Gemeinschaft im Dienst
Wo sind die Grenzen der Zusammenarbeit im Dienst?

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 30.03.2021

Einführung

Alle, die den Herrn Jesus lieben, sollten den Wunsch haben, Ihm zu dienen. Leider beschäftigen sich jedoch einige Christen aus dem einen oder anderen Grund nicht mit Christus, sondern mit dem Dienst. Der Dienst ist dann zu einem Selbstzweck geworden. Sie haben dann nur noch die Not der Menschen vor Augen, die verlorengehen, und sind nicht mehr mit der Herrlichkeit Gottes beschäftigt. Es kommt hier auf die richtigen Prioritäten an. Diese werden wir aber nur dann richtig setzen können, wenn unser Dienst das Ergebnis der Gemeinschaft mit Christus ist.

Die Beschäftigung mit dem Falschen führt zu falscher Predigt und falscher Praxis. So wird oft das Evangelium für die Nöte der Menschen gepredigt (und wir danken Gott, dass Er sich um die Nöte der Menschen kümmert) statt das Evangelium von der Herrlichkeit Christi (2Kor 4,4) und das Evangelium von der Herrlichkeit Gottes (1Tim 1,11) sowie das Evangelium von der Gnade Gottes (Apg 20,24). Diese drei guten Botschaften machen das Evangelium des Paulus aus (Röm 16,25). Dieses Evangelium wird in einem Artikel mit dem Titel „Das Evangelium des Paulus“ behandelt.

Ich glaube, dass es nicht dem Willen Gottes entspricht, dass jemand, der im Namen des Herrn Jesus Christus versammelt ist (Mt 18,20), den Dienst zusammen mit solchen ausübt, die nicht in gleicher Weise versammelt sind. Das möchte ich im Folgenden begründen.

Besonderheiten bei der Bekehrung des Paulus

Im Zusammenhang mit der Bekehrung des Paulus sind einige aufschlussreiche Wahrheiten zutage getreten, denen wir unsere Aufmerksamkeit widmen wollen.

Apg 9,3-7: Als er aber hinzog, geschah es, dass er sich Damaskus näherte. Und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht aus dem Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh aber auf und geh in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst. Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da, weil sie wohl die Stimme hörten, aber niemand sahen.

1Kor 15,8: Am Letzten aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir.

Wir können mindestens zwei sehr wichtige Punkte aus diesen Schriftstellen entnehmen. Sie sind charakteristisch für den Dienst des Paulus für unseren Herrn.

Der erste Punkt ist: Paulus hat den Herrn in Herrlichkeit gesehen! Hatte irgendein anderer Christ zuvor den Herrn in dieser Weise gesehen? Ja, aber nur einer: Stephanus zur Zeit seiner Ermordung (Apg 7). Und man beachte: Saulus war dabei (Apg 7,58). Als die Juden Stephanus töteten, erfüllte sich, was der Herr bereits vorhergesagt hatte: „Ein gewisser hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen. … Seine Bürger aber hassten ihn und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“ (Lk 19,12-14). Tatsächlich war Stephanus der Bote, den die Juden „hinter ihm [Christus] her schickten“. Aber gepriesen sei der Herr Jesus Christus, Er hat einen mächtigen Boten errettet, der frische Gnade aus der Herrlichkeit überbracht hat. Saulus wurde gerettet, das auserwählte Gefäß, damit er den Namen des Herrn vor die Nationen tragen sollte. Ist es dem Leser jemals aufgefallen, dass Paulus den Herrn nie während dessen Erdenleben gesehen hat? Zweifellos war dies von Gott genau so gewollt. Er wollte, dass der erste Blick dieses Mannes auf den Herrn, der Blick auf Christus in der Herrlichkeit sein würde. Die Zwölf sahen den Herrn auf dieser Seite der Wolke, die Ihn aufnahm; Paulus aber sah Ihn auf der anderen Seite sogar in Herrlichkeit. Die Zwölf zeugten von dem, was sie sahen, d.h. von Christus, der von den Toten auferstanden war, und Paulus zeugte von dem, was er sah. Und was hat er gesehen? Die Antwort auf diese Frage ist höchst bedeutsam, weil das der Ausgangspunkt für Paulus war. Hier begann sein Lebensweg als Christ und der Charakter seines Dienstes war davon geprägt. Infolgedessen gibt es einen Unterschied (allerdings keinen Konflikt) zwischen der Evangeliumsverkündigung des Paulus und dem der Zwölf. Wir sprechen von den Zwölf, weil die Schrift zeigt, dass Matthias (Apg 1,26) zusammen mit den Elf anerkannt wurde (vgl. Apg 2,14; 6,2; 1Kor 15,5.8). Es ist ein großer Fehler, Paulus mit den Elf in Verbindung zu bringen. Er war nicht der Zwölfte; Matthias war es. Gott sorgte dafür, dass Er Paulus rettete, als er von Jerusalem entfernt war (und auf Reisen war), und Er sorgte dafür, dass Paulus den Herrn Jesus nicht auf der Erde sah, sondern nur als den verherrlichten Menschen.

Jemand hat gesagt, dass „Jesus in der Herrlichkeit zu sehen, der Dreh- und Angelpunkt und das Zentrum des Evangeliums ist, das ihm jetzt anvertraut ist“. In der Schrift heißt es: „Aber richte dich auf und stelle dich auf deine Füße; denn dazu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl dessen, was du gesehen hast, als auch dessen, worin ich dir erscheinen werde“ (Apg 26,16). Abgesehen davon, dass er den Herrn in der Herrlichkeit sah, informierte der Herr Paulus darüber, dass es auch in der Zukunft noch Offenbarungen geben würde. Eine dieser Offenbarungen, die er erhielt, betraf das Evangelium. Dieses ihm übergebene Evangelium nennt er „mein Evangelium“ (Röm 16,25; 2,16; 2Tim 2,8; vgl. Gal 1,11.12; 2,1.2). Dies ist Teil des Auftrags seines Zeugnisses, das sich in bestimmten Merkmalen (aber nicht widersprüchlich) von allen anderen vor ihm unterscheidet; so unterschiedlich, wie seine Sicht des Herrn, sich von anderen vor ihm unterschied. Er erhielt eine Verwaltung der Gnade, die ihren Ursprung in dem Menschen in der Herrlichkeit hatte und durch Herrlichkeit charakterisiert war.

Kommen wir zum zweiten bedeutsamen Punkt. Die Worte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“, geben uns die erste Andeutung der besonderen Verbindung, die die Gläubigen mit Christus während dieser Zeit der „Verwaltung des Geheimnisses“ (Eph 3,9) haben. Das ist die heutige Zeit der Kirche, in der wir sein Leib sind (1Kor 12), und deshalb tastet Ihn selbst an, wer seinen Leib antastet. Das ist äußerst wichtig: Direkt zu Beginn des Lebens von Paulus als Christ, ja im Augenblick seiner Bekehrung, sind die Wahrheit von dem Evangelium und die Wahrheit von der Kirche miteinander verbunden. Es stimmt zwar, die Verbindung zwischen Christus und dem Gläubigen wird in Apostelgeschichte 9 nicht entwickelt, doch wollen wir von dem, was wir hier finden, lernen. Ist es nicht eine großartige Tatsache und vielleicht auch ein überraschender Gedanke, dass diese beiden Dinge − die Wahrheit von dem Evangelium und die Wahrheit von der Kirche – eng miteinander verbunden sind? Haben wir uns nicht schon oft darin schuldig gemacht, diese beiden Teile der Wahrheit voneinander zu trennen? Es ist ebenso schädlich wie falsch, diese beiden Dinge voneinander zu trennen. Wir sollten sie unterscheiden, aber nicht trennen, denn Gott hat sie miteinander verbunden.

Evangelium und kirchliche Wahrheit in der Heiligen Schrift vereint

Je mehr wir dieses Thema untersuchen, desto deutlicher wird, dass die Trennung zwischen diesen beiden Linien der Wahrheit nur in unseren Köpfen und nicht im Wort Gottes existiert. Nehmen wir einmal die folgende Schriftstelle, wo diese beiden Seiten der Wahrheit direkt miteinander verbunden sind: „Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften, nach Befehl des ewigen Gottes, zum Glaubensgehorsam an alle Nationen kundgetan worden ist, dem allein weisen Gott, durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen“ (Röm 16,25-27). Wenn wir wissen wollen, was es mit diesem Geheimnis auf sich hat, müssen wir zu Epheser 3 gehen. Ein Geheimnis in der Schrift ist nicht etwas, was nicht verstanden werden kann; es ist nicht geheimnisvoll, wie man sagt, sondern vielmehr das, was in der Vergangenheit geheim gehalten wurde und jetzt dem Christen offenbart ist.

Es gibt in Römer 16,25 eine Reihe von Punkten zu beachten.

  1. Das Erste ist die Befestigung. Viele sind daran gewöhnt, zu denken, dass ein Mensch befestigt ist, wenn er weiß, dass ihm seine Sünden vergeben sind, dass er gerechtfertigt ist, dass er Frieden mit Gott hat und „auf dem Weg in den Himmel“ ist. […][1] Diese Schriftstelle zeigt jedoch, dass dies ganz sicher nicht der Fall ist. Uns wird gesagt, dass die Befestigung gemäß zwei Kriterien erfolgt: erstens „nach meinem Evangelium“; zweitens „nach der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses“. Dachte der Apostel, der Römerbrief genüge, um sie zu befestigen? Römer 1,11 („Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen“), erwogen mit Römer 16,25.26, zeigt, dass dies nicht so gewesen ist. Denn er wollte zu ihnen kommen, um ihnen etwas zu geben, was über das hinausging, was sein Brief ihnen gab. In Römer 1 lässt er sie wissen, dass etwas anderes als sein Brief an sie zur Befestigung notwendig war; in Kapitel 16 lässt er sie wissen, was es ist. Es wird deutlich, dass die „Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses“ für die Befestigung notwendig ist.

