Satan – ewige und endgültige Vergeltung (14)
2. Korinther 5,10; Galater 6,7.8; Lukas 12,47.48

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 29.03.2005, aktualisiert: 26.07.2016

Leitverse: 2. Korinther 5,10; Galater 6,7.8; Lukas 12,47.48

Gal 6,7.8: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten; wer aber aber für den Geist sät, wird von dem Geist ewiges Leben ernten.

Gottes Wort sagt uns, dass „ein jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben“ wird (Röm 14,12). Doch findet dieses Rechenschaftgeben nicht im Verlauf unseres Lebens auf der Erde statt. Im Blick auf die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die hier auf Erden nie völlig ausgeglichen bzw. berichtigt werden, musste schon der Weiseste unter den Menschenkindern ausrufen: „Es ist eine Eitelkeit, die auf Erden geschieht: dass es Gerechte gibt, welchen nach dem Tun der Gesetzlosen widerfährt, und dass es Gesetzlose gibt, welchen nach dem Tun der Gerechten widerfährt“ (Pred 8,14). Bereits der Tod scheint „ungerecht“ zu sein, da der Gerechte und der Gesetzlose „ohne Unterschied“ seine Beute sind (Pred 9,2.3).

Nein, hier auf der Erde sehen wir keinen gerechten Ausgleich, kein Anzeichen einer vollkommenen moralischen Herrschaft im Geschick der Menschen. Diese Tatsache hat durch die Jahrtausende hindurch besonders denjenigen Kopfzerbrechen bereitet, die sich hinter und über den Geschehnissen dieser Zeit eines allweisen, allmächtigen und gütigen Schöpfers und Gottes bewusst sind. Sie gelangten – ganz abgesehen von einer Offenbarung – zu dem Schluss, dass der Saat des Menschen in dieser Zeit eine Ernte auf anderer Ebene und zu einem anderen Zeitpunkt folgen muss. „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend; … doch wisse, dass um dies alles Gott dich ins Gericht bringen wird“ (Pred 11,9). Aber ohne eine spezielle göttliche Offenbarung können wir nicht mehr sagen, als dass „Gott jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über alles Verborgene bringen“ wird (Pred 12,14). Zur Zeit des Alten Testamentes wartete die ganze Menschheit – soweit sie sich nicht in einem moralischen Schlaf- oder Todeszustand befand – auf den Einen und Einzigen, der „Leben und Unverweslichkeit ans Licht“ bringen konnte und, Gott sei dafür gepriesen, ans Licht gebracht hat. Wir müssen uns zum Neuen Testament wenden, um als Grundlage für unsere weiteren Nachforschungen einen Vers zu finden wie: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleische Verderben ernten; wer aber für den Geist sät, wird von dem Geiste ewiges Leben ernten“ (Gal 6,7.8).

Wenn aber jeder hier gesäte Same, jedes Wort zu einer zukünftigen Ernte führt, dann müsste das zukünftige Geschick jedes Einzelnen doch sehr uneinheitlich ausfallen. Denn niemand hat nur Gutes ausgesät, ebenso, wie wohl keiner ausnahmslos Böses gesät hat. Und wie ist das dann mit dem Zustand völliger Glückseligkeit für die einen und ewiger, allgemeiner Strafe im Feuersee für die anderen zu vereinbaren? Wir müssen deshalb in der Schrift nach einem differenzierteren Maßstab suchen, der über die große Trennung „Seligkeit – Verdammnis“ hinausgeht; und diesen finden wir auch als einen wichtigen Grundsatz in der Schrift niedergelegt. Gott nimmt nämlich nicht nur Kenntnis von dem Tun eines Menschen (das Prinzip von Saat und Ernte), sondern auch davon, was er im innersten Wesen ist. Der Römerbrief befasst sich bis Kapitel 5 Vers 11 mit dem, was ich getan habe, mit meinen Missetaten. Dann wendet er sich der Wurzel zu, aus der die Sünde hervorkommt, also meinem sündigen Zustand, dem, was ich bin. Um unseren Missetaten auf göttliche Weise zu begegnen, starb der Herr Jesus für unsere Sünden; um der innewohnenden Sünde zu begegnen, wurde Er zur Sünde gemacht (2Kor 5,21).

