – früh an einem Morgen, am Ufer des Sees von Galiläa, kam der Herr Jesus, um nach Petrus zu schauen. Der Herr hatte vor, Petrus wiederherzustellen und ihm ein geistliches Amt zu geben, das ihn bis zu seinem Alter nützlich und beschäftigt sein ließe. Das ist die Szene für die letzte Unterhaltung zwischen Jesus und Petrus, wie sie uns in Johannes 21 geschildert wird.

1. Der Erzhirte besitzt eine Herde

Die erste Begegnung des Herrn Jesus mit Petrus fand ebenfalls am See von Galiläa statt. Petrus war zusammen mit seinem Bruder Andreas mit dem Fischfang beschäftigt, als Jesus am See wandelnd zu ihnen kam. „Kommt, folgt mir nach“, sprach Jesus, „und ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Der Herr Jesus hatte Pläne für das Leben des Petrus. Petrus verließ seine Netze und folgte Jesus (Mt 4,18-20). Als Er nun Petrus wiederherstellte, sprach Er nicht von Netzen und Fischerei, sondern von Lämmern, Schafen, vom Hüten und Weiden. Der Herr hatte eine neue Aufgabe für Petrus, aber bevor Er Petrus damit betrauen konnte, mussten einige wichtige Punkte geklärt werden:

  • Lämmer und Schafe
    Das Bild vom Hirten und einer Herde wird im Alten wie im Neuen Testament gern benutzt. Die Schafe stellen Gottes Volk dar; und innerhalb einer Herde gibt es eine große Vielfalt. Wenn wir dafür vorgesehen sind, gute Hirten im Volk Gottes zu sein, müssen wir uns daran erinnern, dass es dort jüngere und ältere Gläubige gibt, verspielte und gemächliche, enthusiastische und nachdenkliche, aktive und fleißige. Wir müssen lernen, die Unterschiede zu erkennen und wertzuschätzen, um dann Wege zu suchen, wie wir sie alle weiden und hüten können.

  • Besitz
    Nachdem man einige Jahre einer Herde Liebe, Fürsorge und Nahrung geschenkt hat, ist es nur zu „menschlich“, dass man denkt, man habe etliche Rechte unter den Gläubigen erworben. Manche beginnen ganz unschuldig damit, von „meiner Gruppe“, „meinen Anhängern“ und „meiner Gemeinde“ zu sprechen. Gleich am Anfang macht der Herr diesen Punkt dem Petrus sehr deutlich: Du bist eingeladen, meinem Volk zu dienen, aber sie sind und bleiben immer meine Lämmer und meine Schafe. Es ist meine Herde. Die Klärung der Besitzansprüche ist sowohl ein Schutz für die Herde als auch eine Ermutigung für Brüder und Schwestern mit dem Herzen eines Hirten, ihr Bestes zu geben.

2. Die Herde hat viele Bedürfnisse

Die erfolgreiche Pflege einer Herde erfordert, dieser rechtzeitig die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Die Beschreibung des „törichten Hirten“, die wir in Sacharja 11,16 finden, illustriert vier Schlüsselaufgaben aller guten Hirten: (1) Sorge um die Verlorenen, (2) Versprengte suchen, (3) Verwundete heilen und (4) die Gesunden versorgen. Bei diesem kurzen Gespräch bringt der Herr Jesus Petrus einige Bedürfnisse der Herde ins Bewusstsein:

  • Speise
    Was befahl der Herr dem Petrus, das er tun solle? „Weide meine Lämmer“ (Joh 21,15), „hüte meine Schafe“ (Joh 21,17) und „weide meine Schafe“ (Joh 21,17). Die Herde braucht Betreuung und Speise. Gute Mütter wissen, dass eine gute und ausgewogene Kost Grundlage für das gesunde Wachstum einer Familie ist. Jeder Prediger hat seine Lieblingsthemen. Aber welche Bedürfnisse hat deine Gemeinde ganz aktuell? Ist das Bibelstudium in deiner Jugendgruppe oder Sonntagschule ausgewogen? Christen im Wachstum brauchen regelmäßige und ausgewogene Speise. Und sei dir bewusst, dass manche Schafe eine Zeitlang vielleicht Diät brauchen.