  2. Der zweite wichtige Punkt ist: „Die Verkündigung Jesu Christi nach der Offenbarung des Geheimnisses“ soll als „Glaubensgehorsam gegenüber allen Völkern“ bekanntgemacht werden (Röm 16,26). Das steht auf derselben Ebene wie „mein Evangelium“. Das Geheimnis wie auch das Evangelium fordern Gehorsam. Haben wir darüber genügend nachgedacht? Haben wir dies gebührend berücksichtigt? Lassen wir zu, dass dies auf unser Leben Einfluss hat? Haben wir es insbesondere im Zusammenhang mit unserem Dienst für den Herrn berücksichtigt?

  3. Der dritte Punkt: Die Wahrheit des Evangeliums und die Wahrheit von der Versammlung werden hier zwar unterschieden, aber nicht getrennt voneinander gesehen. Und in der Tat gibt es eine lebenswichtige Verbindung. Für unsere Befestigung sind beide notwendig.

Die innige Verbindung von Evangelium und Wahrheit von der Versammlung geht also im Wesentlichen aus den Schriften des Paulus hervor. Sie sind miteinander verbunden, unterschieden, aber nicht getrennt.

Wir finden dieses Thema der Verbindung von Evangelium und Gemeinde auch in Epheser 3. Wir sind „Miterben und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium“ (Eph 3,6). Beachten wir auch die folgenden Verse: „Mir, dem allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unergründlichen Reichtum des Christus zu verkündigen und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott, der alle Dinge geschaffen hat“ (Eph 3,8.9). Was ist denn dem Paulus anvertraut worden? Er sollte „verkünden“ und „erleuchten“. Lieber Leser, lassen wir uns von Gott erforschen; gibt unser aller Dienst diesen beiden Dingen – der Verkündigung des Reichtums des Christus und der Erleuchtung über die Verwaltung des Geheimnisses – den Platz, den Gott ihnen geben möchte? Es geht nicht darum, dass wir alle ein Paulus oder ein Evangelist oder ein Lehrer usw. sein müssen, sondern es geht um die Frage: Ist meine Gemeinschaft mit anderen im Dienst für den Herrn von der Art, dass völlige Freiheit besteht, den Willen Gottes zu erfüllen, der darin besteht, alle mit dem Verständnis dessen, was die Verwaltung des Geheimnisses ist, zu erleuchten? Oder baue ich das auf, was nicht der Wahrheit des einen Leibes und der Regierung und Ordnung des Hauses Gottes entspricht? Auch unsere Gemeinschaft im Dienst ist wichtig, nicht nur unsere Gemeinschaft beim Brechen des Brotes. Wir müssen Gott in beiden Beziehungen die Ehre geben. Wir müssen „verkünden“ und „erleuchten“.

Das Evangelium ist ein Mittel

Für manche Christen besteht die Wahrheit des Evangeliums nur daraus, glücklich zu sein, gerettet zu werden, Menschen von Gott gesegnet zu sehen, und sie sind oft sogar voller Eifer, die frohe Botschaft von der Errettung zu verbreiten (an sich lobenswert, besonders dort, wo 1. Korinther 3,10 befolgt wird). Mehr sehen sie allerdings nicht. Sie glauben, der Sinn und das Wichtigste des Evangeliums ist: Seelen werden gerettet. In Wirklichkeit ist das eine sehr eingeschränkte Sichtweise auf das Evangelium. Das Evangelium ist viel mehr als eine Feuerleiter aus der Hölle; es ist viel mehr als nur ein Segen für Menschen. Wie weit ist doch diese verkürzte Sichtweise vom Wort Gottes entfernt. Die Schrift zeigt uns nämlich, dass das Evangelium ein Mittel und kein Zweck ist, durch den „die aus den Nationen Miterben und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium“ sein sollen (Eph 3,6).

Für den Bau des salomonischen Tempels hatten die Arbeiter Salomos einst große Steine mit großem Arbeitsaufwand aus dem Steinbruch abgebaut und aus der Grube herausgeholt. Stellen wir uns vor, sie hätten gedacht: „Nun, so wie ich es sehe, ist es wirklich wichtig, Steine aus dem Steinbruch herauszuholen. Dazu hat Salomo uns hierhergeschickt. Jeder sollte Steine abbauen. Wir sollten uns nicht so sehr um andere Dinge kümmern.“ Wie töricht wäre das! Der Baumeister hatte einen besonderen Platz für die Steine vorgesehen und dachte an die Herrlichkeit des großen Gottes, der in diesem Tempel wohnen sollte. Der Bergbau war ein Mittel zum Zweck und nicht der Zweck an sich. Aber die Haltung vieler Christen berücksichtigt dies nicht. Sie denken wenig daran, dass die lebendigen Steine Gottes Wohnung bilden (Eph 2,22); sie denken nur selten an die bedeutsamen Punkte von Epheser 3, die wir eben besprochen haben; sie denken viel an den Segen für Sünder, aber wenig an Gottes Herrlichkeit am Kreuz (1Tim 1,11) und in der Versammlung (Eph 3,21) und manchmal nicht einmal an Gottes Herrlichkeit in der Errettung des Sünders. (Unsere Errettung leitet ihre Bedeutung von der Tatsache ab, dass Gott verherrlicht ist und dass wir ein Geschenk des Vaters an den Sohn sind. Siehe Johannes 17,1-3.) Viele sind nicht gut im Wort gegründet; sie haben Schieflage und sind nicht ausgewogen; sie gehen, wenn überhaupt, nur wenig auf die Gedanken des Baumeisters des Hauses Gottes ein (1Kor 3,10). Es ist wie mit Ephraim (was „Fruchtbarkeit“ bedeutet!), der mit einem Kuchen verglichen wird, der nicht umgewendet wurde (Hos 7,8).

Warum war Paulus im Gefängnis?

Paulus verlassen

In 2. Timotheus 1,15-18 möchte uns der Geist Gottes darauf aufmerksam machen, dass Paulus von den Christen verlassen wurde. Erst dann teilt Er uns die anderen Abweichungen, die in diesem Brief zu finden sind, mit. Und zweifellos stehen diese Abweichungen und die Abkehr von Paulus in einem Zusammenhang. In dem, was sich im zweiten Timotheusbrief entfaltet, finden wir eine Entwicklung. So ist übrigens jedes Buch im Wort Gottes nach einem bestimmten Plan aufgebaut.

Beachten wir: Man hatte sich vom Apostel Paulus abgewandt (2Tim 1,15) und nicht von Christus. Hätten sie sich von Christus abgewandt, könnte Paulus kaum sagen: „von mir abgewandt“. Der Geist Gottes würde Paulus niemals an einen solchen Platz erheben, wenn sie sich von Christus abgewandt hätten. Vielmehr schämten sie sich wegen seiner Kette (2Tim 1,16) und verspürten keine Neigung, an seiner Ablehnung und Schmach teilzunehmen. Diese Gläubigen hatten die Wahrheit von der Versammlung, „das Geheimnis des Evangeliums“ (Eph 6,19), aufgegeben. Sie lehnten das ab, was manchmal als „Lehre des Paulus“ bezeichnet wird. Diese Abkehr gilt jedoch auch hinsichtlich des Evangeliums. Der Apostel Paulus hatte nämlich eine besondere Offenbarung über das Evangelium erhalten. Die anderen Apostel hatten zwar auch das Evangelium gepredigt (Gal 1,12.13), aber bei Paulus kam etwas hinzu, was er „mein Evangelium“ nennt (Röm 2,16; 16,25; 2Tim 2,8). Er predigte nicht nur das, was wir am Anfang der Apostelgeschichte finden, nämlich dass Jesus von den Toten auferweckt und sowohl zum Herrn als auch zum Christus geworden ist und dass die Vergebung der Sünden möglich ist. Diese Botschaft ging ungefähr so weit, wie der Großteil der Verkündigung des Evangeliums heute zu gehen scheint. Zum damaligen Zeitpunkt war das sicher richtig. Doch dieser Botschaft wurden dann noch etliche Elemente hinzugefügt. Das Evangelium, das Paulus gepredigt hat, beinhaltet daher viel mehr. Es zeigt die Verherrlichung Gottes in Bezug auf die Frage der Sünde und unsere Verbindung mit dem verherrlichten Menschen zur Rechten Gottes. Und diese beiden Punkte hängen mit der Versammlung zusammen, „dem Geheimnis des Evangeliums“. Es ist sehr viel umfassender als das, was anfangs von den Zwölf gepredigt wurde. Es ist also nicht nur die Wahrheit von der Versammlung, die von der Christenheit aufgegeben wurde, sondern auch das, was Paulus „mein Evangelium“ nennt, d.h. den Teil unserer Botschaft, der Paulus zusätzlich zu dem gegeben wurde, was andere gepredigt haben (außer vielleicht die Rechtfertigung). Die Kirche hat sich mit der Welt verbunden. Das sehen wir bei dem Brief an Pergamus (Off 2,12-17). So ist ganz allgemein der Weg der Absonderung von den Wegen und Grundsätzen der Welt verlassen worden. Den Anfang davon finden wir in der Abkehr von Paulus in 2. Timotheus 1,15.