Die Schrift kennt gewissermaßen nur zwei verschiedene Menschen, den „ersten“ und den „letzten Adam“, den „ersten“ und den „zweiten Menschen“. Die Natur des ersten zeigt sich in der Liebe zur Sünde, in Hass und Feindschaft gegen Gott, „denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht“ (Röm 8,7). Die Gesinnung des zweiten ist das genaue Gegenteil und besteht aus allem Guten in Gemeinschaft mit Gott. „Er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist“ (1Joh 3,9). Wir sehen hier eine klare Trennungslinie. Diese beiden Menschen können die Ewigkeit nicht miteinander verbringen; der eine wäre im Himmel so fehl am Platz wie der andere in der Hölle. Ihre Trennung ist für Gott, der „nicht ein Gott der Unordnung“ ist, eine absolute moralische Notwendigkeit.

Im dritten Buch Mose wird uns der Aussätzige vor Augen geführt (3Mo 13). Er ist ein Bild des „Menschen im Fleische“. Sein Äußeres gibt Zeugnis von seinem unreinen Zustand, obwohl er nichts Verwerfliches getan haben mag. Es war die Aufgabe des untersuchenden Priesters, ein Urteil über seinen Zustand (nicht über seine Handlungen) zu fällen. Wurde er als unrein befunden, so war sein Platz außerhalb des Lagers. Dort empfing er nicht etwa irgendeine Strafe in Form von Schlägen oder Steinigung; nein, er war dort draußen nicht wegen irgendwelcher Vergehungen, sondern wegen seines Zustandes. Seine Gegenwart im Lager, in dessen Mitte Gott wohnte, war unvereinbar mit Gottes Heiligkeit.

Ganz gewiss können wir hierin ein Bild von jenem Tag erblicken, an dem „die Hütte Gottes bei den Menschen“ sein wird; „und er wird bei ihnen wohnen“ (Off 21,3). Auch dann muss alles Unreine notwendigerweise aus der Gegenwart Gottes hinausgetan sein – nicht nur außerhalb des Lagers, sondern von der ewigen Glückseligkeit ausgeschlossen. Denn allein der Besitz des göttlichen Lebens aus dem „zweiten Adam“ wird den Menschen befähigen, bei dem lebendigen Gott zu wohnen; fehlt dieses Leben, so ist „der zweite Tod“ sein unabänderliches Schicksal.

Da das göttliche Leben nur durch und in Christus erlangt werden kann, so verläuft die scharfe, klare Trennungslinie unter den Menschen gemäß ihrer Einstellung und ihrem Verhältnis zu dem Sohne Gottes, dem Herrn Jesus Christus: „Wer den Sohn hat, hat das Leben“; „er kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen“ (Joh 5). Niemand, der Christus und damit das göttliche Leben besitzt, kann je den „zweiten Tod“ schmecken; andererseits kann niemand, der diesen Schauplatz der Erde in einem geistlich toten Zustand verlässt, je Zutritt haben zu der Sphäre des Lichts in der Gegenwart Gottes.

Die ewige Bestimmung der Menschen wird also in erster Linie durch das festgelegt, was sie sind, nicht durch das, was sie getan haben. Aber die beiden Prinzipien göttlichen Gerichtes können sich natürlich nicht widersprechen. Hat ein Mensch in Christus göttliches Leben, so wird die göttliche Natur bei ihm durch die Entfaltung von Licht und Liebe offenbar werden ( 1Joh 3,7; 4,7.8).

Wir haben bei unserer Beschäftigung mit diesem Thema jedoch noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Denn säen nicht selbst die Gläubigen gelegentlich „für ihr eigenes Fleisch“? Finden wir nicht bei Petrus und Johannes ein gelegentliches Nachgeben dem Fleische gegenüber, und musste unser geliebter Apostel Paulus nicht selbst seinen Ausruf vor dem Synedrium: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand!“ mit Bedauern zurücknehmen? Wenn dies selbst Aposteln passieren konnte, wo sollen dann wir erst mit unseren Entgleisungen bleiben? Wenn wir für alles Säen für das eigene Fleisch „Verderben ernten“ müssen (Gal 6,8), wo bleibt dann die ungetrübte Glückseligkeit der Ewigkeit?