  • „Fütternde“
    Monate vorher richtete der Herr Jesus die Aufmerksamkeit der Jünger auf einige Vögel, die auf einem Feld flogen und Futter suchten: „Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch“ (Mt 6,26). Ja, es gibt Zeiten, während denen unser himmlischer Vater seine Heiligen auf direktem Weg ernährt. Aber in diesem Gespräch macht der Herr Jesus dem Petrus klar, dass seine Herde ebenfalls Männer und Frauen braucht, die sich ausreichend um die Lämmer und die Schafe kümmern, um sie auf grüne Weiden zu führen, die ihre Bedürfnisse beachten und Nahrung für sie vorbereiten. Die Herde braucht solche, die sie füttern. Bist du dazu berufen, andere mit dem Wort Gottes zu nähren? Deine eigenen Kinder? Einen Hausbibelkreis? Eine Gemeinde? Bleib bei diesem guten Werk! Bleib dabei, weiter dein Bestes zu geben! In der meisten Zeit sind die meisten von uns auch auf der Empfängerseite. Auch Fütternde müssen essen, und oft nährt uns unser himmlischer Vater uns durch andere. Erlaubst du anderen, dich zu füttern? Wenn du ein begabter Lehrer bist, oder wenn du es vorziehst, einen bestimmten Redner zu hören, dann bedenke, dass die Antwort auf die Frage „Was ist gute Speise?“ wichtiger ist als die Frage „Wer reicht die Speise dar?“.

3. Besondere „Fütterer“ der Herde

Viele Regierungen haben ziemlich rigide Hygienerichtlinien für Küchen in Schulen, Krankenhäusern und Restaurants. Üblicherweise ist nicht nur ein Zertifikat erforderlich, das bestätigt, dass man in der Lage sei, eine Anzahl schmackhafter Gerichte zuzubereiten. Bevor der Herr Jesus Petrus den wichtigen Auftrag erteilte, sich um seine Herde zu kümmern und sie mit Nahrung zu versorgen, stellte Er ihm eine eindringliche Frage:

  • „Liebst du mich wirklich?“
    Dreimal fragte der Herr Petrus nach seinem Herzenszustand (Joh 21,15-17). Wir erfahren, dass Petrus sich sehr verletzt fühlte, als Jesus „zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb“ (Joh 21,17). Warum beharrte der Herr Jesus darauf? Warum verletzte er Petrus? Der Erzhirte möchte offensichtlich seine Herde nicht jemandem anvertrauen, der Ihm nicht in leidenschaftlicher Liebe verbunden ist. Wenn wir Ihn wirklich lieben, werden wir auch sein Volk lieben. Wenn wir versuchen, eine Herde ohne Liebe zu Christus und seiner Herde zu speisen, stehen wir in der Versuchung, die Schafe zu stoßen, sie anzuschreien oder zu manipulieren. Lämmer und Schafe können zuweilen sture Tiere sein. Wenn du im Zweifel bist, schau kurz auf dich selbst! Ohne wirklich eine positive Antwort von Petrus erhalten zu haben, befahl ihm der Herr, seine Herde mit Speise zu versorgen und sich um sie zu kümmern. Bist du von Liebe durchdrungen, wenn du [geistliche] Speise verteilst?

  • „Folge mir nach.“
    Nachdem der Herr Petrus mit dem Nähren und Kümmern für seine Schafe betraut hat, teilte der Herr dem Petrus etliches über seine Zukunft mit: „Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tod [Petrus] Gott verherrlichen sollte“ (Joh 21,19). Würde es dir gefallen, wenn dir Fingerzeige gegeben würden, wann und auf welche Weise du sterben wirst? Es ist gut zu wissen, dass wir auch durch unseren Tod Gott verherrlichen können. Nachdem Er Petrus diesen persönlichen Teil an Information gegeben hatte, fügte der Herr hinzu: „Folge mir nach“ (Joh 21,19). Wenn wir dazu bestimmt sind, Gott durch unser Leben ebenso wie durch unser Sterben zu verherrlichen, dann müssen wir Ihm folgen. Wenn wir dem Herrn Jesus folgen, werden wir auch die Lämmer und Schafe ermuntern, Jesus zu folgen. Wir leiten, indem wir ein Beispiel geben. „Fütterer“, die Jesus folgen, die ihre Freude daran haben, Zeit mit Ihm und in seinem Wort zu verbringen, werden von Ihm frische Speise bekommen, um die Herde zu nähren.