Diese Abkehr von einem Großteil der Wahrheit, die Paulus anvertraut war, führt ihn dazu, Timotheus zu ermahnen, sich des Zeugnisses unseres Herrn nicht zu schämen. Betrachten wir an dieser Stelle „das Zeugnis unseres Herrn“. Was ist das? Es ist nicht das Zeugnis, das wir über den Herrn geben. Wenn es das wäre, was wir über Ihn sagen, dann wäre es unser Zeugnis. Aber es ist sein Zeugnis, d.h., es ist das, was Er gesagt hat. Und das betraf eben diese besonderen Elemente der Wahrheit, die Paulus anvertraut worden waren. Das sehen wir in Apostelgeschichte 26,16: „Dazu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu bestimmen, sowohl dessen, was du gesehen hast, als auch dessen, worin ich dir erscheinen werde.“ Hatte er etwas Besonderes gesehen? In der Tat! Er hatte den Herrn in der Herrlichkeit gesehen. So hatte Ihn nur Stephanus gesehen. Und so spricht nur Paulus von „dem Evangelium der Herrlichkeit des Christus“ (2Kor 4,4; daher der Ausdruck „mein Evangelium“) und von den späteren Geheimnissen, die ihm mitgeteilt wurden. Dabei denken wir besonders an die Geheimnisse im Epheserbrief. Aber Menschen wurden schon durch die Verkündigung des Evangeliums errettet, bevor Paulus überhaupt errettet wurde: Daher ist „die Lehre des Paulus“ für die Errettung nicht notwendig! Diese Feststellung führt zu einer bemerkenswerten Überlegung. Timotheus sollte sich nicht schämen für den, der ein Gefangener war, ein Gefangener nicht nur für das Evangelium, sondern auch für das Geheimnis des Christus (2Tim 1,8; Kol 4,3.4). Onesiphorus schämte sich nicht dafür, mit Paulus identifiziert zu werden (2Tim 1,16), aber Phygelus und Hermogenes und viele andere wandten sich von ihm ab (2Tim 1,15). Man kann „die Lehre des Paulus“ aufgeben und immer noch orthodox sein. Und wenn wir orthodox sagen, meinen wir gesund in den Grundlagen des Glaubens. Das Wort „Fundamentalismus“ ist eines, das, wie es scheint, um 1905 hervorkam, und das Wort „Fundamentalist“ wurde verwendet, um solche zu beschreiben, die sich um 1920 dem Modernismus treu widersetzten. Wir verstehen unter Fundamentalisten hier solche, die orthodox in Bezug auf den Glauben sind und die absolute Autorität des Wortes Gottes anerkennen. Einige wollen heute lieber als „Neo-Evangelikale“ bezeichnet werden, weil die Fundamentalisten im Allgemeinen nicht so gelehrt und intellektuell waren wie ihre Gegner und das Wort heute einen schlechten Ruf bekommen hat. Ohne Zweifel waren die Gläubigen, auf die in 2. Timotheus 1,15 Bezug genommen wird, bekennende Christen, vielleicht auch „Fundamentalisten“ oder „evangelikale Christen“. Doch sie wandten sich von jener kostbaren Wahrheit ab, die uns Gottes Anteil und Herrlichkeit sehen lassen will, und auch von dem Weg der Verwerfung. Auch gaben sie dem Heiligen Geist, der uns von dem Eindringen des menschlichen Willens absondern will, nicht mehr seinen eigentlichen Platz unter dem Volk Gottes. Die Masse des Christentums befindet sich noch immer in dieser „Asien“-Position.[2] – Wiederherstellung muss an dem Punkt beginnen, wo man abgewichen ist!

„Alle, die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt“ (2Tim 1,15). Dies ist eine allgemeine Aussage. Es war ein allgemeiner Rückzug, aber es gab Ausnahmen. Phygelus und Hermogenes dienen als Beispiele für diejenigen, die zwar gerettet sind, aber keinen Wert darauf legen, sich an Paulus’ Dienst über „mein Evangelium und die Verkündigung Jesu Christi gemäß der Offenbarung des Geheimnisses“ zu halten. Onesiphorus war eine glückliche Ausnahme, und Paulus weist in 2. Timotheus 1,18 darauf hin, dass Onesiphorus’ Dienst an ihm selbst in Ephesus war. Zweifellos war dies die Heimatversammlung des Onesiphorus; es war eine jener Versammlungen in Asien, wenn auch in einer kleinen Minderheit, die standhaft blieb. Die Bedeutung der Namen dieser drei Personen, wie sie in J.B. Jacksons Dictionary of Proper Names zu finden sind, ist sehr interessant:

  • Phygelus bedeutet „ein kleiner Flüchtling“; Hermogenes bedeutet „glücklich geboren“. Können wir nicht die folgende Lektion aus ihren Namen lernen? Sie waren diejenigen, die sich über ihre Rettung freuten, was gut ist, was richtig ist; aber leider scheint es so, als ob das auch alles war. Sie freuten sich über ihren Anteil am Evangelium (als Flüchtlinge von Gott, die wiedergeboren wurden)[3], was richtig ist, aber das ist nicht alles. Was ist mit dem Anteil Gottes, besonders inmitten seiner versammelten Heiligen?

  • Onesiphorus hingegen bedeutet „Gewinnbringer“ und stellt uns diejenigen vor, die Gott seinen Anteil und seinen Platz geben wollen. Lasst uns, lieber Leser, nach der Wahrheit des Evangeliums und des „Geheimnisses des Evangeliums“, d.h. der Wahrheit der Versammlung (Eph 6), wandeln und in unserem Dienst für unseren Herrn Jesus immer beides im Auge behalten. Wenn wir Mitarbeiter in dem Werk des Herrn haben wollen, lasst uns immer die Gemeinschaft im Dienst mit denen suchen, die nach diesen beiden Dingen leben.

Paulus im Gefängnis

Zunächst könnte man meinen, Paulus sei wegen des Evangeliums ins Gefängnis gekommen. Das ist zwar auch wahr (vgl. Phil 1,12-18; 2Tim 2,8.9), aber es ist nur ein Teil der Wahrheit. Wir werden hier wieder sehen, wie das Evangelium und das Geheimnis miteinander verbunden sind. Vielleicht kommt es jemand befremdlich vor, wenn wir behaupten, dass Paulus wegen des Geheimnisses Christi, das nach Epheser 3 weit über das Evangelium hinausgeht, im Gefängnis saß. Hören wir das Wort Gottes: „Betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür des Wortes auftue, das Geheimnis des Christus zu reden, um dessentwillen ich auch gebunden bin, damit ich es offenbare, wie ich es reden soll“ (Kol 4,3.4). Er ist nicht nur wegen des Geheimnisses des Christus im Gefängnis, sondern er wünscht Gebet dafür, dass eine Tür geöffnet wird, um zu sprechen, aber worüber – über das Evangelium? Natürlich, aber darum geht es in dieser Schriftstelle nicht. Es ist das Geheimnis des Christus! Zweifellos hat er auch das Evangelium im Sinn, denn das ist das gesegnete Mittel (Eph 3,6), durch das die Seelen am Geheimnis Christi teilhaben können. Aber das Wort Gottes legt diese Dinge nicht in mehrere Schubladen, indem es sie voneinander trennt oder auseinanderreißt, wie wir geneigt sind. Wie schön sind diese beiden Dinge (die zwar unterschieden, aber nicht voneinander getrennt werden sollen) in Epheser 6,19.20 durch den Ausdruck „das Geheimnis des Evangeliums“ miteinander verbunden. Die Tatsache, dass die Sünden vergeben würden, war kein Geheimnis, das in vergangenen Zeiten verborgen war. Es war kein Geheimnis, dass ein Erlöser und Retter kommen würde, der sein Volk von seinen Sünden erlösen würde, und dass der Segen zu den Heiden hinausgehen würde. Es war kein Geheimnis, dass jemand leiden und Frucht von der Mühsal seiner Seele sehen sollte. Das Geheimnis, von dem in Epheser 6 die Rede ist, ist das Geheimnis von Epheser 3, dass wir Miterben und Miteinverleibte und Mitteilhaber seiner Verheißung in Christus Jesus sein sollten. Das ist das Geheimnis oder ein innerer Teil davon; aber so innig ist seine Verbindung mit der frohen Botschaft, dass es als „das Geheimnis des Evangeliums“ bezeichnet wird. Jemand hat gesagt, dass dieser Satz die „volle Lehre von der Gnade in der Berufung der Kirche“ zeigt.

Warum war Paulus im Gefängnis? In Epheser 6,19.20 heißt es, dass Paulus „ein Gesandter in Ketten“ war, „um das Geheimnis des Evangeliums kundzutun“. Und er wünscht sich die Gebete der Heiligen, damit er die Rede und die Kühnheit habe, diese Herrlichkeiten darzulegen. Die Fülle des Ratschlusses hatte Gott dem Paulus offenbart. Dieser (nie zuvor offenbarte) Vorsatz schloss ebenso die Nationen ein. Die Juden wollten nicht, dass Nichtjuden so gesegnet werden (Apg 22,21): Fort mit dem, der solche Gnade zu heidnischen Hunden bringt! So ging er ins Gefängnis, weil er diese Wahrheit des großen Segens für die Nationen predigte. Wenn wir das ins Herz gefasst haben, können wir auch Epheser 3,1.2 und 13 besser verstehen. Und wo war Paulus jetzt? Richtig, im Gefängnis. Sollte er das jetzt im Gefängnis predigen? Ja, der Apostel wusste, wie er Gott wohlgefällig dienen konnte. Sag, lieber Leser, hält dich deine Gemeinschaft im Dienst mit anderen Christen davon ab, „Jesus Christus zu predigen nach der Offenbarung des Geheimnisses“ (Röm 16,25) und „alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei“? Gott erwartet von uns Treue im Dienst. Epheser 3,10 sagt, dass die Entfaltung von Gottes vielfältiger Weisheit durch die Versammlung geschieht. Ist die Versammlung in unseren Gedanken mit allem, was wir tun, in irgendeiner Weise verbunden? Ist Gottes Herrlichkeit in seinem Haus unser Ziel? Oder sind wir nur halbherzige Diener? Die Gemeinschaft im Dienst sollte die Verbindung zwischen dem Evangelium und dem Geheimnis widerspiegeln.

