Betet unablässig!
1. Thessalonicher 5,17

Elmo Clair Hadley

© CSV, online seit: 27.11.2005, aktualisiert: 29.12.2017

Leitvers: 1. Thessalonicher 5,17

1Thes 5,17: Betet unablässig.

Kürzlich beschäftigte mich dieses kurze Wort aus 1. Thessalonicher 5,17: „Betet unablässig.“ Wir haben oft gehört, es bedeute, stets in der Haltung des Gebetes zu sein. Sicher ist das so, doch will es uns gewiss mehr sagen: Gott möchte, dass wir uns stets und über alles mit Ihm unterhalten. Einige Schriftstellen mögen das verdeutlichen, unter ihnen das Gleichnis in Lukas 12,16-20:

Lk 12,16-20: Er sagte aber ein Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines gewissen reichen Menschen trug viel ein. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll. Und er sprach: Dies will ich tun: Ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen und will dahin all mein Gewächs und meine Güter einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre; ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich. Gott aber sprach zu ihm: Du Tor!, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; was du aber bereitet hast, für wen wird es sein ? 

Er überlegte bei sich selbst: Was soll ich tun? – Ist das nicht eine ganz natürliche Sache? Machen wir das im alltäglichen Leben nicht genauso? Wir haben heute zum Beispiel einen freien Tag. Wenn wir nicht bereits Pläne dafür gemacht haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass unsere Gedanken zu spielen beginnen: „Was soll ich heute anstellen? Bietet dieser Tag nicht die beste Gelegenheit, in die Stadt zu fahren und mir die Dinge zu kaufen, die ich schon immer haben wollte?“ Wir verwirklichen dann unseren Plan, schauen uns die verschiedenen Sachen an, wählen aus und kaufen, was uns geeignet erscheint. Bei alledem haben wir vielleicht nicht ein einziges Mal mit dem Herrn darüber gesprochen.

Handeln wir dann nicht genauso wie der reiche Kornbauer in unserem Gleichnis? Dabei hätten wir gerade so gut in unserem Herzen mit dem Herrn über das alles reden können, ohne dass es mehr Zeit in Anspruch genommen hätte. Anstatt in unseren Gedanken abzuwägen, was am besten zu tun sei, hätten wir ebenso leicht mit dem Herrn darüber sprechen können: „Herr, was soll ich heute tun?“ Und wenn der Gedanke an einen Kauf oder an irgendeine andere Sache auftauchte, hätten wir sagen können: „Herr, soll ich mir diese Sache kaufen? Willst Du, dass ich das Geld, das Du mir gegeben hast, auf diese Weise ausgebe?“ Und wenn wir Gewissheit darüber bekamen, hätten wir den Herrn darum bitten können, uns in das richtige Geschäft zu lenken und uns bei der Auswahl des Gesuchten zu helfen. In jeder Einzelheit unseres Lebens können wir uns, dürfen wir uns so verhalten. Es würde nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen, ob wir in unseren Gedanken mit dem Herrn darüber sprechen oder ob wir zu uns selbst darüber reden. Wie viel sicherer würde es sein, vor wie vielen törichten Fehlern würden wir bewahrt bleiben, würden wir mehr mit dem Herrn sprechen, anstatt nur „bei uns selbst zu überlegen“!

David hatte auf wunderbare Weise die Errettung von den Nachstellungen Sauls erfahren, aber dann sprach er eines Tages in seinem Herzen:

1Sam 27,1.2: Nun werde ich eines Tages durch die Hand Sauls umkommen; mir ist nichts besser, als dass ich eilends in das Land der Philister entrinne, und Saul wird von mir ablassen, mich ferner in allen Grenzen Israels zu suchen; und ich werde aus seiner Hand entrinnen. Und David machte sich auf und ging hinüber, er und sechshundert Mann, die bei ihm waren, zu Achis, dem Sohn Maoks, dem König von Gath.

Wenn wir dieses Kapitel und die beiden nächsten lesen, dann erfahren wir, was für eine dunkle Epoche im Leben Davids diesem Entschluss folgte. Was für eine Schande, was für eine Not brachte er über sich! Alles hatte damit begonnen, dass er in seinem Herzen sprach, anstatt in seinem Herzen mit Gott darüber zu reden. Auch Abraham fiel in denselben Fehler (lies 1Mo 12,10-20), auch seine Sprache war: „Weil ich mir sagte …“ (1Mo 20,11).