Gottes Wort gibt uns auch hierüber klare Auskunft. Auch die aus Gott Geborenen müssen zunächst vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden (gemäß der bereits betrachteten Schriftstelle in 2. Korinther 5,10), ehe sie mit Christus in Herrlichkeit geoffenbart werden können (Kol 3,4). In jenem heiligen, durchdringenden göttlichen Licht wird klargestellt werden, dass die Gläubigen wahre Kinder Gottes sind. Die durch die göttliche Natur bewirkten Taten werden sie als solche offenbaren. Jeder Heilige vor dem Richterstuhl wird notwendigerweise diese beiden Merkmale der neuen Geburt aufweisen müssen: Bekenntnis seiner Sünden und Selbstgericht. Das Auge des großen Hohenpriesters wird anhand dieser Merkmale den Gläubigen von jedem Verdacht des „Aussatzes“ freisprechen und ihn für rein erklären können (3Mo 13,37). Alle Handlungen aus dem Leben vor der Bekehrung und – leider – vieles aus der Zeit nach der Bekehrung wird jedoch als „totes Werk“ erkannt werden und verbrennen. Sicherlich wird es manchem nach dem Schriftwort ergehen: „Wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer“ (1Kor 3,15).

„Von dem Fleische Verderben ernten“ kann also nicht ohne Weiteres mit der ewigen Strafe im Feuersee gleichgestellt werden. Doch steht fest, dass derjenige, der in seinem Leben Dornen und Disteln gesät hat, unbedingt auch Dornen und Disteln ernten wird. Er wird unweigerlich Verlust erleiden, darüber besteht kein Zweifel.

Die beiden großen Leitlinien göttlicher Strafe bzw. Belohnung widersprechen sich somit keineswegs. Denn es besteht nicht nur die scharfe Trennlinie: hier Leben – dort ewiger Tod (Trennung von Gott). Vielmehr wird es in dem zugemessenen Schicksal derer auf der einen wie auf der anderen Seite eine Unzahl von Verschiedenheiten und Abstufungen geben; sie werden dem Wandel des Einzelnen bei Lebzeiten entsprechen, wie die Ernte der Saat entspricht.

Wenden wir uns einem Wort des Herrn Jesus zu, das sich unmittelbar auf unser Thema bezieht: „Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden; wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern“ (Lk 12,47.48). Die Strafe wird somit genau nach dem geistlichen Licht bemessen sein, das der Einzelne empfangen hat. Der Herr nimmt in dieser Stelle wohl Bezug auf 5. Mose 25,1-3. Bei einem Hader zwischen Männern konnte der Schuldige mit bis zu vierzig Schlägen bestraft werden. Wie schön, Gottes Fürsorge selbst für den Schuldigen zu sehen: „… damit nicht, wenn er fortführe, ihn über diese hinaus mit vielen Schlägen zu schlagen, dein Bruder verächtlich werde in deinen Augen.“ Dürfen wir hieraus schließen, dass Gott keine unbegrenzte Strafe für eine begrenzte Schuld ansetzt? Doch wie kann die Tatsache einer begrenzten Strafe mit einem ewig dauernden Gericht in Einklang gebracht werden? Die Antwort ist einfach. Bei einer zeitlich unbegrenzten Ewigkeit darf das Strafmaß, die Intensität der Strafe, nicht unbegrenzt hoch sein. Schon innerhalb einer zwanzigjährigen Gefängnisstrafe können die Umstände der Strafe sehr verschieden bemessen werden. Denkbar wäre ein normaler Strafvollzug, eine Strafe im Zwangslager bei harter Arbeit oder gar mit täglicher, wöchentlicher oder monatlicher körperlicher Züchtigung usw., ohne dass die zeitliche Bemessung der Strafe verändert würde.