Ein Beispiel in der Schrift, wie die Wahrheit des Evangeliums und der Versammlung getrennt wurden

Wie wir gesehen haben, taten das diejenigen in Asien, die sich von Paulus abgewandt hatten. Sie trennten das Evangelium von dem Geheimnis. Folgende Punkte können ja wahr sein:

  • Man kann predigen, dass Jesus erhöht wurde und zum Herrn als auch zum Christus geworden ist.
  • Man kann die Vergebung der Sünden predigen, wenn der Sünder Christus vertraut.
  • Man kann an die Verbalinspiration der Heiligen Schrift glauben.
  • Man kann die Wahrheit von der Person Christi festhalten.
  • Man kann ein „Fundamentalist“ oder „Evangelikaler“ sein usw.

Und dennoch kann man jemand sein, der Paulus verlassen hat und sich nicht bemüht, dem „Zeugnis unseres Herrn“ – das, was der Herr dem Paulus von der Herrlichkeit aus gesagt hat − gerecht zu werden. Es ist möglich, in Bezug auf die „Grundlagen“ gesund, sehr aktiv und eifrig sein; dennoch kann so jemand lediglich die halbe Wahrheit verkündigen und sogar noch auf die herabsehen, die sich nicht in gleicher Weise mit den eigenen einseitigen Zielen beschäftigen.[4]

Dienst

Die Verkündigung des Evangeliums ist ein Dienst für Gott

„Ihr kennt aber seine Bewährung, dass er, wie ein Kind dem Vater, mit mir gedient hat an dem Evangelium“ (Phil 2,22). Eigentlich muss ja kaum gesagt werden, dass die Verkündigung des Evangeliums ein Dienst für Gott ist, aber wir müssen uns dennoch an dieser Stelle daran erinnern.

Dienst ist mit dem Leib Christi verbunden

Der Dienst hat zwei Aspekte: Ein Aspekt ist der des Reiches Gottes (Mt 25,14-30 usw.), auf den wir jetzt nicht eingehen werden; der andere Aspekt ist die Verbindung mit dem Leib Christi. „Es sind Verschiedenheiten von Diensten, und derselbe Herr“ (1Kor 12,5). „Er hat andere gegeben als Evangelisten …, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus“ (Eph 4,12).

Jemand sagte:                                               

Wir brauchen also diese beiden Aspekte der Gemeinschaft und des Zeugnisses [d.h. die Gemeinschaft] in der Versammlung und das Zeugnis des Evangeliums. Beide sind aufrechtzuerhalten – nicht als unabhängig voneinander, sondern vielmehr als Hand in Hand gehende Einheit. Der Evangelist soll sich daher nicht unabhängiger vom Zeugnis der Versammlung betrachten als die anderen „Gaben“, als Hirten oder Lehrer. Denn sie sind alle gegeben „zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus“ (Eph 4,11.12). Das Werk des Evangelisten soll nicht nur das Heil der Seelen im Blick haben, sondern auch die Beziehung dieses Werkes zu der Versammlung, in der die Bekehrten in den Wegen des Herrn gefördert werden sollen zu ihrer Vervollkommnung und Erbauung. Und solche, die einen öffentlichen Dienst tun, sollen dies nicht als von Menschen ordiniert und auch nicht als selbst ordiniert tun, was noch schlimmer ist, sondern als vom Herrn gesandt aus der Versammlung, die sie als für eine solche Arbeit geeignet anerkennt (Apg 13,1-3; 14,26; 15,40). Auch hier gilt: Wenn das Werk des Evangelisten nicht nur die Verkündigung an den Sünder im Blick hat, sondern auch das, wovon Epheser 4 spricht, bedeutet das dann nicht, dass er ein gewisses Maß an Erfahrung und Verständnis dafür haben muss, was zur Vervollkommnung und Erbauung beiträgt? Es scheint, dass dies nur durch eine Zeit der Verbindung mit einer Versammlung zu erreichen ist, in der eine wirkliche Kenntnis der Wege des Herrn erworben werden kann. In einer solchen Verbindung würde jemand, der als Evangelist begabt ist, diese Berufung sicherlich in Aktivitäten in einer Richtung zum Ausdruck bringen, die ihn als begabt dafür auszeichnen würde. Wenn dann weitere Bereiche des Dienstes geöffnet werden, geht er mit der Gemeinschaft der Gläubigen und von ihnen empfohlen voran.

Diese Frage der Beziehung des Evangelisten zur Versammlung gilt gleichermaßen für alle, die die Arbeit eines Evangelisten tun, unabhängig davon, ob sie ausgesprochen begabt sind oder nicht. Dieser Dienst ist definitiv mit der Erbauung des Leibes Christi verbunden.

Dieser Dienst soll in Gemeinschaft mit denen ausgeführt werden, die Jesus Christus gemäß der Offenbarung des Geheimnisses verkündigen (Röm 16,25; 1Thes 1,8). Er soll in Gemeinschaft mit denen geschehen, die den Wunsch haben, alle mit der Erkenntnis dessen zu erleuchten, was die Verwaltung des Geheimnisses ist (Eph 3,9). Dafür müssen auch ganz praktisch die Grundsätze aufrechterhalten werden, die der praktischen Heiligkeit im Haus Gottes entsprechen.

Mögen diejenigen, die den Mangel an Bemühungen im Bereich der Verkündigung des Evangeliums beklagen, hierin mit gutem Beispiel vorangehen. Alle, die sich damit befassen, und alle, die sich Zeit für die konkrete Arbeit am Evangelium nehmen wollen, sollten zusehen, dass ihre Arbeit Gott bis zum Ende ehrt. Sie sollten bedenken, dass es nicht nur um das Heil der Seelen geht, sondern dass die Seelen in den Segen des „Geheimnisses des Christus“ gebracht werden. Und diejenigen, denen es zu gefallen scheint, wenn Dinge im großen Stil, mit Triumph, Trompete und Fanfare getan werden, sollten an zwei Dinge denken:

  1. „Viele Erste werden Letzte und die Letzten Erste sein“ (Mk 10,31).
  2. Das Wort Gottes sagt: „Wohl, du guter und treuer [nicht erfolgreicher] Knecht!“ (Mt 25,23).

Gemeinschaft

Gemeinschaft in der Familie Gottes

Bezüglich der Gemeinschaft müssen wir zwei Linien der Wahrheit unterscheiden. Zum einen gibt es die Gemeinschaft in der Familie Gottes, zum anderen die Gemeinschaft der Versammlung. Die Familie Gottes ist ein Thema des Johannesevangeliums und der Johannesbriefe, während die Versammlung ein Thema der Paulusbriefe ist. Wir sind nicht nur Glieder des Leibes Christi, sondern wir sind auch Kinder in der Familie Gottes, und das sind zwei verschiedene Dinge. Nicht alle Kinder Gottes gehören zum Leib Christi. Gläubige des Alten Testaments hatten Leben; sie wurden von Gott geboren, und auch Gläubige im Tausendjährigen Reich werden aus Gott geboren werden. Vor dem Kreuz gab es Kinder Gottes, obwohl sie diesen Platz nicht einnehmen konnten, bis Christus kam und in den Himmel aufgenommen wurde (Joh 1,11.12; vgl. Gal 4,1-3).

Der Herr sprach zu Nikodemus, einem Juden, über die Wiedergeburt, bevor das Werk am Kreuz vollendet war, und fragte ihn, warum er nichts von der Wiedergeburt wisse. Die Wiedergeburt ist also nicht eine eindeutig christliche Wahrheit, denn wie sollte Nikodemus sonst davon wissen? Es lohnt sich, ganz kurz den Blick auf einige Schriftstellen zu werfen, die zeigen, dass die Gläubigen des Alten Testaments von Gott geboren wurden, „Kinder“ Gottes waren. In Johannes 11,52 finden wir die Prophezeiung des Kajaphas, dass der Herr Jesus sterben würde; aber es wird hinzugefügt, dass Er sterben würde, um die zerstreuten Kinder Gottes in eins zu versammeln. Wann waren sie denn zerstreut? Nun, das muss gewesen sein, bevor der Herr starb. Denn Er starb ja, damit sie in eins versammelt werden konnten. Und wer waren sie, die Er in eins versammeln sollte? Die zerstreuten „Kinder Gottes“! Wir sehen also, dass es vor dem Kreuz Kinder Gottes gab. Auch Römer 9,7.8 zeigt dies, ebenso wie Galater 4,1-3.

Ein Mensch wird ein Kind Gottes, indem er in die Familie Gottes geboren wird. Das heißt, er wird wiedergeboren. Ein Mensch braucht aber darüber hinaus noch etwas, um ein Glied des Leibes Christi zu sein (vgl. 1Kor 12,13; Eph 1,13,14).