Wenn wir in unser eigenes Leben schauen, werden wir dann nicht an manchen demütigenden Vorfall erinnert? Und müssen wir nicht feststellen, dass es jeweils direkt damit begonnen hat, dass wir darüber mit uns selbst statt mit Gott gesprochen hatten? Wenn wir mehr die Gewohnheit pflegen würden, stets in unserem Herzen mit dem Herrn über alles das zu reden, was in unseren Gedanken auftaucht, würden wir vor manchem Fall bewahrt bleiben. Wenn uns ein Gedanke kommt, von dem wir wissen, dass er dem Herrn missfällt, sollten wir sogleich zu Ihm damit gehen, sollten mit Ihm darüber sprechen und Seine Hilfe erbitten. Auf diese Weise würden wir von Anfang an von solchen Gedanken befreit werden, die, würden wir ihnen nachgeben, nur den Sinn beflecken und sehr oft in Wort oder Tat zur Sünde führen würden.

Unsere Denkgewohnheiten haben sich, wie alle Gewohnheiten, im Verlauf der Jahre so eingegraben, dass es nicht einfach ist, sie zu ändern. Dennoch ist eine Änderung möglich, wenn wir mit unserem Herzen einen Entschluss dazu fassen und mit der Hilfe des Herrn rechnen. Wie jede neue Gewohnheit wird das zuerst Beharrlichkeit erfordern, aber mit fortschreitender Verwirklichung wird es mehr und mehr zu einer festen Gewohnheit werden. Hand in Hand damit empfangen wir ein tieferes Bewusstsein von der Gegenwart des Herrn zu aller Zeit, und das wiederum wird sich als wirklicher Trost und als Halt in Tagen der Not und als Quelle der Kraft in Zeiten der Erprobung erweisen. Ist man dann allein, fühlt man sich trotzdem nicht einsam, denn das Alleinsein wird zu einer Zeit gesegneter Gemeinschaft mit dem Herrn; und ist man mit anderen zusammen, wird man vor eitlem Geschwätz bewahrt, das oft noch trauriger ist als die Tatsache, dass man seine Zeit vergeudet hat. Wenn die Unterhaltung derart verläuft, dass man daran zur Verherrlichung Gottes nicht teilnehmen kann, kann man still für die beten, die sich daran beteiligen. So wird uns die praktische Gewohnheit, allezeit mit dem Herrn zu reden, davor bewahren, Dinge zu sagen, die nicht gesagt werden sollten; und sie wird uns darin helfen, instinktiv auf den Herrn zu blicken, dass Er uns in all unserem Tun und Lassen leiten möge.

Zwei weitere Stücke in unserem Vers werden mit einem unablässigen Beten verbunden: Freude und Danksagen.

1Thes 5,16-18: Freuet euch allezeit; betet unablässig; danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christus Jesus gegen euch.

Die Gewohnheit, in unserem Herzen über alles mit dem Herrn zu reden, erhält uns nahe bei dem Herrn, und das gibt Freude. Es befähigt uns auch, klarer zu erkennen, dass Sein Handeln in allen Umständen unseres Lebens zu unserem Guten dient, und nur so können wir in allem danksagen.

Im Leben jedes Kindes Gottes gibt es viele Dinge, in denen Gott eine besondere Belehrung geben oder wodurch Er erreichen möchte, dass wir Seine liebevolle Sorgfalt erkennen. Wird aber die Gewohnheit, unablässig zu beten, nicht ausgeübt, dann nimmt man die Dinge normalerweise an, ohne die Hand Gottes darin zu erkennen. Als Folge davon wird das, was man hätte lernen sollen, nicht gelernt, und der beabsichtigte Segen geht verloren. Wie immer man auf diesen Gegenstand blicken mag, es liegt ein großer Segen in der Gewohnheit, unablässig zu beten. Der Christ, der sie nicht hat, bleibt gewöhnlich ein „Zwerg“ mit spärlicher Freude und geringem geistlichem Wachstum.


Originaltitel: „Betet unablässig“
aus Ermunterung und Ermahnung, 1992, S. 4–9


Hinweis der Redaktion:

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