Der Aufenthalt der Unbußfertigen wird somit ewig sein, doch das Strafmaß wird in gerechtem Verhältnis zu dem abgelehnten Licht, zu der verworfenen göttlichen Liebe stehen. Die Worte des Herrn bestätigen uns, dass niemand wegen unverschuldeter Unwissenheit Schläge empfangen wird. Er wird nur geschlagen werden wegen solcher Taten, die im Widerspruch standen zu dem Licht, das er z.B. durch die Offenbarung Gottes in Seiner Schöpfung (Röm 1) empfangen hatte. Sein Gewissen wird ihn anklagen und die völlige Gerechtigkeit des gefällten Urteils bestätigen.

Wir wollen uns auch ins Gedächtnis rufen, dass die tiefernsten Schilderungen des ewigen Gerichts uns vom göttlichen und damit vom einzig richtigen Standpunkt aus vor Augen geführt werden. Der ewige Aufenthalt in der Gegenwart des Herrn wird uns vom göttlichen Standpunkt aus als ungetrübte Glückseligkeit vorgestellt. Doch was wäre sie für einen Sünder unter der Last unvergebener Schuld? Er würde, wie jener mit dem Aussatz geschlagene König im Heiligtum (2Chr 26,20), mit tödlichem Schrecken einen Ausweg suchen, um der heiligen Gegenwart des Herrn zu entfliehen. Ebenso stellt die ewige Trennung von Gott, der Fluch Seines Zornes und das nagende Gewissen vom göttlichen Standpunkt aus das furchtbarste Elend für ein Geschöpf dar, das dazu geschaffen wurde, Seine Liebe ewig zu genießen. Das Maß der von einem Sünder zu erduldenden Leiden wird aber jedenfalls völlig dem Maß des Lichtes und der göttlichen Liebe entsprechen, die er bei Lebzeiten verworfen hat.

Die Flammen des Feuersees – ein Bild des göttlichen Zornes – werden nicht bei allen die gleichen Leiden hervorrufen. „Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tage des Gerichts“ als jenen, die größere Vorrechte verworfen haben. Wer die völlige Offenbarung der göttlichen Liebe gekannt und sich doch von ihr abgewandt hat, wird die größten Leiden unter dem Zorngericht auszustehen haben; wer das meiste Licht empfangen hatte, wird auch am meisten unter dem Gegensatz, der äußeren Finsternis, leiden.

Der Aussätzige musste sich „alle die Tage seines Aussatzes“ außerhalb des Lagers aufhalten. Eine Begnadigung der Verlorenen wäre somit nur dann möglich, wenn ihr Aussatz durch die Einführung einer neuen Natur geheilt werden könnte. Gottes Wort gibt uns aber an keiner Stelle irgendeine Hoffnung auf eine solche Änderung.

Satan, einst das höchste Geschöpf, wird dann das elendeste von allen sein. Aber auch er ist nur ein Geschöpf. Doch einer ist da, der kein begrenztes Geschöpf ist, sondern unendlich, der Herr Jesus. Für Ihn war die schreckliche Finsternis auf Golgatha unendliches Leiden. Er, der das unendliche Licht und die unendliche Liebe von Ewigkeit genossen hatte, für Ihn bedeuteten die Wogen und Wellen des Gerichts in den drei letzten Stunden am Kreuz unermessliches, unendliches Leiden. Er war dort wirklich völlig allein, von Gott verlassen, gleichsam in einem Feuersee des Gerichts. Als der erste Mensch versucht wurde, fiel er. Aber der zweite Mensch fiel nicht, Er blieb standhaft. In heiliger Unterwürfigkeit rechtfertigte Er Gott, obwohl Er in der tiefsten Not war: „Doch du bist heilig“ (Ps 22). „Drei Stunden“ unendlichen Leidens genügten, Ihn völlig zu offenbaren. Er allein ist „würdig“, in alle Ewigkeit wird Er gepriesen werden.

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Originaltitel: „Ewige und endgültige Vergeltung“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1982, S. 344–351


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