In 1. Johannes 1,3 heißt es: „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ Das ist die Gemeinschaft der Familie Gottes. Mit dieser Gemeinschaft ist nicht gemeint, dass wir uns hinsetzen und miteinander reden. Diese Gemeinschaft bedeutet, dass wir mit dem Vater und dem Sohn ihre Natur und ihr Leben gemeinsam haben und darüber die Gedanken teilen. Wir haben das ewige Leben; und Petrus zeigt, dass wir zu Teilhabern an der göttlichen Natur gemacht sind. Wir haben eine Natur wie Gott. Das ist es, was diese Gemeinschaft bedeutet; dass wir diese gemeinsam mit dem Vater und mit dem Sohn haben und darüber gleiche Gedanken und Empfindungen, und das nach 1. Johannes 1,7 auch miteinander. Wenn wir von neuem geboren sind, d.h. in die Familie Gottes hineingeboren sind, ist Er unser Vater, und wir empfangen sein Leben, das ewige Leben (vgl. 1Joh 5,11.12.20; Joh 17,3), und auch seine Natur, eine göttliche Natur (2Pet 1,4).

Es sollte beachtet werden, dass es in 1. Johannes 1,7 heißt: „wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist“, und nicht: „wenn wir dem Licht entsprechend wandeln“. Hier geht es um unsere Stellung, nicht darum, wie wir wandeln. Jeder Christ wandelt im Licht. Wenn du dir vorstellst, in einem Raum zu sein, in dem das Licht brennt, und du gehst in dem Raum umher, dann wandelst du im Licht. Es geht nicht darum, wie man es tut, sondern wo man es tut. Wenn du aber den Lichtschalter auf „Aus“ stellst, dann gehst du im Dunkeln. Jeder Christ wandelt im Licht, so wie Gott im Licht ist. Und Er ist das Licht − vollkommen, rein, makellos. Und so wandeln nun die Kinder Gottes als Teilhaber an der göttlichen Natur und dem göttlichen Leben des Vaters und des Sohnes im Licht, wie Er im Licht ist. Zugleich haben wir Gemeinschaft in diesem göttlichen Leben und dieser göttlichen Natur mit dem Vater und dem Sohn, und das haben wir gemeinsam mit anderen Kindern Gottes. Aber das ist Familiengemeinschaft. Gott hatte von jeher eine Familie, seit die erste Seele auf der Erde in alttestamentlicher Zeit wiedergeboren wurde (obwohl sie Gott nicht als Vater kannten; da musste der Sohn zuerst den Vater offenbaren). Sie hatten weder die Kenntnis dieser Dinge noch den innewohnenden Geist. 1. Johannes 1,4 sagt: „Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude völlig sei.“ So können wir die Fülle der Freude haben, wenn uns dieser Brief über das Leben und die Natur erzählt, die wir mit dem Vater und dem Sohn haben, und wir haben die Vollmacht, sie durch den innewohnenden Geist in Fülle zu genießen.[5] Die Heiligen des Alten Testamentes konnten nicht den Platz von Kindern einnehmen, und so sagt Johannes 1,12: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden“, d.h. diesen Platz offen einzunehmen, und wir können uns daran erfreuen, und unsere Freude kann völlig sein, indem wir an der Natur des Vaters und des Sohnes teilhaben.

Es wäre vielleicht gut, etwas über das Einssein im Johannesevangelium zu erwähnen. Wenn der Herr betete, dass die Jünger eins sein mögen, sollten wir uns bewusst sein, dass Er sich auf die Familie Gottes bezieht, nicht auf den einen Leib. Die Wahrheit über den Leib Christi war der späteren Offenbarung durch Paulus vorbehalten. Was ist dann diese Einheit? Es ist dies: Die Kinder Gottes waren, wie wir gesehen haben, in alle Welt zerstreut. Nun konnten sie offen den Platz der Kinder einnehmen (Joh 1,13). Sie hatten die gleiche Natur und das gleiche Leben, die gleichen auf Gott gerichteten Wünsche. Der Herr betete, damit diese Familie als eine Gesellschaft sichtbar würde, die dieses Leben und diese Natur offenbart. Eins im Leben und in der Natur – das sollten sie ganz praktisch, ganz offen und in anerkannter Beziehung als Kinder Gottes leben.

Die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus

Wenn wir uns nun 1. Korinther 1,9 zuwenden, stellen wir fest, dass wir in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn, berufen worden sind. Im ersten Johannesbrief fanden wir unsere Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn (der Vater zuerst, weil dahinter der Gedanke der Familie steht); es war etwas, was wir gemeinsam und in Gemeinschaft mit ihnen und untereinander genießen. In 1. Korinther 1,9 aber ist es eine Gemeinschaft, in die wir berufen worden sind. Es ist die Gemeinschaft des Leibes Christi. Das ist etwas anderes als die Gemeinschaft in der Familie Gottes. Ein Kind Gottes zu sein kann nicht die Grundlage der christlichen Gemeinschaft sein. Wenn das so wäre, dann wären alle Heiligen des Alten Testaments, die in der Familie Gottes waren, d.h. die aus Gott geboren waren, in der christlichen Gemeinschaft. Abraham zum Beispiel, Noah, David und viele andere wären in der christlichen Gemeinschaft, aber wir wissen, dass das nicht wahr ist; dennoch waren sie Kinder Gottes, sie gehören zur Familie Gottes. Galater 4,1-3 beschreibt die Stellung der Juden, die Kinder Gottes waren. Es ist also sehr wichtig, zu sehen, dass es diese beiden Gemeinschaften gibt, die der Familie Gottes[6] und die der Versammlung Gottes; und wir wissen, dass jeder Christ in der Familie Gottes ist, aber nicht jeder, der zur Familie Gottes gehört, ist in der christlichen Gemeinschaft. Die christliche Gemeinschaft begann am Pfingsttag, als der Heilige Geist herabkam und die Kinder Gottes mit dem Haupt im Himmel vereinigte und sie als Leib Christi auf der Erde formte. Die Jünger waren Kinder Gottes, bevor sie an dem in Apostelgeschichte 2 erwähnten Tag durch den Geist zu einem einzigen Leib getauft wurden.

Johannes zeigt uns die Wahrheit der Kindschaft, unsere Beziehung zum Vater sowie den Charakter der Familie, während die Linie des Paulus eher darin besteht, dass wir Söhne sind, und so zeigt er unsere Stellung. Es geht dabei um das Höchste, das Gott nach seinem ewigen Ratschluss gewirkt hat (vgl. Eph 1 und 3).

Es ist wichtig, zu betonen, dass die neue Geburt, d.h. Leben zu haben, nicht die Grundlage der christlichen Gemeinschaft ist, denn wenn sie es wäre, wären die Heiligen des Alten Testaments in der christlichen Gemeinschaft, weil sie Leben haben. Leben zu haben, d.h. aus Gott geboren zu sein und so ein Kind Gottes zu werden, macht einen Menschen nicht zum Christen, und deshalb kann das nicht die Grundlage der christlichen Gemeinschaft sein. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch wahr, dass ein Mensch, um in der christlichen Gemeinschaft zu sein, aus Gott geboren sein muss; aber das ist nicht das Ende und der Abschluss der Sache. Erst die Taufe „in einem Geist“ (1Kor 12,13) bildete den einen Leib, und wir sind mit diesem Leib verbunden, wenn wir mit dem Geist versiegelt werden [vgl. Eph 1,13].

Wie können wir diese Wahrheiten auf das Thema Gemeinschaft anwenden?

Nur weil eine Person Leben hat, bedeutet das nicht zwingend, dass wir mit ihr Gemeinschaft in der Versammlung pflegen können oder uns im Dienst dieser Person anschließen sollten. Leben, wie wir das gesehen haben, ist notwendig, aber es ist etwas anderes, was die christliche Gemeinschaft geformt hat (vgl. 1Kor 12,13), und so sind zusätzliche Erwägungen neben dem Leben wichtig, wenn es um Gemeinschaft in der Versammlung und im Dienst geht.

Es gibt auch einen Unterschied zwischen dem Dienst gegenüber anderen und dem Dienst mit anderen. Unsere Herzen müssen groß genug sein, [in der heutigen Zeit] alle Kinder Gottes zu umschließen, denn sie alle werden von Ihm geliebt, und wir lieben sie alle, und wir können vielleicht allen von ihnen dienen; aber das bedeutet nicht, dass wir mit jedem Kind Gottes zusammen dienen können. Leider sind viele in einer unbiblischen Position und bringen die Verkündigung Jesu Christi gemäß der Offenbarung des Geheimnisses in Gefahr, indem sie nicht an den Grundsätzen festhalten, die den richtigen Ausdruck der Gemeinschaft von 1. Korinther 1 bestimmen. Der Heilige Geist als Bewohner des Hauses Gottes und der Gläubigen wird in der Christenheit oft ignoriert und vom Prinzip her[7] ausgelöscht [vgl. 1Thes 5,19].[8] Und wir haben ja gesehen, dass alle Arbeit im Evangelium mit diesen Wahrheiten verbunden sein muss und sie im Blick haben sollte. Wenn wir mit anderen im Evangelium zusammenarbeiten, dann werden es diejenigen sein, mit denen wir einen gemeinsamen Weg gehen und die den gleichen Wunsch haben, die Wahrheit der Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn, in die wir berufen worden sind, darzulegen. Wie können wir im Dienst mit denen Gemeinschaft haben, die nicht ebenso danach trachten, dass Gott in seinem Haus seine Rechte hat? Wie kann sich jemand frei fühlen, im Dienst mit denen Gemeinschaft zu haben, mit denen wir nicht das Brot brechen, denn im Brechen des Brotes finden wir den höchsten Ausdruck der Gemeinschaft nach 1. Korinther 10. Wir müssen das Wichtigste voranstellen, und Gottes Ordnung in seinem Haus und sein Teil inmitten seiner versammelten Heiligen steht an erster Stelle, und nichts darf das gefährden. Und dem Heiligen Geist, der die christliche Gemeinschaft gebildet hat, muss die Ihm gebührende Freiheit, sowohl dem Grundsatz nach wie auch in der Praxis, gewährt werden.[9]

Philipper 1,5 zeigt, dass es so etwas wie Gemeinschaft im Evangelium gibt. Wie kann jemand in der Evangeliumsarbeit mit denen Gemeinschaft haben, die sich nicht auf einem Weg der Absonderung von allem Bösen befinden; die nicht die Predigt Jesu Christi gemäß der Offenbarung des Geheimnisses berücksichtigen; die nicht versuchen, andere über das Wissen um die Verwaltung des Geheimnisses aufzuklären; die keine Gemeinschaft wünschen nach den Grundsätzen der Heiligkeit im Leben (vgl. 1Kor 5), der Lehre (vgl. Gal 5; 2. Joh) und den Verbindungen (vgl. 1Kor 5; Gal 5; 2; Joh 9,10; 2Tim 2; Lk 12,51.52; Off 2,14.15; 3Mo 13,15; Ri 20,21; Hag 2,10; Jos 7,11; 2Kor 6,17)?

