Allezeit bei dem Herrn sein
1. Thessalonicher 4

George Vicesimus Wigram

© CSV, online seit: 25.12.2005, aktualisiert: 03.08.2016

Leitverse: 1. Thessalonicher 4

Es ist sehr gesegnet, in den einzelnen Briefen die verschiedenen Gedanken des Geistes Christi bezüglich der Ankunft des Herrn zu sehen.In dem Brief an die Epheser stellt der Herr Sich Selbst eine herrliche Versammlung, die weder Flecken noch Runzeln hat, als Seine Braut dar. Im Philipperbrief sehen wir arme Geschöpfe, die in ihrem Leib der Niedrigkeit seufzen; Christus wird in ihnen wirken und den Leib der Niedrigkeit in einen verherrlichten Leib umwandeln. Dann finden wir im Kolosserbrief ein mit Christus in Gott verborgenes Leben, das mit Ihm in Herrlichkeit offenbart werden soll. In kurzer Zeit wird Er, der unser Leben ist, zurückkommen und wir mit Ihm. In 1. Johannes 3 ist die durch Christus bewirkte Verwandtschaft von Kindern zu dem Vater dargestellt; Er wird sie als Seine Kinder behandeln, sie werden Ihn sehen und Ihm gleich sein, und Er wird Sich ihnen zeigen, wie Er ist.

Die Gläubigen, die bereits heimgegangen sind, genießen noch nicht die vollkommene Segnung, haben aber einen gewaltigen Schritt vorwärts getan. Die Stellung der Gläubigen wird nicht durch den Tod verändert. Sie warteten, während sie hier unten auf Erden waren – sie warten auch jetzt noch in der Gegenwart des Herrn in einem besonderen, herrlichen Zustand. Es gab niemals einen solchen Gedanken in Verbindung mit dem ersten Adam, dass die Seele und der Körper an verschiedenen Orten sein sollten. Bei der Steinigung des Stephanus sehen wir, wie der Herr unmittelbar die Seele zu Sich nimmt. Und so ist es auch mit allen Geliebten, die in dem Herrn Jesus entschlafen sind. Dieses Bewusstsein tröstet das Herz, wenn es über die entstandene Lücke betrübt ist und die Bitterkeit fühlt, die in der Wegnahme der Geliebten von der Erde liegt. Der Tod ist eine bittere und demütigende Sache, da durch ihn allen Plänen ein Ende gemacht wird und alle natürlichen Bande gelöst werden. Und doch ist in ihm etwas verborgen, das die Heiligen nicht erfahren haben würden, wenn sie nicht von der Erde in die Gegenwart des Herrn gegangen wären, und das ist das ganze Mitgefühl, das der Herr erwies, als der Tod kam und sie hinwegführte.

Der Herr Selbst wird kommen, um Sein Volk zu Sich aufzunehmen. Es ist unaussprechlich kostbar, den Herrn in dieser Handlung zu sehen, zu sehen, wie Er, der Sohn des Menschen, Sich vom Thron des Vaters erhebt und wie Er, der Überwinder des Todes, die Leiber der in Ihm Entschlafenen dem Staub des Todes entreißt. Die ganze Herrlichkeit ist jetzt in Ihm verborgen, aber bald wird sie offenbart werden. Der Herr Selbst wird mit gebietendem Zuruf herniederkommen, und der gesegnete Klang Seiner Stimme wird von all den Seinigen gehört werden, mögen ihre Leiber schon in Staub zerfallen sein oder noch auf Erden wandeln.

Die in Christus Gestorbenen werden „zuerst“ auferstehen. Ich möchte um alles in der Welt dieses Wörtchen „zuerst“ nicht unbeachtet lassen, weil es gerade das in sich schließt, was ich immer an dem Herrn gewahre, nämlich, dass Er Seine Liebe zuerst und besonders da offenbart, wo sich Schwachheit zeigt. Eine solche besondere Liebe brauche ich, und mein Herz braucht das in meiner Schwachheit.

Welch ein Gedanke, dass der Herr Jesus einen jeden der Seinigen zu finden wissen wird, um ihn aus dem Staub des Todes aufzuerwecken! Er wird die Erde zwingen, das, was in sie niedergelegt wurde, wieder abzugeben. Er wird einem jeden einen Leib der Herrlichkeit geben und jedes Herz in Seine eigene Gegenwart und Herrlichkeit versetzen. Die höchste Stellung, die wir erdenken können, besitzt der Sohn des Menschen in der Herrlichkeit des Vaters, und wir sehen diesen Sohn des Menschen sich erheben und von dieser Höhe herniedersteigen in die Luft, um die Seinen einzuführen in diese himmlische Herrlichkeit. Ein jeder von ihnen gibt dann durch seine Auferstehung Zeugnis, dass Er die Auferstehung und das Leben ist. Jeder Einzelne wird durch das Wort des Erstgeborenen aus den Toten aus dem Staub des Todes hervorgerufen, um ewig bei dem Herrn zu sein.

Das ist es, was für meine Seele so unendlich lieblich, so göttlich und vollkommen der Gnade entsprechend ist. Was wäre es, wenn Gott Seinen Sohn zum Haupt über alle Dinge gesetzt und nicht die Herzen Seines Volkes für diesen Herrn Selbst gebildet hätte? Wenn Er plötzlich die Tore des Himmels geöffnet hätte, so würde ich doch in allem, was ich dort erblickte, nicht das gefunden haben, was ich in dem Worte finde: „Und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein“ (1Thes 4,17). Der Gedanke, dass ich den Herrn sehen und für immer bei Ihm sein werde, durchdringt meine Seele. Ach, ist es möglich, dass der Herr, der mich von der Zeit an, wo Er mir das Leben gab, mit einer solchen Geduld und Liebe getragen und mich mit einer so heiligen Sorgfalt überwacht hat, sagen kann: „Du wirst mir entgegengehen“? Und mehr als das, Er wird herniederkommen, um mit mir in der Luft zusammenzutreffen! Ja, meine Augen werden Ihn sehen, meine Ohren werden Ihn hören, Ihn, der mich liebte und Sich Selbst für mich hingab und der in Seiner Liebe uns nun zu Sich nimmt, alle, die Ihm der Vater vor Grundlegung der Welt gegeben hat.

Was wusste der sterbende Räuber von dem Paradies? Nichts, aber er wusste, dass er bei Ihm sein würde, dem er seine Seele für die Ewigkeit anvertraut hatte. Es liegt mir nichts daran, wo ich bin, wenn ich nur bei Ihm bin. Alles ist in diesem „bei Ihm“ eingeschlossen. Und das ist es, was wir in dem Zwischenzustand sein werden, ausheimisch von dem Leibe und einheimisch bei dem Herrn. Wenn ich meinen Körper verlasse, so wird es nur sein, um bei Ihm zu sein, bei Ihm, der die immer sprudelnde Quelle all der Segnungen ist, die sich jetzt über meine Seele ergießen. Das neue Jerusalem würde ein armseliger Platz ohne Ihn sein. Was wäre ohne Ihn der ganze Glanz der himmlischen Herrlichkeit? Für mich gibt es nur die eine Sache – ich werde für immer bei Ihm sein.


Aus der Monatszeitschrift Ermunterung und Ermahnung, 1986, S. 40-43


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