4. „Mithirten“

In diesem Stadium des Gesprächs hatte Petrus von dem guten Hirten den Auftrag erhalten, seinen Lämmern und Schafen Speise zu geben und sich um sie zu kümmern. Ihm wurde auch mitgeteilt, durch welche Art des Sterbens er Gott verherrlichen würde. Dann kam der Apostel Johannes zu dem Gespräch zwischen Jesus und Petrus. Und Petrus wurde neugierig, und fragte, indem er auf Johannes zeigte: „Herr, was wird aber mit diesem?“ (Joh 21,21).

  • Vergleiche
    War Johannes ebenfalls beauftragt, die Herde mit Nahrung zu versorgen, sich um sie zu kümmern? Würde er jung oder alt sterben? Würde er wie Petrus sterben? Bist du vielleicht auch zuweilen neugierig oder kritisch oder richtend in Bezug auf den Dienst anderer? Meinst du vielleicht, dass andere dem Herrn in der Weise dienen sollten, wie du es tust? Meinst du manchmal vielleicht, dass du im Wettstreit mit einem ähnlichen Dienst oder mit einem Mitgläubigen stehst? Glücklicherweise können wir voneinander lernen, aber sei vorsichtig mit Vergleichen. Solche Vergleiche können leicht Stolz in unserem Herzen aufkommen lassen oder zu depressiven und entmutigenden Gedanken führen. Die Antwort, die der Herr Jesus Petrus gibt, ist einfach und ganz lehrreich: „Was geht es dich an?“ (Joh 21,22). Konzentrieren wir uns auf unsere eigene Berufung, unseren eigenen Dienst, auf unseren eigenen Bereich, unsere eigene Verantwortung. Wir alle mögen Hirten eines kleinen Teils der Herde sein, aber der Herr Jesus, der Erzhirte, bleibt verantwortlich für die ganze Herde – inklusive deiner „Mithirten“.

  • Erfolg
    Petrus war nun wiederhergestellt, hatte einen Auftrag erhalten und war ermahnt worden, sich nicht außerhalb seines Bereiches und seiner Verantwortung einzumischen. Dann folgten die letzten Worte, die Jesus zu Petrus sprach: „Folge du mir nach“ (Joh 21,22). Sie ähneln sehr den ersten Worten, die Er an Petrus richtete, als Er ihn zum ersten Mal traf: „Kommt, folgt mir nach“ (Mt 4,19). Erfolg wird nicht daran gemessen, wie viele Fische Petrus an Land ziehen konnte, ist nicht abhängig von der Größe der Herde, für die man sorgt, auch nicht von der Meinung der Schafe, Wölfe oder „Mithirten“. Der Erzhirte möchte oftmals seine Schafe durch menschliche Hirten, so wie du und ich, mit Nahrung versorgen und sich um sie kümmern. Erfolg ist das natürliche Ergebnis eines Lebens, dass konsequent Jesus folgt.

Zusammenfassung

Fühlst du dich vielleicht müde durch die Speisung jener Lämmer und Schafe, die dich in deinem Einflussbereich umgeben? Erinnere dich daran, dass jene älteren Gläubigen, jene Kinder, jene Familien seine Lämmer, seine Schafe, Teil seiner großen Herde sind. Seine Herde braucht gute Speise, Speise, die aus der Zeit kommt, die wir mit dem Herrn und seinem Wort verbringen. Seine Herde braucht gute „Fütterer“, „Fütterer“, die den Herrn wirklich lieben, Ihm folgen und sein Volk lieben. Hat der Herr dich berufen, einigen seiner Schafe Speise darzureichen? Der Herr Jesus liebt und kümmert sich um jedes seiner Lämmer und Schafe, so halte du daran fest, dich und andere zu nähren. Gib dein Bestes! Der dich berief, wacht auch über dich. „Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen“ (1Pet 5,4).


Originaltitel: „Feed my Sheep“
Quelle: www.philipnunn.com

Übersetzung: Hans-Robert Klenke

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Hinweis der Redaktion:

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