Wir stellen fest, dass im Zusammenhang mit dem Brechen des Brotes 1. Korinther 10 vor 1. Korinther 11 steht. 1. Korinther 11 gibt uns unser tatsächliches Gedächtnis an den Herrn; aber Kapitel 10, das ihm vorausgeht, spricht vom Tisch des Herrn. Und wir lesen dort, dass dieser Tisch mit unseren Verbindungen zu tun hat. Das ist für Gott sehr wichtig. Er stellt ihn uns zuerst vor, und zwar vor dem eigentlichen Gedächtnismahl. Das läuft parallel zu Apostelgeschichte 2. Da wird auch die Erfüllung des Hauses durch den Geist vor der Erfüllung der Heiligen erwähnt. Beachten wir auch: Den Korinthern wurde gesagt, dass sie kollektiv der Tempel Gottes waren (1Kor 3,16), bevor ihnen gesagt wurde, dass ihre Körper individuell die Tempel des Geistes waren (1Kor 6,19). Der springende Punkt dabei ist, dass Gott sehr darauf bedacht ist, uns, die wir dazu neigen, immer zuerst an uns selbst zu denken, die kollektive Verantwortung vor Augen zu halten. Natürlich ist beides wichtig.

Unsere Gemeinschaft sollte der Verwaltung des Geheimnisses Christi immer entsprechen. Das steht an erster Stelle; denn aus dieser Wahrheit leitet die Gemeinschaft der Versammlungen ihren eigentlichen Charakter ab. Der Herr gab Paulus in dem Moment, als er errettet wurde, den Auftrag, Zeuge dessen zu sein, was er gesehen und gehört hatte. Außerdem gab Er ihm den Auftrag, von dem zu zeugen, worin Er ihm erscheinen würde. Es ist bemerkenswert, dass Paulus zu diesem Zeitpunkt auch einen Hinweis auf den Leib Christi empfing.[10] Darum muss unser Zeugnis, unsere Gemeinschaft, das immer vor Augen haben. Viele Kinder Gottes befinden sich in einer unbiblischen Position, und unsere Bemühungen sollten in jedem Fall auf sie gerichtet sein, aber wegen ihrer unbiblischen Position nicht mit ihnen. Wir sollten den Wunsch haben, ihnen in Bezug auf das Verständnis des Geheimnisses eine Hilfe zu sein. Es passt nicht zusammen, wenn wir mit jemand am Evangelium dienen, aber Jesus Christus nicht gemäß der vollen Offenbarung des Geheimnisses verkünden können. Solch ein Dienst wird unweigerlich zu einer Trennung im Dienst führen.[11]

Im Anfang der Christenheit verharrten die Gläubigen standhaft in der Gemeinschaft der Apostel (Apg 2,42), aber es dauerte nicht viele Jahre, wie wir feststellen, dass dies nicht die einzige Gemeinschaft war (2Tim 1). Wir wissen, dass es in Asien Menschen gab, die sich von dem Apostel Paulus abgewandt hatten (der Zustand von vielen Gläubigen heute). Viele der Heiligen Gottes hatten daher eine andere „Gemeinschaft“; sie waren nicht mehr in der Gemeinschaft des Apostels. Paulus hatte einen zweifachen Dienst, aber sie waren damit zufrieden, wie Phygelus und Hermogenes zu sein. Es gibt heute viele, die sich freuen, dass sie, obwohl sie vor Gott auf der Flucht waren, jetzt wiedergeboren und glücklich sind, und sie freuen sich darüber; aber das ist sicher nicht das Ende in dieser Sache, denn in Wirklichkeit haben sie den Apostel Paulus verlassen und deshalb können wir uns nicht in Gemeinschaft im Dienst mit solchen verbinden. Stellt euch vor, Timotheus wäre nach Asien gegangen und hätte sich in der Verkündigung des Evangeliums mit solchen verbunden, die den Apostel Paulus verlassen hatten, der nicht nur wegen des Evangeliums im Gefängnis saß, sondern auch als Botschafter in Ketten für das Geheimnis Christi, das Geheimnis des Evangeliums. Wenn man solch einen Kurs verfolgt, bringt man alles durcheinander. Das hat dann schlimme Konsequenzen zur Folge. Wir müssen erkennen, dass es da zwei unterschiedliche Gruppen gibt und dass die Wiederherstellung an dem Punkt beginnt, an dem man abgewichen ist. Zu welcher Gruppe gehören wir? Es ist wahr, dass es in Gottes Familie Menschen gibt, mit denen wir nicht als Versammlung in Gemeinschaft sind und mit denen wir uns dennoch über biblische Themen unterhalten. Sie erfreuen sich desselben Lebens und derselben Natur wie wir, aber der Dienst mit ihnen ist eine ganz andere Sache.

Die folgende Bemerkung eines Bruders ist hilfreich:

Wir müssen den Gehorsam gegenüber göttlichen Prinzipien aufrechterhalten, auch wenn das uns von vielen [im gemeinsamen Dienst] trennt, die wirklich unsere Brüder in Christus sind, wenn wir in Gemeinschaft mit dem Apostel sein wollen. Seine Position war ein deutliches Zeugnis gegen das Abirren von Brüdern, und so muss es auch bei uns sein. Unter den gegebenen Umständen ist es unsere Verantwortung, „der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe und dem Frieden mit denen zu folgen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen“ – das ist eine begrenzte Gemeinschaft.

Ein anderer hat gesagt:

Gemeinschaft, die gesegnet werden soll, muss Gemeinschaft in der Wahrheit und um der Wahrheit willen sein.

Lieber Leser, lasst uns niemals diesen höchsten Ausdruck von Gemeinschaft missachten, bloß um am gemeinsamen Dienst teilzuhaben. Ich möchte diesen Abschnitt mit einem weiteren Zitat schließen:

1. Korinther 1,9 ist eine Gemeinschaft, die für das Haus Gottes gilt. Sie hat mit ihrer Verfassung zu tun, wie Paulus sie durch gleiche Lehre (1Kor 4,17) und gleiche Bräuche (1Kor 7,17; 11,16) überall festgelegt hat. Es war Paulus’ Verwaltung, dies zu tun (Eph 3,2), und er legte das Fundament (1Kor 3,10).

Nun wollen wir uns fragen, ob unser ganzer Dienst für den Herrn diese Dinge berücksichtigt und ihnen den gebührenden Platz einräumt, damit Gott geehrt und verherrlicht wird. Sind wir bereit, mehr an seine Interessen in seinem Haus zu denken als an unsere Gemeinschaft im Dienst mit solchen, die Ihm nicht seine Rechte und seinen Anteil inmitten seiner versammelten Heiligen geben?

Zwei Ergebnisse einer falschen Gemeinschaft im Dienst

Die Wahrheit wird beeinträchtigt

Wenn jemand im Evangelium mit jemand zusammen dient, der nicht in der Praxis der Gemeinschaft des Sohnes wandelt (1Kor 1,9)[12], kann er bei den Bekehrten oft nicht so frei sein, wie er sollte, denn sein Mitgenosse im Dienst hat auch etwas darüber zu sagen, zu welcher Geschwistergruppe der Bekehrte gehen soll. Das ist der Grund, warum den Bekehrten bei einigen sogenannten „Erweckungen“ und/oder Evangeliums-„Kampagnen“ gesagt wird, dass sie in die Kirche ihrer Wahl gehen sollen. (Das ist letztlich Gesetzlosigkeit, denn wir sind verpflichtet, allen zu sagen, sie sollen sich dem Willen Gottes unterwerfen und nicht sich selbst gefallen). Eines ist jedoch klar, man wird auf jene Rücksicht nehmen müssen, mit denen man sich verbunden hat.

Wir werden uns von der Wahrheit entfernen

Das war meistens die Folge, wenn man im Evangelium mit solchen zusammengearbeitet hat, mit denen man die Wahrheit des einen Leibes und der Ordnung des Hauses Gottes nicht aufrechterhalten kann. Die Wahrheit wird beeinträchtigt, zweifellos zunächst unbeabsichtigt, aber bald gewöhnt man sich daran, und es macht einem nicht mehr viel aus. Die Wahrheit verliert dann ihren Wert und ihren Einfluss auf einen selbst. Es ist eine subtile Sache, die manchmal unmerklich vor sich geht. Schließlich wendet man sich ganz von dem ab, was man einst festgehalten und praktiziert hat. Diejenigen, die einst dem Herrn inmitten seiner versammelten Heiligen seine Rechte gaben, beschäftigen sich nur noch mit dem Dienst, und sie beginnen zu sagen: „Nun, das wirklich Wichtige ist, dass wir das Evangelium verbreiten.“ Es ist zwar sehr wichtig, aber eine solche Haltung stellt das Erste an die zweite Stelle und das Zweite an die erste Stelle und ignoriert die enge Verbindung zwischen dem Evangelium und dem Geheimnis des Christus, gefährdet die Wahrheit, und die Tendenz geht dahin, die Wahrheit in der Seele des Bekehrten und des Arbeiters im Evangelium kraftlos zu machen. Und bald folgen dann auch die Füße den neuen Neigungen des Herzens.

Jemand sagte:

Ich überlasse es dem Gewissen eines jeden Einzelnen, wo er die Freiheit hat, zu evangelisieren. Zuerst predigte ich in jeder Kirche oder Kapelle, wo es mir erlaubt war; aber ich fand, dass das keine gute Idee war. Wenn ich jemand sah, der das Evangelium ehrlich oder uneingeschränkt auf der Straße predigte, und es gab Widerstand, konnte ich mich mit ihm identifizieren, ohne zu fragen, wer er war oder woher er kam; aber das ist etwas anderes, als zu planen, mit ihm auf die Straße zu gehen. Ich selbst konnte es nicht; aber ich stellte es jedem frei. Man kann das Gewissen eines Menschen nicht kontrollieren; man kann ihm Rat geben. Ich verhehle nicht, dass ich mich außerhalb des christlichen Lagers befinde. Das macht die Leute manchmal ärgerlich; aber ich bin absichtlich außerhalb des Lagers, ganz und gar, und ich glaube, ich weiß aus der Heiligen Schrift, worum es mir geht. Wenn ich dorthin gehe, vermische ich mich mit dem, was im Lager ist, und ich gebe einen undeutlichen Ton ab. Ich bin fest überzeugt, dass man sich im gegenwärtigen Zustand der Gemeinde Gottes außerhalb dieser Verbindungen befinden sollte. Ich denke, es läuft alles so schnell wie möglich auf das Gericht hinaus. Es ist dabei einfach keine Nächstenliebe, so weiterzumachen, dass das Zeugnis geschwächt wird. Ich habe es in diesen fast vierzig oder fünfzig Jahren gesehen, wie es sich entwickelt hat bei Personen, die hierin gleichgültig sind. Und ich habe weder gesehen, dass solche in die Wahrheit hineingewachsen sind, noch, dass andere auf ihrem Wandel zu einem klaren Urteil geführt wurden. Nach meiner Erfahrung von fast fünfzig Jahren bin ich in meinem Urteil darüber völlig sicher.[13]

Unsere Berufung und der Dienst des Evangelisten

Das Folgende ist ein Nachdruck eines Artikels, der im April 1971 in Things New and Old (Woodbridge, N.J.) erschien:

„Die Verkündigung des Evangeliums“

„Ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen“ (Apg 20,27).

Ich höre die Frage, inwieweit wir mit anderen Gläubigen, mit denen wir nicht kirchlich in Gemeinschaft stehen, bei der Verkündigung des Evangeliums zusammenarbeiten sollten. Die Frage würde sich meines Erachtens nicht stellen, wenn solche, die aus den Kirchen, Sekten und Benennungen hinausgegangen sind, um sich getrennt von allem bekannten Bösen nach neutestamentlichen Grundsätzen zu versammeln, für dieses Zeugnis aktiv wirken, arbeiten und dienen würden. Wenn sie durch die Gnade zu denen gehören, die die wahre Berufung der Kirche erkennen durften, dann mögen sie nicht viele sein, die aus dem allgemeinen Abweichen herausgetreten sind und sich nicht von Paulus und seiner Lehre abwenden wollen (vgl. 2Tim 1,15). Es gab schon vor bald 2000 Jahren eine allgemeine Abkehr von der Wahrheit, die Paulus vom Herrn empfangen hatte, und das hat sich über mehrere Hundert Jahre fortgesetzt. Nun hat Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit einigen Licht gegeben über diesen Abfall von der Lehre des Paulus und sie haben sie in einem gewissen Maß zurückempfangen. Das war nicht nur eine Verbesserung gegenüber den verschiedenen Gruppen in der Christenheit. Sie sind die eine Schar von Gläubigen, die zwangsläufig mit allen in Gemeinschaft ist, die in gleicher Weise für die Wahrheit eintreten, aufgrund dessen, dass es nur einen Leib gibt. Sie kämpfen für die Wahrheit, die dem Apostel der Nationen, unserem Apostel (Röm 11,13), anvertraut wurde.

Charakteristischerweise ist unsere Berufung nicht so sehr evangelistisch als vielmehr gemeindlich. Wir sind aufgerufen, unseren Mitmenschen die Berufung, zu der wir berufen sind, darzulegen. Ich sage nicht, dass wir nicht evangelisieren sollen, bei weitem nicht, aber ich sage, dass es meiner Meinung nach nicht unsere größte Pflicht ist. Der Evangelist unter uns, der, wie ich sagen möchte, die gemeindlichen Farben vergisst, die er angenommen hat, weicht von der höchsten Gunst ab, die jetzt von Gott verliehen wird. Ich bin der Meinung, dass die Aufklärung darüber, was Christus durch seinen Leib auf Erden gebührt, heute neben der Bekehrung die größte Gunst ist, die Gott geschenkt hat. Ich fühle und bin überzeugt, dass der Evangelist unter uns eine viel höhere Pflicht hat, als nur die Pflichten und Funktionen seiner Gabe zu erfüllen. Er befindet sich in einer anderen Position als die Evangelisten, die noch mitten in der Gruppe „Alle in Asien“ stehen. Er wurde dazu gebracht, zum Zeugnis des Herrn und seines Gefangenen zurückzukehren, und dieses Abzeichen oder diese Farbe muss er auffälliger tragen als alle anderen. Er ist ein Evangelist, der offen und erklärtermaßen den Kurs von „Alle in Asien“ ablehnt. Bevor er in die Pflichten seiner Gabe eintritt, wird er darauf bestehen, dass er ein Erweckungsprediger im wahrsten Sinne des Wortes ist und sich des Zeugnisses des Herrn und seiner Gefangenen nicht schämt (vgl. 2Tim 1,8.13.14). Er kommt mit der Lehre des Paulus. Diese Lehre darf nicht angetastet werden. Sie muss zuallererst erfasst und verstanden worden sein und dann auch bewahrt werden. Wenn es diesbezüglich eine Frage oder ein Zögern gibt, wird er auch zögern mit dem Dienst. Er wird sich zurückziehen, so wie die Blume sich weigert, ihren Duft zu entfalten, wenn der Tag winterlich und kühl ist. Er möchte seine Pflicht als Evangelist erfüllen, und jeder Gläubige, der den Herrn liebt, würde ihm gerne helfen. Aber er wird nicht mit „allen in Asien“ zusammenzuarbeiten. Das wird auch niemand sonst tun, der das Licht über die Ansprüche Christi empfangen hat. Seinetwegen werden sie – in dem Bewusstsein, Leib Christi zu sein – davon abstehen. Sie wollen dienen, die feindlichen Linien durchbrechen, aber sie werden nicht einwilligen, Zivilkleidung zu tragen; dazu sind sie zu loyal. Wenn sie nicht in ihren wahren Farben und mit ihren eigenen Regimentern und Rüstungen akzeptiert werden, ziehen sie es vor (so unbedeutend es sie auch erscheinen lassen mag), ungebunden zu sein oder zumindest nur eine kleine Garnison zu haben.

Es ist, so sage ich mit tiefer und zunehmender Überzeugung, eine Abkehr von unserer höchsten Pflicht und Treue zu Christus, wenn wir, um Menschen zum Segen zu führen, mit denen zusammenarbeiten, die sich dem widersetzen oder die sich dessen nicht bewusst sind, was Ihm auf der Erde zusteht. Auf diese Weise wird der Mensch Christus vorgezogen und die Seelen werden durch solche Untreue behindert und eingeschränkt. Ich sollte andere nicht daran hindern, das zu tun, was sie tun können, aber ich darf meine Farben nicht verleugnen, um ihnen im Dienst zu helfen, und so meine höhere Pflicht vernachlässigen.

Schlussfolgerung und Anwendung

Die Schlussfolgerung all dessen, was gesagt wurde, muss inzwischen klar sein. Das Wort Gottes verbindet das Evangelium und das Geheimnis Christi eng miteinander. Wir sollten treu sein, liebe Geschwister, um Ihm jenen Gehorsam zu erweisen, der zeigt, dass wir Ihn lieben und seinem Herzen Freude machen. Nur so bekommt der Vater von seinen versammelten Heiligen das Lob und die Anbetung, die Ihm gebührt.

Der Verfasser überlässt es lieber dem Leser, die Anwendung selbst vorzunehmen. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass einige Gläubige die Anwendung verschiedener Wahrheiten schätzen und Hilfe bei der Anwendung benötigen, und deshalb werden diese Anmerkungen hinzugefügt. Ich möchte niemand verärgern. Wenn ich das wollte, könnte ich das mit einem weitaus kürzeren Artikel erreichen. Vielmehr wünsche ich, dass zuerst den Interessen unseres Herrn Jesus Christus gedient wird und dann den Seinen geholfen wird.

Mit den folgenden Bemerkungen soll nicht in Abrede gestellt werden, dass die genannten Gruppen nicht auch manches für den Herrn Annehmbare tun. Er ist der oberste Richter und entscheidet, was Er belohnen wird. Er wird finden, was lobenswert ist (1Kor 4,5). Wir machen uns hier Gedanken über die Grundsätze und die Grundlage, auf der der Dienst ausgeführt wird. Das wird im Wort vorgegeben. Daher sind wir verpflichtet, zu unterscheiden, ob die Grundsätze richtig oder falsch sind, und uns nicht mit dem zu verbinden, was von der Wurzel her falsch ist. In der Zeit von Esra und Nehemia musste man in Verbindung mit dem Ort arbeiten, den Gott gewählt hatte, um seinen Namen dort wohnen zu lassen. Auch wenn viele Brüder in Babylon (= „Verwirrung“)[14] waren, hatte man nicht dorthin zu gehen. Das hat nichts damit zu tun, ob wir solche Brüder lieben oder nicht. Wenn wir sie lieben, werden wir dem Wort Gottes gehorchen (1Joh 5,2).

Ein Fallstrick besonders für jüngere Gläubige, die eine Universität besuchen, können die verschiedenen Studentenmissionen sein. Diese „Gemeinschaft“ ist in der Regel nicht die Gemeinschaft von 1. Korinther 1,9 und 1. Korinther 10. Aber ich möchte keine Arbeit kritisieren. Doch wir wollen der Ordnung der Schrift folgen. Liebe Geschwister, lassen wir diese Vereinigungen einfach ihre Arbeit machen und folgen wir dem Wort Gottes. Wir haben gesehen, dass wir uns nicht damit zufriedengeben können, nur zu sehen, wie Seelen gerettet werden und Hilfe in Fragen der persönlichen Frömmigkeit erhalten (obwohl auch das rapide abnimmt). Gottes Ansprüche gehen darüber hinaus, und wir haben gesehen, dass diese eng mit dem Evangelium verbunden sind, und deshalb muss unsere gesamte Evangeliumsarbeit dies berücksichtigen.

Ein weiterer Fallstrick ist die Vereinigung christlicher Geschäftsleute. Diese Vereinigung ist nicht die Gemeinschaft von 1. Korinther 1,9 und 1. Korinther 10.[15] Lassen wir das auch, wo es ist, und gehen wir daran, Gottes Wort gemäß den besprochenen Wahrheiten zu befolgen. Wird Gott in einer solchen „Vereinigung“ hinsichtlich des Geheimnisses Christi geehrt? Wird irgendjemand diese Wahrheit bestärken? Wie können wir dann mit solch einer Vereinigung weitermachen, wenn sie dem nicht treu ist?

Es gibt auch die „Erweckungen“ und „Evangelisationskampagnen“, bei denen viele Christen in einer Gemeinschaft ihre kirchlichen Unterschiede vergessen und sich gemeinsam für die Rettung vieler einsetzen sollen. Es ist erstaunlich, was in diesem Schmelztiegel zusammengewürfelt wird; nicht nur diejenigen, die nicht nach dem Geheimnis Christi wandeln, sondern oft auch Gotteslästerer und Antichristen sind in dieser Arbeit vereint. Wir wissen von solchen Großevangelisationen, bei denen es den Christen allgemein bekannt ist, dass Antichristen (vgl. 1Joh 4,3 und 2Joh 7; auch 2Joh 9-11) wie auch diejenigen, die unter das Anathema [den Fluch] von Galater 1,8 fallen, mit diesem Evangeliumswerk in Verbindung gebracht wurden. Aber selbst dort, wo ein solch eklatanter Kompromiss der Reinheit in den Verbindungen nicht vorhanden ist, gibt es die wichtige Frage der Verkündigung Jesu Christi gemäß der Offenbarung des Geheimnisses.

Die Organisationen Jugend für Christus und Kinder-Evangelisations-Bewegung und andere Arten von Gesellschaften arbeiten zwar für ein bestimmtes Ziel, aber sie versagen nicht nur in der Praxis, was wir alle tun, sondern auch vom Grundsatz her. Das Versagen auf dem richtigen Boden (was nicht zu entschuldigen, sondern zu verurteilen ist) ist eine Sache. Eine falsche Grundlage für eine Arbeit ist etwas ganz anderes. Alle, die Gottes Ansprüche an sein Haus ehren wollen, sollten sehen, dass alle Arbeit für den Herrn, an der sie beteiligt sind oder die sie unterstützen, der Ordnung und den Grundsätzen dieses Hauses entspricht.

Vielleicht darf ich noch einen weiteren Vorschlag machen. Wäre es nicht gut, für die Verteilung Traktate zu verwenden, die den Namen und die Adresse von jemand enthalten, mit dem wir die Wahrheit ausdrücken, dass es den „einen Leib“ gibt, weil wir sehen wollen, dass Seelen, die gerettet werden, in dem weitergeführt werden, was eng mit dem Evangelium verbunden ist? Einige Traktatleser bitten um weitere Hilfe, und da wäre es gut, eine hilfreiche Adresse zur Verfügung zu stellen.

Möge unser gepriesener Gott uns zu mehr Erkenntnis seines Willens und zum Eifer nach Erkenntnis führen.


Originaltitel: „Fellowship in Service“
Present Truth Publishers, 1974

 

Anmerkungen

[1] „Auf dem Weg in den Himmel“ zu sein wird dem Christen niemals als Hoffnung vorgestellt.

[2] Anm. d. Red.: Der Apostel Paulus schreibt in 2. Timotheus 1,15, „dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben“. Dort, wo Paulus seinen Hauptdienst getan hatte, wandte man sich von dem Apostel und seinen Lehren ab. So werden auch heute viele Lehren, die der Apostel Paulus verkündigte, abgelehnt. Deshalb spricht der Schreiber dieses Artikels hier von Christen in der „Asien“-Position.

[3] Anm. d. Red.: Eine andere Anwendung wäre, dass die Bedeutung des Namens darauf hinweist, dass sie von Paulus fliehen und sich von seiner Lehre entfernen wollten.

[4] Anm. d. Red.: Denken wir nur an Martha, die in ihrem Dienst für den Herrn ebenfalls in Schieflage geraten war und ihre Schwester verachtete, dass sie nicht mit dem Dienst beschäftigt war, den sie ausübte (vgl. Lk 10,38-42).

[5] Alttestamentliche Gläubige hatten göttliches Leben von Gott. Aber „Leben im Sohn“ ist eine christliche Segnung.

[6] Natürlich, die Wahrheit und die Vorrechte der Familie sind erst heute bekannt und können in der Kraft des Geistes genossen werden. Das war zu alttestamentlichen Zeiten nicht möglich, als die Kinder noch „unter einem Erzieher“ (Gal 3,24.25) und unter Gesetz standen.

[7] Das geschieht, weil falsche Grundsätze am Werk sind.

[8] Anm. d. Red.: Wenn z.B. der Diener und der Dienst vorher genau festgelegt werden, kann der Geist nicht mehr gebrauchen, wen Er will (vgl. 1Kor 12,11). Siehe hierzu den Artikel „Wer sollte eine Gemeinde leiten?“.

[9] Anm. d. Red.: Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hier nicht darum, mit wem wir Brot brechen können, sondern mit wem wir gemeinsam Dienst ausüben können.

[10] Anm. d. Red.: Indem er hörte: „Was verfolgst du mich?“ Denn Saulus verfolgte ja die Versammlung und nicht in erster Linie den Herrn, wie bereits weiter oben erwähnt wurde. Aber die Versammlung zu verfolgen heißt, auch den Herrn zu verfolgen.

[11] Anm. d. Red.: Der Leser mag sich fragen: Warum sollte das zu einer Trennung führen? Wenn das Verständnis des Geheimnisses uns wirklich etwas bedeutet und uns auch die damit verbundenen Auswirkungen auf das Zusammenkommen der Gläubigen wichtig geworden sind, dann werden wir einen Neubekehrten an den Ort führen wollen, wo man sich dieser Wahrheiten bewusst ist und sie festhält. Der andere, der diese Erkenntnis nicht hat, mit dem ich aber im Dienst verbunden bin, möchte die neubekehrte Seele natürlich an den Ort bringen, den er für richtig hält, und so wird das auf Dauer nicht gutgehen. Es sei denn, beide entkoppeln das Evangelium von dem Verständnis des Geheimnisses, was niemals möglich ist für jemand, der dieses Geheimnis und den Zusammenhang mit dem Evangelium einigermaßen verstanden hat.

[12] Anm. d. Red.: Es geht um jemand, der zwar die Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes nach 1. Johannes 1 erleben kann, der aber nicht in der Wahrheit des einen Leibes gegründet ist und deshalb für den Neubekehrten ein ganz anderes Ziel verfolgt als jener, der auf der Grundlage des einen Leibes steht und das Ziel hat, den Neubekehrten zu dem Ort zu führen, wo sich zwei oder drei im Namen des Herrn Jesus versammeln. Die Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes ist etwas anderes als die Gemeinschaft des Sohnes Gottes.

[13] Aus „Substance of a Reading on Ephesians“ in The Bible Treasury, Jg. 10, S. 121–122.

[14] Anm. d. Red.: „Babylon“ ist die griechische Bezeichnung der Stadt, im Hebräischen hieß sie „Babel“. Die ursprüngliche Herkunft des Namens ist unbekannt. Die Babylonier selbst deuteten ihn als „Tor Gottes“, in Israel brachte man ihn mit dem hebräischen Wort für „Verwirrung“ in Zusammenhang (1. Mose 11,1-9). Quelle: https://www.die-bibel.de/lightbox/basisbibel/sachwort/sachwort/anzeigen/details/babylon-1/.

[15] Anm. d. Red.: Siehe den Abschnitt „Die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus“ zum Unterschied zu der Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes.

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Hinweis der Redaktion:

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